Akte 9013 - Teil 03 - Nicht allein

 

Nicht allein

>>Frau Wörnant, können Sie mir vielleicht ihr Verhalten erklären?<<, fragt die alte rauchige Stimme von der anderen Seite des Schreibtisches.

Noch nie war Mia die gewesen, die befragt wurde. Und sitzt sie wie ein kleines verschüchtertes Schulmädchen vor ihrem Vorgesetzten und ringt nach Worte.

>>E.. Es... Es tut mir leid<<, stottert sie. >>Frau Kohlmann hat es irgendwie geschafft mich zu provozieren. Ich weiß auch nicht warum.<<

Der alte Mann sieht sie ungläubig an. >>Sie wissen was das bedeutet?<<

Mia nickt. >>Es wird Anzeige gegen mich erstattet und dann eine Untersuchung und ein psychologisches Gutachten angeordnet.<<

>>Nicht nur das.<<, ergänzt er. >>Erst einmal wird Ihnen natürlich dieser Fall entzogen und Tobias Holte wird weiter ermitteln. Und dann...<<

>>Bitte was?<<, unterbricht ihn Mia ungestüm. >>Der Anfänger soll mich ersetzen? Der findet nicht mal seinen eigenen Schnürsenkel, selbst wenn er drauf tritt und fällt. Sie können mir den Fall nicht entziehen. Ja ich weiß, dass heute war eine saublöde Aktion. Aber es wird nicht wieder vorkommen. Versprochen. Wissen Sie eigentlich wie das ist unter Perversen aufzuwachsen? Meine Eltern gehörten auch zu diesen kranken. Sie haben mich in meinem Kinderzimmer eingeschlossen und ich habe nur die Schreie und das Stöhnen meiner Mutter gehört. Und ich konnte nichts machen. Und außerdem hatte sie auch noch Spaß daran. Können Sie sich das vorstellen? Meine Mutter hat nie die Wohnung verlassen. Es war ihr verboten. Nur mit einem dünnen Hemd und Fesseln an Hals, Hand und Füßen musste sie Tag für Tag warten bis mein Vater von der Arbeit kam. Jeden Tag. Und nach dem Abendessen musste ich wieder in mein Kinderzimmer und mein Vater hat sich an ihr vergnügt. Jeden Tag. Und jetzt glaubt diese Schlampe von Apothekerin sie könne mich mit solchen kranken Personen vergleichen? Könnten Sie da ruhig sitzen bleiben?<<

>>Auf Grund von persönlicher Befangenheit, werden die Ermittlungen ab sofort von Holte durchgeführt.<<, entgegnete der Alte bestimmend. >>Sie, Frau Wörnant, Sie werden jetzt nach Hause gehen. Ich werde Sie telefonisch kontaktieren, wenn es einen neuen Fall gibt. Bis dahin sollten Sie sich dringend etwas ausruhen.<<

 

Niedergeschlagen verlässt Mie die Wache und geht zielstrebig nach Hause. Sie kocht innerlich. Als sie an ihrem Stammkiosk vorbei kommt, an dem sie sich sonst jeden Morgen ihren Kaffee kauft, hält sie inne. Kurzentschlossen geht sie an das geöffnete Fenster.

>>Guten Tag Frau Kommissarin. Sie sehen aber gar nicht gut aus. Was kann i...<<

>>Alkohol!<<, entgegnete Mia unfreundlich.

>>Oh jeh... so schlimm heute gewesen? Was hätten Sie denn gerne? Einen Wein oder einen Sekt?<<

>>Geben Sie mit eine Flasche Wodka!<< Verwirrt schaut der Verkäufer sie an. >>Wirklich? Das ist ziemlich hartes Zeug. Wollen Sie wirklich eine Flasche Wodka?<<

>>Sie haben Recht... ich nehme besser gleich drei.<< Mia holt zwei 50er aus der Tasche und legt diese auf den Tresen. >>Der Rest ist für Sie. Und nun geben Sie schon her.<<

Der Verkäufer stellt etwas widerwillig die gewünschten Flaschen in das offene Fenster. >>Machen Sie ja keinen Blödsinn. Verstanden?<<

Mia nickt. >>Jaja. Ich bin ja nicht alleine. Keine Angst.<< Mia heuchelt ein beschwichtigendes Lächeln vor, nimmt die drei Flaschen von der Theke und geht.

 

>>Hallo Amelia.<<, brummt Mia als sie mit ihrem Hacken die Wohnungstür zu schiebt.

Amelia sitzt wie immer auf dem Sofa und beobachtet genau was Mia tut.

>>Du siehst nicht besonders gut gelaunt aus heute.<<, merkt sie an. >>Und seit wann trinkst du denn bitteschön Alkohol?<<

>>Lass mich bloß in Ruhe.<<, mault Mia ihr entgegen. >>Ich hätte heute deine Hilfe gebrauchen können.<<

Mia wirft ihren Mantel auf ihre Sessellehne und lässt sich neben Amelia auf das Sofa fallen. Ihr Daumen streichelt den Deckel ihrer Wodkaflasche während sie ihren Blick durch ihre karge Ein-Zimmer-Wohnung gleiten lässt. Ihre Wände sind tapeziert mit Zeitungsartikeln alter nicht gelöster Fälle. Dies ist die einzige Dekoration im Zimmer.

Mia gibt sich einen Ruck, öffnet die Flasche und stürzt sich mit großen Schlucken das klare Zeug in den Rachen.

Rund ein drittel der Flasche sind leer, als sie die Flasche auf die Tischplatte vor ihr krachen lässt.

Amelia schaut sie beunruhigt an.

Einige Minuten sitzen die beiden schweigend nebeneinander. Wie in Zeitlupe ist zu beobachten wie der Alkohol in Mia seine Wirkung entfaltet, bis sie erschöpft in sich zusammen sinkt. >>Das ist nicht fair.<<, murmelt sie leise.

Amelia steht auf und geht durch den Raum. >>Du hättest sie nicht schlagen dürfen. Das ist dir doch wohl klar, oder?<<

Mia wirft ihr einen verächtlichen Blick zu. >>Du hast doch gar keine Ahnung. Du sitzt hier nur Tag für Tag auf der Couch und machst nichts. Die blöde Ziege hat doch angefangen.<<

>>Du weißt, dass das nicht wahr ist, oder? Ich muss sagen, dass hätte ich von dir nicht erwartet. Du hattest mir versprochen, dass du mit einen Eltern abgeschlossen hast.<<

>>Halt die Fresse!<<, poltert Mia los. >>Das sind Dinge die dich nichts angehen.<<

>>Reis dich zusammen Mia!<<, ermahnt Amelia. >>Und wie es mich etwas angeht. Schau dich doch mal an. Du trinkst, du schlägst. Du kannst dich wohl doch nicht hinter deiner Fassade verstecken. Man sieht doch wessen Kind du bist.<<

Das ist zu viel für Mia. Sie zieht ihre Dienstwaffe, richtet sie auf Amelia und feuert mehrere Schüsse ab.

Der letzte Schuss ist so unkontrolliert, dass Mia das Gleichgewicht verliert und vom Sofa fällt. Mit einigen Würgegeräuschen entleert sich ihr Mageninhalt über dem Fußboden.

>>Du kleines dummes Ding.<< Amelia kniet sich neben Mia und streichelt ihr die Haare aus dem Gesicht. Dann wird es dunkel um Mia.

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Kommentare

.... aus der Flache, aus dem Glas, besser noch ein ganzes Fass...." Stefan Hiss.

https://www.youtube.com/watch?v=sHOM17FWLew

Schusswaffen und Alkohol haben etwas beruhigendes. Zusammen eher nicht. Viel Spass mit dem Titel der Stefan Hiss Group..... Cheers 

Juliet

Myka Night

In reply to by julie01

Also, mich beunruhigt eher Amelia, als die Kombi Schusswaffe/Alkohol. Die entspringt ziemlich eindeutig der Fantasie einer psychotischen Persönlichkeit...

Mich persönlich irritieren die eigenartigen Satzzeichen bei der wörtlichen Rede. Sie geben Deiner Geschichte etwas gehetztes, stenohaftes. Klassische Anführungsstrichelchen wären mir eindeutig lieber...

Jetzt bin ich mal gespannt, ob das hier in Richtung 'Aktenzeichen XY ungelöst' geht, oder eher als mysteriöse 'Akte X' endet.

LG, nachthimmel

dienstwaffe und alkohol eine verheerende wirkung das gefällt uns absolut nicht deshalb nur drei sterne

Es scheint metaphysisch zu werden. Sehr merkwürdig aber spannend genug dabei zu bleiben ;-)

P.S. diese Anführungsdinger irritieren mich auch, das stört den Lesefluss