Am Rande

Mitgekommen bist du, meine Überwachung. Die Straße ist voll und Farbe mischt sich nur selten zu dem Kontrast. Herrschend ist schwarz, auch rot.

Ich ziehe dich ins Abseits, wir lösen uns von der Menge, das Durcheinander lässt uns fliehen. Unbemerkt bieten Blätter, Bäume und die Wiese eine kurzweilige Auszeit. Das Gras ist feucht, die Tage sind länger, nicht bis in die Nacht.

Nicht immer Unmensch, bette ich dich, auf meiner Fahne mit Flaggen. Vorsichtig kniest du nieder, ich ergreife deinen Hals und führe deinen Kopf nach hinten, nicht ohne den Griff zu lockern. Du entspannst, holst ab und zu Luft, dein Kopf liegt auf, meine Finger spüren deinen Pulsschlag, er wird schneller, du ruhiger.

Ich greife in deinen Schritt, mit der anderen, löse das Seil, ein Atemstoß von dir. Deine Wangen verfärben sich, Luft in deine Lungen kommt nur schwer. Deine Scham ist rot, wund und lädt mich ein. Ohne Vorwarnung dringe ich in dich ein, nehme dich, nehme mir wonach mir ist.

Laut ist es um uns, im Rhythmus der vielen anderen, genieße ich dich. Ein Moment der Ruhe, im Sturm, eine Sekunde der Zweisamkeit, umringt von Tausenden, dein Körper für mich. Schritte neben uns, doch keine Zuschauer, Klatschen feuert mich an, lässt dich kalt.

Mit dem Erguss schenke ich dir Sauerstoff, dein Brustkorb hebt sich, ich lasse mich nieder. Meine Finger suchen deinen Mund, du öffnest ihn, ich führe sie ein. Nicht nur einen, vier. Mit Hingabe bist du dabei, ich stimuliere dich.

Kreisend finde ich deinen Höhepunkt, du bäumst dich auf, stöhnst und lächelst stumm. Deine Mimik längst nicht mehr unter deiner Kontrolle, du lässt dich fallen, kostest aus. Nichts stört dich mehr, die Leute hast du vergessen.

Ich entzünde nicht nur mein Suchtmittel, vor uns ein bengalisches Feuer. Das rote Licht schenkt uns Aufmerksamkeit, eine falsche. Ich ergreife deine Hand und ziehe dich mit. Gemeinsam tauchen wir in der Menge unter, hinter uns der flimmernde, rote Schimmer.

 

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Kommentare

Eine schön erzählte Geschichte. Leider konnte ich nicht ganz in sie eintauchen. Dafür war sie mir zu kurz. Und die Protagonistin zu sehr "unsichtbar" .
Gefallen hat sie mir trotzdem.
LG O.

... ich mag Miniaturen.

 

Nur dass so Schöngeister auf solchen Veranstaltungen sind... sowas... ;)

Danke jedenfalls

... von den Toten Hosen hatte ich beim Lesen als Background-Musik im Ohr. Ob es daran lag, dass ich am Samstag noch einen Live-Mitschnitt von Rock am Ring mit den Toten Hosen gesehen habe, inklusive Bengal-Feuer, Pogen und Stage-Diving, oder ich das Lied immer mit meinen Kids im Auto laut mitgröle ... ich weiss es nicht.

Immerhin hat Dein Text eine schöne Erinnerung wachgerufen, denn so ein ähnliches Erlebnis hatten mein Mann und ich am Rande eines Festivals auch - damals, als wir noch jung und wild waren ... ;-)

Hach nee, ich glaube ich muss unbedingt wieder mal auf ein Festival! Und es muss hart, rockig und schwarz sein!

Ich bin echt froh, dass ich diesen kleinen Text noch gefunden habe, er passt so gut in die Festival-Zeit ... Fünf Wehmuts-Sternchen habe ich Dir als Dank hier gelassen.

LG, nachthimmel

Das hat der Minimalismus so an sich, jeder kann sich seine eigene Kulisse um deinen Text herumbauen. Meine war halt die eines Festivals, es hätte aber z.B. auch ein Public Viewing bei der Fußballweltmeisterschaft sein können. Bengalfeuer und Flaggen gibts bei vielen Anlässen.

Und vielen Dank, Spass werde ich haben, bis ich heiser bin... ;-)