Animal Planet: Die Reportage - Kapitel 23

 

Schritt für Schritt

Wieder einmal stiegen ihr die Tränen in die Augen. Beinahe ein wenig verwirrt über sich selbst blinzelte Conny ein paar Mal, konnte jedoch nicht verhindern, dass eine kleine Träne von ihren Wimpern tropfte. “Jetzt reiß dich zusammen”, ermahnte sie sich selbst. Langsam und konzentriert atmete sie ein paar Mal tief durch und schaffte es schließlich, ihre Fassung zurück zu erlangen. 
Ganz behutsam riss sie ein paar Blätter des Klopapiers ab, dessen weiche Oberfläche ihr diesen kleinen Gefühlsausbruch beschert hatte. Für einen normalen Menschen musste es geradezu lächerlich wirken, doch für sie war etwas derart einfaches nach dem langen Aufenthalt im Stall keine Selbstverständlichkeit mehr. Conny brauchte einige Sekunden, um sich den Schritt zu wischen. Ihr Arm schien bei jeder Bewegung zu protestieren, die Muskeln hatten sich während der langen Fixierung stark zurückgebildet. Doch Dr. Collins hatte ihr zugesichert, dass sie sich schon bald wieder normal würde bewegen können. Bis dahin würde sie zusammen mit der Arzthelferin ein regelmäßiges Physiotraining absolvieren, um die Muskeln langsam wieder aufzubauen.
Conny schluckte den Kloß herunter, der sich in ihrem Hals gebildet hatte. Derartige Gefühlsausbrüche begleiteten die junge Journalistin bereits, seit der Doktor zu ihr in den Wagen gestiegen war. Egal ob das Essen eines Brötchens, das Benutzen einer Zahnbürste oder der Gang zur Toilette - irgendwie schien für ihre aufgewühlten Gefühle jede Kleinigkeit zu viel zu sein. All die Dinge, auf die sie in den letzten Monaten hatte verzichten müssen, sorgten nun für Gefühlsausbrüche, derer sie sich kaum erwehren konnte.

Die Journalistin erhob sich, betätigte die Spühlung und zog die weit geschnittene Hose über ihre Hüfte. Der Stoff fühlte sich auf der Haut noch immer etwas ungewohnt, jedoch auch weich und angenehm an. Einen erneuten Gefühlsausbruch unterdrückend hob Conny den Blick und machte einen Schritt auf den großen Spiegel zu, der über dem Waschbecken an der Wand hing. 
Ihr Erscheinungsbild hatte sich in den letzten 48 Stunden drastisch verändert. Vor kaum mehr als zwei Tagen war sie als Milchkuh aus dem Transporter gestiegen, doch Dr. Collins hatte bereits dafür gesorgt, dass sie wieder ein sehr menschliches Bild abgab. 
Im ersten Schritt hatte er die gelben Ohrmarken entfernt, mit deren Hilfe man sie als Kuh identifiziert hatte. Obwohl sie die Marken schon nach kurzer Zeit nicht mehr gespürt hatte, schien ihr nun das - wenn auch geringe - Gewicht der Plastikplaketten an ihren Ohren manchmal zu fehlen. Noch mehr hatte Conny sich jedoch darüber gefreut, dass sie den verhassten Nasenring endlich los geworden war. Sie war von vornerein nie damit einverstanden gewesen, dass ihre Nasenscheidewand durchstochen worden war, und insbesondere in den letzten Tagen vor ihrer Rückverwandlung hatte sie ihn zu hassen gelernt. Doch nun hatte Dr. Collins ihn entfernt, und auch wenn das Loch in ihrer Nasenscheidewand bleiben würde, würde sie es nie wieder zulassen, dass jemand erneut einen Ring daran befestigen und sie durch selbigen kontrollieren können würde.

Ebenfalls noch am Abend ihrer Ankunft in der Praxis des Doktors war die rotbraune Färbung von ihrer Haut gewaschen worden. Im Gegensatz zu den Ohrmarken und dem Nasenring war dieser Teil ihrer Verwandlung jedoch nicht ganz so leicht rückgängig zu machen gewesen. Fast zwei Stunden hatte sie in der kleinen Duschkabine verharren müssen, bis die Arzthelferin auch die letzte Stelle ihres Körpers mit einem vergleichsweise rauen Schwamm abgeschrubbt hatte. Nur dem speziellen Lösungsmittel, das sie dabei verwendet hatte, war es zu verdanken, dass die Färbung sich überhaupt vollständig von ihrer Haut gelöst hatte. Doch jetzt hatte ihre Haut wieder den normalen menschlichen Farbton angenommen, der auch vor ihrer Scheinverwandlung zu ihr gehört hatte. Zugegeben, sie war ein wenig blass, doch das würde sich mit ein wenig Sonne bald legen. Im Stall hatte sie schließlich nahezu ausschließlich künstliches Licht abbekommen. 

Es wirkte ein wenig so, als ob sie ihrem Ebenbild Mut machen wollte, als sie die Lippen zu einem zaghaften Lächeln verzog. Die Ohrmarken und den Nasenring war sie losgeworden, doch hatte sie sich noch nicht so recht an den Anblick ihres Gesichts gewöhnt. Die fehlenden Haare ließen sich nicht so schnell wieder in ihre ursprüngliche Form bringen, auch wenn Dr. Collins ihr versichert hatte, dass die Glatze kein permanenter Zustand sein würde. Tatsächlich schien er ein wenig überrascht zu sein, dass ihre Haare nicht bereits neu gewachsen waren. Ihr Aufenthalt im Stall war deutlich länger ausgefallen, als es ursprünglich geplant gewesen war, doch nachdem der Doktor am Vortag einige ihrer Haarwurzeln untersucht hatte, zeigte er sich wieder ausgesprochen optimistisch. 
Die Arzthelferin hatte Conny angeboten, ihr für die Übergangszeit eine Perücke zu bringen, doch die Journalistin hatte sich dagegen entschieden. Warum genau konnte sie nicht einmal sagen, doch momentan erschien es ihr nicht besonders wichtig zu sein, welche Frisur sie trug. 

Der bisher vielleicht größte Schritt ihrer Rückverwandlung in einen Menschen hatte am gestrigen Vormittag stattgefunden, als Dr. Collins ihr den Kuhschweif amputiert hatte. Obwohl dieser künstlich hinzugefügte Teil ihres Körpers sich für Conny immer ein wenig fremd angefühlt hatte, schien das Gewebe in den vergangenen Monaten gut mit ihrem Körper verwachsen zu sein. Abgesehen von dem dumpfen Schmerz, der von ihrem bandagierten Steißbein ausging, hatte sie tatsächlich hin und wieder das Gefühl, dass ihr dort hinten etwas fehlen würde. Doch genau wie Dr. Collins es ihr vor ihrer Verwandlung vorausgesagt hatte, war von ihrem Schweif nichts weiter übrig geblieben, als eine etwas größere Narbe. 

Doch der lange Aufenthalt in den Ställen von BioUdders hatte auch einige Spuren an Conny hinterlassen, die nicht so schnell verschwinden würden. 
Am auffälligsten waren dabei ihre Brüste. Jetzt, da ihr restlicher Körper wieder zurückverwandelt worden war, wirkten sie für Conny noch größer und gezeichneter, als zuvor. Die Haut wirkte stark gedehnt und die Brüste waren nicht mehr annähernd so fest, wie noch vor wenigen Monaten. Schwer und prall hingen sie an ihr herunter, ein dezentes Spannen erinnerte die Journalistin daran, dass sie noch immer stark laktierte. Auch an ihren Brustwarzen hatte die Beanspruchung durch die Melkmaschine deutliche Spuren hinterlassen. Groß und geschwollen standen sie von ihren Brüsten ab, wirkten im Zusammenspiel mit der nun wieder normal gefärbten Haut beinahe grotesk dunkel und lang. 
Conny seufzte schwer und drehte sich ein wenig zur Seite. Nicht nur ihre Brüste hatten an Umfang deutlich zugelegt. Die einseitige Ernährung und die allenfalls als geringfügig zu bezeichnende Bewegung in den Ställen waren nicht spurlos an ihrer Figur vorbei gegangen. Wenn sie der Waage glauben konnte, hatte sie 14 Kilo zugenommen. Ein kleiner Anteil davon mochte auf ihre Brüste entfallen, doch das meiste konnte sie recht mühelos an ihren Oberschenkeln und auf ihrer Hüfte entdecken. “Ich muss mich wohl wieder im Fitnessstudio anmelden”, meinte sie mit matter Stimme. 

 Die Journalistin löste ihren Blick von ihrem Spiegelbild und kehrte in das angrenzende Zimmer zurück. Das Klackern ihrer Absätze auf dem gefliesten Boden erinnerte sie beinahe ein wenig an die Geräusche, die von den Hufschuhen ausgegangen waren. Nachdem sie seit ihrer Verwandlung jede Minute in den Stiefeln verbracht hatte, die ihre Füße, wie bei Balletttänzerinnen, in eine extrem gestreckte Haltung gezwungen hatten, empfand sie Absätze als deutlich angenehmer, als flaches Schuhwerk. Die Arzthelferin hatte ihr freundlicherweise ein paar einfache Schuhe mit hohen Hacken gebracht. 

Als Conny zurück in das kleine Zimmer kam, dass sie zurzeit mehr oder weniger bewohnte, wartete dort bereits Frau Perez auf sie. Die Arzthelferin lächelte ihre Patientin freundlich an. “Guten Morgen. Wie geht es dir heute?”
“Ganz gut soweit. Mein Steißbein schmerzt ein wenig”, beklagte sich Conny und erwiderte das Lächeln ein wenig gequält.
“Das legt sich nach ein paar Tagen. Mach dir da keine Sorgen, die Operation ist sehr gut verlaufen”, beruhigte Perez sie. Die Arzthelferin durchquerte den Raum, bückte sich und öffnete einen kleinen Schrank. 
Conny setzte sich derweil auf die Kante des niedrigen Betts, das in einer Ecke des Raumes stand. Sie wusste bereits, was nun kam und streifte sich das Shirt über den Kopf. 
Perez hatte eine kleine Apperatur aus dem Schrank geholt und kam damit zu Conny. “Wie fühlen sie sich heute an?”, erkundigte sie sich, während sie einen Blick auf die freigelegten Brüste der Journalistin warf. 
“Unverändert”, erwiederte Conny etwas knapp. Sie hatte kein Problem damit, dass andere Menschen ihre Brüste sahen - daran hatte sie sich nun wirklich ausreichend gewöhnt. Doch jetzt, wo sie keine Kuh mehr war, war es ihr ein wenig unangenehm, wie deformiert ihre Brüste wirkten. Selbst eine Schwangerschaft hätte wohl nicht so deutliche Spuren hinterlassen. 
Perez nickte leicht mit dem Kopf. Ganz behutsam setzte sie die Milchpumpe an Connys linke Brust und begann vorsichtig damit, etwas Milch abzupumpen. 
Conny schloss für einen kurzen Augenblick die Augen. Sofort hatte sie wieder das Gefühl, im Stall zu sein, vorgebeugt an der Melkmaschine zu stehen. Schnell öffnete sie die Augen wieder, konzentrierte sich auf ihre Umgebung. “Nein, diese Zeiten sind vorbei!”, sagte leise zu sich selbst. Ein paar Mal tief durchatmend beruhigte sie sich wieder. Tatsächlich fühlte sich die Milchpumpe ganz anders an, als die Melkmaschine. Der Druck, mit der an ihrer Brustwarze gezogen wurde, war viel schwächer und der Rhythmus deutlich langsamer. 
“Was meinst du?”, erkundigte sich Perez, die ein wenig verwundert drein schaute. 
Conny lächelte kurz. “Schon gut, nur ein kleines Selbstgespräch”, entgegnete sie. “Wird es schon weniger?” 
Nun war es Perez, die sanft lächelte und dabei den Kopf schüttelte. “Nein, so schnell geht das nicht. Gib deinem Körper ein wenig Zeit, um sich zu normalisieren. Du kannst das mit dem Abstillen vergleichen, nur das deine Milchmenge natürlich viel höher ist. Aber wenn dein Körper merkt, dass nicht mehr so viel Milch gebraucht wird, dann wird er auch darauf reagieren.” 
Leise seufzend nickte Conny. “Ja, natürlich.” 
“Du darfst nicht vergessen, dass du in den letzten Wochen täglich fast fünf Liter Milch produziert hast. Von dieser Menge herunter zu kommen, wird halt etwas dauern. Aber mit jedem Tag wird es ein bisschen weniger werden”, ermutigte Perez ihre Patientin. 

Conny nickte erneut, sagte jedoch nichts. Bewegungslos verharrte sie, während die Arzthelferin ihr zunächst weiter die linke und anschließend ebenso behutsam die rechte Brust molk. Anders als an der Melkmaschine, pumpte sie jedoch nicht die gesamte Milch aus Connys Brüsten, damit die Laktation sich langsam verringern konnte. 
Den Blick auf die Pumpe gerichtet, beobachtete die Journalistin, wie die weiße Flüssigkeit aus ihrem Körper gewonnen wurde. Im Stall hatte sie dabei zumeist gefressen, und tatsächlich verspürte sie jedes Mal, wenn Perez die Milchpumpe ansetzte, plötzlich einen starken Hunger. 
Das Gefühl mit einem kurzen Gedanken an Pawlows Hunde unterdrückend konzentrierte Conny sich auf die Milch. Mit Entsetzen hatte sie festgestellt, dass sie etwas mehr als vier Monate auf dem Gelände von BioUdders verbracht hatte. Das war doppelt so lange, wie sie es ursprünglich geplant hatten. In diesem Zeitraum hatte ihr Körper grob geschätzt etwa 500 Liter Milch produziert. Eine unglaubliche Menge, die Conny kaum fassen konnte. Das war vermutlich mehr, als ein mittelgroßer Supermarkt am Tag umsetzen konnte. Wenn sie sich vor Augen hielt, welche Menge an Flüssigkeiten in den letzten Wochen aus ihren Brustwarzen gepumpt worden war, schien es ihr durchaus verständlich, warum sie so aussahen, wie es momentan der Fall war. 
Ihre Brüste würden auch nach dem Versiegen der Milch deutliche Spuren ihrer Scheinverwandlung behalten, das war Conny inzwischen klar. Dr. Collins hatte jedoch schon durchblicken lassen, dass sich vielleicht eine Operation anbieten würde, um den alten Zustand einigermaßen wieder her zu stellen. Die Journalistin war alles andere als abgeneigt, dieses Angebot anzunehmen. Immerhin hatte sie wenig Lust, den Rest ihres Lebens derart gezeichnet zu sein. 

Mit einem leisen Schmatzen löste Perez die Milchpumpe von Connys rechter Brust. Obwohl die Journalistin nicht das Gefühl hatte, dass sie schon fertig war, hatte zumindest das unangenehme Spannen nachgelassen. 
“Möchtest du gleich mit rüber kommen und etwas Frühstücken?”, erkundete sich die Arzthelferin, während sie die Apparatur in einem Waschbecken säuberte und anschließend wieder in dem Schrank verstaute. 
Connys Blick ruhte auf den beiden Halbliterflaschen, die beide mit ihrer weißen Milch gefüllt vor dem Bett standen. Ihre Brüste waren noch nicht einmal richtig leer, und dennoch hatte sie einen knappen Liter Milch gegeben. “Was? Ehm… ja, gerne. Ich bekomme dabei immer Hunger…”, gab sie zu. 
Perez lachte leise. “Ja, das ist wohl die Macht der Gewohnheit, was?” Sie wandte sich zum gehen, blieb jedoch stehen, als Conny ihr nicht folgte. “Gibt es noch etwas?”, erkundigte sie sich mit leicht besorgter Stimme. 
Conny konnte ihren Blick nur langsam von den Flaschen lösen. “Ja… ich weiß nicht, ob Dr. Collins das nicht schon längst gemacht hat, aber könnte ich bitte einen Schwangerschaftstest machen? Nur… um sicher zu gehen.”
Einige Sekunden vergingen, während die Arzthelferin die Journalistin aufmerksam musterte. “Ja, natürlich. Wir erledigen das direkt nach dem Frühstück, ja?”
Leicht mit dem Kopf nickend stimmte Conny zu und erhob sich. “Danke.”
 

 

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