Besuch bei einer alten Dame Teil 1

 

Ich bin mit meiner Frau ganz zufrieden. Gut, sie ist nicht perfekt. Aber über kleine Schwächen sehe ich gerne ritterlich hinweg.

 

Kennengelernt habe ich sie vor etwa einem Jahr. Ich war gerade für einen Kongress in Hannover und traf dort zufällig Frau Sauber, eine ältere Dame, die ich vor Jahren auf einem Empfang kennengelernt hatte. Sie schien mir schon damals etwas schrullig zu sein, und so wirkte sie auch dieses Mal. Aber da sie mich mit einer gewissen Hartnäckigkeit für den nächsten Abend zum Essen einlud, und ich für diesen Abend noch nichts vorhatte, siegte meine Neugier.

 

Als ich zur verabredeten Zeit an der Gartenmauer ihres Hauses klingelte – einer alten Gründerzeitvilla – tat sich erst mal gar nichts. Schließlich quietschte es fürchterlich und langsam öffnete sich, von einem wimmernden Elektromotor gedrängt, die Gartenpforte und gab den Weg zum Hause frei. Der Weg führte mich vorbei an dichten Hecken und großen alten Bäumen an die Seite des Gebäudes.

 

Die Haustür war noch geschlossen, ich bemerkte aber hinter der Milchglasscheibe eine Bewegung. Und dann ganz langsam öffnete sich wie von selbst auch diese Tür. Erstaunt trat ich ein. Es war kühl hier und ich war nicht allein. Neben der Tür stand eine junge Dame und schaute mich an.

 

Ich erwiderte ihren Blick, und was ich sah, war recht interessant. Die Dame war groß, fast 1,90 m, und sie hielt sich sehr gerade. Ihre Hände hatte sie vermutlich hinter ihrem Rücken verschränkt, denn ich sah sie nicht. Aber was ich sah, gefiel mir. Sie hatte lange blonde Haare, die zu einem Pferdeschwanz gebunden waren. Ihre warmherzigen Augen waren grün, machten aber einen etwas leidenden Eindruck. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, warum. Ob es wohl an dem Ringknebel lag, der ihren Mund so weit aufspreizte, dass man ihren Hals von innen sah? Jedenfallst tropften ihr Spuckefäden aus den Mundwinkeln und durchfeuchteten ihre seidige, wohl gestärkte Bluse, so dass ich deutlich ihren üppigen Busen erkennen konnte. Ihr dunkler Rock spannte sich um ihre breiten Hüften. Dabei hatte sie ein hübsches Doppelkinn. Trotzdem wirkte ihre Taille unglaublich schmal. Ich streckte meine Hand aus. Sie erwiderte meine Geste, indem sie zurückwich. Meine Hand berührte ihre Brust.

 

"Oh Entschuldigung", meinte ich. Sie schwieg. Ich lächelte ihr aufmunternd zu. Sie ging um mich herum, beugte sich herunter, umschloss mit ihrem Mund die Türklinke und drückte mit einiger Anstrengung die Tür wieder zu.

 

"Wie schön, dass sie gekommen sind, mein Freund", hörte ich jetzt die Stimme meiner Bekannten. "Legen Sie ab. Lisa wird sich um ihre Garderobe kümmern."

 

Mit diesen Worten trat Frau Sauber auf mich zu und nahm mich herzlich in den Arm.

"Bitte haben sie Verständnis für meine Nichte – sie ist noch immer schlecht erzogen und leider sehr ungeschickt."

 

Ich warf noch einen letzten Blick auf die junge Frau. Ihre Arme waren mit Handschellen auf den Rücken gefesselt. Trotzdem hatte sie Schwierigkeiten, meinen Mantel zu packen und auf einem Bügel zu drapieren. Man merkte, wie sie sich abmühte, wie sie schwitzte. "Sehen Sie, was ich meine, mein Freund? Das einzige, was hier hilft, ist dies hier. " Mit diesen Worten nahm sie eine lederumwickelte Gerte von der Wand, holte weit aus und swuuuuusch hieb ihr damit quer über das fette breite Hinterteil. Die Frau quietschte noch schlimmer als die Gartenpforte und ließ tatsächlich meinen schönen Mantel fallen. Ihre Tante packte sie am Pferdeschwanz, riss ihren Kopf in den Nacken und zischte "Du blamierst mich unglaublich, Du fettes nichtsnutziges Luder! Das wirst Du noch bereuen, Du unverschämte Sau!" Sie zerrte den Kopf an den Haaren hoch und gab ihm links und rechts zwei schallende Ohrfeigen, dass die niedlichen Backen rot anschwollen. Ich konnte mir ein verständnisvolles Lächeln nicht verkneifen. Was für eine fürsorgliche Tante. Sicher würde Lisa eines Tages voll Dankbarkeit an ihre Zuwendung zurückdenken.

 

Statt sich für diese Unterweisung erkenntlich zu zeigen und etwa dankbar zu lächeln, fing die junge Frau hemmungslos an zu schluchzen. Tränen schossen ihr aus den Augen, Sabber tropfte aus ihrem Ringknebel. Die alte Dame verdrehte die Augen: "Was soll man mit solch einer ungeschickten Jung-Sau nur anstellen, werter Freund? Das ist nicht das erste Mal. Ich weiß nicht, was ich da noch machen soll."

 

"Ach Frau Sauber, meinte ich, wir wollen uns doch von solch einem kleinen Missgeschick

den schönen Abend nicht verderben lassen. Lassen Sie uns ein Gläschen trinken und vergessen. Lisa wird bestimmt mit ihrer kleinen Aufgabe noch gut zurecht kommen, wenn wir erst einmal weg sind." Mit diesen Worten zwinkerte ich ihr freundlich zu und zog ihre Tante zurück in den Raum, aus dem sie gerade gekommen war.

 

Es handelte sich offenbar um die Bibliothek des Hauses mit dem strengen Geruch von alten ledergebundenen Folianten. Die alte Frau seufzte. "Was müssen Sie nur von mir für einen Eindruck bekommen haben. Es tut mir schrecklich leid. Ich glaube, ich bin einfach zu alt und nachgiebig geworden. Fast so schlimm wie mein Bruder." Sie blickte trübe vor sich hin. ". Der achtete viel zu selten auf Disziplin. Aber das ist jetzt vorbei, Schluss, aus, Ende! Dieses dicke junge Ferkel da draußen. Taugt zu gar nichts. Seit 2 Monaten versuche ich aus ihr eine brauchbare junge Dame zu machen. Ihr Vater ist kürzlich verunglückt. Nun ist sie zusammen mit ihrer Mutter bei mir gelandet, weil ich die Testamentsvollstreckerin bin."

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Kommentare

...ob wohl ein Dürrenmatt drin steckt :)

Nein, das nicht, aber dafür ein vom Stil her unverkennbarer "Hansen". Formal technisch nicht viel auszusetzen, ausser der stutzig machenden "Gartenmauer SEINES Hauses", aber vielleicht stellt sich ja noch heraus, dass die alte Dame ein Transsexueller ist.

Inhaltlich fühle ich noch hängengelassen. Der Text ist -auch als erste Folge eines Mehrteilers- nicht genug abgerundet. Ein Spannungsbogen wirf angefangen, aber dann zu unvermittelt abgebrochen. Ein letzter Absatz, der noch einmal in irgendeiner Form das Thema des ersten Absatzes aufnimmt, hätte vielleicht schon geholfen, keine Ahnung.

Aber so denkt man immer, der Bildschirm sei kaputt, weil unten ein Stück fehlt. Auch deswegen, weil sogar das Schlusszeichen fehlt, das die letzte direkte Rede abschliessen würde...

Ach ja, und mein ceterum motzo am Schluss: Der Tag-Friedhof hat so gut wie nichts mit dem Inhalt zu tun...