Beute machen

(Überarbeiteter Auszug aus Die Insel – Cougar`s Prey, Mai 2013)

Anm.: Diese Geschichte ist Teil einer längeren Reiseerzählung, die in 5 Teilen von einem Campingtrip nach Schweden berichtet. Das hierin beschriebene Spiel finde ich wert, es den Leserinnen und Lesern als Auszug anzubieten.

Eine abgelegene felsige Insel in einem großen See im Gävleborgs Län in Schweden war das Ziel eines Campingtrips, bei dem ich Ruhe in der Abgeschiedenheit suchte und mit Franzi, mit der mich eine 20 Jahre zurückliegende kurze Episode verband, unerwartet eine Lastminute-Reisebegleiterin erhielt. Sie träumte schon lange von einer Reise nach Schweden und sie brauchte Abstand zu Ihrem Freund, denn die Beziehung zu diesem Mann steckte in einer tiefen Krise.

Diese Insel, die nur über eine längere Bootsfahrt zu erreichen war, wurde aufgrund einer Empfehlung eines Freundes zu meinem Reiseziel, weil mit ihr eine interessante Geschichte verbunden war. Sie war der Aufenthaltsort einer recht eigenwilligen Malerin, die längst verstorben war und nachdem ihr Haus vor längerer Zeit niedergebrannt war, gab es zu unserem Bedauern mit einigen kaputten Schuppen, einem maroden Bootshaus und einem verwilderten Obstgarten nur noch wenige Spuren der Inselbewohnerin. Ansonsten herrschte dort auf 500 mal 300 Metern geschätzter Fläche die für große Teile Schwedens übliche, von kleinen Blumenlichtungen unterbrochene, karge Waldnatur.

An einem dieser Tage auf der Insel kam Franzi mit der Idee eines Spieles zu mir, von dem sie während eines längeren USA-Aufenthalts erfahren hatte und das Cougar`s Prey genannt wurde. Es ging um die lebendige Simulation der Jagd des Pumas auf ein weibliches Wild und es war mir schnell klar, dass das Spiel einen sexuellen Hintergrund hatte, denn der erfolgreiche Jäger dürfte mehr oder weniger mit der Beute verfahren, wie es ihm gefiel. Ich stimmte nach einigen Überlegungen Franzis Vorschlag zu und ließ mich auf diesen Spielgedanken ein. Und dann kam der Tag der Jagd.

Nach Einkäufen auf dem Festland hatten wir es eilig, wieder auf die Insel und zu unserem kleinen Zeltlager zu kommen. Ich machte gleich nach unserer Ankunft ein Feuer und wir warfen einige Scheiben Fleisch auf den Grill. Dazu hatte Franzi einen Salat fabriziert. Beide aßen wir mit großem Appetit, tranken aber diesmal kein Bier wie sonst, sondern beließen es bei Mineralwasser. Franzi hatte 15 Uhr als Startzeitpunkt für unser "Geländespiel" empfohlen, was ich passend fand und was mir noch etwas mehr als eine Stunde Zeit zum Ausruhen gab. Franzi dagegen nutzte die verbleibende Zeit für einen Spaziergang, wobei mir klar war, dass sie sich dabei verschiedene Fluchtwege konstruieren würde.

Kurz vor 15 Uhr trafen wir uns am Zelt und besprachen noch einmal Einzelheiten. Ich empfand es als schwierig, über dieses Spiel zu reden, das aus meiner Sicht in einem sehr intimen Zusammentreffen enden würde. Spielregeln für etwas zu finden, dessen Grundlage nichts Spielerisches hatte, das auf dem Kampf von Jäger und Beute basierte. Dennoch einigten wir uns auf einige "Regeln". Ich sollte auf meine schweren Trekkingstiefel verzichten, die eine gewisse Verletzungsgefahr für Franzi bedeutet hätten und wir legten uns auf beiderseitige Wettkampfkleidung fest. Sie trug ihre Trail-Laufschuhe, eine dunkelblaue, lange Sporthose und eines ihrer Tank Tops. Auf Unterwäsche wollte sie verzichten. Ich trug meine uralt Waldlaufschuhe mit etwas gröberem Profil, dazu die alte graue Jogginghose, die ein in meiner Heimatstadt beliebter, ehemaliger Fußballtorwart so populär gemacht hatte und ein weißes Unterhemd. Auch ich verzichtete auf Unterwäsche, wenn ich von dem Unterhemd absah. Ich nahm an, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt schnell gehen musste und da waren Slips oder Shorts einfach hinderlich.

Wir legten weiter eine Spieldauer fest, die wir auf 45 Minuten begrenzten. Franzi hatte einen batteriebetriebenen Wecker dabei, der in der höchsten Lautstärkestufe durchaus weit zu hören war. Nach dem Alarmsignal sollten alle Spielaktionen sofort beendet werden. Franzi würde eine Minute Vorsprung bekommen, bevor ich mich auf die Jagd machen würde. Ich bestand auf einem Codewort, das Franzi benutzen konnte, sollte ich ihr habhaft werden und auf das hin ich von ihr ablassen wollte. Sie meinte zwar, ein Codewort nicht zu brauchen, ich bestand aber darauf. "Wie kommst Du nur darauf, an solche Details zu denken?", fragte sie mich. Ich schaute sie einige Sekunden lang an und antwortete, "Ich bin halt ein schlaues Kerlchen". Sie stutzte kurz und lachte, wobei ich merkte, dass ihre diesbezüglichen Überlegungen nicht abgeschlossen waren.

Franzi stellte den Wecker und platzierte ihn auf dem Campingtisch. Ich nahm auf einem der Campingstühle Platz und blickte auf die Feuerstelle. Sie drehte sich noch einmal zu mir um und fragte "Kann ich?" Ich nickte und sie lief los. Ich verfolgte sie, so gut ich konnte, mit meinem Gehör. Die stetig leiser werdenden Geräusche, die ihre Flucht verursachte, verrieten mir, dass sie in Richtung der alten Schuppen unterwegs war. Ab da konnte ich sie nicht mehr hören. Ich vermutete, dass sie etwa dort einen Tempowechsel unternommen und die Richtung geändert hatte. Die Minute musste längst vorüber gewesen sein und ich nahm die Suche auf. Große Eile verbot ich mir, wollte ich meine Kräfte doch für eine erfolgreiche Hetzjagd ganz zum Schluss aufsparen. Ich lief nicht auf dem Weg, sondern nutzte eine leicht versetzte Route, die sich nach links in spitzem Winkel vom Weg entfernte. Es stand zu befürchten, dass Franzi bis zum linksseitigen Ufer geschlichen war, um dann von dort aus und durch den Waldstreifen gedeckt, zurück zum Zelt kehren zu können. Ich lief langsam und geduckt, bemüht, keine Geräusche zu verursachen. Kurz vor dem, an dieser Stelle ebenfalls felsigen, Nordwestufer kauerte ich mich hinter die Wurzel eines umgestürzten Baumes und lauschte. Ich unterzog jedes noch so leise Geräusch einer Überprüfung, in dem ich meinen Kopf mal hierhin und mal dorthin wendete.

Da sah ich sie. Meine Vermutung war richtig gewesen. Sie befand sich noch direkt am Ufer, hatte aber bereits die Höhe unseres Lagers erreicht. Ich duckte mich noch stärker hinter den Wurzelteller und verlor kurz den Sichtkontakt zu ihr. Jetzt bewegte ich mich fast schon kriechend direkt in Richtung unseres Zeltes, das sie eigentlich bald passieren müsste. Ein vor mir liegendes Farnfeld bot ideale Deckung und so kroch ich dort hinein. Kurz vor dem Rand der Farne hob ich ganz langsam den Kopf bis knapp über die Wipfelblätter und bemerkte so gerade noch, wie Franzi sich hinter dem Zelt versteckte. Ich blieb in dieser Position, gab sie mir doch mehre Möglichkeiten, mich Franzi zu nähern oder einfach abzuwarten, bis sie vielleicht selbst in meine Richtung kam.

Da bemerkte ich aus dem Augenwinkel zu meiner Rechten eine Bewegung am Boden. Gleichzeitig hörte ich es rascheln. Ich verharrte in dieser Stellung und bewegte ganz vorsichtig meinen Kopf in diese Richtung und dann war alles gefühlt wie eine Einheit. Das Erkennen einer Schlange, ein heftiger Adrenalinstoß, Schauer in meinem Nacken, schubhafte Schweißproduktion und sich überschlagende, panikartige Gedanken. Die Schlange hatte wohl bereits eine auf mich bezogene Entscheidung getroffen. Sie rollte sich leicht zusammen und hob den Kopf, der mein Gesicht fixierte. Ich spürte, dass ihr Vorhaben der Angriff auf mich war. Und ich war mir sicher, dass es innerhalb weniger Sekunden passieren würde. Nun ging alles ganz schnell. Die Schlange setzte zum Stoß an und ich riss meine jetzt mit Erde und Humus gefüllte Hand hoch, warf ihr dieses Gemenge nur grob gezielt mit großer Wucht entgegen und traf sie am Kopf. Fast gleichzeitig ließ ich mich nach hinten fallen und stellte mich augenblicklich hin. Die Schlange war durch den Aufprall von Erde und kleinen Pflanzenteilen der Orientierung beraubt und hatte bereits die Flucht ergriffen.

Am liebsten hätte ich nun laut nach Franzi gerufen, um ihr von diesem unglaublichen Erlebnis zu berichten. Ich besann mich aber und nahm an einer anderen Stelle, ein wenig entfernt vom Farnfeld, ein neues Versteck ein. Als ich wieder ein wenig zu Atem kam, durchfuhr mich ein starkes Zittern. Mir lief der Schweiß aus allen Poren und es überkam mich ein Gefühl der Wut über das Tier. Kurz dachte ich daran, die Schlange zu suchen und ihr den Garaus zu machen. Das Spiel war für den Moment zur Nebensache geworden. Die Schlange war von der Körperform kurz und nicht gerade schlank gewesen. Aus Erinnerungsfetzen rekonstruierte ich ihren Kopf, der deutlich breiter war als ihr Körper und die Farbe, die fast schwärzlich, wenigsten aber dunkelbraun war. Es musste eine Kreuzotter gewesen sein. Giftig! Wir sollten vorsichtig sein, hatte der für die Insel zuständige Seeverwalter uns zu verstehen gegeben. Weil sie Heimat von Kreuzottern war, nahm ich nun an. Jetzt ergab die Ernsthaftigkeit seines Hinweises einen Sinn.

Ein wenig begann ich, innerlich zu jubeln. Hatte ich nicht unglaublich schnell reagiert? War ich nicht besser gewesen als diese Kreatur, deren tägliches Geschäft das reaktionsschnelle Zustoßen war? Das war ein Gefühl von Macht. Nicht meine Intelligenz hatte mich aus einer bedrohlichen Situation befreit. Nein, es war die natürliche Aggressivität, die in mir war. Gerne wäre ich aufgestanden und hätte mir dabei auf die Brust geschlagen. Ich vertagte diese Aktion auf später. Jetzt wollte ich erst einmal selbst Beute machen. So steuerte ich, immer wieder Deckung einnehmend, das Zelt an und fand Franzi dort nicht mehr vor. Mein nächstes Ziel war die Felskante, die oberhalb des maroden Steges unserer Landungsstelle war. Die letzten Meter legte ich auf dem Bauch kriechend zurück und abermals diente mir Pflanzenwuchs als Deckung. Ich spähte durch eine Ansammlung von Blaubeerpflanzen hindurch über den Uferbereich. Ob Franzi mein Zusammentreffen mit der Schlange bemerkt hatte? Dann wäre sie sicherlich in Richtung der Bootsschuppenruine geflüchtet. Als nach einigen Augenblicken sich nichts rührte, wollte ich schon meine Taktik ändern und eine alles erreichende wilde Hatz beginnen. Mit lautem Gejohle hätte ich sie in Angst und Schrecken versetzt, sie so vielleicht aus ihrem jeweiligen Versteck gescheucht und mein Glück dann in der offenen Verfolgung gesucht. Da erregten unmittelbar hinter dem Motor unseres Bootes Wellenringe meine Aufmerksamkeit. Die blieben gleich wieder aus, nach kurzer Zeit aber erschienen neue.

Sie steckte im Wasser! Von meiner Warte aus konnte ich jetzt ihren blonden Schopf erkennen, der immer wieder aus meiner Sicht verschwand. Sie kniete im Wasser und nur ihr Kopf schaute heraus. Langsam musste ich ein Ablaufen der Jagdzeit fürchten, ein wirkliches Gefühl für die Zeit hatte ich nicht, also ging ich zum Handeln über. Ich kroch zurück und weg von der Felskante, nahm einen mittelgroßen Stein und warf ihn, so weit ich konnte in Richtung der alten Schuppen. Es war ein guter Wurf, der den Stein bestimmt 80 Meter weit fliegen ließ und der bei dessen Aufprall ein deutliches Geräusch verursachte. Noch während der Stein flog, war ich bereits geduckt entgegen der Wurfrichtung an der Felskante entlang gelaufen. An einer günstigen Stelle stieg ich zum Ufer hinab und näherte mich auf einem schmalen Felspfad der Steganlage und dem dahinter befindlichen Boot. Aus einer Entfernung von vielleicht 50 Metern gelang mir, verdeckt durch das Schilf, ein Blick auf das Boot, hinter dem sich Franzi immer noch versteckte. Ihr Blick war in die Richtung gerichtet, wo sie mich anhand des verursachten Geräusches vermutete.

Ich hatte die nachmittägliche Sonne im Rücken und weiter bemüht, das Schilf zwischen mir und dem Boot zu haben, näherte ich mich schleichend. Mein Herz begann schneller zu schlagen und ein kurzer Moment einer Pause bescherte mir eine Erektion. Ich ging schnell verschiedene Handlungen durch, die ich vorhatte, bei einem Fangerfolg auszuführen, wozu das blitzschnelle Entkleiden von Franzi gehörte. Auch rechnete ich damit, meine “Beute” im tieferen Wasser reißen zu müssen. Jetzt wurde ich schneller, es waren höchstens noch 30 Meter zwischen uns und ich gab meine ganze Kraft in einen enormen Spurt. Ohne anzuhalten lief ich auf den Steg und sprang ab. Erst, als ich in der Luft und direkt über dem Boot war, erkannte Franzi die Gefahr. Ich sah in ihre aufgerissenen Augen und für Bruchteile von Sekunden erstarrte ihr Blick, unfähig zu reagieren. Nur hatte ich zu viel Energie in den Absprung gegeben, flog weiter als gewollt und bekam sie so nicht an der Schulter zu packen, sondern erwischte nur einen Träger ihres Tops und hielt ihn fest, bis ich unkoordiniert im Wasser aufschlug. Das Top zerriss teilweise, wobei auch Franzi vollständig ins Wasser stürzte.

Sie war aber nicht so weit vom Ufer entfernt wie ich. Als ich die Wasseroberfläche wieder durchbrach, sah ich, wie sie sich in Richtung Ufer bewegte. Ehe ich ihr folgen konnte, hatte sie bereits wieder trockenen Boden unter den Füßen und hastete nach Nordost am Ufer entlang. Ich war wütend und gierig und ich bewegte mich laufend und springend zum Land hin. Jetzt begann eine wilde Verfolgung. Sie hatte einen Vorsprung von vielleicht 30 Metern und ich sah, dass ihr Lauf eine heillose Flucht war. Einige Male wäre sie fast gestürzt, fing sich dann aber wieder. Ich barst geradezu vor Energie und stieß Laute aus, die einmal mehr wie Brüllen, dann wieder wie ein böses Fauchen klangen.

Nach einem erneuten Faststurz, den Franzi nur mit wilden Bewegungen ihrer Arme verhindern konnte, war ich bis auf wenige Meter an sie herangekommen. Sie schlug nun einen Haken hinauf in den Waldstreifen zwischen Ufer und dem Mittelweg, der die Insel teilte, der einen freien Lauf kaum erlaubte. Hier war das Unterholz recht dicht und die Bäume teilweise bis zum Boden beastet. Mehrfach brach sie durch dürres und abgestorbenes Geäst in vollem Lauf und wurde so allmählich gebremst. Ich dagegen hatte hinter ihr freie Bahn und fast schien es mir einfach, sie nun greifen zu können. Vor uns trennte uns nur noch ein dünner Streifen des Unterholzes von einer kleinen Blumenwiese, die wie geschaffen war für den nächsten Angriff, den Sprung von hinten an die Beute. Voller Zuversicht stieß ich das lauteste Gebrüll bisher aus, da traf mich ein heftiger Schlag mitten ins Gesicht. Ich kam von den Beinen und rutschte mit unverminderter Geschwindigkeit durch das dichte Geäst am Boden bis ich schließlich am Fuße eines Nadelbaumes zum Liegen kam. Meine Augen waren geschlossen und der Sehnerv ließ mich helle, zuckende Blitze sehen. Das musste ein Ast gewesen sein. Franzi hatte ihn wohl beim Durchlaufen gebogen und er war zurückgeschnellt. An meinen Lippen schmeckte ich Blut und auf meiner linken Wange fühlte ich einen brennend heißen Striemen.

Ich stand auf und sortierte mich. Jetzt gesellte sich noch ein wütender Schmerz zu Geilheit und Jagdtrieb. Ich wollte es zu Ende bringen, falls das Signal des Weckers mir nicht zuvor kommen würde. Dieser Gedanke machte mir Angst. Ich lief wieder. Erst langsam. Nachdem ich die kleine Wiese überquert hatte, wurde ich schneller. Irgendwo vor mir hörte ich Franzi, deren Fluchtlauf nun vom hörbaren Hecheln nach Luft begleitet wurde. Sie will zu den Schuppen, dachte ich. Als ich den Mittelweg erreichte, sah ich sie dann tatsächlich eben noch hinter einem dieser kleinen verfallenen Gebäude verschwinden. Ich sammelte all meine Energie und lief wie von Sinnen auf diesen Schuppen zu und sparte mir dessen Umgehung, indem ich direkt und mit der Schulter voran durch die hölzerne Wand brach. Das heißt, eigentlich zerbrach die Wand nicht. Sie stürzte in ihrer Komplettheit um und hinter mir fiel die kleine Ruine wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Ich rappelte mich hoch, doch zu meiner Verwunderung konnte ich Franzi nirgends sehen. Vor mir lag der alte Obstgarten, der in diesem Teil aus einer Gruppe von 5 Apfelbäumen bestand, die allesamt durch ein dichtes Geflecht von rankenden Pflanzensträngen miteinander verwoben waren. Mir war aber doch, als würde ich menschliche Laute hören. Mehr noch war es die Gesamtheit meiner Sinne, die mir Franzis Gegenwart anzeigte. Sie war hier irgendwo, da war ich sicher. Und dann sah ich sie. Sie befand sich im Inneren des Rankgeflechts und hatte sich darin verwickelt. Sie zog hektisch an den grünen Leinen und stöhnte und winselte dabei. Ich schlich näher heran, wobei ich vorerst bemüht war, außerhalb ihrer Sicht zu bleiben. Je stärker Franzi an den Schlingen zog, desto fester schien sie sich in diesem pflanzlichen Netz zu verwickeln.

Mit einem Ruck riss ich mir mein Unterhemd vom Leib, das ohnehin nur noch aus Fetzen bestand und schlich gemächlich um die kleine Baumgruppe herum. Hin und wieder blieb ich jetzt stehen und zeigte mich Franzi, die daraufhin noch verzweifelter an den Pflanzensträngen zog. Dort, wo sie vermutlich in das Geflecht hineingekommen war, fand ich eine geeignete Lücke, durch die ich mich ihr nun näherte. Sie hing in einem unglaublichen Gewirr aus Blättern, weißlichen Blüten und Pflanzenschnüren fest, das ihre Arme seitlich vom Körper, dass rechte Bein am Boden und das linke leicht angewinkelt in der Luft hielt. In ihrer Not musste sie sich mehrmals um die eigene Achse gedreht haben, denn selbst ihr Oberkörper war vom Hals abwärts bis zur Hüfte pflanzlich verschnürt.

Schweigend trat ich an sie heran und zog ihre noch nasse Hose als Zeichen meiner Inbesitznahme so weit hinunter, wie es die Verschnürung ihrer Beine zuließ. Ich trat etwas zurück und betrachtete ihren nackten Po, der einen dünnen seidigen Überzeug aus Feuchtigkeit hatte. Im fahlen Licht des Schattens, in dem wir uns befanden, sah er fast weißlich aus. Für Sekunden tastete ich sie mit meinen Blicken ab. Dann sprang ich an sie heran, zerriss den Rest ihres Tops, ohne ihre Verschnürung dabei zu zerstören und roch an ihr an verschiedenen Stellen ihres Körpers. Sie war eines Teils ihrer Kräfte beraubt und wimmerte. Während ich mit meiner Nase über ihren Körper wanderte, spürte ich, dass sie zitterte. Sie sprach dabei kein Wort.

Jetzt benutzte ich meine Zunge und ich leckte an ihr, wo es mir gerade gefiel. Ich begann an ihrer Hüfte und dann tauchte ich direkt vor ihr auf. Sie hatte die Augen geschlossen und ihr Brustkorb hob und senkte sich unregelmäßig, weil sie von den vergeblichen Anstrengungen zu entfliehen, noch immer außer Atem war.

Ich leckte an ihren Brustwarzen, die sich augenblicklich aufrichteten. Mir entfuhren jetzt Knurrlaute, denen eines Wolfes ähnlich. Und dann nahm ich sie einfach. Mit kraftvollen schnellen Stößen, hin und wieder jaulend und knurrend. Wie sie in dem Geflecht hing, mal von der Rückseite aus, wobei ich ihre Hüfte fest umklammerte und mal von vorn, mit meinen Armen unter ihre Oberschenkel greifend. Obwohl ich dabei einige der Ranken zerriss, kam sie nicht wirklich frei. Ich zerrte an ihrem Haar, ich griff in ihren Nacken, ich kniff in ihren Unterschenkel, ich zog mit meinen Zähnen an ihren Lippen. Als meine Lust kurz vor dem Höhepunkt war, nahm ich erst ihre Erregung wahr. Sie fiel in ein Stöhnen, dessen Intervalle meinen eindringenden Stößen folgten. Als ich sie wieder von hinten nahm und ich immer stärker in sie hineinstieß, kamen wir gleichzeitig. In meiner festen Umarmung, meine Hände ihre Brüste umfassend, spürte ich ihren kühl-feuchten Körper an meinem. Sie zuckte ganz und gar und ich entlud mich in ihr, während das ganze uns umgebende Rankgeflecht raschelnd in Bewegung war.

Erschöpft und gedankenleer ließ ich von ihr ab und stellte mich vor sie hin. Ich zog meine Hose hoch, während ich immer noch außer Atem war. Sie hatte die Augen geschlossen und es schien, als gäben die Pflanzenstränge ihr nun Halt. Diesen Anblick gönnte ich mir für eine Weile. Dann trat ich auf sie zu und zog auch ihre Hose hoch, worauf sie die Augen öffnete. Sie holte tief Luft und schaute mich an. Ich deutete ihren Blick als eine Mischung aus Erstaunen über das gerade Erlebte und ein wenig Unklarheit über ihr eigenes Empfinden dabei. „Ich habe Durst!“, waren ihre ersten Worte und ich gab ihr lächelnd zu verstehen, dass mir jetzt nach einem Schnaps wäre. So befreite ich sie, indem ich Stück für Stück die Pflanzenschnüre zerriss und führte sie an der Hand vorsichtig aus dem Geflecht heraus. Wir setzten uns an den Rand des Obstgartens auf die Wiese und betrachteten den Ort des Geschehens. Den ersten Kommentar überließ ich ihr. Mir wäre Passendes auch nicht eingefallen. Sie sah mich an und meinte, vermutlich von ihren wahren Gedanken ablenkend, ich hätte großes Glück gehabt, weil sie ohne dieses Verhängnis nicht einholbar gewesen wäre. Ich stimmte ihr zu, verwies aber lapidar darauf, dass die Natur nun einmal so sei.

Nach einigem Schweigen rappelten wir uns beide hoch und schleppten uns, einander vorsichtig stützend, zum Lager zurück. Das Feuer war fast heruntergebrannt und ich legte einige Holzscheite nach, um mich dann in meinen Campingstuhl mit Blick auf die zaghaften kleinen Flammen niederzulassen. Franzi kam mit zwei Bierdosen aus dem Zelt zurück und gab mir eine, nachdem sie sie geöffnet hatte. Sie rückte ihren Stuhl ganz dicht neben meinen, blieb aber noch für einen Moment am neu aufflammenden Feuer stehen. Vom See her war der Ruf einer einzelnen Ente zu hören und ich wurde erst jetzt gewahr, dass neben diesem Geräusch und dem gelegentlichen Knistern aus der Glut nichts weiter zu hören war, nicht einmal das Rascheln der Birken, die unseren kleinen Lagerplatz umgaben, weil es ein absolut windstiller Spätsommernachmittag war.

© 2014

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Kommentare

Am Ende knistert nicht nur das Lagerfeuer, sondern auch die Erotik. Ich hatte mich zur Mitte der Jagd schon gefragt, worauf diese hinauslaufen sollte. Eine schöne Geschichte, nicht nur für eine BDSM-Seite.
Ich freue mich schon jetzt auf weitere Geschichten von dir.

Myka Night

Es hat ja immer etwas wildes und animalisches, als Jäger seiner Beute nachzustellen, sie vor sich her zu treiben und schließlich zu stellen und in Besitz zu nehmen. Und genauso kribbelnd ist es für die Beute, gejagt und schließlich gefangen zu werden. Ich liebe Szenarien in denen Frau oder Subbie auch mal widerspenstig und aufmüpfig sein darf. Das Bondage hat ja praktischerweise Mutter Natur für Dich übernommen und dir das Päckchen fertig verschnürt geliefert.;-)

Ich spendiere 6 Efeuranken fürs nächste Fangnetz...

LG, nachthimmel

In reply to by MykaNight

Ich muss zugeben, dass mir bis kurz vor Ende der Story nicht wirklich klar war, wer der/die Dominante und wer sich im Efeu verheddert. Nach all seinen Missgeschicken hätte auch er derjenige sein können, dem letztendlich das eine Missgeschick zu viel passiert und seine bisherigen Fantasien mit ihr anders herum ausgelebt werden. Aber so wie es ausging, gefiel es mir besser. Glaube ich.

Wirklich fesselnd geschrieben. Im wahrsten Sinne des Wortes. Auf die Schlange hätte ich verzichten können, aber sonst hat mir die Jagd gut gefallen. Und der Verdacht das die Beute sich absichtlich verheddert hat drängt sich mir schon auf.
Was ja nichts schlechtes ist :-)

Vielen Dank für die liebenswürdigen Kommentare!

 

Die Schlange musste rein, weil sie mir bei so vielen Schwedentouren vor die Füße gehuschelt ist.

.. die mich irgendwie gestört hat, war die Anspielung auf die Amis. Irgendwie hat das für mich nicht gepasst. Ich kann nichtmal genau sagen warum.

Ansonsten, hat mir das Motiv der Jagt und der animalische Charakter ziemlich zugesagt. Jeder Mensch der noch nicht ganz zivilisiert ist, wird das sicher nachempfinden können. Entweder auf der einen oder anderen Seite. Ab und zu spüre ich das zumindest selbst.

Zum Sprachlichen an sich muss man glaube ich nicht viele Worte verlieren. Mir sagt es zu.

Ich freue mich, wenn ich noch etwas lesen darf. ;)