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Brief einer Tochter

Eine kleine, böse Satire zum Wochenbeginn. Ja, nicht alle Kinder sind so lieb, wie wir es waren ...

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Gute Unterhaltung wünschen "Die Grimm'igen Gebrüder"


 

Liebe Mama, lieber Papa,

 

seit ich an der Universität zum Studieren bin, habe ich mein Versprechen, euch regelmäßig zu schreiben, nicht wirklich eingehalten. Es tut mir leid, dass ich dabei so nachlässig war und euch nicht öfter geschrieben habe. Deshalb will ich euch heute mit diesem Brief auf den neuesten Stand bringen, was sich bei mir seit Semesterbeginn getan hat. Bevor ich aber weiterschreibe, ist es tunlichst angebracht, dass ihr euch setzt und erst dann weiterlest!

Ich meine es ernst! Bitte setzt euch, okay?
 

Also gut. Inzwischen ist das Schlimmste auch schon vorbei. Die Anzeige wegen Prostitution und Totschlag wurde fallen gelassen und ich lebe wieder im Studentenwohnheim.

Das Zimmer im Wohnheim ist wirklich schön und meine Zimmergenossin sehr nett. Sie ist so nett, dass wir uns wirklich hervorragend verstehen. Und so führte eines zum anderen und wir landeten zusammen im Bett. Da meine Zimmergenossin sehr experimentierfreudig ist, haben wir allerlei Verwerfliches ausprobiert. Aus Rücksicht will ich nicht detailliert darauf eingehen.

Jedenfalls war es wirklich schön und aufregend mit ihr. Leider haben wir in unserem Liebesrausch nicht bemerkt, dass ein Kommilitone uns dabei fotografierte und mit der Kamera in seinem Mobiltelefon filmte.

Dieser Schuft nutzte diese Aufnahmen, um uns zu erpressen. Zuerst mussten wir nur ihm zu Diensten sein und in allen möglichen Konstellationen mit ihm schlafen. Da er uns auch bei unseren „Experimenten“ beobachtet hat, fand er es nur angemessen, wenn wir die Rollen, die wir dabei spielten, auch bei ihm einnehmen. So wurden meine Zimmergenossin zu einer Domina und ich zu einer Sexsklavin. Es bereitete ihm großes Vergnügen zuzusehen, wenn sie mich fesselte und quälte.

Während wir ihn in den vorgegebenen Rollen befriedigten, machte er heimlich noch mehr Aufnahmen von uns, um uns noch fester in der Hand zu haben. So ging es immer weiter. Neue, noch schlimmere Bilder und Filme bauten noch mehr Druck auf und brachten uns dazu, noch schlimmere Dinge für ihn zu tun. Die Bilder und Videos dieser noch schlimmeren Dinge führten uns dann noch tiefer ins Verderben. Bald lebten und sahen wir aus, wie fleischgewordene Sexpuppen. Unsere Kleidung stammte überwiegend aus Sexshops, bestand hauptsächlich aus Leder, Latex oder einfach nur ein paar Ketten und Riemen.

Hier will ich nur einfügen, dass ich den Nasenring aus dieser Zeit nicht mehr trage. Die restlichen Piercings und das kleine Tattoo auf meinem Hintern werde ich aber wohl behalten.

Irgendwann kam unser Erpresser auf die Idee, dass er mit uns Geld verdienen könne. Anfangs vermietete er uns nur an seine Studentenkumpels. Mit den Dozenten und Professoren wurde unsere Kundschaft dann auch gemischt. Männer und Frauen mieteten uns für ihre perversen Gelüste und ich wurde noch tiefer in die Rolle der Sexsklavin gezwungen.

Erst war es nur ein-, zweimal im Monat. Dann wöchentlich, und einen Monat, bevor die Sache aufflog, täglich. Unser Erpresser war so gierig auf das Geld, das er mit uns verdiente, dass er uns an freien Abenden zum Bahnhof fuhr und zwang, dort auf dem Straßenstrich anzuschaffen.

Dort entdeckte uns Sergej. Zwei seiner Mädchen haben sich beschwert, dass wir ihnen die Kunden wegnehmen würden, weil wir alles mitmachten und sie deshalb weniger verdienten. Als wir wieder beim Bahnhof arbeiten mussten, passte er uns ab. Kurzerhand verfrachtete er uns in sein Auto und fuhr mit uns zu unserem Erpresser. Sehr eindrucksvoll und handfest machte er diesem klar, dass wir nicht mehr für ihn anschaffen würden.

Für uns war das allerdings keine Verbesserung. Sergej war der Meinung, dass wir klug genug, und vor allem zu hübsch zum Studieren, seien. Damit wir seinen anderen Mädchen das Geschäft nicht kaputtmachten, quartierte er uns in einem „Hotel“ nahe des Flughafens ein. Auch er war der Meinung, dass wir in unseren bisherigen Rollen am lukrativsten sind. Oft wurden meine Zimmergenossin und ich gemeinsam gebucht - sie als meine dominante Herrin, ich als ihre devote Sexsklavin, sie mit der Peitsche, ich in Seilen und Ketten.

Kein Tag verging, an dem ich nicht ausgepeitscht und in alle meine Öffnungen benutzt wurde - manchmal in alle gleichzeitig. Es war fast eine Erleichterung für mich, dass ich meistens dabei gefesselt war. So machte ich mir wenigstens keine unsinnigen Gedanken oder gar Hoffnung, wie ich flüchten könne.

Abends heulte ich mich, zusammen mit meiner Zimmergenossin, in den Schlaf. Obwohl sie vor den Kunden mich dominierte, fesselte und peitschte, war ihre Stellung bei der Kundschaft keinesfalls besser als meine. Auch sie musste alles über sich ergehen lassen.

Bereits nach wenigen Tagen in Sergejs Diensten nahmen wir das erste Mal Drogen. Damit fiel es uns leichter, unser Leid zu ertragen, nichts mehr von dem mitzubekommen, was uns angetan wird.

In der zweiten Woche bei Sergej lernte ich seinen Bruder Dimitri kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Gerade noch rechtzeitig trat er in mein Leben. Er gebot den Anfängen meiner Drogensucht Einhalt, half mir, auch ohne sie zu überleben. Ich verbrachte so viel Zeit wie möglich mit ihm, liebte mich mit ihm und genoss es zum ersten Mal seit Langem wieder liebevollen Sex.

Ich hoffe übrigens aus ganzem Herzen, dass das Kind, das ich in mir trage, von ihm ist. Und, dass ihr ihn herzlich als euren Schwiegersohn in unserer Familie aufnehmt - ihr, die baldigen Großeltern.

Leider stellte sie Sergej unserem Glück in den Weg. Er schikanierte mich und stritt ständig mit seinem Bruder. Immer lauter, immer gewalttätiger wurden die Streitigkeiten. Als er dann meinen Dimitri mit seinem Messer bedrohte, musste ich eingreifen. Mit einer vollen Flasche schlug ich auf seinen Kopf ein, bis beides zerbrach.

Wie ihr seht, habt ihr eine Tochter großgezogen, die weiß für das, was wichtig ist im Leben, einzutreten und dafür zu kämpfen. Ihr könnt also stolz auf mich sein.

Die Polizei konnte dann in wenigen Tagen die ganze Sache aufklären und mich und meine Zimmergenossin nach einem kurzen Klinikaufenthalt zurück ins Wohnheim, zurück zu unserem alten Leben bringen. Ganz gegen eure Befürchtungen bin ich also sehr wohl in der Lage, auf eigenen Füßen zu stehen.
 

Nun, da ich euch über die Geschehnisse der letzten Monate aufgeklärt habe, will ich euch noch sagen, dass ich keine lesbische Beziehung mit meiner Mitbewohnerin hatte, ich nicht erpresst wurde, nicht als Prostituierte arbeitete, nicht gepierct oder tätowiert bin, keine Drogen genommen habe, nichts von S/M-Sex weiß, und auch nicht schwanger von einem Dimitri bin. Auch seinen vermeintlichen Bruder hat es nie gegeben und ich hatte nichts mit der Polizei zu tun!

Allerdings bin ich bei den Prüfungen meiner drei Hauptfächer durchgefallen und möchte, dass ihr diese Tatsache in der richtigen Relation seht. Es ist also kein Weltuntergang und könnte wahrlich schlimmer kommen.

Eure liebe Tochter

5.01273
Eigene Bewertung: Keine | Durchschnitt: 5 (44 Bewertungen)

Kommentare

Bild von Senara

Oh weh, der Alptraum aller

Oh weh, der Alptraum aller Eltern! Ich frag jetzt lieber nicht, was Dich zu dieser Geschichte inspiriert hat...

Um es mit Johnny Depp in "Chocolat" zu sagen: "Gut, aber nicht meine Lieblingssorte!"   ;-)

Bild von Thresh

Woher?

Ich kann dir ziemlich genau sagen was die Inspiration der Geschichte war, ein ziemlich bekannter Witz wo allerdings nicht so sehr auf die Sexuellen Seiten eingegangen wird.

Bild von Satin

;)))

Einfach nur phantastisch - coole Story ;)) 5 Punkte von mir ...wenn ich mir vorstell das die Eltern voll konservativ und spießig wären ...

Bild von Artaxerxes I

Es ist nichts so schlimm,

Es ist nichts so schlimm, dass es nicht noch schlimmer sein könnte. Die Auflösung ist so gut! Volle Sternezahl!! Auf dass die Töchter dieser Welt nie so einen Brief schreiben müssen.

Bild von dominus00

So viel Spaß...

... verdient sechs Sterne, auch wenn es nicht deine beste Leistung in diesem Forum ist...

Bild von Kathrin O

Ooookay!!!

Das was die meisten wohl erwarten, wenn sie eine Geschichte in diesem Bereich lesen, ist bei mir nicht eingetreten. Daher war der Text auch mehr langweilig, aber auch kurz, weswegen das schmunzeln am Ende und die Idee dann doch sechs Sterne wert war. Hinzu kommt natürlich noch, das die Grundidee auch gut mal der eigenen Regierung gegenüber verwendet werden kann, wenn man mal wieder was falsch gemacht hat.

Bild von Die Grimm'igen Gebrüder

Befreiungsschlag

Mit diesem Text setzte ich den Tipp einer lieben Autorenkollegin um: ich solle doch mal eine schlechte Geschichte schreiben, um mich vom Druck der guten Bewertungen, meiner eigenen Erwartungshaltung zu befreien.

Und was soll ich sagen? Es wirkt! Seit heute ist der Druck weg und ich kann wieder mit unvollendeten Geschichten weitermachen. 

Das ihr es nicht soo schlecht findet, motiviert mich wieder aufs Neue und lässt mich nun unbeschwert weitermachen. Danke.

LG Grimm'ig

Bild von devoter_wu

Andere Variante

Dieser Brief ist nur eine abgewandelte Variante. Im Netz gibt es verschiedene Versionen davon. Es ist vielleicht für den Einen oder Anderen schön zu wissen, dass es jetzt auch eine SM-Variante davon gibt. Aber schmeckt ein kalter Kaffee besser, wenn man ihn wieder aufwärmt?

Viele Grüße

devoter_wu

Bild von Die Grimm'igen Gebrüder

Huch! Ich bin enttarnt ;-)

Freimütig gebe ich es zu: Ich klaue Ideen! 

 

Anders als unser Graf zu Guttenberg, will ich alles zugeben:

Schneewittchen ist nicht von mir! Übrigens auch nicht von den Gebrüdern Grimm.

Den Baumarkt habe ich auch nicht erfunden.

TomTom ist mir sicher böse, dass ich ihren Namen so verhunze: DomDom.

Die SIXT-Autovermietung hat sich noch nicht wegen meiner Parodie in SEXT gemeldet.

Das Christkind hat mich zur Strafe vergangene Weichnachten nicht beschenkt!

Und zum Glück kümmert es George Bernard Shaw nicht mehr, dass ich seine Eliza Doolittle missbrauche.

 

Sicher hat mich eine der vielen vanilla Varianten dieses Briefs auf die Idee gebracht - wie vieles andere, was ich lese, ebenfalls zu den Ideen für meine Geschichten führt. Und anders als der werte Graf, gelobe ich keine Besserung! Weiterhin werde ich gute Ideen aufnehmen und sie meinen Neigungen entsprechend neu schreiben.

LG Grimm'ig

P.S. In den USA kannst Du mit aufgewärmtem Kaffee ohne Probleme Deine Gäste bewirten - dort ist das normal.wink

Bild von devoter_wu

Auch wenn ich hier ein wenig

Auch wenn ich hier ein wenig rumgenörgelt habe, möchte ich Dir große Anerkennung Deiner Arbeit gegenüber aussprechen.

Da Du keine Besserung gelobst, wünsche ich Dir viele weitere Geschichten, die Deine große Fangemeinschaft erfreut. yes

Ich werde mit Sicherheit auch reinschauen. In diesem Sinne weiter so und vielen Dank für Deine Mühen, die Du in Deine Geschichten investierst.

Viele Grüße

devoter_wu

Bild von sibyl666

Danke

Ich bin immer beim DANKE sagen. Meine Tochter hat gestern die FH - geschmissen. Dieser Brief ist genial. Er beruhigt sofort meine Nerven. Es könnte wahrlich schlimmer kommen.

Weiter so!

Bild von champ-62

Diese Geschichte kam mir vor,

als wäre sie auf der Flucht geschrieben worden-eilig, die Ereignisse kompakt hintereinander. Vielleicht habe ich sie auch dadurch zu hastig gelesen und komme nur zu vier Punkten, LG  champ.



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