Bunt ist der Schmerz

Noch habe ich Kraft. Noch könnte ich die Fesseln zerreißen, die mich frontal mit den Händen, über Kopf, an diesen hölzernen Stehpranger binden. Nein, ich glaube das nicht wirklich, aber in meiner Vorstellung tue ich das, falls es noch schlimmer wird. In mir ist schon alles voller Wut. Dann kommt wieder die Bullenpeitsche. Eine Schmerzexplosion trifft meinen Rücken, die nicht an einem Punkt anhält und plötzlich habe ich Druck auf den Ohren. Ich glaube, ich kann den Reiz, der über Nervenbahnen entlang läuft, innerlich sehen. Der Schmerz ist bunt. „Mann!", brülle ich empört, als ich wieder genug Luft dafür habe. Mein Oberschenkel meldet, getroffen zu sein. Muss eine Fehlleitung sein. Ich bin noch in der Lage, mich darüber zu wundern, wieso das ist. Mit jeder Sekunde aber lässt meine Fähigkeit nach, gescheite Gedanken zu haben. Wie lange wirkt denn dieser Scheißschmerz nur, der jetzt sogar meine Schädeldecke erreicht hat. Ich werde noch irre. Die Peitsche trifft erneut. Ich verschlucke mich. Es tut so weh, wie ich noch niemals etwas gefühlt habe. Ich gehe dazu über, mich zu bedauern und zermürbe immer mehr. Oh nein, ich heule schon! „Synapsen", kommt es mir von irgendwann vorhin in den Sinn und ich wiederhole es ein paar Mal wie einen Singsang, stumm oder vielleicht auch laut, ich weiß das nicht.

Sie gibt mir ein paar Hiebe mehr und ich bin pures, pochendes Fleischgefühl. Ich gebe noch nicht auf. Ich spanne alle Muskeln an und zerre wie wild an meinen Fesseln. Das hilft gegen die Angst, doch dann ist die Kraft weg. Mir ist es schlichtweg egal, ob ich flenne oder fluche. Die Peitsche arbeitet sich von oben meinen Rücken hinunter. Sie steckt mir einen Knebel ins Maul, stoppt so einen wirren Redefluss, den ich nicht unter Kontrolle hatte. Ich verzweifle an den unfertigen Lösungsstrategien, die mich woanders hinbringen sollen, weg von dem Schmerz. Ein Fehler, ein Fehler, ein Fehler! Die Gedankensplitter sind gnädige Helfer gegen das Feststecken in der Schmerzecke, sie lenken mich ab. Dann macht sie es dunkel für mich; wie, kriege ich nicht mit. Ich merke, wie sie meine Hose öffnet und meinen Arsch entblößt. Diese Fotze, ich hasse sie. Mein Schwanz hängt frei. Tu das nicht, da kann doch wer kommen! Die Überlegung bringe ich nicht zu Ende, die Peitsche ist wieder da. Auf meinem Arsch schlägt es glühendheiß ein. Ich beiße in den Knebel, schmecke Leder. Nur diese Information verirrt sich in den hektischen Energieflüssen in meinem Hirn. Mein Verstand fließt mit dem Schmerz wie in Bahnen, von oben nach unten und quer, kann nicht stehen bleiben. Die nächsten Treffer gehen an dieselbe Stelle. Sie reißt meinen Arsch in Stücke. Bestimmt ist alles nur noch rohes Fleisch, bestimmt ist das Ganze schon ein blutiges Schlamassel. Dann zucke ich mehrmals, doch die Peitsche kommt nicht mehr.

Ihre Hand nimmt meine Eier und zieht daran. Sie fängt an, meinen Schwanz zu wichsen. Spritz ab, Junge! Spritz doch endlich ab, heule ich in mich hinein. Es dauert lange, dann funktioniert es, doch ich fühle es kaum. Ich kann es kurz über den Knebel hinaus gurgeln, dann lasse ich mich hängen. Ich merke, wie sie mich losmacht und irgendwas von meinem Gesicht nimmt, sodass ich wieder sehen kann. Meine Augen sind verklebt und ich drehe mich um zu ihr. An meine Hose denke ich gar nicht und seltsamer Weise sehe ich auf meine Hände in Erwartung, dass sie verletzt sind, was natürlich Quatsch ist. Sie packt meinen Schwanz in den Slip, zieht ihn und dann die Hose hoch und verschließt sie sorgfältig. Meine Knie sind wackelig und sie hilft mir nach unten, packt mich dabei vorsichtig an den Schultern. Ich sacke ein bisschen in mich zusammen, doch sie hält mich, damit ich nicht umkippen kann. Mein Blick trifft ihren und es will aus mir heraussprudeln, doch da ist immer noch dieser scheiß Lederstock quer in meinem Maul. „Fotze" will ich sagen, es klingt aber ganz anders und eine ganze Menge Sabber fließt hinter her. „Nie wieder!" Das war verständlicher und dann ruhe ich mich in ihrer Umarmung aus. Nie wieder.

(Für LtCdr. Storm. Sie ist die Einzige, die jemals genug Überzeugungskraft hatte.)

© 2015

Bewertung

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Kommentare

Ja, Göttin !

... weil ich persönlich nicht auf den ganz großen Schmerz stehe, aber 5 Sterne sind Dir von mir sicher für die sehr gute Darstellung seiner Gedanken und seiner Verzweiflung ! Klasse !

In reply to by Openminded

Nein, mein Ding war das auch nicht. Aber wissen wollte ich es mal. Vielen Dank für die wohlwollende Bewertung!

beschriebene Gefühle!

Auch wenn es wahrlich nicht meines ist, diese Art der Behandlung, so ist es dennoch so gut geschrieben, dass man es absolut nachempfinden kann.

Danke :-)

LG Kya

Die kleine Widmung am Ende hat mich dazu veralasst es wirklich toll zu finden.

Es ist sehr mutig oder dumm, je nachdem, sowas zu wagen, wenn man gar nicht masochistisch ist und dann auch noch darüber zu schreiben. Hier passt für mich sehr viel zusammen, der Titel hat mich angesprochen und auch die Intensivität in der Kürze fand ich sehr passend.

Für mich ein schönes Leseerlebnis und eine kleine Einsicht, dass selbst nicht auszuprobieren, außer vielleicht mir begegnet auch so ein Mensch für ein einmaliges Erlebnis. ;)

Myka Night

Nach dem Lesen musste ich über den Tag 'Extrem' wirklich lachen, lieber kanalfischer! Es zeigt mir, wie intensiv die Erfahrung für dich gewesen sein muss.

Ja, es ist schwer nachzuvollziehen was Masochisten am Schmerz reizt, warum und wie sie ihn in Lust und Highwerden umwandeln können. Ich stosse da auch oft auf verständnisloses Kopfschütteln. Aber Respekt, dass du es einmal ausprobiert hast. Meine Hochachtung hast du.

6 Sternchen lasse ich hier, für eine wirklich schmerzhafte Erkenntnis :-)

LG nachthimmel