Christopher und Ich - Kapitel 32 - 33

 

32

 

Der Ton des digitalen Weckers fast direkt an meinem Ohr ist grässlich. Er mischt sich in meine skurrile dunkle Traumwelt. Es ist eine Angst einflößende Sirene, ein schrilles und aus dem Nichts auftauchendes Warnsignal, symbolisiert durch ein tiefrotes, blinkendes Licht, das meine Umgebung ändert, je lauter und greller es wird. Fast so wie in Silent Hill.

Ich höre Christopher neben mir schwer aufseufzen und sich auf die Seite drehen. Mein Bewusstsein braucht einige Sekunden, um in der Realität anzukommen. Erst dann, und als mein Freund ein verschlafenes, gleichermaßen aber auch verärgertes, „Niko, mach den Scheiß aus“ brummt, hole ich aus und verpasse dem Gerät den Todesstoß. Doch es fühlt sich eher so an, als hätte nicht das sowieso schon tote Ding einen mächtigen Hieb erhalten, sondern ich. Denn ich bin es, dem vor durch meine Venen rasenden Schmerz beinahe schwarz vor Augen wird. Ich bin es, der aufjauchzt und in seiner Bewegung gefriert, um die Schockwelle des Ziepens und Stechens abzuwarten.

Christopher setzt sich auf. „…alles okay?“, erkundigt er sich heiser.

„…mhmmm…“, mache ich, selbst nicht wissend, ob ich damit eigentlich bejahe oder verneine.

„Lass mal sehen“, meint mein Freund und steht auf. Er zieht die Gardinen auf, dann setzt er sich zu mir und begutachtet meinen Rücken. Ich zische auf, als seine Fingerkuppen ganz vorsichtig über meine geschundene Haut fahren.

„Scheiße“, flüstert Christopher. Im nächsten Moment eilt er schon in den angrenzenden Raum und kommt mit Tüchern und Salben wieder. „Ich hab’s gestern echt übertrieben.“ Er seufzt. Dann macht er sich ans Werk. „Vorsicht, das ziept jetzt vielleicht ein bisschen, ich will das Ganze noch mal desinfizieren, okay?“

Vielleicht hat mein Freund gar nicht so unrecht. Er hat übertrieben. Wir haben es übertrieben. Ich habe es übertrieben. Mit allem. Ich denke an die gestrige Session: An das Reizstromgerät, die Atemkontrolle, das Kerzenwachs, letztendlich diese besondere Kontakt mit dem Andreaskreuz, mein nacktes Fleisch an das schwarz lackierte Holz gepresst, meine lauten Schreie, die das Zimmer erfüllten.

Ja, ich hätte Stopp sagen können, als Christophers Schläge an Härte gewannen und als der Schmerz schneidender wurde, extremer, so gut wie unerträglich; als jeder Zentimeter meiner Haut zu brennen schien und das Ziepen der Stelle, an der mein Master mich mit der Peitsche traf – jener mit den acht geflochtenen, dicken Tails, gespickt mit diesen verführerisch glänzenden Nieten - sich über meinen gesamten Leib wie ein Fegefeuer verbreitete.

Aber das habe ich nicht getan.

Weil es genau diese Art von Schmerz gewesen ist, den ich zu fühlen gebraucht habe. Und weil es genau jene Bestrafung war, die Christopher zu vollziehen benötigt hat.

Wir haben geschwitzt danach, nach Atem gerungen, uns im Bett gewälzt. Christophers Fingernägel haben sich in meine Arme, meine Seiten gebohrt, über die Striemen auf meinem Gesäß und Rücken gekratzt.

Er hat sich in mich geschoben. Ruppig, rücksichtslos, einfach brutal. Christopher hat mich an den Haaren gezogen, mir die Luft abermals mit seinen bloßen Händen abgeschnürt, mich angeblafft, ich solle die Beine gefälligst weiter spreizen und nicht so laut sein. Er hat mich geschlagen und am Ende dann seinen heißen Saft tief in mir verteilt, mich markiert.

Wir sind so bei der Sache gewesen, dass wir erst nach dem Akt bemerkt haben, dass ich an einigen Stellen ein wenig am bluten gewesen bin und das Bett stellenweise versaut habe. Aber ganz ehrlich: das war sogar Christopher egal. Er hat nicht geschimpft, sondern mir stillschweigend, immer noch auf der Welle seines Höhepunktes surfend geholfen, alles neu zu beziehen. Nachdem er mich das erste Mal verarztet hatte.

„Geht es?“, fragt er mich nun, nachdem er gefühlte Tonnen der Salbe vorsichtig auf meinem Rücken verteilt hat.

„Ja. Danke.“

„Das mit dem Blowjob lassen wir heute, wir haben eh keine Zeit“, bestimmt Christopher. „Wir müssen noch viel vorbereiten.“

„Haben wir das nicht gestern Abend schon gemacht?“

Mein Freund sieht auf mich herab. „Ach, Niko…“, seufzt er und tätschelt meinen Kopf.

Beim Frühstück, dieses mal nicht so opulent wie sonst an einem Wochenende, sondern eher improvisiert und schnell, sage ich es ihm: „Du. Ich hab dich gestern angelogen.“ Christopher nimmt einen Schluck Kaffee und bedeutet mir, weiter zu sprechen. „Ich hab gar keine Schokolade in den Einkaufskorb getan.“

Mein Freund lacht. Gehässig und herablassend. Sein Blick mit dem er mich fixiert ist fies. „Denkst du wirklich, das wüsste ich nicht?“, fängt er an, „denkst du allen ernstes, ich hätte dir nicht genau auf die Finger im Supermarkt geguckt und darauf geachtet, was abkassiert wird?“

Ja.

Wir haben diese Session einfach gebraucht. Wir beide. Denn auch Christopher ist nervös vor diesem Treffen. Er legt sich mächtig ins Zeug und somit verbringe ich weitere Stunden in der Küche als seine Aushilfe. Und Putzfrau.

Ich decke den Tisch, ganz nach seiner Anleitung und als mein Master meine Arbeit abnehmen will, rückt er Gläser und Teller und was da sonst noch so liegt so penibel zurecht, dass man fast glauben könnte, er sei ein Kellner in einem noblen Restaurant, das mindestens vier Sterne hat. Er hat das beste Porzellan herausgeholt, das Silberbesteck. Spießiger geht es einfach nicht.

„Was zur Hölle?!“, rufe ich aus, als ich das Schlafzimmer betrete und noch mehr dieser gutbürgerlichen Spießigkeit entdecke. Christopher hat mir mein Outfit für diesen ganz besonderen Abend bereitgelegt. Eine der etwas eleganteren tiefschwarzen Jeans, die er mir gekauft hat, dazu ein lila Hemd und die Krawatte in Anthrazit. „Ist das dein Ernst?!“, zische ich verärgert, ernte dafür allerdings nur einen Schlag auf den Hinterkopf; was so viel bedeutet wie „ja, das ist mein voller Ernst, also halt die Klappe und zieh’ dich gefälligst um“.

Mein Freund trägt ein ähnliches Outfit an diesem Abend. Keinen Anzug, denn ein Anzug wäre seinen Worten nach „too much“. Ein T-Shirt und eine stinknormale Hose dementsprechend dann wohl „not enough“.

Christopher geht zum gefühlt sechzehnten Mal mit mir das Menü durch, schließlich werde ich ihm beim Servieren helfen müssen, er rückt zum gefühlt zweiundzwanzigsten Mal die Gabeln zurecht und er schaut sich viel zu oft im Spiegel an, wonach er sich zum gefühlt zweihundertsten Mal durchs zurückgekämmte Haar fährt. Als würde wir hier gleich Staatsbesuch empfangen. Angela Merkel. Queen Elizabeth. Barack Obama.

Dabei ist es nur meine gottverdammte Halb-Familie!

Das alles macht mich so sauer, dass ich meine eigene Nervosität total vergesse. Bis es an der Tür klingelt.

Christopher und ich blicken einander an. Ich seufze.

„Wir werden nett sein, egal was sie auch sagen werden, okay?“, erinnert mich mein Freund zum gefühlt zehnten Mal und ich nicke bloß; er moniert die fehlende, verbale Adressierung nicht.

Die Tür geht auf und da steht er: Mein Vater. Hat sich äußerlich gar nicht so sehr verändert, der Udo Klaas. Er ist Ende 40, nicht zu fett, nicht zu schlank, hat ein paar Falten im Gesicht, ein paar graue Strähnen auf dem Kopf, ansonsten sieht er ziemlich frisch aus; lediglich seine Augen suggerieren leichte Müdigkeit. Oder ist es Verunsicherung?

Neben ihm steht seine dämliche Christine mit ihren blondgefärbten Haaren, die ein wenig an ein Vogelnest erinnern und ihren spargeldünnen Beinen, die auch zu einem Storch gehören könnten. Man sieht, dass sie jünger ist als mein Vater. Dahinter meine Stiefgeschwister: Der hochgewachsene Björn, der aussieht wie jeder zweite Kerl an der Uni: Vielleicht nicht beschissen, aber eben auch nicht besonders, als dass man ihn irgendwie in Erinnerung behalten könnte. Seine Schwester Maike lächelt irgendwie gequält, so als würde sie an einer Miss-Wahl teilnehmen und ununterbrochen Freundlichkeit suggerieren müssen, während sie eigentlich nur genervt ist; andererseits sieht sie mit ihren kurzen braunen Haaren und dem doch etwas punkigeren Kleidungsstil nicht aus wie jemand, der an einer solch oberflächlichen und hirntoten Wahl teilnehmen würde.

…und ich trage eine Krawatte; ich bin so sauer.

„Guten Abend“, begrüßt Christopher die Meute und viel zu viele „Hallos“ und „Guten Abends“, kommen uns entgegen, als dass ich sagen könnte, wer was von sich gegeben hat. Nur zwei Dinge sind sicher: Die Blicke, die Christopher von den in unsere Privatsphäre eindringenden Individuen erntet, sind eine Mischung aus Unsicherheit, Interesse und leichter Ablehnung. Und: Klein Leander lerne ich auch an diesem Abend nicht kennen, mein winziger Halbbruder ist nämlich nicht anwesend. Ich finde es auch nicht schlimm und sogar eklig, dass so alte Menschen wie mein Vater jetzt noch mal neuen Nachwuchs produzieren…

„Nette hohe Decken“, sagt mein Vater, als Christopher die Meute den Flur entlang zum Wohnzimmer und damit auch zum Essbereich führt. Neugierig lassen alle ihre Blicke über die Wände und Möbel, die wenigen Fotos von Christopher und mir und seinen Nichten wandern.

„Ihre Kinder?“, fragt Christine hohl, als sie auf das Bild von Emilie und Marie zeigt.

„Ja“, zische ich, „denn Christopher ist ganz offensichtlich mit einer Frau zusammen.“

„Mein Nichten“, antwortet mein Freund, meine patzige Antwort komplett ignorierend. „Sie wohnen in Wien, leider. Ich würde sie gern öfter sehen, wirklich ganz tolle Mädchen. Wenn auch ein wenig wild, aber das hat die nahende, beziehungsweise bei der Älteren schon eingesetzte Pubertät ja bekannterweise so an sich.“

Christine lacht schrill und faselt etwas im Stil von „hach, Sie haben ja so Recht, und wenn ich daran denke, dass ich das alles in einigen Jahren noch einmal durchmachen muss, wird mir schlecht, bla bla bla.“ Als Christopher den Begrüßungschampagner eingießt, redet sie immer noch, darüber wie froh sie ist, dass der Kontakt mit Maike und Björn ja mittlerweile – nach dieser schrecklichen Pubertät – so toll ist, und wie oft die beiden zu Besuch bei ihr und meinem Vater sind, dass sie bald alle zusammen in den Urlaub fahren.

Ein in viel zu freundliche Worte verpackter Seitenhieb?

Diese aufdringlichen, auf mich gerichteten Blicke, die meine Stiefgeschwister versuchen zu kaschieren, entgehen mir jedenfalls nicht. Auch nicht die nervös von Seite zu Seite wandernden Augen meines Vaters, der mir genau gegenübersitzt.

Wir stoßen an und Udo ergreift das Wort.

„Mensch, das sieht ja richtig schön hier bei euch aus.“

„Hattest du etwas anderes erwartet?“ Ich lege den Kopf schief und erwidere seinen Blick. Einige Sekunden lang herrscht Stille und der neben mir, am Tischende sitzende Christopher seufzt beinahe unhörbar. Ich bin froh, dass aus der Anlage leise Blues dudelt, sonst wäre die Atmosphäre noch steifer und noch befremdlicher als sie es eh schon ist.

Mein Vater räuspert sich, fährt aber freundlich fort: „Das habe ich damit nicht sagen wollen, ich freu mich einfach nur, dass du jetzt eine schönere Wohnung hast. Mh. Hast du deine Möbel eigentlich mitgenommen?“

„Ich habe alles verbrannt.“

Maike, die zu meiner Linken sitzt, lacht kurz auf, besinnt sich dann aber eines Besseren und nimmt einen Schluck Champagner. „Lecker“, sagt sie, als Christine ihr einen ermahnenden Blick zuwirft, und es ist mal wieder mein Freund, der das Wort ergreift.

„Wir haben tatsächlich das meiste entsorgt, weil viele der Möbel fast auseinandergefallen sind. Die Couch steht aber in Nikos Zimmer.“

„Nikos Zimmer?“, schnappt mein Vater interessiert auf.

Und noch bevor Christopher darauf antworten kann, sage ich: „Ich muss dich aber enttäuschen, Christopher und ich schlafen schon zusammen im Schlafzimmer, wir sind schließlich keine Mitbewohner im klassischen Sinn.“

Wieder zwei, drei Sekunden Stille, bis Christopher, ruhig wie vorher, eine Erklärung abgibt. „Das ist quasi Nikos Rückzugsort, wo er tun und lassen kann, was er will. Zum Beispiel Horrorfilme in Dauerschleife abspielen.“

Mein Vater lacht. Nervös, und seine bescheuerte Ehefrau tut es ihm gleich und klingt dabei wie eine Ziege.

„Warum holen wir beide nicht einfach den ersten Gang, hm“, spricht Christopher nun mich an und erhebt sich; ich trotte hinter ihm her und als wir in der Küche ankommen, in der die Salate mit grünem Spargel und Himbeer-Dressing bereits fertig drapiert auf dem Tisch stehen, wirbelt mein Freund herum und zischt mir leise ins Gesicht: „Ich würde dir gerade am liebsten so richtig eine scheuern. Reiß dich zusammen, Niko! Du benimmst dich gerade echt wie ein Teenager; du machst Emilie große Konkurrenz und das ist wirklich einfach nur peinlich! Gib’ dem ganzen doch eine Chance, ändern kannst du die Situation auch nicht.“

Wütend stoße ich die Luft aus. Christophers Blick ist eindringlich. „Hast du mich verstanden, Niko? Benimm’ dich. Das ist ein Befehl.“ Er drückt mir drei der kleinen Salatteller in die Hände und ich schlucke.

Mein Innerstes ist aufgewühlt, in der Tat. Ich kann nicht einmal wirklich sagen, was mich aufregt; oder auf gut Deutsch gesagt ankotzt. Ich weiß auch nicht, wie ich mich in der Gegenwart dieser… Leute verhalten soll. Die einzige Person die ich mehr oder weniger kenne ist mein Vater. Aber auch der hat sich in den letzten Jahren innerlich verändert, ist jemand Fremdes geworden. Sein Lieblingsessen, seine Lieblingsserie, selbst seine Lieblingsfarbe kann ich nicht benennen. Unsere Entfremdung hat auch eigentlich schon vor der Scheidung meiner Eltern begonnen. Dann war er endgültig weg und es kam mir vor, dass sich unsere Wege nicht nur, wie man so schön sagt, getrennt hätten – es hat sich angefühlt, und es fühlt sich immer noch so an, als würden sie durch zwei verschiedene Galaxien führen.

„Lecker, wirklich lecker“, lobt mein Vater den Salat, den sonst alle in Stille mümmeln; Björn und Nina werfen mir und Christopher während des ersten Gangs wieder diese vermeintlich verstohlenen Blicke zu, aber sie sagen nichts. Was in ihren Köpfen vorgeht, kann ich nicht sagen; denn ich weiß schließlich auch nicht, was mein Vater ihnen erzählt hat.

Vielleicht, dass Christopher ja „ein bisschen alt“ für mich ist?

Vielleicht, dass ich ja gar nicht wirklich weiß, ob ich wirklich schwul bin, weil ich es ja noch nie wirklich mit einer Frau probiert habe – das Argument hat er geliebt, nach meinem Coming-Out, während der lauten Familiengespräche, die zu dieser Zeit stattgefunden haben.

Vielleicht hat er ihnen auch einfach gar nichts gesagt, was Christopher und mich angeht.

Dennoch ist es seltsam. Wir sehen uns eigentlich nicht das erste Mal, aber genauso fühlt es sich an. Wahrscheinlich, weil es das erste Mal ist, dass wir ein längeres und vor allem etwas intimeres Zusammentreffen erleben; und dann auch noch in meiner Wohnung.

Ja. Meine Wohnung.

„Wirklich sehr lecker“, sagt mein Vater, doch der Salat mit dem selbstgebackenen Baguette ist ja nur der Anfang heute!

Es folgt die Suppe – und bei diesem Gang fragt mein Vater meinen Freund aus. Woher er kommt, wo er studiert hat, was seine Eltern so machen, vor allem was Christopher beruflich macht, wo die Kanzlei ist, was sein schwierigster Fall gewesen ist. Doch im Grunde speist mein Freund ihn mit den Argumenten ab, dass sein Job gar nicht so spannend ist, wie man nach bestimmten Hollywoodstreifen denken mag, und er die meiste Zeit einfach nur Mahnungen, Erinnerungen und Aufforderung schreibt, in einem Papierchaos versinkt und sich unglaublich langweilige Geschichten über völlig absurde Nachbarschaftsstreitigkeiten von seinen Klienten anhören muss. So, so…

Sie reden über Autos, über Reisziele, über Sparkonten und Versicherungen – und wir alle hören ihnen zu und kippen noch mehr Champagner und noch mehr Wein runter, der laut Christopher eigentlich nicht zur Suppe passt; was uns Banausen aber offensichtlich egal ist.

Wenigstens etwas, das wir gemeinsam haben.

Maike grinst mich unsicher an, wann immer ich sie ansehe. Björn wendet seinen Blick ab, wenn ich meinen Kopf zu ihm drehe und Christine lächelt dümmlich; einfach die ganze, verfickte Zeit. Dabei kann jeder sehen, dass diese Gesichtszüge einfach aufgesetzt ist und sie nicht weiß, wie sie sich gegenüber Christopher oder auch mir verhalten soll; und erst recht nicht, wie sie damit klarkommen soll, dass wir zusammen sind.

Als Christopher den Hauptgang serviert – Filet Welligton oder so - werden ihre Augen plötzlich ganz groß. Noch größer, als sie ein Stückchen des zarten Fleisches im Teigmantel abschneidet und davon probiert; die Frau ist beinahe kreidebleich. „Das ist ja perfekt!“, flüstert sie, so als hätte sie das komplette Gegenteil erwartet.

„Das nehme ich als Kompliment“, sagt mein Freund einfach nur und lächelt, als ich ihn ansehe. Er legt seine Hand auf mein Knie und tätschelt mich dort kurz. Irgendwie ist das sehr beruhigend. Vor allem, weil mein Vater mich im nächsten Moment fragt, was die Uni denn so macht und ob denn nicht bald mein Praktikum ansteht. Natürlich klinge ich gelangweilt, während ich ihm die Kurzfassung erzähle. Weil ich auf das Thema auch einfach überhaupt keinen Bock habe. Vor allem aber, weil er es mich auch erst kürzlich während unseres phänomenalen Fünf-Minuten-Telefonates danach gefragt hat und den aktuellen Stand damit schon kennt.

„Mhmmm…“, macht Udo, nimmt einen Schluck Wein und weiß nicht mehr weiter.

„Was machen Sie denn beruflich, Christine?“, lenkt Christopher die Konversation weiter. Und dass weder mein Vater, noch dieser komische Storch, meinem Freund mittlerweile das Du angeboten haben, macht mich wieder so wütend, dass ich am liebsten irgendjemanden meinen Teller ins Gesicht knallen würde; obwohl das von meinem Freund zubereitete Essen wirklich köstlich ist.

Meine Stiefmutter ist Bürokauffrau und arbeitet beim örtlichen Stromversorger und erzählt eine so saudumme und saulangweilige Geschichte ihres „ach so stressigen Alltags“, dass ich einfach nicht zuhören kann. Christopher tut interessiert und das gelingt ihm wirklich prächtig, während Björn und Maike und sogar mein Vater ihn dabei angaffen. Langsam will ich gar nicht wissen, was in ihren Köpfen abgeht.

Abermals entsteht zähe Stille, alles was man hört sind die über das Porzellan kratzenden Gabeln und Messer; und die Musik aus der Anlage.

Ja, alles sehr befremdlich.

Dieses Mal ist es mein Vater, der versucht eine Konversation ins Rollen zu bringen. „Björn hatte ja auch kurzzeitig überlegt, Jura zu studieren“, setzt er an. Doch sein Stiefsohn fällt ihm etwas patzig ins Wort: „Nein, hab ich nicht, du und Mama wolltet, dass ich das mache!“ Er seufzt genervt und ich kann ein kurzes Kichern nicht unterdrücken.

…das kommt mir so bekannt vor.

„Nun gut, wie dem auch sei, du hast dich dann ja anders entschieden“, erwidert mein Vater.

Es dauert einige Sekunden, bis Björn begreift, dass diese Äußerung gleichzeitig eine Aufforderung gewesen ist, etwas von seinem Studium zu erzählen. Er nimmt einen Schluck Wasser und räuspert sich. „Ja, also, ich… studiere jetzt Maschinenbau.“

„Maschinenbau, konkretes Fach. Ein wenig kompliziert, oder?“, hakt Christopher nach und Björn zuckt mit seinen Schultern.

„Joa, ist ein bisschen schwierig. Aber… macht Spaß“, das ist alles, was aus Björn rauszubekommen ist.

„Maike wird Lehrerin“, preist Christine ihre Tochter an und lächelt völlig übertrieben.

„Ja, Sport und Deutsch“, erwidert Maike prompt und schenkt Christopher und mir ein kurzes, vielleicht etwas nervöses Lächeln.

„Ich glaube, ich wäre auch Lehrer geworden, hätte mein Vater mir nicht die Justiz quasi in den Schoß gelegt“, sagt Christopher und ich muss ein Grinsen zurückhalten.Weil ich mir mal wieder vorstellen muss, wie mein Freund den Rohrstock in der Hand hält.

Christine labert irgendwas wegen einer neuen Bahnlinie, die zur Uni führen soll, während Björn Maike irgendwas auf seinem blöden Handy zeigt und mein Vater zur Abwechslung mal Wasser trinkt. Dann kommt natürlich irgendwann der langersehnte Moment, in dem auch Frau Storch zu ihrem Smartphone greift, um uns „süße Babyfotos“ zu zeigen, nur dass dieses „Baby“ einfach kein Baby mehr ist – Leander ist schließlich auch rund zwei Jahre alt. Quasi so alt wie die Beziehung von Christopher und mir.

Christopher faselt irgendwas im Stile von „das ist aber ein sehr niedliches Kind“ und lässt die Show über sich ergehen; ich bin nach fünf Fotos einfach nur noch genervt. Ich verstehe es nicht, wie Bilder eines halbnackten kleinen Menschen in der Badewanne, oder total verdreckt im Sandkasten eine solche Begeisterung auslösen können. Leander sitzt einfach nur da und kann noch nicht einmal einen vollständigen Satz von sich geben – trotzdem hat Christiane auch noch tausend Videos auf ihrem Telefon, auf denen das kleine Wesen „baba“ und „Mama“ und „Papa“ brabbelt und dabei mit Klopapier spielt und das ist laut Christopher auch noch „total niedlich“? Hat mein Freund den Verstand verloren?

…und dann ist da auch noch dieser total bescheuerte Ausdruck auf dem Gesicht meines Vaters. Der stolze Hahn. Den Arm um die Schultern seiner zu ihm gebeugten Frau gelegt, den Rücken gerade, die Augen auf das Abbild seines Sohnemannes Nummer zwei oder drei gerichtet, je nachdem ob man Björn dazuzählen mag oder nicht, und auf den Lippen ein selbstzufriedenes Lächeln.

Warum erwarten Eltern eigentlich immer, dass man ihnen zu ihren Kindern gratuliert, wenn diese noch rein gar nichts erbracht haben? Nach dem Motto: Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt es geschafft, ohne Verhütungsmittel zu poppen und es ist das Natürlichste auf der Welt passiert!

„Ich räume dann schon mal ab…“, murmele ich, weil ich somit dieser elendigen „gugu-gaga“-Show entfliehen kann und schnappe mir die ersten Teller.

Es ist so wunderschön ruhig in der Küche; ich atme aus, genieße diesen Moment der Stille. Doch jener ist nur von kurzer Dauer, denn nicht einmal fünf Minuten nach meinem Betreten des abgetrennten Raumes, erscheint Christine mit einem weiteren Stapel Teller in der Tür und lächelt mich an; und hinter ihr betritt auch schon mein Freund den Raum.

„Wir räumen ab“, erklärt Christine und stellt das Porzellan auf dem Küchentisch ab. Ihr Lächeln mit dem sie rasch auf mich zutritt hat etwas von Mutter Theresa. „Udo würde unheimlich gern mal dein Zimmer, und auch den Rest deiner Wohnung sehen… magst du ihm die vielleicht mal zeigen, hm?“ Sie spricht mit mir als wäre ich fünf Jahre alt. Oder eben zwei. Wie Leander. Ich will ihr diesen Punkt gerade unfreundlich mitteilen, doch Christopher kommt mir zuvor.

„Das ist eine klasse Idee“, sagt er und blickt mir tief in die Augen. Ich kenne diesen Blick. Ich habe keine andere Wahl. Es ist ein Befehl.

Kaum dass ich den Raum betreten habe, dreht mein Vater sich auch zu mir um. „Ähm, soll ich dir die Wohnung zeigen?“, frage ich und Udo erhebt sich so abrupt, dass er sein Wasserglas umstößt. Maike schreit kurz auf und lacht dann, Björn ist das alles offenbar superpeinlich, er schaut konzentriert auf sein Smartphone. Christopher eilt herbei, versichert meinem Vater gemeinsam mit Christine, dass alles in Ordnung sei und sie dich darum kümmern sollen und wir doch bitte einfach „weitermachen“ sollen mit unserer „kleinen Vater-Sohn-Tour“.

Ich könnte kotzen.

Alles an diesem Abend ist aufgesetzt und gespielt. Einfach falsch.

Alles.

Ich zeige meinem Erzeuger also das Bad, Christophers Arbeitszimmer, den Balkon unser Schlafzimmer mit dem „begehbaren Kleiderschrank, den ich jetzt nicht aufmachen werde“, freue mich, dass er nicht weiter nachhakt, und öffne schließlich die Tür zu meinem kleinen, privaten Zimmer.

„Erinnert mich tatsächlich ein wenig an dein altes Kinderzimmer“, meint mein Vater, während er seine Augen über all die Filme und Bücher in den Regalen wandern lässt.

„Hm“, mache ich, weil ich nicht weiß, was ich sagen soll und weil ich ungern an mein altes Kinderzimmer denke, und weil ich auch nicht denke, dass mein jetziges kleines Paradies hier mit Christopher auch nur ansatzweise an jenes kleine Gefängnis erinnert.

„Nett hast du’s dir hier eingerichtet.“

„Jopp.“

Er betrachtet das Bett, den Teppich, die Poster, lässt sich schließlich auf den kleinen Sessel neben meinem Laptop nieder.

„Ich finde die Wohnung sehr schön“.

„Ja, das hast du jetzt oft genug gesagt, ich hab’s kapiert.“

Mein Vater seufzt und fährt sich mit beiden Händen durchs Haar. Ein Schauer eilt über meinen Rücken. Die Geste habe ich in der Vergangenheit so oft gesehen, diese bedrückte Stimmung zu oft gespürt. Plötzlich bin ich wieder der pubertierende Teenager und mein Vater das besorgte und wütende Familienoberhaupt. Fehlt nur noch meine Mutter, die sich hysterisch kreischend dazugesellt…

„Niko, hör endlich auf damit“, sagt er.

„Womit denn, ich mach doch gar nichts“, witzele ich und das bringt meinen Alten auf die Palme.

„Genau das meine ich!“, zischt er und es fällt ihm dabei schwer, sich zu beherrschen; er will nicht, dass seine Stimme sich überschlägt, dass er zu laut ist, dass uns die anderen hören, aber er ist echt aufgewühlt.

Mein Herz klopft wild in meiner Brust.

„Junge, wir sind deine Gäste, wir sind hier, weil uns dein Leben interessiert, und weil wir ein Teil davon sein wollen. Aber alles was du machst, ist uns verbal einen vor den Kopf zu stoßen.“

„Ihr seid meine Gäste, weil ihr euch selbst eingeladen habt und ich glaube nicht, dass mein Leben Björn oder Maike ansatzweise interessiert und bei Christine bin ich mir auch nicht so sicher, also lass dieses solidarische wir-als-eine-Familie stecken“, antworte ich und verschränke die Arme vor der Brust.

„Siehst du das wirklich so?“, hakt mein Vater vorsichtig nach.

„Hätte ich es sonst gesagt?“, erwidere ich und gebe mir besonders Mühe besonders gelangweilt zu klingen.

Mein Vater seufzt. „Das finde ich wirklich sehr schade.“

Ich zucke mit den Schultern und starre die Wand an.

„Weißt du, warum wir uns eingeladen haben?“, sagt er nach einer Weile.

„Na los, überrasch mich…“

„Weil du all unsere Einladungen bisher ausgeschlagen hast.“

„Pffff, was denn für Einladungen…?!“

„Allein all die zum Grillen, Abendessen oder Kaffeetrinken, um endlich mal deinen Bruder kennenzulernen!“

Halb-Bruder…“, korrigiere ich ihn - und mein Alter flippt aus, wie schon damals, so viele, elendige Male zuvor…

„Niko, verdammte scheiße! Immer wieder dasselbe Theater mit dir! Du bist so verbittert, so depressiv und aggressiv, man kommt überhaupt nicht ran an dich. Egal was man dir sagt, du blockst immer ab. Immer! Ich werde einfach nicht schlau aus dir! Jetzt kommen wir hier zu euch, auch wenn deine Beziehung zu Christopher mir persönlich immer noch die größten Bauchschmerzen der Welt verursacht, und wir wollen trotzdem einen schönen Abend mit euch verbringen und du behandelst uns von Anfang an von oben herab, zeigst uns nur die kalte Schulter und bist total desinteressiert. Mensch, das ist scheiße!“

„Weißt du, warum ich desinteressiert wirke?“, zische ich und meine Stimme ist zittrig, als ich fortfahre, weil ich meine Wut kaum mehr bändigen kann, „weil ich desinteressiert bin!“

Mein Vater schnauft.

„Mich interessiert deine neue Familie null. Warum? Weil es fremde Menschen sind, die für immer fremde Menschen für mich bleiben werden, weil uns nichts, aber auch wirklich absolut nichts miteinander verbindet. Und stell’ es doch bitte nicht so dar, als würdest du mich jede Woche anbetteln, mit euch Kaffee zu saufen. Deine Einladungen kommen vielleicht etwas öfter als der Weihnachtsmann. Und weiß du auch wieso? Weil du im Grunde genommen auch froh darüber bist, dass ich nicht mehr konstanter Teil deines Lebens bin, weil ich ja, wie du es so schön gesagt hast, ständig nur depressiv und aggressiv bin und immer nur alles abblocke und nie das tue, was du mir sagst, weil du ja derjenige bist, der weiß, was das beste für mich ist.“

Mein Vater stöhnt genervt und schüttelt den Kopf. „Du bist so stur und naiv wie deine Mutter.“

Ich weiß nicht genau, was es ist, was mich an dieser Aussage stört, aber Fakt ist: sie stört mich. Gewaltig. Und ich versuche jetzt auch gar nicht mehr, meine Wut zu bändigen.

„Arschloch.“ Das ist alles, was ich meinem Vater noch zu sagen habe. Und nachdem ich dieses eine Wort ausgesprochen habe, entsteht eine so bedrückende Stille, wie ich sie noch nie in meinem Leben erlebt habe. Wahrscheinlich vergeht eine ganze Minute, in der Udo mich völlig ausdruckslos anstarrt und ich die Wand mit meinem Blick fixiere und mich keinen einzigen Zentimeter bewege.

„Kommt ihr beiden Hübschen wieder?“, ertönt die schrille Stimme seiner Ehefrau schließlich und führt dazu, dass mein Vater sich mechanisch erhebt und ihr folgt.

Ich hingegen brauche noch ein paar Sekunden, um mich zu erholen. Ich habe schon viele Menschen als Arschloch bezeichnet, oftmals im Scherz, mehrfach, weil mir nichts anderes eingefallen ist. Im Grunde genommen sehe ich dieses Wort nicht wirklich als üble Beleidigung an. Und doch ist es eben genau so bei meinem Vater angekommen – und war meinerseits genauso gemeint.

…auch wenn ich immer noch wütend bin, mischt sich so etwas wie Reue in meine bescheuerte Gefühlswelt.

Christine und Christopher plaudern munter über Nichtigkeiten weiter, während wir uns alle die verschiedenen Küchlein mit dem selbstgemachten Vanilleeis reinstopfen; ich schaffe es sogar, ein halbwegs vernünftiges Gespräch mit Björn und Maike aufzubauen – wir reden über die versifften, alten Gebäude der Uni und der Angst, irgendwann mal einen Teil der Fassade gegen den Kopf zu bekommen und auf dem Weg zum Seminar einen qualvollen Tod zu sterben. Sogar Björn wird lockerer während des Gesprächs, mag aber auch am Cognac liegen, den es zum Kaffee gibt und den Björn offensichtlich mag. Maike erzählt noch etwas von überfüllten Vorlesungen und wir beide lobpreisen die Aufnahmen der Veranstaltungen, die es im Internet gibt und die das Schwänzen leichter machen.

Nur mein Vater schweigt und würdigt mich keines Blickes.

Und irgendwann gehen mir und meinen Stiefgeschwistern einfach die Gesprächsthemen aus, sodass wir gezwungen sind, der nun ebenfalls mühevoll am Leben gehaltenen Konversation von Christopher und Christine zu lauschen.

„Also, Niko“, spricht Frau Storch mich dann an und lässt ihren Blick nervös zwischen mir und meinem Vater wechseln, dessen Gesicht nunmehr eine einzige, bösartige Fratze ist, „ich sagte schon zu Christopher: Ihr müsst uns demnächst unbedingt mal besuchen kommen, wird Zeit, dass ihr Leander kennenlernt.“

Ich will sie gerade wieder vertrösten, da meldet sich doch tatsächlich Udo wieder zu Wort.

„Ich glaube nicht, dass Niko daran Interesse hat“, sagt er patzig, ohne mich dabei anzusehen.

Am besten wäre es, einfach den Mund zu halten, schließlich habe ich ihm ja genau das eben auch verklickert, aber ich kann einfach nicht anders und zicke ihn an. „Du kannst es immer noch nicht lassen, das Wort für mich zu ergreifen, was?“

„Niko…“, spricht Christopher beruhigend auf mich ein, aber das hat momentan leider keine Wirkung.

Als hätte unser kleines Gespräch in meinem Zimmerchen nicht schon gereicht, nein, ich Vollpfosten steigere mich wieder so richtig hinein.

„Naja“, meint mein Vater schnippisch, „genau das hast du mir doch eben gesagt, oder hab ich dich falsch verstanden?“

„Ist doch mega scheißegal was ich dir eben gesagt habe!“, blaffe ich ihn an. „Es gibt dir noch lange nicht das Recht, das hier vor allen auszupacken und die beleidigte Leberwurst zu spielen und den Abend zu ruinieren!“

„Den Abend hast du ruiniert, noch bevor er überhaupt angefangen hat!“, motzt nun Udo zurück und klingt dabei sehr aggressiv.

Und dann werfen wir einander nur noch Sachen an den Kopf.

Ich: Dass Udo total spießig und homophob ist und gar nicht vorhat, die Beziehung von Christopher und mir zu akzeptieren, dass er froh ist, mich und meine Mutter los zu sein und dass er Respekt und Verständnis verlangt, ohne etwas dafür zu tun.

Udo: Dass ich ein Egoist bin und dazu auch noch ein sturer Bock mit Scheuklappen auf den Augen, dass ich ihm und allen anderen auch nie eine Chance gebe und stets beleidigt bin und nach Mitleid heuchele, und von ihm Respekt und Verständnis verlange, ohne etwas dafür zu tun.

Das drücken wir beide aber mit sehr unschönen, lauten Worten aus.

Maike und Björn starren uns mit offenem Mund an, Christine ist die Gabel aus der Hand gefallen und ihre Unterlippe zittert, so als würde sie gleich losplärren, und Christopher – und das überrascht mich am meisten – ist so schockiert, dass er in den ersten Minuten gar nichts sagen kann. Bis sein Geduldsfaden endlich reißt und er in dem Moment, in dem ich meinen Vater ins Gesicht schreie, dass der „Drecksack seine scheiß Sippe einpacken und sich verpissen soll“, sich urplötzlich erhebt, mit seiner Faust auf den Tisch haut und mich ebenso laut anfährt: „Jetzt halt endlich den Mund, Niko!“

Daraufhin gelingt es auch Christine sich aus ihrer Schockstarre zu lösen. Die Frau steht auf, mit bleichem Gesicht, ihre Mundwinkel zu einem unruhigen Lächeln verzogen. „Wir gehen jetzt lieber. Vielen Dank für das vorzügliche Essen, Herr Lang. Komm, Udo.“

Sie zerrt ihn regelrecht an seinem Oberarm vom Tisch weg. Christopher straft mich mit einem flüchtigen, eisigen Blick, mit dem er mich gleichzeitig auffordert, mich nicht von der Stelle zu rühren und eskortiert die traurige Gesellschaft bis zur Haustür. Udo sagt nichts, der Rest der Gäste verabschiedet sich flüsternd von Christopher; dann schlägt die Haustür zu.

Einige Sekunden vergehen dann stampft mein Freund zurück durch den Flur und wenn Blicke töten könnten, wäre ich gewiss ein lebloser Haufen Fleisch geschmückt mit einer Krawatte. Er sagt nichts, sieht mich einfach nur bitter-böse an. Dann fängt er an abzuräumen, und ignoriert mich. Er stapelt die Teller zusammen, sammelt das Besteck ein, bringt alles in die Küche. Ich kann genau hören, wie er die Sachen in die Spülmaschine einräumt, anfängt den Rest abzuwaschen.

Während er all das tut sitze ich einfach nur so da auf meinen Platz, allein an diesem nun viel zu groß erscheinenden Tisch und starre die Tischdecke an. Noch immer klopft mein Herz so heftig in meiner Brust, noch immer zieht es sich so schmerzlich dort zusammen; und der Kloß in meinem Hals wird großer, das Brennen hinter meinen Augenlidern schlimmer.

Ich kann gar nicht beziffern, wie viele Wunden gerade aufgerissen worden sind und was für Unmengen Salz eigentlich in sie hineingestreut worden sind. Ich kann gar nicht beschreiben, was genau für Gefühle in mir ausgelöst worden sind, als ich diese ach so toll funktionierende Patchwork-Familie mit all ihren gemeinsamen Plänen und geteilten Insidern und einstudierten, vertrauten Blicken präsentiert bekommen habe.

Hätte mein Vater nicht einfach allein herkommen können?!

Hätte er zuvor bei all den Einladungen nicht einmal so etwas vorschlagen können wie einen gemeinsamen Kinobesuch, einen Shopping-Ausflug oder von mir aus auch ein behämmertes Fußballspiel, so als Vater-Sohn-Unternehmung?

Warum zur Hölle müssen die anderen immer dabei sein, immer eine Rolle spielen, immer irgendwie involviert sein?!

Diese vertraute Art zwischen Björn und ihm, als wäre er sein Vater – und nicht meiner.

Diese stolzen Blicke, wenn es um Leander ging.

Dieses väterliche Lächeln, das Maike galt.

Und ich: der missratene, schwule Sohn, in dessen Leben einfach alles schief läuft. Von wegen nach Mitleid heucheln – ich will sein Mitleid, dass er mir bezüglich an den Tag legt, nicht haben. Weil ich nicht zu bemitleiden bin, verdammt noch mal!

Ich klatsche mir eiskaltes Wasser ins Gesicht. Immer und immer wieder. Bis ich mich halbwegs beruhigt habe. Doch meine Hände zittern noch immer, als ich Christopher gegenübertrete. Er ist immer noch mit Abwasch beschäftigt, pausiert jedoch, als ich die Küche betrete und ihn ansehe.

„Geht’s dir besser?“, will er kühl von mir wissen. Er klingt vorwurfsvoll. Und ich raste schon wieder aus, schmettere ihm ein „Code fucking Red“, ins Gesicht und schreie jetzt ihn an. Was er sich dabei gedacht hat, so ein verficktes Gourmet-Dinner aufzutischen für diese Menschen, die so eine schlechte Meinung von ihm haben, wie er es wagen kann, mir den Mund zu verbieten, wenn ich die ganze Zeit über herabwürdigende Blicke und Seitenhiebe geerntet habe – wieso er sich hat überhaupt von meinem Vater hat zu diesem dummen Treffen überreden lassen.

„Du bist doch sonst nicht auf den Mund gefallen, du quasselst jeden an die Wand, ist doch dein verfickter Beruf, oder nicht, Mr. Super-Anwalt?! Wie kommt es dann, dass du einen Udo Klaas, diesen Loser, nicht davon abhalten kannst, sich auf diese widerliche Weise in unser Privatleben einzumischen und dann auch noch Publikum mitzubringen?! Und dann stellst du dich auch noch auf dessen Seite und sagst mir, ich soll den Mund halten und funkelst mich so böse an, anstatt mich vor ihm zu verteidigen!“

Als diese schrillen Worte meinen Mund verlassen haben, merke ich, dass meine Wangen ganz nass von meinen Tränen sind, die weiterhin unkontrolliert aus meinen Augen tropfen; und dass Christophers Blick nun gar nicht mehr streng, oder verärgert ist, sondern mild und irgendwie traurig.

„Ach, Niko…“, murmelt er und ist in weniger als drei Sekunden auch schon bei mir, legt seine Arme um mich, presst mich an seinen Körper – und ich klammere mich an ihn, verzweifelt, so als gäbe es keinen Morgen; mein Hals tut schrecklich weh und dennoch kann ich mein Schluchzen nicht zurückhalten, ebenso wie als diese Tränen, die ungehindert über meine Augen kullern und von Christophers Hemd aufgesogen werden. „Es tut mir leid…“, murmelt er gegen mein Haar, während er unablässig über meinen Rücken streichelt und mich an sich drückt; seine Umarmung fest und herzlich.

Eine halbe Ewigkeit stehen wir einfach nur so da, einander festhaltend in der immer noch halbwegs verdreckten Küche, und während die Spülmaschine ihre ächzenden und gluggernden Geräusche von sich gibt, heule ich wie Schlosshund. Bis einfach keine Tränen mehr übrig sind.

Mit dem Handrücken streiche ich mir den kläglichen Rest aus den Augen und Christopher gibt mir einen Kuss auf die Stirn, sucht den Augenkontakt mit mir, den ich ihm gewähre, unschön die Nase hochziehend. Seine Hände umfassen mein Gesicht. Mit seinen Daumen streicht er das Nass von meinen Wangen. „Es tut mir leid, okay?“, wiederholt er beinahe flüsternd und ich nicke, einen weiteren Kloß runterschluckend.

„Komm“, murmelt er und zieht mich aus der Küche zurück ins Wohnzimmer, drängt mich auf die Couch, umklammert mich, streichelt mich, fährt mir seinen Fingern über mein Haar, meinen Rücken. „Rede mit mir…“, bittet er mich mit ruhiger Stimme. „Hm?“ Abermals ziehe ich die Nase hoch und Christopher reicht mir ein Taschentuch. „Was ist da eben passiert, Niko?“

Es ist schwer, meine Gedanken in Worte zu fassen. Ich schildere ihm all diese Emotionen, die der Besuch eben bei mir ausgelöst hat; und erzähle ihm noch viel mehr. Ich spreche von den Erinnerungen, von denen ich mich gelöst glaubte. Doch offenbar liege ich da falsch. So falsch.

„Weißt du…“, setze ich an und starre den ausgeschalteten Fernseher an, „das war schon hart, als meine Eltern noch zusammen waren…“

Dass ich schwul bin haben Udo und Jutta rausgefunden, als ich 14 Jahre alt war und einige dieser sehr offensichtlichen Heftchen ganz hinten im Schrank versteckt hatte. Meine Mutter war und ist sicherlich noch eine Pedantin, und obwohl ich mir immer Mühe gegeben habe, sie zufrieden zu stellen, reichte ihr mein Empfinden von Sauberkeit nie aus und an irgendeinem dieser Tage war sie wohl total ausgeflippt und hatte alles aus meinem Kleiderschrank geworfen, um es „ordentlich zu sortieren“. Mit den vielen Bildern nackter Männer hatte sie wohl nicht gerechnet, auch nicht, dass ihr Sohnemann Tagebuch führte und dort beschrieb, in welche Jungs aus der Klasse er sich verknallt hatte – und was er alles Unanständige mal mit ihnen tun wollte.

Ganz schlimm war aber der Eintrag über den 16-jährigen Tom aus einer anderen Schule, den ich mal im Freizeitheim kennengelernt hatte und der mir meinen ersten Kuss geraubt hat.

„Sie ist total ausgerastet und mein Vater auch“, erzähle ich Christopher, der diesen Teil der Geschichte bereits kennt. Den folgenden allerdings nicht, weil ich die Details ihres und meines Ausrastens immer gekonnt umgangen bin.

Wie ich immer wieder ungewollt lauschender Zeuge ihrer Gespräche geworden bin und Sachen aus dem Mund meines Vaters kamen wie „was haben wir nur falsch mit ihm gemacht“, oder „vielleicht sollten wir ihn zum Psychiater schicken, normal ist an dem Jungen ja sowieso nichts“ oder auch „das darf deine Schwester auf keinen Fall erfahren“ und andere Dinge, die mir damals richtig zugesetzt haben.

Dazu zählten auch die diversen Zickereien, während der sich Udo und Jutta versuchten, gegenseitig die Schuld für mein verkorkstes Dasein in die Schuhe zu schieben. Ich war nicht nur ein Loser, der keine richtigen Freunde hatte, der nicht gern nach draußen ging und sich lieber verstörende Bücher von Stephen King reinzog, als heimlich mit seinen Kumpels Alkohol zu trinken; ein Teenager dem es egal war, was für Klamotten er trug und der nicht scharf war auf Markenklamotten, nein, jetzt war ich auch noch schwul – schlimmer konnte es ja nicht mehr werden.

Und dann diese endlosen Gespräche mit mir, ob ich denn sicher sei, meine rumheulende Mutter, die sich so benahm, als hätte ich jemanden umgebracht und müsste lebenslang hinter Gitter – und letztendlich das ausbleibende Interesse; die komplette Abschottung von mir.

Vielleicht sind meine Ausraster damals wirklich nur ein Schrei nach Aufmerksamkeit gewesen – das meint jedenfalls Christopher, als ich ihm davon erzähle, wie ich mich mit 15 mit dem schlimmsten Idioten an der Schule geprügelt habe und meine Eltern unangenehme Fragen des Direktors haben beantworten müssen, oder als ich mir ungefragt das Mofa meines Vaters geliehen und absichtlich mit steckendem Schlüssel abgestellt habe, damit es geklaut wird. Rumschreien und Sachen durch die Gegend werfen stand eh an der Tagesordnung.

„Wann haben sich deine Eltern noch mal getrennt?“, hakt mein Freund nach.

Als ich Ende 16 war. Meine Mutter hatte die Scheidung eingereicht. Der schwule Sohn war einfach nur das i-Tüpfelchen einer misslungenen Ehe gewesen. Es war kaum ein Tag vergangenen, an dem Jutta ihren Udo nicht kritisiert hätte. Mal war es der beschissene Haarschnitt, dann die Art wie er Würstchen aß, manchmal die ihrer Meinung nach unangebrachten Sachen, die er zu irgendwelchen Festivitäten trug, oft sein „debiler Humor“ und „schrecklicher Musikgeschmack“, an anderen Tagen das in ihren Augen magere Gehalt – mit dem er sie, die Hausfrau, und den Sohn durchbrachte, ohne das wir in Armut leben mussten… Aber der Mann ihrer Schwester war nun mal irgendein hohes Tier bei einem großen Konzern und das konnte Udo als „stinknormaler Ingenieur“ nicht toppen.

Er entsprach einfach nicht ihrer Wunschvorstellung, die irgendwelchen Groschenromanen entstammte; am liebsten hätte sie einen Chefarzt geheiratet und eine schar von intelligenten, braven, gehorsamen und strebsamen Kinderchen großgezogen. Doch nach mir hat’s mit dem Kinderkriegen nicht mehr geklappt. Und ich war in ihren Augen eine Enttäuschung.

Die Zeit, in der Udo auf der Couch schlief und sie sich die Seele aus dem Leib im Schlafzimmer ausheulte, war die Hölle. Beide waren aggressiv – und ich bekam das ab. Letztendlich zog sie zu einer guten Freundin und ich blieb mit Udo zurück. Viel von meinem Vater sah ich allerdings nicht. Er hat gearbeitet, danach im Wohnzimmer Fernsehen geguckt und am Wochenende unternahmen wir nichts gemeinsam; ich traf mich mit irgendwelchen Jungs, ging auf die Piste und den Rest meiner Zeit verbrachte ich eingeschlossen in meinem Zimmerchen mit meinem Rechner und den besonderen Heftchen.

Als ich 18 wurde und mein Vater und ich uns nur noch stritten, wenn wir uns dann mal fünf Minuten in der Küche trafen, schlug er vor, mit eine Wohnung zu suchen – die, die nun Chiyo gehört.

Ich war so glücklich… vor allem als der Kontakt mit meinem alten dann endlich abbrach. „Erst als er Christine geheiratet hat, hat er angefangen sich wieder bei mir zu melden, abgesehen von den monatlichen Kontozahlungen.“

Christopher schweigt nach meiner Erzählung. Nachdenklich starrt er in die Ferne. Er seufzt.

„Sorry, dass ich mich heute nicht zurückhalten konnte…“, entschuldige ich mich doch mein Freund winkt ab.

„Das ist schon okay… ich kann dich verstehen…“ Er rückt wieder näher und nimmt mich abermals in den Arm. „Ich muss mich entschuldigen“, meint er dann ernsthaft. „Ich… hab’ offensichtlich den Fehler gemacht. Ich wollte echt nur, dass euer Verhältnis besser wird, aber ich hab die ganze Geschichte nicht gekannt und ich ärgere und schäme mich so, dass ich nie wirklich nachgehakt habe…“

Nun seufze ich. „Naja, hast du schon… aber ich bin dir gekonnt ausgewichen…“ Ich grinse leicht und Christopher erwidert das.

„Scheiße…“, murmelt er dann und schüttelt etwas benommen den Kopf. „Der Abend war echt eine Katastrophe… Ich hätte deinem Vater echt eine Absage erteilen sollen, aber…“

„Ich weiß“, unterbreche ich ihn mild. „Du wolltest nur das Beste, ist schon okay; ich dachte auch, dass ich mich zusammenreißen kann, aber… Sorry, dass ich ausgerastet bin.“

Christopher streicht wieder zärtlich durch mein Haar. „Ist schon okay, das sagte ich doch schon… Du bist immer noch verletzt, ich kann das verstehen, Niko… Und es tut mir leid, dass du so leiden musstest.“

Ich schließe die Augen und genieße seine innige Umarmung, diese angenehme Stille die sich um uns legt, das Gefühl all diesen Mist endlich mal komplett losgeworden zu sein…

„Hey, Niko…“, flüsterte Christopher plötzlich in mein Ohr.

„…hm?“

„Ich liebe dich.“

…und er klingt dabei tatsächlich so wie damals, als er mir das zum allerersten Mal genau hier auf diesem Sofa gesagt hat.

 

33

 

Als er damals diese drei magischen Worte das erste Mal ausgesprochen hatte, nach diesen intensiven Taten des Tages, die ich noch immer in all meinen Knochen spürte, die immer noch dieses bestimmte Prickeln auf meiner Haut verursachten und Schmetterlinge in meinem Bauch herumwirbelten, war ich im ersten Moment einfach nur baff.

Christopher Lang, der unerreichbar scheinende Mann aus dem Park, der mich mit herablassenden Blicken strafte, mich an meinen Haaren durch die Wohnung zerrte, meine Manieren wann immer nur möglich kritisierte, mich fesselte, mich auspeitschte, der Mann, den ich vergötterte, den ich zufrieden stellen, dem ich gefallen wollte, was auch immer für Taten und Herausforderungen das mit sich brachte; Christopher Lang, der so viele verlangende Blicke auf sich zog, von einprägsamen Persönlichkeiten geschätzt und verehrt wurde, sagte mir, Niko Klaas, dem armen, faulen Studenten, dem Horror-Freak und seinem Sex-Sklaven und Diener, dass er ihn liebte.

Den milden und zärtlichen, herzlichen und rücksichtsvollen Christopher hatte ich zwar durchaus schon kennenlernen können. Ich wusste, dass er es ernst mit mir meinte – andernfalls wären wir auch nicht hier bei ihm, hätten nicht in seinem Zimmer gespielt, das, seinen Worten zu folge, ja nur auf mich gewartet hatte. Mir war bewusst, dass unser Band ein sehr bedeutendes, sehr einzigartiges und intensives war. Ich konnte nicht negieren, dass wir tiefe Gefühle für den anderen entwickelt hatten – schließlich war unser Zusammensein sein sehr besonderes, das ohne bedingungsloses Vertrauen, bedingungslose Offenheit und bedingungslose Hingabe nicht möglich wäre.

Dennoch war das Aussprechen dieser Worte, deren Bedeutung wir bereits in unserem Innern lebten, etwas ganz anderes; etwas neues, etwas so wundervolles, das mich so glücklich machte, dass mein Gehirn diese Freude erst einmal verarbeiten musste.

Im Grunde genommen hatte ich nur auf diese Worte gewartet – und mich schon öfter selbst gefragt, wann es angebracht wäre, sie meinem Herrn zu sagen, denn ich war stets davon ausgegangen, dass ich es sein würde, der sie in Ergebenheit das erste Mal an meinen Master richten und er sie daraufhin erwidern würde.

Doch jetzt war es genau andersrum und hier saß ich, und realisierte erst nachdem mehrere Sekunden  - oder waren es Minuten – in Stille verstrichen waren, weil die Formulierung und Realisierung all jener Gedanken nun mal eben dauerte, dass ich Christopher mit leicht offenem Mund und weit aufgerissenen Augen anstarrten; das Gesicht von Herrn Lang wiederum war kreidebleich und bevor ich, erwacht aus meiner Schockstarre, endlich einen Ton von mir geben konnte, sagte Christopher bereits mit arg nervöser Stimme:

„Entschuldige bitte, Niko – jetzt überfordere ich dich schon wieder, dabei müsste ich es nach gestern besser wissen, sorry, wir wollten es langsam gehen, ja ich weiß, und jetzt falle ich schon wieder mit der Tür ins Haus…“ Er redete so schnell, dass er fast stotterte und es schwer war, seinem Wortschwall zu folgen. „Du musst nichts darauf sagen“, fuhr er fort und strich sich eilig durchs Haar. „Ich will nichts forcieren.“

Nach einem nervösen Lächeln lenkte er die Konversation daraufhin direkt in eine andere Richtung. „Hat es… hat es dir denn heute gefallen?“, wollte er wissen und ich schluckte meine eigentlich Antwort erstmal hinunter und antwortete gehorsam.

„Ja, total.“

„Was hat dir am meisten gefallen?“

„Ähm…“, ich überlegte kurz und musste meine Gedanken wieder ein bisschen ordnen und mein super laut pochendes Herz ignorieren. „Ich mochte den Flogger sehr“, meinte ich schließlich und Christopher lächelte zufrieden, wenn auch immer noch mit einem Hauch Nervosität versehen.

„Das ist gut…“, murmelte er. „Ich mag den Flogger auch, vor allem die Geräusche, die er auf deiner Haut verursacht hat und auch die Striemen, die er hinterlassen hat… Sie sind wunderschön…“

„…macht es dich an, sie nach dem Spiel noch auf meiner Haut zu sehen?“, hörte ich mich selber flüstern.

„Total… wie… findest du das Andreaskreuz?“

„Ähm…“ Ich dachte an all die dreckigen Filme, die ich mir reingezogen hatte, in denen eben dieses Gerät auftauchte, die Geschichten die ich gelesen hatte, in denen es involviert war und sagte schließlich: „Es war noch viel, viel geiler als ich es mir vorgestellt habe.“

Erneut versuchte ich den Mund zu öffnen und die Worte zu äußern, die ich vor diesem kleinen Verhör hatte sagen wollen, aber mein Freund unterbrach mich wieder und fragte mich, ob ich den CBT-Teil genossen hatte; wie er sich mit dem Paddel um meinen Schwanz und meine Hoden gekümmert hatte.

„Der wahrscheinlich geilste Teil“, erklärte ich ehrlich – und Christopher fing an davon zu sprechen, wie glücklich er war, dass dieser Punkt auf meiner JA-Liste gelandet war, weil er es als Master auch total genoss; als er zu einem weiteren Punkt wechseln wollte, unterbrach ich ihn schließlich.

„Christopher“, sagte ich bestimmt und legte meine Hand auf seine Brust, „sei mal bitte still, okay?“

Und weil mein Freund offenbar dachte, er hätte mich schon wieder überfordert, tat er was ich ihm sagte und presste die Lippen aufeinander, sodass ein dünner Strich entstand. Dabei sah er einfach so ulkig und gleichermaßen süß aus, dass ich erstmal lachen musste. „Ich glaube ja gar nicht, wie niedlich sein kannst“, säuselte ich dann, riss mich dann aber schnell wieder zusammen. Schließlich war das hier auf mein Master, mit dem ich sprach.

Master…

Kribbeln auf meiner Haut.

Dann sah ich ihm in die Augen und sagte laut und deutlich: „Ich liebe dich auch.“

Christopher atmete deutlich hörbar aus – und dann lachten wir beide los.

„Und du glaubst gar nicht, wie erleichtert und glücklich ich gerade bin“, sagte er noch, ehe er mich in einen tiefen Kuss zog.

Ich war erschöpft – zufrieden - aber definitiv erschöpft als wir ins Bett fielen; dennoch kriegte ich kein Auge zu. Während Christophers Atem schon nach wenigen Minuten gleichmäßig ging und seine Glieder im Traum begangnen zu zucken, lag ich splitternackt in seinen starken Armen und starrte in die Dunkelheit; ich war beinahe so rastlos wie in der Nacht zuvor.

Dieses Mal nicht, weil mir etwas missfallen oder ich überfordert war, dieses Mal hielt mich eher das Gegenteil wach. Ich war so aufgeregt wie ein Kind vor dem Weihnachtsmorgen. Ich konnte einfach nicht aufhören daran zu denken, was geschehen war. Was wir in dem Zimmer gemacht hatten, wie plötzlich noch mehr Träume wahr geworden waren. In was für einer Realität wir jetzt lebten, in was für einer Beziehung, die mit dem Betreten dieser Wohnung einfach noch mal an Bedeutung und Intensität gewonnen hatte. Das ließ mich einfach nicht los.

Ich war zwar schon seit rund zwei Monaten Christophers offizieller Sklave – aber irgendwie hatte all die Zeit davor, die kleinen Spielchen und Anweisungen bei mir, plötzlich so etwas von einer Art Ausbildung. Als sei die ganze Zeit vor diesem Moment ein Vorbereitungskurs gewesen – auf das, was jetzt begann.

Es dauerte Stunden, ehe der Sandmann mir einen Besuch abstattete, der nur von kurzer Dauer war. Ich erwachte viel zu früh für einen Sonntagmorgen, Christopher schlief noch und nachdem ich ihn eine Weile einfach nur so betrachtet hatte, kroch ich geräuschlos aus dem Bett und schlich mich ebenso aus dem Schlafzimmer.

Wunderbare Ruhe umarmte mich, als ich vorsichtig durch die Wohnung tapste und mir alles noch einmal genau ansah, die Zimmer, sie seit mehr als 24 Stunden nun kein mehr Mysterium waren. Ich hatte mir oft seine Wohnung vorgestellt – und die Realität entsprach meiner Fantasie schon ein wenig; die Aufgeräumtheit auf jeden Fall, der etwas modernere Einrichtungsstil – bis auf den etwas antik wirkenden Schreibtisch, der aber sicherlich seine Dienste tat.

Ich musste kurz innehalten, denn Schmerz schoss kurz durch meine Glieder, meinen Hintern, tauchte ebenso an einigen Stellen meiner Arme und Beine auf…

…ja, das besondere Zimmer hatte ich nicht erwartet… aber nachdem wie dort einen Neustart hingelegt hatten, war ich sicher, dass unser kleines Spielparadies mir gefallen würde. Den ersten Schock hatte ich mit unbeschreiblicher Geilheit und daran gebundener Freiheit überwunden; zusammen mit Christopher.

Ja, ich wollte umso mehr, dass er mich führte.

Und irgendwie besessen von diesem Gedanken, das neue Kapitel meines Lebens freudig aufschlagend, machte ich mich daran, nach einer schnellen Dusche ein Frühstück für meinen Meister vorzubereiten. Ich fand Aufbackbrötchen, Marmelade und den Camembert, den Christopher mochte. Nach einer Weile, in der ich mich durch die Küchenschränke gewühlt hatte, kramte ich noch ein silbernes Tablett hervor, auf dem ich alle drapierte und dann mit seichter Aufregung das Schlafzimmer ansteuerte.

Die Tatsache, dass ich das Essen nackt zubereitet hatte und ebenso wie Gott mich schuf meinem Herrn auftischen würde, erregte mich.

Vorsichtig stellte ich das Tablett auf dem Nachttischen ab, ehe ich mich auf die Matratze setzte und Christopher einen leichten Kuss auf die Stirn hauchte, sein Gesicht streichelte und zusah, wie er langsam die Augen öffnete. „Mhmmm…“, machte er, als er mich erblickte und den dampfenden Kaffee, den ich ihm entgegenhielt.

„Frühstück am Bett…“, murmelte er, sich gegen das Kopfteil lehnend, „das gefällt mir.“ Doch als er einen Schluck des Getränks zu sich nahm, verzog sich meine Miene. „Das ist ja… ich steh’ zwar auf starken Kaffee, Niko, aber deiner könnte Tote wecken“, sagte er dann und schüttelte sich.

Ich gluckste; dann jedoch hielt ich mein Lachen zurück und sah ihn an.

Ich – sein Sklave – hatte einen Fehler gemacht.

Und ein Fehler bedeutete Konsequenz.

Und Konsequenz bedeutete Bestrafung.

Christopher und ich starrten einander an und sein belustigtes Lächeln wich langsam einem fiesen Grinsen. Es war, als würden wir beide dasselbe denken; schließlich hatte ich ihn gestern auch explizit gebeten, mich meinem Status gerecht zu behandeln, hatte ihm klargemacht, dass er mich damit nicht überfordern würde…

„Dass du nicht kochen kannst, war mir ja klar, aber dass du jetzt plötzlich nicht einmal mehr im Stande bist, einen einfachen Kaffee zu kochen, überrascht selbst mich. War das Absicht?!“

„Nein, Christopher!“, versicherte ich ihm eilig, betört von diesen arktischen Kristallen, mit denen er mich böse anfunkelte.

„Das ist alles, was du dazu zu sagen hast?!“

„Nein, Christopher!“, wiederholte ich, da hatte mein Master den Kaffeebecher bereits zur Seite gestellt und packt mich am Kinn.

„Wie wär’s mit einer Entschuldigung, hm?“, fuhr er mich kalt an und schubste mich einfach vom Bett herunter.

Wie aufregend! Ja! Genau so!

„Entschuldigung!“, rief ich aus und kniete mich bei der Äußerung unmittelbar vor ihn hin; so wie er es von mir wollte, verlangte. „Entschuldigung, Christopher. Ich komme mit deiner Kaffeemaschine wohl nicht klar, es war nicht meine Absicht, ich schwöre.“

Er stand auf, dann packte er mich unliebsam an meinen Haaren und zerrte mich auf diese Weise durch die Wohnung bis wir in der Küche waren. „Ich zeige es dir jetzt ein Mal – und wenn du danach noch einmal solch einen Kaffee kochst, dann werde ich dich eine Woche lang zwingen, nur Dinge zu trinken und Essen die du hasst, verstanden?!“

Ich nickte hastig und bestätigte gleichzeitig: „Ja, Christopher! Verstanden!“

„Gut.“

Seine Dosierung stimmte, jedenfalls machte er einen zufriedenen Eindruck, als er seinen Becher leerte; mir wurde an diesem Morgen der Kaffee verweigert. Auch die Nutella blieb im Schrank. Ich durfte nur ein Brot mit Butter essen und dazu Wasser trinken, als „kleine Strafe für dein Missgeschick“, sagte Christopher.

Und trotzdem war es das geilste Frühstück seit langem. Auch, weil Christopher mich während des Frühstücks, das er nun nicht am Bett sondern am Tisch aß, ignorierte, in der Zeitung blätterte und irgendwas auf seinem Handy tippte. Kurz bevor er Richtung Dusche verschwand warf er mir noch ein unfreundliches „räum das auf“ ins Gesicht; dann war er weg und ich atmete dümmlich grinsend auf – und machte mich an die mir aufgetragene Arbeit.

Genau so hatte ich mir den Aufenthalt hier vorgestellt, ausgemalt, erträumt.

Mein Freund kam wieder, just in dem Moment in dem ich fertig wurde mit am Abräumen; er umarmte mich von hinten. „Gefällt es dir hier bei mir?“, hauchte in mein Ohr und ich lächelte versonnen.

„Ja, Christopher“, antwortete ich ihm gehorsam.

„Das freut mich.“

Wir gingen spazieren, weil sie Sonne an diesem Tag schien. Wir aßen in einem Restaurant am See zu Mittag, wir liehen uns eine DVD aus und hatten vor, den Abend ruhig ausklingen zu lassen.

Doch es kam ganz anders. Denn als wir wieder in Christophers Wohnung ankamen, da klingelte sein Telefon. Ich saß auf dem Sofa und beobachtete ihn, wie er ein wenig planlos hin- und herlief, während er die Fragen des Individuums an der anderen Seiten beantwortete.

„Ah, hallo Kilian… Nein, wusste ich nicht… Dann habe ich es wohl einfach verplant… Mhm… Heute?“ Er blieb kurz stehen und sah mich an und mein Hirn begann in diesem Moment zu rattern. Kilian war der Arzt, bei dem wir uns haben testen lassen – und Christopher hatte mir erzählt, dass er auch zu seinem BDSM-Stammtisch gehörte. Ob es wohl darum ging? Meine Handflächen wurden schwitzig und zunehmende Nervosität stieg in mir auf. Ich hatte mich zwar wieder ein Stück weit geöffnet und war zusammen mit Christopher weitere Schritte gegangen – aber so weit war ich dann doch noch nicht.

„Nein…“, sagte Christopher wieder in den Hörer und begann abermals herumzulaufen. „Mein Freund ist hier… Niko, ja… Richte ich gleich aus… Mhm…  Ja, ähm, ja das ist es wohl…  Deswegen, nein, heute nicht – aber ich gebe was dazu, egal was ihr aussucht, okay? Ja, grüß die anderen, bis dann!“

Er legte auf und rutschte neben mich aufs Polster. „Schöne Grüße von Kilian, Dr. Manscherow…“

„Danke“, entgegnete ich und schaute ihn an. „Ist heute Stammtisch?“, fragte ich ihn das mit dünner Stimme, aber Christopher schüttelte den Kopf.

„Neee“, sagte er langgezogen und grinste leicht, „aber einige der Stammtischler treffen sich heute eben in unserem Lokal. Holger – den kennst du ja auch von der Party im März“, ich lächele ihn an, als er kurz pausiert, „der hat nun bald Geburtstag und die anderen wollen heute besprechen, was wir ihm genau schenken.“

„Achso…“, sagte ich und die Rädchen in meinem Gehirn ratterten fleißig weiter. „Das heißt… es ist quasi wie das Stammtischstreffen in euerem Stammlokal, nur dass es kein offizielles Stammtischtreffen ist?“

„Äh, ja“, meinte Christopher, „und nicht alle sind da.“

„Achso…“ Ich überlegte eine Weile und witterte eine gute Gelegenheit. „Du…“, fing ich an und hatte sofort seine Aufmerksamkeit. „Aber… eigentlich wäre mir das ganz lieb, wenn ich die Leute von deinem Stammtisch erstmal außerhalb vom Stammtisch kennenlerne, weißt du was ich mein? Ich meine… ich bin echt noch nicht so weit, mit anderen Leuten über… uns zu sprechen, oder halt über mich, was ich so toll finde und so, aber… das sind ja deine Freunde und du willst ja, dass ich irgendwann Teil des Stammtisches bin also – wäre heute doch ne gute Lösung, einfach hinzugehen, ich stell mir kurz vor, schau mir die Leute so an, ihr redet über das Geschenk, und dann gehen wir wieder?“

Christopher dachte über meine Worte nach. „Ich verstehe, was du meinst“, entgegneter er, als er meinen erwartungsvollen Blick erhaschte. „Aber dir ist schon klar, dass das Treffen in unserer Stamm-SM-Kneipe ist? Also… so vollkommen unbefangen wird das Kennenlernen dann nicht.“

„Das ist okay“, quittierte ich und dachte an die eben erst erwähnte SM-Party zu meinem Geburtstag. Da war ich schließlich auch nicht überfordert, Holger kennenzulernen, der ja nur zu Anfang einen Kommentar abgelassen und sich dann umgehend zurückgezogen hatte. „Ich glaube… das würde mich sogar sehr interessieren, also, wie die Kneipe aussieht.“

„Sicher?“, hakte Christopher milde nach. „Du weißt“, fügte er lächelnd an, „ich will dich nicht überfordern.“

„Ja, ich weiß – und deswegen werden wir heute Abend auch gehen, wenn es mir zu viel wird, oder…?“

„Na, sicher. Machen wir’s doch so“, schlug er vor. „Du trinkst ja eh gern Long-Island-Ice-Tea und an nicht alkoholischen Sachen Cola – wenn du mich bittest, dir ein Wasser zu bestellen, ist das der Code für ich möchte jetzt gehen, ohne dass du das so deutlich aussprechen musst, hm?“

Ich fand, dass es eine gute Idee war. Gut war auch, dass Christopher mich heute nicht in das von ihm geschenkte Outfit steckte; ich stieg in meinen ganz normalen Klamotten in seinen Wagen, nachdem er ein weiteres Mal mit Kilian telefoniert hatte, um unser Erscheinen anzukündigen.

„Sag mal…“, sprach ich ihn an, als er das Auto durch die Straßen lenkte, „deine Stammtisch-Freunde wissen ja, dass wir zusammen sind… wissen die denn… alles?“

„…dass wir 24/7 sind?“, hakte er nach, ohne die Augen von der Straße zu nehmen.

„Ja und die Sachen, die so zwischen uns vorgefallen sind… so am Anfang, der Park, und wie du mich vor dem Kino hast stehen lassen, und… so?“

Christopher räusperte sich. „Naja, ich hab bei den Treffen schon von Anfang an von dir berichtet. Als ich dich das erste Mal getroffen habe, hatte ich schon angemerkt, dass ich gerne einen Sklaven hätte, der so geil aussieht wie du; und natürlich hab ich dann immer die Updates durchgegeben, als ich dich immer wieder im Park gesehen und dich getestet habe, weißt du?“

„…und weiter?“

„…naja, ich hab ihnen natürlich nicht alles erzählt. Ich sagte dir ja: Was zwischen uns geschieht geht auch nur uns an. Aber klar hab ich dann zum Beispiel erzählt, dass wir zusammen sind, dann dass wir Fesseln ausprobiert haben, den Flogger – aber natürlich nicht detailliert; ich hab denen nur gesagt, dass es gut läuft. Wir tauschen uns halt aus, verstehst du?“

Mir wurde heiß und kalt und auch ein wenig schlecht. Und Christopher wurde nervös. Immer wieder wanderten seine Augen zu mir. „Du… bist mir doch jetzt nicht böse, oder? Du hast doch sicherlich auch mit irgendwem über mich geredet, oder nicht?“

„Naja, aber nicht, dass du mich fesselst, oder mir den Arsch versohlst, oder mich mitten im nirgendwo als disziplinäre Maßnahme irgendwo abstellst…“

„Hmm… aber ich denke, hättest du Freunde, die auch BDSM praktizieren, hättest du ihnen das auch alles erzählt, ohne, ich wiederhole es gerne noch ein mal für dich, Details zu nennen. Alles, was du mir sagst, bleibt auch bei mir, Niko. Ich würde niemals irgendwelche persönlichen Erzählungen weiterleiten; ich schätze unsere Intimsphäre auch, okay?“

„…okay…“, meinte ich kleinlaut und dachte über seine Worte nach. Wahrscheinlich hatte er Recht. Wahrscheinlich hätte ich diese Umstände unseres Zusammenkommens schon jemanden erzählt, der etwas mit BDSM anfangen konnte.

Christopher parkte den Wagen, seufzte und schaute mich erneut an. „Wir müssen da nicht hin“, sagte er. „Ich kann immer noch absagen.“

„Ach, Quatsch…“, antwortete ich und winkte ab. „Ich bin einfach nur nervös.“

„Das musst du nicht sein“, säuselte Christopher und beugte sich wie so oft über die Mittelkonsole, um mir einen keuschen Kuss auf die Lippen zu drücken. „Ich bin da und beschütze dich“, scherzte er. „Denk einfach an unseren abgemachten Code, okay?“

Nickend stieg ich aus.

Von der Hauptstraße bogen wir in eine Seitenstraße ab, dort noch einmal in eine Gasse, dann erblickte ich das erste Mal das spärlich beleuchtete Schild der Gerte.

Mein Herzschlag beschleunigte sich spürbar, als Christopher die massive Holztür öffnete, den roten Vorhang beiseite schob und wir eintraten. Meine Augen legten auf die kleine Bar der ersten Etage und die spärlich besetzten Holzbänke, auf das Andreaskreuz in der Ecke; doch daneben gab es keine weiteren Spielzeuge.

Die Wände waren düster, Kerzen standen auf den Tischen, leise, düstere Musik drang aus den Lautsprechern und Christopher führte mich eine Treppe hinab zur unteren Etage, wo sich eine weitere, noch viel größere Bar erstreckte und noch mehr der massiven Holzbänke, abgeschirmt voneinander, aufgebaut worden waren. Mein Blick wanderte über die Besucher, von denen auch hier an diesem Sonntag nicht viele anwesend waren. Viele von ihnen trugen schwarz, waren allerdings nicht so aufgestylt wie bei der Ausstellung in der alten Energiezentrale, zu der Christopher mich damals eingeladen hatte, oder auf der Party zu meinem Geburtstag… Aber hier saßen auch ganz normale Leute in blauen Jeans und weißem Hemd, die sich herzlich lachend mit anderen mit einem Getränk in der Hand über Gott und die Welt unterhielten.

Ich atmete aus, vor allem, als ich das schon bekannte Gesicht Kilians erblickte, dieser sich erhob und mir herzlich die Hand drückte. Ihn in schwarzen Bondage-Klamotten zu sehen war dann allerdings schon komisch, kannte ich ihn doch nur in seinem weißen Arztkittel.

„Mensch, schön dich wiederzusehen“, grüßte er mich.

Ich hatte kaum Zeit zu antworten, da traten schon die drei Frauen der Runde an mich heran und stellten sich als Mona, Ina und Karina vor. Dass die beiden letzteren Frauen ein Paar waren, begriff ich schnell. Wir setzten uns und ich war froh, dass die Vorstellungsrunde so herzlich abgelaufen war.

„Ich muss ja zugeben“, sagte Mona und fuhr sich grinsend durch ihr kastanienbraunes Haar, „du siehst noch süßer aus als auf den Fotos, die Christopher und gezeigt hat.“

„Äh, danke“, sagte ich und grinste unsicher. Christopher legte seine Hand auf mein Knie und zwinkerte mir zu, ehe er ein Ginger Ale für sich und den Long-Drink für mich bestellte.

Obschon wir in einem „SM-Laden“ saßen, unterhielten wir uns, wie sagt man so schön, über Gott und die Welt. Ich wurde über mein Studium ausgefragt, die Damen und Herren der Runde lachten, als ich ihnen von den Kommilitonen erzählte, die die Vorlesungen aufzeichneten und der Allgemeinheit zur Verfügung stellten. Ina und Karina erzählten von ihrem letzten Urlaub in Schweden. Kilian sprach von einem neuen Griechen, der in der Innenstadt seine Pforten geöffnet hatte, und Christopher erzählte von einem Kino, das bald in seiner Nähe gebaut werden sollte.

„Da können wir dann auch immer deine komischen Horrorfilme gucken“, meinte er zu mir und lächelte.

Kurz hielt ich die Luft an, dachte an eben jede Episode nach der Vorstellung im Cinemaxx und erwartete irgendeinen Kommentar der Runde, stattdessen sagte Mona an Christopher und mich gerichtet: „Hach, ihr passt ja echt zusammen wie die Faust aufs Auge!“

Kilian lachte auf. „Was für ein Wortwitz!“

Und dann kicherten alle kurz, sogar ich, als sich mir die Pointe erschloss. Doch mein Kichern war eher nervöser Natur.

Ina, mit ihren wilden Spikes auf dem Kopf, beugte sich daraufhin zu mir vor: „Also, nur so als Entwarnung, mit der Faust aufs Auge schlagen – das tut echt so gut wie niemand im Spiel, okay?“

„Ja, außerdem steht nicht jeder darauf, seinen Sub mit der bloßen Hand zu schlagen“, pflichtete Karina ihr bei.

„…erst recht nicht ins Gesicht“, ergänzte Ina.

„Tja“, mischte Kilian sich wieder in die Konversation ein. „Das sehen Christopher und ich ein wenig anders, oder Herr Lang?“, bezog er sich auf die letzten beiden Sätze.

Abermals hielt ich die Luft an – Christopher schien meine Anspannung zu merken. Deswegen antwortete er nur knapp mit „so ist es“ und fuhr dann fort: „Wie wäre es aber, wenn wir uns jetzt mal auf das fokussieren, was wir uns eigentlich vorgenommen haben.“

Ich schenkte ihm ein warmes Lächeln und die Runde nahm ihre Beratungen auf, während ich mein Getränk langsam leerte. Da ich mit Holger eigentlich noch nichts zu tun hatte, klinkte ich mich nicht nur verbal, sondern auch gedanklich aus dem Gespräch aus. Mental wanderte ich zurück zu der bloßen Hand Christophers. Mit der er mir bereits öfter den Hintern versohlt hatte. Mit der er schon so oft grob mein Kinn umfasst hatte. Mit der er mich immerzu an meinen Haaren zerrte und am Arm packte, mich winseln ließ.

…aber ins Gesicht geschlagen hatte er mir damit noch nie.

Wieder einmal spielten sich in meinem Kopf Szenen eines Pornofilmchens ab, als der haarige Dom seinem Sub, der ihm nicht richtig antwortete, leicht mit der Handfläche gegen die Wange geklascht hatte; so als würde man jemanden der weggetreten war wecken wollen, ohne ihm Schmerzen zuzufügen.

Ging es Christopher darum?

Oder doch eher um andere Szenen, die ich aus Geschichten kannte, in denen der Dom so richtig ausholte und seinen Sklaven eine schallende Ohrfeige gab, weil dieser nicht nach seiner Pfeife tanzte; oder eben im Bett, während er ihn beleidigte und für Missgeschicke bestrafte.

…ging es ihm darum?

Schweiß sammelte sich auf meiner Stirn, weil wieder eine Welle der Panik meine Brust überflutete. Aber da war noch was… etwas, das mich mal wieder überraschte.

Ich benutzte unseren Code nicht. Die Gruppe einigte sich schnell auf etwas Selbstgemachtes. Mona, die Hobbykünstlerin, würde eine schwarze Box mit einer Triskele anfertigen und darin würden alle Geld deponieren, weil Holger eh vorhatte, sich ein neues, schickes Fahrrad zu kaufen.

Nach dieser Einigung schlug Christopher zu gehen. Die anderen blieben noch, aber das war ihm egal. Im Auto sagte er, er wolle lieber Zeit mit mir verbringen; schließlich sei ich seine Priorität. Das gefiel mir.

„Und… das war nicht zu viel für dich, ja?“, erkundigte er sich während der Heimfahrt.

„Nein, alles gut. Ich fand alle sehr nett.“

„Freut mich.“

Wir schwiegen eine Weile.

„D-darf… ich dich was fragen?“, richtete ich dann irgendwie heiser das Wort an ihn.

„Klar.“

„Das mit dem Schlagen… was Kilian da gesagt hat, ähm… Ich meine, ins Gesicht schlagen. Dass du das magst. Bezieht sich das… nur auf Bettsituationen, und Spielsituationen…?“

Christopher dachte kurz nach, wahrscheinlich suchte er nach den richtigen Worten, um mich nicht schon wieder zu verschrecken. „Ja und nein“, meinte er schließlich und sah mich kurz an, als es die Verkehrssituation erlaubte. „Also: Im Bett finde es großartig, im Spiel umso mehr… aber irgendwann würde ich dich glaube ich auch gern in unseren Alltagssituationen schlagen. Aber… das hat noch Zeit und das würde ich auch nur machen, wenn wir das vorher genau besprechen und du überhaupt dazu JA sagst. Auch zu den Schlägen im Bett. Du weißt: Ich mache nur das, was du auch willst und werde dich so absolut nichts überreden und dich erst recht nicht zwingen. Okay?“

„...okay…“, hauchte ich und meine Unterlippe zitterte.

Sie zitterte auch immer noch, als Christopher sich zu mir umdrehte, nachdem er die Haustür zugezogen hatte und abermals meine Klamotten von mir verlangte. Gehorsam befolgte ich seinen Befehl, übergab ihm die Kleidung, genau gefaltet und verweilte in kniender Position, die Rückkehr meines Masters erwartend; und als er zurück zu mir kam, gefiel ihm offensichtlich was er sah.

Nicht nur, dass ich genau so auf ihn wartete, wie er es von mir verlangte, ich war dazu auch noch steinhart.

Er packte mich an meinem Arm und beförderte mich auf die Beine; unsere Blicke trafen sich. „An was denken wir denn da gerade?“, wisperte er gegen meine Lippen und meinte hundertprozentig meine Erektion.

Ich grinste, als ich ihm die schon so oft gegebene Antwort hab: „An Sex mit dir…“

Seine Hände fuhren über die vielen kleinen Wunden, die er gestern hinterlassen hatte und ich zischte auf, als er meinen Kopf an meinen Strähnen nach hinten riss, um in meine zitternde Unterlippe zu beißen.

„Dann lass uns das mal in die Tat umsetzen, was?“ Seine Stimme war Rau – seine Küsse hingegen warm und weich, seine Zunge heiß und feucht.

Mein Unterleib zitterte, als er nach einem langen Vorspiel in mich eindrang und sich seine Fingernägel schmerzhaft in meine Haut bohrten, weil er meine Arme in die Matratze drückte. Christopher ließ sich Zeit, bewegte sich langsam; irgendwann legten sich seine Finger um mein hartes Fleisch und er begann mich in eben diesem Tempo seines Beckens zu pumpen.

Ich stöhnte – da bohrten sich seine Fingernägel in meine Vorhaut und ich schrie auf.

„Ich will, dass du keinen Ton von dir gibst verstanden?!“, zischte er in mein Ohr und öffnete mir dadurch – wahrscheinlich absichtlich – die Tür, die ich gesucht hatte. Verschwitzt blickte ich ihn an, mit offenem Mund und verträumten Augen.

Er hielt inne und betrachtete mich.

Dann sagte ich es, flüsternd, beinahe unhörbar: „…verpasst du mir sonst eine?“

Christophers Gesicht kam meinem näher, er grinste fies und nickte; und ich leckte in heißer Erwartung über meine Lippen.

Seitdem ich in der Nacht zu gestern die neu aufgekeimte Scheu, den Schreck abgelegt hatte, wurde ich wieder richtig experimentierfreudig. Ja, diese ganze besondere Seite an mir gewann die Überhand…

Christophers Bewegungen nahmen an Intensität an, ich biss mir auf die Zunge, als seine harte Spitze meinen ganz besonderen Punkt im Innern traf; immer und immer wieder. Sein Atem beschleunigte sich, er begann wohlig zu seufzen, meine Finger bohrten sich in das Kissen unter meinem Kopf. In meinen Lenden brodelte es so sehr, dass ich es kaum mehr aushielt… und dann ließ ich es einfach raus, dieses laute, intensive Aufstöhnen und als mein Freund ausholte und mir eine schallende, pfeffernde Ohrfeige verpasste, nach der er mich auch noch aggressiv anblaffte: „Ich hab gesagt, du sollst deinen Mund halten!“ – ergoss ich mich.

Gott, war das abgefahren!

 

 

 

 

 

*

 

 

Einen Tag nach dem Familiendesaster zeugt in unserer Wohnung nichts mehr von diesem katastrophalen Besuch. Christopher und ich haben noch am Abend zusammen den Rest aufgeräumt, die Stühle wieder zurecht gerückt und sind nach unserem intensiven Gespräch auch total erschöpft ins Bett gefallen.

Eine traumlose Nacht liegt hinter mir, vielleicht liegt das auch an dem pflanzlichen Schlafmittel, das mein Freund mir verabreicht hat. Ich bin dankbar. Denn weitere Momente meiner familiären Vergangenheit, auch noch in verzerrter Form zu erleben, hätte ich wahrscheinlich nicht ertragen.

Die Sonne scheint, als ich barfuß durch den Flur in die Küche laufe und Kaffee koche; mittlerweile kenne ich diese Maschine in und auswendig und habe die perfekte Dosierung rausgefunden. Ich decke den Frühstückstisch und gerade als ich ins Schlafzimmer gehen und Christopher wecken will, schlurft dieser total verpennt mit strubbeligem Haar durch die Tür. Er kommt direkt auf mich zu, murmelt „guten Morgen“ – oder was auch immer – und gibt mir einen langen, aber unschuldigen Kuss auf den Mund. Ich muss ein Kichern unterdrücken. Er sieht einfach nur niedlich aus, dieser Chris.

Ja, während ich warte, dass er sein Brötchen geschmiert hat und ihn so betrachte, wird mir bewusst, wie ruhig ich eigentlich wieder bin, wie diese gestrige Abspannung komplett von mir abgefallen ist. Es war eine gute Idee, ihm endlich alles zu erzählen. Ich glaube, das ist sogar das erste Mal, dass ich diesen Mist überhaupt losgeworden bin, ihn mir von der Seele geredet habe, wie man so schön sagt. Ich seufze.

„Alles okay?“, will Christopher sofort von mir wissen und ich schenke ihm ein Lächeln.

„Ja, mir geht es wieder gut.“

Mein Freund erwidert mein Lächeln. „Das ist schön.“

Beim Abräumen beteuert der süße Chris, dass er mir wirklich nur hat helfen wollen und dass es ihm leid tut, dass dieser Besuch in dieser Form überhaupt zu Stande gekommen ist und sagt, dass er nie wieder einem Familienbesuch zusagen wird, wenn nicht meine vollkommene Zustimmung vorliegt. Außerdem sagt er, dass er es nun völlig in Ordnung findet, wenn ich meiner Mutter schriftlich mitteile, dass ich mit ihm zusammengezogen bin. „Aber schick ihr bitte einen Brief, das ist persönlicher als eine E-mail, dann kann sie nicht rumzicken, okay? Und noch einmal: Es tut mir leid, wie das gestern gelaufen ist.“

Ich umarme ihn, gebe ihm einen Kuss auf die Stirn und wispere: „Ist, okay, wirklich…“ Und dann will ich nicht mehr darüber reden. Nicht, weil ich schon wieder gewisse Dinge verdrängen will. Nein. Ich will jetzt einfach unser Zusammenleben genießen, mich auf das Wichtige konzentrieren. Auf uns; und unsere Regeln. Ich will zu unserer neuen Normalität wechseln.

Deswegen lege ich ihm nach dem Frühstück, als er es sich gerade mit der Zeitung auf dem Sofa gemütlich machen will, mein Sklaventagebuch hin. Er nimmt es nickend entgegen und erlaubt es mir, für die Zeit des Lesens in mein Zimmer zu gehen. „Mach was immer du auch willst, bis ich dich rufe“, sagt er.

Er braucht einige Zeit. Schließlich war ich diese Woche wirklich kreativ. Habe beschrieben, wie es sich so anfühlt in den Räumen meines Masters zu hausen, dass ich es genieße, wenn er meine Klamotten für mich aussucht, dass mir besonders seine an Häufigkeit zunehmenden Kontrollanrufe gefallen – und wie er mit mir schimpft, wenn ich mal wieder etwas nicht nach seinem Gusto aufgeräumt habe.

Sicherlich lächelt er zufrieden.

Bis er zu dem erneuten Unterpunkt „Blowjob am Morgen“ kommt. Denn: Egal wie man es dreht und wendet, ich schaffe das nicht jeden Tag; und an den meisten Tagen vor der Arbeit war es einfach so anstrengend, dass ich mir gewünscht hatte, wir hätten diesen Punkt niemals in unsere Regeln mit aufgenommen.

Mit Christophers Vorschlag, unserem Kompromiss, diese Regelung nur noch am Wochenende durchzuziehen bin ich natürlich einverstanden.

Nach ungefähr einer Viertelstunde ruft er mich zu sich.

„Ich freue mich, dass du dir dieses Mal mit der Schrift mehr Mühe gegeben hast, ebenso wie mit der Rechtschreibung“, sagt er und lässt ganz den strengen Lehrer raushängen. Ich senke gehorsam meinen Kopf und lausche seinen Worten konzentriert weiter. „Mir macht es im Übrigen auch Spaß, deine Klamotten für dich zu bestimmen. Wir sollten dich auch bald zum Frisör schleppen.“ Er macht eine Pause und lässt die Luft geräuschvoll aus seinen Lungen. „Was ich nicht so toll finde ist natürlich die Sache mit dem Blowjob. Ich glaube, ich muss dir nicht sagen, dass ich das am Morgen sehr genieße und es auch gern in Zukunft tun würde. Hmmm…“

Christopher schlägt die Beine übereinander und starrt die Decke an.

„Naja, wir haben ja gesagt, wenn das diese Woche nicht funktioniert, dann halt eben an den Wochenenden. Oder nicht?“

Mein Freund macht ein langgezogenes „jaaaaaa“ und dem folgt natürlich ein „aber“ und zwar in dieser Form: „Aber wie wäre es, wenn wir das noch weiter probieren, und du mir nicht jede Woche jeden Tag einen Blowjob gibst, sondern nur jede zweite Woche an allen fünf Wochentagen? Vielleicht funktioniert das ja besser, hm?“

„Christopher…“, fange ich entrüstet und auch ein wenig verwirrt an. Dass mein Freund plötzlich von seinem Wort abweicht kenne ich gar nicht wirklich von ihm.

„Oder“, fährt dieser fort, „wie wäre es einfach jeden zweiten Tag, hm?“

Er handelt wie auf einem türkischen Basar.

„Weißt du eigentlich wie anstrengend das ist? Ich meine – klar, ich blase dir echt gerne ein, aber direkt nach dem Aufstehen, vor der Uni, meistens noch nach einer harten abendlichen Session, total im Stress, mit Schlaf in den Augen, das geht einfach nicht! Am Wochenende ist ne ganz andere Sache – zu der ich ja auch bereits zugesagt habe.“

Christopher sieht nicht zufrieden aus  und vor allem nicht überzeugt; was mich ehrlich gesagt ziemlich wütend stimmt. Und da rutscht es mir schon raus, dieses patzige, genervte: „Wenn du mir nicht glaubst, gib’ du mir doch mal die ganze Woche einen morgendlichen Blowjob!“

Ich halte die Luft an – auch wenn wir uns bei der Besprechung des Tagebuches im eigentlichen Code Red befinden.

Christopher mustert mich und dann schleicht sich ein vages Grinsen auf seine Lippen, über die er im nächsten Moment schon leckt. Dann sagt er: „Okay. Das machen wir. Aber“, hier macht er eine bedeutungsvolle Pause, „wenn ich es ohne Probleme schaffe und deine Auffassung des Ganzen nicht bestätigen kann, dann einigen wir uns darauf, dass du mir zwei Mal unter der Woche und am Wochenende einen Blowjob zum Aufstehen gibst. Deal?“

Wirklich, wie auf einem türkischen Basar…

„Deal“, willige ich schließlich ein und wir schütteln formal die Hand und ich dazu noch ungläubig den Kopf.

Am nächsten Morgen, als der Wecker um 6 Uhr klingelt und ein tief seufzender Christopher lethargisch unter die Bettdecke rutscht und ich seine heiße Zunge an meinem langsam durch dessen Traktierung zum Leben erwachenden Fleisch spüre, bin ich allerdings sehr zufrieden mit unserem Deal…

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Kommentare

Schon mal vorweg, ohne den Teil gelesen zu haben, danke, danke danke!!!
Ich liebe deine Geschichte einfach und hatte schon befürchtet, dass du sie ad acta gelegt hast. :(
Aber dann kann ich mich ja heute Abend auf genüssliches Schmöckern freuen.Image removed.

In reply to by lovis

...und entschuldige, dass es so lang gedauert hat!

Das ist eine ganz besondere Geschichte für mich, die ich auch auf jeden Fall zu Ende schreiben werde; die vergangenen Monate waren nur sehr hart für mich, sind es immer noch, aber ich habe jetzt durch einige positive Erfahrungen und Einstellungsänderungen meinerseits beschlossen, mir einfach Zeit für diesen Eskapismus zu schaffen :-) Ich werde mich also in den kommenden Wochen/Monaten desöfteren einfach hinsetzen und in die Tasten hauen.

Vielen Dank, dass du die Geschichte liest und diese Erfahrung quasi mit mir teilst!

In reply to by SummoningIsis

Wenn dann soetwas wie das hier dabei rumkommt, wartet man doch gern. Auch mal gefühlt "ewig". ;) Auch wenn m/m-Stories ansonsten so gar nicht mein Ding sind. Aber deine fasziniert einfach. Und selbstverständlich natürlich habe ich nicht bis heute Abend warten können und schon jetzt mal sechs Blinkersternchen gerne dagelassen.

Einzig was mir aufgefallen ist (auch schon bis zum 31. Teil, aber bis jetzt hab ich´s verpeilt anzumerken), dass ich es teilweise etwas verwirrend finde, wenn du irgendwas beschreibst, das sich in der Vergangenheit abspielt. Die Vergangenheitsteile sind teilweise ja schon recht lang und manchmal, muss ich gestehen, vergesse ich das einfach während des Lesens. (Genauso umgekehrt.) Und wundere mich dann, warum es ganz urplötzlich an einer anderen Stelle weitergeht. Na klar, die Teile sind auch in unterschiedlichen Zeiten geschrieben. Das fällt schon auf. Aber manchmal versinkt man dermaßen in deinem Schreibstil, dass das Kopfkino dann doch mehr Kontrolle hat als die Konzentration.
Ist nicht wirklich schlimm, man könnte sich als Leser ja auch durchaus mal anstrengen das mit der Konzentration geregelt zu bekommen ;) . Aber vielleicht könntest du doch mal drüber nachdenken, ob du die Rückblicke nicht etwas anders "absetzen" könntest. Vielleicht einfach mit Zeitangabe ("Drei Monate vorher") oder so.

Ach ja, und über Teil 33 würde ich u. U. nochmal drüberlesen. ;)

Freu´ mich aber auf jeden Fall schon, wenn es weitergeht. Aber ... nur keinen Stress. Gut Ding will Weile haben. Das wissen wir ja alle.

LG

In reply to by lovis

...ich war mal wieder zu ungeduldig, das meine Beta zur Korrektur zu geben, weil von vielen Seiten ein wenig "Druck" kommt, das Geschriebene dann auch sofort zu lesen - vielleicht sollte ich auch mal lernen, mich in Geduld zu üben ;) Danke auf jeden Fall für den Hinweis, ich schau in ein paar Tagen nochmal drüber.

Und zu den Zeitsprüngen: Ja, ich versteh was du meinst. Ich hatte irgendwann ja sogar angefangen schon extra Sternchen zu setzen, damit man merkt, dass Niko in den Zeiten springt, oder so einen prägnanten Satz vorne weg zu setzen wie "als wir zwei Monate zusammen waren"... Ich denke mal weiter drüber nach, auch dafür danke! Wobei... so viel aus der Vergangenheit kommt jetzt auch nicht mehr, wenn ich auf meinen Writing-Plan linse. Aber: Ich sage mal dazu nichts und haue morgen lieber wieder brav in die Tasten.

Nochmals besten Dank für deine Zeilen und Hinweise!

hat sich Gelohnt, ich dachte auch schon das es nun hier nicht mehr weiter geht, um so schöner ist es das es eben doch weiter geht. Immer noch Lese ich deine Geschichte sehr gerne. Auch diesen teil habe ich gerne Gelesen, mit Schmunzeln, mit Aufregung. Nun ja eines ist doch wichtiger als hier etwas zu Veröffentlichen, dein Echtes Leben geht vor, auch wenn das heißt mitunter auf die Fortsetzung zu warten.

 

Gelungen ist diese Geschichte wirklich, und wiederhole es immer wieder gerne, diese Gechichte passt so gar in das Genre was ich normalerweise Lese und mir gefällt, diese aber ist die große Ausnahme, denn Sie gefällt mir und das von Anfang an.

 

Gruß PetSlaveRico

In reply to by PetSlaveRico

...dass du geduldig warst und mir hier wieder so nette Worte dalässt. Da schlägt das Autorenherz doch richtig hoch! Und: Ich bemühe mich so gut es geht, schnell weiter zu arbeiten. Aber: Qualität geht ja auch vor Quantität ;D Deswegen lasse ich mir beim nächsten Kapitel auch noch die Zeit, es mal in Korrektur zu geben, damit ich euch mit meinen ganzen Fehlern nicht vergraule - je länger der Text und je länger man an ihm sitzt, desto blinder wird man dann am Ende und übersieht selbst die peinlichsten Fehler ;D

Als ich gestern gesehen habe, dass es weiter geht, dachte ich schon, ich würde nicht richtig sehen. Um so schöner war es, diesen Teil zu lesen.
Auch wenn es lange gedauert hat, würde ich nochmal so lange warten, wenn es wieder so gut wird.
Hauptsache es geht weiter ;)
Also lass dir Zeit, damit wir was haben, worauf wir uns freuen können.

In reply to by TRENI

Auch dir vielen Dank für deine Worte :)

Ich kann mich den anderen Kommentatoren nur anschließen.

Die Geschichte ist toll geschrieben, und das lange Warten hat sich gelohnt.

Wie alle Anderen hoffe ich, dass es bald (möglichst sehr bald) weiter geht.

In reply to by gsu67

...damit hier bald wieder (hoffentlich) Freude über ein Update herrscht. Allerdings muss ich ab morgen erstmal neun Tage durcharbeiten... Juhu! Naja: Besten Dank fürs Kommentieren :) und fürs Dranbleiben trotz der langen Wartezeiten! Ich bin echt manchmal wie die Deutsche Bahn... haa.... ha... ha.

eine Fortsetzung, ich hatte das Hoffen schon fast aufgegeben. Nun ist sie da und das Warten hat sich gelohnt. Danke

Die Geschicht schafft es mich "gefangen zu Nehmen". Dein Schreibstil ist toll. Nimm dir die Zeit für eine Fortsetzung und beeile dich damit lach.

Ich habe einem Freund ein Ufo entwendet und dir sechs Sterne vom Himmel stibitzt. 

In reply to by Nemisis

Danke dir! Für deine lieben Worte und natürlich auch die Sterne, sie glitzern so schön ;) Danke fürs Dranbleiben an der Story!

Vorweg: Ich hab deine Geschichte nun zum dritten Mal gelesen, immer lange Pausen eingelegt, bis der nächste Teil kam. Und bin nun an diesem und dem Rest angelangt. Meiner bescheidenen Meinung nach ist das eine der besten, wunderbarsten, einfühlsamsten Geschichten, die es überhaupt zu lesen gibt, sowohl hier als auch im Buchhandel, ob es nun gay, hetero, SM, Vanilla oder sonstwas ist.

Und nun Folgendes: Es ist mir bislang nur einmal zuvor passiert, dass mir beim Lesen eines Buchs die Tränen gekommen sind, und das zweite Mal war hier, bei diesem Teil deiner Geschichte.

Vielleicht bist du Psychologin oder anderweitig in dem Feld der Psych*ologie <was auch immer> unterwegs. Jedenfalls war deine Schilderung der ganzen Familiensituation bei dem erzwungenen Dinner so beschissen real, dass mir bei Nikos gesamter ausgekotzter Verzweiflung dermaßen die Tränen gekommen sind, weil es einfach so wirklich, genau so war, wie es jemand wie Niko in dieser Situation fühlt, dieser ganze Haufen an Emotionen, die sich irgendwann nicht mehr aufhalten lassen, weil man es aussprechen muss, und dann den Partner damit konfrontieren muss, wie scheiße es sich anfühlt, wie sehr man den Hass und die Enttäuschung und den Brechreiz unter Kontrolle halten muss, bis es nicht mehr geht, bis alles hervorbricht.

Niko ist an der Stelle regelrecht zu beneiden, weil er es eben den betreffenden Personen ins Gesicht sagen kann und danach noch seinen Partner hat, der es versteht und der die Kraft hat, es gewissermaßen zu kompensieren.

So hervorragend wie deine Geschichte bereits bis zu diesem Punkt war, umso mehr hat mich eben diese Szene beeindruckt. Du besitzt ein gewaltiges Einfühlungsvermögen, vor dem ich mich einfach nur verneigen will.

Und ganz abgesehen davon ist deine Story natürlich auch unerhört sexy ;) Bitte führ sie zu Ende.

Loreley

an den Kommentar von Loreley, die mich vor ewigen Zeiten auf dieses Kleinod aufmerksam machte. Also habe ich beiden zu danken - dir und Loreley - für das Vergnügen, diese Geschichte hier lesen zu können.