Club Funtasie

Ich hasse Jazz.

Tut mir wirklich leid, aber so ist es nun mal. Das Quietschen des Glases, das ich gerade poliere, ist angenehmer als das unrhythmische Katzengejammer, das der Saxophonist von sich gibt.

Seufzend versuche ich mich mit meinem Schicksal in Form der Thekenschicht abzufinden, die bis zum letzten Ton und darüber hinaus andauern wird. Jenny, aka Glitter, wippt hingegen auf ihren mörderischen Pumps neben mir im Takt auf und ab und will ihre Begeisterung für die hohe Form der Kunst gar nicht verbergen. Aus diesem Blickwinkel kann ich der Beschallung dann doch etwas abgewinnen. Ich spanne, ziele und lasse das Geschirrtuch auf ihren formvollendeten, halbnackten Hintern schnalzen, was ihr ein Kreischen entlockt, das im wirren Klangteppich der Musik nicht weiter auffällt. Sie fährt zu mir herum, aber die Entrüstung weicht sofort einem ihrer koketten, schiefen Grinsen. „Freches Luder!“

Ich lache sie an und lasse das Geschirrtuch angriffslustig in der Hüfte kreisen. Ihr geübter Blick gleitet von meiner improvisierten Peitsche über die Gäste an der Bar, bevor sie abwinkt. „Lohnt nicht.“

Mit einem Schulterzucken senke ich die Hand . Sie hat natürlich Recht. Unsere kleine Routine hinter der Theke ist normalerweise dazu gedacht, die Kunden mit ein wenig harmlosem Girl-on-Girl-Geplänkel anzuheizen, doch heute ist das Publikum ein gänzlich anderes. Dass ich nebenbei meinen privaten Spaß an der kleinen Einlage habe, ist Jenny nicht bewusst.

Der Jazz zerrt schon den ganzen Abend an meinen Nerven, sodass ich keinerlei Gefühl für den Raum habe. Unser normales Klientel aus spaßorientierten, etwas angeheiterten Gästen wurde für diese Soiree durch Liebhaber der Kunst ersetzt, mit einer kleinen Beimischung der üblichen Gesichter, versteht sich. Die Band stammt aus den USA; es ist wohl eine nicht unberühmte Kombo, die sich für ihr einziges Konzert in der Hansestadt ausgerechnet unseren Club ausgesucht hat. Ich kann nur mutmaßen, was Künstler aus dem Land der Puritaner dazu bewegt, in einem Puff zu spielen.

Damit tue ich unserem Etablissement natürlich unrecht. Das Funtasie ist viel mehr als nur ein Puff, auch wenn der Name … nun ja. Reden wir nicht davon. Der Club ist in der Tat eine Art Geheimtipp. Etwas abseits der ausgetretenen Pfade hat sich unser Boss, von allen nur Cheffe genannt, sein eigenes kleines Paradies ganz nach seiner Vorstellung geschaffen. Es gibt keine Plakate mit nackten Brüsten, die an jedem Stromkasten hängen, keine nervtötenden Promoter, die unsere Flyer auf der Reeperbahn und außerhalb verteilen. Wir haben nicht einmal eine dieser blinkenden Leuchtreklamen an der Fassade. Das Funtasie ist eher so eine Art Fight Club, nur dass es natürlich keine Regel gibt, die das Reden über uns verbietet. Wir machen unser Geld mit den Klienten, die durch Mund-zu-Mund-Propaganda von uns erfahren.

An jedem Wochenende gibt es einen Live-Act, meistens noch unbekannte Garagenbands, die von Hard Rock bis Black Metal alles spielen, was in die Glieder fährt. Auch Blues ist ein gern gesehener Gast und bringt oft neue Kunden mit sich, die sich unter den langhaarigen, tätowierten Gestalten, die unsere Haupteinnahmequelle darstellen, erstaunlich wohl fühlen. Doch heute muss es unbedingt Jazz sein.

Ich kratze mich am Hals. Warum ich das Lederband mit dem grünen Steinchen, das vom Ring in der Mitte meiner Kehle baumelt, heute überhaupt angelegt habe, ist mir ein Rätsel. Das Publikum besteht hauptsächlich aus Paaren mittleren Alters, gutbürgerlich bis gehobene Klasse, und die wenigsten von ihnen sind wegen der Nebenschauplätze hier. Und selbst wenn sie die Freuden abseits der Musik erkunden wollten, keiner der gutbetuchten Jazzliebhaber weiß von mir.

Ich suche in der Menge nach bekannten Gesichtern. Es sind Stammgäste da, aber keiner von meinen.

Ein besonders hoher, nach Fingernägeln auf Schiefertafel klingender Ton fährt mir wie ein Stromstoß die Wirbelsäule hinunter. Wie kann man diesen Krach bloß mögen? Als ich sehe, dass sich sogar die Haare auf meinen Unterarmen aufgestellt haben, werfe ich das Handtuch. Beinahe räume ich damit ein paar Schampus-Gläser ab, die sonst nie gebraucht werden, heute aber hoch im Kurs sind.

Ich öffne die kleine Schublade unter dem Brett mit den Zimmerschlüsseln und wühle zwischen Pfefferspray, Parfümflaschen und Kondompackungen nach meinem zweiten Steinchen. Als ich das kantige Glas ertastet habe, fühle ich so etwas wie Erleichterung. Zügig schraube ich den grünen Klunker aus der Fassung und setze den roten an seine Stelle, bevor ich Jenny ein Zeichen gebe, dass ich kurz Pause mache. Sie wedelt nur abwesend mit der Hand, dann wendet sie sich wieder tänzelnd der Band zu. Da es heute abgesehen von dem gelegentlichen Drink nur wenig für uns zu tun gibt, habe ich kein schlechtes Gewissen, als ich mich durch die Schwingtür neben der Bar drücke und die Küche durchquere, um zum Hinterausgang zu gelangen. Der Koch und seine Helfer schenken mir keine weitere Beachtung; sie sind schwer beschäftigt. Unter dem Klappern von Töpfen und Geschirr und den barschen Rufen ist die Musik, die vom Main Floor durch die Lautsprecher übertragen wird, kaum zu hören.

Die frische Luft und die Ruhe, die mir im Freien entgegenschlagen, sind eine wahre Wohltat. Mit einem tiefen Atemzug sauge ich das Salz im leisen Wind ein. Ich habe mir gerade eine Zigarette zwischen die Lippen gesteckt, als eine Flamme vor meinem Gesicht aufzischt.

Japsend springe ich einen Schritt zurück und reiße die Arme vor den Körper. Adrenalin schießt in meine Venen. Ich bin einen Moment lang panisch, weiß nicht mehr wo ich bin und was ich tun soll, außer mich an die Wand zu drücken, bis ein bekanntes raues Lachen ertönt.

„Sorry, Kätzchen. Hab nicht dran gedacht, wie scheu du bist.“

Winselnd lasse ich den angehaltenen Atem aus meinen Lungen entweichen und entspanne mich, so gut es geht. „Cheffe?“

„Japp.“

„Ich hätte dir fast in die Eier getreten!“

Wieder lacht er. „Sah gar nicht danach aus.“

Ich schnaube nur, als ich in die Hocke gehe, um nach meiner Zigarette zu tasten, die mir im Eifer des nicht vorhandenen Gefechts aus dem Mund gefallen ist. Der Puls beruhigt sich nicht so schnell, wie ich es gern hätte. Im Stillen verfluche ich meine Schreckhaftigkeit.

Cheffe greift mir unter eine Achseln und zieht mich hoch. „Die ist hin, hat geregnet. Nimm.“ Dabei hält er mir seine geöffnete Schachtel entgegen.

Zögerlich greife ich nach der angebotenen Kippe. Sein Feuerzeug flammt erneut auf, damit ich sie anzünden kann. Ich presse den Rauch des ersten Zugs passiv zwischen den Lippen hervor und lehne mich an die Wand. „Danke, Boss.“

Er erwidert nichts, stattdessen drückt er auf den Lichtschalter. Ich kneife die Lider vor der plötzlichen Helligkeit zusammen und beobachte ihn angespannt, wie er langsam die Hand auf mich zubewegt. Durch das Halsband meine ich zu fühlen, dass er den Ring berührt. Ich sehe nach unten, wo er das rote Steinchen anhebt und es zwischen Daumen und Zeigefinger reibt,

„Nicht dein Abend?“

Ich schüttle den Kopf und hoffe, dass er die Signalfarbe wie die Male zuvor einfach akzeptiert. „Jazz macht mich … irre?“, murmle ich entschuldigend.

Er nickt. „Mh. Katzengejammer.“

Wir tauschen ein Grinsen des gemeinsamen Leidens aus. Cheffe ist ein guter Kerl. Er regiert den Club mit harter Hand, aber seine Mädchen zwingt er zu nichts. „Warum hast du die Band denn eingeladen, wenn du kein Fan bist?“

Er zuckt nur mit den Schultern. „Verpflichtungen.“ Mehr sagt er nicht dazu. Allerdings tritt er näher, lässt einen glasigen Blick über meine Lippen und hinab bis in den Ausschnitt wandern.

Ich schlucke. Mister Boss-Man hat dem Whiskey zugesprochen. Nervös halte ich die Zigarette zur Seite, weil ich weiß, dass er gleich noch einen halben Schritt mehr auf mich zukommt, und ich ihn nicht verbrennen will. Am Anfang hat mich seine Art, wenn er getrunken hatte, milde gesagt irritiert. Was rede ich, ich hatte irrsinnige Angst vor ihm. Aber mittlerweile weiß ich, was ich zu erwarten habe.

Ich sehe zu ihm hoch. Mein Herzschlag ist auf eine normale Geschwindigkeit heruntergefahren und bleibt auch dort. Trotz des leichten Schnapsgeruchs und des unsteten Blicks seiner Augen kommt die Panik nicht wieder. Er legt den Kopf schräg und schiebt die Nase in meine Haare. Ein Brummen vibriert an meinem Hals.

„Ich mag dich, Kätzchen.“

Ein kleines Grinsen kann ich mir nicht verkneifen. Er sieht so böse aus, in seiner Lederkutte und mit den Fünf-Tage-Stoppeln unter dem Undercut. Die Tattoos an seinem Kehlkopf tun ihr Übriges. Trotzdem antworte ich völlig wahrheitsgemäß: „Ich dich auch, Cheffe.“

Er lächelt an meinem Hals und reibt mit der Nase über den Kiefer, bevor sich seine Lippen auf meinen Mund senken. Ich öffne mich ihm bereitwillig und begegne der warmen Zunge.

Der Kuss dauert nur kurz, bevor er den Kopf hebt. „Zug.“

Dem leisen Befehl folge ich gern und nehme eine Lunge voll Rauch von meiner Zigarette. Er hat nur einen einzigen Fetisch, und das ist die Mischung aus Parfüm und Tabak. Nachdem ich einige Male unter seinem wartenden Blick an meiner Kippe gezogen habe, greift er mir in den Nacken und bringt unsere Münder wieder zusammen.

Man würde eigentlich einen gierigen, kompromisslosen Kuss erwarten. Schließlich ist der Mann Besitzer eines Bordells, ein Zuhälter. Aber Cheffe ist anders. Er ist kein Pimp, der sich von seinen Weibern nimmt, was er will. Er hat es nicht nötig, gewaltsam seine Herrschaft zu beweisen.

Der Kuss ist sanft, fast ehrerbietig. Weich gleitet seine Zunge über meine, er leckt kaum fühlbar an meiner Unterlippe. Nur der nachdrückliche, ausweglose Halt der Hand unter meinem Haaransatz verleiht seinem Hunger Ausdruck, verschwindet jedoch so schnell, wie er gekommen ist. Ein Streicheln der Fingerknöchel über meine Wange ist das Signal, dass der Moment auch schon vorbei ist.

Cheffe zieht sich zurück und atmet tief durch, als wollte er das Duftgemisch aufsaugen, bevor er durch die Küchentür im Gebäude verschwindet.

Ich lasse mich gegen die Mauer sinken und rauche zu Ende, fühle mich fast ein wenig wehmütig. Es ist nie mehr als das, was gerade eben passiert ist. Wenn mein Boss getrunken hat, dann will er einen Kuss. Nicht mehr, nicht weniger. Es kommt mir seltsam vor, dass ich mir manchmal mehr wünsche. Letzten Endes ist er schließlich mein Zuhälter. Hat man vor denen nicht normalerweise Angst?

Mit einem Schnauben drücke ich die Kippe im Aschenbecher aus und mache mich widerstrebend auf den Weg zurück zur Bar.

 

 

Die Band hat eine Runde angestimmt, die nicht mehr ganz so nervenaufreibend ist, sodass ich mich einigermaßen konzentrieren kann. Allerdings hat sich nun auch das Publikum hauptsächlich auf die Sitzplätze verteilt und wird von den Mädchen auf dem Parkett bedient. Somit bleibt für Jenny und mich so gut wie nichts zu tun. Eine von uns hinter der Theke ist genug, also schicke ich sie raus auf den Floor, damit sie ihre aufgestaute gejazzte Energie abtanzen und vielleicht noch einen Klienten für die Nacht an Land ziehen kann.

Während ich die wunderschöne Jenny beobachte, wie sie ihren etwas ungelenken, aber doch perfekt geformten Körper zwischen den Tischen hindurchschlängelt, kann ich nicht anders, als meine Situation glücklich zu schätzen. Ich bin nicht auf das schnelle Geld angewiesen. Als hauptberufliche Thekenkraft bekomme ich für meinen Job ein volles Gehalt. Es ist nicht viel, aber es reicht zum Leben. Wenn ich mich an einem Abend wie heute umsehe und kein lüsternes Gesicht in meine Richtung blickt, stellt das für mich keine existentielle Bedrohung dar.

Warum hast du dann deine kleine Nebenabmachung?, fragt die nervige Stimme in meinem Kopf.

Ich schüttle mich, bevor ich mich auf den älteren Herrn im adretten Anzug konzentriere, der einen der uralten Schnäpse im Regal hinter mir ordert. Während ich mit geübt dramatischen Gesten den Alkohol in einen Tumbler fallen lasse, fühle ich den taxierenden Blick des Bankers, Lehrers oder Landrats, was auch immer er sein mag, über meinen Körper wandern. Es tangiert mich nicht im Geringsten. Ja, es gab zu Anfangs eine Zeit, da wurde ich nervös, wann immer mich ein Kunde abgecheckt hat. Damals habe ich mich gefragt, ob er zu einem der Securitys geht und nach meinem Preis fragt, nur um dann abgewiesen zu werden. Es fühlte sich seltsam an, Teil der Auslage zu sein, aber dann auch wieder nicht. Als ich schließlich mit Cheffe meinen kleinen Deal an der Seite abgemacht hatte, wurde es eher eine Art Würfelspiel. Ene-mene-muh, auf welchen Kink stehst du?

Der Herr Studienrat, wie ich ihn soeben in meinem Kopf getauft habe, fragt sich definitiv, wie viel ich koste. Aber er würde niemals den Mund aufmachen, um die Frage tatsächlich zu stellen. Ich lächle ihn unverbindlich an, worauf er mit amüsanter Erleichterung reagiert. Er will es gar nicht wissen, möchte seinen Schnaps lieber von einer redlichen Bedienung wie mir eingeschenkt kriegen, die nicht für den nächsten Bieter die Beine breit macht.

Wenn du wüsstest, Herr Studienrat.

Redlich war vorbei, als ich aus meiner Wohnung geworfen wurde. Von wegen Eigenbedarf. Der Ehemann der Frau Vermieterin kam eines Abends mit seinen Kumpanen durch die Tür des Clubs und warf nur einen Blick auf mich. Wiedererkennen – Einsortieren – im Geiste die erboste Kündigung schreiben. Elende heuchlerische Spießer. Im Puff saufen und vögeln ist das eine, aber eine vermeintliche Hure im eigenen Haus? Undenkbar!

Die Wut kocht in mir hoch, und ich kann nichts dagegen tun. Gedanken kreisen in meinem Kopf, ich steigere mich in den Teufelskreis aus widrigen Umständen, Verzweiflung, Erniedrigung und Wut hinein. Erst als das Glas in meinen Händen ein gefährliches Knacken von sich gibt, fange ich mich und trete einen mentalen Schritt zurück. Ich will mich gerade für das Selbstmitleid schimpfen, als ein bekanntes Augenpaar das meine trifft.

 

Tom. Ausgerechnet jetzt, in genau diesem Moment, sehe ich Tom.

Die schweren Samtvorhänge, die den Main Floor an jedem anderen Tag umgeben, sind zugunsten der Akustik zusammengerafft und zur Seite gebunden, womit sie den Blick auf die schmalen Fenster auf Höhe des Gehsteigs freigeben. Dort hockt er und blickt suchend in meine Richtung. Ich kann das Grinsen nicht verhindern, das sich über mein Gesicht stiehlt, als er mich entdeckt und winkt.

Keine Minute später steht er vor mir. Die Ellenbogen auf die Theke gestützt, sieht er mich mit einem diebischen Grinsen an. Ich bin schon dabei, ihm seinen üblichen Drink zu mixen, da fällt sein Blick auf das Steinchen an meinem Hals. Sofort geht die Stirn in ein enttäuschtes Runzeln über.

Ich wende ihm den Rücken zu und komplettiere den White Russian. Mit einem kurzen Horchen in mein Inneres stelle ich fest, dass ich den Jazz in den letzten Minuten ziemlich erfolgreich verdrängt habe und deutlich entspannter bin. Womöglich ist das auch einfach seinem Auftauchen zu verdanken, aber so genau muss ich es gar nicht wissen. Also drehe ich mich mit einem lasziven Hüftschwung zu ihm um und schiebe ihm das Getränk entgegen, wobei ich die Brüste präsentabel auf die Kante der Bar drapiere. Meine Hände bleiben lange genug an seinem Glas, dass er mich berühren muss, um den Drink zu greifen.

Als unsere Finger in Kontakt kommen, lasse ich den Daumen über seine Knöchel wandern. „Na, Fremder?“

Er schmunzelt. „Ja, ich weiß.“

Ich tue so, als wüsste ich nicht, wovon wir beide reden, obwohl mir schmerzlich bewusst ist, wie lange er nicht mehr hier war. Und ihm auch, dem geplagten Gesichtsausdruck nach zu urteilen. Sein Blick wandert zu dem Steinchen, nur um sofort in meinen dargebotenen Ausschnitt zu gleiten. Unbewusst leckt er sich über die Lippen.

Ich krame fieberhaft nach einem geistreichen Kommentar, doch ich ziehe blank. Alles, was mir einfällt, ist ein klischeehaftes „Siehst du etwas, das dir gefällt?“

Er blinzelt langsam, bevor er sich mit einem dezenten Kopfschütteln zur Ordnung ruft. „Definitiv.“ Als seine Augen wieder bei meinem Gesicht oder vielmehr unter meinem Kinn angekommen sind, setzt er nach: „Aber das ist heute anscheinend nicht auf der Karte.“

Nachdem ich mich blitzschnell versichert habe, dass uns niemand zuhört, senke ich die Stimme zu einem Murmeln. „Du warst so lange weg, dass ich gern mal sehe, was ich für dich tun kann.“

Seine Pupillen weiten sich. Die Zähne fangen die Unterlippe ein. „Die Ampel steht aber auf rot.“

„Für den Durchgangsverkehr, ja.“

Plötzlich grinst er. „Ich bin also so was wie ein Schwertransport mit Überlänge?“

Mein schallendes Lachen lässt ihn zurückzucken, sodass ein Schluck seines White Russian über den Rand schwappt. Zügig wische ich die Theke ab, lasse ihn dabei jedoch nicht aus den Augen. Er ist mein Ticket aus der Jazz-Hölle. Und er ist Tom. Tom, mein Erster.

Ich kichere wie ein kleines Mädchen und es ist mir kein bisschen peinlich. „Gib mir eine Minute, okay?“

Er nickt hoffnungsvoll, dann folgt er mir mit einem Blick, der sich schnell in etwas Raubtierhaftes verwandelt, als ich mich durch die Tische auf dem Parkett in Jennys Richtung schlängle. Sobald ich sie erreicht habe, muss sie nur mein Gesicht sehen und dann zur Theke schauen, um zu wissen, was Sache ist. Sie folgt mir zurück und übernimmt die Bar, damit ich Toms Arm greifen und ihn in das kleine Büro nebenan ziehen kann.

Sobald die Tür hinter uns zufällt, werfen sich zwei Meter Mann auf mich und drängen mich gegen den Schreibtisch. „Süße, der letzte Job hat definitiv zu lange gedauert!“ Toms Hände sind überall und nirgendwo, an meiner Hüfte, in meinen Haaren, auf meiner Brust.

Geduldig wehre ich seine Avancen ab, bis er sich besinnt und daran erinnert, dass das hier zu aller erst eine Geschäftstransaktion ist.

Da mein Boss vermutlich nicht mehr in der Lage ist, irgendwas zu regeln, und ich sowieso nicht weiß, wo er gerade ist, hole ich die Checkliste aus dem Schreibtisch, dann lasse ich mich auf der vordersten Kante des Chefsessels nieder.

Tom tigert im Raum auf und ab. Er kennt das Prozedere besser als irgendwer sonst, aber anscheinend ist er gerade etwas zu aufgeregt, um sich zu konzentrieren. „Tom?“, spreche ich ihn sanft an.

Sein Kopf schnellt zu mir herum, er blinzelt und fängt sich. „Ja, richtig.“ Mit einem Rest an Ungeduld sackt er mir gegenüber in einen Stuhl. „Wo ist … du weißt schon?“

„Cheffe?“

„Hm“.

„Beschäftigt. Lass uns das hier hinter uns bringen, okay?“

Er nickt fahrig und rauft sich die Haare. „Gib mir eine Sekunde!“

Es dauert einen Moment, bis mir klar wird, warum er so unwirsch reagiert. Normalerweise macht er die Bedingungen und Regeln und so weiter mit meinem Boss aus. Nicht mit der Frau, die er sich gleich zu eigen machen will. Womöglich ist er deswegen so … unentspannt.

Ich schiebe ihm das Blatt Papier hin und senke den Kopf. Tiefe Atemzüge. Rollenwechsel. Das fällt mir nicht schwer, denn letztendlich nehme ich nur eine Persönlichkeit an, die tief in mir verwurzelt ist. „Bitte treffen Sie Ihre Wahl“, murmle ich.

Er zieht die Luft durch die Zähne. Ich spüre seinen Blick auf mir, die aufgestaute Energie, die von ihm ausströmt. Er zieht das Formular zu sich. Nimmt den Kugelschreiber. Nach einigen Sekunden höre ich einen einzigen Kratzer auf dem Papier.

Unter gesenkten Lidern stehle ich einen Blick. Nur ein Haken. Erstaunt lehne ich mich zurück, versuche jedoch soviel Demut in meine Stimme zu legen wie möglich. „Das sind 500, bitte.“

Ohne mit der Wimper zu zucken schiebt er einige Scheine über den Tisch. Ich nehme sie und zähle so unauffällig wie möglich nach. Alles da. Ich bin baff. Tom hat noch nie die Flatrate genommen. Sollte mich das beunruhigen?

Ich verdränge den Gedanken und sortiere das Papier in den vorgesehenen Ordner und verschließe die Scheine in der Kasse. Einen Moment lang bin ich ratlos. Sonst stand ich immer hinter dem gegenüberliegenden Stuhl, die Hände im Rücken verschränkt. Habe gewartet, was als nächstes passiert. Wie soll ich mich jetzt verhalten?

Es ist wohl am sinnvollsten, meinen Instinkten zu folgen, zu tun, was sich natürlich anfühlt. Also halte ich den Blick gesenkt und erhebe mich langsam.

Okay … Jetzt stehe ich hinter dem Schreibtisch. Was ist als nächstes dran?

Die anderen Male wurde mir eine Leine angelegt oder mein Halsband gepackt und ich wurde geführt. Aber da war es anders, da hat Cheffe mich übergeben. Also was? Einfach hier angewurzelt bleiben und warten?

Nein, das würde von ihm verlangen, aufzustehen und um den Tisch zu mir zu kommen. Und überhaupt, ich stehe und er sitzt? Das ist falsch!

Ohne noch lange darüber nachzudenken, trete ich hinter dem Möbelstück hervor und hinüber zur Tür, die in den Keller führt. Neben den schweren Eisenbeschlägen gehe ich auf die Knie. Den Kopf gesenkt, die Hände auf die Schenkel gelegt, nehme ich eine stille Haltung ein.

Fast augenblicklich verändert sich Toms Aura. Sie wechselt von unentschlossener Anspannung zu einer angenehmen Tiefe. „Gutes Mädchen.“

Erleichtert drücke ich meinen Rücken etwas weiter durch und öffne die Lippen. Bereitschaft signalisieren ist wichtig.

Er erhebt sich und stellt sich breitbeinig vor mir auf. Liebevoll streichelt er über meinen Scheitel, bevor er zwei Finger in den Ring meines Halsbandes hakt. „Hoch mit dir.“

Ich gehorche sofort und stehe auf, lasse mich gleichzeitig von ihm auf die Beine ziehen. Er schließt die Hand um das Leder vor meinem Kehlkopf und reißt mich an sich.

Die Länge seines Körpers schmiegt sich an meinen und er schlingt einen Arm um meine Taille. Ohne Zögern presst er die Zunge in meinen geöffneten Mund, schmeckt mich, beansprucht mich und lässt mich ohne jeden Zweifel wissen, wie sehr er mich vermisst hat.

Ist es nicht eigentlich lächerlich, dass sich ein Freier, ein freier Mann, nach einer kleinen Hure wie mir sehnt? Wenn er bei einem Auftrag unterwegs ist, dann schmeißen sich ihm mit Sicherheit die schönsten Frauen an den Hals. Er ist nämlich ein ganz besonderes Exemplar der männlichen Spezies. Aber in diesem Moment ist er so in mir gefangen, dass er es nicht abwarten kann, in den Keller zu kommen. So wirft er mich herum und befördert mich bäuchlings auf den Schreibtisch.

Hinter mir stehend schiebt er mein Shirt hoch, zieht es mir über den Kopf, bis es nur noch an meinen Armen hängt, und verknotet es im Rücken um meine Handgelenke. Warum ich eine Hose trage, ist mir in diesem Moment selbst nicht mehr ganz schlüssig. Er zerrt Knopf und Reißverschluss gerade weit genug auf, um das enge Leder von meinen Hüften zu schälen und mit der Hand einen harten Schlag auf meinem nackten Hintern zu landen.

Ich kreische erschrocken und auf wenig erotische Art. Fuck! Der Schmerz fährt unvorbereitet durch meine Haut. Ich schüttle den Kopf, sortiere mich und schlucke.

Wieder landet seine flache Hand auf mir. Der Schrei ist echt. Der Schmerz ist echt. Ich brauche einfach immer eine Weile, bis ich mich so weit in meine Rolle gefügt habe, dass ich das Stechen umwandeln kann. Und er weiß es. Ich weiß, dass er es weiß. Also ist das hier meine Bestrafung. Für was? Die lange Zeit, seit wir uns zuletzt gesehen haben? Das rote Steinchen? Aber es gilt doch nicht für ihn. Dass ich .. AH! Wieder schlägt er zu. Dass ich selbst ihn das Formular habe ausfüllen lassen? FUCK!! Es tut weh … weh … Bis es nicht mehr weh tut. Dann schlägt er wieder zu.

Jedes Mal trifft er eine neue Stelle, bis es keine mehr gibt, die er noch nicht geschlagen hat. Da packt er den Hosenbund, der mir in den Kniekehlen hängt. Mit der anderen Hand greift er nach dem Lederband in meinem Nacken und reißt mich in die Höhe.

Für einen schwindelerregenden Moment verliere ich den Halt. Da ist kein fester Boden mehr unter mir, als er mich vom Tisch hebt und durch die Luft zerrt, die ich nicht einatmen kann, bis ich endlich wieder Grund unter den Füßen spüre. Er drängt sich in meinen Rücken und schiebt mich mit der ganzen Masse seines Körpers vorwärts.

Die Kellertür vor mir öffnet sich, während ich noch Mühe habe, mich zu orientieren, und schon werde ich die Treppe hinabbugsiert. Meine hochhackigen Stiefel berühren kaum die Stufen, während er mich immer weiter nach unten scheucht, dabei mit einem festen Griff um den Collar dafür sorgt, dass ich trotz allen Taumelns nicht stürze.

Während er mich durch den langen Korridor vor sich hertreibt, bin ich mir seines heißen, stoßweisen Atems in meinem Nacken nur zu deutlich bewusst. Ich kenne diesen Gang gut, fürchte mich nicht vor dem krimiartigen Flair, das von den Heizungsrohren unter der fleckigen Decke herrührt, der abplatzenden Farbe an den kahlen Wänden. Aber die ungewohnte Stimmung, die noch immer von Tom ausgeht, macht mich nervös. Als wir am hintersten Ende des düsteren Kellers angelangt sind, wo er vor mir den schweren Riegel aus der Halterung hebt, um die schwarze Feuerschutztür aufzustoßen, hinter der mein Reich liegt, zögere ich.

Der harte Körper, der sich gegen meinen Rücken pflastert, sein ungeduldiges Drängen, lassen mich beinahe die Absätze in den Boden rammen. Allein mein gutes Zureden bringt mich dazu, über die Schwelle zu treten.

Die stählernen Angeln beben, dann senkt sich nicht nur Stille über uns, sondern auch absolute Dunkelheit. Toms Hand fällt von mir ab und ich bleibe stocksteif stehen. Hinter mir höre ich, wie er ruckartig einatmet. Ich erwarte, dass er an der Wand nach der Kontrolltafel für die Lichter tastet, doch es kommt kein Geräusch, keine Bewegung.

Gespenstisch stille Sekunden vergehen. Ich höre nichts außer meinem eigenen Atem, der zu schnell kommt. Er setzt sogar einen Moment lang aus, als sich Finger um mein Kinn schmiegen und mir den Kopf in den Nacken ziehen, wo er auf der Schulter des Mannes hinter mir zu liegen kommt.

„Perfekt.“ Toms Worte wabern mit warmem Atem über meine Wange. Er schmiegt die Lippen an mein Ohr und die Zungenspitze berührt die zarte Haut dahinter. Zwei Hände umfassen meine Hüften, gleiten nach vorn und den Bauch hinauf. Ich halte die Luft an, als seine Daumen die Schalen des BHs anheben und mit leichtem Druck über die untere Wölbung meiner Brüste streifen. Ein Schauder erfasst mich, den ich nicht ganz einzusortieren weiß. Die Ungewissheit ob seines absonderlichen Verhaltens lässt nur zögerlich die Lust durchdringen, die ich von seinen Liebkosungen sonst immer erwarten durfte.

„Zwei Fremde in der Dunkelheit.“, murmelt er. „Alles kann passieren.“

Er geht ein wenig in die Knie, bis sich sein Schritt gegen meinen Hintern drückt. Die Härte unter der Jeans legt sich schwer zwischen meine Backen. Unwillkürlich entkommt mir ein Raunen, halb Wollust, halb … Furcht? Ich weiß es nicht. Hoffe gleichzeitig auf seine Führung, die mir verrät, was ich fühlen soll.

Er macht einen Schritt nach vorn, dann noch einen, und ich lasse mich von ihm tiefer in den Raum schieben. Im Geist gehe ich das Layout des Kerkers durch. Vor uns liegt ein scheinbar leere Fläche. Nur der Kenner weiß, dass an der Decke darüber ein Gitter angebracht ist, von dem ein schweres Paar Ketten hängt. Zielgerichtet dirigiert er mich darunter hinweg, ein wenig nach rechts. Dort steht das Bett mit dem Kopfende zur Wand, umgeben von gusseisernen, beringten Pfosten und mit einem Baldachin, gemacht für sinnliche Stunden aus tausend und einer Nacht. Doch das scheint nicht sein Ziel zu sein. Ein Schwenk nach links lässt mich an das Andreaskreuz denken, das direkt gegenüber der Tür an der Wand befestigt ist. Wie viel Zeit muss ich daran wohl schon verbracht haben, die meiste davon mit ihm?

Ein harsches Zerren an meiner Hüfte lässt mich herumfahren, geradewegs auf den wahrlich düsteren Teil des großen Kellerraums zu. Ich kann nicht anders, ein Zittern geht durch meinen gesamten Körper.

„Hm. Danach steht dir also nicht der Sinn?“

Ich wage es nicht, auch nur Luft zu holen. Tom in dieser eigentümlichen Stimmung, in Verbindung mit dem Pferd oder dem Pranger, würde mich im Augenblick womöglich hyperventilieren lassen.

Er packt meinen Zopf und schüttelt mich. „Stumm wie ein Fisch steht dir nicht, Mäuschen.“

Ich japse und will unwillkürlich nach meinem Hinterkopf greifen, doch die Hände sind immer noch mit dem Shirt auf dem Rücken vertäut. Er wirft mich herum, so dass ich vor ihm auf die Knie falle und jaule, als er die Finger in mein Haar krallt.

Ohne Rücksicht auf mein wenig koordiniertes Stolpern und Krabbeln zerrt er mich am Schopf hinter sich her. Die letzten Sekunden haben ausgereicht, um mich die Orientierung verlieren zu lassen. Ich wimmere - nicht nur, weil das Reißen an meiner Kopfhaut ernstlich schmerzhaft ist, sondern vor allem wegen der Erniedrigung und der echten Angst, die mich durchflutet. Den Mann, der mich gerade wie eine Hündin mit sich schleift, kenne ich nicht.

Ich werde an den Haaren hochgerissen und nach vorne geschleudert. Der erschrockene Schrei wird von weichem Stoff erstickt, in dem mein Gesicht versinkt. Eine Hand auf dem Hinterkopf presst mich tiefer in die Daunen. Meine Beine sind von der in den Kniekehlen hängenden Lederhose aneinandergefesselt, die auch jeden Versuch, nach hinten auszutreten, wirksam unterbinden würde. Am Fußende des Himmelbetts kniend, bleibt mir nichts anderes übrig, als zu spüren, wie seine Hand einmal links, einmal rechts hart auf meinen Hintern niedergeht. Atemlos winsle ich in den Satinbezug. Fingerspitzen teilen meine Schamlippen.

Das ist der Moment, in dem ich endlich Halt finde.

„Weich und feucht“, raunt er. „Du hast Angst, so wie du zitterst, bist trotzdem erregt .“ Er haucht einen Kuss auf das Dreieck über meinem Hintern, lässt dabei einen Finger durch die Spalte gleiten, stupst gegen meine Klit. „Luder“

Etwas streift meinen After und ich verspanne mich augenblicklich, nur um von dem Druck gegen die tiefere Öffnung abgelenkt zu werden, gefolgt von dem herrlich schauderhaften Gefühl zweier Finger, die in mich eindringen. Ich hauche die Anspannung der letzten Minuten in einem wohligen Stöhnen aus. Er bewegt nur die vordersten Glieder in mir, doch es genügt, mich runterzubringen und zugleich in höchste Lust zu versetzen. „Gefällt dir das, hm? Fremde Finger in dir, gerade so weit, dass du anfängst, nass zu werden?“

Ich summe nur und zucke mit dem Unterleib nach oben, in der Hoffnung, dass er tiefer geht.

Den Gefallen tut er mir und rammt beide Finger so tief in mich, wie er kann. Die Knöchel seiner Hand reiben mein Äußeres auf exquisite Art, während er in mir nach dem Punkt wühlt, der mich so nass macht, dass er … Uhn! Er hat ihn gefunden. Ich wälze mich auf der Matratze hin und her, um näher an ihn zu rücken, tiefer … mehr …

Da lässt er von mir ab und lacht. „Das reicht, meinst du nicht?“

Wimmernd rucke ich mit dem Arsch, aber er kann es ja nicht sehen. Oder doch? Jedenfalls klatscht eine harte Hand auf meine Backe und lässt mich stillhalten. Ich höre, wie ein Gürtel geöffnet wird, dann das Rascheln von Jeans. Kurz darauf werden meine Oberschenkel zusammengepresst und mit dem Lederriemen aneinander fixiert, so dass ich die Beine kein bisschen mehr spreizen kann. Mein Unterleib vollführt wie von selbst einen einladenden Tanz, der nur leider in der Dunkelheit verschwendet ist. Trotzdem werde ich von forschenden Fingern belohnt, die meinen Eingang ertasten und den Weg für das bereiten, was ich endlich fühlen will: Toms harten Schwanz.

Er drück sich gegen meine Öffnung und verharrt für einen Moment, nur um dann unerträglich langsam vorzudringen, Millimeter um Millimeter, bis schließlich die Eichel in mir steckt. Ich winsle in das Kissen, kralle die Finger in das verhedderte Shirt, woraufhin er meine Handgelenke packt und sie mir ins Kreuz presst.

Ich wippe mit den Hüften, aber er gönnt mir keinen einzigen Millimeter mehr.

„Stillhalten!“

Gehorchend warte ich auf seinen nächsten Zug. Dabei glaube ich zu hören, wie er kontrolliert langsam atmet, als müsste er sich zügeln. Eine Hand legt sich auf meinen Hintern und streichelt mich, erst sanft, dann mit zunehmendem Druck, bis er die eine Arschbacke knetet, dann die andere, und sich dabei nicht in mir regt. Ich werde noch wahnsinnig.

„Wie viele?“

Hm? Was meint er? Ein harter Schlag mit der flachen Hand auf den Hintern lässt mich zucken.

„Wie viele Kerle haben dich gevögelt, seit ich das letzte Mal den Schwanz in dir stecken hatte?“

Das ist nicht sein Ernst, oder? Warum will er das wissen?

Ungeduldig packt er mich an den Haaren und zerrt mir den Kopf in den Nacken.

„Ich weiß nicht“, keuche ich. „Drei oder vier?“

Sein leises, etwas boshaftes Lachen macht mich nervös.

Er zieht mir die Fingernägel über die Haut, dann schlägt er wieder zu und lässt mich damit japsen. „Na schön, gehen wir von vier aus.“ Ebenso viele harte Klapse platziert er auf den Kratzern. „So oft wirst du mich zum Kommen bringen, bis wir heute Nacht miteinander fertig sind.“

Mit diesen Worten stößt er der ganzen Länge nach in mich und ich schreie auf. Sofort geht er dazu über, mich so hart zu ficken, wie er nur kann. Eine Hand in meinen Haaren vergraben, die andere meine Arme im Rücken gefangen haltend, zerrt er mich auf sich und kommt mir gleichzeitig entgegen. Seine Eier klatschen gegen meine Schamlippen, als er im Stakkato in mich hämmert. Ich habe gar keine Gelegenheit, ihn irgendwie dabei zu unterstützen, denn ich werde unter seinem Rhythmus hilflos vor- und zurückgeworfen, kann nur versuchen, eine gewisse Körperspannung aufrechtzuerhalten, während er sich austobt. Es dauert nicht lang, bis er keuchend ein, zwei Mal abgehackt brüllt, um sich schließlich auf mich fallen zulassen und mich unter seinem Körper in die Laken zu pressen.

Sein Atem kommt stoßweise, als er das Gesicht in meinen Nacken schmiegt. „Eins“, raunt er mir ins Ohr. Es ist ein animalisches Versprechen.

 

Im gedimmten Licht Haut an Haut unter die Laken gekuschelt, nehme ich mir die Zeit, Tom eingehend zu betrachten. Seine dunkeln Haare sind länger als sonst und fallen ihm lockig in die Stirn. Ich kann gar nicht anders, als mit einer der Strähnen zu spielen, während er meine linke Brust mit den Lippen liebkost, die andere streichelt und sanft knetet.

Die Fältchen um seine Augen scheinen tiefer, auch die Stirn wirkt wie dauerhaft gerunzelt. Ich kraule ihm die Kopfhaut, während er sich neu mit meinem Körper bekannt macht, die Hände über den Bauch und tiefer wandern lässt. Die Fingerspitzen streichen durch den schmalen Streifen Haar auf meinem Schamhügel. „Geht es dir gut, Mäuschen?“, fragt er schließlich, die Wange an meinen Scheitel schmiegend.

Ich nicke. Ja, gerade fühle ich mich sogar mehr als wohl. Wieder in seinen Armen zu liegen macht mich zufrieden. Der Grad an Zuneigung, die ich diesem Mann entgegenbringe, ist womöglich fehlplatziert bis pathologisch, wenn man bedenkt, dass er derjenige war, der mich in die Prostitution eingeführt hat, aber er ist einer der wenigen Männer in meinem Leben, denen ich vertraue. Meinen Körper ohne Angst in seine Hände geben zu können, beschert mir ein friedliches Gefühl. Ich genieße seine Berührung, selbst wenn sie nur sexueller Natur sein mag. So, wie er mich gerade streichelt, kann ich mir zumindest einbilden, dass er wirklich will, dass ich es genieße.

„Cheffe ist gut zu dir?“

„Hmm“, summe ich und grabe mich noch etwas tiefer in die Kuhlen seines Körpers, was ihm ein leises Lachen entlockt. Die Finger wandern unterdessen zwischen meine Beine und nehmen ein zartes Streicheln auf. Ich strecke die Schenkel etwas auseinander, damit er mehr Raum hat. Sofort legt er eine warme Hand über meine Scham. Der Ballen massiert den Ansatz der großen Schamlippen, die Fingerspitzen spielen an den Falten weiter unten, die meinen Eingang bedecken.

Die seichten Wellen der Erregung, die mich durchlaufen, lenken mich beinahe zu sehr ab, um zu hören, wie er mir ins Ohr flüstert. „Ich hab oft an dich gedacht in den letzten Wochen.“

„Hmmm …“ Mehr will nicht über meine Lippen kommen, bis ich mich zusammenreiße und auf das Gespräch konzentriere. „Ich auch an dich. Wie du von Boxenludern umschwänzelt wirst und dir jeden Abend eine andere aussuchen kannst.“

Er lacht nur müde und schnappt nach meinem Ohrläppchen. „Das mit dem Umschwänzeln ist nicht unwahr, aber nach 18 Stunden Arbeit jeden Tag war ich zu müde, um Männlein von Weiblein zu unterscheiden. Nur wenn ich dann im Bett lag, allein, da hab ich mir gewünscht, du wärst da.“ Er greift nach meiner Hand und drückt sie in seinen Schritt, wo ich einen wieder voll einsatzbereiten Schwanz ertaste.

Ich krieche tiefer, bis ich seinen Bauch erreichen kann, wo ich um den Nabel herumlecke. „Damit ich das hier tue?“ Die Finger um seine Erektion schließend, reibe ich daran auf und ab.

Er knurrt und schließt die Augen. „Mhm. Ja. Ich habe mir vorgestellt, wie du ihn massierst, bis er so hart ist wie jetzt.“

„Was habe ich dann getan?“

Ein Schlucken lässt seinen Adamsapfel zucken. Er legt die Hände auf meinen Kopf und drückt sachte, aber bestimmt. „Du hast dich zwischen meine Beine gekniet und meine Eier ...“

Die angesprochenen Körperteile umfassend, kauere ich mich zwischen seine Schenkel und lasse den Atem über das zuckende Glied streichen.

„Du hast sie nass gemacht.“

Mit der flachen Zunge fahre ich über die Naht an seinen Hoden. Das Becken ruckt nach oben und der Schwanz hebt sich kurz vom Bauch. „Fuck … Ja. So. Und noch viel nasser.“

Ich versuche zu erahnen, was genau er will. In Ermangelung weiterer Anweisungen lasse ich einen dünnen Speichelfaden von den Lippen triefen und verteile ihn mit den Fingern, dann sauge ich vorsichtig ein Ei in meinen Mund. Sofort werden die Bewegungen seines Unterkörpers drängender. Mit einer Hand umfasst er meinen Hinterkopf, die andere krallt sich in das Laken.

„Du hast an ihnen gesaugt, genau so.“ Langsam wickelt er die Strähnen meines Haars um seine Faust, zieht mich daran höher, bis ich mich mit einem Ploppen von ihm lösen muss. „Dann hast du den Mund ganz weit aufgemacht.“

Ich tue, was er sagt, und mit der freien Hand packt er seinen Schwanz, richtet ihn auf und dirigiert die Spitze an meine Lippen. Er zieht meinen Kopf auf sich zu, doch anstatt sich in die wartende Höhle zu schieben, bemalt er meine Lippen mit dem Tropfen Präejakulat, der aus der kleinen Öffnung tritt. Wieder und wieder reibt er die Eichel über meinen offenstehenden Mund, bevor ein kleines zufriedenes Grinsen sein Gesicht erhellt. Er feixt mich mit schiefgelegtem Kopf an. „Weißt du, was als nächstes kam?“

'Du', will ich erwidern, blicke aber nur mit großen Augen zu ihm auf und strecke die Zunge nach dem Glied. Bevor sie überhaupt Kontakt aufnehmen kann, hat er meinen Kopf schon nach unten und auf seinen Schwanz gedrückt.

„Das, genau das. Fuck, ja!“

Ich lecke über die Unterseite der Krone, weiß dabei ganz genau, dass ihm das nicht reichen wird. Er bestätigt mich, indem er mich fester an den Haaren packt und weiter auf sich zwingt, bis die Spitze in meinen Rachen stößt. Kurz lässt er mich gurgeln, dann zurückweichen. Speichel sammelt sich in meinem Mund, als er den Vorgang mehrere Male wiederholt, damit er am Schaft hinabrinnt.

„Du hast die Hände benutzt.“

Den Rest seines Penis umgreifend, den ich nicht ganz in den Mund nehmen kann, massiere ich ihn, bewege gleichzeitig den Kopf auf und ab und blase, so gut ich kann. Es wird letzten Endes nicht gut genug sein, aber ich tue mein Bestes.

Seine Hüften kommen mir entgegen. Immer wieder versucht er tieferzukommen, woran ich ihn hindere, so lange es geht. Schließlich reißt er meine Hände weg, fängt die Gelenke in einer Pratze ein und drückt sie auf seinen Bauch, mit der anderen zwingt er meinen Kopf tiefer auf sich, noch tiefer, bis die Eichel gegen meine Kehle und zuletzt hindurch drückt.

Ich gurgle hemmungslos, Speichel rinnt mir aus dem Mund und zwischen seinen Schenkeln hinab. Keine Luft mehr. Mein ganzer Körper konvulsiert, kämpft gegen den Eindringling und das Ersticken an, bis es nach ewig scheinenden Sekunden endet. Tom presst mein Gesicht ein letztes Mal zwischen seine Schenkel, zuckt und pulsiert, dann schießt mir der Samen in den Rachen. Sobald er loslässt, schnelle ich zurück. Unter krampfartigem Husten falle ich vom Bett und auf den Hintern. Panisch rapple ich mich auf die Knie und ringe mit dem Würgen, das mich schüttelt. Mein Hals ist rau wie Schmirgelpapier, ich kann nur husten und spucken und nicht atmen.

Sofort ist er bei mir, schlägt meine Hände weg, die ihn abwehren wollen, und wickelt mich in eine Decke. Er schlingt den Stoff so fest um mich, dass ich mich nicht mehr rühren kann. Zuletzt bin ich in seinen Armen gefangen, wo ich leise schluchzend zur Ruhe komme. Er wischt die Tränen von meinem Gesicht, küsst den Rest Feuchtigkeit weg und streichelt mir liebevoll über den Kopf.

„Du warst so gut, mein Mäuschen. Genau so habe ich es mir vorgestellt“, flüstert er mir ins Ohr und drückt mich fest an sich, bis ich seufze und erschöpft lächeln kann.

„Zwei.“

Sein anerkennendes Murmeln macht mich froh.

 

Eine ganze Weile lang sitzen wir so da, ich in seinem Schoß, er mir liebevoll über den Kopf streichelnd, bis Ruhelosigkeit entsteht, Hände über nackte Haut wandern. Er küsst meine Schläfe und legt einen Finger unter mein Kinn, damit ich ihn ansehe.

„Jetzt kümmern wir uns um dich, in Ordnung?“

Ich nicke träge und lasse mich von ihm auf die Beine ziehen.

Tom führt mich hinüber zur Kommode. Er öffnet einige Schubladen, in denen hauptsächlich Spielzeuge liegen, bis er die mit den Fesseln findet. „Hast du auf etwas Bestimmtes Lust, oder soll ich wählen?“

Unschlüssig und etwas erschöpft betrachte ich die Auswahl an Leder, Ketten und Seilen. Ich weiß nicht. Mir ist im Grunde alles recht. Also deute ich kurzerhand auf die Augenbinden. Ein zufriedenes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. Nachdem er eine Schlafmaske aus schwarzem Samt herausgenommen hat, bedeutet er mir, mich umzudrehen. Ich gehorche und lasse sie mir von ihm aufsetzen. In der Dunkelheit, nur von etwas Streulicht aus den Ritzen durchbrochen, wo die Maske nicht ganz anliegt, harre ich den Dingen, die da kommen. Ich mag diesen Zustand, in dem du unsicher bist, was als nächstes passiert, gleichzeitig genau weißt, dass es ohnehin nicht mehr in deiner Hand liegt.

Tom kramt in den Schubladen. Kurz versuche ich anhand der Geräusche zu erkennen, was er auswählt. Schließlich stelle ich fest, dass es mir egal ist. Was auch immer nun kommt wird mir gefallen.

Als er gefunden hat, was er sucht, greift er nach meinen Handgelenken. Er winkelt meine Arme an, so dass ich hinter mir mit den Händen den Ellbogen des jeweils anderen Arms ergreife, dann fixiert er sie. So stehe ich gerader, mit durchgedrücktem Rücken, und strecke die Brust heraus. Allein durch diese Fesselung bin ich bereits wehrlos. Käme es ihm in den Sinn, mich zu schubsen, würde ich vornüberfallen und könnte mich nicht abfangen. Aber das würde er nie tun.

Ich höre, wie er um mich herumgeht, und an dem metallischen Klappern erkenne ich, dass er den Gürtel vom Boden aufhebt. Wieder bei mir, schlingt er mir das Leder erneut um die Oberschenkel und zieht es knapp oberhalb der Knie fest, so dass meine Beine aneinandergepresst sind. Auf den hohen Absätzen balancierend, bete ich nervös, dass ich das Gleichgewicht halten kann.

Warme Hände gleiten an meinen Hüften abwärts, dann packt er mich und wirft mich über seine Schulter. Während ich noch erschrocken japse, trägt er mich durch den Raum, bis er mich schließlich vorsichtig heruntergleiten lässt. Mein nackter Hintern trifft auf eine kalte, glatte Oberfläche – den Mahagonitisch.

Er dreht mich auf die Seite und winkelt meine Beine an, so dass ich sie auf der Platte ablegen kann. Seine Kniegelenke kacken, als er in die Hocke geht. Warmer Atem streicht über meinen Hintern. Toms Finger streicheln meine Scham, tauchen vorsichtig ein, um die Feuchtigkeit rundherum zu verteilen.

Unterdessen liege ich still da, die Augen hinter der Maske geschlossen, und entspanne mich. Er wird gut für mich sorgen, das weiß ich.

Ein leises Surren setzt ein. Dann spüre ich ein Vibrieren an der Rückseite meiner Schenkel. Das Spielzeug streicht über die empfindliche Haut unterhalb des Hinterns, vor und zurück, auf und ab, kommt dabei dem Zentrum immer näher. In meinem Unterleib breitet sich ein angenehm schweres Gefühl aus, lässt Säfte fließen und mich wohlig schnurren. Ganz von selbst beginnen meine Hüften zu wiegen. Während er sich kreisend auf meine Mitte zubewegt, wird mein Kopf still. Ich vergesse die Angst, die Scham, das Kratzen im Hals und gebe mich ganz den Empfindungen hin, die mich in einen Kokon aus Lust einhüllen.

Vielleicht ist es nicht richtig, dieses Spiel so sehr Besitz von mir ergreifen zu lassen, dass alles andere in den Hintergrund tritt. Aber es macht mich leicht und froh und leer, erfüllt mich gleichzeitig bis zum Bersten, bis jeder Gedanke verdrängt ist und ich nur noch als Körper existiere, der dahintreibt und auf den Wellenberg zustrebt, den ich über mir zusammenschlagen fühlen will.

Die Vibrationen erreichen meine Klitoris und ich raune. Sofort pulsiert es in mir, ein Schwall Feuchtigkeit badet die Falten, zwischen denen es mir plötzlich so leer vorkommt. Soll ich betteln? Mag er das?

Es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren und an seine Vorlieben zu erinnern. Ich seufze erregt, als er das Spielzeug durch die Schamlippen gleiten lässt und auf mein zuckendes Loch zusteuert. „Fuck … Ah. Ja! Bitte ...“ Es bleibt mir gar nichts anderes übrig, als unartikuliert zu flehen, damit er mich füllt. Womit auch immer.

Er stößt ein heiseres, leises Lachen aus, und eine warme Zunge schießt hervor, spielt an meiner Klit, während er den Gegenstand in mir versenkt. Es ist nur ein kleines Vibro-Ei, doch es reicht aus, mich keuchen und die Muskeln darum schließen zu lassen, um es tiefer in mich zu ziehen. Durch das Kabel gehen die Schwingungen auf meine Schamlippen über. Unwillkürlich rucke ich mit dem Unterleib auf seinen Mund zu, der sofort bereitwillig zu saugen beginnt.

Viel zu bald zieht er das Spielzeug aus mir heraus. Ich wimmere hilflos und rutsche mit dem Becken über die glatte Fläche der Stimulierung hinterher, nur um über die Kante zu kippen und beinahe herunterzufallen. Aber Tom ist da, fängt mich auf. Mit einem festen Ruck treibt er mir den Schwanz in den Leib und schiebt mich so zurück auf den Tisch. Beide Hände auf meinen Hüftkamm legend, zerrt er mich mit jedem Stoß auf sich. Und es ist perfekt. Ich atme im Grunde nicht mehr, sondern sauge mit jedem lauten Stöhnen Luft in die Lungen, die mich sofort wieder verlässt, sowie er sich in mich rammt. Ich werde unter dem Hämmern seiner Lenden hin und her geworfen, halte mich dabei an den eigenen Armen fest und schmiege die Wange auf das polierte Holz, das von meinem gehetzten Atem warm und feucht ist. Nur eines fehlt noch, um mich in tausend Teile springen zu lassen. Ich muss nicht lange darauf warten.

Während er mich wie von Sinnen fickt, ist er noch geistesgegenwärtig genug, das Vibro-Ei auf meine Klit zu drücken.

Ich kreische. Anders kann man es nicht nennen. Mein gesamter Körper verkrampft und bäumt sich auf und dann schreie ich aus voller Kehle, als sich der Druck mit Macht in mir entlädt. Mein Unterleib schließt sich wie eine Faust um das Glied in mir, wieder und wieder, bis Tom wütend flucht und die Finger in meine Hüfte gräbt, zustößt, fast ganz aus mir entgleitet, um sich noch einmal in mich zu bohren, und mit einem wilden Zucken kommt.

Mein Körper melkt ihn ganz ohne mein Zutun und ich bleibe auf dem Tisch liegen wie ein nasser Sack. Er ruckt ein letztes Mal, dann lässt er sich auf mich fallen und begräbt meinen vertäuten, bebenden Körper unter sich. Die Wange auf meine Schulter lehnend, seufzt er. Es klingt zufrieden.

 

Er hat mich vom Tisch gehoben und vor dem Bett postiert, wo ich nun aufrecht stehe, die Hände nach wie vor im Rücken gefesselt und die Schenkel aneinandergebunden, auf wackligen Beinen. Meine Knie sind noch weich von dem unwirklichen Orgasmus. Umso unsicherer balanciere ich auf den Absätzen.

Tom steht hinter mir. Sanft streichelt er meine nackten Flanken, gibt mir damit ein wenig Sicherheit. Gleichzeitig erwarte ich, dass er mir jeden Augenblick die Hand in den Rücken stößt. Wenn ich vornüberfalle, dann auf die Matratze. Doch nur weil es keine harte Landung sein wird, gefällt mir die Aussicht nicht wirklich. Ich bin ausgefickt. Es war genug. Alles, was jetzt noch kommt, ist Arbeit.

Warme Lippen fahren über meine Schulter und lassen mich schwer seufzen. Müde senke ich den Kopf und biete ihm meinen Nacken preis. Doch der harte Griff oder Biss, mit dem ich rechne, kommt nicht. Stattdessen werden die Bänder an meinen Handgelenken gelöst, dann der Gürtel von den Beinen genommen. Zuletzt streift er mir die Augenbinde ab. Am Oberarm dreht er mich zu sich um.

Irgendetwas stört ihn, als er mich ansieht. Die Stirn runzelt sich kaum merklich, auch die Lippen formen für einen kurzen Moment eine schmale Linie. Doch dann lächelt er und das gewohnte Funkeln tritt zurück in seine Augen. Langsam hebt er meine Hände und führt sie vor sein Gesicht.

Perplex sehe ich zu, wie er erst die Innenseite des einen Handgelenks, dann die des anderen zärtlich küsst und sie wieder sinken lässt. „Drei und vier.“ Flüchtig legt er die Lippen an meine Stirn, bevor er um mich herumgeht und sich auf die Bettkante setzt. Ich höre, wie er den Fleck neben sich tätschelt.

Gehorsam lasse ich mich zu seiner Seite nieder und verschränke die Finger im Schoß. Etwas unsicher, was er jetzt von mir erwartet, senke ich vorsorglich den Kopf.

„Mach das nicht, Mäuschen. Zwischen uns gab es doch nie ein Protokoll.“ Er stupst mich mit der Schulter an. Als ich nur zaghaft zu ihm hochlächle, packt er mich kurzerhand, um mich mit sich auf die Matratze zu ziehen, bis ich der Länge nach neben ihm liege. Er wirft ein Bein über meine Hüfte, greift mir in den Nacken und küsst mich auf den Scheitel. „Du warst großartig. Perfekt.“

Ich streichle über seine Brust, nicht um ihn auf Abstand zu halten, sondern um die Verbindung wiederherzustellen, wie mir irgendwie abhanden gekommen ist. „Danke für den Orgasmus, Tom.“

Mit einem Seufzen legt er die Hand über meine Finger und hält sie an seinen Körper gedrückt. Die Geste wirkt beinahe zu intim, womit sie sich passend in den Verlauf des Abends fügt, der so abseits unserer üblichen Routine vonstatten gegangen ist. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, küsst er mich auf die Nasenspitze. Ich schrecke zurück.

Er lacht laut auf. „Was ist? War das so unerwartet?“

Nach Worten kramend starre ich ihn aus großen Augen an. „Äh … Ja. Sonst küsst du mich immer ...“

„... mitten auf den Mund, mit ganz viel Zunge?“

Ich laufe rot an. Ja.“

Milde lächelnd streichelt er über meine Wange. „Ich bin nicht blind, Süße. Du bist fertig. Also lass uns noch ein bisschen hier liegen und runterkommen, okay?“

„Aber du wolltest vier.“

„Du bist gerade eben für zwei gekommen, das reicht mir. Entspann dich.“

Er zieht mich an sich und ich lasse mich bereitwillig und mit nicht zu leugnender Erleichterung von ihm in die Arme nehmen. Er bettet meinen Kopf auf seine Schulter, klemmt ein Bein zwischen seine Schenkel und legt zu guter Letzt eine Hand besitzergreifend auf meinen Arsch. Damit hat er mich gekonnt der ganzen Länge nach unter maximalem Hautkontakt an seinen Körper gepflastert. Ich kann fühlen, wie ein Schwall Luft seine Lungen verlässt und er in die Kissen sinkt. Ein wohliges Grummeln hallt durch die Brust unter meinem Ohr.

Die Anspannung, die damit aus ihm weicht, lässt auch mich tief durchatmen. Unsere Szene ist vorbei und ich kann die Befriedigung endlich voll auskosten. Sie füllt mich an und macht meine Glieder schwer. Ich schmiege mich in die Kuhlen seines warmen Leibs.

Nach einigen stillen Minuten beginnt er den über seinen Bauch geworfenen Arm träge zu streicheln. Der Daumen reibt über die Innenseite meines Bizeps. Tom hat mir schnell beigebracht, mich vor ihm nicht für die feinen weißen Linien dort zu schämen. Daher habe ich auch jetzt nicht das Bedürfnis, mich der Berührung zu entziehen. Ich nehme die Liebkosungen dankbar an und revanchiere mich mit hauchzarten Küssen auf seine Brust.

„Muss ich mir Sorgen um dich machen?“

Die unerwartete Frage reißt mich aus dem friedlichen Zustand. Ich blicke zu ihm hoch und finde ein ernstes Gesicht. „Wie kommst du darauf?“

Die Stirn runzelnd, streicht er mit den Fingerknöcheln über meine Wange. „Du wirkst … müde.“

„Naja, es ist spät und ich bin seit Acht an der Bar ...“

„Das meine ich nicht, und das weißt du auch.“ Er stemmt sich auf die Ellbogen, so dass ich von ihm herunter und auf den Rücken rolle. Auf die Seite gelehnt beugt er sich über mich. „Ich hatte bei dir noch nie das Gefühl, dass das hier nur eine Pflichtübung für dich ist, bis heute. Du wolltest nicht mehr.“

Im ersten Moment weiß ich nicht, was ich darauf sagen soll. Im zweiten auch nicht. Also strecke ich mich der Länge nach aus, lege die Hände an die Schenkel und sehe an die Decke. Mit einem gewaltigen schlechten Gewissen füge ich mich in mein Schicksal. „Es tut mir leid, wenn du nicht zufrieden mit mir warst. Ich nehme meine Bestrafung gern entgegen.“ Die Worte fühlen sich bei ihm furchtbar unnatürlich an.

Er packt mich an der Schulter und dreht mich zu sich. Die Falte zwischen seinen Augenbrauen ist noch steiler geworden, als er mich mit Daumen und Zeigefinger am Kinn zwingt, zu ihm aufzublicken. „Komm mir nicht mit so einem Scheiß, Süße. Was war los? Hab ich etwas falsch gemacht?“

Etwas falsch …? In welchem Film bin ich gerade? Verwirrt schüttle ich den Kopf. „Du hast fünf Scheine auf den Tisch gelegt, du kannst mit mir machen, was du willst, Tom.“

Da richtet er sich ruckartig auf und wirft mich damit fast aus dem Bett. Im letzten Moment kann ich mich an seinem Arm festhalten. Doch er schüttelt meine Finger ab und dreht sich weg. Hastig umrundet er das Bett, klaubt seine Klamotten vom Boden und zieht sich die Jeans mit schroffen Bewegungen über die Hüften. Der Reißverschluss klemmt. „Scheiße!“, flucht er laut.

Ich springe auf, eile zu ihm und gehe vor ihm auf die Knie, aber er weicht zurück und hebt eine Hand, als wollte er mich damit auf Abstand halten. Schwer atmend streift er sein Shirt und die Jacke über. Ich weiß nicht, was ich gesagt oder getan habe, um ihn so … Naja, er ist nicht wirklich wütend. Er wirkt eher … verletzt? Ich begreife nicht, was ihn plötzlich in diesen Zustand versetzt hat. Unsicher rutsche ich ihm hinterher und lecke mir über die Lippen. „Tom, ich …“

„Vergiss es!“, stößt er hervor.

„Bitte, es tut mir leid! Was auch immer ich gemacht habe, du kannst mich dafür bestrafen – oder auch nicht – wie du willst. Ich gehöre die ganze Nacht dir. Die Flatr–“

„Nein!“ Sein zorniges Brüllen lässt mich zusammenzucken. Nun schäumt er. „Mach mich verdammt noch mal nicht zu einem von denen!“

Mit weit aufgerissenen Augen starre ich zu ihm hoch. Er steht mit geballten Fäusten über mir, und wäre er ein anderer, hätte ich jetzt eine scheiß Angst. Aber ich bin nur verwirrt und hilflos. Ich habe einen Klienten enttäuscht und weiß nicht einmal womit. „Ich verstehe nicht …Bitte, Tom, ich mach alles, was du willst.“

„So wie für jeden, der 500 bezahlt, oder was?“, raunzt er. „Fick dich, Süße. Das hab ich nicht verdient.“

Auf Knien muss ich verfolgen, wie er nach draußen stürmt. Er hat es so eilig, von mir wegzukommen, und ich bin so durcheinander, dass mir das dröhnende Geräusch des Riegels in den Angeln erst bewusst wird, als es längst verhallt ist.

Wie betäubt rapple ich mich auf und tappe zur Tür. Ich muss nicht versuchen, sie zu öffnen, mir ist auch so klar, dass ich eingesperrt bin. Mutlos lasse ich mich mit dem Rücken gegen das kalte Metall sinken und rutsche daran hinab, bis mein nackter Hintern auf den Beton plumpst. Ich warte auf Tränen. Sie kommen nicht. Solange das Licht brennt, wird auch die Panik ausbleiben. Also schlinge ich die Arme um meine Knie und lege den Kopf darauf. Den Körper sanft vor und zurück wiegend, beginne ich leise zu summen.

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Kommentare

Beim Lesen hatte ich das Gefühl, ich sei dabei gewesen.

Sehr genau und gefühlvoll beschrieben.

Leider ohne Happy.End

Megs? Wo kommt der #Tag "Hausdame" her, der sich da in manche Storys mogelt? Ich mag ihn gar nicht rausnehmen, so kurios ist er. :D

In reply to by Loreley

ich finde, man muss Geheimnisvolles nicht immer und überall lüften. Es macht das Leben doch spannend und l(i)ebenswert. Dass Frauen aber auch immer so neugierig sein müssen.

Was ich noch sagen wollte: schöne Geschichte über eine Hausdame!

Gruß

Tony