Bella und das Mädchen

Bei Wilfried brennt Licht. Ich klopfe dreimal an die Tür des Gartenhäuschens und lausche. Heute dauert es etwas länger, doch dann klingt es wie immer. „Wer ist da?“ Ich muss grinsen. „Der Klassenfeind.“ Der Major a.D. des einstmaligen MfS macht leise auf und scheint sich über meinen kleinen Abstecher nach hinten zu freuen. Er trägt einen poppigen Trainingsanzug, neue Kollektion Markenware, die Jacke ist offen, darunter hat er nichts, nur weißbehaarte Brust und Bauch, der erstaunlich flach ist. Dafür sind die Sportschuhe sorgfältig geschnürt. „Komm rein Junge!“ Ich überreiche ihm kommentarlos die Flasche Veterano, die ich unterwegs noch besorgt habe. Ich solle ihm nicht immer etwas mitbringen, hatte Bella mir letztens noch mit auf den Weg gegeben. Nur, die Freude lasse ich mir nicht nehmen.

Der Major a.D. hat sogleich zwei Stumpen in der Hand und gießt ein. Beim Trinken wird nicht geredet, ist einer seiner Wahlsprüche, auch wenn das eigentlich nur für Wodka gilt und nicht für Westplärre. Wir kippen hinter und er gießt neu ein, schaut dabei kurz zu mir rüber, ich nicke zustimmend. Dieses Mal will er doch was sagen. „Wird wohl zur Gewohnheit mit euch Beiden?!“ Ich lasse den warmen Schnaps hinunterrinnen. „Wieso …“, ich schaue ihm in die Augen, „hast du Angst, ich könnte dein Schwiegersohn werden?“ Wir lachen beide. „Nö, bist ja noch nicht mal geschieden. Meine Tochter trifft sich also mit einem verheirateten Mann. Was soll`n die Leute bloß denken? Dann auch noch einer aus der selbständigen politischen Einheit Westberlin.“ Er schüttelt spöttisch den Kopf und wir prosten uns zu, ich nachträglich, mein Glas ist schon leer. Für mehr habe ich jetzt keine Zeit, Bella wartet bestimmt schon.

Während der 40 Meter nach vorne zum Haupthaus habe ich es nicht eilig. Trotzdem, die sechs Stufen hoch zu ihrer Eingangstür schaffe ich in drei Sprüngen. Beim nächsten Mal nehme ich mir mehr Zeit für Wilfried. Ich bin etwas aufgeregt, was ich grundsätzlich ja gutfinde, weil Bella und ich das mit der Freundschaft Plus seit Längerem frisch halten, von Routine keine Spur ist. Dieses Mal ist es aber noch wieder anders, denn wir sind nicht allein.

Als Bella die Tür öffnet, bin ich wie geflasht. Ihr Anblick geht mir durch und durch. Sie ist eine echte Schönheit, wie sie mit Lederjeans und schwarzer ärmelloser Bluse, das braune Haar kurios wild frisiert, die pure Sinnlichkeit einer vierundfünfzigjährigen Frau ausstrahlt. Ich weiß, dass sie Sex für wichtiger erachtet als jedes stylische Gehabe. Sie lächelt, dass sich allein dafür schon die weite Fahrt an den nördlichen Stadtrand gelohnt hat. Wir küssen uns lange, bevor einer von uns etwas sagt, gleich noch an der Tür. Ich bin gierig. An ihren Augen sehe ich, dass das Mädchen schon da ist.

Die Kleine, die junge Frau, wie auch immer, sitzt auf dem Sofa im Wohnzimmer und trinkt Tee. Ich erschrecke ein bisschen, weil sie wirklich so hübsch ist, wie Bella behauptet hatte. Dunkelblondes glattes Haar, das auf einer Seite über die Schulter an ihrem Arm hinabfällt, schöne volle Lippen, blaue Strahleaugen, süße Grübchen. Bella wird sich doch wohl von ihrem Alter überzeugt haben? Sie sieht jünger aus als die 20, für die sie mir angekündigt wurde, woran auch ihre schwarzgeränderte Nerd-Brille nichts ändert. Doch ich weiß, Bella würde das nicht dem Zufall überlassen. Sie ist barfuß. Bestimmt mag Bella das so. Genau wie die Jeans und das weiße T-Shirt, das so dünn ist, dass ihr dunkler BH durch den Stoff hindurch deutlich zu sehen ist. Ich beginne zu schwärmen. Bella stellt uns einander vor. Sie heißt Katharina. Als sie zum Handreichen aufsteht, ist sie fast so groß wie ich, lächelt ein bisschen verlegen und deutet einen Knicks an, bevor sie sich wieder auf das Sofa setzt und sofort ihre Teetasse umklammert. Echt niedlich.

Bella bringt etwas zu Trinken, sorgt für Smalltalk. Ich bin noch zurückhaltend und sie sitzt eng bei ihrer neuen Errungenschaft, von der sie mir am Telefon nur Andeutungen gemacht hat. Sie hält die Hand des Mädchens und ich spüre, dass Bella ebenso aufgeregt ist. Bis gestern wusste ich nicht einmal, dass sie auch auf Frauen steht. Ich frage, was Katharina so macht und erfahre von ihrem Job in einer Videothek. Sie errötet, als sie davon erzählt und ich schließe daraus, dass sie noch nicht weiß, wohin der Weg beruflich führen soll. Fast wäre mir ein „Cool!“ herausgerutscht, das nicht gepasst hätte. Stattdessen lächle ich und als Bella das Gespräch beendet, indem sie eine Hand an Katharinas Wange legt und ihren Kopf sachte zu sich dreht, bin ich froh, dass die beiden etwas miteinander tun.

Bella umfasst sanft Katharinas Nacken, ihre Lippen nähern sich denen des Mädchens, das sofort die Augen schließt und sich küssen lässt ohne zu erwidern, sie dann aber ganz weit öffnet, als Bellas Küsse immer fordernder und feuchter werden. Sie scheint erstaunt, weil es losgeht, ohne dass Bella Worte dazu verliert. Vielleicht konnte sie sich bis dahin auch gar nicht vorstellen, wie es sich anfühlen würde, von Bella berührt zu werden, was absolut mein Wunsch wäre. Ein paar Male wühlt Bella ihre Zunge tief in den Mund von Katharina, dann nimmt sie ihr behutsam die Brille ab. Es mag seltsam klingen, aber auf mich wirkt das in diesem Moment wie Fürsorge, irgendwas aus Liebe heraus jedenfalls, obwohl es vielleicht auch nur Teil der Verführung der Kleinen ist. Katharina scheint sich derweilen mit Haut und Haar den Berührungen durch Bella hinzugeben. Sie verschwindet wieder hinter sich schließenden Augenlidern, scheint einfach wegzutreiben. In einer auf endlos gestellten Sekunde sehe ich das und als wenn es zu belegen wäre, dass da wer gerade in Gefühlen versinkt, läuft mir ein kalter Schauer vom Nacken hinab.

Es ist nichts abgesprochen, aber ich will auch nicht nur zuschauen. Ich setze mich links auf den freien Platz neben Katharina und fühle allein schon durch die Nähe zu dem Mädchen, wie meine Erregung einen Sprung nach vorn macht. Ich atme ihren Duft, der berührend in mir olfaktorische Erinnerungen an früheste Liebeserlebnisse hervorruft. Ich beginne sie zu entkleiden, ziehe ihr als Erstes das Shirt über den Kopf und nehme ganz nebenbei den Blick Bellas als Zustimmung dazu. Ich streife leicht ihre nackte Schulter und sie lässt sich nach hinten in die Polster sinken. Bellas Hände wühlen in ihrem Haar und sie küsst sie weiter, auch als ich mich an der Hose zu schaffen mache. Der Anblick, den ich habe, der BH, ein wenig zu groß für ihre Brüste, ein ganz zartes Hautröllchen oberhalb des Hosenbundes, all das setzt mir zu. Vielleicht kriegt sie das jetzt gerade gar nicht auf die Reihe, wer da was an ihr macht, zumindest bekomme ich die Hose leicht von ihr herunter und Bella macht mir Platz, damit ich den BH öffnen und abstreifen kann. Ihre Brüste sind freigelegt. Mädchenbrüste. Dieses Stück für Stück nackt Machen von ihr, deren Aufmerksamkeit durch Bellas Liebkosungen abgelenkt ist, macht die Sache für mich ziemlich intensiv. Ich würde sie gerne noch weiter anfassen, tue es aber nicht, weil Bella sich bereits ihrem Höschen zuwendet und es ohne Spektakel einfach herunterzieht. Ich schaue zu und genieße den süßen Anblick. Dass Bella daraus keine Show macht, gefällt mir unglaublich gut. Ich lasse sie allein weitermachen.

Als würde ein Geschenk nach dem anderen auf den Gabentisch gelegt, bietet mir Bella ein Schauspiel, bewusst oder auch nicht, das im Grunde gar nicht spektakulär ist, in seiner Feinheit aber verursacht es in mir eine ganze Folge von intensiven Empfindungen. Es trifft Kopfkino, das so für mich noch nie zur Aufführung gekommen ist. Sie legt Katharina ein ledernes Halsband um und als sie auch noch eine kurze Haltekette daran befestigt, wechseln bei der Kleinen die Gefühle, ich sehe es an ihrem Gesicht. Sie ist anders als gerade eben noch und schaut ganz ernst, ich kenne die Vorgeschichte ja nicht, aber Bella spricht nun leise mit ihr, zur Beruhigung wie es mir scheint. Ich verstehe die Worte nicht, dafür sind sie zu wenig für mich bestimmt. Es klingt wie eine Beschwörung, sie öffnet dabei kaum die Lippen, während sie die Vorbereitungen an Katharina fortsetzt. Auf mich wirkt das wie ein Ritual, als gelte es jedes Zehntel mit einem verführerischen Detail zu füllen

Kerzengerade sitzt Katharina jetzt da, ihr Mund steht offen. Bella legt ihr eine lederne Augenmaske an, deren Riemen sie eng verschließt und sie drückt ihr vorsichtig kleine, zuvor in der Hand erwärmte, Wachsklümpchen in die Ohrmuscheln. Dann bindet sie ihr mit einem kurzen Seil die Hände am Rücken zusammen, wozu sie den Oberkörper Katharinas vorbeugen muss und ich ihre Brüste aus einem anderen Blickwinkel, noch reizvoller als zuvor, sehe. „Bringst du sie rüber?“ Sie meint das Schlafzimmer, hier ist sie jetzt fertig. Die Kleine ist ziemlich steif, wie ich finde, als ich meinen Arm um ihren Rücken lege und unter ihre Beine greife, sie mit einem leichten Ruck hochnehme. Sie erschrickt. Ganz warm fühlt sie sich an. Bella geht vor und schaltet eine kleine Wandleuchte ein, bevor sie hastig Kissen und Decke von ihrem Bett herunterzieht, alles ungeordnet auf einen Stuhl legt. Ich setze Katharina vorsichtig auf das Bett, bringe sie mit leichtem Druck gegen ihren Brustkorb dazu, sich hinzulegen und bleibe bei ihr. Als Bella mit drei braunen Ledergurten an das Bett kommt, helfe ich ihr. Beim letzten Gurt, die ersten beiden verbinden die Fußknöchel und die Beine knapp unterhalb der Knie, muss ich erneut zupacken und Katharinas Oberkörper aufrichten, damit Bella ihn unter den Brustansätzen platzieren kann. Noch während sie mit dem Verschluss beschäftigt ist, fragt sie mich, „Willst du sie ficken?“

Sie fährt nun mit dem Finger erst wahllos über den nackten Körper des Mädchens, endet dann vorläufig am Venushügel ganz dicht vor der Klitoris und behält ihren Blick, der die ausgesprochene Einladung als ernstgemeint unterstreicht, auf mich gerichtet. Katharina kommt allmählich in Bewegung. Damit habe ich gerechnet und trotzdem bin ich darauf nicht vorbereitet. Bella macht mit ihrem Finger weiter, lässt ihn ganz langsam tiefer gleiten. Hätte sie mich am Abend davor gefragt, wäre meine Antwort definitiv „Ja“ gewesen. Jetzt aber bin ich unschlüssig. Das Ganze wirkt auf mich, aber vielleicht ist es auch nur das Setting mit Bella darin, die ich so noch nicht erlebt habe. Katharina ist zauberhaft in ihrer vermeintlichen Unschuld, nicht etwa unberührbar, nur fürchte ich, diese tiefschöne Szene durch meinen Gebrauch an dem jungen Fleisch zu etwas ganz Profanem werden zu lassen. Einmal mehr ein Stück gefesselte Frau durchgevögelt. Ich schüttele den Kopf und Bella wartet nicht länger, zieht sich aus.

Im Folgenden bin ich nur noch Zuschauer. Eine Zeit lang erlebe ich Verführung von erfahrener zu mädchenhaft junger Frau, bei der Bella die Erregung der Kleinen in schmerzhafte Höhen führt, ihre Zunge, ihre Finger eintauchen lässt, sich schließlich auf ihr Gesicht setzt und vom einsetzenden Wimmern und Klagen aus verzweifelnder Lust Katharinas wie in einen Rausch getrieben wird. Ich gehe irgendwann, als Bella eine Pause macht, küsse sie noch auf die Stirn und halte mich nicht lange mit der Verabschiedung auf.

Am Tor zur Straße treffe ich Wilfried, der versucht die Füllung der Papiertonne zusammenzupressen. „Na, habt ihr euch gestritten?“ Er klingt besorgt. „Ach was! Nein, alles in Ordnung.“ Ist es ja auch. „Weißt du, Bella ist ein gutes Mädchen. Sie hält zu mir. Sie sieht zwar aus wie ihre Mutter, aber sie würde nie einfach abhauen.“ Ich gebe ihm Recht. „Aber du musst zugeben, ein bisschen verrückt ist sie schon, oder?“ Zwei Atemzüge lang lässt der alte Mann mich im Unklaren, wie er meine Behauptung findet, dann lächelt er milde. „Kommt ja auch nach mir.“

© 2016

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Kommentare

Eine Szene; echt unglaublich und unglaublich echt; wunderbar zu lesen.