Das Gesetz gegen die guten Sitten

Meine Damen und Herren, ich berichte hier nun live für sie aus dem Sitzungssaal 02 des Landgerichts der Hansestadt über die Verhandlung in der Hauptsache gegen die Angeklagte Claudia W. Den Vorsitz der Kammer übernimmt niemand Geringeres als die ehrwürdige Gerichtspräsidentin Frau Dr. Sabine Leiter, was Ihnen die Bedeutung dieses Verfahren verdeutlichen sollte. Der Zuschauerraum ist bis auf den letzten Platz gefüllt und die lieben Kollegen mit ihren Fotoapparaten haben sich um die beste Sicht auf die Angeklagte regelrecht geschlagen. Dieses Verfahren wird sicher wie immer besondere Aufmerksamkeit in der Bevölkerung erregen, sodass sich niemand über den Andrang wirklich wundern konnte. Aber ich habe ja meinen Platz bekommen und werde sie so gut es mir möglich ist in den Gerichtspausen auf dem Laufenden halten. Leider wird sich aber der Beginn der Verhandlung etwas verzögern, da der Transport der Angeklagten vom Gefängnis hier her etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt. Aber sobald es Neuigkeiten gibt werden sie diese als Erste erfahren. Ich bin Leon Polter, ihr Gerichtsreporter und wünsche ihn nun erstmal einen guten Tag. Bis gleich vom Landgericht der Hansestadt.

Gespannt lauscht sie den Worten aus dem Radio, während der Wagen sich mühsam durch den morgendlichen Verkehr quält. Ein kurzer Blick auf ihr Gegenüber geworfen, doch der Herr kann wohl nur ausdruckslos und völlig desinteressiert sie anstarren. Ruhig atmet sie ein und aus während der Wagen endlich in die Tiefgarage einbiegt. „Da wären wir, aussteigen!“, bedeutet er ihr schließlich gelangweilt, nachdem der Fahrer den Wagen zum Stehen gebracht hat und Ihnen beiden die Türe geöffnet hat. Langsam erhebt sie sich von ihrem Sitz und versucht möglichst ohne zu Stolpern zum Ausgang zu tippeln. Etwas anderes ist ihr nicht möglich in der Hand- und Fußschellenkombination, welche ihr angelegt worden sind. So ganz hat sie den Nutzen dieser nicht nachvollziehen können, was sollte sie als zarte Person denn schon anstellen können. Aber Vorschriften müssen ja eingehalten werden. Als sie endlich das Ende des Wagens erreicht hat, greift der Fahrer direkt nach den Ketten die ihre Fesseln verbinden und zerrt sie unsanft aus dem Wagen. Sofort springt der andere Begleiter ebenfalls aus dem Wagen hinaus und gemeinsam eskortieren die beiden sie zum Aufzug hinüber. Gespannt wartet die junge Frau bis sich die Metalltüren öffnen und es mit dem Aufzug nach oben geht. Etage 2. Dort liegt der Sitzungssaal 02. Und sie, Claudia Winter, wurde schon, wie sie es ja bereits im Radio vernehmen konnte, gespannt erwartet.

Eine kleine unscheinbare Holztür trennt sie noch von der neugierigen Meute. Die beiden Justizbeamten haben sie glücklicherweise erstmal an allen vorbeigeschleust und in ein kleines Zimmer verbracht, bevor sie in wenigen Augenblicken der Öffentlichkeit unter die Augen treten durfte. Eher musste. Nervös tippt sie mit ihren Fingern auf dem Tisch herum, an welchem sie mit ihrem Anwalt Platz genommen hatte. Pflichtverteidiger, einer der schlimmsten Sorte. Völlig desinteressiert an ihr und ihrer Geschichte, den haben sie wohl wirklich zur Übernahme des Mandats zwingen müssen. Zudem hat er ihr unmissverständlich klargemacht, dass ein vollumfängliches Geständnis der einzige Weg ist, sie würde so oder so verurteilt werden. Wie motivierend. Ernüchtert starrt sie auf die Tür, welche sie vor dem schicksalhaften Verfahren bisher bewahrt, und spielt in Gedanken alle ihre Möglichkeiten durch. Sonderlich viele scheinen das aber nicht zu sein. Verdammt. Doch da klopft es auch schon und ein Justizbeamter streckt seinen Kopf durch den Spalt der nun geöffneten Tür hinein: „Frau Angeklagte, Herr Verteidiger, die Verhandlung beginnt jetzt, wenn ich sie bitten dürfte in den Saal zu kommen“ Kurz spielt sie mit dem Gedanken einfach sitzen zu bleiben und sich dem Verfahren zu verweigern, aber das würde wohl ihre Situation nicht gerade verbessern. So steht sie schnell auf, streift ihre graue Anstaltskleidung zurecht und betritt mit gesenktem Kopf den Gerichtssaal 02 des Landgerichts, wo über ihr Schicksal gerichtet werden soll.

Das Surren und Klicken der Fotoapparate schallt durch den Saal. Tausende Blitze erleuchten diesen. Jeder möchte das beste Foto der Angeklagten bekommen um dieses dann teuer weiterzuverkaufen. Doch die junge Frau, welche den Saal gerade durch einen Nebeneingang betreten hat, senkt ihren Blick zu Boden und verdeckt offenbar beschämt ihr Gesicht. So hatten sich die Herren von der Presse das aber nicht vorgestellt und so versuchen sie mit einigen provokanten Zwischenrufen die Angeklagte aus der Reserve zu locken. Ohne Erfolg. Claudia nimmt zügig auf dem bereitstehenden gepolsterten Stuhl platzt und nutzt die dort liegenden Gerichtsakten, um sich noch besser von den Geiern abzuschirmen. So lässt das Blitzlichtgewitter schnell nach und die Fotografen müssen enttäuscht erkennen, dass ihnen der große Schnappschuss im Moment nicht gelingen würde. Und dann räuspert sich auch schon der Justizbeamte, der sie in den Saal gebeten hatte und kündigt das Auftreten des hohen Gerichts an. Es wird schlagartig ruhig und alle erheben sich, als die Kammer unter der Leitung von Richterin Dr. Leiter den Saal betritt. Claudia verdeckt im Stehen immer noch ihr Gesicht mit einer Akte, während ein paar Vertreter der Presse erhofft hatten diesen Moment noch nutzen zu können. Diesen Erfolg würde sie ihnen jedoch nicht gönnen. Nur eine Minute später wurden dann auch diese lästigen Fotografen des Saals verwiesen und Claudia legt die Akte bei Seite. „Danke sehr, nehmen sie bitte alle Platz“ erfüllt nun die Stimme der Richterin den Saal und alle Personen lassen sich in ihre Sitze fallen. Ebenso Claudia, der nun endgültig klar wurde, dass die nächsten Stunden über ihre Zukunft entscheiden werden.

„Meine Damen und Herren, hiermit eröffne ich das Verfahren in der Hauptsache das deutsche Volk gegen Claudia Winter geführt unter dem Aktenzeichen 03 JS 235/17. Ein kurzer Hinweis zur Zusammensetzung der Strafkammer heute, aufgrund der kurzfristigen Erkrankung einer Schöffin haben wir auf einen Ersatzschöffen zurückgreifen müssen, dies sollten sie aber auch den Akten entnehmen können. Und nun bitte ich sie Frau Staatsanwältin mit der Verlesung der Anklage zu beginnen“

„Vielen Dank Frau Vorsitzende“, antwortet die junge Staatsanwältin lächelnd und sucht in ihrer Aktentasche herum. Es verstreichen einige Minuten und das anwesende Publikum wird schon unruhig als die Staatsanwältin sich räuspert und entschuldigend zur Richterin hinaufsieht: „Ich bitte um Entschuldigung, allerdings habe ich offensichtlich die Anklageschrift in der Staatsanwaltschaft liegen lassen. Aber ich denke ich wäre in der Lage die wesentlichen Punkte auch so zu umreißen. Selbstverständlich nur soweit die Kammer dies für zulässig erachtet.“ Claudia kann sich ein triumphierendes Lächeln nicht verkneifen, scheint es doch ganz so, als hätte sie eine der unfähigeren Staatsanwältin erwischt. Vielleicht sollte das hier doch noch gut ausgehen. Währenddessen berät sich die Kammer schnell und gibt der Staatsanwältin zu verstehen, einverstanden zu sein. Claudia schaut sofort fragend zu ihrem Verteidiger, der wird doch sofort diesen Fehler angreifen und diese Anklageverlesung verhindern. Aber nein, er spielt nur desinteressiert auf seinem Tablet herum, unfassbar. Und selbst eingreifen scheint ihr noch zu früh, sie möchte es sich ungern mit den Menschen, die über sie richten, jetzt schon verscherzen. Gleichgültig senkt sie also wieder ihren Blick, als die Staatsanwältin sich erhebt und frei heraus die Anklage vorträgt.

„Der Angeklagten Claudia Winter wird vorgeworfen, Straftaten gegen die guten Sitten begangen zu haben. Sie hat ihren Freund, der als Zeuge auftreten wird, zu unnatürlichen Formen der Sexualität und des Beischlafs angestiftet und diesen durch ihr unsittliches Verhalten dauerhaft psychisch geschädigt. Zudem wird ihr zur Last gelegt, mit weiteren Personen außerhalb ihrer Beziehung in atypischer Weise verkehrt zu haben. Bekannt sind der Staatsanwaltschaft mindestens vier Fälle. Die genauen Details sind in der Akte niedergelegt und Bestandteil der Beweisaufnahme, sodass ich im Interesse der öffentlichen Ordnung verzichte diese hier vorzutragen. Die Angeklagte hat sich folglich strafbar gemacht nach den Vorschriften des Gesetzes über die guten Sitten.“

Die Vorsitzende danke der Staatsanwältin für die Verlesung der Anklage und wendet sich nun Claudia und ihrem Verteidiger zu: „Frau Winter, sie haben gehört, was Ihnen vorgeworfen wird, möchten sie sich zu den erhobenen Vorwürfen einlassen?“ Ja, sie wollte. Endlich ist der Zeitpunkt klarzustellen, welch großes Unrecht ihr gerade widerfährt. Doch bevor sie mit ihrer Einlassung beginnen kann, erhebt schon der Nichtsnutz von Verteidiger seine Stimme: „Ich spreche für die Angeklagte, sie räumt alle Vorwürfe ein und bereut ihr Handeln zuti…“ Weiter kommt ihr Verteidiger nicht, mit einem lauten Nein unterbricht sie zügig seine Ausführungen. Es geht ein Raunen durch die Zuschauermenge und auch die Kammer blickt überrascht zu ihr herab. Dann herrscht für einen kurzen Moment Stille, ehe diese wieder von Claudia unterbrochen wird. Sie beantragt mit sofortiger Wirkung ihren Verteidiger von seinen Aufgaben zu entbinden und sich selbst verteidigen zu dürfen. Dem wird stattgegeben und der Verteidiger verlässt lachend den Saal, nachdem er ihr noch ein „Viel Erfolg Hure“ zugeflüstert hatte. Schließlich ist er weg und Claudia erklärt sich zur Einlassung bereit.

„Bevor wir beginnen der Hinweis, dass sie sich nicht äußern müssen oder sich selbst belasten. Und dann eben noch zu ihren Personalien, Frau Winter. Sollte etwas nicht stimmen, bitte ich sie mir das anzuzeigen. Ihr Name ist Claudia Winter, sie sind geboren am 24.06.1997 in der Hansestadt. Sie leben immer noch hier und sind zurzeit ledig. Soweit korrekt?“ Claudia nickt nur kurz und räuspert sich dann: „Es ist alles korrekt. Und ich möchte mich wie folgt einlassen. Die Anklage ist lächerlich und vollkommen aus der Luft gegriffen. Ich bin gut und sittlich erzogen worden, sodass ich nicht nachvollziehen kann, was mir hier vorgeworfen wird. Mir ist nichts vorzuwerfen und ich bitte um ein faires Verfahren. Ich bin unschuldig!“ Die Kammer nimmt die Worte der Angeklagten emotionslos wahr und macht sich ihre Notizen, während unter den Zuschauern wilde Diskussionen entfachen. Die einen bewundern den Mut der jungen Frau, wie sie sich gegen die Anklage stemmt, die anderen haben nur Hohn und Spott für so eine übrig.

„Danke sehr Frau Angeklagte, dann eröffne ich nun die Beweisaufnahme. Wir beginnen mit der Vernehmung des Ex-Freundes der Angeklagten als ersten Zeugen. Herr Wachtmeister, wenn sie bitte den Herrn Ostrich in den Saal bitten könnten.“ Und da schlurft er hinein, dieses abscheuliche Wesen, welches sie mal geliebt hatte. Bis heute hat sie nicht verstanden was Hannes dazu gebracht hat so viel Leid und Schande über sie zu bringen, aber sie würde es schon herausfinden. Schließlich lässt sich Hannes auf den Stuhl in der Mitte des Saales fallen ohne sie auch nur eines Blickes gewürdigt zu haben. „Ihr Name ist Hannes Ostrich, geboren am 09.02.1995, hier in der Hansestadt und sie wohnen noch hier. Sie sind ledig und der Ex- Freund der Angeklagten. Soweit richtig?“, befragt die Vorsitzende sofort ihren Ex und belehrt diesen sogleich, um dann zu seiner Aussage zu kommen. Claudia schaut vollkommen verwirrt nun zwischen der Kammer und ihrem Ex hin und her, als dieser gebeten wird, auch wenn dies wohl ein sehr traumatisches Erlebnis gewesen sein muss, vom Abend des 08.11.2017 zu berichten. Fieberhaft kramt Claudia nach Erinnerungen an diesen Tag, doch egal wie sehr sie sich anstrengte, sie kann sich keinen Reim darauf machen, was an diesem Tag Schreckliches gewesen sein sollte, was diese Anklage rechtfertigt. Ihre Gedankengänge werden abrupt unterbrochen von der tränenerstickten Stimme von Hannes, welcher nach Worten suchend, beginnt die Ereignisse zu schildern.

„Also… entschuldigen Sie, es fällt mir immer noch furchtbar schwer über diesen Abend zu sprechen trotz psychologischer Behandlung. Ich werde es natürlich trotzdem versuchen…Also…Ich bin abends von der Arbeit heimgekommen, und und…kurz gesagt erwartete mich Claudia offensichtlich schon. Sie… sie hatte uns Champagner eingeschenkt und lag auf der Couch in ihrer roten Reizwäsche, mit der sie mich schon mal verführte. Sie räkelte sich richtig darin und versuchte mich ganz heiß zu machen“ Hannes unterbricht seine Ausführung und schnäuzt in ein Taschentuch, während die Staatsanwältin die Wäsche, verpackt in einen Beweisbeutel kurz hochzeigt als Beweisstück 1.  Daran kann sie sich auch noch erinnern, sie hatte ihn öfters so verführt, aber daran ist nichts Anstößiges gewesen. Claudia überlegt weiter, was denn noch an solchen Abenden gewesen sein könnte, als Hannes endlich seine Aussage fortführt: „Auf jeden Fall tranken wir dann den Sekt und… und ich glaube da muss was drinnen gewesen sein… weil… weil dann ist es passiert.“  Wieder Pause, erneut putzt er seine Nase. Claudia rollt mit den Augen und wundert sich welch eindrucksvolle Show ihr Ex da versuchte abzuziehen. So wie er die Geschichte beginnt, musste sie ihn ja dann übelst misshandelt haben. Wie lächerlich.

Sie lässt ihren Blick kurz in den Publikumsbereich schweifen und muss erschreckt feststellen, dass viele der Leute betroffen zu ihrem Ex schauen. Glauben die wirklich, dass er schrecklich traumatisiert wurde, von einer jungen Frau?! Sie verkneift sich irgendwelche Gefühlsregungen zu zeigen und wartet, dass sich der ach so gequälte Hannes entschließt seine Ausführungen fortzusetzen. Doch soweit kommt es nicht, trotz mehrfacher Aufforderung der Kammer sieht sich Hannes außer Stande weiter zu schildern was passiert ist. Zu traumatisch, zu schrecklich sei das alles gewesen. Und so wird die Aussage des Hannes nach hinten verschoben, während sich die Kammer auf einmal erneut berät. Der Ersatzschöffe scheint unbedingt etwas zu wollen und diskutiert enthusiastisch mit den anderen Personen oben auf der Richterbank. Minuten später scheinen sich die Damen und Herren einig und die Vorsitzende verkündet folgenden Beschluss.

„Auf Antrag des Ersatzschöffen hin, hat die Kammer beschlossen, dass die Angeklagte die Beweisstücke 1 anziehen sollte, um dem Gericht ein genaueres Bild von betreffenden Abend zu vermitteln. Zur Urteilsfindung ist es nötig, sich das Tatgeschehen so gut wie möglich vorzustellen und diese Maßnahme wird diesen Zweck fördern.“

Schockiert starrt Claudia die Vorsitzende an. Das kann nicht deren Ernst sein. Sie soll sich hier im Gerichtssaal in der Reizwäsche zeigen, die sonst nur ihrem Freund vorbehalten gewesen war. Ungläubig wandert ihr Blick durch die Zuschauer, welche sie meist grinsend betrachten. Nein, das muss gerade ein fürchterlich schlechter Witz sein. Sowas Perverses und Unsittliches, welch kranken Fantasien dieser Ersatzschöffe haben musste. Sie ist schon immer schüchtern und zurückhaltend gewesen, diese Sachen mit den Dessous war bisher der größte Vertrauensbeweis den sie ihren Freunden gegenüber gebracht hatte. Sonst ist sie wirklich prüde. Und nun so etwas!

„Einspruch, das wäre wirklich unsittlich und ich würde mich so niemals der Öffentlichkeit zeigen.“

Sie schreit ihren Widerspruch laut heraus und erntet dafür aus dem Publikum nur ein müdes Lachen, offensichtlich hatten diese sie schon längst verurteilt und halten sie für eine Unsittliche, die sich so gerne zeigt. Aber das hohe Gericht würde es sich sicher nochmal…

„Abgelehnt! Frau Angeklagte, ich fordere sie hiermit unter Androhung von Ordnungsmaßnahmen auf, sich vor dem hohen Gericht zu entblößen und die Kleidungsstücke, geführt unter Beweisstück 1, anzuziehen. Sofort!“

Claudia schluckt hörbar als die befehlenden Worte der Vorsitzenden ihr Gehirn erreichen. Was sollte sie nun verdammt nochmal tun? Jede Weigerung würde man ihr sofort negativ anrechnen, aber wenn sie sich hier in Reizwäsche zeigt, würde das sicher auch nicht gerade ein positives sittliches Bild von ihr zeichnen. Die Gedanken rasen und sie versucht alles in Ruhe abzuwägen, doch sie muss schnell entscheiden. Sie hebt ihre Fesseln und deutet an, dass man diese doch bitte lösen würde, damit sie der Aufforderung des Gerichts nachfolgen kann. Zügig ist ein Wachtmeister bei ihr und befreit sie von der Fesselkombination, sodass sie ihre Hände und Füße wieder frei bewegen kann. Ihr Blick schweift wieder zu den ganzen Zuschauern, die es wohl kaum erwarten können, sie so zu sehen. Scheinheiliges Gesindel! Zähneknirschend greift Claudia nach dem unteren Ende ihren grauen Anstaltspullover, doch sie schafft es einfach nicht diesen nach oben zu ziehen. Viel zu groß ist die Scham, wie sie sich vor all diesen Leuten zeigen würde. Alle würden sie dann nackt sehen. Die Vorstellung ist furchtbar und lässt sie vollkommen erstarren. Auch mehrere Aufforderungen der Richterin dringen nicht zu ihr durch, mittlerweile ist sie bereits tief in ihre Gedankenwelt geflüchtet. Hunderte Leute. Sie in Reizwäsche. Diese Blicke. Alle auf ihren Körper. Schutzlos ausgeliefert.

Hier ist wieder Leon Polter mit den neusten Informationen zum Verfahren dieses Jahres. Die Angeklagte Claudia W. hat alle Vorwürfe vehement bestritten, sodass es zur Beweisaufnahme kommen muss. Es wurde ihr Ex-Freund vernommen, dieser ist jedoch so traumatisiert gewesen, dass er von den schrecklichen Stunden, welche ihm die Angeklagte bereitet hat nicht berichten konnte. Viel interessanter ist der Beschluss der Kammer, dass sich die Angeklagte in der Reizwäsche zu präsentieren hat, mit welchen sie den armen Ex-Freund nötigte. Dabei wurde es richtig spannend, denn die Angeklagte weigerte sich schlussendlich der Weisung Folge zu leisten. Beziehungsweise stand sie regungslos dar und rührte sich nicht mehr. Der Vorsitzenden blieb nichts anderen übrig als Ordnungsmaßnahmen zu ergreifen. Zwei Justizbeamten übernahmen die Aufgabe, die junge Frau zu entkleiden. Sie rissen ihr die Anstaltskleidung vom Körper und auch deren Unterwäsche liegt nun in mehrere Teile gerissen auf dem Boden des Gerichtssaals. Da die Angeklagte jedoch einen Weinkrampf bekam, wurde sie dann unter Nutzung von Knüppel und Elektroschockern ins Nebenzimmer verbracht, wo man sie nun in die Wäsche zwingen möchte. Wir dürfen gespannt sein, wie lange das dauert und welch Anblick uns dann bietet. Soweit das Update hier live aus dem Gerichtssaal, das war Leon Polter, bis später.

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Kommentare

Was für eine Welt ist das denn wo Reizwäsche im Privaten Umfeld unsittlich sind?? Was ist wohl passiert das es zur Gerichtsverhandlung kam?

Hat er versagt und sie einen Lachnfall bekommen? Scheint eine Racheaktion von ihrem Ex zu sein.

In reply to by Latexmike

Ist das nicht die Welt von heute? Müsste es nicht viel mehr solcher Verfahren geben?

Da niemand ohne Grund vor Gericht landet, muss doch klar sein, dass da noch viel schrecklichere Dinge passiert sind. Allerdings gebe ich zu, dass die bisherigen Schilderungen traumatisch genug waren, um jeden sittlichen Menschen das Fürchten zu lernen.

Die Idee mit dem Lachanfall finde ich gut, sollte ich eine alternative Fortsetzung zu verfassen. Aber ohne alles vorwegzunehmen, nein es gab natürlich nichts zu Lachen. Alles furchtbar. Ihr Ex tut mir persönlich schrecklich leid.

PS: Nach Plänen der Eurasischen Union sollte es ein Gesetz geben, welches zur Folge gehabt hätte, dass Frauen in Osteuropa wohl auf sexy Unterwäsche hätten verzichten müssen. Unterwäsche, die weniger als sechs Prozent Baumwolle enthält, hätte nicht mehr nach Russland, Weißrussland und Kasachstan importiert werden dürfen. Auch die Herstellung und der Handel  mit solcher Ware wäre dann verboten gewesen. Also so unrealtistisch ist das doch alles garnicht 

Abgesehen davon, dass das eine sehr schöne Geschichte ist, ist es auch noch eine, die alle meine Ansprüche an Orthographie etc. erfüllt.

Leider, leider - und das hat mit der Geschichte selber nur am Rande zu tun - scheint sich unsere Gesellschaft tatsächlich mehr und mehr in so eine Richtung zu bewegen, wie sie hier beschrieben wird. 

In reply to by Wuffff

Es freut mich dass dir die Geschichte wohl gefällt. Allerdings bin ich unschlüssig ob es wirklich die Zukunft ist als eine viel mehr vorhandene Gegenwart. 

Aber vielleicht ist es ja so wie bei Mode.  Da greift man doch auch auf alte Trends zurück . Möglich dass das mit unser Vorstellung von Moral  und Sittlichkeit ähnlich geschieht