Die Falltür (2. Teil: Qualität)

 

Im Augenblick läuft gerade eine traurige Sendung über die Entführung im Fernsehen. Ein Interview mit Herrn Wohlgeruch sowie dem Polizeipräsidenten. Herr Wohlgeruch ist ganz zappelig vor Ungeduld. Offensichtlich kann er es gar nicht abwarten, Neues von der Fahndung nach den Tätern zu erfahren. Der Polizeipräsident strahlt in solider Kompetenz. Auch er ist ganz bei der Sache und beteuert, die Untersuchung werde fortgesetzt. Möglicherweise aber sei zu befürchten, dass unsere bedauernswerte Mitbürgerin in die Hände von ausländischen Menschenhändlern gefallen sei. Die Spur führe wieder einmal nach Albanien. Schwierig sei es, dort zu Erkenntnissen zu kommen. Die Korruption, Sie wissen schon! Aber man werde den Kampf nicht aufgeben. Herrn Wohlgeruch scheinen derweil die Tränen zu kommen. Was für ein feiner, was für ein sensibler Mensch und Gatte! Die Sendung scheint in einer Kulisse aufgenommen zu sein, die die Idee eines albanischen Kerkers zu spiegeln scheint. Oh, was für ein Schicksal, schlimmer vermutlich als der Tod.

Nach der Sendung laufen die Telefone heiß. Tolle Tipps. Wertvolle Hinweise. Die Polizei dankt. Der Sender freut sich; die Quote war wieder mal nicht schlecht. Fortsetzung ist geplant. Schon aus Gründen der Staatsräson sollte man das Publikum täglich auf dem Laufenden halten. Es werden auch schon üppige Damen gecasted, die für eine Soap-Doku die mutmaßliche Entführung und vor allem das jetzige Schicksal nachspielen sollen. Das ganze riecht nach einem guten Geschäft. Wenn das Ganze nur nicht so traurig wäre.

Zum Glück gibt es aber für die besonders Mitfühlenden unter den Zuschauern, eine Manifestation der Hoffnung. Gut sie kann nicht jedem zuteil werden. Das Glück ist eben ungleich verteilt auf dieser Welt. Das Glück kann auch nur derjenige erwerben, der besondere Referenzen vorweisen kann. Das Glück ist für den Kenner aber nahezu grenzenlos. Es ist auf einer DVD zu finden, die die komplette Interview-Aufzeichnung zum Besten gibt. Obendrein andere Ausschnitte des Geschehens zeigt: so kann der zunehmend beruhigte Zuschauer erkennen: alles halb so schlimm. Denn der Tisch, auf dem die Mikrophone stehen ist eigentlich nur eine Platte.

Eine Platte, die viel standfester sitzt als eine normale Tischplatte. Ist das nicht toll? Solidität und Wertarbeit selbst im deutschen Fernsehen!

Ok, falls Sie das doch nicht so angetörnt hat, wie ich hoffte, dann wird es Sie vielleicht interessieren, dass die Platte auf einem Käfig sitzt, in dem ein dralles Weib ruht. „ruht“ ist vielleicht etwas übertrieben. Aber sie steckt da jedenfalls drin. Alles passt und quillt sogar ein bisschen durchs Gitter. Was ebenfalls passt sind die Schwänze. Jedenfalls die von Herrn Wohlgeruch und dem Polizeipräsidenten. In die Arschfotze und in die Maulfotze der Sau. Wie dafür gemacht. Zu passen scheinen auch die Stecknadeln, die der Interviewer in das Fleisch versenkt, was da vor seinen Knien quillt. Da kann man auch merken, dass das Interview einige Mal wiederholt werden musste, wahrscheinlich wegen diesem und jenem. Wegen komischer Geräusche z. B. oder auch, weil alle soviel Freude an ihrer Tätigkeit zeigten. Idealismus, liebe Leserin, lieber Leser, merken sie das? Idealismus schleicht sich in die Geschichte. Eine deutsche Geschichte eben. Aber diesmal eine mit happy end: an der Tätowierung sollt ihr sie erkennen!

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