Die Geschichte der Justine oder die Nachteile der Tugend - Band 1/Teil 2

Megs ·Administrator·

 

IV. Kapitel.
(Undankbarkeit. – Ein sonderbares Schauspiel. – Eine interessante Begegnung. – Die neue Stelle. – Ueber Religionslosigkeit und Unmoral. – Pietätlosigkeit. – Justines Herzenszustand.)

Es gibt Augenblicke im Leben, in denen man sehr vermögend sein kann, ohne deshalb genug zum Leben zu halben. In dieser Lage befand sich Saint-Florent. Er hatte 400.000 Francs in seiner Brieftasche und keinen Taler in der Börse. Dieser Gedanke hatte ihn vor dem Eintritt in die Herberge beunruhigt. »Trösten Sie sich, Onkel,« sagte Justine zu ihm, indem sie über seine Bedrängnis lachte, »die Diebe, die ich verlassen habe, haben mich mit Geld ausgestattet. Hier sind 20 Louis. Nehmen Sie sie, ich bitte Sie, gebrauchen Sie davon, so viel Sie wollen und geben Sie den Rest den Armen. Ich möchte nicht um Alles in der Welt Geld bei mir behalten, das von einem Morde herstammt.«

Saint-Florent tat nun so, ah ob er das Geld nur annehmen würde, unter der Bedingung, daß Justine ihrerseits von ihm 100.000 Francs auf Wechsel nähme, und er zwang sie auch, das Papier in die Tasche zu stecken. »Heben Sie sich diese Summe auf, teure Nichte,« sagte Saint-Florent, »sie ist ein schwacher Dank für die großen Dienste, die sie mir geleistet haben. Glauben Sie mir, daß ich Sie in Ihrem Leben nicht weder verlassen will.«

Sie speisten zu Mittag und Justine verfiel bald, ohne zu wollen, in unruhige Träumereien, die die Heiterkeit ihrer Züge zerstörten. Als sie Saint-Florent um den Grund fragte, wollte sie ihm ohne eine Erklärung das Geld wieder zurückgeben. »Mein Herr,« sagte sie zu ihrem Onkel, »ich habe nicht so viel Dankbarkeit verdient, und mein Zartgefühl erlaubt mir nicht, ein so beträchtliches Geschenk anzunehmen.« Aber Saint-Florent ließ es nicht an Ueberredungskünsten fehlen und das Geld glitt wieder in die Tasche, ohne daß die Befürchtungen Justines einen Augenblick nachgelassen hätten. Um sie zu zerstreuen, tat Saint-Florent so, als ob er sie nicht bemerken würde und bat Justine, ihm ihre Abenteuer zu erzählen. Das tat sie gerne und als sie mit ihrer Erzählung zu Ende war, ließ sie ihren Onkel merken, daß sie ungerne nach Paris zurückkehre. »Nun,« erwiderte der Kaufmann, »dem kann abgeholfen werden. Eine Verwandte von mir wohnt hier im der Nähe und diese wollen wir aufsuchen. Ich werde Sie ihr vorstellen und sie bitten, Sie bei sich zu behalten, bis ich Zeit habe, mich selbst mit Ihnen zu befassen. Es ist die anständigste Frau der Welt, und Sie werden bei ihr aufgehoben sein wie bei einer Mutter. Sie bewohnt ein reizendes Landhaus in der Nähe von Bondi. Es ist spät und schönes Wetter. Sind Sie aufgelegt, zu gehen?« – »Ja, mein Herr.« – »Dann brechen wir auf, Justine; jede Verzögerung die der Beweis, den ich Ihnen vom meiner Dankbarkeit geben will, erleidet, wird zur Qual für mich.« – »O, mein Onkel,« erwiderte Justine unter Tränen und warf sich gerührt in die Arme Saint-Florents, »wie zart Ihre Seele ist und wie gut ich sie verstehe!« Während des rührenden Vorganges zitterte der Schuft vor Geilheit unter den Liebkosungen der Unschuld.

Es war ungefähr 4 Uhr nachmittags, als sie aufbrachen. Bald begannen die Schatten der Nacht im Walde jene Art religiösem Schreckens zu verbreiten, der in furchtsamen Herzen Angst, in harten aber Lust zu Grausamkeiten erweckt. Unsere Wanderer benützten nur Fußwege. Justine ging voraus. Da drehte sie sich einmal mit der Frage um, ob diese verlassenen Wege wirklich die richtigen seien und ob sie bald ankämen, als gerade die Geilheit des wollüstigen Kaufmannes ihren Gipfel erreicht hatte. Es war Nacht und die Stille des Waldes, sowie die Alles einhüllende Dunkelheit erweckten in ihm Begierden wieder, die er endlich befriedigen konnte. Er konnte sich nicht länger halten. »Schockschwerenot,« sagte er zu seiner Nichte, »hier muß ich dich ficken. Ich bin schon zu lange auf dich geil, du Hure, ich muß endlich entladen.« Damit ergriff er sie bei den Schultern, so daß sie das Gleichgewicht verlor. Die Unglückliche stieß einen Schrei aus. »Ah, du Hure!« rief Saint-Florent wütend aus, »hoffe nicht, daß ich dir die Möglichkeit lasse, daß man dich schreien hört!« Und bei diesen Worten warf er sie vollends auf die Erde und versetzte ihr einem so heftigen Schlag mit dem Stocke, daß sie bewußtlos unter einen Baum hinfiel. Alle Götter blieben stumm. Ja, man hätte sagen können, daß sie diesen verbrecherischen Anschlag auf Scham und Unschuld begünstigten, so lautlos umfing die Stille der Nacht das Verbrechen.

Nun er Herr über Justine war, schürzte Saint-Florent ihr die Röcke auf, zog ein riesiges von Wollust und Wut gesteiftes Glied heraus, beugte sich über sein Opfer, spreizte ihm die Schenkel auseinander und versenkte in ungeheurer Raserei seine Lanze in jene zarten Blüten, die nur als Preis der Liebe geschaffen zu sein schienen. Seine Anstrengungen wurden von Erfolg gekrönt: Justine war entjungfert. Das Blut floß und ein kräftiger Samenerguß befriedigte die Wollust des geilen Bockes, der nur bedauerte, daß das eben begangene Verbrechen nicht ein Jahrhundert lang gewährt habe. Er entfernte sich, aber nach zehn Schritten enflammten seine Sinne aufs Neue. Er empfand jene sonderbaren Gewissenbisse, die in der Seele des Verbrechers wach werden, wenn ihm einfällt, daß er die beabsichtigte Missetat nur zur Hälfte begangen hat. Er erinnerte sich, daß er in den Taschen Justines die 100.000 Francs gelassen habe. Die mußte er wieder haben. Aber Justine saß auf ihren Taschen und man konnte sie nicht berauben, ohne ihren Körper umzudrehen. Himmel! Welche neue Reize boten sich trotz der Finsternis den heißen Blicken des blutschänderischen Saint-Florent dar! »Wie,« sagte er zu sich, indem er den wundervollen Popo betrachtete, der ihn von allem Anfang an so lebhaft aufgeregt hatte, »wie, das habe ich vernachlässigen können! Niederträchtige Weichherzigkeit! Auf, ficken wir diesen göttlichen Hintern, der mir hundertmal mehr Vergnügen verspricht, als ihr vorderes Loch. Hinein, und wenn er in Fetzen geht! Nur kein Mitleid!« Da er vollkommen Herr über den leblosen Körper Justines war, konnte er sie leicht in die Lage bringen, die zu seinem Vorhaben nötig war. Als er das niedliche Loch sah, wurde er durch den Größenunterschied heftig aufgeregt. Ohne es zu befeuchten, begann er sein Glied hineinzustecken und arbeitete eine halbe Stunde lang darin umher. Er wäre vielleicht noch darin, wenn nicht die Natur bei aller Begünstigung seinem Vergnügen ein Ende gesetzt hätte.

Schließlich entfernte sich der Schuft, indem er das unglückliche Opfer seiner Wollust ohne Hilfe, ohne Ehre und fast ohne Leben am Boden liegend zurückließ.

So siehst du aus, o Mensch, wenn Du nur deinen Leidenschaften gehorchst!

Als Justine wieder zu sich kam und den Zustand sah, in den sie versetzt war, wollte sie ihrem Leben ein Ende machen. »Das Ungeheuer!« rief sie aus, »was habe ich ihm getan? Ich rettete ihm das Leben, gab ihm sein Vermögen zurück und er entriß mir das Kostbarste, was ich besaß. Die Tiger im Urwalde können nicht grausamer sein!« Diese Ausbrüche des Schmerzes wichen bald einer tiefen Niedergeschlagenheit und unwillkürlich richtete Justine ihre schönen, betränten Augen gegen den Himmel. Dieses klare, besternte Gewölbe, die Stille der Nacht, der Gegensatz des Friedens in der Natur zu der Erregung ihrer Seele, Alles das ließ in ihr das Bedürfnis entstehen, zu beten. Sie warf sich auf die Knie vor jenem mächtigen, von der Klugheit verworfenen, vom Unglück aber eingesetzten Gott.

»Heiliges und hoheitsvolles Wesen!« rief sie weinend aus. »Du mein Beschützer und Führer, ich wende mich an Deine Güte, ich bitte um Deine Gnade. Sieh mein Elend und meine Qual! Mächtiger Gott, Du weißt, daß ich unschuldig und schwach bin, daß ich verraten und mißhandelt worden bin. Dein Wille geschehe! Alle deine heiligen Aeußerungen sind mir teuer, ich ehre sie und will mich nicht beklagen. Aber wenn ich hier auf Erden nur Dornen finde, beleidige ich Dich dann, erhabener Herr, wenn ich Deine Allmacht bitte, mich zu Dir zu berufen, um Dich entfernt vor jenen perversen Menschen anbeten zu können, die mir nur Böses zugefügt haben, und die mit Genuß meine Lebenstage mit Tränen und Schmerzen getränkt haben!«

Das Gebet tröstet den Unglücklichen. Der Himmel ist nun einmal sein Wahn, und er stärkt sich an ihm. Justine erhob sich, ordnete ihre Kleider und entfernte sich.

Im Kopfe Saint-Florents herrschten gemischte Empfindungen. Es gibt Seelen in der Welt, für die das Verbrechen so viel Reize hat, daß sie sich daran nie sättigen können; sie sind erst dann befriedigt, wenn auf das erste Vergeben weitere gefolgt sind.

»Ach, wie schön war diese Entjungferung,« sagte der Verräter zu sich, der 100 Schritte von dem Schauplatz des Verbrechens sich unter einen Baum gesetzt hatte. »Welche Unschuld und Unberührtheit! Wie mich dieses schöne Kind erregte! Wie sehr sie meine Sinne verwirrte! Ich hätte sie erwürgt, wenn sie noch fähig gewesen wäre, mir Widerstand zu leisten. Vielleicht habe ich Unrecht, daß ich ihr das Leben schenke, denn wenn sie Jemandem begegnet, wird sie mich beschuldigen. Man könnte mich erwischen. Wer weiß, wie weit die Rache eines geschändeten Mädchens gehen kann? Vorwärts, machen wir ein Ende; ob dieses elende Geschöpf in der Welt ist oder nicht, regt niemanden auf. Ich will zurückkehren!«

Aber die unglückliche Justine war vom Himmel dazu bestimmt, den ganzen dornenvollen Weg des Unglücks zurücklegen tu müssen und sollte noch nicht so jung umkommen. Saint-Florent fand sie nicht mehr vor. Er rief nach ihr und da sie ihn hörte, floh sie desto rascher. Aber lassen wir jetzt den Verbrecher seinen Weg weiter gehen; vielleicht finden wir ihn eines Tages wieder. Die Reihe der Geschehnisse erlaubt uns jetzt nicht etwas anderes, als die Abenteuer unserer interessanten Justine zu verfolgen.

»Da ist es noch, dies Ungeheuer,« sagte sie, indem sie ihre Schritte verdoppelte. »Was kann er von mir wollen? Hat er mir noch nicht genug angetan? Was bleibt ihm noch?« Und sie flüchtete ins Gesträuch, wo sie die Nacht in furchtbarer Unruhe zubrachte.

Als der Tag erwachte, gab sie sich bitteren Gedanken hin. Noch rannen ihr die Tränen aus den Augen, als unvermutet Lärm an ihre Ohren drang. »O Gott!« rief sie schaudernd aus, »vielleicht ist er es noch, der Barbar. Er will mich umbringen, ich bin verloren.« Sie verkroch sich noch tiefer in das Gestrüpp, besaß aber dabei so viel Mut, weiter zu lauschen.

Das Geräusch ging von zwei Männern aus. »Komm, mein Freund,« sagte derjenige, der der Herr zu sein schien, zu dem Knaben, der ihm nachfolgte, »komm, hier wird es wunderbar gehen. Hier wird mich nicht die Anwesenheit einer Mutter, die ich verabscheue, daran verhindern, mich an dir zu erfreuen.« Bei diesen Worten näherten sie sich Justine derart, daß ihr keines ihrer Worte und keine ihrer Bewegungen entgehen konnten. Nun zog der Herr, der 24 Jahre alt zu sein schien, dem andern, der höchstens 20 Jahre zählen mochte, die Hosen herab, kitzelte und leckte ihm das Glied und brachte es zum Stehen, worauf andere Greuel folgten. O, wie langsam verging Justine die Zeit, während welcher das Schauspiel vor sich ging, und wie peinlich war der Anblick des Verbrechens für die Tugend.

Endlich, nachdem sie zweifellos beide befriedigt waren, erhoben sie sich, um sich auf den Rückweg zu begeben. Dabei näherte sich der Herr dem Gebüsch Justines, um dort den Samen aus seinem Hintern herausfließen zu lassen, mit dem ihn der andere überschwemmt hat, und beim Aufstehen bemerkte er das Taschentuch, mit dem der Kopf Justines umhüllt war.

»Jasmin,« sagte er zu meinem Diener, »wir sind verraten, wir sind entdeckt ... Eine Frau ... ein unreines Wesen, hat unser Geheimnis belauscht. Treten wir näher; fragen wir, welchen Grund sie dafür hatte.«

Aber die zitternde Justine ließ ihnen nicht Zeit näher zu treten, Sie sprang von selbst auf und warf sich den Männern, die sie entdeckt hatten, zu Füßen. »O, meine Herren!« rief sie aus, indem sie die Hände faltete, »haben Sie gütigst Mitleid mit einer Unglücklichen, deren Schicksal beklagenswerter ist, als Sie glauben. Die Lage, in der Sie mich fanden, darf keinen Argwohn in Ihnen hervorrufen. Sie ist mehr die Folge meines Elends, als meiner Schlechtigkeit. Vermehren Sie nicht noch mein Unglück, sondern seien Sie so gut und geben Sie mir die Mittel, mich den Verfolgungen des Schicksals entziehen zu können.«

Herr v. Bressac – so hieß der junge Mann, in dessen Hände Justine gefallen war – der der Bösartigkeit und der Ausschweifung zugeneigt war, besaß keine große Dosis von Mitgefühl. Unglücklicherweise sieht man es nur zu häufig daß das Mitleid von der Wollust vertilgt wird, und ein ausschweifender Mensch ist selten ein empfindsamer Mensch.7

Aber zu dieser natürlichen Härte gesellte sich bei Bressac noch ein tiefer Abscheu vor Frauen, so daß es Justine nur schwer möglich war, ihn für die Empfindungen empfänglich zu machen, die sie in ihm zu sehen wünschte.

»Turteltaube der Wälder,« sagte Bressac zu ihr, »wenn du Leute suchst, die du betrügen willst, so bist du nicht an die richtigen gekommen. Weder mein Freund noch ich berühren Frauen. Sie flößen uns Abscheu ein und: wir fliehen vor ihnen. Wenn du Almosen verlangst, so suche dir Leute, die gute Werke vollbringen. Wir begehen nur schlechte. Aber jetzt sprich, Elende, hast du gesehen, was sich zwischen diesem jungen Mann und mir abpielte?« – »Ich habe gesehen, daß Sie im Grase miteinander plauderten,« sagte klug Justine, »nichts weiter, meine Herren, ich schwöre es Ihnen.« – »Ich will es glauben,« erwiderte Bressac, »und das ist dein Glück. Wenn du etwas anderes gesehen hättest, würdest du lebend dieses Gesträuch nicht mehr verlassen. Jasmin, wir haben noch Zeit, die Abenteuer dieses Mädchens anzuhören und wir wollen nachher sehen, was zu tun ist.«

Die jungen Leute setzten sich nieder. Justine trat näher heran und erzählte mit unschuldvoller Stimmte alle Unglücksfälle, von denen sie seit ihrer Geburt heimgesucht worden war.

»Nun, Jasmin,« sagte Bressac, indem er sich erhob, »seien wir einmal gerecht.« Themis hat dieses Geschöpf verdammt, Dulden wir nicht, daß den Absichten der Götter so zuwider gehandelt werde. Vollziehen wir an der Delinquentin das Todesurteil, das über sie gefällt wurde. Dieser kleine Mord wird, statt ein Verbrechen zu sein, nur die moralische Ordnung verbessern. Da wir hüllten Reize sein allen Verlockungen des weiblichen Geschlechtes.

Bei diesen Worten schleppten die Barbaren unter Gelächter die weinende und schreiende Unglückliche nach der Mitte des Gehölzes. »Entkleiden wir sie,« sagte Bressac, indem er alle Hüllen entfernte, ohne daß der Anblick der bei dieser Handlung enthüllten Reize sein allen Verlockungen des weiblichen Geschlechts verschlossenes Herz weicher gestimmt hätte. »Welch häßliches Geschöpf ist doch so eine Frau,« sagte er, indem er sie mit seinem Fuß auf der Erde hin und her wandte, »o, Jasmin, sieh dieses scheußliche Tier.« Dann fuhr er fort, indem er auf sie ausspie: »Sage Herzchen, würdest Du Dich jemals an solchem Tier befriedigen?« – »Nicht einmal im Hintern,« erwiderte der Diener. – »Und das nennen also die Dummköpfe ihre Gottheit, das beten die Trotteln an. Sieh doch diesen aufgeschlitzten Bauch, diese Scheide an. In diesem Tempel opfert der Unsinn. Dort ist die Werkstatt der menschlichen Fortpflanzung. Vorwärts, nur kein Mitleid. Binden wir diese Hündin an.« Im Augenblick war das arme Mädchen mit einem Strick, den diese Ungeheuer aus ihren Hals und Schnupftüchern gedreht hatten, zwischen vier Bäumen derart angebunden, daß jedes ihrer Glieder an einem Baum festgehalten war. In dieser grausamen Stellung, bei der ihr Magen ohne Stütze zur Erde hing, empfand sie so heftige Qualen, daß ihr kalter Schweiß auf die Stirne trat. Je mehr aber die Unglückliche litt, desto mehr Ergötzen schienen die jungen Männer an dem Schauspiel zu haben. Sie betrachteten mit Wollust jede ihrer Zuckungen und richteten den Grad ihrer Freude nach der mehr oder minder großen Heftigkeit der Verzerrungen in den Gesichtsmuskeln der Armen.

»Nun ist's genug,« sagte Bressac, »diesmal wollen wir es bei der Angst bewenden lassen.«

»Justine,« fuhr er fort, indem er die Fesseln löste und ihr befahl, sich wieder anzukleiden, »seien Sie verschwiegen und folgen Sie uns. Wenn Sie sich mir anschließen, werden Sie es nicht bereuen. Meine Mutter bedarf einer zweiten Dienerin. Ich werde Sie ihr vorstellen. Aber wenn, Sie mit meiner Güte Mißbrauch treiben, wenn Sie mein Vertrauen verraten oder meinen Befehlen nicht gehorchen, so sehen Sie sich erst diese vier Bäume an. Bedenken Sie, daß dies er verhängnisvolle Ort nur eine Meile weit von dem Schloß entfernt ist, in das ich Sie führe, und daß Sie bei der geringsten Verfehlung wieder hieher zurückkommen werden.«

Die plumpeste Vorspiegelung eines Glückes ist für den Unglücklichen das, was der Tau der vertrockneten Blüte ist. Justine warf sich weinend ihrem scheinbaren Wohltäter zu Füßen. Sie schwor, unterwürfig zu sein und sich gut betragen zu wollen. Allein der grausame Bressac, der für die Feude dieses armen Kindes ebenso wenig empfänglich war, wie für ihren Schmerz, sagte blos: »Wir wollen sehen« und setzte sich in Bewegung.

Jasmin und sein Herr sprachen leise zusammen, während Justine ihnen demütig und wortlos folgte. Ein Marsch von fünfviertel Stunden brachte sie nach dem Schloß der Frau von Bressac, dessen kostbare Ausstattung Justine lehrten, daß, welchen Posten immer sie hier einnehmen würde, es nur zu ihrem Vorteil gereichen könne.

Eine halbe Stunde nachdem sie angelangt waren, stellte sie der junge Mann seiner Mutter vor.

Frau von Bressac war ungefähr 45 Jahre alt, noch sehr schön und wiewohl weichherzig, so doch streng von Sitten. Sie war stolz darauf, in ihrem Leben niemals einem Fehltritt getan zu haben und verzieh auch Anderen nicht ihre Schwächen. Durch diese übertriebene Strenge fühlte sich ihr Sohn abgestoßen, der, wie wir gesehen haben, wohl Torheiten beging. Seit zwei Jahren Witwe, besaß Frau von Bressac eine jährliche Rente von 100.000 Talern, die, eines Tages mit der eigenen vom Vermögen des Vaters herstammenden vereinigt, dem Verbrecher, den wir kennen lernten, ein Jahreseinkommen von fast einer Million sicherte. Trotz so großer Aussichten gab Frau von Bressac ihrem Sohne sehr wenig Geld. Konnte ein Tachengeld von 25.000 Francs zur Bezahlung der Vergnügungen des jungen Mannes reichen? Nichts ist so teuer wie gerade seine Art von Leidenschaften. Zwar kosten die Männer weniger wie die Frauen, allein man läßt sich häufiger ficken, als man selber Nummern machen würde.

Frau von Bressac bewohnte drei Monate im Jahre das Landgut, wohin Justine kam, die übrige Zeit verbrachte sie in Paris. Von ihrem Sohne verlangte sie, daß er sie während dieser drei Monate nicht verlasse und man kann sich die Qualen eines jungen Mannes vorstellen, der seine Mutter verabscheute und jeden Augenblick als verloren betrachtete, den er fern von einer Stadt zubringen mußte, die für ihn der Mittelpunkt seiner Genüsse war.

Bressac befahl Justine, seiner Mutter von den Dingen Mitteilung zu machen, die sie ihm erzählt hatte. Sowie sie geendigt, ergriff die hochachtbare Frau das Wort: »Ihre Reinheit und Unschuld,« sagte sie, »lassen mich an Ihrer Wahrheitsliebe nicht zweifeln. Ich werde keine weiteren Erkundigungen über Sie einziehen als die, ob Sie wirklich die Tochter des Mannes sind, den Sie mir genannt haben. Ich habe Ihren Vater gekannt, und das ist für mich ein Grund mehr, mich für Sie zu interessieren. Was  die Geschichte mit der Delmouse betrifft, so nehme ich es auf mich, sie in zwei Besuchen zu ordnen, die ich dem Kanzler, einem alten Freund von mir abstatten werde. Dieses Geschöpf ist überdies ihrem Ruf nach schon längst gefallen, und ich könnte sie einsperren lassen, wenn ich wollte. Aber denken Sie gut nach, Justine,« fuhr Frau von Bressac fort, »daß das, was ich Ihnen hier verspreche, nur der Preis für eine glänzende Aufführung ist.« Justine warf sich nun ihrer Wohltäterin vor die Knie und versicherte, daß man mit ihr zufrieden sein würde, worauf sie ihre Stelle antreten konnte.

Nach einigen Tagen langten die Antworten auf die Erkundigungen ein. Man lobte Justine wegen ihrer Offenheit und bald verflüchtigten sich alle Gedanken an gewesenes Unglück aus ihrem Geist, um der süßestem Hoffnung Platz zu machen. Aber es war diesem armen Mädchen nicht bestimmt, jemals glücklich zu sein, und wenn sie es auch jetzt auf kurze Zeit war, so geschah das nur, um ihr das kommende Mißgeschick noch bitterer fühlen zu lassen.

Kaum war man nach Paris zurückgekehrt, als Frau von Bressac sich bemühte, ihrer Kammerfrau die Wege zu ebnen. Die Verleumdungen der Delmouse wurden als solche erkannt, aber man konnte ihr nichts mehr anhaben, da sie vor einigen Tagen nach Amerika, abgereist war, um eine reiche Erbschaft anzutreten.

Was die Feuersbrunst im Gefängnis betrifft, so überzeugte man sich bald, daß Justine, obwohl sie aus dem Ereignis Nutzen gezogen hatte, ihm doch vollständig ferne stand.

Man kann sich leicht vorstellen, wie alles das sie an Frau von Bressac fesselte. Jung, schwach und gefühlvoll wie sie war, öffnete Justine ihr Herz bald freudig den Gefühlen der Dankbarkeit. Da sie sich närrischerweise einbildete, daß eine Wohltat den Empfänger an den Geber binden müsse, richtete sie ihr Augenmerk nur mehr auf dieses kindische Gefühl. Es lag natürlich in der Absicht des jungen Mannes, Justine so sehr als möglich an seine Mutter zu fesseln, die er nicht leiden konnte. Aber wir müssen ihn erst näher schildern.

Bressac vereinigte mit den Reizen der Jugend eine verführerische Erscheinung. Wenn man an seinem Wuchs oder seinen Zügen Fehler hätte aussetzen können, so wären es die gewesen, daß sie sich ein wenig der Weichheit näherten, die den Frauen eigentümlich ist. Allein welche Seele steckte unter diesen weiblichen Formen. Man fand in ihr alle Laster, welche die größten Verbrecher auszeichnen. Niemals gab es jemand bösartigeren, rachsüchtigeren, grausameren, gottloseren und ausschweifenderen. Vor allem anderen haßte dieser sonderbare Mensch seine Mutter, und zwar war dieser Haß unglücklicherweise sowohl auf unerklärlichen Gefühlen als auch auf dem Interesse aufgebaut, das er an ihrem baldigen Hinscheiden haben mußte. Frau von Bressac tat alles, um ihren Sohn auf den Pfad der Tugend zurückzuführen, aber sie wendet zuviel Strenge an und der junge Mann  gab sich nur noch stürmischer seinen seltsamen Neigungen und seinem Haß hin.

»Bilden Sie sich nicht ein,« sagte Bressac eines Tages zu Justine, »daß meine Mutter aus sich selbst heraus so gut am Ihnen handelt. Glauben Sie mir, daß wenn ich sie nicht jeden Augenblicke antreiben würde, sie sich kaum an ihre Versprechungen erinnern würde. Ja, Justine, nur mir schulden Sie die Dankbarkeit, die Sie an meine Mutter verschwenden. Und ich muß Ihnen umso uneigennütziger erscheinen, als ich, wie Sie wohl wissen, nicht nach ihren Liebesbezeugungen trachte. Nein, nein, liebes Kind, ich verachte alles, was mir eine Frau geben kann, und die Dienste, die ich von Ihnen verlange, sind ganz anderer Art, und ich hoffe, daß Sie einsehen werden, daß ich ein Anrecht auf Ihre Dankbarkeit habe.«

Diese häufig wiederholten Redensarten waren Justine so unverständlich, daß Sie keine Antwort finden konnte. Um aber das Vertrauen der Leser nicht zu täuschen, müssen wir die Fehler eingestehen, die Justine beging.

So niederträchtig schlecht Bressac gegen sie vorgegangen war, war es ihr vom ersten Tage an, das sie ihn gesehen hatte, doch unmöglich, sich eines heftigen Gefühle von Zärtlichkeit zu erwehren. Das Dankbarkeitsgefühl vermehrte noch diese ungewollte Neigung in ihrem Herzen und bald verehrte die arme Justine diesen Verbrecher ebenso heftig, wie sie ihren Gott, ihre Religion und die Tugend anbetete. Sie hatte sich tausendfach Gedanken über die Grausamkeit dieses Mannes, über seine Geschmacksverwirrung, seinen Frauenhaß und über den sittlichen Abgrund, der ihn von ihr trennte, gemacht und trotzdem konnte nichts in dieser Welt diese keimende Leidenschaft ersticken. Wenn Bressac ihr Leben verlangt hätte, hätte sie es ihm ruhig gegeben. Aber Justine hatte noch niemals ein Wort laut werden lassen und der undankbare Bressac war weit davon entfernt, die Ursachen der Tränen zu erraten, die sie täglich um ihn vergoß. Trotzdem konnte er nicht umhin, zu bemerken, daß sie ihm alle seine Wünsche von den Augen ablas. Durch ihr Betragen hatte sie sich bald das volle Vertrauen des jungen Bressac erworben, so daß ar ihr feines Tages zu, sagen wagte: »Unter den jungen Männern, die sich mir hingeben, gibt es welche, die es nur aus Gefälligkeit für mich tun, Justine. Diese hätten den Anblick eines reizvollen jungen Mädchens nötig, und da ich ihren Wünschen, obwohl sie meinen Stolz verletzen, doch nachkommen will, so würde ich dabei dich jeder anderen vorziehen. Ich will von nichts wissen. Du wirst sie in meinem Kabinett vorbereiten und ich lasse sie erst in mein Zimmer, wenn sie in dem richtigen Zustand sind.« – »O, mein Herr,« erwiderte Justine unter Tränen, »wie können Sie mir solche Dinge vorschlagen? Und gar die Greuel, denen Sie sich hingeben ...« – »Ah, Justine,« unterbrach sie Bressac, »kann man jemals diese Neigung in sich töten? Wenn du ihre Reize kennen würdest! Wenn du begreifen könntest, was man bei der süßen Illusion empfindet, daß man nicht mehr wie eine Frau ist! Unfaßbare Verwirrung dies Geistes: Man verabscheut dieses Geschlecht und ahmt ihm doch nach. Ach, nein, Justine, du kannst dir nicht vorstellen, welchen wollüstigen Kitzel diese göttliche Neigung hervorruft. Man kann sich unmöglich zurückhalten. Man verliert den Verstand, es ist ein Fieber. Tausend Küsse, einer feuriger wie der andere, können uns nicht in den Rausch versetzen, in den uns ein Reiter bringt. Von seinen Armen umschlungen, ein Mund auf den andern gepreßt, sind wir in einem Zustand, daß wir wünschen, unser ganzes Wesen möge mit dem seinen bloß einen Körper bilden. Wir möchten, daß unser Reiter stärker sei wie Herkules, daß er uns hinten aufreihe. Wir möchten, daß jener kostbare, heiß in unsere Eingeweide spritzende Samen durch seine Hitze und seine Kraft den unseren auslöst. Wir sind anders wie andere Menschen geschaffen und jene reizbare Haut, die das Innere eurer niederträchtigen Scheide auskleidet, hat der Himmel uns an jenen Altären geschenkt, an denen unsere Seladone opfern. Es gibt keinen von euren Genüssen, den wir nicht auch kennen würden, aber dazu kommen noch die, die bloß wir haben. Diese wundervolle Viereinigung macht uns zu den Menschen auf der Erde, die für die Wollust am empfänglichsten sind und am ehesten dazu geschaffen sind, sie zu genießen.«

So drückte sich Herr von Bressac über seine Freuden aus. Hätte Justine versuchen sollen, ihm von der hochachtbaren Frau zu sprechen, der er das Licht der Welt verdanke und welchen Kummer ihr solche Verirrungen bereiten mußten? Sie bemerkte an dem jungen Manne nur Verachtung, üble Laune und Ungeduld, so lange in diesen Händen Reichtümer zu sehen, die, wenn es nach ihm gegangen wäre, schon in seinem Besitz hätten sein müssen. Sie sah an ihm nur mehr grenzenlosen Haß gegen diese so tugendhafte und anständige Frau.

Manchmal versuchte es Justine mit religiöser Hilfe. Sie trachtete, ihre Illusionen in die Seele dieses perversen jungen Mannes einzupflanzen. Aber Bressac, der ein erklärter Feind der religiösen Mysterien war, bemühte sich bald, statt sich dem Glauben Justines zu unterwerfen, sie dem seinigen zu gewinnen. Er schätzte den Geist dieses jungen Mädchens so weit, daß er danach trachtete, sie durch die Philosophie zu erleuchten. Vorerst mußte er aber in ihr alle Vorurteile ertöten und er begann mit folgenden Worten:

»Alle Religionen, Justine, gehen von einem falschen Grundsatz aus: Alle nehmen einen Schöpfer als notwendig an, dessen Existenz unmöglich ist. Erinnere dich doch an die vernünftigen Erklärungen dieses gewissen Eisenherz, der, wie du erzähltest, gleich mir deinen Geist bearbeitet hat. Das war ein sehr geistvoller Mann und die Erniedrigung, in der zu leben ihn die menschliche Dummheit zwingt, enthebt ihn nicht der Fähigkeit, richtig zu denken.

Wenn alle Erzeugnisse der Natur nur Folgen der in ihr liegenden Gesetzen sind, wenn die Bewegung in ihr selbst liegt, was wird dann aus dem hoheitsvollen Herrscher, an den die Dummköpfe glauben? So ungefähr sprach dein kluger Lehrer zu dir. Was aber sind die Religionen anderes als Fesseln, mit denen der Stärkere den Schwächeren binden will? In dieser Absicht nur wagte der Stärkere zu behaupten, daß ein Gott die Ketten geschmiedet habe, die seine Grausamkeit selbst erfand. Und der Unglückliche glaubte ohne nachzudenken alles, was der andere wollte. Können aber Religionen, die aus solchen Betrügereien hervorgegangen sind, Achtung verdienen? Was sehe ich in allem? Mysterien, die den gesunden Verstand schaudern machen, Dogmen, die die Natur beleidigen, groteske Zeremonien, die nur Abscheu erregen können. Aber wenn zwei Religionen unsere besondere Verachtung verdienen, so sind es die beiden, die sich auf den stumpfsinnigen Romanen, Altes und Neues Testament genannt, aufbauen. Sehen wir uns aber einmal diese lächerliche Anhäufung von Lügen und Frechheiten näher an. Ich werde dir Fragen stellen und du sollst sie beantworten, wenn du kannst.

Vorerst: Wie soll ich mich dazu stellen, daß die Juden, die während der Inquisition zu Tausenden verbrannt wurden, durch vier Jahrtausende hindurch die Lieblinge Gottes waren? Wie konnte ihr grausamer und lächerlicher Gott so ungerecht sein und der ganzen Welt eine kleine Horde von Juden vorziehen, um bald darauf wieder dieses Lieblingsvolk im Stiche zu lassen, um sich einer noch viel kleineren und elenderen Kaste anzunehmen?

Warum hat dieser Gott früher so viele Wunder getan und warum will er keine mehr für uns tun, obwohl wir doch jetzt jenes Volk ersetzen, für das« er ehemals so entzückt getan hat?

Ist Gott nicht ein frecher Ignorant, wenn er sagt, Moses habe seine Schriften in der Wüste jenseits des Jordans niedergeschrieben; denn Moses hat niemals den Jordan überschritten.

Wie kommt es, daß sich in einem vom Ihrem Gott diktierten Buch Namen von Städten finden, die niemals existierten, Vorschriften, für Könige, die den Juden ein Greuel waren und die noch gar nicht über sie herrschten ... Kurz, ein Ameisenhaufen von Widersprüchen? Ihr Gott ist also gleichzeitig ein Dummkopf und ein launischer Geist. Ich würde statt einer solchen traurigen Gestalt lieber vorziehen, gar keinen zu haben.

Wie fassen Sie die burleske Geschichte von der Rippe Adams auf? Ist sie direkt oder symbolisch zu nehmen? Wie schuf Gott das Licht vor der Sonne? Wie schied er das Licht von der Finsternis, da doch Finsternis nichts anderes als Entziehung des Lichtes ist? Wie wurde das Firmament inmitten der Waser geschaffen, da es doch gar kein Firmament gibt?8

Ist es nicht klar, daß Ihr alberner Gott ein ebenso schlechter Physiker, wie schlechter Geograph und lächerlicher Geschichtsschreiber ist?

Wollen Sie einen weiteren Beweis seiner Dummheit? Was ist das für ein lächerliches Verbot, eine Frucht nicht essen zu dürfen, die in einem Garten wächst, der einem ganz zur Verfügung gestellt ist? Es liegt viel Bösartigkeit in solchem Verbot, denn Gott wußte wohl, daß der Mensch unterliegen würde: Das Ganze war also bloß eine Falle, die er ihm stellte. Welch scheußlicher Schuft ist doch Ihr Gott! Ich sah in immer bloß als Dummkopf an, aber bei näherer Betrachtung wird er zu einem großen Verbrecher.

Warum will dieses Original plötzlich nicht mehr, daß man die Luft in seinem Garten atme und warum setzt er vor das Tor einen Ochsen9 mit dem Flammenschwert in der Hand?

Gibt es etwas Alberneres und Lächerliches als diese Anekdotensammlung?

Wie wollen Sie mir die Geschichte mit den Engeln erklären, die die Töchter der Menschen küssen und Riesen erzeugen? Was sagen Sie zu der Sintflut, die, wenn sie wie Gott sagt, nur 40 Tage dauerte, höchstens 18 Zoll Wasser über der Erde hätte ansammeln können? Wie wollen Sie mir die Wasserstürze des Himmels, wie erklären, daß Tiere aus allen vier Himmelsrichtungen kamen, um dann in einen Koffer eingesperrt zu werden, wo nach den Beschreibungen der Bibel alles Platz fände, nur nicht die ganze Menagerie des Herrn? Und wie konnte die Familie Noahs, die nur aus acht Personen bestand, alle diese Geschöpfe nähren und pflegen? O, mächtiger Gott der Juden! Ich bin überzeugt, daß unter all diesen Tieren keines dümmer war wie du.

Und der Turm von Babel wie wollen Sie den rechtfertigen? Er war zweifellos höher wie die Pyramiden Egyptens, da doch Gott diese Pyramiden fortbestehen ließ.

Und der gute Abraham, der im Alter von 135 Jahren Sarah für seine Schwester ausgibt, aus Angst, man könnte sie vergewaltigen, erfreut Sie das nicht?

Was mir wieder unendlichen Spaß macht, ist die hübsche Geschichte von den Sodomitern, die die Engel im Hintern ficken wollen und dem guten Loth, der lieber seine Töchter von hinten bearbeitet sehen möchte, was aber offenbar den Kennern vom Asphaltsee nicht genügte.

Aber die Frage, die Sie zweifellos auf der Stelle beantworten werden können, ist die, wieso die Salzsäule in die Loths Frau verwandelt wurde, so lange dem Regen widerstehen konnte?

Wie wollen Sie das Glück rechtfertigen, das Jakob genießt, der seinen Vater Isaak täuschte und seinen Schwiegervater Laban bestahl? Wie erklären Sie die Gotteserscheinung auf der Leiter und den Zweikampf Jakobs mit einem Engel? O, wie das hübsch, wie das interessant ist!

Aber sagen Sie mir, was Sie von dem kleinen Rechenfehler von 195 Jahren halten, den man findet, wenn man den Aufenthalt der Juden in Aegyptan nachprüft? Wie erklären Sie das Baden der Tochter Pharaos im Nil, in dem wegen der Krokodile niemals jemand badet?

Wie kommt es, daß Moses, der die Tochter eines Götzenanbeters heiratete, von Gott, der keine Heiden leiden mochte, doch zu seinem Propheten erwählt wurde? Wieso taten die Magier des Pharao dieselben Wunder wie Moses? Warum flüchtete Moses mit seinem Volk, da er doch von Gott geführt wurde und sich an der Spitze von 630.000 Streitern befand, statt sich Egyptens zu bemächtigen, dessen Erstgeborene alle durch die Hand Gottes umgekommen waren? Wieso verfolgte die Reiterei Pharaos dieses Volk in einem Land, in dem sich eine Reiterei überhaupt nicht bewegen konnte? Wie konnte übrigens Pharao eine Reiterei haben, da Gott bei der fünften Plage gestreicherweise alle Pferde hatte umkommen lassen.

Wie konnte ein goldenes Kalb in acht Tagen geformt werden? Und wie verbrannte Moses dieses goldene Kalb zu Asche?

Und wie denken Sie über die Gerechtigkeit Gottes, der wegen eines einzigen Mannes, der mit einem Mädchen aus Mediam geschlafen hat, 24.000 Menschen töten läßt? Waren diese Hebräer, die man uns als grausame Leute schildert, nicht doch sehr gutmütig, daß sie sich das gefallen ließen?

Aber erst, wenn er Gesetzgeber spielt, dann wird Ihr erhabener Gott geistvoll. Gibt es etwas klügeres und wichtigeres, als daß er den Männern befiehlt, nicht mit Frauen zu schlafen, wenn diese die Regeln haben und daß er, wenn es doch geschieht, die Todesstrafe darauf gesetzt hat? Als daß er die Art, wie man sich den Arsch auswischen und waschen muß, genau beschreibt? In der Tat, das alles ist von höchster Wichtigkeit und man liebt leicht ein ewiges Wesen, das so schöne Sachen vorschreibt.

Wie wollen Sie die Notwendigkeit eines Wunders beweisen, wenn man den Jordan überschreiten will, der höchstens vierzig Fuß breit ist?

Wie wollen Sie beweisen, daß gerade die Mauern von Jericho nur durch den Ton der Trompeten einstürzten?

Wie wollen Sie die Handlung der Hure Rahab entschuldigen, die ihre Vaterstadt Jericho verriet? Wozu war dieser Verrat nötig, da es bloß eines schwachen Trompetenstoßes bedurfte, um in den Besitz der Stadt zu gelangen?

Warum muß gerade aus den Lenden dieser Hure Rahab Gottes geliebter Sohn entstehen? Wie wollen Sie entschuldigen, daß Josua einunddreißig Personen hängen läßt, nur weil er nach ihrem Vermögen trachtete?

Wie beurteilen Sie die Schlacht Josuas gegen die Amorrhiter, während welcher Gott, der gütige Herr, durch fünf Stunden hindurch Felsblöcke auf die Feinde des jüdischen Volkes regnen läßt?

Wie können Sie, bei Ihren Kenntnissen von dem Lauf der Gestirne den Befehl Josuas begreifen, die Sonne möge stillstehen, während doch gerade die Sonne still steht und die Erde sich bewegt? Ah! Ich weiß, Sie werden mir antworten, daß Gott noch nicht wußte, daß wir solche Fortschritte in der Astronomie machen würden. Ihr Gott ist ein großer Geist!

Was halten Sie von Jephta, der seine Tochter schlachtet und 42.000 Juden hinrichten läßt, bloß weil ihre Zunge das Wort Schiloleth nicht aussprechen kann?

Warum wird in Ihrem Neuen Testament das Dogma von der Hölle und der Unsterblichkeit der Seele aufgestellt, während das Alte, an das doch das Neue anschließt, nichts von diesem ekelhaften Unsinn weiß?

Wie wollen Sie die Unsittlichkeit jener hübschen kleinen Erzählung von dem Leviter mildern, der auf seinem Esel nach Gaba kommt und den die Bewohner dieser Stadt im Hintern ficken wollen? Der arme Teufel läßt seine Frau im Stich, um sich aus der Verlegenheit zu ziehen und die Arme stirbt unter den sodomitischen Angriffen. Ich bitte, sagen Sie mir, wozu nützen derartige Niedlichkeiten in einem vom Geist Gottes geleiteten Buche?

Sie müssen mir auch erklären, wieso es möglich ist, daß Simson in seinem Lande, das keinen Wald besitzt, die Getreidefelder der Philister durch Fackeln entzündete, die er an die Schwänze von 300 Füchsen band; da doch Füchse gewöhnlich im Walde wohnen. Dann, wieso er 1000 Philister mit einer Eselskinnbacke erschlagen konnte und wieso aus einem dieser Zähne ein Strahl Wassers entspringen konnte? Sie werden zugestehen, daß man selbst ein wenig Eselskinnbacke sein muß, um ein solchem Märchen zu erfinden oder daran zu glauben.

Dieselbe Aufklärung erbitte ich mir von Ihnen über den wackeren Tobias, der mit offenen Augen schlief und durch den Kot einer Taube erblindete und auch ferner über den Engel, der eigens aus dem Himmelreich herabstieg, um mit Tobias Geld holen zu gehen, das der Jude Gabel dem Vater des Tobias schuldete. Diese Geschichten sind wirklich merkwürdig. Außer dem Märchen vom kleinen Däumling kenne ich nichts Hübscheres.

Nicht ohne Ihre Hilfe aber kann ich mir den heiligen Text erklären, der besagt, daß Judith von Simeon, dem Sohne das Ruben, abstamme, obgleich mach derselben heiligen Schrift Simeon der Bruder Rubens war. Und die heilige Schrift kann doch nicht lügen?

Ich liebe Esther und ich finde es von Aßnerus sehr vernünftig, eine Jüdin zu heiraten und sechs Wochen mit ihr zu schlafen, ohne zu wissen, wer sie ist.

Auch Ihr David macht mir Kummer. Ich sehe mit Aerger in einen solchen Verbrecher einen Ahnherrn Ihres Jesu. Es ist hart für ein Wesen, das sich Gott nennt, seinen Ursprung von einem Mörder, Ehebrecher, Frauenräuber, Syphilitiker und Betrüger, mit einem Wort, von einem Manne herzuleiten, der, wenn ihn unsere europäischen Gesetze erreicht hätten, zwanzigmal gerädert worden wäre.

Wie wollen Sie, bitte, die prachtvollen Versprechungen der jüdischen Propheten mit der dauernden Sklaverei in Einklang bringen, in der dieses unglückliche Volk bald unter den Phöniziern, bald unter den Babyloniern, unter den Persern, Syriern, den Römern usw. schmachtete?

Ihren Ezechiel halte ich entweder für ein großes Schwein oder für einen sehr wollüstigen Menschen, wenn er Kot ißt. Und es ärgert mich, wenn er einem jungen Mädchen sagt: »Als deine Brüste sich bildeten, habe ich mich auf dich gelegt, ich habe deine Nacktheit bedeckt und ich habe dir schöne Dinge geschenkt. Aber du hast dir ein Freudenhaus gebaut, du hast dich auf öffentlichen Plätzen geschändet. Du hast mit Eifer gewünscht, mit denen zu schlafen, die Eselsglieder haben und die Samen ausspritzen wie Pferde.« O, schamhafte Justine, kann man ein solches Buch ein heiliges nennen und es jungen Mädchen in die Hand geben?

Ist die Geschichte Ihres Jonas, der drei Tage im Bauche eines Walfisches zubrachte, nicht widerlich und ist sie nicht eine deutliche Nachbildung nach der Erzählung von Herkules, der von ebensolchem Tiere verschlungen wurde, dann aber, geschickter wie Jonas, die Leber des Walfisches aß?

Aber beim Neuen Testament werden mir Ihre Erklärungen notwendiger sein, Man sagt mir, daß Matthias dem Josef Jakob zum Vater gibt, während Lukas ihn als Sohn des Elias hinstellt. Man wird mich fragen, wieso der eine sechsundfünfzig und andere nur zweiundvierzig Generationen aufzählt. Wozu dient übrigens dieser Stammbaum für Josef, welcher doch gar nicht der Vater Jesu war? Sind Sie der Ansicht, des heil. Ambrosius, der sagt, der Engel habe Maria ein Kind durch das Ohr gemacht (Maria per aurem impraegnata est), oder des Jesuiten Sanchés, der behauptet, daß sie entlud, während der Engel sie fickte?

Wenn ich nach Matthäus von der Flucht nach Egypten sprechen wollte, würde man mir entgegnen, daß diese Flucht ein Roman ist, von dem keiner der anderen Evangelisten spricht. Und wenn ich nun zugebe, daß die heilige Familie in Judäa blieb, wird man behaupten, daß sie in Egypten war.

Und glauben Sie, daß die Astronomen nicht über mich spotten werden, wenn ich ihnen von dem Stern erzähle, der die drei Könige in einen Stall leitete? Es ist ärgerlich, daß kein Geschichtsschreiber dem angeblichen Kindermord zu Hilfe kommt. Es wäre im Interesse der Menschlichkeit sehr zu wünschen, wenn die Massenmorde der Bartholomäusnacht, von Merindol, Cabrières usw. ebensowenig beglaubigt wären.

Aber was ich hoffe, von Ihnen aufgeklärt zu sehen, ist die entzückende Geschichte, in der der Teufel Gott entführt und ihn auf einem Berge absetzt, von dem aus man die ganze Erde sehen konnte. Der Teufel, der Gott alle Reichtümer verspricht, falls er ihn anbeten wolle, wird viele anständige Leute ärgern, weshalb ich für ihn ein Wort der Empfehlung erbitte.

Wenn Sie heiraten werden, Justine, werden Sie mir erzählen, wie Gott, der auch bei einer Hochzeit teilnahm, sich dabei benahm. Wasser in Wein zu verwandeln und das zu gunsten von Leuten, die schon betrunken waren.

Wenn Sie Ende Juli Feigen zum Frühstück essen werden, werden Sie die Güte haben, mir zu sagen, weshalb Gott, der auch Hunger hatte, im Monat März Feigen suchte, wenn das nicht die Zeit der Feigen ist.

Dann müßte ich beispielsweise erwähnen, daß Gott wegen der Erbsünde ans Kreuz geschlagen wurde. Man wird mir aber antworten, daß weder im Alten noch im Neuen Testament jemals die Rede von einer Erbsünde war und daß bloß gesagt wird, Adam müsse an dem Tag sterben, da er von dem Baume der Erkenntnis essen würde, und er trotzdem nicht starb.

Und ich fürchte, daß man mich für verrückt hält, wenn ich behaupte, daß Gott wegen eines 4000 Jahre vor seinem Tode gegessenen Apfels ans Kreuz geschlagen wurde.

Soll ich mit Lukas sagen, daß Jesus in dem kleinen Dorfe Bethaniens gen Himmel fuhr oder mit Matthäus, daß es aus Galiläa geschah? Oder soll ich gar die Meinung eines Gelehrten teilen, der zur allgemeinen Beruhigung behauptet, Gott habe einen Fuß in Galiläa und den anderen in Bethanien gehabt?

Sagen Sie mir, warum Jesus nicht sieben Sakramente aufgestellt hat und Ihre Religion; doch deren sieben aufzählt? Weshalb Sie die Dreieinigkeit anbeten und Jesus doch niemals von dieser Dreieinigkeit gesprochen hat. Mit einem Wort, weshalb Ihr so mächtiger Gott uns doch nicht über alle diese für unser Heil wichtige Wahrheiten aufklären konnte?

Aber lassen wir einmal alles beiseite, was man von Ihrem Christus spricht und beurteilen wir ihn einmal nur nach seinen eigenen Worten und seinen eigenen Handlungen. Wie, frage ich Sie, können vernünftige Menschen den dunklen Worten und geschickt vorgetäuschten Wundern des ekelhaften Gründers dieses Gottesdienstes Glauben entgegenbringen? Gab es jemals einen Spiegelfechter, der mehr den öffentlichen Unwillen herausgefordert hätte? Durch Kunstkniffe, Zauberstückchen und Kalauer10 kündet sich der Abgesandte Gottes der Welt an. In der hochachtbaren Gesellschaft von Gauklern, Handwerkern und Freudenmädchen erzählt er von seiner Macht.

Indem er mit dem einen trinkt und mit dem andern fickt, unterwirft der Sohn Gottes, der selbst Gott ist, verhärtete Sünder seinem Gebot. Jedoch hat er Erfolg, wie immer er es anstellt. Flache Tölpel schließen sich dem Schuft an und bilden eine Sekte. Die Glaubenssätze dieses Schweinehundes verlocken einige Juden. Als Sklaven römischer Macht waren sie froh, eine Religion zu finden, die sie von den politischen Ketten befreiten und sie nur in religiöse zwang. Man errät ihre Absichten und sie werden verhaftet. Ihr Führer kommt auf eine im Verhältnis zu seinem Verbrechen sehr milde Art um, aber man begeht einen unverzeihlichen Fehler und läßt die Jungen dieses Schädlings frei laufen, statt sie auch aufzuhängen. Nun ergreift der Fanatismus die Geister. Frauen schreien, Narren streiten, die Dummköpfe glauben. Und so wird das niederträchtigste aller Wesen, der ungeschickteste aller Gauner, der plumpste Betrüger, den es je gab zum Gott, zum wahren, dem Vater gleichgestellten Sohn Gottes. Der Schoß seines sagenhafen Papas öffnet sich, um ihn zu empfangen. Und dieser Schöpfer, dar ehemals allein war, wird nun dreigestaltig. Alles nur, um seinem würdigen Sohn einen Gefallen zu tun. Aber nicht einmal dabei läßt es dieser heilige Gott bewenden. Auf den Wunsch eines Priesters, das heißt eines lügnerischen und verbrecherischen Schuftes, läßt sich dieser große Gott, der Schöpfer des Weltalls, zehn- oder zwölfmillionenmal an einem Morgen in ein Stück Oblate nieder. Und alles das, nur um seinen lieben Sohn zufriedenzustellen, der diese Gottlosigkeit zum erstenmal bei einem armseligen Abendmahl beging. Er sagte es und so muß es wohl auch sein. Er sprach: Dies Brot, das Ihr sehet, wird mein Fleisch sein und Ihr werdet es als solches verdauen. Nun: Ich bin Gott, so wird also Gott von euch verdaut werden. Folglich wird sich der Schöpfer des Himmels und der Erde in Kot verwandeln, weil ich es gesagt habe. Und man wird seinen Gott essen und entleeren, weil Gott gut ist und allmächtig.

Schließlich gelangt diese niederträchtige Religion auf den Thron. Und ein schwacher, grausamer, unwissender und fanatischer Herrscher beschmutzt mit ihr die beiden Enden der Erde. O, Justine! Welchen Wert haben derartige Gründe für einen urteilenden und philosophisch geübten Geist! Kann der Kluge in diesem Durcheinander von abscheulichen Märchen etwas anderes sehen als eine bewußte Täuschung etlicher Menschen und eine falsche Vertrauensseligkeit der weitaus größeren Anzahl? Wenn Gott gewollt hätte, daß wir seine Religion annehmen und wenn er wirklich allmächtig gewesen wäre, hätte er uns dann seine Gesetze auf so unsinnige Art und Weise mitgeteilt? Hätte er uns dann durch einen verächtlichen Banditen gezeigt, wie wir ihm dienen müssen? Er möge eines Tages, im Mittelpunkt der Sonne mit Flammenschrift das Gesetz aufschreiben, das er wünscht und das er uns geben will: Von einem Ende des Weltalls bis zum anderen würden die Menschen es gleichzeitig lesen können und nun würden sie sich schuldig machen, wenn sie es nicht befolgen würden. Für ihren Unglauben gäbe es keine Entschuldigung mehr. Aber seine Wünsche in einem unbekannten Winkel Asiens laut werden lassen! Als Zuhörer sich das betrügerischeste Volk, als Verkünder sich den unsinnigsten Spitzbuben aussuchen; die Lehre so gut verschleiern, daß man sie nicht verstehen kann; sie nur einigen wenigen Wesen mitteilen und die anderen in Unkenntnis lassen und sie dann nach dafür bestrafen, nein, Justine, das sind unsinnige Grausamkeiten, die nicht danach angetan sind, daß sie uns leiten könnten. Ich möchte tausendmal lieber sterben, als an solche Dinge zu glauben. Es gibt keinen Gott und es gab niemals einen. Nur in den Köpfen von Narren lebte dieses Wahngebilde. Aber – werden Sie mir entgegnen – die Natur ist unfaßbar ohne einen Gott. Nun, dann forschen Sie wie Fénelon nach den winzigsten Teilen im Körper eines Menschen. Schwingen Sie sich in die Lüfte, um den Lauf der Gestirne zu bewundern. Begeistern Sie sich vor Schmetterlingen, Insekten und Polypen, im denen Sie die Größe Gottes zu finden glauben. Aber alle diese Dinger werden, so viel sie auch sagen mögen, niemals die Existenz dieses eingebildeten Wesens beweisen. Sie werden nur beweisen, daß Sie nicht den nötigen Begriff von der ungeheuren Mannigfaltigkeit der Materie und von den Wirkungen der verschiedenen Kombinationen haben können. Sie werden beweisen, daß Sie gar nicht wissen, was die Natur ist, daß Sie keine Ahnung von ihren Kräften haben, wenn Sie sie für unfähig halten, eine Menge von Formen und Wesen zu erzeugen, von denen Ihre Augen, selbst wenn sie mit dem Mikroskop bewaffnet sind, nur den allerkleinsten Teil sehen können.

Man sagt uns würdevoll, daß keine Wirkung ohne Ursache ist, und man wiederholt uns jeden Augenblick, daß die Welt nicht von selbst entstanden ist. Aber das Weltall ist eine Ursache, es ist keine Wirkung, kein Werk: Es ist nicht geschaffen worden, es war immer so, wie wir es sehen. Seine Existenz ist notwendig. Es hat seine Ursache in sich selbst. Die Natur, deren Zweck es ist, zu schaffen und zu erzeugen, bedarf nicht eines unsichtbaren Bewegers. Die Materie bewegt sich kraft ihrer eigenen Energie durch Verschiedenheit der Bewegung oder der Aeußerungen beruht die Verschiedenheit der Materie. Wir unterscheiden Dinge nur durch den Gegensatz. Wie? Sie sehen, daß alles in der Natur in Bewegung ist und Sie wollen glauben, daß die Natur ohne Energie ist? Sie sind so blöd zu glauben, daß dieses All, dessen Wesen es ist, sich zu bewegen, eines Bewegers bedarf? Ueberzeugen Sie sich von dem Gegenteil, daß sich die Materie aus sich selbst bewegt. Kehren Sie von einer eingebildeten Welt in die Wirklichkeit zurück! O, Justine! Wie ich diese Gottesidee verabscheue und hasse! Wenn der Atheismus Märtyrer verlangen wollte, er fände mich mit meinem Blut bereit, zu sterben.

Sagen Ihnen aber Dummköpfe, daß die Moral verloren geht, wenn es keine Religion mehr gibt, dann fragen Sie sie, wozu der Mensch die Moral benötigt, um zufrieden auf der Erde leben zu können. Ich kenne nur eine Moral, und das ist die, sein Glück durchzusetzen und koste es jeden Preis. Die Natur, die uns einsam gebar, befiehlt uns in keiner Weise, unseren Nächsten zu schonen. Wenn wir es doch tun, so geschieht es aus Schlauheit oder besser gesagt, aus Egoismus. Wir fügen den anderen nichts zu, weil wir nicht wollen, daß man uns etwas zufügt. Aber derjenige, der genug stark ist, um nicht eine Vergeltung befürchten zu müssen, wird ruhig Böses tun, weil es keine stärkere Neigung im Menschen gibt als die, zu schaden und zu unterjochen. Diese Regung liegt von Natur aus in uns und nur die Notwendigkeit des gemeinschaftlichen Lebens mildert sie. Aber dieser Zwang, den uns die Zivilisation auferlegt, hindert nicht, daß der Mensch auch weiterhin sein größtes Vergnügen darin findet, alle Gesetze zu übertreten. Ich frage Sie nun, ist es nicht lächerlich, wenn man von uns fordert, die anderen Menschen ebenso zu lieben wie uns selbst? Und erkennt man nicht an der Lächerlichkeit dieses Tauschgeschäftes die ganze Schwäche eines armseligen Gesetzgebers? Was geht mich denn das Schicksal meiner Nächsten an, wenn ich nur vergnügt bin! Was habe ich mit so einem Wesen anderes gemeinsam als die äußere Form? Wenn Sie das Moral nennen, Justine, dann ist Ihre Moral sehr lächerlich, und ich kann mit ihr nur das gleiche tun wie mit Ihrer Religion: sie verachten. Es gibt nur einen vernünftigen Grund, der einen Menschen bestimmen könnte, seine Neigungen und Liebhabereien zu verleugnen: seine Schwäche. Er wird es niemals tun, wenn er der Stärkere ist; woraus ich schließe, daß jedesmal, wenn die Natur meinem Nebenmenschen mehr Macht gegeben hat wie mir, er gut daran tut, mich seinen Neigungen zum Opfer zu bringen. Ebenso wie er sicher sein kann, daß ich ihn nicht schonen würde, wenn ich die Uebermacht hätte. Ich kenne die ganze Tragweite dieses Gedankenganges; aber wenn die Menschen wirklich vernünftig sind, gehorchen sie bloß der Natur und legen ihren Handlungen keine anderen Schranken auf, als ihre Wünsche, ihren Willen und ihre Leidenschaften. Was man Tugend nennt, ist ein Wahngebilde für mich. Dieser unbestimmte, haltlose Begriff, der mit dem Klima sich ändert, erweckt in mir keinen einzigen großen Gedanken. Die Tugend eines Volkes wird immer nur das Werk eines Landstriches oder seines Gesetzgebers sein. Die Tugend des richtig denkenden Menschen ist die, jeden möglichen Wunsch zu befriedigen. Nichts ist in meinen Augen ein Verbrechen, weil es keine Handlung gibt, die nicht von Ihnen als verbrecherisch bezeichnet wird und die doch einmal irgendwo hochgeschätzt wurde. Sowie eine Handlung aber nicht durchwegs als Verbrechen betrachtet wird, so wird schließlich das Verbrechen überhaupt zu einer wertlosen geographischen Frage. »O, Justine! Meine einzige Moral besteht darin, alles zu tun, was mir gefällt und meinen Wünschen keine Schranken zu setzen. Meine Tugenden sind bei Ihnen Laster, und meine Verbrechen sind bei Ihnen gute Taten; was Ihnen rechtschaffen erscheint, ist in meinen Augen abscheulich, Ihre guten Werke stoßen mich ab und Ihre Tugend ist mir ein Greuel; und daß ich noch nicht so weit halte wie Eisenherz, der die Leute auf der Landstraße ermordet, hat nicht seinen Grund darin, daß ich nicht schon oft den Wunsch danach empfunden hätte, sondern darin, daß ich reich bin, Justine, und daß ich mindestens ebensoviel Böses tun kann, ohne mir so viel Mühe zu geben oder mich solchen Gefahren auszusetzen«.

Justine konnte sich solchen Beweisgründen gegenüber nur schlecht behaupten, und ihre Tränen rannen reichlich. Die Tränen sind der Trost des Schwachen, wenn ihm das Trugbild entzogen wird, das ihn stützte. Er wagt es vor den Augen des zerstörenden Philosophen nicht wieder aufzubauen, aber er trauert darum. Die Leere erschreckt ihn und da er die süßen Freuden des Despotismus nicht genießen kann, so schaudert er über die Sklavenrolle, die ihm die zügellose Tyrannei des Stärkeren auferlegt.

Bressac wendete bei seinem Versuch, Justine sittlich zu verderben, jeden Tag fast dieselben Waffen an. Aber er konnte nicht recht ans Ziel kommen, denn die Arme hielt schon aus Notwendigkeitsgründen an der Tugend fest.

Der klugen und gottesfürchtigen Frau v. Bressac war es nicht unbekannt, daß ihr Sohn durch ein unzerstörbares philosophisches Gebäude alle Laster rechtfertigte, denen er sich hingab. Sie vergoß darüber viele bittere Tränen in den Armen Justines, und da sie bei ihr Verstand, und Mitgefühl fand, vertraute sie ihr gern ihren ganzen Kummer an.

Jedoch die Uebeltaten ihres Sohnes überschritten beinahe jede Grenze. Nicht nur, daß er seine Mutter mit all den Flegeln umgeben hatte, die seinen Vergnügungen dienten, er trieb die Frechheit sogar so weit, der verehrungswürdigen Frau zu erklären, daß, sollte sie sich noch einmal seinen Neigungen widersetzen, er sie mit ihren eigenen Augen von den Reizen dieses Liebesgenusses überzeugen wolle.

Wir haben uns ein Gesetz daraus gemacht, alles wahrhaftig und genau zu beschreiben, und dieses Gesetz lastet nun schwer auf unserem Gemüt. Aber wir haben versprochen, bei der Wahrheit zu bleiben und jede Verschleierung wäre eine Beleidigung unserer Leser, deren Wertschätzung uns wertvoller ist, als alle Vorurteile der Schicklichkeit.

Frau von Bressac hatte die Gewohnheit, alljährlich die Osterfeiertage auf ihrem Landgut zu verbringen; erstens weil es dort ruhiger war, und zweitens, weil der Pfarrer dieses Dorfes ihrer sanften und vielleicht ein wenig eingeschüchterten Seele besser zusagte. Diesmal nahm sie nur 2 oder 3 Diener und Justine auf die Reise mit, während ihr Sohn, der sich nicht langweilen wollte, ungefähr dieselbe Dienerschaft wie bei allen anderen Reisen mitbrachte: Kammerdiener, Lakaien, Läufer, Sekretäre, Jockeys mit einem Worte, alles, was sonst seinem Vergnügen diente. Das erregte den Unwillen. Frau von Bressacs und sie wagte es, ihrem Sohne vorzuhalten, daß es für einen Aufenthalt von acht Tagen nicht lohne, soviel Leute mitzunehmen. Als der junge Mann diese vernünftigen Einwände in den Wind schlug, gebrauchte sie ihm gegenüber einen befehlenden Ton. »Höre,« sagte Bressac nachher zu Justine, die nur widerstrebend die Befehle ihrer Gebieterin übermittelte, »sage meiner Mutter, daß der Ton, in dem sie mit mir spricht, mir mißfällt. Es ist Zeit, daß ich ihr einen anderen angewöhne, trotz der guten Werke und der frommen Beschäftigung, der sie sich heute vormittags in deiner Gegenwart gewidmet hat. Denn ich weiß wohl, daß, trotzdem ich dich von der Lächerlichkeit der christlichen Religion überzeugt habe, du doch täglich deine Andacht verrichtest! Trotz alledem will ich ihr sofort vor deinen Augen eine kleine Lektion erteilen, aus der sie hoffentlich Nutzen ziehen wird.« – »O, mein Herr ...« – »Gehorche und gewönne dir an, niemals zu widersprechen, wenn ich dir Befehle erteile.«

Das Schloßtor wurde zugesperrt und zwei außen stehende Wachen hatten Befehl, jedem, der Einlaß verlangte, zu sagen, die gnädige Frau sei soeben nach Paris zurückgekehrt. Nun stieg Bressac mit seinem getreuen Jasmin und einem anderen, Josef genannten Diener, der schön wie ein Engel, frech wie ein Henker und kräftig wie Herkules war, zu den Gemächern seiner Mutter hinauf. »Madame,« sagte er beim Eintreten zu ihr, »ich muß endlich mein gegebenes Wort halten und sie selbst von dem unglaublichen Vergnügen überzeugen, das ich empfinde, wenn ich Arschfickerei betreibe. Hoffentlich werden Sie sich dann nicht mehr meiner Vorliebe widersetzen!« – »Wahrhaftig, mein Sohn ...« – »Schweigen Sie, Madame, bilden Sie sich nicht ein, daß Ihre Eigenschaft als Mutter Ihnen auch nur das geringste Recht über mich gibt. Für mich bezeichnet dieser Titel nur, daß Sie sich ficken ließen, um mich in die Welt zu setzen. Sie werden sehen, um was es sich handelt, Madame. Ich bin überzeugt, wenn Sie einmal über meine Genüsse urteilen können, werden Sie sie achten und sie zu reizvoll finden, um zu wagen, sie mir zu verbieten. Durchdrungen von Ihrer Ungerechtigkeit werden Sie dann, hoffentlich, meine süßen Leidenschaften Ihren lächerlichen Befehlen vorziehen.«

Bei diesen Worten schloß Bressac Türen und Fenster. Dann näherte er sich dem Bette, auf das sich seine Mutter hingelegt hatte, um einen Augenblick lang von den religiösen Anstrengungen des Vormittags auszuruhen, befahl Josef, sie festzuhalten und ließ sich dann in ihrer unmittelbaren Nähe von Jasmin in den Hintern ficken. »Beobachten Sie genau, Madame,« sagte der Verbrecher, »in welche Verzückung mich die kräftigten Stöße meines Reiters versetzen. Sehen Sie mein Glied an, wie es mir steht. Warten Sie, gleich wird es von Josef gekitzelt werden, der ja eine Hand frei hat und dann wird der Same auf ihre fleischigen Schenkel spritzen. Sie werden von meinem Samen überschwemmt werden, Madame, und werden sich an die glücklichen Zeiten zurückerinnern, als mein geschätzter Vater Ihnen noch den Nabel einnäßte ... Aber, was sehe ich, Justine, du wendest dich ab? Lege dich zu deiner Herrin und halte sie mit Josef zusammen fest.«

Es ist nicht leicht, die Gefühle aller bei dieser Szene beteiligten Personen auf einmal zu beschreiben. Die unglückliche Justine weinte, während sie ihrem Befehl nachkam. Frau von Bressac war keiner Regung fähig. Josef glühte vor Wollust und sein ungeheures Glied, das frei herausstand, wartete bloß auf einen freien Platz, um sich hineinzustürzen. Jasmin fickte wie ein Gott und der böse Bressac verschluckte lüstern die Tränen seiner Mutter, die jeden Augenblick Gefahr lief, von ihm mit Samen übergossen zu werden.

»Einen Augenblick,« sagte er, indem er Einhalt gebot, »ich glaube, daß man hier etwas Hübscheres einfügen kann. Josef, nimm diese Rute und mache mir das Vergnügen, meine Mutter vor meinen Augen damit zu peitschen. Aber ich bitte dich, schone sie nicht! Sie, Justine, werden mein Glied kitzeln und Sorgfalt darauf verwenden, daß mein Same gerade auf den Popo meiner Mutter ausspritzt; aber das darf nicht früher geschehen, ehe er nicht tüchtig blutet. Mein teurer Josef wird schon dafür Sorge tragen, daß dies bald geschieht.«

Nun ordnete sich alles nach diesen Weisungen und jeder Befehl wurde streng ausgeführt. Der grausame Josef zerfleischte die stöhnende Frau vom Bressac solange, bis sie in Blut gebadet schien. Nun entlud Jasmin und nahm Josefs Stelle ein, während dieser wieder Bressac besteigen mußte. Zwischendurch bearbeitete Justine ebenso verschämt wie ungeschickt das ihr anvertraute Glied so gut es ging.

»Mein Herr! Ach, mein Herr!« rief Frau von Bressac aus, »Sie fügen mir da eine Schmach zu, die ich in meinem Leben nicht wieder vergessen werde.« – »Das hoffe ich, Madame. Es liegt in meiner Absicht, daß Sie sich immer an diese Szene erinnern sollen, damit ich sie nicht nochmals wiederholen brauche.«

Jetzt aber konnte sich der Wüstling, den jede Einzelheit dieses aufregenden Sauspieles entflammte nicht länger halten. »Ihre Arschbacken her, Madame, Ihre Arschbacken!« rief er aus, »ich fühle, daß ich noch weiter gehen muß und ich hoffe, daß ich Ihnen zu Gefallen eine einzig dastehende Leistung vollbringen werde. Dieser blendend weiße Popo ist viel schöner, als ich jemals gedacht hätte. Er verleitet mich zur Untreue. Aber vorher muß ich ihn noch auspeitschen.« Dabei ergriff der Verbrecher die Ruten und hieb auf seine Mutter ein, während man ihn weiter von hinten bearbeitete. Dann warf er die Folterwerkzeuge weg und versenkte sich in das Arschloch. »Ja, wahrhaftig, Madame,« stöhnte er, »auf mein Wort, das ist eine Leistung, das ist eine Entjungferung. O, Teufel, wie himmlisch ist es doch, eine Mutter zu ficken! Kommen Sie näher, Justine, da ich nun schon einmal meinen Glauben verleugne; lassen Sie mich Ihre Arschbacken betasten.« Justine errötete; aber wie konnte sie dem sich widersetzen, den sie liebte? Ihr herziger Popo war bald den Launen aller dieser Wüstlinge ausgesetzt und alle bewunderten und betasteten ihn nach Herzenswunsch. Trotzdem mußte sie mit ihrer Beschäftigung fortfahren und die Ansätze des Gliedes reiben, das in dem mütterlichen Popo steckte, bis sich durch ihre zarten Finger Sturzbäche von Samen in die Eingeweide der Frau von Bressac ergossen, die über diese Greueltat in Ohnmacht fiel.

Bressac verließ nun das Zimmer, ohne sich weiter um den Zustand der würdigen Frau zu kümmern, die er so geschändet hatte und nur Justine schloß sich mit ihr ein, um sie nach Möglichkeit zu trösten.

Unsere Leser können sich leicht einen Begriff machen, wie unsere unglückliche Heldin über dieses Betragen schaudern mußte und wie sie danach trachtete, die schreckliche Leidenschaft, von der sie erfaßt war, in sich zu ersticken. Aber ist die Liebe ein Uebel, von dem man geheilt werden kann? Jeder Widerstand ist nur geeignet, ihre Flammen höhe schlagen zu lassen und der niederträchtige Bressac erschien dem armen jungen Mädchen nie liebenswerter als jetzt, da sie doch allen Grund hatte, ihn zu hassen.

V. Kapitel.
(Justine lebte schon zwei Jahre in diesem Hause, immer zwischen Kummer und Hoffnung, als der niederträchtige Bressac, der sich endlich ihrer sicher fühlte, es wagte, sie in seine verruchten Pläne einzuweihen.)

Man befand sich gerade auf dem Landgute, und da die erste Kammerzofe Erlaubnis erhalten hatte, den Sommer in Paris zu verbringen, war nur Justine in der Gesellschaft Frau von Bressac's. Eines Abends, bald nachdem sich unser schönes Kind in ihr Zimmer zurückgezogen hatte, klopfte es plötzlich an ihre Türe und Bressac bat für einen Augenblick um Einlaß. Sie wagte nicht zu widersprechen. Er trat ein, verschloß sorgfältig die Türe hinter sich und warf sich dann in einen Lehnstuhl. »Höre, Justine,« sagte er dann mit ein wenig erregter Stimme, »ich habe dir Dinge von hoher Bedeutung mitzuteilen. Schwöre mir, daß du niemals Mißbrauch damit treiben wirst.« – »O, mein Herr, können Sie glauben, daß ich je Ihr Vertrauen täuschen werde?« – »Du weist nicht, welchen Gefahren du dich aussetzen würdest, wenn das der Fall wäre.« – »Ein schrecklicheres Unglück als der Verlust Ihres Vertrauens könnte mir gar nicht zustoßen.« – »Nun wohl, meine Teure,« fuhr Bressac fort und ergriff Justines Hände, »ich habe meine Mutter, die ich verabscheue, zum Tode verdammt ..... und du sollst mir dabei helfen.« – »Ich!« rief Justine aus und fuhr vor Schrecken zurück, »das können Sie nicht hoffen ... O! mein Herr, wie haben Sie einen solchen Plan ausdenken können? Nein, nein, verfügen Sie über mein Leben, wenn Sie es benötigen, aber verlangen Sie nicht, daß ich hier bei einem solchen schrecklichen Verbrechen Ihre Mitschuldige werde.« – »Höre, Justine,« fuhr Bressac mit sanfter Stimme fort, »ich habe wohl gedacht, daß Du Dich weigern wirst. Aber ich hoffte, Dich – da Du doch Geist besitzt – überzeugen zu können, daß dieses Verbrechen, das Dir so ungeheuerlich scheint, im Grunde genommen eine sehr einfache Sache ist.

Zwei Verbrechen zeigen sich in diesem Falle deinem wenig philosophisch gebildeten Geist: Die Vernichtung eines Geschöpfes, das uns gleicht, und ferner eines Geschöpfes, das uns sogar nahesteht. Was das Verbrechen eines Mordes an seinem Nächsten betrifft, so kannst du beruhigt sein, teures Mädchen: es ist nichts als eine Chimäre; denn den Menschen ist die Macht zu zerstören nicht gegeben, er kann höchstens die Formen verändern. Nun ist aber jede Form in den Augen der Natur gleich und in dem ungeheuren Kreislauf, in dem sich diese Veränderungen abspielen, geht nichts verloren. Folglich kann es doch der Schöpferhand der Natur ganz gleichgiltig sein, ob die Fleischmasse, aus der heute ein Mensch geformt ist, sich morgen in tausend verschiedene Insekten verwandelt. Wenn man mich überzeugen könnte, daß unser Geschlecht für die Natur von solcher Bedeutung ist, daß ihre Gesetze durch eine derartige Umgestaltung verletzt werden, dann erst würde ich glauben, daß der Mord ein Verbrechen ist. So aber sage ich: derjenige, der diese Umgestaltung bewirkt, begeht nicht nur kein Verbrechen, sondern sogar ein gutes Werk. Denn er zerlegt durch diese, fälschlich Verbrechen genannte Handlung die Individuen in ihre Grundstoffe und gibt der Natur dadurch seine schöpfende Energie, die ihr derjenige raubt, der in seinem blöden Stumpfsinn keine solche Umwandlung vorzunehmen wagt. Der Mensch, dieses eitle Geschöpf, ging von der falschen Anschauung aus, er sei das Meisterwerk der Schöpfung und daher könne ein Mord nur eine verbrecherische Tat sein. Aber seine Eitelkeit ändert nicht die Naturgesetze, und es gibt kein Wesen, das nicht im Grunde seines Herzens den heftigen Wunsch empfände, von denjenigen befreit zu werden, die ihm lästig fallen oder deren Tod ihm Vorteile einbringen kann. Und von diesem Wunsch zur Tat, Justine, kann doch der Schritt nicht so groß sein. Ueberdies mußt du bedenken, teures Mädchen, daß wir nichts empfinden, was nicht der Natur zur Erreichung ihrer Ziele dient. Benötigt sie neue Wesen, so flößt sie uns Liebe ein. Wird ihr die Zerstörung notwendig, so pflanzt sie in unsere Herzen Rachedurst, Geiz, Wollust und Ehrgeiz. Aber sie arbeitet immer nur für sich selbst und wir sind nur die schwachen Werkzeuge ihrer Launen.

Im Weltall ist Alles den Gesetzen der Natur unterworfen. Beachten wir wohl, daß das Leben des Menschen von ihnen ebenso abhängt, wie das der Tiere. Beide Formen des Lebens sind den allgemeinen Gesetzen des Stoffes und der Bewegung Untertan. Wie kann man nur sagen, daß der Mensch über das Leben der Tiere verfügen kann, aber über das seines Nächsten kein Recht hat? Wie kann man solche Sophismen anders rechtfertigen als durch die Eigenliebe und den Stolz. Alle Tiere sind in der Welt auf ihre eigene Klugheit angewiesen und werden gleicherweise bald Mörder bald Opfer. Sie haben alle gleichmäßig das Recht erhalten, in die Tätigkeit der Natur einzugreifen und sie üben es aus, so gut es ihnen möglich ist. Wenn man also die richtigen Konsequenzen zieht, wird es klar, daß jeder Mensch das Recht besitzt, über das Leben seines Nächsten zu verfügen und von einer Macht Gebrauch zu machen, mit der ihn die Natur ausgestattet hat. Nur die Gesetze dürfen das aus zweierlei Gründen nicht tun. Erstens, weil sie nicht die Berechtigung dazu im Egoismus haben, der die mächtigste und rechtlichste Entschuldigung ist, und zweitens, weil sie immer kalten Blutes und mit freiem Willen handeln, während der Mörder immer von seinen Leidenschaften hingerissen wird und immer das blinde Werkzeug einer Natur ist, die ihn gegen seinen Willen zwingen kann. Daraus geht hervor, daß die Hinrichtung eines Verurteilten einem philosophisch geschulten Geist als ein Verbrechen erscheint, während der Dummkopf Ehrfurcht vor dem Gesetz empfindet. Bei einem Mord aus Leidenschaft aber sieht er nur Gerechtigkeit walten, wo der Stumpfsinn nur Verbrechen und Niederträchtigkeit bemerken kann.11

O, Justine, überzeuge dich doch, daß das erhabene Leben des Menschen für die Natur von keiner größeren Bedeutung ist, als das einer Auster. Wenn dem nicht so wäre, dann dürfte ich auch nicht wagen, mich zu widersetzen, wenn sie zerstören will, und es wäre ein ebenso großes Verbrechen, wenn ich den Stein abwenden wollte, der meinen Nachbarn zerschmettern soll, wie wenn ich ihm den Dolch in die Brust stieße. In beiden Fällen würde ich ja dem Walten der Natur entgegentreten. Ein Haar, ein Fliege, ein Insekt können einen kräftigen Menschen töten, dessen Leben uns von solcher Bedeutung scheint. Liegt also in dem Glauben, unsere Leidenschaften könnten über eine von so nichtigen Ursachen abhängige Sache rechtmäßig verfügen, ein Unsinn? Wie? Ich wäre nicht strafbar, wenn ich den Lauf des Nils oder der Seine hemmen würde und ich bin es, wenn ich einige Unzen Blut aus seinen natürlichen Kanälen entferne? Welch ein Wahnsinn! Wenn das Individuum, das ich auflösen will, tot sein wird, werden die Bestandteile, aus denen es zusammengesetzt ist, auch weiterhin ihren Platz im Weltall haben und werden der großen Maschine ebenso nützlich sein wie vorher, als sie noch besagtes Wesen bildeten. Ob dieser Mensch nun lebt oder tot ist, nichts ändert sich im Weltall und nichts geht verloren. Es ist also geradezu eine Lästerung, wenn man sagt, daß ein so vergängliches Geschöpf wie der Mensch überhaupt die Weltordnung stören kann. Das hieße an ihm eine Macht voraussetzen, die er unmöglich von seiner Allmutter erhalten haben kann. Ja, ich gehe noch weiter: Wenn der Mord eine Missetat ist, dann ist er es in allen Fällen, und die Nationen, die Menschen zum Massenmord hinausstellen, sind entweder auch schuldig oder auch unschuldig. Handeln sie verbrecherisch, dann kann ich es nach ihrem Beispiel auch sein; denn die Summe der Leidenschaften und der Interessen einer Nation ist nur das Ergebnis aus den Leidenschaften und Interessen der Einzelnen. Ist ihre Handlung nicht verbrecherisch, dann kann ich doch ganz sicher ihr Beispiel nachahmen, so oft es mein Interesse erfordert. Und wofür halten sie dann das Wesen, das behauptet, ich hätte ein Verbrechen begangen?

Nein, nein, Justine. Die Natur läßt nicht in unseren Händen die Möglichkeit, Missetaten zu begehen, wenn das ihren Gang stören könnte. Was sind wir denn, daß sie in uns die Fähigkeit hineingelegt haben sollte, ihr zu schaden? Verträgt sich diese unsinnige Annahme mit der erhabenen Sicherheit, mit der sie ihre Ziele verfolgt? Heißt es aber der Natur schaden, wenn man sie nachahmt? Kann sie dadurch verletzt werden, wenn der Mensch seinem Nebenmenschen das zufügt, was sie selbst jeden Tag tut? Da doch erwiesen ist, daß sie nur nach Zerstörungen weiter erzeugen kann, so handelt man doch nach ihrer Absicht, wenn man ununterbrochen zerstört. Wird nicht unter diesem Gesichtspunkte der Mensch, der am leidenschaftlichsten und am häufigsten mordet, ihr bester Diener sein? Die hervorstechendste und schönste Eigenschaft der Natur ist die Bewegung, die unausgesetzt in ihr herrscht. Aber diese Bewegung ist nur eine ununterbrochene Folge von Verbrechen. Nur durch die Zerstörung erhält und erneuert sie sich. Andererseits muß ein untätiges, faules, das heißt ein tugendhaftes Wesen in den Augen der Natur zweifellos etwas ganz Unvollkommenes sein, da sein Streben nach dem Frieden und der Ruhe hinzielt, die unzweifelhaft wieder Alles in das Chaos zurücktreiben würde. Das Gleichgewicht muß erhalten werden, und das geschieht nur durch Verbrechen. Das Verbrechen liegt also in den Absichten der Natur und kann sie daher nicht verletzen. Wen aber sonst könnte es verletzen, wenn nicht sie?

Aber das Geschöpf, das ich vernichte, ist meine Mutter. Wir wollen nun von diesem zweiten Gesichtspunkte aus den Mord betrachten.

Der Grund, weshalb sich eine Frau zu einem ehelichen Beischlaf entschließt, ist sicherlich nur in der zu erwartenden Wollust zu suchen. Wenn diese Tatsache feststeht, so frage ich, worauf die Dankbarkeit im Herzen des aus dieser egoistischen Handlung hervorgegangenen Wesens beruhen soll? Hat die Mutter dabei für sich oder für ihr Kind gearbeitet? Ich glaube nicht, daß man das überhaupt in Frage ziehen kann. Jedoch das Kind wird geboren und die Mutter nährt es. Sollen wir in dieser zweiten Handlung den Grund für die Dankbarkeit suchen? Nein, sicherlich nicht. Wenn die Mutter ihrem Kind diesen Dienst leistet, so geschieht es sicherlich nur wegen des natürlichen Gefühls, das sie dazu treibt, sich einer Drüsenabsonderung zu entledigen, die ihr sonst gefährlich werden könnte. Sie ahmt bloß das Tierweibchen nach, das auch durch eine Stauung der Milch in Todesgefahr geraten kann. Beide können sich aber der Milch nicht anders entledigen, als daß sie das Junge saugen lassen, das seinerseits wieder durch eine ähnliche Empfindung zur mütterlichen Brust getrieben wird. So leistet nicht die Mutter dem Kinde einen Dienst, wenn sie es nährt, sondern es ist das Gegenteil der Fall, da die Mutter ohne Mithilfe des Kindes zu künstlichen Mitteln greifen müßte, deren Anwendung nicht ungefährlich ist. Da haben wir nun das Kind geboren und genährt, ohne daß wir noch einen Grund zur kindlichen Dankbarkeit gefunden hätten. Wollen Sie mir aber die Pflege vorhalten, die man in der Kindheit genießt? Ah, sehen Sie in den Bemühungen keinen anderen Grund als den Mutterstolz. Die stumme Natur befiehlt der Menschenmutter nicht mehr als dem Tierweibchen. Was über die für das Leben des Kindes und für die Gesundheit der Mutter nötige Mühewaltung geht, ist nicht mehr von der Natur eingegeben, denn das Kind kann auch allein aufwachsen und kräftig werden. Ihre Unterstützung ist vollkommen überflüssig und nur aus Gewohnheit und Eitelkeit verlängern die Frauen ihre Sorgfalt. Aber statt daß sie dem Kinde nützlich sind, schwächen sie im Gegenteile seinen Instinkt und bewirken, daß es seine Energie verliert. Ich frage Sie nun, ob ein solches Kind, dessen Mutter eine Mühe verschwendet, von der es nicht nur nichts hat, sondern die ihm sogar schadet, sich in Dankbarkeit verpflichtet fühlen soll? Sie werden zugeben, daß eine Bejahung dieser Frage der höchste Unsinn wäre. Nun ist aber das Kind im Alter der Reife und noch immer haben wir keinen Grund zu einer Anhänglichkeit gefunden; ja, wenn es nunmehr seinen Gedanken nachgeht, kann es nur von Empfindungen des Hasses beseelt werden für die, der es das Licht der Welt verdankt. Sie ist die Urheberin seiner Schwächen, der schlechten Eigenschaften seines Blutes, seiner Laster wie überhaupt eines Daseins, das nur zum Unglücke bestimmt ist. Liegen aber in diesen Empfindungen Grund zur Dankbarkeit, oder ist in ihnen vielleicht mehr Anlaß zu einer starken Abneigung gegen eine solche Frau vorhanden? Das Kind muß seine Mutter hassen, und da die Frucht des Hasses der Racheduft ist, und dieser wieder den Mord zur Folge hat, so rate ich jedem, der in der glücklichen Lage ist, über die Lebenstage seiner Mutter verfügen zu können, sie mitleidlos hinzuopfern. Er begeht damit keine  schlimmere Tat, als wenn er ein anderes Geschöpf ermorden würde, ja er hat im ersteren Fall sogar noch die Entschuldigung für sich, vom Haß und der Abneigung angetrieben worden zu sein. Machen denn die Tiere so viel Federlesens mit den Wesen, denen sie das Licht der Welt verdanken? Nein, sie befriedigen sich an ihnen und töten sie, ohne daß sich die Natur auch nur rührt.

Wenn Sie einmal diese Philosophie in sich aufgenommen haben werden, werden Sie einsehen, daß Sie in der Welt allein dastehen, daß alle Fesseln, mit denen Sie sich selbst angeekelt haben, nur Menschenwerk sind. Ein Sohn glaubt seinen Vater zu benötigen und der Vater seinerseits glaubt wieder, den Sohn nötig zu haben. Das ist der Kitt für diese sogenannten heiligen Bande. Aber ich bestreite, daß man ihn in der Natur finden kann. Lasse also deine Vorurteile beiseite, Justine, und helfe mir. Dein Glück soll dann gemacht sein.«

»O, mein Herr,« erwiderte das arme Mädchen ganz erschreckt, »die Gleichgiltigkeit, die Sie der Natur zuschreiben, ist nur das Resultat der Spitzfindigkeiten ihres Geistes. Horchen Sie eher auf die Stimme Ihres Herzens, die sicherlich alle diese falschen Ansichten verdammen wird. Ich weiß, die Leidenschaften verblenden Sie jetzt; aber sobald sie nicht mehr von ihnen aufgewühlt werden, werden Sie von schrecklichen Gewissensbissen erfaßt werden. O, mein Herr, hegen Sie und achten Sie das Leben dieser zärtlichen und teuren Freundin. Opfern Sie es nicht hin, Sie würden vor Verzweiflung umkommen. Jeden Tag und jeden Augenblick würden Sie diese geliebte Mutter vor Augen haben, die ihr blinder Zorn in die Gruft gebracht hat. Sie würden ihre klagende Stimme hören, wie sie wieder die süßen Worte spricht, die die Lust Ihrer Kindheit bildeten. Sie würde Ihnen im Wachen und Träumen erscheinen und mit ihren blutenden Händen die Wunden öffnen, die Sie ihr zugefügt haben. Für Sie gäbe es von da ab keinen Glücksstrahl mehr auf Erden. Jedes Vergnügen wäre für Sie befleckt, alle Ihre Gedanken würden sich verwirren. Eine himmlische Hand, deren Macht Sie verkennen, würde an Ihren Tagen das Leben rächen, das sie zerstört haben, und ohne daß Sie die Frucht Ihres Verbrechens genießen könnten, kämen Sie an den tötlichen Gewissenbissen um.«

Justine brach bei diesen letzten Worten in Tränen aus. Sie kniete vor dem grausamen Bressac, der mit aus Wut und Verachtung gemischten Empfindungen zuhörte. Sie beschwor ihn bei allem was ihm heilig sei, einen solchen Plan fallen zu lassen. Aber sie kannte das Ungeheuer noch nicht, mit dem sie es zu tun hatte. Sie wußte noch nicht, daß alles, was die Tugend und das Zartgefühl in solchen Fällen vorbringen können, nur dazu dient, das Herz des Verbrechers wie mit Nadelstichen weiter aufzustacheln, wußte noch nicht, daß solche ausschweifende Menschen selbst die Strafen mit Wollust genießen, die ihnen die menschliche Vergeltung auferlegt; daß sie das Schaffot als eine Art Ruhmesthron betrachten und darauf mit demselben Mut sterben, der sie beseelte, als sie ihre Verbrechen und Mordanschläge begingen. So sieht der Mensch auf der letzten Stufe wohlüberlegter Verrücktheit aus und auf ihr stand auch Bressac. Er erhob sich kalt: »Ich sehe wohl,« sagte er zu Justine, »daß ich mich in dir getäuscht habe. Das ärgert mich weniger um mein als um deinetwillen. Jedoch das schadet nichts, ich werde schon andere Mittel finden und du wirst viel verloren haben, ohne daß deine Herrin daraus Nutzen zöge!«

Diese Drohung gab den Gedanken Justines eine andere Richtung. Wenn sie auf das Verbrechen nicht eingehen würde, das man ihr vorschlug, setzte sie selbst sich der Gefahr aus und ihre Herrin würde doch unfehlbar ums Leben kommen. Wenn sie aber die Mitschuld auf sich laden wollte, schützte sie sich vor Bressacs Zorn und konnte sicher die Marquise auch retten. Diese Ueberlegung war das Werk eine Augenblickes und bestimmte sie dazu auf alles einzugehen. Aber da eine so rasche Sinnesänderung den Argwohn Bressac hervorgerufen hätte, zögerte sie noch einige Zeit und ließ sich von ihm seine Lehren noch einigemale wiederholen. Nun tat sie so, als ob sie nichts mehr zu erwidern wüßte, Bressac hielt sie für überzeugt und umarmte sie stürmisch. Welche Freude wäre das für Justine gewesen, wenn er sie aus anderen Gründen in die Arme geschlossen hätte. Aber dafür war es zu spät, denn das Betragen dieses jungen Mannes hatte in ihrem schwachen Herzen alle Gefühle für ihn vernichtet und sie sah jetzt in ihrem ehemaligem Idol nur mehr einen Verbrecher, der unwürdig war, auch nur für einen Augenblick darin zu herrschen.

»Du bist die erste Frau, die ich umarme,« sagte Bressac, indem er sie mit Feuer an sich presste, »du bist entzückend, mein teures Kind; so hat also ein Lichtstrahl der Philosophie deinen Geist erleuchtet? O, Justine, endlich siehst du klar und begreifst die Nichtigkeit des Verbrechens. Komm, du bist mein Engel und ich weiß nicht woran es liegt, daß ich nicht sogleich meinen Geschmack ändere.« In der Tat warf sie Bressac, der mehr durch die sichere Aussicht auf Verwirklichung seines Planes als durch die Reize Justines aufgeregt war, auf das Bett, schürzte sie, trotz ihres Sträubens bis über die Hüften auf und rief dann aus: »Teufel, da hätten wir den schönsten Popo der Welt, wenn sich nicht unglücklicherweise eine Scheide daneben befinden würde. Welch' unbezwingliches Hindernis!« Dann deckte er sie wieder zu und fuhr fort: »Komm, Justine, besprechen wir jetzt unsere Tat. Wenn ich dir zuhöre erwachen in mir Illusionen, aber wenn ich dich ansehe, werden sie wieder zerstört.« Trotzdem stand sein Glied so steif, daß Justine es in die Hand nehmen und mit ihren hübchen Fingern befühlen mußte. »Meine tapfere Freundin,« setzte er fort, »du wirst also meine Mutter vergiften. Hier ist das Gift, das du in das Heilwasser werfen sollst, das sie jeden Morgen zur Erhaltung ihrer Gesundheit trinkt. Das Pulver ist sicherwirkend und hat keinerlei Geschmack. Ich habe schon tausende Male Versuche damit angestellt.« – »Tausende Male, mein Herr?« – »Ja, Justine, ich bediene mich häufig dieses Mittels, entweder weil ich mich mancher Leute entledigen will, die mir lästig fallen oder weil mir ihr Tod wollustige Genüsse bereitet. Du wirst es tun, Justine, ja, du mußt es tun. Ich schütze dich vor allen Folgen und gebe dir am Tage der Ausführung als Belohnung eine jährliche Rente von 2000 Talern.« Der Kontrakt wurde ohne Angabe der Gründe unterzeichnet und Bressac klingelte. Ein schöner Knabe erschien. »Was wollen Sie, gnädiger Herr?« – »Deinen Hintern, mein Kind. Ziehen Sie ihm die Hosen herunter, Justine, kitzeln Sie mein Glied und dann führen Sie es in das Loch ein!« Die Befehle Bressacs wurden befolgt, er fickte seinen Mann und entlud wie ein Wütender. »O, Justine,« sagte er beim hinausgehen, »diese Huldigung galt dir. Dein Altar konnte sie, wie du weißt, nicht empfangen, aber nur durch deine Zustimmung entflammte die Fackel und sie hat nur für dich gebrannt.«

Während dieser Vorbereitungen ereignete sich etwas so Seltsames, etwas, das so gut geeignet ist, die Seele unseres Ungeheuers zu enthüllen, daß wir nicht umhin können, unsere Erzählung einen Augenblick lang zu unterbrechen.

Am übernächsten Tage, nachdem der erwähnte verbrecherischer Vertrag abgeschlossen worden war, er fuhr Bressac, daß ein Onkel, an den er gar nicht gedacht hatte, ihm eine Rente von 50.000 Talern hinterlassen habe. »O Himmel,« sagte Justine zu sich, »straft die Hand des Ewigen auf diese Art den geplanten Anschlag?« Aber bald bereute sie diesen Zweifel an der Vorsehung, sie kniete nieder und bat um Verzeihung. Ihre Hoffnung richtete sich nunmehr darauf, daß dieses unerwartete Ereignis wenigstens die Pläne Bressacs ändern würde. Aber wie groß war ihr Irrtum! »O, meine teure Justine,« rief er aus, als er noch am selben Abend in ihr Zimmer trat, »wie überschüttet mich doch das Glück! Ich habe dir schon oft gesagt, daß das Verbrechen nur Vorteile mit sich bringt.« – »Wie, mein Herr?« fuhr Justine fort, »diese Erbschaft, auf die Sie nicht zählten, sie wurde ... ja, mein Herr, Ihre Mutter hat mir Alles erzählt; ihr Onkel hätte das Geld Ihrer Mutter zukommen lassen, wenn sie ihn nicht anders bestimmt hätte. Sie wissen, er liebte Sie nicht. Sie allein überredete ihn zu dieser letzten Verfügung und Ihre Undankbarkeit ...« – »Du machst mich lachen,« unterbrach sie Bressac, »wozu die Dankbarkeit? Wirst du denn nie begreifen, Justine, daß man dem Wohltäter nichts schuldet, weil er die Befriedigung in seiner Tat findet? Warum soll ich mich jemandem für das Vergnügen verpflichtet fühlen, das er geruhte, sich selbst zu bereiten? Und ich sollte meine Pläne deswegen ändern? O, Justine, wie schlecht du mich kennst! Soll ich dir noch mehr sagen. Der Tod jenes Onkels ist meine Arbeit. Ich versuchte, das für die Schwester bestimmte Gift zuerst an dem Bruder, Nein, nein, Justine, beeilen wir uns, morgen, höchstens übermorgen möchte ich dir schon ein Viertel deiner Rente auszahlen können.« Justine schauderte, verbarg aber ihre Bestürzung, denn sie sah, daß es bei einem solchen Manne klug sei, ihre Rolle weiter zu spielen. Es blieb ihr jetzt noch der Weg einer Anzeige offen; aber nichts in der Welt hätte die gefühlvolle Justine dazu bestimmen können, das eine Verbrechen durch ein neues zu verhindern. Sie beschloß daher, ihre Herrin zu warnen. Dies schien ihr der beste Ausweg.

»Madame,« sagte sie zu ihr am nächsten Tage nach der Besprechung mit dem jungen Grafen, »ich habe Ihnen von einer ungemein wichtigen Sache Mitteilung zu machen. Aber so sehr auch Ihr Interesse dabei im Spiele steht, müßte ich doch schweigen, wenn Sie mir nicht Ihr Wort im voraus gäben, Ihrem Sohne gegenüber nichts merken zu lassen. Sie können die Mittel ergreifen, die Ihnen nötig dünken, aber Sie dürfen kein Wort davon sprechen.«

Frau von Bressac, welche glaubte, es handle sich um eine der gewöhnlichen Verfehlungen ihres Sohnes, gelobte Stillschweigen und Justine erzählte Alles. »Der Schuft!« rief die unglückliche Mutter aus. »War ich nicht immer um sein Wohl bedacht. Ah, Justine, beweise mir die Wahrheit, damit in meinem verblendeten Herzen jedes Gefühl erstickt werde, das ich noch für dieses Ungeheuer bewahrt habe.« Nun zeigte Justine das Gift: einen besseren Beweis konnte man nicht geben. Aber Frau von Bressac, die noch auf eine Täuschung hoffte, wollte zuerst eine Probe damit machen. Sie gab einem Hund ganz wenig davon ein und das arme Tier starb zwei Stunden nachher unter schrecklichen Krämpfen. Nun konnte Frau von Bressac nicht länger zweifeln und faßte ihren Entschluß. Sie befahl Justine ihr den Rest des Giftes zu geben und schrieb auf der Stelle einem Verwandten, Herrn von Souseval, sich mit einem Haftbefehl ausrüsten zu lassen und dann so bald als möglich damit herzukommen, um sie von einem Ungeheuer zu befreien, das sich so grausam gegen ihr Leben vergehen wollte.

Jedoch das scheußliche Verbrechen sollte doch seinen Gang nehmen. Das Tier, das man zur Probe benützt hatte, verriet alles. Bressac hörte das Winseln und fragte, was man ihm getan habe. Man konnte ihm nichts Bestimmtes erwidern und von diesem Augenblick an wuchs sein Argwohn. Er sagte kein Wort, schien aber sehr erregt. Justine teilte ihrer Herrin davon mit, die jedoch nichts anderes ausdenken konnte, als den Eilboten noch mehr zu drängen und den Gegenstand der Sendung wenn möglich noch besser zu verbergen. Sie sagte ihrem Sohne, daß sie an Herrn von Souseval schickte, damit er die Erbschaft des Onkels in Empfang nehme, denn wenn niemand da sei, könnten leicht Prozesse entstehen. Sie fügte hinzu, sie haben ihren Verwandten überdies gebeten herzukommen um ihr von dem Ergebnis Mitteilung zu machen.

Aber Bressac konnte zu gut in den Mienen seiner Mutter und Justines bemerken, was vorging. Unter dem Vorwand jagen zu wollen entfernte er sich aus dem Schloß. Er legte sich auf die Lauer nach dem Eilboten, fing ihn ab und da dieser dem Sohn mehr zugetan war, wie der Mutter, machte er keine Schwierigkeiten und gab die Brieftasche heraus. Bressac überzeugte sich nun von dem Verrat Justines, gab dem Eilboten 100 Lonis mit dem Befehl, niemals wieder zu seiner Mutter zurückzukehren und kehrte rasend vor Zorn nach dem Schloß zurück. Dort schickte er die ganze Dienerschaft nach Paris und behielt nur Jasmin, Josef und Justine zurück. Die Tore wurden geschlossen, die Riegel vorgeschoben und Wachthunde an allen Eingängen angebunden.

»Ein großes Verbrechen ist soeben begangen worden,« sagte Bressac, »und ich muß die Urheber herausfinden. Sie werden alles erfahren, meine Freunde, sobald ich den Schuldigen herausgefunden haben werde. Scheußliches Geschöpf,« fuhr der junge Mann fort, indem er an Justine herantrat, »du hast mich verraten. Aber du wirst selbst in die Grube fallen, die du mir gegraben hast. Weshalb versprachst du! mir den Dienst, den ich von dir verlangte, da du doch die Absicht hattest, mich zu hintergehen? Und wieso konntest du glauben, tugendhaft zu handeln, indem du die Freiheit und selbst das Leben deines Wohltäters aufs Spiel setztest? Du hättest dich weigern, sollen, Hure, und nicht zustimmen dürfen, um mich dann zu verraten. Was hast du durch deine Falschheit getan, dummes Ding? Du hast dein Leben aufs Spiel gesetzt, ohne das deiner Herrin zu retten; denn sie wird trotzdem sterben und zwar vor deinen Augen. Ich will dich überzeugen, Justine, daß der Weg der Tugend nicht immer der beste ist.« Bressac eilte jetzt zu seiner Mutter. »Sie sind gefangen, Madame,« sagte das Ungeheuer, »vielleicht wäre es für Sie, die Sie doch von meinem Haß und Plänen wußten, besser gewesen, Sie hätten einfach die bittere Pille hinuntergeschluckt. Sie wollten einem sanften Tod entgehen und haben nun einen grausamen zu erwarten. Verstellen Sie sich nicht länger, Madame,« – »Barbar, wessen beschuldigst du mich?« – »Lesen Sie Ihren Brief.« – »Mußte ich mich nicht verteidigen, wenn du nach meinem Leben trachtetest?« – »Nein, du bist nur ein unnützes Wesen auf Erden. Dein Leben gehört mir und das meinige ist heilig.« – »O, Schurke, die Leidenschaft verblendet dich.« – »Sokrates trank ohne Widerstreben das Gift, das man ihm reichte. Auch dir hat man welches angeboten; warum hast du es nicht genommen?« – »O, mein teurer Sohn, wie kannst du diejenige so grausam behandeln, die dich in ihrem Schoß getragen hat?« – »Dieser Dienst ist in meinen Augen nichtig. Als du an meiner Erzeugung arbeitetest, dachtest du nicht an mich, du wolltest nur dein Loch befriedigen. Das ist in meinen Augen kein Verdienst. Folge mir, Hure, wir wollen nicht länger schwatzen.« Bei diesen Worten ergriff er sie und zerrte sie an den Haaren in einen kleinen mit Cypressen bepflanzten Garten, den hohe Mauern umgaben, und in dem die Dunkelheit einer Gruft mit der Stille des Todes gepaart war. Dort erwartete schon Justine zitternd ihr Schicksal. Was sich den Augen der Frau von Bressac zuerst darbot, war auf der einen Seite eine breite Gruft, die auf sie wartete, und auf der anderen vier ungeheure Doggen, die vor Wut schäumten, da man sie seit der Entdeckung des Verbrechens mit bestimmten Absichten hatte fasten lassen. Als sie an diesem Schreckensort anlangten, schürzte Bressac selbst seiner Mutter die Röcke auf und seine unreinen Hände richteten sich nach den keuschen Reizen dieser ehrwürdigen Frau. Der Busen, an dem er gesogen hatte, erweckte jetzt seine Glut. »Putz weg,« sagte er zu einer der Doggen und wies auf eine der Brüste. Der Hund sprang an und unter seinen Zähnen spritzte das Blut nach allen Seiten hervor. »Hier auch,« fuhr Bressac fort, indem er auf die Scham hinwies. Ein neuer Biss folgte. »Ich hoffe, sie werden sie zerreißen und verschlingen,« fuhr das Ungeheuer fort, »binden wir sie an und beobachten wir die Wirkung.« – »Wie, du willst sie nicht in den Hintern ficken,« frug Jasmin. »Steck ihr doch dein Glied in den Popo, ich werde ihr dazwischen die Arschbacken zerfetzen lassen.« – »Eine glänzende Idee!« rief Bressac aus und alles geschieht so, wie Jasmin sagte. »Laß ihr auch noch die Brüste zerreißen, während ich sie ficke,« sagte Bressac zu seinem Liebling, »und Josef soll mich im Hinter bearbeiten und dabei Justine abgreifen.« Welch' ein Schauspiel folgte nun! Du allein konntest es sehen, großer Gott! Und du ließest nicht deinen Donner oder deinen Blitz die Welt erschüttern?

»Hören wir auf, ich würde sonst entladen,« sagte der Schurke nach einer kurzen Arbeitszeit, »und binden wir diese Hure an einen Baum.«

Er zog sein Glied heraus und band sie selbst mittels eines Strickes derart an, daß ihr die Arme frei blieben und sie sich in einen Abstand von ungefähr sechs Schritten bewegen konnte. »Ach, die schönen Arschbacken,« sagte der Verbrecher, indem er den stark blutenden Popo seiner unglücklichen Mutter nochmals beastete, »welch wundervolles Frühstück für meine Hunde! Hure! Hunde haben mich gewarnt und Hunde werden dich strafen. Vorwärts, Jasmin, stachle die Tiere auf und du Josef nimm Justine von hinten vor; sie wird nachher zerrissen werden. Diese treue Dienerin muß desselben Todes sterben, wie ihre teure Herrin; dasselbe Grab soll sie vereinigen. Du siehst auch, daß ich es in Anbetracht dessen sehr tief graben ließ.« Die zitternde Justine weinte und bat um Gnade, allein ihre Henker antworteten auf ihr Flehen nur mit schallendem Gelächter. Nun stürzten die Hunde auf die unglückliche Frau Bressac los. Vergebens stieß sie sie zurück, vergebens machte sie Anstrengungen, sich ihren grausamen Zähnen zu entwinden, alle ihre Bewegungen stachelten die Tiere nur noch mehr an. Bäche von Blut färbten den Rasen. Währenddessen wurde Jasmin von Bressac und Justine von Josef in den Hintern gefickt. Die Schreie unseres armen Waisenkindes mengten sich schmerzvoll in die Klagerufe ihrer Herrin; bis Frau Bressac endlich dem Tode nahe war, Justine in Ohnmacht fiel und unsere Verbrecher von den süßesten Wonnen belohnt wurde, die die Natur überhaupt zu vergeben hat.

»Vorwärts, bringen wir diese Puten ins Schloß,« sagte Bressac, »der einen muß man den Garaus machen und die andere endlich mit ihrer Zukunft bekannt machen.« Man trug Frau von Bressac in ihre Gemächer, warf sie auf das Bett und da sie noch lebte, bewaffnete ihr unwürdiger Sohn die Hand Justines mit einem Dolch, ergriff ihren Arm und führte das Eisen nach dem Herzen seiner armen Mutter. Frau von Bressac starb, indem sie Gott um Gnade für ihren Sohn bat.

»Du siehst wohl, welch' entsetzlichen Mord du eben begangen hast,« sagte der Barbar zu der halb bewußtlosen, blutbedeckten Justine, »du wirst dafür schon bestraft, du wirst gerädert und lebend verbrannt werden.«

Damit stieß er sie in ein benachbartes Zimmer, sperrte sie dort ein, indem er den blutenden Dolch neben sie hinlegte. Dann öffnete er die Tore, spielte den Verzweifelten, schrie, daß ein Ungeheuer eben seine Mutter getötet habe, daß er die Verbrecherin noch mit der Waffe in der Hand eingesperrt halte und erbat flehend die Hilfe der Gerechtigkeit.

Allein ein schützender Gott rettete diesmal die Unschuld, denn Justines Maß war noch nicht voll. Bressac glaubte die Türe gut verschlossen zu haben; allein sie stand offen und Justine benützte den Augenblick, als alles im Hof zusammenlief.

Sie enteilte rasch, flüchtete durch den Garten, dessen Türe offen stand und erreichte bald den nahen Wald.

Schmerzerfüllt warf sie sich unter einen Baum und begoß den Rasen mit ihren Tränen.

»O, mein Gott,« rief sie aus. »Du hast es so gewollt. So stand es in deinem erhabenen Willen. Verfüge über mich, mein Herr. Ich habe noch lange nicht so viel gelitten, wie du anders für uns littest. Wenn ich nur eines Tages des Sohnes würdig bin, den du dem Schwachen versprichst!«

Die Nacht senkte sich herab und Justine wagte nicht weiter zu gehen. Sie fürchtete auf der Flucht aus einer Gefahr in eine andere zu geraten. Um sich blickend bemerkte sie, daß sie sich in demselben Wäldchen befand, in dem sie vor zwei Jahren in einer ebenso peinvollen Lage übernachtet hatte. Sie legte sich nieder und verbrachte eine ungemein qualvolle Nacht. Der Tag war kaum erwacht, als ihre Unruhe sich verdoppelte. Solange sie sich in der Umgegend des Schlosses befand, war sie in einer gefahrvollen Lage. Sie stand daher rasch auf und flüchtete mit großen Schritten nach der nächsten menschlichen Ansiedlung. Bald erreichte sie den Marktflecken Saint-Marcel der fünf Meilen von Paris entfernt ist. Ein wunderschönes Haus war das erste, was sie beim Eintritt in die Ortschaft sah. Auf ihre Erkundigung sagte man ihr, daß es eine berühmte Schule sei, in die Kinder beiderlei Geschlechts aus der ganzen Umgegend kamen, weil sie hier eine vorzügliche Erziehung genossen »Gehen Sie nur hin,« sagte der Auskunftgeber, »wenn Sie, wie ich annehme, eine Stelle suchen.« Es gibt da immer welche, die frei sind. Herrn Rodin, den Besitzer wird es sicherlich freuen, Ihnen nützlich sein zu können. Er ist ein hochachtbarer Mann, der in ganz Saint-Marcel die größte Liebe und Verehrung genießt.

Justine zögerte nicht länger. Sie klopfte an und was sie in diesem Hause erlebte, soll nun im nächsten Kapitel erzählt werden.

VI. Kapitel.

Unsere Heldin war 17 Jahre alt, als sie sich Herrn Rodin vorstellte. Ihre nunmehr voller entwickelten Züge waren voll süßen Zaubers, ihre ganze Person besaß trotz des erlittenen Kummers einen Grad der Vollkommenheit, der sie zu einem der schönsten Mädchen machte, die man sich vorstellen kann.

»Sie wollen sicherlich Spaß mit mir treiben, Fräulein,« sagte Rodin zu ihr, indem er sie sehr nett empfing, »wenn Sie sich mir als Dienerin anbieten. Bei den tausendfachen Reizen, die Sie besitzen, ist man nicht gezwungen zu dienen. Wenn man von der Natur so ausgezeichnet wurde, kann man nicht das Opfer des Schicksals werden, und ich könnte eher von Ihnen Befehle empfangen, als Ihnen welche geben.«

»Und trotzdem, mein Herr, muß ich mich bitter über mein Schicksal beklagen!« – »Das ist eine Ungerechtigkeit, die wir aufheben werden, mein Fräulein« Und als ihm Justine ihr Mißgeschick erzählt hatte, fuhr der geschickte Betrüger fort: »Das ist aber schrecklich. Dieser Herr von Bressac ist ein Ungeheuer, den man schon seit langem wegen seiner unerhörten Ausschweifungen kennt, und Sie können sich glücklich schätzen, daß Sie seinen Händen entronnen sind. Aber ich behaupte noch immer, schöne Justine, daß Sie nicht dazu geschaffen sind, zu dienen. Wenn mein Haus Ihnen gefällt, steht es; Ihnen offen. Ich habe eine Tochter, die eben 14 Jahre alt geworden ist und die glücklich sein wird, in Ihrer Gesellschaft leben zu können. Sie werden an unserem Tische essen und unsere Mühen um diese interessante Klasse der Menschheit teilen, die ganz Frankreich uns anvertraut. Sie werden mit uns an dem verdienstlichen Werk teilnehmen, die Talente der Jugend zu entwickeln und ihre Sitten auszubilden.«

Gab es eine Beschäftigung auf der Welt, die dem sanften und gefühlvollen Charakter unserer Heldin besser zugesagt hätte. Tränen rannen ihr aus den Augen und sie küßte mit stürmischer Dankbarkeit die Hand ihres Wohltäters. Aber der geschickte Rodin entzog sich diesen Empfindungsausbrüchen. Rosalie kam, Justine wurde ihr vorgestellt und bald verbanden Bande der innigsten Zärtlichkeit diese beiden jungen reizenden Mädchen.

Bevor wir weiter reden, müssen wir noch erzählen, daß Justine ungemein begierig war, zu erfahren, was sich seit ihrer Flucht auf dem Schlosse Bressacs zugetragen habe. Sie beauftragte mit dieser Sendung ein junges, kluges Bauernmädchen, das ihr versprach, sobald als möglich Erkundigungen einzuziehen. Unglücklicherweise schöpfte man Verdacht, man fragte sie aus und das einzige, was sie nicht verriet, war der Ort, von dem aus man sie geschickt hatte. »Nun gut, so bewahren Sie Ihr Geheimnis,« sagte Bressac, »aber wo immer diese Schurkin sein möge, übergeben Sie ihr diesen Brief und sagen Sie ihr, sie möge sich in acht nehmen.« Jeanette eilte hastig zurück und überbrachte Justine folgenden Brief:

»Eine Verbrecherin, die meine Mutter getötet hat, ist so frech jemanden nach dem Ort ihres Verbrechens zu schicken. Das Klügste, was sie machen kann, ist, sorgfältig ihren Aufenthaltsort zu verbergen. Sie kann sicher sein, Unangenehmes zu erleben, wenn man sie entdecken würde. Wenn sie aber nochmals jemanden schicken wollte, würde man den Boten einsperren. Uebrigens ist es gut für sie zu erfahren, daß die Geschichte mit der Conciergerie. die sie für erledigt hielt, noch nicht abgetan ist. Die Verordnung ist noch nicht aufgehoben. Sie möge also selbst beurteilen, um wie viel schwerer die zweite Anklage gegen sie wirkt!«

Justine glaubte ohnmächtig zu werden, als sie den Brief las. Sie überreichte ihn Rodin, der sie beruhigte und hierauf fragte sie Jeanette weiter aus. In der Furcht, verfolgt zu werden, hatte diese den Weg nach Paris eingeschlagen, hatte dort übernachtet und sich dann am nächsten Tage in aller Frühe auf den Heimweg gemacht. Im Schloß sei alles in größter Verwirrung gewesen. Die Verwandten waren da, Leute von Gericht waren gekommen und der verzweifelt tuende Sohn klagte Justine allein des Mordes an. Mehrere vorher vorgekommene Diebstähle, die Bressac auch auf Justine schob, brachten Licht über dieses zweite Verbrechen, und selbst wenn er es nicht selbst begehen gesehen hätte, so sagte er, könnte man niemanden anderen mehr verdächtigen.

Uebrigens wurde Bressac durch diese neue Erbschaft viel reicher, als man geglaubt hatte. Der Inhalt des Geldschrankes, die Einrichtung und die Juwelen setzten den jungen Mann, abgesehen von seinen Renten, in den Besitz von mehr als einer Million, und man behauptete, er könne unter dem geheuchelten Schmerz nur schwer seine Freude verbergen. Einen Augenblick lang schienen die Wunden am Leichnam den Schuft in Verlegenheit bringen zu sollen. Aber Bressac zerstreute durch die Lüge, ein Hund sei durch Versehen vierundzwanzig Stunden lang in dem Zimmer eingesperrt gewesen, bevor die Priester aus Paris kamen, jedes Bedenken des Wundarztes.

»Der Himmel lädt mir ein neues Kreuz auf,« sagte Justine zu sich. »Durch eine unglaubliche Fügung des Schicksals werde ich nun eines Verbrechens; angeklagt, dessen Erwähnung mir schon abscheulich dünkte, und derjenige, der meinen Arm geleitet hat, der allein an diesem niederträchtigen Muttermord schuldig ist, er ist glücklich, reich und vom Glück begünstigt. Höchstes Wesen du!« fuhr sie unter Tränen fort, »dein Wille geschehe, ich bin nur dein Werkzeug.«

Nun wollen wir den Lesern eine Beschreibung der Leute geben, bei denen Justine sich befand und erklären, weshalb sie so liebenswürdig empfangen wurde.

Rodin, der Herr des Hauses, war ein groß gewachsener Mann von sechsunddreißig Jahren, besaß braunes Haar, dichte Augenbrauen, ein lebhaftes Auge und machte im allgemeinen den Eindruck eines kräftigen, aber wollüstigen Menschen. Er war Wundarzt aus Neigung für diesen Beruf, leitete ein Pensionat, um sich besser seinem Ausschweifungen hingeben zu können und besaß, abgesehen von den Einkünften seines Berufes, eine jährliche Rente von 20000 Francs. Eine wunderschöne Schwester, von der wir bald sprechen werden, vertrat seine vor zehn Jahren verstorbene Gattin in jeder Hinsicht, aber auch seine Tochter Rosalie und eine sehr hübsche Erzieherin genossen neben ihr die Gunst dieses schamlosen Mannes.

Célestine, Rodins Schwester, war 30 Jahre alt, groß, schlank und besaß ungemein ausdrucksvolle Augen. Sie war braun, besaß eine sehr lange Scheidenöffnung, einen nach Art der Männer geformten Popo und sehr kleine Brüste. In ihrem Geiste war viel Bösartigkeit mit einem ausschweifenden Temperament vermengt. Sie hatte für Alles Neigung, liebte es aber besonders, sich den Männern auf jene Art hinzugeben, die von den Dummköpfen in Acht erklärt wird, die aber von der Natur zum göttlichsten Vergnügen erhoben wurde.12

Die Erzieherin hieß Martha und war neunzehn Jahre alt. Ihr Aeusseres zeigte ein rundes und frisches Gesicht, schöne blaue Augen, eine schwanenweiße Haut und den schönsten Popo, den man sich vorstellen kann.

Was Rosalie betrifft, so muß man sagen, daß sie eines jener himmlischen Mädchen war, wie sie die Natur selten den Sterblichen schenkt. Mit ihren vierzehn Jahren vereinigte sie alle nur möglichen Reize in sich: Eine Nymphentaille, seelenvolle Augen, süße und bezaubernde Gesichtszüge, einen wundervollen Mund, lange kastanienbraune Haare, die denkbar schönste Brust und einen herrlichen Popo.

Wie schon erwähnt, besaß Rodin ein Pensionat für beide Geschlechter. Er hatte zahlreiche und auserwählte Zöglinge, und zwar immer je hundert Mädchen und hundert Knaben. Aufgenommen wurden nur Kinder von mehr als zwölf Jahren, die dann mit siebzehn Jahren weggeschickt wurden. Alle mußten hübsch sein und wenn man ihm welche brachte, die einen körperlichen Fehler hatten, wußte er unter hundert mit Sophismen ausgeschmückten Vorwänden die Aufnahme zu verweigern.

Rodin unterrichtete seine männlichen Schüler selbst. Er unterwies sie in den Wissenschaften und freien Künsten, während seine Schwester dasselbe bei den Mädchen tat. Kein fremder Lehrer hatte Einblick, und so kam es, daß alle wollüstigen Geheimnisse des Hauses auf das Innere beschränkt blieben.

Sobald Justine klar sah, gab sie ihren durchdringenden Geist eifrigem Nachdenken hin, bis die Freundschaft mit Rosalie sie über Alles aufklärte. Dieses entzückende Mädchen antwortete auf die Fragen Justines vorerst nur mit einem Lächeln, und da dieses Betragen unsere Heldin nur noch mehr beunruhigte, drang sie eifrig in Rosalie, ihr Geheimnis zu verraten. »Höre,« sagte diese endlich, »höre Justine, ich werde dir Alles mitteilen. Ich sehe, daß du nicht fähig bist, mein Geheimnis zu verraten und so soll künftighin keines mehr zwischen uns bestehen.

Für die Tätigkeit meines Vaters sind zwei Gründe bestimmend. Er betreibt die Chirurgie aus Liebhaberei, mit dem einzigen Vergnügen, neue Entdeckungen darin zu machen; Er hat über diesen Gegenstand so vorzügliche Werke herausgegeben, daß er darin als einer der gescheitesten Leute Frankreichs gilt. Er hat einige Jahre in Paris gearbeitet und sich dann zu seiner Erholung hieher zurückgezogen. Du willst nun wissen, was ihn dazu treibt, ein Pensionat zu halten? Nichts als die Leidenschaft, meine Teure. Sowohl mein Vater, wie meine Tante finden in den männlichen wie in den weiblichen Schülern Gegenstände für ihre Sinneslust. Beide haben dieselben Neigungen und sie bedienen einander so gut, daß es kein Mädchen gibt, das Rodin nicht seiner Schwester gäbe und keinen Knaben, den sie nicht ihrem Bruder ausliefern würde.« – »Und sicherlich folgt auf diese scheußlichen Vergehen noch die abscheuliche Blutschande?« fragte Justine. – »Gäbe es Gott, daß es dabei bliebe!« sagte Rosalie. – »Himmel, du erschreckst mich.« – »Du wirst Alles erfahren, mein Engel,« fuhr das reizende Mädchen fort. »Komm, folge mir nach. Heute ist Freitag und gerade der Tag, an dem mein Vater die Verfehlungen bestraft, das ist die Quelle seiner Freuden. Aber komm jetzt, wir können Alles von meinem Zimmer aus beobachten. Tritt leise auf und hüte dich, namentlich über das etwas laut werden zu lassen, was du sehen oder von mir hören wirst.«

Da Justine einsah, daß es für sie wichtig sei, etwas über die Persönlichkeit zu erfahren, die ihr ein Obdach anbot, folgte sie ihr nach. Sie kamen in ein Zimmer, dessen Tür genug schlecht verschlossen war, um so viel Raum zu lassen, daß man Alles hören und sehen konnte, was sich im Nebenraum abspielte. Herr und Fräulein Rodin befanden sich schon darin und wir wollen jetzt  genau über Alles Rechenschaft ablegen, was sie von dem Augenblicke an sprachen, als sie Justine vernehmlich wurden.

»Wen wirst du auspeitschen?« fragte das Fräulein. – »Ich wollte, es wäre Justine.« – »Dieses hübsche Mädchen scheint dich sehr aufzuregen?« – »Du weißt es doch, Schwester. Ich habe heute Nacht zwei Nummern mit dir gemacht und ich entlud nur mit dem Gedanken an sie. Sie muß einen entzückenden Popo haben und ich empfinde den lebhaften Wunsch, ihn zu sehen.« – »Das kann dir doch nicht so schwer fallen.« – »Doch! Alle Ungeheuer von der Tugend bis zur Religion sind dabei zu bekämpfen. Wenn ich die Festung nicht im Sturm nehme, wird sie niemals fallen.« – »Ah, wenn man sie bloß vergewaltigen muß, verspreche ich dir meine Hilfe. Die Hure wird schon unterliegen müssen.« – »Empfindest du nichts bei ihrem Anblick, Schwester?« – »Sie ist entzückend, aber ich glaube, daß sie wenig Temperament besitzt.« – »Du hast Recht; aber sie regt mich sehr auf! O, ganz ungeheuer!« Und bei diesen Worten hob Rodin die Röcke seiner Schwester von hinten auf und schlug ihr ziemlich kräftig auf die Arschbacken. »Kitzle mich, Célestine,« sagte er zu ihr, »damit ich ins Feuer komme.« Er setzte sich auf einen Lehnstuhl legte sein schlappes Glied in ihre Hände und mit einigen Fingergriffen erhielt, es wieder Kraft. Während dessen hielt er noch immer die Röcke seiner Schwester erhoben, so daß sich seinen geilen Augen der wundervollste Popo darbot. Er betastete ihn eifrig, und an der Art der Küsse konnte man bemerken, welche Gewalt dieser Liebessitz auf ihn habe »Nimm Ruten,« sagte Rodin und erhob sich, »und bearbeite damit meinen Hintern. Es gibt nichts, was mich mehr erfrischt als diese Handlung.« – Célestine öffnete einen, Schrank, entnahm ihm ein Dutzend Rutenbündel, breitete sie auf eine Kommode aus und nachdem sie das beste ausgewählt hatte, ging sie damit auf ihren Bruder los, der sich verzückt unter den Schlägen wichst und dabei immer mit leiser Stimme ausrief: »Ah, Justine! Wenn ich dich haben könnte, aber ich werde dich besitzen. Es ist nicht gesagt, daß ich dir ohne Gegenleistung Gastfreundschaft gewähre. Ich brenne darauf, deinen Popo zu sehen. Ich werde ihn sehen, ich werde ihn auspeitschen, diesen schönen Popo, Justine.« – Célestine hörte bei diesen Worten einen Augenblick auf, ihren Bruder zu peitschen. Sie stützte sich auf die Lehnen des Stuhles und forderte mit ihren Arschbacken zum Kampf auf. Aber Rodin, der nur seine Kräfte erproben und sie nicht verlieren wollte, begnügte sich, sie ein paarmal zu schlagen, ein wenig zu beissen und bat dann seine Schwester, die Kinder holen zu gehen;, die er abfertigen wollte. Während dieser Ruhepause warf sich Justine in die Arme ihrer Freundin. »O Gott, hast du von der Verschwörung gegen mich gehört?« fragte sie. – »O, teure Freundin, ich hoffe, daß du dich nicht widersetzen wirst,« entgegnete Rosalie, »du wärest die Einzige, die heil aus diesem Hause herausgekommen wäre.« – »Ich werde flüchten,« sagte Justine. – »Das ist unmöglich,« antwortete Rosalie, »sein Beruf gibt ihm das Recht, das Haus zu verschließen. Bei einer Flucht würde er dich als Diebin behandeln und du kämest nach Bicetre. Geduld, meine Teure, ist in diesem Falle das Beste.« – Da wieder Lärm hörbar wurde, begaben sich Beide auf ihre Plätze zurück und sie konnten bemerken, daß Célestine ein blondes vierzehnjähriges Mädchen, das wie eine Liebesgöttin aussah, mit sich hereinschleppte. Das arme weinende Kind, das nur zu gut wußte, was es zu erwarten hatte, näherte sich stöhnend seinem Erzieher. Sie stürzte vor ihm nieder und bat ihn um Gnade. – »Nein, nein!« rief er aus; »das ist schon zu häufig vorgekommen, Julie. Ich bereue meine Güte, sie hat dich nur zu weiteren Verfehlungen ermutigt.« – »Hüten Sie sich, Bruder,« rief jetzt Célestine aus, das Beispiel dieses Mädchens würde im Hause verderblich wirken. »Vergessen Sie denn ganz, daß diese Schurkin gestern, als sie in das Schulzimmer eintrat, einem Knaben ein Briefchen zusteckte?« – »Ich schwöre, daß das nicht der Fall ist!« rief die entzückende Unschuld, »glauben Sie mir doch, mein Herr, ich könnte so etwas nie tun.« – »Lasse dich doch von diesen Vorwürfen nicht täuschen,« sagte Rosalie rasch zu Justine. »Alle diese Vergehen sind erfunden, um einen Vorwand zu haben. Dieses kleine Mädchen ist ein Engel, nur weil sie sich ihm nicht hingeben will, behandelt er sie so so hart.« – Währenddessen hatte die Schwester Rodins die Röcke der armen Kleinen gelöst, ihr das Hemd hinaufgezogen und zeigte nun ihrem Bruder den wundervollsten Popo. Dieser geile Bock ergriff jetzt die Hände des jungen Mädchens, band sie fest und bewaffnete sich mit einem in Essig getauchten Rutenbündel. Die vor ihm kniende Schwester kitzelte ihm: das Glied, als er nun seine Tätigkeit mit sechs leicht geführten Schlägen begann. Julie schauderte, aber sie bot in ihrer Angst ein so schönes Bild dar, daß Rodin nur noch mehr entflammte. Jedoch er wagte es nicht, sie zu küssen oder ihr die Tränen wegzusaugen. Trotzdem betastete eine seiner Hände die Arschbacken. Bald öffnete, bald preßte er die göttlichen Reize zusammen, die ihn bezauberten. Er betrachtete sie von allen Seiten, und obwohl der wahre Tempel der Liebe nicht fern war, warf er doch, getreu seinem Glauben, keinen Blick dahin. Wenn die Stellung unglücklicherweise mehr zeigte, deckte er es rasch zu. Schließlich hatte seine Wut keine Grenzen mehr. Er überhäufte das arme, zitternde Wesen mit Schmähungen und Drohungen und peitschte schließlich den ganzen zarten Körper mit wütenden Schlägen, so daß sein rosiges Fleisch sich bald in eine blutende Masse verwandelte. Julie schrie und weinte, aber das regte Rodin nur noch mehr auf. Er konnte sich jetzt nicht mehr halten. Célestine mußte das Kind so halten, daß der Popo, den er begehrte, sich ihm darbot. Dann näherte er sich den Beiden, indem er leise zu seiner Schwester sagte: »Steck ihn mir hinein.« Er berührte mit der Spitze seine ungeheuren Maschine das rosige Grübchen, wagte aber nicht weiter zu gehen. Célestine trieb ihn jedoch wieder an und unter Flüchen Lästerungen und barbarischen Hieben öffnete er schließlich diesen Wohnsitz der Grazien und der Wollust. Der Verbrecher hielt sich aber zurück. Eine Steigerung hätte einen Verlust der Kräfte herbeigeführt, die er doch zu neuen Taten benötigte. »Kleiden Sie sich wieder an,« sagte er zu Julie, indem er sie losband und sich selbst in Ordnung brachte. »Und wenn noch einmal so etwas vorkommt, werden Sie nicht so leicht davonkommen.« – Als Julie hinausgegangen war, fuhr Rodin, zu seiner Schwester gewandt, fort: »Du hast mich zu rasch gekitzelt. Es hat nicht viel gefehlt und ich hätte entladen. Das kleine Mädchen ist hübsch? Nicht? Hast du sie schon gehabt?« – »Welche hätte ich nicht schon gehabt?« – »Aber du hast gar kein Mitleid, wenn ich sie auspeitsche!« – »Was geht mich eine solche Hure an, wenn ich nur entladen kann Ich würde sie selbst zerreissen. Ah, du kennst noch nicht mein Herz! Es ist noch grausamer wie deines. Steck ihn mir ein wenig in den Popo, Rodin, er brennt mir förmlich,« fuhr das Schandweib fort und begab sich in dieselbe Lage, die sie vor der Auspeitschung Julies inne hatte. Sie hob die Röcke und Rodin stürzte sich ohne jede Vorbereitung in ihren Hintern, in dem er eine halbe Viertelstunde verblieb. Die Hure wichste, entlud und ging dann hinaus, um neue Opfer zu holen.

Das zweite Mädchen, das hereinkam, mochte im Alter Justines stehen; ja, sie ähnelte ihr sogar ein wenig. »Aimée,« sprach Rodin, »es ist sonderbar, daß Sie bei ihrem Alter mich noch in die Lage bringen, Sie wie ein Kind auspeitschen zu müssen.« – »Mein Alter und mein Betragen ist es nicht, was mich einer solchen Schande aussetzt, mein Herr,« erwiderte stolz das entzückende Mädchen, »aber wenn man der Schwächere ist, hat man immer Unrecht.« »Sie antworten sehr frech, mein Fräulein.« sagte Célestine, »und ich hoffe, daß mein Bruder daraufhin nicht allzu nachsichtig sein wird.« – »Sie kann dessen sicher sein,« sagte Rodin, indem der die Röcke hastig loslöste. »Aber mein Herr, ich glaubte nicht ...« – »Aimée,« unterbrach sie der geile Bock, indem er sie über einen Lehnstuhl beugte, »Sie haben mir gesagt, daß Sie manchmal an Hämorrhoiden leiden. Ich werde Sie untersuchen und wenn Ihr Leiden tatsächlich ein wenig von Bedeutung ist, will ich Sie milder behandeln.« – »Niemals habe ich mich über etwas derartiges beklagt, mein Herr,« entgegnete Aimée bescheiden. – »Das macht nichts,« antwortete Rodin, indem er sie weiter gebeugt hielt, »das kann noch kommen. Es ist gut, wenn ich das jetzt schon bemerke.« Célestine half und bald lag die arme Aimée auf allen Vieren da, ohne sich rühren zu können. »Nein, tatsächlich, sie hat nichts,« sagte jetzt Rodin, »alles ist in gutem Zustand. Vorwärts, jetzt wollen wir sie züchtigen!« Man band ihr die Hände und Célestine ergriff die Rutenbündel. »Mach du den Anfang, Schwester,« sagte Rodin. »Ich möchte sehen, ob du wirklich kein Mitleid empfindest,« fuhr er fort, indem er sich vor sein Opfer hinstellte. Er wagte nicht, sich zu kitzeln, weil man ihn sah, und so rieb er bloß den Schenkel auf dem sein steifes Werkzeug ruhte. Célestine hieb mit derselben Grausamkeit ein wie ihr Bruder, der sich, kaum noch halten konnten. Er eilte auf die Peitschende los, entriß ihr die Ruten und fing nun selbst mit solcher Heftigkeit zu peitschen an, daß alsbald Blut hervortrat. Die arme Unglückliche atmete kaum. Man sah ihren Schmerz bloß an den Zuckungen ihrer Arschbacken, die sich bald öffneten und bald wieder schlossen. Nun folgte derselbe Angriff wie bei der ersten. Aimée aber erriet seine Absichten und drückte den Popo fest zusammen. Er griff nochmals an, aber wieder ließ ihn eine unvermutete Bewegung Aimées abgleiten. »Das alles scheint mir nicht zur Strafe zu gehören, mein: Herr,« sagte sie, »ich bitte Sie, machen Sie endlich Schluß.« Rodin wurde noch wütender und die 200 Peitschenhiebe, die er ihr jetzt mit sicherer Hand versetzte, schienen seinen Zorn kaum besänftigen zu können. Sein rasendes Glied schien den Himmel bedrohen zu wollen. Célestine wollte auch diesmal wieder helfen, jedoch Rodin winkte ab. »Nein« sagte er, »man führe sie weg; sie soll acht Tage lang bei Wasser und Brot eingesperrt sein. Ich will ihr zeigen, was das heißt, sich mir zu widersetzen.«

Aimée ging mit gesenkten, Augen hinaus und der grausame Rodin verlangte nach einem Knaben.

Der Junge, den Célestine nun hereinführte, war ungefähr fünfzehn Jahre alt und schön wie Amor. »Sie haben verdient, bestraft zu werden,« sagte er zu ihm, »und Sie sollen es auch sein.« Rasch war die Hose unten und alles: Popo, Glied, Hoden, Bauch, Schenkel, der Mund, alles wurde abgeküßt und geleckt. Rodin drohte, mehr kennen und der Liebende nur noch die Unmöglichkeit beschmeichelte, schmähte und liebkoste. Er befand sich in jener wollustigen Auflösung, bei welchen die Leidenschaften keinen Herrn klagt hundertmal so viel peinigen zu können. Mit seinen schamlosen Fingern trachtete er danach, in dem Knaben denselben Zustand von Geilheit hervorzurufen, in welchem er sich selbst befand. Er kitzelte ihn. »Nun, da haben wir ja wieder Ihr unkeusches Benehmen,« sagte der Satir, als er Erfolg bemerkte, »ich wette, daß, wenn ich noch zwei Handbewegungen mache, alles auf mich losspritzt.« Der Lüstling näherte nun seinen Mund, um die Strahlen aufzufangen, die seine Berührungen hervorgerufen haben. Er selbst ist nahe daran, zu entladen.

»Ah,« sagte er, indem er aufstand und den Samen von seinen Lippen leckte, »ich werde Sie bestrafen.« Er faßt den jungen Mann bei den Händen und band ihn fest. Seine Küsse brannten auf dem Altar, auf dem er gewöhnlich zu opfern liebte und seine Zunge vertiefte sich vollständig darin. »Ah! Kleiner Schuft,« rief er aus, »ich muß mich an Dir für die Gefühle rächen, die du in mir hervorrufst.« Er nahm die Ruten, und während Célestine ihn leckte, peitschte er das Kind, bis es weinte. Nun geriet Rodin in Verzückung, die nur unterbrochen wurde, um neue Opfer heranzuschleppen. Der Schüler wurde losgebunden und ein wunderschönes zwölfjähriges Mädchen kam an die Reihe. Auf sie folgte ein Schüler von sechzehn Jahren und nach ihm ein sechzehnjähriges Mädchen. So peitschte Rodin mit Hilfe seiner Schwester an diesem Tage sechszig Kinder aus. – Fünfunddreißig Mädchen und fünfundzwanzig Knaben. Der letzte war ein Adonis von fünfzehn Jahren, bei dem sich Rodin nicht länger halten konnte. Nachdem er ihn blutig geschlagen hatte, wollte er ihn ficken. Seine Schwester mußte ihn halten und er fuhr fluchend und alles zerreißend in den herrlichen Popo dieses schönen Engels hinein. Nachdem er wie ein Rasender entladen hatte, trachtete er das Kind wieder zu beruhigen, er gab ihm Bonbons und tröstete es, bis es Schweigen versprach. So mißbrauchte der Verbrecher das Vertrauen, das die Eltern der Kinder ihm entgegenbrachten, und über den wahrhaft raschen Fortschritt, den Knaben und Mädchen im Lernen machten vergaß jeder die Gefahren, die den Kindern in dieser Schule drohten.

»O Himmel,« rief Justine aus, als diese Orgien beendet waren, »wie kann man es wagen, solche Ausschreitungen zu begehen? Wie kann man in solchen Quälereien Vergnügen finden?«

»Ah, du weißt noch nicht alles,« erwiderte Rosalie, »höre, sagte sie, als sie in ihr Zimmer zurückkehrten«, »du kannst jetzt wohl begreifen, daß, wenn mein Vater bei jungen Mädchen einiges Entgegenkommen findet, er an ihnen ebenso handelt, wie er es soeben zu dem Knaben getan hat. Durch diese Vorsichtsmaßregel werden die Mädchen nicht entehrt und haben auch keine Schwangerschaft zu befürchten. Auch können sie einst mit Leichtigkeit einen Gatten finden. O, Justine,« fuhr diese liebe Kind fort ich selbst bin ja ein Opfer seiner Sinne geworden. »Mit sieben Jahren hat er mich entblättert und seither jeden Tag.« – »Aber, seit du erwachsen bist« unterbrach sie Justine, »bietet dir doch die Religion eine Zuflucht.« – »Ach, er erstickt ja in uns alle Ansätze zu einem Glauben,« fuhr Rosalie lebhaft fort, »das Wenige, was er mir über die Religion gesagt hat, erfuhr ich von ihm, nur damit seine Gottlosigkeit nicht durch meine Unwissenheit offenbar würde; aber ich habe niemals gebeichtet oder kommuniziert. Er macht diese Dinge; zu lächerlich, er ertötet in uns so sehr jeden Gedanken daran, daß wir an diese Pflichten der Religion entweder ganz vergessen, oder wenigstens eine solche Verachtung dafür empfinden, daß er keine Indiskretionen beim Beichtvater zu befürchten hat. Manchmal vereinigt er die jungen Leute beiderlei Geschlechtes, deren er sich sicher fühlt; und in diesen Versammlungen wird in ihnen jeder Keim zur Religion oder zur Tugend erstickt. Andere wieder dürfen niemals an diesen Zusammenkünften teilnehmen.« »Welche Schlauheit!« rief Justine aus, – »Deren bedarf es auch,« antwortete Rosalie, »um zehn Jahre hindurch ein solches Leben genießen zu können.«

»Komm, Justine,« sagte Rosalie einige Tage später, »beurteile mit eigenen Augen, was mein Vater mit meiner Schwester, mit mir, der Erzieherin und einigen seiner Günstlinge aufführt. Ich hoffe, diese Greuel werden dich überzeugen, daß ein anständiges Mädchen wie ich ungemein heftig leiden muß, wenn ihm die Natur nur Abscheu für alles das einflößt, was ihre Pflicht ist.« – »Ihre Pflicht? Niemals; sagen Sie Ihr Unglück.« – »Ach, der Grausame macht mir aus meinem Unglück Pflichten und ich wäre verloren, wenn ich mich widersetzen würde. Aber beeilen wir uns, die Klasse wird eben geschlossen. Begieb dich wieder dorthin, wo du das erste Mal zusahst, und passe gut auf.«

Um die wollüstige Szene, deren Justine jetzt ansichtig wurde, schildern zu können, müssen wir vorerst die Teilnehmer beschreiben.

Da war zuerst Martha, die Erzieherin, die wir schon als neunzehnjährige Schönheit gekennzeichnet haben, dann Rodins Schwester, Célestine, dann seine Tochter Rosalie; ferner ein sechzehnjähriger Schüler, namens Fierval, mit seiner fünfzehnjährigen Schwester, die Leonore hieß. Die Beiden waren außerordentlich schön, ähnelten sich stark und liebten sich sehr.

»Jetzt können wir uns also in aller Ruhe unseren Leidenschaften hingeben,« sagte Rodin, indem er sorgfältig alle Türen schloß. »Die Züchtigungen von heute Vormittag haben mich in einen Zustand versetzt, den sie sich nur durch diesen Anblick vorstellen können,« sagte er, indem er mit seinem harten und steifen Glied auf den Tisch klopfte, so daß sämtliche Hintern sich bedroht fühlten. Ja, sämtliche Hintern, denn unsere Leser müssen sich an den Gedanken gewöhnen, daß Rodin nur in diesem Tempel betete.

»Komm, teurer Engel,« sagte er zu Fierval und begann mit ihm zu züngeln, »komm, ich beginne mit dir, du weißt ja, daß ich dich anbete. Leonore ziehen Sie Ihrem Bruder die Hosen ab. Sie wissen ja– dieser wundervolle Popo muß von ihren Händen dargeboten werden. Ah, sehr gut!« Und der Schuft küßte, betastete und leckte, den schönsten Popo, den man sich vorstellen kann. Dann fuhr er fort: »Du, Schwester, kniee dich vor diesem jungen Mann hin und während ich ihn von hinten lecke, lecke du ihn von vorne. Du, Martha, schürze Leonore auf, ich will auch ihren Hinteren küssen können. Ja, so ist es richtig. Etwas aber fehlt noch. Rosalie, du schürze Martha auf und stelle dich so hin, daß ich eure beiden Hintern gleichzeitig betasten kann.« So blieb alles einen Augenblick lang, aber die Phantasie Rodins arbeitete zu stark, um das Bild nicht rasch zu verkehren. –

Folgendermaßen wurde die zweite Gruppe gestellt: Célestine kniete vor ihrem Bruder und leckte sein Glied. Leonore und Fierval mußten sich so aufstellen daß Rodin das Arschloch Beider gleichzeitig küssen konnte und mit der Rechten und der Linken bearbeitete er die Arschbacken Rosalins und Marthas. »Versuchen wir etwas anderes,« sagte er nach einigen Augenblicken. »Ich muß peitschen, ich kann mich an diesem Vergnügen niemals sättigen. Ach, Leonore, die Küsse, die ich auf Ihren schönen Popo gedrückt habe, haben in mir nur das Verlangen wachgerufen, ihn auch grausam zu behandeln; aber ich möchte, daß Ihr Bruder mit dem Auspeitschen beginnt. Ich stelle mich dann mit einem Rutenbündel hinter ihm auf, und er soll es büßen, wenn er Sie schont.« Sein Wunsch wird erfüllt und während Rodin selbst von Martha geschlagen wurde, kitzelte ihm seine Schwester an den Arschbacken seiner Tochter. Wer würde es glauben? Fierval, der würdige Schüler Rodins, zeigte keinerlei Lust, seine Schwester zu schonen. »Vorwärts, mein Freund,« rief jetzt Rodin aus, »ficke deine Schwester steck ihn ihr von hinten hinein. Komm, ich will dich einführen, damit ich auch an deiner süßen Blutschande teilnehmen kann.« Dabei ergriff er Fiervals Glied, befeuchtete es mit seinen Mund und vereinigte dann die beiden jungen Leute. Er selbst schickte sich an, nachdem er die Hand des Knaben an die Clitoris seiner Schwester gebracht hatte, Fiervals Hintern zu ficken. »Setze dich rittlings auf Fierval,« sagte er zu Rosalie, »ich will deinen Popo lecken, Martha soll mich inzwischen weiterpeitschen und die Arschbacken meiner Schwester sollen in meinen Händen ruhen.«

»Teufel, gibt es denn ein größeres Vergnügen?«, fuhr der geile Bock fort, »aber doch halt! Ich will meine Tochter ficken.« »Unbeständiger Mensch, du bist mit nichts zufrieden,« unterbrach ihn Célestine. – »Du hast kein Recht, dich über Launen zu beklagen,« entgegnete Rodin, »aber bevor wir die Gruppe bilden, die auch sicher Samen kosten wird, wollen wir noch etwas anderes aufführen. Kniet euch alle derart nieder, daß Leonore mir ihren Popo, Fierval seinen Mund, meine Schwester einen Popo und Martha wieder einen Mund darbietet. Rosalie wird mein Glied in der Hand halten und mich von Altar zu Altar geleiten. Ich werde jedem meine Huldigung erweisen, worauf sie sich auf das Sopha stürzen und sich auf mein Gesicht niederhocken wird, wodurch ich gleichsam gegen meinen Willen gezwungen sein werde, ihre Arschbacken und ihr niedliches Arschloch zu küssen! .... Ah, kleine Schurkin!« sagte er zu Rosalie, als er mit der Reihe zu Ende, das heißt, in Marthas Munde war, »ah, kleines Lumpenweib, Sie sollen für die Schamlosigkeit bestraft werden, die Sie eben begangen haben. Sich den Popo vom seinem Vater küssen zu lassen, ihm die Nase hineinzustecken! Schamloses Geschöpf, ich werde Sie lehren, sich über Ihren Vater lustig machen!« Er erfaßte sie und während er sich von Martha lecken ließ, schlug er auf Rosalie mit einem Hammer los, bis sie in Blut gebadet war. Ueberall, wohin sein Instrument eine Wunde schlug, drückte er auch einen Kuß, saugten sich seine Lippen fest. Aber damit geschah ihm nicht genug. Der Verbrecher drang noch in den schmalen Wohnsitz des Vergnügens ein, er fickte seine Tochter von hinten, während Fierval die gleiche Handlung an ihm vornehmen mußte. Vor sich hatte er den reizenden Popo Leonores, neben sich den Marthas und Célestines, und so drückte, küßte, zerriß und zerstieß er alles in seiner Umgebung, bis endlich die Bombe platzte und der Popo Rosalies mit Samen überschwemmt wurde. So genoß der Niederträchtige.

Auf diese Orgien folgte eine kleine Ruhepause. Man umringte Rodin und liebkoste ihn. Die eine wollte ihn durch die Glut ihrer Küsse wieder beleben. Die andere drückte sein Glied und rieb es sanft, während eine dritte sein Arschloch kitzelte, eine vierte ihren schönem Hintern allen Liebkosungen darbot und Fierval sich von ihm das Glied lecken ließ. So viel Sorgfalt brachte ihn richtig wieder ins Leben zurück. »Ihr wollt mich an zu reichlichem Genuß sterben lassen,« sagte Rodin, »nun gut, es sei! Das wäre eine süße Todesart. Ich bitte dich, Célestine, ficke vor meinen Augen mit Fierval und seine Schwester Leonore soll niederknieen und dir dabei die Clitoris lecken. Rosalie und Martha sollen mich währenddessen sowohl vorn wie hinten kitzeln. Ich hoffe, daß ich gleichzeitig mit dir fertig sein werde.«

Allein Rodin überschätzte seine Kräfte. Seine Schwester hatte schon sechs Nummern gemacht, ehe sein trauriges Glied sich auch nur halb in dem zur Entladung nötigen Zustand befand.

»Kommt her und leckt mir eine nach der andern das Glied,« sagte er, »und die übrigen empfindlichen Stellen des Körpers, so daß ich nur infolge von Zungenspitzen entlade.« Der Gedanke war wohl gut, allein Rodin hatte nicht erwogen, wieviel Zeit seine Ausführung in Anspruch, nähme. So dauerte es eine Stunde, die unter Beißen, Saugen und Lecken verging, bis die Natur ihn endlich beglückte und er in den Mund seiner Tochter entladen konnte.

»Wenn es etwas Süßes in der Welt gibt, dann ist es die Wollust,« sagte Rodin, nachdem er ruhig geworden war. »Gibt es eine Leidenschaft, die mehr beglückt? Sie entzündet die Fackel der Vernunft, sie gibt dem Menschen Tatkraft. Sie beherrscht eine Seele, die sie einmal erfaßt hat, so sehr, daß nichts anderes mehr darin Platz findet. Nichts beglückt so sehr wie sie. Geben wir uns ihr daher mit vollem Herzen hin und hassen wir alles, was nicht mit ihr zusammenhängt oder sie bekämpft.«

Nunmehr äußerte der junge Fierval den heftigen Wunsch, Rosalie zu ficken. »Steck ihr ihn doch hinein, Dummkopf,« rief Rodin aus, »es scheint so, als ob du fürchten würdest, dich deinen Begierden hinzugeben. Komm, ich will sie dir halten, denn ich liebe es, ihren Zuhälter zu spielen. Du, Schwester, kitzle ihm den Popo, und du, Martha, laß ihn deinen hübschen Hintern küssen. Wir müssen diesen herzigen kleinen Engel mit Vergnügungen überhäufen.« Und so mußte Rosalie nochmals standhalten; sie, die nur für die Tugend atmete und die nur ihr Glück im Kloster bei Gott gefunden hätte.

Fierval brauchte nicht Lange. Er entlud bald, und Rodin der seine Tochter auf den Knien gehalten hatte, beugte er sich nun nieder, um das Glied des jungen Mannes so zu lecken, wie es aus dem Popo seiner Tochter herausgekommen war. Da er sich aber dabei wieder aufregte, bearbeitete er abwechselnd Leonore und seine Tochter von hinten und küßte dabei Fiervals Hintern. Célestine und Martha peitschten; ihn dabei nacheinander aus, bis er endlich in den entzückenden Popo seiner Tochter entlud.

Der wackere Erzieher begab sich nun zu Tisch und Justine hatte jetzt Muße, über das, was sie gesehen hatte, nachzudenken. »O, mein Gott!« rief sie aus, »bin ich geboren, um immer nur inmitten von Verbrechen und Niederträchtigkeiten zu leben?«

Man kann jedoch daran nicht zweifeln, daß, wenn sie nicht in so inniger Freundschaft an Rosalie gehangen hätte, sie sofort die Flucht ergriffen hätte. Aber die Hoffnung, ihre junge Genossin mit retten zu können, gab ihr Geduld, auszuharren.

Unsere Heldin befand sich seit ungefähr vierzehn Tagen bei Rodin, als dieser eines Morgens, brennend vor Begierde, bei ihr eintrat. Nach einigen allgemeinen Redensarten sprach er sein Begehren aus. Da er aber wenig daran gewöhnt war, lange Einleitungen zu machen, faßte er bald Justine um den Leib mit der Absicht, sie aufs Bett zu werfen. »Lassen Sie mich los, mein Herr,« sagte dieses tugendhafte Mädchen, »lassen Sie mich oder ich rufe das ganze Haus als Zeugen für ihre beabsichtigte Niederträchtigkeit zusammen. Wie begründen Sie Ihre Ansprüche auf mich? Ich mache mich doch hier im Hause nützlich und betrage mich derart, daß ich nichts von Ihnen befürchten zu müssen glaube. Wohl bin ich Ihnen dankbar, daß Sie mich aufgenommen haben, aber denken Sie daran, daß ich niemals mit meiner Ehre lohnen werde.«

Rodin staunte verwirrt über den unerwarteten Widerstand Justine an. »Herzchen,« sagte er nach einer Pause zu ihr, »du tust nicht recht daran, mir gegenüber die Vestalin zu spielen. Ich glaubte einiges Anrecht auf dein Entgegenkommen zu besitzen. Aber schön, dein Wille geschehe, nur verlasse mich nicht wegen einer solchen Bagatelle. Ich bin glücklich darüber, ein keusches Mädchen in meinem Hause zu haben. Da du im gegenwärtigen Fall so viel Tugend bezeigst, wirst du es hoffentlich auch in anderen Fällen tun. Du wirst dir dabei noch viel mehr meine Zuneigung gewinnen und ich bitte dich inständig, uns nicht zu verlassen.«

»Ich könnte hier nicht glücklich sein, mein Herr,« erwiderte Justine. »Man würde eifersüchtig auf mich werden und ich müßte dann doch weg.« – »Fürchte dich nicht,« entgegnete Rodin, »die Erzieherin ist dir untergeordnet und meine Schwester liebt dich. Du wirst immer mein Vertrauen besitzen, wenn du nur die nötige Verschwiegenheit bewahrst. Denn es geschehen hier viele Dinge, die deinen Anschauungen nicht entsprächen. Du mußt also alles sehen und hören, ohne auch nur darüber nachzudenken. Ja, Justine,« fuhr Rodin eifrig fort, »bei aller Ausschweifung werde ich dann neben mir ein tugendhaftes Wesen besitzen, in dessen Arme ich mich wie zu einem Gotte stürzen werde, sobald ich meine Leidenschaften befriedigt haben werde.«

»Die Tugend ist also dem Menschen notwendig,« dachte Justine, »da doch selbst der Lasterhafte sich ihrer versichern will.«

Und unser liebenswürdiges Mädchen erinnerte sich der Bitten Rosalies und willigte schließlich gerne ein zu bleiben, da sie auch an Rosalie gute Anlagen zu bemerken glaubte. »Justine,« sprach er, »Sie sollen von jetzt ab nur noch mit meiner Tochter verkehren und ich geben Ihnen 400 Pfund als Gehalt.«

Eine solche Stellung mußte ein Glück für unsere unglückliche Waise werden, denn sie hoffte, sowohl Vater wie Tochter bekehren zu können.

»Rosalie,« sagte jetzt Rodin zu seiner Tochter, »ich hatte bisher nur den unbestimmten Wunsch, Justine an dich zu binden. Dieser Plan bildet von nun ab das Glück und den Trost meines Lebens. Empfange dieses Geschenk aus meiner Hand.«

Die beiden Mädchen umarmten sich und Justine blieb.

Es vergingen keine acht Tage und schon versuchte sich unser keusches und tugendhaftes Mädchen an der ersehnten Bekehrung. Allein die Verstocktheit Rodins übertraf alle ihre Erwartungen.

»Glaube nicht,« antwortete er ihr eines Tages, »daß die Huldigung, die ich der Tugend durch dich leiste, ein Beweis dafür ist, daß ich sie schätze oder sie dem Laster vorziehe. Diejenigen, die nach meiner Handlungsweise dir gegenüber annehmen würden, daß die Tugend wichtig oder gar notwendig ist, würden in einen großen Irrtum verfallen. Nein. Ich setze mich einer Art Gefahr aus, die Tugend schützt mich davor, so bediene ich mich ihrer. Aber ist sie deshalb weniger unnütz? In einer ganz lasterhaften Gesellschaft würde sie zu nichts taugen. Da aber unsere Gesellschaft leider nicht so beschaffen ist, muß man entweder Tugend heucheln oder sich ihrer bedienen. Täuschen wir uns nicht: Die Tugend ist kein unwandelbarer Wert. Sie ist veränderlich und nur was zu allen Zeiten, bei allen Völkern und in jedem Klima nützlich ist, ist wahrhaft gut. Stete Veränderlichkeit ist kein Zeichen von Größe. Daher rechnen auch die Gläubigen unter die Vorzüge ihres Gottes die Unwandelbarkeit. Die Tugend hat aber nichts von dieser Eigenschaft in sich. Es gibt religiöse Tugenden, Tugenden, die von der Mode, dem Umstand, dem Temperament oder dem Klima abhängen. Die Tugenden in einer Revolutionszeit sind beispielsweise ganz andere wie zu Zeiten einer ruhigen Regierung. Brutus, einer der größten Republikaner, wäre in einer Monarchie gerädert worden. Der unter Ludwig XV. hingerichtete Labarre hätte einige Jahre später vielleicht eine Krone erhalten.

Es gibt im allgemeinen keine zwei Völker auf der Erde, die auf gleiche Art tugendhaft sind: Man muß daher zu seinem Schutz die seines Landes annehmen, aber das beweist noch keinen wirklichen Wert der Tugend. Es gibt überdies Tugenden, die für manchen Menschen unmöglich sind. Lehren Sie einem Wüstling keusch sein, einem Trunkenbold nicht zu trinken, einem grausamen Menschen mildtätig zu sein. Die Natur alle von Ihnen auferlegte Fesseln brechen und Sie werden; eingestehen müssen, daß eine Tugend, die die Leidenschaften bekämpft, bloß gefährlich sein kann. Bei den eben angeführten Menschen werden die ihnen zuerteilten Lasten sicherlich zu ihrem Wohlbefinden und ihrer Gesundheit nötig sein. Wenn aber diese Laster nützlich sind, wie können es dann die ihnen, entgegengesetzten Tugenden sein. Man wird Ihnen darauf antworten: Die Tugend ist den anderen nützlich und von diesem Standpunkt aus ist sie gut. Denn wenn ich anderen nur Gutes tue, werde ich meinerseits auch nur Gutes empfangen. Hüten Sie sich davor, so zu denken. Für das wenige Gute, das ich von den anderen empfange, leiste ich eine Million von Opfern und Entbehrungen, die mir nicht vergütet werden. Ich mache also ein schlechtes Tauschgeschäft und es ist für mich besser, darauf zu verzichten, anderen ein Glück zu verschaffen, das mir so teuer zu stehen kommt. Bleibt noch das Unrecht, das ich bei meiner Lasterhaftigkeit dem andern zufügen kann, und das Böse, das ich meinerseits dann zurückerhalte. Wenn ich einen vollkommenen Kreislauf des Lasters annehme, so begebe ich mich entschieden in eine Gefahr. Allein die dadurch entstehenden Sorgen werden durch das Vergnügen ausgeglichen, andere gefährden zu können, und so würde bald jedermann glücklich sein. Aber – sagen die Dummköpfe – das Laster macht nicht glücklich. Nein, sicherlich nicht, wenn man auf die Tugend eingeschworen ist. Aber ergeben Sie Sich einmal nur dem Bösen, vergessen Sie an die Tugend, dann werden Sie an einem Verbrechen nur Freude haben. Ich nehme beispielsweise eine Gesellschaft an, in der die Blutschande ein Verbrechen ist. Diejenigen, die sich ihr hingeben, werden unglücklich sein, weil die öffentliche Meinung, die Gesetze, der Gottesdienst und alles andere sie hindern würde. Diejenigen, die dieses Vergehen versuchen wollten, es aber nicht wagen würden, wären gleicherweise unglücklich: So würde das Gesetz gegen die Blutschande nur Unglückliche schaffen. In der benachbarten; Gesellschaft ist aber die Blutschande kein Verbrechen. Diejenigen, die nicht nach dieser Liebeslust begehren, werden nicht unglücklich und diejenigen, die dennoch begehren, werden glücklich sein Die letztere Gesellschaft wird aber sowohl in diesem Falle wie in allen anderen die dem Menschen vorteilhaftere sein. An der Tugend ist also nichts Gutes und nichts Verehrungswürdiges und diejenigen, die ihren Weg wandeln, dürfen sich darauf nichts einbilden: Sie ist ein Ding, das durchaus von den Umständen abhängt. Das Laster steckt aber im Gegenteil voll Annehmlichkeiten. In ihm liegt das ganze Lebensglück, nur durch seine Glut werden die Leidenschaften entzündet und derjenige, der, wie ich, sich einmal gewöhnt hat, in diesen Anschauungen zu leben, kann keinen anderen Weg mehr einschlagen. Ich weiß wohl, daß diese Anschauungen von Vorurteilen bekämpft werden und daß die öffentliche Meinung manchmal über sie triumphiert. Aber gibt es etwas Verächtlicheres in der Welt als die öffentliche Meinung oder gar die Vorurteile? Voltaire sagte: Die öffentliche Meinung ist die Herrscherin der Welt. Heißt das aber nicht eingestehen, daß sie wie alle Herrscherinnen nur eine auf Uebereinkunft beruhende Macht besitzt? Und was liegt mir an der öffentlichen Meinung! Es gibt zwei Dinge: Entweder man verbirgt sie oder man läßt sie mir gegenüber laut werden. Im ersten Fall widerfährt mir kein Unglück und im zweiten empfinde ich sogar Vergnügen. Ja, zweifellos ein Vergnügen, denn es ist unendlich reizvoll, der öffentlichen Meinung zu trotzen. Aber der Gipfel der Klugheit ist, sie zum Schweigen zu bringen. Man rühmt uns die allgemeine Achtung. Aber, ich bitte Sie, was gewinnt man dabei, wenn man von den anderen geachtet wird? Dieses Gefühl legt dem Menschen Opfer auf, es beleidigt seinen Stolz. Ich könnte vielleicht denjenigen lieben, den ich verachte, niemals aber den, den ich achte. Wir wollen nicht länger zwischen diesen beiden Lebensformen schwanken, von denen die eine – die Tugend – nur zur stupiden Einförmigkeit und Untätigkeit führt, während die andere alles in sich vereinigt, was es Bezauberndes auf Erden gibt.«

Dies war die teuflische Logik, die in den Leidenschaften Rodins lag. Die sanfte und natürliche Beredsamkeit konnte auf diese Sophismen nichts erwidern. Allein Rosalie verabscheute die Greueltaten, denen sie sich unterwerfen mußte, und sie konnte man eher bekehren, wenn man ihr nur erst die obersten Gesetze der Religion beigebracht hätte. Dazu aber hätte man einen Priester ins Vertrauen ziehen müssen, und Rodin erlaubte weder, daß einer ins Haus käme, noch daß Rosalie ohne Begleitung ausgehe. So mußte sie warten, bis sich eine Gelegenheit bieten würde und konnte die Zwischenzeit nur dadurch ausfüllen, daß sie ihre Schülerin belehrte und in ihr die Neigung für die Tugend und die Religion zu erwecken trachtete.

»O, Fräulein,« sagte sie eines Tages zu ihr, »wie kann der Mensch so verblendet sein und bestreiten, daß er zu einem höheren Zwecke geboren sei. Was gibt es aber auf Erden, das dem Ewigen mehr gefiele als die Tugend, zu der er selbst das Beispiel gibt? Kann der Schöpfer so vieler Wunden andere Gesetze als das Gute haben? Und könnten ihm unsere Herzen gefallen, wenn in ihnen nicht Güte, Wohltätigkeit und Keuschheit die Grundelemente bilden würden? Ich glaube,« fuhr unsere gläubige Waise fort, »dem gefühlvollen Menschen genügt schon die Dankbarkeit, um sein Herz in Liebe für das höchste Wesen schlagen zu lassen. Ist es nicht eine Gnade von ihm, daß wir die Schönheiten des Weltalls genießen dürfen? Und sind wir ihm nicht für eine solche Wohltat zu Dank verpflichtet? Ist es denn nicht süß, zu empfinden, daß man sich dem höchsten Wesen gefällig macht nur dadurch, daß man sich der Tugend hingibt, die uns doch auch schon auf Erden beglückt? Dieselben Mittel, die uns in Stand setzen, mit unserem Nächsten friedlich zu leben, sichern uns de Wiedergeburt im Schoß des Ewigen zu. Ah, Rosalie, wie töricht sind diejenigen, die uns diese Hoffnung rauben wollen. Sie sagen lieber: man täuscht uns, statt zu sagen: wir täuschen uns selbst. Der Gedanke an die Verluste, die sich so vorbereiten, würde sie in ihrer Wollust stören. Es erscheint ihnen weniger schrecklich, die Hoffnung auf den Himmel zu verlieren, als sich dem zu unterwerfen, was sie dorthin bringen könnte. Aber wenn die Leidenschaften in ihnen schwächer werden, wenn der Schleier zerreißt und ihr verderbtes Herz nicht mehr zweifeln kann, dann muß die gebieterische Stimme, die sie in ihrem Wahn nicht beachteten, fürchterlich für sie werden! An diesem Zustand muß man den Menschen beurteilen, um seine Lebensführung zu bemessen. Wir wünschen ihn uns selbst denn herbei; denn er tröstet uns, und von ihm aus kann man alles Uebrige ableiten. Wenn es einen Gott gibt, dann verdient er unsere Anbetung, und die Grundlage für diesen Gottesdienst ist unwiderleglich die Tugend.«

So wurde die gottesgläubige Rosalie bald zur Christin, und bloß die einzige Frage blieb unbeantwortet: wie man zur Theorie die Praxis hinzufügen könnte. Rosalie trug mit Ekel die Fesseln, die ihr Rodin auferlegt, aber sie wußte, daß mit ihm nicht zu spassen war. Auch zeigte er sich unbekehrbar. Keines der religiösen und moralischen Systeme Justine konnte gegen ihn aufkommen. Gelang es ihr jedoch nicht, ihn zu überzeugen, so hatte sie doch wenigstens die Festigkeit, sich auch nicht erschüttern zu lassen.

Denn, während Justine die Tochter des Hauses zu bekehren trachtete, war Rodin seinerseits ständig bemüht, aus Justine einen Proselyten zu machen. In Rodins Hause befand sich ein Anstandsort, der ihm dazu diente, die Körper aller derjenigen seiner Schüler betrachten zu können, die er entweder verführen wollte, oder denen gegenüber weiter zu gehen er nicht wagte. Den Schlüssel zu diesem sehr elegant ausgestatteten Kabinett gab man nur denjenigen, deren Reize man kennen lernen wollte. Der Sitz war derart eingerichtet, daß die Person, die darauf saß, ihren ganzen Hinterteil den Blicken Rodins darbot, der bequem in einem anschließenden Zimmer zuschaute. Argwöhnte das Kind etwas und stand es auf, so schloß sich sofort eine federnde Falltür ohne den mindesten Lärm. Sowie es sich beruhigt wieder niedersetzte, öffnete sich wieder die Tür und Rodin konnte mit Leichtigkeit seine Nase bis zum Popo vorstrecken und sehen wie es entleerte. Wenn ihm das, was er gesehen hatte, gefiel, – dann wurde es bald zur Auspeitschung und nach der Auspeitschung zur Sodomie verdammt.

Man kann sich leicht vorstellen, daß der Schlüssel zu diesem magischen Kabinett bald Justine in die Hand gegeben wurde und daß unser von dem sich bietenden Anblicke entzückter Hurenkerl von da ab noch energischer auf den Besitz dieser Reize losging. »O, Himmel, Schwester!« rief er zu Célestine aus, als er wieder einmal eine derartige Besichtigung vorgenommen hatte, »gerechter Himmel! Du kannst dir keine Vorstellung von den göttlichen Reizen dieses Mädchens machen! Nein! Es gibt keinen Popo, der dem ihren ähneln würde. Sie verdreht mir den Kopf, ich bin außer mir. Ich muß sie besitzen, Schwester, koste es was es wolle. Versuche du und verlocke sie. Aber sieh zu, daß du Erfolg hast, sonst würde in mir eine Wut entstehen, die mich zu Ausschreitungen treiben könnte!«

Célestine setzte Alles in Bewegung. Allein es vergingen vierzehn Tage, ehe die Sirene eine andere Gewißheit erlangt hätte als die, daß alle ihre Pläne fehlschlugen.

»Du tust sehr schlecht daran,« sagte sie eines Tages zu Justine, »einem gewissen Glück eine ungewisse Hoffnung; vorzuziehen. Wie kannst du dir mit deiner Geistesschärfe einbilden, daß die Reinheit der Sitten, von der du hier so viel Aufhebens machst, jemals zu etwas gut ist? Dein Stolz, der einen Augen blick lang etwas Erstaunliches hat, beleidigt so lange deine Mitmenschen, bis sie dich verachten und du wirst bald aus dem Alter heraus sein, wo man gefällt, ohne den mindesten Nutzen aus den kostbaren Gaben gezogen zu haben, die dir die Natur geschenkt hat. Und welches Uebel glaubst du zu begehen, indem du deinen Körper dem hingibst, der ihn begehrt? Ist dieses Begehren in ihm nicht ein von der Natur eingeflößtes? Du beleidigst sie, wenn du nicht nachgibst und diese lächerliche Keuschheit, auf die du dir so viel einbildest, ist weiter nichts wie ein verbrecherischer Widerstand gegen ihre Absichten. Ah, glaube mir, mein Engel, die Menschen lieben uns nur nach dem Maßstab der Genüsse, die wir ihnen bieten. Wenn wir sie ihnen verweigern, lassen sie uns laufen, und die einzige Freude, die uns noch bleibt, ist der schwache Stolz, widerstanden zu haben. Sind solche Triumphe aber etwas wert? O, mein Kind, es gibt nichts Süßeres als die sinnlichen Freuden, Ein Augenblick im Schöße der Liebe taugt mehr als tausend Jahre der Tugend. Gib nach, Justine. Auch deine Eitelkeit wird befriedigt werden. Rodin zieht dich allen Anderen hier vor. Wiegt dieser süße Sieg der Eigenliebe nicht alle der Tugend gewidmeten Entbehrungen auf? Aber willst du mir vielleicht von der Selbstbefriedigung sprechen? Ah, Justine, welch ein trauriger Genuß ist das! Wie tief steht diejenige, die darin ihre Freude sucht, unter dem Wesen, das seine Glückseligkeit nur im Schoße der Ausschweifung findet. Koste doch einmal von den Vergnügungen, gegen die sich deine Vorurteile erheben, und du wirst ohne sie nicht mehr bestehen wollen. Mein Bruder betet dich an. Er würde Alles für dich tun. Vergißt du denn, was er bereits getan hat? Ist es nicht die erste Aufgabe einer gefühlvollen Seele, dankbar zu sein? Du vernachlässigst diese heilige Pflicht, Justine, wenn du dich deinem Wohltäter entziehst.«

Allein nichts konnte dieses engelsgleiche Wesen überzeugen.

Sie fuhr so lange fort, ihren Wirten Widerstand entgegen zu setzen, bis sich der Verbrecher endlich zu einer höllischen List entschloss, wie sie nur seinem niederträchtigen Gehirn entspringen konnte.

Mittels eines Loches, das er in eine Mauer von Justines Zimmer gebohrt hatte, konnte er bemerken, daß dieses reizende junge Mädchen in den Tagen der großen Hitze nackt zu schlafen pflegte. Rodin ließ nun rasch und im Geheimen eine Falltüre herrichten, durch die Justines Bett in das höher gelegene Zimmer gehoben werden konnte. Er begab sich eines schönen Abends in dieses Zimmer und sobald er Justine eingeschlummert glaubte, ließ er die Falltüre spielen. So befand sich unser unglückliches Mädchen ganz nackt und ohne Verteidigungsmittel im wohlverschlossenen, wohlverriegelten Machtbereich des Verbrechers.

»Ah, endlich habe ich dich, Schelmin,« rief er aus und warf sich auf seine Beute, »nun wirst du mir nicht mehr entschlüpfen!«

Im Zimmer waren sechs Kerzen aufgestellt, wodurch der Hurenkerl in der glücklichen Lage war, den vollendeten Körper sowohl küssen als auch sehen zu können. Wir brauchen seinen Zustand nicht weiter zu beschreiben, denn man kann sich leicht sein Vergnügen vorstellen, endlich sein Ziel erreicht zu haben. Trotzdem jedoch konnte er Justines nicht Herr werden. Sie war durch ihre Tugend stärker wie er, leicht und behend wie ein Aal entglitt sie seinen Armen und öffnete hilferufend ein Fenster. Man denkt nicht an Alles, wenn man geil ist, und so hatte Rodin gerade an diese Gefahr vergessen. Das Fenster ging aber gerade nach dem Schlafraum der jungen Mädchen und so konnte ihm diese Nachlässigkeit das Leben kosten.

»Halt ein, Unglückliche!« rief er, »ich will dir aufriegeln, aber sprich kein Wort. Um Himmelswillen, stürze mich nicht ins Verderben!« – »Gut, so öffnen Sie mir die Türe,« sagte Justine; »sobald sie offen ist, höre ich auf zu schreien.« Rodin mußte gehorchen und so wurde nochmals ein Verbrechen abgeschlagen, dessen Ausführung deshalb aber noch nicht aufgegeben wurde.

Nun war der Anstoß für Justine gegeben, das Haus Rodins zu verlassen, und sie hätte sicherlich die Gelegenheit benützt, wenn sie sich damals nicht gerade im wichtigsten Stadium von Rosaliens Bekehrung befunden hätte. Bevor wir hier weitergehen, müssen wir aber ein wenig zurückgreifen.

Justine konnte freier aus und eingehen wie Rosalie und so fand sie Gelegenheit, ihren Bekehrungsplan einem jungen Priester des Pfarrsprengels mitzuteilen. Abbé Delue ein eifriger Diener des Herrn, hatte freudig den erhabenen Gedanken aufgegriffen, der Kirche ein sanftes Schaf zurückzubringen, das man ihr entführen wollte. In den ersten drei Wochen nach seiner Begegnung mit Justine fanden auch schon fromme Konferenzen statt, und zwar im Zimmer Rosaliens selbst. Die Absicht Rosaliens war es, eines Morgens in den Schoß der Kirche zu flüchten und ihr ferneres Leben in einem Stifte zu verbringen. Aber der Himmel erlaubte nicht, daß die Tugend nochmals über das Laster triumphiere, eine Unvorsichtigkeit verriet Alles und das Verbrechen trat wieder in seine Rechte.

Justine wohnte gewöhnlich nicht den feierlichen Unterrichtsstunden an. Sie stand Wache und warnte, wenn Rodin nahte. Eines schönen Tages glaubten sich aber alle Drei in Sicherheit und Justine mußte an der Verzückung ihrer Freundin teilnehmen. Unsere drei Engel schwangen sich gerade gemeinsam gegen das Himmelsgewölbe, als der mehr irdischen Dingen zugewandte Rodin; mit dem Wunsche eintrat, seine Tochter in den Hintern zu ficken. Er glaubte sie im Bette anzutreffen und hielt schon sein Glied in der Hand, aber wie groß war sein Erstaunen, als er sie zu Füßen eines Priesters und mit einem Kreuz in der Hand sitzen sah. Einen Augenblick lang glaubte er zu träumen. Erschreckt taumelte er bald vorwärts, bald nach hinten, und erst langsam kam er zu sich. »Sie sehen, Schwester, wie man mich verrät,« sagte er zu Célestine, die mit Martha nachfolgte, »es ist leicht zu erraten, Justine, wem ich diesen niederträchtigen Verführungsplan zu verdanken habe. Gehen Sie hinaus, ich will Ihnen nichts nachtragen, denn ich habe Sie So lieb, daß, hätten Sie selbst nach meinem Leben getrachtet, ich Ihnen verzeihen würde. Aber du, Verbrecher,« sagte er und fasste den Kirchenmann beim Kragen, »du unwürdiger Anhänger einer ekelhaften Religion, du wirst mir aus diesem Haus nicht so leicht entwischen, wie du hereingekommen bist. Du wirst in einem Kerker dafür büßen, die philosophischen Wahrheiten, die ich in diesem Hause verbreite, mit deinem unreinen Atem beschmutzt zu haben. Gehen Sie hinaus, Rosalie, gehen Sie zu Ihrer Tante und rühren Sie sich von dort nicht ohne meine Erlaubnis weg.« Nun zerrte er mit Hilfe seiner Schwester und der Erzieherin den Abbé in ein Kellerloch, in das die Sonne noch niemals geschienen hatte, ging dann zu Rosalie und sperrte sie in ein anderes Verließ ein, Hierauf lief er in das Dorf. »Man hat mir meine Tochter entführt,« rief er aus, daß es jeder hörte, »und ich habe Verdacht auf den Abbé Delue!« Man eilte nach seiner Wohnung- fand den Abbé aber nicht zu Hause. »Nun ist Alles klar,« sagte Rodin, »ich hatte bis jetzt nur den Verdacht, nun aber sehe ich fürchterliche Wahrheit. Allein ich habe Schuld, ich habe Alles kommen sehen und hätte die Beiden schon am ersten Tage auseinanderbringen müssen!«

Alles ging ihm in die Falle. Rodin war durch diese List Herr über den Priester und er öffnete den Kerker bloß, um ihn in eine Gruft zu verwandeln. Den Leichnam Delues nagelte er an die Wand und mit einem eines solchen Ungeheuers wohl würdigen Raffinement brachte er jetzt seine Tochter an diesen Schreckensort. »Ich will, daß du deinen Verführer immer vor Augen haben sollst,« sagte er zu ihr, »bis du dein Verbrechen mit deinem Blute abgewaschen hast.«

So standen die Dinge, als Justine, die sich außer aller Gefahr wähnte, das Unmögliche unternahm, etwas Gewisses über das Los ihrer Freundin zu erfahren; sie benützte jeden Augenblick, den sie sich unbeachtet glaubte, um die; entlegensten Winkel des Hauses zu durchstöbern. Endlich glaubte sie im Hintergrunde eines sehr finsteren Hofes Stöhnen zu vernehmen. Sie trat hinzu, aber vor der engen Türe lag ein Haufen Holz. Neues Wehklagen. »O, Justine! Bist du es?« – »Ja, Teuerste,« entgegnete diese, denn sie erkannte die Stimme Rosaliens, »ja, es ist Justine und der Himmel schickt sie dir.« Bald erfuhr nun Justine, in welcher traurigen Lage Rosalie sich befände, daß ihr Vater den Abbé ermordet habe, daß sie aber nur an den Messerstichen beurteilen könne, daß Delue viel gelitten habe. »Jetzt komme ich an die Reihe,« fügte Rosalie hinzu, »gestern am Abend kam mein Vater mit dem Dorfarzt herein, mit dem er sehr befreundet ist, und beide haben sich an mir schamlos vergangen. Mein Vater wollte sogar (etwas, was ihm noch nie durch den Kopf gegangen ist), daß ich mich den zügellosen Leidenschaften seines Kollegen hingeben solle, ja er hielt mich sogar während dieser schauderhaften Szene fest. Es sind ihnen aber auch Worte entschlüpft, die mich an meinem Schicksal nicht mehr zweifeln lassen. O Justine, ich bin verloren, wenn es dir nicht gelingt, mich zu befreien Alles beweist mir, daß diese Ungeheuer mit mir einen ihrer Versuche anstellen wollen.«

»Himmel,« rief jetzt Justine aus, »haben sie derlei schon einmal getan?« – »Ich habe starke Gründe, die dafür sprechen. Wenn elternlose Kinder hier sind ...« – »Nun, was dann? Du machst mir Furcht!« – »Sie verschwinden oft, ohne daß man wüßte, was aus ihnen geworden ist. Es ist noch keinen Monat her, daß ein wunderschönes vierzehnjähriges Mädchen auf diese Art verschwand, und ich erinnere mich wohl, daß ich an diesem Tage erstickte Schreie aus dem Kabinette meines Vaters hörte. Am nächsten Tage sagte man, daß sie davongelaufen sei. Einige Zeit nachher geriet eine fünfzehnjährige Waise auf gleiche Art in Verlust und man hörte von ihr nichts mehr. Mit einem Wort, ich zittere, wenn es dir nicht bald gelingt, mich aus diesem Gefängnis zu befreien.«

Justine fragte nun ihre Freundin, ob sie nicht wüßte, wo die Schlüssel zu diesem Keller hingen. Rosalie verneinte, trotzdem glaubte sie nicht daran, daß sie jemand bei sich trüge. Nun suchte Justine darnach, aber es war vergeblich und die Stunde des Abschieds nahte, ohne daß sie dem armen Kinde eine andere Hilfe zuteil werden lassen konnte, als ein paar Trostworte und viel Tränen. Justine mußte schwören, am nächsten Tage wieder zu kommen und sie versprach auch, falls sie bis dahin noch keine Abhilfe gefunden hätte, mit ihren Klagen bis zu Gericht gehen zu wollen, um die unglückliche Rosalie um jeden Preis ihrem schrecklichen Schicksal zu entziehen.

Rombeau, der Arzt, speiste gerade mit Rodin zu Abend, als Justine zurückkehrte. Zu allem entschlossen, versteckte sie sich in einem Nebenzimmer und hier konnte sie sich durch das Gespräch der beiden Verbrecher bald von dem Los überzeugen, das ihre Freundin zu erwarten hatte.

»Ich bin verzweifelt,« sagte Rodin zu seinem Kollegen, »daß du bei meiner Rache nicht anwesend warst, denn du kannst dir das Vergnügen nicht vorstellen, das ich dabei empfand.« – »Man konnte dich auch unmöglich schwerer beleidigen ... Deine Tochter zu seinen Füßen! Der Verbrecher! Er wollte ja bloß deine Tochter ficken, du kannst davon überzeugt sein!« – »Ich glaube, daß ich ihm das eher verziehen hätte. Der Niederträchtige! Er hätte sie beichten lassen, sie kommuniziert, er hätte dieses Geschöpf mit einem Wort verdorben.« – »Wie glücklich kannst du sein, daß du sie überrascht hast. Und wie starb er?« – »Ah, das war ein einzigartiges Schauspiel. Martha und meine Schwester halfen mir. Sie leckten und kitzelten ihn, denn ich wollte ihn erschöpft in die andere Welt schicken.« – »Und dann?« – »Dann habe ich ihn gekreuzigt, damit der Diener auf dieselbe Weise stürbe wie der Herr. Während der vier Stunden, während welcher er auf dem Kreuze litt, habe ich ihn nun in jeder Weise gefoltert. Ich habe ihn da gefickt und gepeitscht und habe ihn schließlich mehr als zwanzigmal mit meinem Messer durchstochen. O, wenn du nur dagewesen wärest. Aber ich mußte mich beeilen, denn man atmet erst ruhig, wenn man; seinen Feind umgebracht hat.« – »Und deine Tochter? Kommt sie nicht auch an die Reihe? Bedenke, wie nützlich ein solches Ding der Wissenschaft werden kann. Bedenke, Rodin, welchen Fortschritt es bedeuten würde, könnten wir an einem eines gewaltsamen Todes gestorbenen fünfzehnjährigen Mädchen die Probe vornehmen. Wir benötigen dazu unbedingt ein junges Mädchen, denn im reifen Alter können wir nichts mehr beobachten. Die Menstruationen zerreißen das Jungfrauenhäutchen und alle Nachforschungen werden ungenau. Deine Tochter ist gerade im richtigen Alter, sie hat noch nicht die Regeln gehabt und ist erst von hinten entjungfert. Ich hoffe, du wirst dich bald entschließen.«

»Teufel, ich bin es,« erwiderte Rodin, »solche nichtige Ueberlegungen dürfen den Gang der Wissenschaft nicht hemmen.« Alle unsere großen Vorgänger haben Versuch in Spitälern angestellt und mein Lehrer secierte jedes Jahr mehrere Personen, die noch lebten. Mehr als 20000 Menschen wurden auf diese Weise durch das Opfer von einigen wenigen gerettet. Aber auch alle Künstler haben so gedacht. Als Michelangelo einen Christus natürlich wiedergeben wollte, machte er sich keine Sorge daraus, einen jungen Mann zu kreuzigen und seine Qualen zu benützen. Die erhabene »Büßende Magdalena« des Guido Reni wurde nach einem schönen Mädchen gearbeitet, das seine Schüler vorher auspeitschen mußten. Jedermann weiß, daß sie daran starb, aber was liegt daran. Ist denn der Mord, den das Gesetz fordert, etwas anderes als Hinopferung eines Einzelnen, um Taufende zu retten? »Man müßte uns im Gegenteil Dank wissen, daß wir die Natur zugunsten der Menschheit besiegen.« – »O, der Sieg ist nicht eben groß,« erwiderte Rombeau, »und er wird in den Augen derjenigen kein Verdienst vorstellen die den Kitzel, der durch solche Handlungen hervorgerufen wird, kennen.« – »Das leugne ich gar nicht; denn jeder Schmerz, den ich meinem Nächsten zufüge, bringt meine Samentierchen derartig in Aufregung, daß ich ohne meinen Willen einen Ständer bekomme und mehr oder weniger rasch entlade, ohne daß mich jemand dabei berühren müßte. Du erinnerst dich, daß ich neulich ohne jede Berührung fertig wurde, als wir zusammen an dem Knaben arbeiteten, dem wir die rechte Seite öffneten, um die Zuckungen des Herzens beobachten zu können. Unfreiwillig verspritzte ich damals meinen Samen, als ich ihn dabei tötete und du mußt dich noch entsinnen, daß er mir schon wieder stand, ehe ich noch den letzten Tropfen verloren hatte. Aber streiten wir uns nicht länger, da ja einer des andern Neigung wohl kennt.« – »Ich gestehe,« sagte Rombeau, »daß ich dieselbe Erregung empfinde, aber ich begreife nicht den Widerspruch, der darin liegt, daß die Natur dem Menschen den Wunsch einflößt, ihre Geschöpfe zu zerstören.« – »Darüber bin ich vollkommen im Klaren,« sagte Rodin, »denn die Teile, die bei unserem, Zerstörungswerk zerfallen, geben ihr die freudige Möglichkeit, neues zu schaffen.« – »So ist der Mord ein Vergnügen?« – »Ich gehe weiter: er ist eine Pflicht. Er ist eines der Mittel, deren sich die Natur bedient, um uns zu ihrem Ziel zu geleiten. Nur dadurch, daß wir diesem Leben einen lächerlichen Wert beilegen, ist es möglich, daß man überhaupt über diesen Gegenstand anders denken kann. Nur, weil wir glauben, daß das Leben der Güter höchstes ist, bilden wir uns dummerweise ein, ein Verbrechen zu begehen. Aber das Aufhören dieses Daseins ist nicht mehr ein Uebel, als das Leben selbst etwas Gutes ist. Denn wenn nichts stirbt, nichts zerstört wird und wenn nichts in der Natur verloren geht, sondern sich nur unter anderer Form wieder zusammenschließt, so kann doch nur ein Dummkopf im Morde ein Verbrechen entdecken.«

»Vollkommen richtig,« sagte Rombeau, »aber ich muß gestehen, daß ich fürchtete, du könntest wegen der verwandtschaftlichen Bande, die dich mit diesem Mädchen verknüpfen, zögern.« – »Pah, welche Macht könnte die Bezeichnung ›Tochter‹ über mein Herz besitzen! Du kannst überzeugt sein, mein Freund, daß ich diesem aufgegangenen Samen denselben Wert beimesse, wie dem, den ich in die Scheide einer Hure verspritze. Ich mache mit dem einen nicht mehr Geschichten wie mit dem andern. Außerdem hat man das Recht, sein Geschenk wieder zurückzunehmen und bei fast allen Völkern hatte der Vater jede Gewalt über seine Kinder. Die Perser, Medier, Armenier und Griechen befriedigten sich an ihnen in ausgiebigster Weise. Die Gesetze Lykurgs, des Musters eines Gesetzgebers, ließen dem Vater nicht nur jedes Recht über seine Kinder, sondern verdammten sogar jene zu Tode, die die Eltern nicht aufziehen wollten oder die mißgeformt waren. Ein großer Teil der wilden Völkerschaften tötet seine Kinder sofort nach der Geburt. Fast alle Frauen Asiens, Afrikas und Amerikas lassen sich die Kinder abtreiben, ohne daß das eine Schande für sie bildete. Cook fand diesen Brauch auch auf allen Inseln der Südsee. Romulus erlaubte den Kindermord. Die Zwölftafelgesetze gestatten ihn ebenfalls und die Römer konnten bis auf Konstantin ihre Kinder straflos aussetzen oder töten. Aristoteles empfahl dieses sogenannte Verbrechen an und die Stoiker betrachteten es als ein lobenswertes Vorgehen. Es ist heute noch in China gebräuchlich und man findet täglich in den Straßen und Kanälen Pekings mehr als zehntausend von den Eltern getötete oder abgelegte Wesen, auch kann dort ein Vater sich seines Kindes täglich entledigen, wenn es auch erwachsen ist, er braucht es bloß den Richtern zu übergeben. Nach den Gesetzen der Parther konnte man seinen Sohn, seine Tochter, seine Schwester und seinen Bruder töten, ohne daß man der mindesten Strafe ausgesetzt war, aber auch bei den Galliern fand Cäsar diese Sitte. Mehrere Stellen im Pentateuch lassen erkennen, daß der Kindermord bei dem Volke Gottes erlaubt war und Gott selbst befahl ihn Abraham an. Aber wie? Die Regierung hält sich ermächtigt, zwanzig- oder dreißigtausend ihrer Bürger an einem Tage hinzuopfern und ein Vater sollte nicht Herr über das Leben seiner Kinder sein können, wenn es ihm gefällt? Welch ein Unsinn und welche Inkonsequenz. Die Herrschaft des Vaters über seine Kinder ist die einzig wahre, sie hat einzig und allein jeder anderen zum Vorbild gedient, aus ihr allein spricht die Stimme der Natur. Beispiele in Hülle und Fülle sprechen dafür. Zar Peter zweifelte nicht an diesem Recht und übte es auch aus. Er erließ eine öffentliche Bekanntmachung, laut welcher jeder Vater nach göttlichen und menschlichen Gesetzen über Leben und Tod seines Kindes frei verfügen konnte, ohne daß es eine Berufung gegeben hätte. Nur in unserem verrohten Frankreich glaubte eine lächerliche und falsche Zärtlichkeit dieses Gesetz abschaffen zu müssen. Nein,« fuhr Rodin fort, »nein, mein Freund, ich werde es nie begreifen, daß ein Vater, der das Leben gegeben hat, es nicht auch ebenso unbekümmert nehmen kann. Ja, ich gehe sogar weiter: Ich bin vollständig davon überzeugt, daß ein Vater und eine Mutter nicht besser handeln können, als wenn sie sich ihrer Kinder entledigen; denn wir haben in der Welt keine größeren Feinde als sie und wir müssen sie zur Seite schaffen, ehe sie uns schaden können. Außerdem vermehren sich die Menschen in Europa, zu stark, und auch von diesem Gesichtspunkte ist die Ermordung seiner Kinder eine vorzügliche Handlung. Was sollte mich aber zurückhalten? Die Menschlichkeit? O, mein Freund, ich kenne keine falschere Tugend. Die Menschlichkeit ist eine Lebensäußerung, die, wenn man sie in dem Sinne ausüben würde, den ihr die Moralisten geben, bald das Weltall in Verwirrung brächte.«13

»Ah,« sagte Rombeau, entzückt von diesen scheußlichen Lebensregeln, »ich stimme dir bei, mein Teuerster. Ich bin von deiner Klugheit begeistert, aber deine Gleichgültigkeit setzt mich in Erstaunen. Ich glaube, du wärest in deine Tochter verliebt.« – »Ich, in eine Frau verliebt? ... Ah, Rombeau, ich dachte, du würdest mich besser kennen, du, der meine Neigungen kennt, der wissen müßte, daß ich vor diesem Geschlecht Abscheu empfinde und mich seiner nur zur Wollust und nicht aus Liebe bediene. Die Vorliebe, die ich für einen Popo habe, der Rausch, den ich beim Anblick eines Hintern empfinde, zwingt mich dazu, jedes Wesen zu verehren, das diesen Körperteil wohl ausgebildet hat. Alter und Geschlecht sind dabei Nebensache. Du selbst bildest ja einen lebenden Beweis für meine Behauptung, Rombeau, denn die göttliche Form deines Popos verleitet mich dazu, dich von Zeit zu Zeit von hinten zu bearbeiten. Das ist Wollust, aber niemals Liebe. Dieses schlappe Gefühl herrschte niemals in meinem Herzen. Es gibt nur etwas, daß mich wahrhaftig befriedigen kann, und das ist der Mord. Ich muß gestehen, das ist der letzte Genuß, den uns der Gegenstand unserer Wollust bieten kann, es ist aber auch der beste. Meine Tochter dient mir jetzt sieben Jahre lang zur Befriedigung, und es ist Zeit, daß sie das Ende meiner Leidenschaft mit dem ihres Lebens bezahlt.« ... Bei diesen Worten zog Rodin sein steifes Glied heraus und gab es Rombeau in die Hand, der alsbald mit dem seinen und Rodins ähnlich verfuhr. »Es scheint mir, als wären wir jetzt in dem: richtigen Zustand, unsere Absichten auszuführen. Wir haben beide kolossale Ständer,« sagte Rodin. »Steh doch auf, damit ich deinen Hintern anfassen kann, denn von ihm habe ich nie genug.« Der geile Bock zog bei diesen Worten seinem Freunde die Hosen ab und tastete und schlug und biß während einer Viertelstunde die zutage tretenden Arschbacken. Rombeau antwortete darauf und nun stellten sich die zwei Ekel derart auf, daß einer dem andern das Glied kitzeln und dabei das Arschloch lecken konnte. Rodin konnte sich nicht länger halten. Er beugte seinen Kameraden über ein Sopha, steckte ihm das Glied bis zu den Hoden in den Hintern hinein und rieb ihm dabei die Rute mit allen zehn Fingern.

»Wenn du so sicher wärest, nicht zu entladen, wie ich es bin (denn wir müssen unsere Kräfte für später aufsparen) würde ich nach jemandem schicken, der dich tüchtig aufregt und wir könnten dann in einer Stunde nach unserem Opfer schauen.« – »Du kannst dich auf mich verlassen,« antwortete Rombeau, »es gibt niemanden in der Welt, der besser seinen Samen beherrscht.« – »Gut, wen willst du haben?« – »Knaben,« antwortete Rombeau, und Rodin zog sein Glied heraus, klingelte und gab Martha seine Befehle.

Justine glaubte, nicht länger verweilen zu dürfen. Sie hatte so lange gezögert, um über das Schicksal Rosalies außer Zweifel zu sein. Jetzt handelte es sich bloß noch darum, ihr zu Hilfe zu kommen. Unsere Heldin eilte davon, entschlossen, ihre Freundin zu befreien oder selbst dabei umzukommen.

»Unglückliche!« rief sie aus, »wir haben keinen Augenblick zu verlieren ... Die Ungeheuer! ... Du hattest nur zu sehr Recht.« Bei diesen hastig hervorgestoßenen Worten drückte sie so gut sie konnte, gegen die Türe. Dabei fiel etwas zu Boden, und als sie die Hand danach ausstreckte, fand sie, daß es der Schlüssel war. Hastig öffnete sie, die Freundinnen fielen sich in die Arme und Justine drängte zum raschen Aufbruch. Allein Rosalie wollte ihrer Freundin noch die ganze Scheußlichkeit ihres den Leichnam Delues bergenden Kerkers zeigen und diese unglückliche Verzögerung brachte sie um den Erfolg. Die Zeit verging und ... Gerechter Gott! Da war auch schon Rodin und Rombeau, von der Erzieherin geführt und in einem Zustand, der deutlich die Art ihrer Vergnügungen erraten ließ, die sie gerade genossen hatten. Rodin ergriff seine Tochter gerade in dem Augenblick, als sie die Schwelle überschritt, die sie in die Freiheit geführt hätte.

»Wohin gehst du?« rief der rasende Rodin aus, indem er Rosalie ergriff und Rombeau sich gleichzeitig Justines bemächtigte. »Ah!« fuhr er gegen diese gewandt fort, »diese Hure hilft dir bei deiner Flucht? ... Verbrecherin! Also das sind Ihre tugendhaften Grundsätze? Einen Vater seine Tochter entführen? Und ist das der Dank für meine Güte, daß ich dich damals nicht erdolchte, als ich meine Tochter durch deine Bemühungen zu Füßen eines Priesters sitzen sah?« – »Ich mußte so handeln, wie ich getan habe,« erwiderte Justine in festem Tone. »Wenn ein Vater so grausam ist, seine Tochter ermorden zu wollen, muß man alles benützen, um ein solches Verbrechen zu verhüten.« – »Gut,« sagte Rodin, »also Spioniererei und Verführung: die zwei gefährlichsten Laster bei einem Dienstboten. Gehen wir hinauf, wir müssen über diese Geschichte zu Gericht sitzen.«

Die beiden Verbrecher schleiften bei diesen Worten Rosalie und Justine ins Innere des Hauses zurück. Célestine erwartete sie ganz nackt und empfing sie mit fürchterlichen Flüchen. Martha schloß sorgfältig alle Türen und nun bereitete sich eine unendlich grausame Szene vor.

»Wir wollen ein wenig trinken,« sagte Rodin, »ich habe es nicht gerne, mit unbefangenem Kopfe an eine solche Arbeit zu schreiten.« Die Tafel war noch gedeckt und so brauchte man bloß die Pfropfen springen lassen. Sechs Flaschen des besten Champagners wurden innerhalb einer Viertelstunde hinuntergegossen. »Noch sechs her,« sagte Rodin zu seiner Schwester, »wir werden sie bei der Arbeit hinuntergießen. Ah, Fräulein Justine,« sagte der Verbrecher, indem er sich dem weinenden Mädchen, das sein Schicksal voraussah, näherte. »So locken Sie also die Tochter von ihrem Vater weg, Sie, die die Vestalin so gut spielen ... Würdest du glauben, Rombeau, daß ich alles nur Mögliche getan habe, um dieses Mädchen dranzukriegen und daß es mir nie gelang? Aber jetzt haben wir sie, und ich rate ihr nicht, uns jetzt entschlüpfen zu wollen. Und Sie, kleine Hure,« fuhr er fort, indem er seine Tochter an sich preßte und ihr eine Ohrfeige gab, »Sie lassen sich von dieser Schurkin verführen? ... Wir müssen sie Beide secieren, Rombeau an meiner Tochter werden wir den Versuch mit der Jungfernhaut und an Justine den bezüglich des Herzschlages machen.« – »Mit diesem Hühnchen da mache ich, was man von mir verlangt,« sagte der halb betrunkene Rombeau und preßte grausam die Brüste Justines zusammen. »Die Hure erhitzt mir schon seit langem das Gehirn und seit ich sie kenne, habe ich mir schon zwei oder drei Nummern in Gedanken an sie heruntergewichst,« Unsere beiden armen Kinder standen bald in einem Zustand vollständiger Nacktheit da. Aber da man Rosalie bereits kannte, richteten sich die Blicke Aller auf den schönen Körper unserer Heldin. Célestine näherte sich ihr und umarmte sie. »Himmel, so ein schönes Mädchen!« rief sie aus. – »Nun denn, so kitzeln Sie sie,« sagte Rodin. »Rombeau und ich werden uns darüber gut unterhalten. Ich habe es gern, ein weinendes Mädchen gegen seinen Wunsch zum Entladen zu bringen.« Madame Rodin trug nun die weinende Justine auf ein Sopha und während sie sie mit der größtmöglichen Kunst kitzelte, bedeckte Rodin den Popo dieses schönen Mädchens mit den glühendsten Küssen. Rombeau stand vor dem Paare und küßte gleichfalls von Zeit zu Zeit Justine ab, während Martha im Hintern ihres Herrn herumwühlte, der nebstbei auch seine Tochter mit den Händen betastete.

Célestine triumphierte. Sie hatte so viel Geschicklichkeit angewandt, daß das Vergnügen den Schmerz überwog und unsere Unschuld entladen mußte. »Sie ist fertig geworden, die Hure,« sagte Rombeau, »ich habe es an der Verengerung ihres Arschloches bemerkt, denn ich schleckte sie während dieser Zeit.« – »Ganz richtig, meine Finger sind vollständig naß,« sagte Fräulein Rodin und leckte sie ab, bevor sie Justine einen Kuß gab.

»Mein Kind!« rief jetzt Rodin aus, »ich bin mit Ihnen sehr zufrieden. Fahren Sie mit Ihrer Liebenswürdigkeit gegen uns fort; vielleicht können Sie durch dieses Betragen mehr gewinnen, als Sie durch Ihre dummen Streiche verloren haben. Ah, Teufel! wie schön sie in diesem Gemisch von Freude und Schmerz ist!« – »O, mein Herr, was verlangen Sie von mir,« wehklagte Justine. »Nichts, was wir nicht mit Gewalt durchsetzen könnten und nichts, was nicht Ihr Los mildern würde, wenn Sie es uns freiwillig geben. Jetzt beispielsweise wollen wir, daß Sie meine Schwester mit der Zunge kitzeln. Sie wird sich so aufstellen, daß Sie Ihnen gleichzeitig Popo und Scheide darbietet. Rosalie wird vorn und sie hinten lecken.« Sie mußten gehorchen; denn wie leicht konnten sich die Wünsche in Befehle verwandeln! Um die Gruppe zu vervollständigen, legte sich Rodin rechts von seiner Schwester und Rombeau links davon hin. Ihre Glieder waren dem Munde Justines und ihre Hintern dem Rosalie erreichbar und beide Mädchen mußten neben Célestine auch an ihnen saugen. Martha lief die Reihe ab, um zu sehen, ob Alles richtig arbeitete und um ihre schönen Arschbacken den beiden Wüstlingen der Reihe nach darzubieten. Die mit diesen Dingen vertrautere Rosalie unterwarf sich mit Ergebenheit, während Justine nur unter Seufzern und mit Widerwillen den Befehlen nachkam.

»Ficken wir Justine von hinten,« sagte jetzt Rodin, »du hast keinen Begriff, Rombeau, wie sehr die Schönheit ihrer Arschbacken mein Gehirn erhitzt. Es gibt vielleicht in ganz Frankreich keinen Menschen, der so viele Hintern gesehen hätte, wie ich, aber ich schwöre dir, mein Freund, daß mir keiner untergekommen ist, der schöner, weißer, fester und appetitlicher gewesen wäre, wie der dieser kleinen Hure,« fuhr Rodin fort und bei jedem Lobeswort drückte er einen Kuß auf den gepriesenen Körperteil.

Justine erwartete ihr Todesurteil. Trotzdem warf sie sich vor die Füße ihrer Henker und flehte sie mit den stärksten Ausdrücken des Schmerzes und der Verzweiflung um Gnade an. »O, nehmen Sie mein Leben,« sprach sie, »aber lassen Sie mir die Ehre.« – »Aber du wirst schuldlos bleiben,« entgegnete Rombeau, »weil wir dich vergewaltigen werden.« – »Zweifellos; von diesem Augenblick an hast du dir keine Gewissensbisse mehr zu machen,« setzte Rodin hinzu und trug sie nach diesen grausamen Trostworten rasch auf das Sopha. »Der wundervolle Popo!« rief er prüfend aus. »Halt! Rombeau, mache eine Faust und schlage auf die linken Arschbacke, ich will auf die rechte schlagen. Derjenige, der den ersten Blutstropfen hervortreiben kann, darf sie als Erster in den Hintern ficken. Rosalie, kommen Sie hieher, knien Sie vor Rombeau nieder und lecken Sie sein Glied, und Sie, Martha, das meine.«

Justine lag in den Armen Célestines, die sie unten kitzelte, damit sie die Schmerzen vergäße. Aber Rodin bemerkte es und ermahnte sie rauh: »Lasse sie doch Schmerzen haben,« sagte er, »wir wollen ja nicht, daß sie sich vergnüge, sondern daß sie leide, und du störst unsere Pläne, wenn du ihre Gemütsverfassung änderst.« Nun ging das Schlagen los. Die Hiebe Rombeaus waren kräftig, aber Rodin war gewandter und bei dem dreissigsten Fausthieb spritzte schon Blut. »Du siehst, daß ich gewonnen habe,« sagte er. – »Ja,« erwiderte Rombeau, aber gib Acht, daß du nicht entladest, wir brauchen unsere Kräfte. »An deiner Stelle würde ich mich auf ein paar Kleinigkeiten beschränken.« – »Nein, nein,« rief Rodin hastig, indem er die Arschbacken Justines auseinanderspreizte und seinen Stab hinhielt, der härter wie eine Eisenstange war, »nein, kein Ding der Welt könnte mich jetzt davon abbringen, dieses schöne Geschöpf im Hintern zu ficken. Ich wünsche sie mir schon zu lange, sie muß jetzt drankommen, die Hure.« Und schon sprengte der Kopf seines mächtigen Gliedes das zarte, herzige Arschloch unserer Unglücklichen, das, da es erst ein einziges Mal angegriffen worden war, noch seine ganze Frische hatte. Ein furchtbarer Schrei und eine heftige Bewegung waren die einzigen Versuche Justines, Rodin abzuschütteln, der aber nicht aus seiner sicheren Ruhe zu bringen war. Jetzt packte er das Mädchen bei den Hüften, stieß kräftig zu und verschwand schließlich bis an die Hoden in dem frischen und weichen Popo. »Ah, Teufel!« rief er aus, »ich bin drin. Gott oder seine Saupriester sollen mich jetzt verhindern, diese Hure zu ficken! O, mein Freund! Der schöne Popo ... wie heiß er ist und wie eng! Rombeau!« fuhr er fort, »ficke du meine Tochter von hinten, aber stelle dich so auf, daß ich Euch sehen kann und dabei deinen Popo betasten kann. Martha soll uns Beide auspeitschen.« – »Halte einen Augenblick ein,« sagte Rombeau, »ich habe einen anderen Wunsch. Justine soll sich auf alle Viere stützen, den Popo in die Luft stecken und deine Schwester soll sich derart an ihr festhalten, daß die beiden Arschlöcher sich gegenüber stehen. Wir zwei wollen Beide abwechselnd benützen. Martha soll nach deinem Befehl handeln.«

»Bei allen Saugöttern des Christentums,« fluchte Rodin, nachdem sie den Versuch gemacht hatten, »keine Art zu ficken ist so gut wie diese hier. Aber wir können noch mehr Vergnügen erreichen. Martha und meine Schwester sollen sich ebenfalls so aufstellen, das wird unseren Genuß verdoppeln.«

So vergnügten sich unsere Schweinekerle eine Stunde lang und sie drehten die Weiber mit einer solchen Geschwindigkeit, daß sie für die Flügel einer Windmühle hätten gehalten werden können. Sie blieben auch fernerhin bei der Bezeichnung für diese Gruppe, die wir jedermann aufs Wärmste empfehlen können.

Endlich hatten sie davon genug. Sie waren jetzt so aufgeregt, daß aus ihren Augen Flammen sprühten. Ihre an den Bauch gepreßten Glieder schienen den Himmel zu bedrohen. Rodin gab sich hauptsächlich mit Justine ab. Er küßte, zwickte und schlug sie und wußte nicht, was er Alles erfinden sollte, um sie abwechselnd zu liebkosen und zu peinigen. Schamhaft, wie wir von Natur aus sind, müßten wir erröten, wenn wir die Schändlichkeiten beschreiben wollten, die er beging.

»Du siehst, meine Gute,« sagte er endlich zu Justine, »daß man auch bei den Schweinehunden noch etwas gewinnen kann. Deine Ehre ist Dir gewahrt. Weniger tugendhafte Wüstlinge hätten sie dir vielleicht geraubt, wir haben sie geschont. Weder Rombeau noch ich haben auch nur den Wunsch, sie anzugreifen, aber dein Popo, dieser herrliche Popo wird oft durchbohrt werden. Er ist so frisch, so schön geformt, so hübsch!« Und bei diesen Worten küßte ihn der Schuft und steckte einigemale sein Glied hinein.

Nun begannen aber die Hauptschlager. Rodin ergriff seine Tochter und aus seinen wilden Blicken konnte sie ihr Todesurteil lesen. »O, Vater,« rief die Unglückliche weinend aus, »was habe ich getan, daß mir ein solches Los zuteil wird?« – »Was du getan hast?« entgegnete Rodin, »kannst du noch fragen? Sind deine Verbrechen noch nicht schwarz genug? Du hast einen Gott kennen lernen wollen, du Hure, als ob es für dich einen anderen gäbe als meine Wollust und meinen Schwanz!« Bei diesen Worten ließ er sich sein Glied küssen und rieb ihr damit das Gesicht und den Popo ab. Er ohrfeigte sie, beschimpfte sie und fluchte wie nur ein Verbrecher fluchen kann; während Rombeau sich an den Arschbacken Justines rieb und seinen Freund anfeuerte. Nun wurde die arme Tochter Rodins auf einen schmalen, auf zwei Füßen stehenden Ring gesteckt und ihre Glieder an vier von der Decke herabhängenden Seilen so angebunden, daß sie so weit als möglich auseinandergespreizt waren. Célestine mußte sich zwischen den Schenkeln des Opfers, mit dem Popo dagegen, aufstellen. Martha sollte die Aufsicht übernehmen und Rombeau wollte Justine im Hintern ficken. Der teuflische Rombeau, der sah, daß der Kopf Rosaliens ohne Stütze zur Erde herabhing, machte den Vorschlag, ihn auf seinen Popo legen zu dürfen, so daß er bei jedem Stoß, den er gegen Justine ausführte, wie ein Ball auf einem Fangnetz hüpfte. Dieser Gedanke ergötzte unseren grausamen Rodin ganz ungeheuer, der seinerseits wieder neue Qualen für seine unglückliche Tochter ausdachte. Das Ekel fickte seine Schwester von hinten und stieß dabei mit einem Skalpel nach dem armen Opfer, das heftige Schreie ausstieß! Nun öffnete er vor den Augen Rombeaus, der mit seiner Stute herbeigeeilt war, den Unterleib, zerteilte und zerschnitt und legte schließlich während des Fickens sowohl den Muttermund, wie Alles, was drum und dran hängt, auf einen Teller. Die Verbrecher zogen ihre Glieder aus den Hintern heraus und begannen mit der Operation. Die erlöschenden Augen Rosalies wandten sich kraftlos gegen ihren Vater, wie wenn sie ihm seine Grausamkeit vorwerfen wollte. Aber dringt denn die Stimme des Mitleids in eine solche Seele? Der grausame Rodin streckte sein Glied statt aller Antwort in die Wunde, denn er liebte es, sich mit Blut zu befeuchten- Rombeau feuerte ihn eifrig an, während Martha und Célestine in fröhliches Gelächter ausbrachen. Nur Justine wagte es, ihre unglückliche Freundin zu beklagen und zu beweinen. Allein man widersetzte sich bald ihrem Wehklagen, mißhandelte sie und schließlich forderte Rodin als Strafe von ihr, sie möge sein mit Blut besudeltes Glied lecken. Dann ließ er sie mit dem Kopf über der Wunde festhalten, peitschte sie in dieser fürchterlichen Stellung aus und ließ sich selbst dabei züchtigen. Jetzt aber konnte er sich nicht länger halten. Er hatte gerade noch Zeit, sich in den Popo Justines zu stürzen, die derart aufgestellt war, daß Rosaliens Kopf zwischen ihren Beinen steckte und der seinige sich auf die blutende Wunde stützen konnte und dann entlud er. Rombeau folgte im Hintern Célestines nach und unsere beiden Verbrecher sanken erschöpft in die Lehnstühle.

Jedoch Rosalie lebte noch und Justine wagte es, für sie zu bitten. »Dumme Gans,« sagte Rodin, »du siehst doch, daß sie nicht mehr aufkommen kann.« – »O, mein Herr,« erwiderte zitternd Justine, »vielleicht bei sorgfältiger Pflege ... Was hat Ihnen denn die Unglückliche getan?« – »Versetzen wir uns rasch in erregten Zustand!« stieß Rombeau hervor, indem er die Brüste Marthas grob anfasste, »denn diese zwei Huren betäuben mich; die eine durch ihr Schreien und die andere durch ihr Gnadengewinsel.« – »Gut, trinken wir diese sechs Flaschen Champagner aus,« sagte Rodin, »und Martha und Célestine sollen uns kitzeln.«

Die Handlung begann von neuem. »Und was werden wir nachher machen?« fragte Rombeau, der durch die Anstrengungen Marthas und durch den Champagner anfing, einen Ständer zu bekommen. – »Was wir machen werden? Folgendes,« antwortete Rodin, »wir werden Justine an den Leichnam ihrer Freundin anbinden. Du wirst sie lebend secieren, mich dabei im Hintern ficken und ich will mich über ihren Mund beugen, um ihren letzten Seufzer aufzufangen ...« – »Nein,« sagte jetzt Rombeau, »ich habe einen besseren Einfall, womit wir Justine strafen könnten. Das Vergnügen, ein Weib zu töten, ist bald vorüber, sie leidet nicht mehr, wenn sie tot ist und uns bleibt nur noch die Erinnerung an das genossene Vergnügen. Machen, wir es besser,« fuhr Rombeau fort, indem er ein Eisen ins Feuer legte, »strafen wir sie denn genügend, wenn wir ihr das Leben rauben? Nein, zeichnen wir sie, verbrennen wir sie. Dieses demütigende Zeichen wird sie entweder an den Galgen bringen oder sie den Hungertod sterben lassen. Jedenfalls aber wird sie bis zu ihrem letzten Atemzug leiden und unsere Wollust wird durch diese Verlängerung der Qualen nur gewinnen.« Wie gesagt, so getan. Rodin ergriff Justine und der scheußliche Rombeau preßte das glühende Eisen auf ihre Schulter, mit dem man die Diebe zeichnet »Jetzt soll sie sich unter die Leute wagen,« sagte das Ungeheuer, »dieser belastende Buchstabe wird uns rechtfertigen, daß wir sie so rasch und geheimnisvoll weggeschickt haben.« – »Gut,« sagte Rodin, »wir sind aber wieder geil, wir müssen uns vorher noch an ihr befriedigen. Begehen wir noch zuguterletzt einige Greueltaten.« Ein ungeheures Rutenbündel fiel dabei dem Barbaren in die Hände, der folgendermaßen fortfuhr: »Du nimmst sie auf deine Schultern, denn ich will sie auf deinem Rücken auspeitschen. Von Zeit zu Zeit will ich die Schläge auch auf deine Arschbacken fallen lassen. Meine Schwester soll dich währenddessen lecken und Martha wird mir die Schläge zurückgeben, die ich an Euch Beide verschwende. Die Qualen Justines sollen durch einen Arschfick endigen.« Man begann. Rodin schonte nichts und bald rannen Blutstropfen vom Popo unserer Heldin und denen Rombeaus herab, was in ihm einen unsagbaren Kitzel verursachte. »Jetzt komme ich daran,« sagte dieser Schuft, »aber ich will, daß sie anders aufgestellt sei. Ich will ihre Scheide auspeitschen, ihre Schenkel, ihren Bauch, mit einem Wort ihren ganzen verabscheuten Vorderteil.« – »O, Teufel, warum ist mir dieser Gedanke nicht gekommen? Ich bin ganz verzweifelt darüber, daß er mir nicht zuerst einfiel!« Diese neue Schandtat wurde ausgeführt und der ganze Vorderteil unserer Heldin wurde, ebenso wie Rodins Hinten, grausam zerfleischt, während Martha ihm das Glied leckte. Justine wurde nunmehr auf ein Sopha gelegt und die beiden Freunde verspritzten in ihren Popo die letzten Zeugen ihrer Geilheit, während sie von Martha und Célestine ausgepeitscht wurden. Jetzt wandte Rosalie ihre sterbenden Augen Justine zu und hauchte ihre Seele aus. Die Ungeheuer stürzten auf den Leichnam hin, betrachteten ihn noch einmal, griffen ihn noch einmal ab und der grausame Rodin biss wollüstig in das noch zuckende Fleisch hinein. Schließlich wird der Leichnam im Garten in ein Loch verscharrt, neben dem sicherlich zahlreiche andere Opfer der verbrecherischen Leidenschaften Rodins ruhten. Justine kleidete man wieder an, führte sie an den Rand des Waldes zurück und überließ sie ihrem bösen Stern, nachdem man ihr die Gefahren vorgehalten hatte, denen sie ausgesetzt wäre, wenn sie in ihrem jetzigen Zustand ihre Peiniger beschuldigen würde.

Ende des ersten Bandes.

 

Autor: Marquis de Sade

Lizenz: gemeinfrei

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