Die Geschichte der Justine oder die Nachteile der Tugend - Band 3/Teil 1

Megs ·Administrator·

 

Dritter Band.

Fortsetzung der Geschichte Jeromes.

Das erstemal, da man sich allein befindet, nachdem man recht lange zu Zweit war, scheint es, als ob dem Dasein etwas fehle. Die Toren halten das für die Wirkungen der Liebe; sie täuschen sich. Der Schmerz, den man durch diese Leere empfindet, ist nur die Wirkung der Gewohnheit, die durch eine entgegengesetzte Gewohnheit schneller schwindet als man denkt. Am zweiten Tage meiner Reise dachte ich schon nicht mehr an Josephine; wenn ihr Bild in meinen Gedanken auftauchte, so geschah es mit der Empfindung einer Art grausamen Vergnügens, das viel wollusterregender war als das der Liebe oder des Zartgefühls. »Sie ist gestorben,« sagte ich zu mir, »gestorben unter entsetzlichen Qualen, und ich war es, der ihr diese verursacht hat.« Dieser köstliche Gedanke rief dann solche Freudenausbrüche in mir hervor, daß ich mich häufig genötigt sah, halten zu lassen, um meinen Postillon von hinten zu bearbeiten.

Ich befand mich in der Umgebung von Trient, ganz allein in meinem Wagen, auf dem Wege nach Italien, als eine dieser Regungen der Sinnlichkeit mich im gleichen Augenblicke ergriff, da ich im Walde, den wir durchquerten, Jammerlaute vernahm. »Halt!« sagte ich zum Postillon. »Ich möchte die Ursache dieses Geschreies wissen. Entferne dich nicht und gib auf meinen Wagen acht.« Ich dringe, die Pistole in der Hand, in den Wald und entdeckte endlich in einem Gestrüpp ein fünfzehn oder sechszehnjähriges Mädchen, das mir ausnehmend schön schien. »Welches Mißgeschick betrübt Sie, mein schönes Fräulein?« fragte ich, an sie herantretend. »Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?« – »Ach nein, nein, mein Herr,« erwiderte sie, »es gibt kein Mittel gegen die Schande; ich bin eine Verlorene; ich erwarte nur den Tod, um den ich Sie bitte.« – »Aber, Fräulein, wenn Sie so gut wären, mir zu erzählen ....« – »Sie Sache ist ebenso einfach wie grausam, mein Herr. Ein junger Mann verliebt sich in mich; dieses Verhältnis mißfällt meinem Bruder; der Barbar mißbraucht die Autorität, die der Tod unserer Eltern ihm verleiht; er entführt mich und läßt mich nach schrecklichen Mißhandlungen in diesem Walde zurück, indem er mir unter Androhung des Todes verbietet, jemals wieder in seinem Hause zu erscheinen: dieses Ungeheuer ist zu allem fähig; er tötet mich, wenn ich heimkehre. Ach, mein Herr, ich weiß nicht, was aus mir werden soll! Doch Sie bieten mir ja Ihre Dienste an .... Nun gut, ich nehme sie an. Bitte, helfen Sie mir bei der Aufsuchung meines Liebhabers; tun Sie das, mein Herr, ich beschwöre Sie darum. Ich kenne nicht Ihren Stand oder Ihr Vermögen; aber mein Geliebter ist reich und wenn Sie Geld benötigen, bin ich sicher, daß er es Ihnen für meine Wiedererlangung gerne geben würde.« – »Wo ist dieser Geliebte, Fräulein?« fragte ich eifrig. – »In Trient, kaum zwei Meilen von hier.« – »Weiß er etwas von Ihrem Erlebnis?« – »Ich glaube, noch nicht.« – Jetzt sah ich wohl, daß dieses schöne Mädchen, gegenwärtig ohne jeden Schutz, wenn ich es wollte, mir zu Willen sein müsse; aber ebenso geldgierig als lüstern, begann ich sogleich einen Plan zu schmieden, um gleichzeitig beide Gelüste zu befriedigen. »Wissen Sie nicht,« fragte ich zunächst die Unglückliche, »ob nicht ein Haus in der Nähe dieser Waldpartie ist?« – »Nein, Herr, ich glaube nicht.« – »Nun gut, verbergen Sie sich noch mehr im Gebüsch; rühren Sie sich nicht; schreiben Sie mit meinem Stift auf dieses Papier die drei Zeilen, die ich Ihnen diktieren werde; in einigen Stunden bringe ich dann Ihren Liebhaber.«

Ich diktierte dem hübschen Mädchen folgendes: »Ein wackerer Unbekannter wird es Ihnen ermöglichen, sich von meinem Unglück zu überzeugen; es ist furchtbar. Folgen Sie ihm, er wird Sie an den Ort geleiten, wo ich Sie erwarte; aber kommen Sie allein, ganz allein; das lege ich Ihnen sehr ans Herz; warum, werden Sie bald erfahren. Wenn zweitausend Zechinen Ihnen nicht zu gering scheinen als Belohnung für den Mann, der uns vereinigt, so bringen Sie sie mit, um sie ihm vor mir zu verabfolgen. Sie können mehr bringen, wenn Ihnen die Belohnung zu mäßig scheint.«

Die schöne Mißhandelte, die Héloise hieß, unterzeichnete das Billet; ich begab mich sodann rasch in meinen Wagen und trieb den Postillon zur schnellen Fahrt an; ich ließ ihn halten vor der Türe des jungen Alberoni, des Geliebten Héloisens. Ich überreichte ihm den Brief. »Zweitausend Zechinen!« schrie er, mich umarmend, »zweitausend Zechinen für Nachrichten vom Teuersten, was ich auf Erden habe! Nein, nein, mein Herr, das ist nicht genug, hier haben Sie das doppelte! Gehen wir, ich beschwöre Sie darum. Ich erfuhr soeben das Verschwinden meiner Geliebten und den Zorn ihres Bruders; aber ich wußte nicht, wohin meine Schritte lenken, um sie zu finden; Sie weisen mir den Weg, wieviel Dank schulde ich Ihnen dafür! Fahren wir, mein Herr, und gehen wir allein, da sie es so verlangt.« Jetzt zügelte ich aber den Uebereifer des jungen Mannes. um ihn darauf aufmerksam zu machen, daß er wegen der Erbitterung des Bruders Héloisens das Mädchen nicht nach Trient zurückbringen dürfe. »Nehmen Sie soviel Geld mit als möglich,« sagte ich ihm, »verlassen Sie das Gebiet dieser Stadt und verbinden Sie sich für immer mit Ihrer Geliebten. Denken Sie gut darüber nach, mein Herr, denn der entgegengesetzte Weg wird ihren ewigen Verlust für Sie bedeuten.« Alberoni, von meinen Erwägungen überzeugt, dankt mir; er stürzt eiligst in sein Gemach und rafft alles Gold und Geschmeide an sich. »Eilen wir jetzt,« sagt er zu mir. »Ich habe die Mittel, ihr ein Jahr lang in welcher Stadt Deutschlands oder Italiens immer ein glänzendes Leben zu ermöglichen; indessen kann man die Sache hier in Ordnung bringen.« Mit diesem weisen Entschluß zufrieden, billige ich ihn; meinen Wagen lasse ich in die Herberge einstellen, trotz der inständigen Bitten Alberonis, der ihn durchaus bei sich zu behalten wünschte. Dann eilen wir fort.

Héloise hatte sich nicht gerührt. »Unkluger« sagte ich zu Alberoni, während ich ihm die Mündung einer Pistole an die Schläfe setzte, ohne ihm die Zeit zu lassen, nur einen Laut auszustoßen, »wie konntest du die Dummheit begehen, den Händen eines dir Unbekannten deine Geliebte und dein Geld anzuvertrauen? Lege schnell alles, was du mit hast, her und trage in den Gluten der Hölle die ewige Reue über deine Unklugheit!« Alberoni will eine Bewegung machen; ich strecke ihn zu meinen Füßen nieder. Héloise fällt in Ohnmacht.

»Sapperlot!« sagte ich dann zu mir, »so wäre ich denn durch diese köstliche Missetat Herr eines reizenden Mädchens und einer netten Summe; jetzt wollen wir mal genießen.« Andere an meiner Stelle hätten vielleicht aus der Ohnmacht ihres Opfers Nutzen gezogen, um sich ihrer mit mehr Ruhe zu erfreuen; ich dachte ganz anders. Ich wäre verzweifelt gewesen, wenn diese Unglückliche nicht im Besitze aller ihrer Sinne gewesen wäre, um mich an ihrem Mißgeschick noch mehr erfreuen zu können. Meine wüste Phantasie ersann zu dem einige Ruchlosigkeiten; ich wollte sie den Leidenskelch bis zur Neige leeren lassen. Wenn man so weit geht, ein Verbrechen zu begehen, dann muß man es in dem erdenklich größten Umfang, mit raffiniertester Grausamkeit verüben.

Ich hielt meiner Héloise flüchtiges Salz unter die Nase; ich versetzte ihr Ohrfeigen und kniff sie. Da ich sie durch das alles nicht zu Bewußtsein brachte, so schürzte ich sie und kitzelte ihre Clitoris; auf diese wollüstige Empfindung hin schlug sie ihre Augen auf. »Schönes Kind,« sagte ich zu ihr, während ich einen feurigen Kuß auf ihren Mund drückte, »nur ein wenig Mut: Sie brauchen ihn, um den weiteren Verlauf Ihres Unglücks ertragen zu können. Sie sind noch nicht am Ziel.« – »Ruchloser,« sagte das interessante Mädchen weinend, »was willst du denn noch? Welche neue Qualen stehen mir denn noch bevor? Ist es denn nicht genug, mein Vertrauen mißbraucht zu haben, um mir alles zu rauben, was ich liebe? Drohest du mir nur mit dem Tode, dann beeile dich, ihn mir zu geben; vereinige mich rasch mit dem angebeteten Gegenstande meiner Liebe; für diesen Preis verzeihe ich dir deine Untat.«

»Dem Tod, nach dem du dich sehnst, mein Engel,« antwortete ich, indem ich sie zu betasten begann, »wirst du ganz sicher nicht entgehen; aber es müssen ihm einige Demütigungen und Grausamkeiten vorangehen, denn ohne diese dir den Tod zu geben, würde mir meinen Genuß verkürzen.« Aber da während dieser Worte meine Hände, die beständig herumwühlten, meinen gierigen Blicken Schenkel von blendender Weiße und schöner Rundung darboten, machte ich dem Gespräch ein Ende und handelte nur mehr. Die Gewißheit, die Erstlinge eines so schönen Mädchens pflücken zu können, ließ mich an eine Art des Angriffs denken, die mir sonst nie in den Sinn gekommen wäre. Gott! In welche Schwierigkeiten, in welche Hitze, in welches Entzücken versetzte mich dieser Sieg! Die Art, wie ich ihn errang, verlieh ihm noch mehr Würze. Ein alabasterweißer Hals bot sich mir dar; in dem Zustand, in dem ich mich befand, war ich mehr zu Mißhandlungen als zu Liebkosungen geneigt, darum biß ich und drückte ich sie, anstatt sie zu küßen. Welch wunderbares Phänomen! Héloise unterliegt trotz ihres Schmerzes dem Gefühle des Entzückens, das zu empfinden ich sie zwinge; sie entleert sich. Nun entfacht nichts auf der Welt das Gefühl wolllüstiger Raserei in mir so stark, als wenn ein Weib meinen Genuß teilt. »Elende Dirne!« schrie ich, »du wirst für deine Kühnheit büßen!« Damit drehte ich sie heftig um und setzte mich in den Besitz des denkbar reizendsten Hintern. Mit einer Hand schiebe ich die Backen, auseinander, mit der anderen führe ich mein Glied ein und nun sodomisiere ich drauf los. Götter; Welch ein Vergnügen bereitet sie mir! Ich verursachte ihr Schmerzen; sie wollte schreien, da preßte ich ihr ein Taschentuch auf den Mund. Doch störte diese Vorsicht den Akt und mein Glied glitt heraus. Ich begriff, daß ich mein Opfer aufheben und auf eine Unterlage stützen müsse. Da legte ich sie auf den Leichnam ihres Geliebten und brachte die beiden in eine so gute Stellung zueinander, daß beider Mund sich berührte, sozusagen aufeinander klebte. Man kann sich das Entsetzen, den Schauder, die Verzweiflung nicht vorstellen, in die diese meine Ruchlosigkeit mein Opfer versetzte. Wenig gerührt von den verschiedenen Regungen, die ihr Herz zerfleischten, machte ich aus meinem Taschentuch und meinen Strumpfbändern eine Fessel, mit der ich sie in dieser Stellung fixierte worauf ich mich ruhig wieder ans Werk begab. Götter! Was für Hinterbacken! Welche Rundung! Welche Weiße! Ich überhäufte sie mit Tausenden von Küßen; ich glaube dieses schöne Gesäß fressen zu müssen, bevor ich es bearbeite. Endlich dringt mein Glied hinein, aber mit solcher Geschwindigkeit, mit so wenig Achtsamkeit, daß das Blut über die Schenkel herabfließt. Nichts kann mich aufhalten; ich bin gut drin; ich wünschte ihren Mastdarm enger, meinen Penis viel dicker, um ihr so rechte Qualen bereiten zu können. »Nun, kleine Hure,« sagte ich, sie aus Lebeskräften reibend, »wird dich dieser zweite Genuß auch zur Entladung veranlassen?« Damit prackte ich heftig ihre Hinterbacken; ich kratzte sie; meine Hände fuhren nach vorne und rißen ihr grausam die Flaumhaare heraus, mit denen die Natur sie geschmückt hatte. Tausend grausame Gedanken wirbeln durch mein Gehirn. Ich verzögere schließlich meine Entladung, damit das Feuer, das jenes durchströmt, nicht erlösche. Ich erinnere mich des entsetzlichen Planes, den ich bezüglich des Leichnames der Frau de Moldane gefaßt hatte. Ich rufe mir all das ins Gedächtnis, was man mir über die entzückenden Genüsse an einem frisch getöten Leichnam gesagt hat, und gedenke der Verzweiflung, in die mich meine stürmischen Begierden einst stürzten, da sie mich verhindert hatten, dieses Verbrechen zu begehen. Ich ziehe mein Glied heraus, ich werfe verstörte Blicke auf Alberonis blutigen Körper; nun lasse ich seine Hosen herunter. Er war noch warm; ich bemerkte prächtige Hinterbacken und küße sie; mit meiner Zunge bahne ich mir den Weg, ich führe mein Glied ein und fühle mich so gut bei dem Experiment, daß mein Same unter den unsagbaren Ausbrüchen meines Entzückens sich ausgiebig in den After des von mir getöteten Liebhabers ergießt, während ich den Arsch seiner Geliebten, die ich auch bald morden werde, küße.

Héloisens Reize, ihre Verzweiflung, ihre Tränen, der Zustand von Angst, in den ich sie durch meine Drohungen versetzte; so viele Einwirkungen auf mein stahlhartes Herz brachten mich bald wieder in Erregung. Aber erfüllt von Raserei, schäumend vor wütender Geilheit, die unsere Sinne in so heftiger Weise aufpeitscht, vermag ich mich jetzt nur mehr durch Mißhandlungen zum Genuß anzuregen. Ich pflücke Zweige in dem Gestrüp, der uns umgibt; ich binde aus ihnen Ruten; ich entkleide das Mädchen vollständig und peitsche ihren ganzen Körper, ohne den Hals auszunehmen, so grausam, daß ihr Blut sich bald mit dem aus den Wunden ihres Liebhabers fließenden vermengt.

Von dieser Barbarei übersättigt, ersinne ich ihrer neue; ich zwinge sie, die Wunden Alberonis zu lecken. Als ich aber bemerkte, daß sie mit einer Art Zartgefühl gehorchte, riß ich Dornen ab und rieb damit ihre empfindlichsten Körperteile; ich führe sie in ihre Scheide ein, ich zerreiße damit ihre Brüste. Schließlich schneide ich den Kadaver des Jünglings auf; ich reiße das Herz heraus, um damit das Gesicht meines Opfers zu beschmieren; ich zwinge sie, davon einige Stücke abzubeißen. Nun aber hielt ich's nicht mehr aus. Und der stolze Jérome, der soeben über zweier Menschen Schicksal entschieden hatte, mußte sich nunmehr dem Wunsche seines Gliedes fügen; noch nie hatte ich eine Erregung von solcher Heftigkeit verspürt. Da der Samenerguß drohte, so nötigte ich mein Opfer, das Glied ihres Liebhabers in ihren Mund zu nehmen und bearbeitete sie von hinten. Ich hielt einen Dolch in der Hand: ich behielt mir ihren Tod für den Moment meiner Entladung vor ... Er naht; ich schwelge voll Entzücken in dem wollüstigen Gedanken, mit dem göttlichen Feuer meines Ergußes die letzten Seufzer derjenigen, die ich bearbeite, zu vermengen. »Sie wird die furchtbarsten Dinge durchmachen,« dachte ich, indem ich sie aus Leibeskräften rieb, »während ich die süßesten Augenblicke erleben werde.« Das Entzücken bemächtigt sich meiner Sinne; ich packe sie mit einer Hand bei den Haaren, mit der anderen stoße ich fünfzehnmal meinen Dolch in ihren Busen, in ihren Unterleib, in ihr Herz. Sie stirbt, aber noch habe ich meinen Samen nicht ergossen. Damals, meine Freunde, empfand ich so recht, wie wunderbar die Ermordung des bearbeiteten Gegenstandes wirkt. Der Mastdarm meines Opfers verengte sich, zog sich zusammen, und zwar je nach der Heftigkeit der Stiche, die ich ihr versetzte; als ich aber ihr Herz durchbohrte, da war der Druck so heftig, daß mein Glied davon gerißen wurde. O herrlicher Genuß! er war der erste dieser Art, den ich empfand; aber wieviel Dank schulde ich ihm für die Lehre, die ich aus ihm zog, wieviel Nutzen habe ich seitdem aus ihm geschöpft! Ein Augenblick der Ruhe folgt auf so heftige Erregung; aber in einer solchen ruchlosen Seele, wie die meine ist, muß das Schauspiel des Verbrechens bald wieder die Begier anfachen. »Ich habe den Leichnam des Liebhabers geschändet,« sagte ich mir, »warum sollte ich nicht mit dem der Geliebten desgleichen tun?« Héloise war noch immer schön; ihre Bläße, die Unordnung ihrer schönen Haare, das Interesse, das die verstörten Züge ihrer bezaubernden Physiognomie erregten, all dies versetzte mich wieder in Erektion; ich bearbeite sie ein letztesmal von hinten und entleere mich, während ich in ihr Fleisch beiße.

Nachdem der Rausch sich verflüchtigt hatte, raffte ich das Geschmeide und das Geld zusammen und entfernte mich, ohne meine Mißetat zu verabscheuen. Ha! hätte ich sie bereut, hätte sie mich seitdem so oft in Erregung versetzt? Nein, ich verabscheute es nicht, dieses köstliche Verbrechen; wohl aber bedauerte ich gar sehr, es nicht mit noch größerer Wucht verübt zu haben.

Ich begab mich in meinen Wagen und fuhr sofort nach Venedig. Da mir das Klima des Gebietes von Trient und der Charakter seiner Bewohner mißfielen, so entschloß ich mich für Sizilien. »Dort,« sagte ich mir, »ist die Wiege der Tyrannei und Grausamkeit; das, was die Dichter und Schriftsteller von der Wildheit der Inselbewohner in der Vorzeit erzählen, erweckt in mir den Glauben, daß ich einige Spuren ihrer Laster in den Nachkommen der Lästrygonen, der Cyklopen und Lotophagen wiederfinden werde.«14 Man wird sehen, ob ich mich getäuscht habe und ob die Priester, die Adeligen und die reichen Händler dieser herrlichen Insel nicht alles besitzen, was uns eine genügende Vorstellung von der Verderbtheit und Grausamkeit ihrer Vorfahren zu geben vermag. Mit diesem Plane durcheilte ich ganz Italien; außer einigen Akten der Wollust und mehreren heimlichen Untaten, die ich vollführte, um mich in Atem zu halten, ereignete sich nichts, was vergleichbar mit dem, was nun folgte, Eure Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen verdiente.

Mitte September schiffte ich mich in Neapel auf ein hübsches kleines Kauffahrteischiff ein, das nach Messina segelte, auf dem mir der Zufall die Gelegenheit zu einem verbrecherischen Willkürakt bot, der ebenso merkwürdig als anregend war. Wir hatten bei uns eine Händlerin aus Neapel, die ihre Geschäfte nach Sizilien führten; sie nahm mit sich zwei reizende kleine Mädchen, deren Mutter sie war, die sie aufgezogen hatte und die sie so liebte, daß sie sich nie von ihnen trennen konnte. Die ältere mochte vierzehn Jahre zählen, hatte ein romantisches Gesicht, die schönsten blonden Haare und eine recht hübsche Gestalt. Die Reize ihrer um achtzehn Monate jüngeren Schwester waren ganz anderer Art; ihre Züge waren pikanter als die der anderen, dabei vielleicht weniger interessant, dafür aber wollusterregender; kurz, sie besaß alles, was geeignet war, nicht gleich ihrer Schwester allmählich für sich zu gewinnen, sondern selbst das in Liebessachen störrigste Herz im Sturm zu erobern.

Kaum hatte ich diese beiden Mädchen bemerkt, als ich beschloß, sie zu opfern. Es wäre schwer gewesen, mir ihren Genuß zu verschaffen. Von ihrer Mutter vergöttert, beständig unter ihrer Aufsicht, war es nicht leicht, den Moment des Angriffs zu wählen. Es blieb mir also nichts anderes übrig als sie zu opfern; und der Genuß, den mir die Zerschneidung des Lebensfadens zweier so hübscher kleiner Wesen in Aussicht stellte, überwog den, sie mit den Annehmlichkeiten der Wollust vertraut zu machen. Meine Tasche, die stets fünf bis sechs Arten von Giften enthielt, bot mir mannigfache Möglichkeit, ihre Tage zu verkürzen. Aber meiner Meinung nach war der Streich nicht schmerzlich genug für eine zärtliche, ihre Tochter vergötternde Mutter; ich wünschte ihnen einen auffallenderen, unendlich rascheren Tod; der Schoß der Wellen, auf welchen wir fuhren, schien mir ein Grab, von dem ich sie lieber verschlingen lassen wollte. Die beiden jungen Mädchen besaßen die Unklugheit (ich war ganz verwundert, daß man sie daran noch nicht gehindert hatte) sich auf den Rand des Oberdecks zu setzen, während die Schiffsmannschaft Mittagsruhe hielt. Am dritten Tage unserer Reise ergreife ich die Gelegenheit; ich nähere mich ihnen; während sie sich mit den Armen umschlungen halten, hebe ich sie in die Höhe, hindere sie daran, sich mit ihren Händen an mir festzuhalten, und werfe sie kraftvoll in das salzige Element, das sie für immer begraben soll. Ich empfand einen so heftigen Reiz, daß ich meinen Samen in meine Hosen ergoß. Auf das Geräusch hin wird es lebendig; ich stelle mich, als ob ich meine Augen riebe und als ob ich erst die Opfer dieses Unglücks bemerkte; ich stürze zur Mutter hin: »Ach, Madame!« sagte ich ihr, »Ihre Töchter sind verloren!« – »Was sagen Sie?« – »Eine Unvorsichtigkeit ... sie befanden sich auf dem Oberdeck ... da fuhr ein Windstoß daher ... sie sind verloren, Madame! Sie sind verloren!« Man kann sich den Schmerz dieser Unglückseligen nicht vorstellen; nie schien mir die Natur beredter, pathetischer zu sein; und umgekehrt hatten mich nie wollüstigere Empfindungen durchströmt. Als die Frau ihrer Sinne wieder mächtig war, schenkte sie mir ihr ganzes Vertrauen. Sie wurde in einem schrecklichen Zustande ans Land gesetzt. Ich logierte in derselben Herberge. Da sie ihr Ende herannahen fühlte, übergab sie mir ihre Brieftasche und bat mich, diese ihrer Familie zu übergeben; ich versprach alles und hielt nichts. Sechshunderttausend Francs, die in jener enthalten waren, waren eine genug beträchtliche Summe, um sie mir bei meinen Grundsätzen nicht entgehen zu lassen; die unglückliche Neapolitanerin, die den zweitnächsten Tag nach unserer Ankunft in Messina starb, ließ mich den Raub bald ruhig genießen. Ich muß gestehen, daß ich nur eines bedauerte: nämlich, nicht mit ihr vor ihrem Tode geschlechtlich verkehrt zu haben. Sie war noch schön, dabei sehr unglücklich, und hatte mir eine äußerst heftige Begierde eingeflößt; aber ich fürchtete ihr Vertrauen zu verlieren; bei dieser Gelegenheit, wo es sich nur um eine Frau handelte, trug die Habgier den Sieg über die Wollust davon.

Ich besaß keine anderen Empfehlungsschreiben in Messina als die Wechsel, mit denen ich mich in Venedig versehen hatte, wo ich die kluge Vorsichtsmaßregel getroffen hatte, mein bares Geld wegen der Wertschwankungen gegen sizilianische Papiere umzutauschen. Der Bankier, dem ich jene vorlegte, zeigte sich mir gegenüber höflicher als die Pariser den Sizilianern gegenüber, die sich mit dem gleichen Anliegen an sie wenden; überhaupt muß ich der vollendeten Urbanität aller fremden Kaufleute, mit denen ich zu tun hatte, alle Ehre widerfahren lassen. Ein Wechselbrief ist für sie ein Empfehlungsschreiben.

Ich legte meinem Bankier gegenüber das Verlangen an den Tag, mit den beträchtlichen Mitteln, die in meinem Besitze waren, mir ein Herrengut zu kaufen. »Das feudale Regime ist hier ganz in Kraft,« sagte ich dem wackeren Manne, »das allein bestimmt mich, mich hier anzukaufen; ich will zugleich den Menschen befehlen und die Erde bebauen, gleicherweise über mein Feld wie über meine Hörigen herrschen.« – »In diesem Falle haben Sie es nirgends besser als in Sizilien,« antwortete mir der Bankier, »in diesem Lande entscheidet der Herr über Leben und Tod seiner Diener.« – »Gerade das suche ich,« war meine Antwort. Um mich nicht diesbezüglich in Einzelheiten einzulassen, teile ich gleich mit, daß ich nach Verlauf von einem Monat Herr von zehn Kirchspielen war und das schönste Landgut mit dem schönsten Schloß im Tale der Ruinen von Syracus besaß, ganz nahe beim Golfe von Catania, d.h. in dem schönsten Teile Siziliens.

Ich verschaffte mir bald ein zahlreiches Gesinde, das ich nach meinem Geschmacke auswählte. Meine Lakaien und Dienerinnen mußten meinen Geilheiten zuwillen sein. Meine Haushälterin, namens Donna Clementia, eine ungefähr sechsunddreißigjährige Frau, eines der schönsten Weiber der Insel, mußte außer ihrer persönlicher Hingabe noch die Aufgabe versehen, Gegenstände beider Geschlechter zu entdecken; und ich kann Euch versichern, daß solange sie diesen Dienst versah, mir nichts abging. Bevor ich mich ansäßig machte, durcheilte ich die berühmten Städte dieser interessanten Gegend.

Theocrits Beschreibungen der Freuden Siziliens hatten nicht wenig dazu beigetragen, in mir den Wunsch zu erwecken, ein so schönes Land zu bewohnen. Ich fand alles richtig, was er über die Milde des Klimas, über die Schönheit der Einwohner, besonders aber über ihre Ausschweifungen sagt. Hier, in diesem wundervollen Himmelstrich, erweckt zweifellos die gütige Natur die Begierden und Leidenschaften, die dazu beitragen können, das Dasein angenehm zu gestalten. Hier muß man es genießen, wenn man die Fülle von Glück, die unser aller zärtliche Mutter ihren Kindern vorbehält, erkennen will. Nach der Besichtigung von Messina, Catania und Palermo kehrte ich zurück, um von meinem Schlosse Besitz zu ergreifen. Da es sich auf einem hohen Berge erhob, genoß ich gleichzeitig die reinste Luft und die herrlichste Aussicht. Dieses Festungsartige des Gebäudes war übrigens meinem Geschmacke sehr förderlich. Ich sagte mir, daß die Gegenstände, die ich ihm opfern werde, hier wie in einem Gefängnis sein würden. Wo sollten sie Beschützer finden, wenn ich zugleich ihr Herr, ihr Richter und Henker sein werde? Ach! Wie göttlich ist der Genuß, wenn Despotismus und Tyrannei ihn also anstacheln!

Clementia hatte Sorge getragen, mein Serail während meiner Abwesenheit in stand zu setzen; ich fand es bei meiner Rückkehr mit zwölf jungen Knaben im Alter von zehn bis achtzehn Jahren, mit sehr schönen Gesichtchen, und der gleichen Zahl von fast gleichaltrigen Mädchen versehen. Man ersetzte sie jeden Monat durch neue; ich überlasse es Euch, meine Freunde, auszudenken, welchen wollüstigen Zügellosigkeiten ich mich überließ. Man kann sich nicht vorstellen, was ich alles ersann; die Grausamkeiten, mit denen ich meine Genüsse mir versüßte; mein Trientiner Abenteuer hatte mich so sehr mit blutigen Gelüsten vertraut gemacht, daß ich mich ohne sie nicht mehr zu behelfen vermochte. Grausam durch meine Geschmacksrichtung, durch mein Temperament und durch inneren Zwang, konnte ich mich keiner Freude überlassen, wenn sie nicht das Gepräge der brutalen Leidenschaft trug, die mich verzehrte. Zunächst ließ ich nur Frauen ihre Wucht fühlen; die Schwäche dieses Geschlechtes, seine Sanftmut und Lieblichkeit, sein Zartgefühl schienen mir ebenso viele Anreize zur Befriedigung meiner Barbarei. Doch sah ich bald meinen Irrtum ein.

Ich fühlte, es sei unendlich wollustreizender, die Aehren, die Widerstand leisten, zu mähen, als das zarte Gras, das sich unter der Sense biegt; wenn diese Erwägung mir nicht schon früher gekommen war, so war dies eher wegen falscher Zurückhaltung als aus Raffinement geschehen. Ich machte Versuche. Der erste Lustknabe, den ich tötete, zählte fünfzehn Jahre, war schön wie die Liebe und verursachte mir so wütendes Entzücken, daß ich mich in Zukunft viel mehr solchen Genüssen zuwandte als anderen. Es schien mir, als ob ich die Frauen allzusehr verachtete, um sie zu Opfern auszuersehen, während die Knaben durch ihre Reize meinen Sinnen mehr schmeichelten, sie mußten sich daher auch mehr zu Qualen eignen. Auf Grund dieser Erwägungen, die durch die Tatsachen sich bestätigten, verging keine Woche, wo ich nicht ihrer drei oder vier, und zwar stets durch neue Martern, umbrachte. Manchmal hetzte ich ein paar von ihnen in einen großen Park, der von hohen Mauern umringt war und aus dem man unmöglich entweichen konnte. Daselbst stellte ich auf sie Treibjagden wie auf Hasen an; ich suchte sie, indem ich meinen Park durchritt; wenn ich sie gefangen hatte, hing ich sie vermittelst Halseisen an Bäumen auf; unter ihnen ließ ich ein großes Feuer anzünden, das sie langsam verzehrte. Anderemale trieb ich sie zu Pferde vor mir her und traf ihren Leib mit gewaltigen Peitschenhieben; wenn sie umfielen, ließ ich meinen Renner auf ihren Bauch treten oder schoß Kugeln in ihren Kopf. Oft führte ich noch raffiniertere Martern aus, für deren Anwendung sich nur das Dunkel und die Stille des Gemaches eignete; während solcher Handlungen reizte mich stets die treue Clementia an, oder sie inszenierte wollüstige Akte, in denen ihre hübscheren Mädchen die wichtigste Rolle spielten. Zu meinem Glück hatte ich in dieser Clementia alle Eigenschaften gefunden, die zu der von mir angenommenen grausamen und wüsten Lebensweise nötig waren. Die Schelmin war boshaft, wollüstig, unmäßig und atheistisch; kurz, sie besaß alle meine Laster, und keine andere Tugend, als ihre unglaublich große Anhänglichkeit an mich und ihre wundervolle Diensteifrigkeit. Ich führte also infolge des Eifers dieses prächtigen Weibes in diesem Schlosse das köstlichste und meinem Geschmack entsprechendste Leben, als der Unbestand, zugleich die Geißel und die Seele aller Genüsse, mich dieser friedlichen Idylle entriß, um mich wieder auf das große Abenteuertheater dieser Welt zu stellen.

Man wird blasiert, wenn nicht Hindernisse die Genüsse würzen; man möchte sie durch Mühseligkeiten steigern; nur durch solche kann man sich große Freuden verschaffen. Ich beließ Clementia in meinem Schlosse und schlug abermals in Messina meinen Wohnsitz auf. Rasch verbreitete sich die Nachricht, daß ein reicher Junggeselle sich in der Stadt niedergelassen hatte und öffnete mir die Pforten aller Paläste, in denen es heiratsfähige Mädchen gab; ich durchschaute gleich die Absicht und beschloß, mich daran zu belustigen.

Von allen diesen Häusern, in denen man mich wohlwollend aufnahm, fesselte mich das des Chevalier Rocupero ganz besonders. Dieser alte Adelige und seine Gattin mochten zusammen ein Jahrhundert zählen. Bei ihrem geringen Vermögen mußten sie ihre drei wunderschönen Töchter mit allzu großer Sparsamkeit aufziehen. Die erste hieß Camilla; sie zählte zwanzig Jahre, hatte braune Haare, eine blendend weiße Haut, recht ausdrucksvolle Augen, einen sehr angenehmen Mund und die Gestalt einer Hebe. Die zweite, interessanter, aber weniger schön, zählte achtzehn Jahre und hatte kastanienbraune Haare; ihre großen blauen, sehnsuchtsvollen Augen strahlten Liebe und Wolllust aus; ihre Gestalt, wie die schöne Rundung zeigte, verhieß herrliche Genüsse; sie hieß Veronika; und sicherlich hätte ich sie nicht nur Camillen, sondern der ganzen Welt vorgezogen, wenn nicht die göttlichen Reize der kaum fünfzehnjährigen Laurentia nicht nur die ihrer Schwester, sondern die der Schönen ganz Siziliens überstrahlt hätten.

Kaum war ich bei dem wackeren Edelmann eingeführt, als ich beschloß, den Kummer, die Verzweiflung, die Schamlosigkeit und die Schande, kurz alle Geißeln des Verbrechens und der Verzweiflung in sein Haus zu tragen. Die Redlichkeit war bei ihm zuhause; auch Schönheit und Tugend schienen hier ihren Sitz aufgeschlagen zu haben; brauchte es mehr, um in mir den heißen Wunsch zu erregen, jenes durch alle erdenklichen Mißetaten zu besudeln? Ich zeigte mich gleich sehr freigiebig; doch nahm man meine Geschenke nur ungern entgegen; aber die Aussichten auf eine Ehe, auf die mein Verhalten zu schließen erlaubte, machten eine Ablehnung unmöglich. Man bat mich, meine Pläne auseinanderzusetzen. »Wie kann ich unter diesen drei Grazien die Entscheidung treffen?« erwiderte ich. »Geben Sie mir doch Zeit, Ihre reizenden Töchter besser kennen zu lernen, dann werde ich Ihnen sagen können, welche die Ausrewählte meines Herzens ist.« Als ich so weit war, kann man sich leicht vorstellen, daß ich den Aufschub dazu benutzte, um alle drei zu betrügen. Da ich ihnen aber vollständiges Stillschweigen ans Herz gelegt hatte, machte keine die andere zu ihrer Vertrauten, so daß keine wußte, wie weit ich mit der anderen war. Nunmehr ging ich folgendermaßen vor.

Die erste, die ich verführte, war Camilla; da ich sie unter Ehevorspiegelungen betrog, hatte ich sie nach Verlauf eines Monates dort, wo ich sie wollte. Wie schön war sie! welche Freuden kostete ich durch ihren Genuß! Kaum hatte ich sie nach allen Regeln bearbeitet, machte ich mich an Veronika heran; und als ich Camillens Eifersucht erweckte, wußte ich sie gegen ihre Schwester derart in Harnisch zu bringen, daß sie den Entschluß faßte, diese zu erdolchen.

Das heiße Temperament der Sizilianerinnen scheut vor nichts zurück; sie kennen nur zwei Leidenschaften, die Rache und die Liebe. Als ich die Gewißheit von Camillens verbrecherischen Plänen zu haben glaubte, benachrichtigte ich Veronika davon; es gelang mir, ihr darüber Klarheit zu verschaffen, so daß ihr nicht einmal der tröstende Gedanke des Zweifels übrig blieb. Das schöne Mädchen, voll Verzweiflung, aber eher furchtsam als unternehmend, fleht mich an, sie zu entführen, wenn ich sie liebe, um sie der zügellosen Rachsucht einer zu allem fähigen Schwester zu entziehen. – »Mein Engel,« antwortete ich, »wäre es nicht besser, das Uebel bei der Wurzel zu fassen, seine Urheber zu erkennen und uns ohneweiters zu rächen?« – »Es ist ja nur die heiße Liebe, die Camilla für dich hegt, schuld daran,« erwiderte Veronika, »sie bemerkt, wie du mich ihr vorziehst, darum hat es das teuflische Geschöpf auf mein Leben abgesehen!« – »Ich sehe in der Sache nicht ganz so wie Sie,« entgegnete ich. »Zweifeln Sie nicht, meine Teure, daß Ihre Eltern Camillen vor Ihnen bevorzugen. Ich weiß nicht, ob dieses Mädchen mich liebt; sicherlich habe ich ihr nie irgendwelche Hoffnungen gemacht. Doch haben sich Ihre Eltern mir gegenüber offen ausgesprochen; zweifellos ist Camilla der einzige Gegenstand ihrer Liebe; würde ich ihnen meine Liebe zu Ihnen vorbringen, sie würden mich sicherlich zurückweisen. Sie schlagen mir vor, zu fliehen; dieses Mittel wäre gefährlich; wir würden uns Ihren Eltern gegenüber ins Unrecht setzen; kaum würden sie oder das Gericht davon Kenntnis erhalten, würde man uns an unserem Vermögen oder Leben strafen. Doch scheint mir folgendes ein vorteilhafterer und einfacherer Weg: rächen wir uns zugleich an Camilla, die nach Ihrem Leben trachtet, und an Ihren Eltern, die sie dazu aufreizen.« – »Auf welche Weise denn?« – »Mit einem Mittel, das das glückliche Land, in dem wir leben, uns auf Schritt und Tritt darbietet.« – »Mit Gift?« – »Gewiß!« – »Meinen Vater, meine Mutter, meine Schwester vergiften?« – »Haben sie es nicht auf Ihr Leben abgesehen?« – »Ich hege nur einen Verdacht.« – »Ihr Tod wird der Beweis sein.« – Nach einigem Nachdenken begann wieder Veronika: »Ich weiß, daß andere Frauen ebenso gehandelt  haben, Donna Capraria hat soeben ihren Gatten vergiftet.« – »Warum zögern Sie also?« – »Ich fürchte Ihre Verachtung; Sie werden nach der Rachetat kaltblütiger sein und mich verabscheuen.« – »Fürchten Sie nichts; ich werde dann in Ihnen ein feuriges, mutiges, liebendes, leidenschaftliches, kurz ein charaktervolles Mädchen sehen, und werde Sie dann tausendmal heißer verehren. Zaudere nicht, Veronika, sonst verlierst du auf ewig meine Liebe.« – »Ach, mein Freund, aber der Himmel!« – Leere Furcht; der Himmel hat sich nie in weltliche Dinge gemengt; er ist nichts als die abgestumpfte Waffe der Lüge und des Aberglaubens. Es gibt keinen Gott; Lohn und Strafe, die sich auf dieses verhaßte Phantom gründen, sind ebenso verächtlich wie er. Wenn es einen Gott gäbe, den das Verbrechen erzürnte, würde er dann dem Menschen alle Mittel an die Hand geben, es zu verüben? Was sage ich da! Wenn das Verbrechen diesen angeblichen Schöpfer der Natur erzürnte, wäre es dann ein wesentliches Werkzeug der Naturgesetze? Denke doch daran, daß die entartete Natur sich nur durch Verbrechen nährt und aufrecht erhält; wenn aber diese notwendig sind, können sie weder die Natur noch das sie angeblich regierende Phantasiegeblide beleidigen. Das, was der Mensch ein Verbrechen zu nennen gewagt hat, ist nur die Tat, die die Gesetze der Gesellschaft verletzt; aber was kümmert sich die Natur um die Gesetze der Gesellschaft! Hat denn sie diese diktiert? und sind diese Gesetze nicht in verschiedenen Ländern verschieden? So schauerlich Ihnen eine Tat erscheinen mag, so kann sie als Verbrechen nur in einer begrenzten Oertlichkeit gelten; von diesem Augenblicke an kann sie die Natur nicht beleidigen, da ihre Gesetze allumfassend sind. Der Vatermord, in Europa als Verbrechen betrachtet, steht in mehreren Gegenden Asiens in Ehre; ebenso verhält es sich mit allen anderen menschlichen Handlungen; ich glaube nicht, daß man mir eine einzige nennen kann, die überall als lasterhaft gilt. Bedenken Sie übrigens, daß es sich hier nur um Notwehr handelt, daß also alle Mittel, die Ihnen dabei dienlich sind, nicht nur nicht verbrecherisch sind, sondern sogar lobenswert werden, da das oberste Gesetz der Natur uns den Trieb zur Selbsterhaltung um jeden Preis eingegeben hat. »Handeln Sie, Veronika, handeln Sie, oder es kostet Sie Ihr eigenes Leben.«

Das Feuer, das ich in den Augen des reizenden Mädchens glänzen sah, überzeugte mich bald von dem Erfolge meiner Rede. »Nun gut,« sagte sie zu mir nach Verlauf einiger Minuten heftiger Erregung, »ich werde deinen Rat befolgen. Ich kenne die notwendigen Gifte, alle diese sind uns wohl vertraut; ich schwöre dir, in drei Tagen soll keine einzige Person existieren, die unser Verderben ersinnt. Entferne dich indeß, ich will nicht, daß du in Verdacht kommst.«

Ich erklärte mich umso lieber damit einverstanden, als ich diesen Aufschub benötigte, um die dritte Schwester zu verführen; ich tat dies mit Hilfe Clementias. Ich ließ sie nach Messina kommen und machte sie mit Laurentia bekannt; schon am folgen den Tage wurde diese auf mein Schloß gebracht. Kaum zwei Stunden nach ihrer Entfernung kam das von Veronika vorbereitete Unheil zum Ausbruch. Sie hatte eine sehr gefährliche Giftpflanze benützt, die sich in großer Zahl in den sizilischen Bergen findet; die drei Opfer starben unter entsetzlichen Zuckungen. Nach der Tat bemächtigte sie sich aller Dinge, deren sie habhaft werden konnte: Geschmeide, Brieftasche, Geldkasse, kurz alles nahm sie mit; dann suchte sie mich mit diesen armseligen Schätzen in einem Landhause nahe der Stadt auf, wo ich ihr Rendezvous gegeben hatte. Sie berichtete mir vom Verschwinden ihrer Schwester, dessen Beweggrund sie nicht verstehen konnte. »Du wirst sie bald wiedersehen,« meinte ich, »ich habe sie aus Vorsicht in Sicherheit bringen lassen; gehen wir, sie erwartet uns auf meinem Gute.« Diese Vorsicht schien Veronika zunächst zu ängstigen; doch wußte ich sie zu beruhigen. Aber ich überlasse es Euch, ihren Schrecken Euch auszumalen, als sie nach ihrer Ankunft aus dem Munde Laurentias erfuhr, auf welche Weise sie entführt worden war und welche Zumutungen ihr Clementia seit ihrem Aufenthalte auf dem Schlosse gemacht hatte. »O Ruchloser! du hast mich hintergangen!« sagte sie zu mir. – »Wirklich?« entgegnete ich, »ich habe dir ja nie etwas versprochen. Deine Schwester hat mir dieselbe Begierde eingeflößt wie du; darum will ich euch beide genießen, oder besser gesagt, alle drei; denn wozu es jetzt verhehlen? Camilla ist mir auch zur Beute geworden.« – »Und du konntest mir zumuten, sie zu töten? O, du Ungeheuer!« – Sie weinen, sie sind verzweifelt; aber trotz ihrer Tränen gehe ich nur darauf aus, mich an ihnen zu ergötzen. Die beiden reizenden Mädchen befriedigten zu gleicher Zeit alle meine wolllüstigen Wünsche; beide stillten alle meine Leidenschaften ausnahmslos: Hintern, Scheide, Mund, Brüste, Achselhöhlen, alles wurde in Angriff genommen, alles wurde ausgenützt; ich fand an ihnen nicht weniger Geschmack, wie seinerzeit an ihrer toten Schwester. Namentlich Veronikas Hinterbacken übertrafen alles, was ich je in dieser Art schönes gesehen hatte; man konnte sich keinen prächtigeren Hintern, keinen herrlicheren Busen vorstellen.

Unglücklicherweise machte mir all das nur drei Tage lang Vergnügen. Kaum hatte ich an den beiden reizenden Mädchen meine Gelüste befriedigt, da dachte ich nur mehr daran, sie zu verderben. Aber es mußte auf eine grausame Weise geschehen. Je mehr Genüsse sie mir verschafft hatten, umsomehr Leiden und furchtbare Qualen wollte ich ihnen bereiten. Aber welche sollte ich ersinnen? Ich hatte bereits alles Erdenkliche getan, ja ich war der Ueberzeugung, daß die berühmtesten Henker der Welt mir keine Marter raten konnten, die ich nicht bereits angewendet hatte. Endlich, nachdem ich lange nachgedacht hatte, gab mir meine frevelhafte Einbildungskraft folgenden Gedanken ein. Ich verwendete die von Veronika ihren unglücklichen Eltern entwendeten fünfzigtausend Francs dafür, um die in folgendem genauer geschilderte Maschine ausführen zu lassen.

Die beiden Schwestern, ganz nackt, waren in eine Art von Panzerhemd eingehüllt, das, durch Federn regulierbar, sie an einen kleinen, mit Stacheln versehenen Holzschemel, der nach meinem Belieben funktionierte, fesselte. Sie befanden sich in einer Entfernung von acht Fuß von einander; zwischen ihnen war ein Tisch mit den erlesensten, schmackhaftesten Gerichten; sonst wurde ihnen keine Nahrung gereicht. Doch mußten sie ihre Arme ausstrecken, um nach jenen zu langen; wenn sie aber dies taten, bestand die erste Marter darin, daß es ihnen unmöglich war, sie zu erreichen. Bald aber wurde ihnen eine unvergleichlich schmerzhaftere fühlbar gemacht. Diejenige, die ihre Arme ausstreckte, setzte dadurch alsobald gegen sich sowohl wie gegen ihre Nachbarin mehr als Viertausend Stacheln oder Scheeren aus Stahl in Aktion, die sie beide sogleich zerrißen, stachen und mit Blut bedeckten. So konnten die Unglücklichen nur dadurch daran denken, das Bedürfnis, das sie quält, zu befriedigen, daß sie sich beide gegenseitig töteten. Eine Woche lang ertrugen sie diese entsetzliche Marter, währenddem ich täglich acht Stunden damit verbrachte, sie zu betrachten, wobei ich mich ebenfalls vor ihren Augen bearbeiten ließ oder mit den hübschesten Gegenständen meines Serails Sodomie trieb. Nie in meinem Leben hatte ich ein wütenderes Entzücken verspürt; ich kann die Genüsse, die mir dieses Schauspiel bereitete, nicht schildern, »ich ergoß meinen Samen bei jeder Sitzung vier oder fünfmal.«

»Sapperlot, das glaube ich,« sagte de Severino, indem er die Erzählung, wonneröchelnd sich in den Hintern eines der schönsten Mädchen des Gelages entladend, unterbrach, »ja, beim Teufel, das glaube ich, denn das sind Einzelheiten einer der merkwürdigsten Szenen, die man sich vorstellen kann; das Vergnügen, das unser Bruder Jérome dabei empfand, muß höllisch stark gewesen sein, was ich aus dem Entzücken schließen kann, in das mich die bloße Erzählung versetzt.« – »Wir brauchten auch so eine Maschine,« sagte Ambroise, der sich von Justine reiben ließ, »und ich bürge dafür: wenn wir je eine besitzen, werde ich sie sicherlich zuerst an dieser Person da erproben.« – »Fahre nur fort, Jérome,« sagte Sylvester, dessen Glied hart war wie eine Eisenstange, »denn du bewirkst sonst, daß wir uns einer nach dem anderen entladen, wenn du uns lange bei dieser köstlichen Idee verweilen läßt.«

»Ich hatte Gelegenheit,« begann Jérome von neuem, »auf den verschiedenen Reisen, die ich nach Messina unternommen hatte, unsere liebenswürdigen Mitbrüder, die Benediktiner der berühmten Abtei Saint-Nicolas-d'Assena, kennen zu lernen;« sie waren so freundlich, mich in ihr Haus und ihren Garten zu laden und mich an ihrer Tafel Anteil nehmen zu lassen; besonderes Interesse erregte unter ihnen der Pater Bonifacius von Bologna, einer der charmantesten Wüstlinge, die ich je kennen gelernt habe. Die Wesensgleichheit meines Charakters mit dem seinigen hatte mich fest genug mit ihm verbunden, um uns eine Menge Dinge anvertrauen zu können. »Glauben Sie, Jérome,« sagte er mir eines Tages, »daß wir allen Genüssen, an denen die Weltleute sich erfreuen, entsagen? O, mein Freund, glauben Sie das ja nicht! Doch müßten Sie Mitglied unseres Ordens sein, wenn Sie diese Geheimnisse kennen lernen wollen; und reich, wie Sie sind, ist nichts leichter für Sie, als einzutreten.« – »Aber was ist's denn mit meiner Eigenschaft als Geistlicher, die ich durch den Ankauf von Land auf dieser Insel mir erworben habe?« – »Das wäre nur ein Grund mehr,« antwortete Bonifacio. »Sie behalten Ihr Gut, werden mit offenen Armen aufgenommen und sogleich in alle Geheimnisse des Ordens eingeweiht.« Man kann sich nicht vorstellen, wie dieser Gedanke mich aufregte. Die Gewißheit, meine Laster unter der imponierenden Maske der Religion verhüllen und ihnen dadurch nur noch mehr fröhnen zu können, die Hoffnung, mit der mir Bonifacio schmeichelte, ich könnte mich sehr rasch in die Rolle des himmlischen Mittlers zwischen dem Menschen und seinem angeblichen Gott einleben, die noch viel süßere, die ruchlose Religion dazu mißbrauchen zu können, um ungestraft nach meinem Belieben das Geld der alten und die Erstlinge der jungen Weiber stehlen zu können: all das versetzte mich in einen unsagbaren Taumel. Acht Tage nach dieser dringenden Einladung Bonifacios hatte ich die Ehre, mir die Mönchskittel anlegen zu dürfen und konnte mich sofort an allen Ruchlosigkeiten dieser Mißetäter beteiligen. Könnt Ihr es glauben, meine Freunde! Es ist wahr, daß die Ehrerbietung und Unterwürfigkeit des Volkes in jenem Lande der Geistlichkeit gegenüber ganz anders sind als in Frankreich, aber es ist doch erstaunlich, daß es in Messina keine einzige Familie gab, in deren Geheimnisse diese Spitzbuben nicht eingeweiht gewesen wären, deren Vertrauen sie nicht besaßen; ich überlasse es Euch, auszudenken, welchen Nutzen sie daraus zogen. Was aber ihre Vorsichtsmaßregeln betrifft, so sind die der Benediktiner von Saint-Nicolas-d'Arsena mindestens ebenso gut wie die Euren.

In ausgedehnten, nur den Brüdern des Ordens bekannten unterirdischen Gewölben ist alles, was Italien, Griechenland und Sizilien an schönen jungen Knaben oder Mädchen hervorzubringen vermögen, reichlich vertreten. Die Blutschande blüht dort wie hier; ich habe Leute gesehen, die ihre fünfte Generation bearbeiteten, nachdem sie mit den vier vorhergehenden ebenso getan hatten. Der einzige Unterschied, der zwischen diesen Klostermönchen und Euch besteht, ist der, daß sie sich nicht die Mühe geben, ihre Ausschweifungen im Schoße dieses großen unterirdischen Gewölbes zu verbergen: nie steigen sie da hinab. Die Porträts ihrer Wollustobjekte, die sie mit schweren Kosten erkaufen, sind in einem geheimen Gemache ihres Gebäudes angebracht; sie lassen sogleich den Gegenstand herbeischaffen, nach dem ihr Glied Sehnsucht trägt. So gibt es keinen Augenblick im Tage, wo man sie nicht nacheinander bei ihren klösterlichen Verrichtungen oder bei den göttlichen Gegenständen, die reichlich in ihrem Serail vorhanden sind, vorfindet. Was ihre wollüstigen Begierden betrifft, könnt Ihr Euch leicht vorstellen, daß sie ebenso entartet sind wie die Eurigen; die Leute, die von hier dorthin eingetreten sind, haben Euch hinreichend versichert, daß die von der Religion geschützten Ausschweifungen stets ganz besonders wüst sind.

Die außergewöhnlichste Leidenschaft, die ich unter diesen liebenswürdigen Zölibatären beobachtete, war die des Don Chrysostomus, des Superiors des Hauses. Er fand nur an vergifteten Mädchen Vergnügen; er bearbeitete sie während ihrer schmerzlichen Zuckungen, während zwei Männer ihn abwechselnd sodomisierten und peitschten. Wenn das Mädchen nicht während dieses Aktes starb, tötete er sie durch Dolchstiche. Wenn sie nahe daran war zu sterben, wartete er auf ihre letzten Atemzüge, um seinen Samen in ihren Hintern zu ergießen.

Ich entartete vollkommen und wurde ganz blasiert bei diesen guten Leuten; ja ich war schon nahe daran, durch nichts auf der Welt mehr in Erektion geraten zu können.

»Mein Freund,« sagte ich eines Tages zu Bonifacio, nachdem ich zwei Jahre lang dieses epikuräische Leben geführt hatte, »alles, was wir tun, ist köstlich; aber wir machen uns die Gegenstände unseres Genusses durch Gewalt willfährig; nun muß ich gestehen, daß sie mich dann nicht in solche Erregung versetzen, als wenn es durch Listen und Ränke geschähe. Ich möchte gerne Beichtiger werden. Ich beschwöre dich, mich instand zu setzen, diesen Posten zu versehen, was du mir ja in Aussicht gestellt hast. Es ist unglaublich, wie mich diese Idee anregt; ich rechne darauf, alles, was mir das neue Amt bietet, in außerordentlicher Weise ausnützen zu können, um zugleich meine Habgier und meine Geilheit zu befriedigen.« – »Nun gut!« meinte Bonifacio, »nichts einfacher als das.« Acht Tage später übergab er mir den Schlüssel des Beichtstuhles in der Marien-Kapelle. Er sagte: »Gehen Sie, glücklicher Sterblicher, in das wollüstige Boudoir, nach dem Sie sich sehnten, machen Sie davon reichlichen Gebrauch; verspeisen Sie ebenso viele schöne Gegenstände, als ich ebendort in acht Jahren verschlungen hatte; dann werde ich es nicht bereuen, es Ihnen verschafft zu haben ...«

Die Begeisterung, in die mich meine neue Stellung versetzte, war so groß, daß ich nachts kein Auge zu schließen vermochte. Am folgenden Morgen, gleich bei Tagesanbruch, stand ich an meinem Posten; da wir gerade in der Osterwoche waren, war der Besuch nicht schlecht. Ich will Euch nicht mit allen Dummheiten langweilen, die ich in Anwendung bringen mußte; ich will Eure Aufmerksamkeit nur auf ein vierzehnjähriges Mädchen, namens Frosine, lenken; sie war adelig und von solcher Schönheit, daß sie sich nie entschleiert zu zeigen vermochte, um der Menge zu entgehen, die sie jedesmal umdrängte, wenn sie sich unverhüllt zeigte. Frosine gab sich mir mit der ganzen Unschuld und Grazie ihres Alters preis. Ihr Herz hatte noch nicht gesprochen, obwohl kein Mädchen in Messina von so vielen Anbetern umringt war; wohl aber begann sich ihr Geschlechtstrieb zu regen. Sie war noch sehr unerfahren; ich wußte aber meine Fragen so geschickt zu stellen, daß ich ihr alles, was sie nicht wußte, dadurch beibrachte. »Sie leiden, mein schönes Kind,« sagte ich voll Anteilnahme, »ich sehe es, aber das ist Ihr Fehler: das Schamgefühl ist nicht so anspruchsvoll, daß man ihm die natürlichen Triebe opfern muß; Ihre Eltern täuschen Sie über diese strenge Tugend. Das Bild, das sie Ihnen davon entwerfen, ist ebenso grausam als ungerecht. Sie sind ja von der Natur geschaffen, nur ihr verdanken Sie die Gefühle der Wollust, die Sie beleben; warum sollten Sie sie denn erzürnen, wenn Sie sich jenen überlassen? Alles hängt von der Wahl ab, die Sie treffen; wenn diese gut ist, werden Sie es nie zu bereuen haben. Ich biete Ihnen zugleich meinen Rat und meine Dienste an; aber Sie dürfen niemandem etwas davon verlauten lassen; nicht allen meinen Beichtkindern gewähre ich diese Gunst; und die Eifersucht, die dieser Vorzug in ihnen erregen würde, wäre Ihr sicheres Verderben – Kommen Sie morgen Mittag pünktlich in diese Kapelle; ich werde Sie in mein Zimmer führen und ich bürge Ihnen dafür, daß Glück und Seelenfrieden durch meine Maßregeln in Ihr Herz einziehen werden. Insbesondere entledigen Sie sich dieser unbequemen Last, die Ihnen auf Schritt und Tritt folgt; seien Sie durchaus allein; sagen Sie, ich erwarte Sie wegen einer frommen Besprechung, und man möge Sie nach zwei Stunden abholen.« Frosine ging auf alle meine Vorschläge ein und sagte mir zu. Sie hielt Wort, ich aber ergriff folgende Maßregeln, um mich des Besitzes dieser jungen Person zu versichern und sie an der Rückkehr in ihre Familie zu verhindern.

Sogleich nach dem Gespräche verließ ich Messina; ich begab mich auf mein Schloß und teilte dem Kloster mit, daß unaufschiebbare Geschäfte mich für mehrere Tage fernhielten. Clementia trat an meine Stelle; sie mußte antworten, wenn Frosine nach mir fragen sollte; sie mußte an der Verführung unserer jungen Unschuldigen weiter spinnen und sie unmerklich dazu bringen, mich auf meinem Gute aufzusuchen. Hierauf verbreitete sich durch die Vermittlung Bonifacios, dem ich bei seinen Abenteuern behilflich war, um mich dafür seines Beistandes bei den meinen zu versichern, das Gerücht von Frosinens Entführung in der ganzen Stadt. Ein unterschobener Brief des Mädchens sollte ihren Eltern zugestellt werden; sie teilte ihnen darin mit, daß ein vornehmer Florentiner, der ihr schon seit langem nachgestellt habe, sie wider ihren Willen auf eine Genueser Barke gebracht hätte, die sich mit großer Schnelligkeit entfernt hatte; dieser Herr begründe ihr Glück, indem er sie heirate; da in diesem Vorhaben nichts Unehrenhaftes liege, habe sie eingewilligt und bitte ihre Eltern, ihr keine Hindernisse in den Weg zu legen; übrigens mögen sie ganz beruhigt sein; sie würde ihnen sofort nach ihrer Ankunft schreiben.

Es gibt einen Gott, der die Ränke der Wollust unterstützt; die Natur liebt und beschützt sie; selten sieht man sie scheitern; aber von allen, die man je ersonnen hatte, war keine so vollständig geglückt. Frosine kam gleich am folgenden Tage, da ich ihr in der erwähnten Kapelle ein Rendezvous gegeben hatte, auf mein Landgut; noch am selben Abend machte ich sie meinen Lastern dienstbar. Aber wie war ich erstaunt, als ich bemerkte, daß Frosine mit dem denkbar schönsten Gesichte höchst unscheinbare Reize verband! Nie hatte ich einen dürreren Hintern, eine unreinere Haut gesehen; der Hals war unschön, die Scham teigig weich und häßlich geformt. Von ihren schönen Gesichtszügen verführt, bearbeitete ich sie dennoch; doch mißhandelte ich sie, denn man liebt es nicht, sich betrogen zu sehen. Frosine sah ihre Torheit ein und beweinte sie bitterlich; als ich mich genötigt sah, abzureisen, um durch meine Anwesenheit jedem Verdacht zu begegnen, wurde sie von der Clementia in ein dunkles Verließ geworfen, sowohl um sie allen Nachforschungen zu entziehen als auch, weil ich, da ich mich zu viel an ihr ergötzt hatte, es nach meiner Gewohnheit gerne sah, wenn sie litt.

Ich fand Bonifacio sehr zufrieden mit dem Erfolge unserer Ränke, aber sehr begierig danach, auch seinerseits Nutzen aus ihnen zu ziehen. Ich mochte noch so oft sagen, daß der Gegenstand nicht der Mühe lohne; verführt von der vornehmen Abkunft und dem Gesichte Frosinens, wollte er sich unbedingt überzeugen; natürlich hinderte ich ihn nicht daran. »Jetzt wäre Gelegenheit,« sagte Bonifacio, »Chrysostomus, unserem Prior, einen Beweis von Höflichkeit zu geben; von Freundschaft und Vertrauen zu ihm erfüllt, habe ich ihm von deinem Glücke Mitteilung gemacht; ich bin überzeugt, es würde ihm ein Vergnügen bereiten, daran teilzunehmen.« – »Recht gerne,« antwortete ich; »die Manieren, der Geist, der Geschmack und Charakter von Chrysostomus sagen mir sehr zu; ich ergreife daher eifrig jede Gelegenheit, um mich ihm zu nähern.« Wir trennten uns; mein beständig wohl ausgestattetes Serail lieferte mir reichlich Material zur Befriedigung der Lüste meiner Gefährten und wir vollführten furchtbare Grausamkeiten.

Ihr wißt von Chrysostomus' Leidenschaft; auch die Bonifacios' trug einen ausgesprochen absonderlichen Charakter; er liebte es, Zähne zu reißen; manchmal bearbeitete er das Opfer von hinten, während wir diese Operation vollführten; andere Male riß Bonifacio, während wir Sodomie trieben. Alle beide befriedigten ihre Gelüste mit Frosine vollauf; nachdem wir ihre schönen zweiunddreißig Zähne geraubt hatten, wollte der Prior sie auf seine Weise opfern. Ihr erinnert Euch an seine Leidenschaft. Man ließ diese Unglückliche Sublimat in Scheidewasser trinken; ihre Schmerzen und Zuckungen waren so heftig, daß es unmöglich war, sie festzuhalten, um sich an ihr zu ergötzen. Indeß gelang dies dem Chrysostomus doch; sein Genuß trug den Stempel der außerordentlichsten Trunkenheit und des unbegreiflichsten Entzückens an sich. Wir beschlossen, es ihm nachzuahmen, und wir fühlten bald, daß es nichts Wollusterregenderes gäbe als diese Art des Genießens. Sicherlich ist dies leicht begreiflich; alles verengt sich dann in der Frau; übrigens durchtobt sie ein derartiger Sturm von Empfindungen, daß es nicht möglich ist, nicht davon mitergriffen zu werden. – »O Justine!« unterbrach hier Clément seinen Genossen, »Sie sehen, Chrysostomus dachte wie ich. Man erregt nie so sehr seine Sinne als wenn man in dem Gegenstande, der unseren Lüsten dient, eine möglichst starke Empfindung, welcher Art immer, hervorruft.«15 – »Wer zweifelt denn an dieser Wahrheit?« fragte Severino, »war es der Mühe wert, deshalb Jérome zu unterbrechen?« – Der Erzähler fuhr fort: »Niemand war davon mehr überzeugt als Chrysostomus; niemand bewies dies häufiger und besser durch die Tat.« Frosine starb unter entsetzlichen Qualen, mit Bonifacios Glied im Hintern, das des Chrysostomus in der Scheide, das meine in ihrer Achselhöhle. Doch war dies nicht das einzige Opfer, das wir in dieser Weise umbrachten. Wir trieben es so arg, daß wir bis sechs auf einmal auf diese Weise töteten; drei wanden sich vor unseren Blicken, während wir je eine im Mund, in der Scham, im Hintern bearbeiteten. Nach den Mädchen versuchten wir es mit Knaben und unsere wollüstigen Regungen verdoppelten sich.

Unsere Orgien wurden durch philosophische Erörterungen unterbrochen; wir begingen nicht früher eine Schaudertat, bevor wir sie nicht zu rechtfertigen gesucht hatten; keiner verstand sich so gut darauf wie Chrysostomus.

»Es ist recht erstaunlich,« sagte er uns eines Tages, »daß die Menschen närrisch genug sind, um der Moral irgendwelchen Wert beizulegen; ich muß gestehen, daß ich nie begreifen konnte, weshalb sie ihrer bedürfen; die Verderbnis ist nur deshalb gefährlich, weil sie nicht allgemein ist. Man liebt nicht die Nähe eines an einem bösartigen Fieber Erkrankten, weil man die Ansteckung fürchtet; aber ist man einmal selbst davon ergriffen, so fürchtet man nichts mehr. Das Zusammenleben einer ganz von Laster durchseuchten Gesellschaft kann nichts Nachteiliges haben; wenn alle gleicherweise verderbt sind, können sie ohne Gefahr miteinander verkehren. Dann wäre nur die Tugend gefährlich; da sie nicht mehr den Maßstab abgäbe, wäre es schädlich, sie auszuüben. Bloß der Wechsel kann von Nachteil sein; wenn aber alle stets den gleichen Standpunkt beibehalten, kann es keine Gefahren geben. Es ist ganz gleichgiltig, ob man gut oder böse ist, wenn nur alle Welt das eine oder das andere ist; aber wenn die Gesellschaft auf Tugend gestimmt ist, wird es nachteilig, böse zu sein; das Umgekehrte ist der Fall, wenn alle verderbt wären. Wenn aber der Standpunkt ein indifferenter ist, warum sollte man dann fürchten, das eine dem anderen vorzuziehen? Warum sollte man staunen und betrübt sein, daß man sich auf die Seite des Lasters schlägt, sobald alles uns dahin treibt und es im Grunde vollständig gleich ist? Wer kann mir beweisen, daß es besser ist, die anderen zu beglücken als sie zu quälen? Lassen wir einen Augenblick das Vergnügen, das mir das eine oder das andere bereiten könnte, beiseite: ist es durchaus nützlich, wenn die andern glücklich sind? Wenn das aber nicht der Fall ist, weshalb sollte ich mich dann hüten, ihnen Leid anzutun? Es scheint mir, daß es sich bei alledem nur darum handelt, was ich bei dieser oder jener Handlung empfinde; denn da die Natur mir mein eigenes Glück ans Herz gelegt hat, keineswegs aber das der anderen, hätte ich ihr gegenüber nur dann Unrecht, wenn ich es unterlassen hätte, mich ihren Absichten und Zwecken gemäß zu ergötzen. Dasselbe Wesen, das mein Geschmack oder meine Gewalttätigkeit unglücklich gemacht haben, weil es schwächer ist als ich, wird seine Ueberlegenheit gegen einen anderen mißbrauchen, so daß sich alles ausgleicht. Die Katze vernichtet die Maus, wird aber selbst von anderen Tieren gefressen. Nur um dieser Zerstörung willen hat uns die Natur geschaffen. Hüten wir uns also wohl, je der Verderbnis oder Sittenlosigkeit zu widerstreben, wenn unsere Neigungen uns dahin drängen; es ist gar nichts Schlechtes daran, sich ihnen zu überlassen. Aus den Grundsätzen, die ich aufstelle, geht also hervor, daß immer der Zustand der unglücklichste ist, in dem die Sittenverderbung am allgemeinsten verbreitet ist; denn weil das Glück sichtlich im Bösen enthalten ist, wird derjenige, der sich diesem am eifrigsten hingibt, notwendigerweise am glücklichsten sein. Man hat sich arg getäuscht, als man sagte, es gäbe eine Art natürlicher Gerechtigkeit, die dem menschlichen Herzen stets eingeprägt sei; das Resultat dieses Gesetzes ist die absurde Lehre, man möge anderen nichts tun, wovon man nicht wolle, daß es uns geschehe. Dieses lächerliche Gesetz, eine Frucht der Schwäche und Energielosigkeit, konnte nie aus dem Herzen eines tatkräftigen Menschen entspringen; wenn ich aber moralische Prinzipien aufstellen sollte, dann würde ich bei der Schwäche keine Anleihen erheben. Der, welcher sich vor dem Bösen fürchtet, wird immer sagen, man solle es nicht begehen; während derjenige, der über Götter, Menschen und Gesetze spottet, es immer verüben wird. Was not tut, ist zu wissen, welches von beiden wohl tut oder nicht; nun aber scheint mir das kaum fraglich. Ich bezweifle, daß der Tugendhafte mir beweisen kann, er habe bei der Ausübung einer guten Handlung auch nur den vierten Teil des Vergnügens empfunden, das bei einer Freveltat verspürt wird. Werde ich also, bei freier Wahl, das, was mich nicht anregt, dem vorziehen, welchem die heftigste und angenehmste Erregung, die der Mensch verspüren kann, beständig entspringt? Erweitern wir unseren Gedankenkreis; betrachten wir die Gesellschaft im ganzen; wir werden uns leicht die Ueberzeugung verschaffen, daß diejenige die glücklichste ist, die am meisten dem Zustande der Fäulnis verfallen ist, und zwar in jeder Hinsicht. Ich bin weit entfernt davon, mich auf einige spezielle Arten der Verderbnis zu beschränken; ich wünsche nicht, daß man einfach ausschweifend, trunksüchtig, diebisch, gottlos u.s.w. sei; ich verlange, man solle alles versuchen, ganz besonders aber die monströsesten Ausschweifungen, da man nur durch deren möglichst große Ausdehnung zu der Glückshöhe gelangen kann, die durch das wüste Treiben gewährleistet ist. Die falschen Ideen, die wir von den uns umgebenden Geschöpfen haben, sind noch die Quelle einer Unsumme von moralischen Irrtümern; wir schaffen uns phantastische Pflichten gegenüber diesen Geschöpfen; und zwar deshalb, weil diese glauben, sie hätten solche uns gegenüber. Seien wir stark genug, auf das zu verzichten, was wir von anderen erwarten, dann werden wir ihnen gegenüber keine Pflichten haben. Ich frage Sie, was sind denn alle Geschöpfe der Erde gegenüber einer einzigen unserer Begierden? Warum sollte ich mich der geringsten berauben, um einem Geschöpf zu gefallen, das mir nichts ist und mich nicht interessiert? Wenn ich etwas von ihm fürchte, muß ich es gewiß schonen, aber nicht seines, sondern meinetwegen, denn alles, was ich tue, muß ich nur für mich tun; habe ich aber von jenem nichts zu besorgen, dann darf ich sicherlich aus ihm allen erdenklichen Genuß schöpfen und es rein als ein Wesen betrachten, das nur meinetwegen geschaffen wurde.16 Die Moral, um es noch einmal zu wiederholen, ist also fürs Glück unnütz; noch mehr, sie schadet ihm; nur im Schöße der ausgedehntesten, allgemeinsten Verderbnis werden alle Individuen und Gesellschaften das  größte Maß von Glück, das auf der Erde denkbar ist, erreichen.«

Wir setzten diese Grundsätze in Taten um und ergaben uns, meine Freunde ebenso wie ich, den raffiniertesten und aufregendsten Ausschweifungen, der Entartung, dem Despotismus und der Grausamkeit.

In dieser geistigen Verfassung befanden wir uns, als man vor mein Tribunal einen sechzehnjährigen Knaben, schön wie die Liebe, brachte; er war angeklagt, seine Mutter zu vergiften versucht zu haben. Die Sache war ganz klar; alle Beweise sprachen gegen ihn. Er wäre unzweifelhaft dem Tode verfallen gewesen, wenn nicht meine Freunde und ich uns über die Mittel beraten hätten, den jungen Menschen aus der Klemme zu befreien; denn wir brannten alle drei vor Begierde, uns an ihm zu ergötzen. Da flüsterte mir meine frevlerische Phantasie einen Weg zu, der nicht nur den Schuldigen rettete, sondern sogar einen Unschuldigen dem Verderben weihte. – »Wo,« fragte ich den Angeklagten, »wo ist jetzt das Gift, mit dem du, wie es heißt, den Mord versucht hast?« – »Es befindet sich in den Händen meiner Mutter.« – »Nun gut! Erkläre bei der letzten Verhandlung, daß im Gegenteil sie es war, die es auf dein Leben abgesehen hat; du willst, sie solle zugrunde gehen, es wird geschehen; bist du zufrieden?« – »Außerordentlich, mein Herr! Ich haße dieses Weib und möchte lieber sterben, um sie nur mit ins Verderben zu reißen.« – »Gib als Beweis das Gift an, das sie in Händen hat.« – »Jawohl; aber man weiß, das ich es mir bei dem Apotheker dieses Ortes verschafft habe; man weiß von den Schwierigkeiten, die er mir machte, und von der Art, wie ich es bekam; ich sagte ihm nämlich, ich kaufe dieses Gift nur auf Befehl meiner Mutter, die die Ratten im Hause vertilgen wolle.« – »Spricht sonst nichts gegen dich?« – »Nein.« – »Nun also! ich bürge dir für dein Leben und den Tod deiner Mutter« – Ich lasse den Apotheker holen. Ich sage ihm, er möge sich hüten, gegen diesen Knaben belastend auszusagen; es sei offenkundig, daß er das Arsen auf Befehl seiner Mutter bei ihm gekauft habe; es befindet sich heute in den Händen der Mutter; sie hätte ihn töten wollen, wir wären davon überzeugt; eine gegenteilige Aussage würde ihm Verderben bringen. – »Aber habe ich nicht in jedem Falle unrecht?« fragte der Apotheker. – »Nein; es ist nichts einfacher, als den Wünschen einer Familienmutter und Hausbesitzerin nachzukommen; Sie konnten ihre Absichten nicht voraussehen. Wohl aber würde es Ihnen schlecht bekommen, wenn Sie die des Knaben erfüllt hätten.« – Der Droguist, dem diese Gründe einleuchteten, sprach meiner Instruktion gemäß; auch der Knabe blieb bei der Aussage, die ich ihm suggeriert hatte; die unglückliche Mutter, von diesen Verleumdungen erdrückt, fand keine Entgegnung und starb auf dem Schaffot, während wir ihren Tod betrachtend mit ihrem Sohne in der wollüstigsten Weise sodomisierten. Ich werde nie vergessen, wie ich, von Bonifacio bearbeitet, im selben Augenblicke in den Hintern des Knaben entlud, da seine Mutter starb. Die Art, mit der dieser reizende Jüngling sich unseren Vergnügungen preisgab, die Freude, die auf seiner Stirne erglänzte, als er die Zurüstungen zur Hinrichtung seiner Mutter sah, all das gab uns so gute Begriffe von seinen Anlagen, daß wir Beiträge zusammensteuerten, um ihm seinen Lebensweg zu sichern und ihn nach Neapel zu schicken, wo die Jahre, die seine Grundsätze reiften und vervollkommneten, ihn sicherlich zu einem der kühnsten Mißetäter Europas haben heranwachsen lassen.

»Welch eine Untat!« wird da die Dummheit einwerfen; »Ihr habt die Gesellschaft einem Scheusal ausgeliefert, dessen vollendete Ruchlosigkeit vielleicht Tausenden das Leben kosten wird!« – »Welch eine treffliche Handlung!« antworten wir der von altväterischen Vorurteilen von Moral und Tugend umnebelten Dummheit; »wir haben der Natur Dienste geleistet; wir haben ihr ein Werkzeug bereitet, mit dem sie das notwendige Uebel, nach dem sie beständig dürstet, verrichten kann.«

Wir verbrachten noch drei Monate auf meinem Landgut, in Wollust und Ausschweifungen wühlend, als Gründe der Klugheit uns bewogen, uns dort wieder einzufinden, wohin uns unsere Pflicht rief. Das erste Abenteuer, das ich als Beichtiger nach meiner Rückkehr erlebte, fand mit einer dreißigjährigen, noch ziemlich hübscher Betschwester statt; sie lag auf dem Totenbette, als sie mich holen ließ. »Mein Vater,« sagte sie, »es ist Zeit, daß ich das verwerflichste Unrecht wieder gut mache. Betrachten Sie die Million in Gold dort auf dem Tische und dieses junge Mädchen (damit wies sie auf ein zwölfjähriges, ziemlich hübsches Kind); nichts von alledem ist mein. Ich war aber so schlecht, alles zu behalten.« – Ach, wer weiß, ob ich nicht noch schlechter gehandelt hätte! – »Eine meiner Freundinnen übergab mir auf dem Totenbette vor zwei Jahren dieses Mädchen und dieses Geld, wobei sie mir den Eid abnahm, ich würde beides dem Herzog de Spinosa in Million in Gold dort auf dem Tische und dieses junge behalten; aber der Schleier zerreißt im Augenblicke, da ich ihn berühre, und die Stimme meines Gewissens quält mich derart, daß ich nicht imstande bin, meine Sünden zu gestehen und Ihnen die Mittel, sie gutzumachen, anzugeben. So sehr ich auch Ihnen vertraue, mein Vater, halte ich mich doch für verpflichtet, meinem Erben ein Schreiben zu hinterlassen, das sie von dieser Maßregel verständigt.« – »Diese Vorsicht,« unterbrach ich sie, »würde nur unnötigerweise Ihre Sünden bekannt machen und würde zugleich Ihr Mißtrauen mir gegenüber beweisen; von diesem Augenblicke an brauche ich mich aber nicht weiter um diese Angelegenheit zu kümmern.« – »O, mein Herr! reden wir nichts mehr von diesem Schreiben, da es Sie ärgert; tun Sie selbst alles. Sie allein sollen die Stimme meines Gewissens beruhigen, ohne daß sonst jemand in die Sache eingeweiht wird.« – »Das, was Sie da getan haben, ›antwortete ich, ruhiger geworden‹ war zweifellos schrecklich; und ich weiß nicht, ob die einfache Rückerstattung, die Sie vorhaben, zur Beruhigung des Himmels hinreichen wird.« Dann fuhr ich strenge fort: »Wie weit haben Sie sich hinreißen lassen, zugleich die Freundschaft, die Religion, die Ehre und die Natur zu hintergehen! O nein! Glauben Sie nur ja nicht, daß die einfache Rückerstattung genügen wird. Sie sind reich, Madame; Sie kennen die Not der Armen; fügen Sie ohne Zaudern die Hälfte Ihres Vermögens zu der rückzuerstattenden Summe, um die himmlische Gerechtigkeit zu versöhnen ... Sie wissen, Madame, Ihre Sünden sind recht groß, aber die Armen sind unsere besten Fürsprecher bei Gott; feilschen Sie nicht mit Ihrem Gewissen; sind Sie einmal die Beute der Dämonen, die auf Ihre Seele lauern, dann werden Sie nicht mehr imstande sein, das höchste Wesen anzuflehen und die Verzeihung für Ihre Verbrechen zu erlangen, deren Sie so sehr bedürfen« – »Sie erschrecken mich, mein Vater.« – »Ich muß es tun, Madame; in meiner Eigenschaft als Mittler zwischen dem Himmel und Ihnen muß ich Ihnen die Geißeln zeigen, die zu Ihren Häupten drohen. Doch warum warne ich Sie? Solange Sie noch Zeit haben, die Strafe abzuwenden; Sie sind verloren, wenn Sie wanken.«

Bestürzt über den Ton, mit dem ich diese letzten Worte aussprach, ließ meine Fromme sofort eine Geldkasse herbeibringen, deren Inhalt sich auf Achthunderttausend Livres belief, was der Hälfte ihres Vermögens entsprach. – »Nehmen Sie,« sagte sie mir, indem ihren Augen ganze Tränenfluten entströmten, »nehmen Sie, mein Vater, damit ist meine Schuld beglichen; beten Sie für meine arme Seele und beruhigen Sie mich, ich bitte Sie drum.« – »Ich möchte es gerne, Madame,« entgegnete ich, indem ich das Gold und das kleine Mädchen durch Clementia, die ich als meine Schwester mitgeführt hatte, wegschaffen ließ, »ja, ich wünsche innig, Ihre Besorgnisse vollständig zerstreuen zu können; aber könnte ich es tun, ohne Sie zu betrügen? Ich fühle es, Sie müssen auf die Barmherzigkeit Gottes rechnen; aber vermag Ihre Bußetat den Frevel wettzumachen? Wird sie, die sich nur auf das Unrecht, das Sie an Menschen verübt, erstreckt, auch einen erzürnten Gott besänftigen? Wenn man über die Größe, die Unendlichkeit dieses höchsten Wesens nachdenkt, kann man da hoffen, es milde zu stimmen, wenn man so unglücklich war, es zu beleidigen? Erkennen Sie das Wesen dieses schrecklichen Gottes in der Geschichte seines Volkes; sehen Sie ihn in seiner Eifersucht, seiner Rachgier, seiner Unversöhnlichkeit; und alle diese Eigenschaften, die beim Menschen als Laster gelten, werden in ihm zu Tugenden. Und tatsächlich, wie vermöchte er, beständig von seinen Geschöpfen erzürnt, unaufhörlich vom Teufel angefeindet, wie vermöchte er ohne ungewöhnliche Strenge seine Macht zu zeigen? Das Kennzeichen der Autorität ist die Strenge; die Duldsamkeit ist die Tugend des Schwachen. Immer hat der Despotismus die Macht angezeigt; möge man mir noch so oft versichern, daß Gott gut sei, ich sage, er ist gerecht; die wahre Gerechtigkeit aber hat sich nie mit Güte vertragen, die im Grunde genommen nur eine Wirkung der Schwäche und Dummheit ist. Madame, Sie haben Ihren Schöpfer schwer beleidigt; Sie vermögen Ihre Sünden nicht gutzumachen und ich kann es Ihnen nicht verhehlen, daß es nicht in meiner Macht liegt, Sie vor den gerechten Strafen, die Sie verdienen, zu schützen; ich kann nichts, als Gott um die Ruhe Ihrer Seele anzuflehen. Ich werde es sicherlich tun; aber kann ich, ein schwaches Geschöpf wie Sie, mir Erfolg versprechen? Die Strafen, die Sie erwarten, sind entsetzlich; dem ewigen Feuer der Hölle ausgeliefert zu sein, das ist, ich fühle es, eine gräßliche Strafe, an die unsere Phantasie uns nur schaudernd denken läßt; doch ist dies Ihr Los und ich sehe kein Mittel, Sie davor zu schützen.« Der Taumel meiner Sinne, der ganz dem Eindrucke meiner Rede auf die Fromme entsprach, war unbeschreiblich; mein Glied zerriß beinahe meine Hose; ja, einen Moment lang konnte ich nicht an mich halten und mußte mich reiben. – »O, mein Vater,« sagte sodann das gutmütige Geschöpf, ohne meine Erregung zu bemerken, »geben Sie mir wenigstens die Absolution?« – »Gott behüte mich davor,« antwortete ich in festem und strengem Tone; »ich werde die Vermittlerrolle, die mir der Himmel zuwies, nicht so schänden; ich kann nicht durch diesen heiligen Segen den Schuldigen dem Guten gleichstellen. Ihn zu fordern, mich drum bitten zu wagen, ist ein neuerlicher Frevel, wegen dessen der Himmel Sie unbedingt strafen wird. Leben Sie wohl, Madame, Ihre Kräfte schwinden, ich merke es; raffen Sie sich auf, um den furchtbaren Augenblick, da Sie vor Gott stehen werden, zu ertragen; ein zweifellos schrecklicher Moment, wenn man den göttlichen Urteilsspruch, der zur Hölle verdammt, vernehmen muß!«

Da fiel die Unglückliche in Ohnmacht; ich aber, trunken vor Geilheit, Frevelmut und Bosheit, schwang mein wütendes Glied und senkte es tief in den Hintern meiner Frommen, die, nur infolge Entkräftung sterbend, sich genug Reize bewahrt hatte, um noch Begierden zu erwecken. Ich muß gestehen, daß ich mich schon seit langem nicht besser entleert hatte. Hierauf verschwand ich, alles Geschmeide, dessen ich habhaft werden konnte, mitnehmend; am gleichen Abend noch erfuhr ich, daß mein armes Beichtkind ihre geängstigte Seele während meines Samenergusses aufgegeben hatte. Das kleine Mädchen schenkte ich dem Kloster und behielt mir nur die Schätze, die ich allem vorzuziehen begann.

Doch empfand ich auf dem Gipfel des Glückes und des Seelenfriedens, dessen sich mein philosophisches Gemüt erfreute, jene innere Unruhe, die eine Geißel unserer Seele und die allzu traurige Beigabe unseres Menschentums ist; gegenüber allen Genüssen gleichgiltig geworden, vermochte mich keiner mehr anzuregen. Ich ersann Schaudertaten und führte sie kaltblütig aus; da ich mir nichts zu versagen brauchte, verwirklichte ich sofort alle meine ausschweifenden Wünsche, so kostspielig sie auch sein mochten. Ich ließ Opfer meiner Geilheit selbst von den Inseln des Archipels herbeibringen; und als meine Emissäre eines Tages mit denen des Großherrn konkurrierten, konnte ich den Triumph erleben, daß die meinigen jene des Sultans aus dem Felde schlugen.

Aber all das tat mir nicht not; ein einfacher Genuß ließ mich nicht die geringste Erregung verspüren; ich brauchte Verbrechen und konnte nicht genug arge ersinnen.

Als ich eines Tages den feuerspeienden Aetna betrachtete, wünschte ich dieser berühmte Vulkan zu sein. »Höllenschlund,« rief ich bei seinem Anblick aus, »wenn ich gleich dir alle Städte ringsum verschlingen könnte, wie viele Tränen ließe ich fließen!« Kaum war mein Ausruf vollendet, als ich neben mir ein Geräusch vernahm; ein Mensch hörte mir zu. »Sie haben da einen merkwürdigen Wunsch,« sagte er zu mir. – »In dem Zustand, in dem ich mich befinde,« erwiderte ich übellaunisch, »hegt man noch ungewöhnlichere.« – »Möglich,« antwortete mir jener; »aber bleiben wir bei dem, den Sie eben ausgesprochen haben, und vernehmen Sie von mir, daß er ausführbar ist. Ich bin Chemiker; ich habe mein Leben mit Naturforschung verbracht, um ihre Geheimnisse zu enthüllen; seit zwanzig Jahren widme ich meine Entdeckungen nur dem Unglück der Menschen. Sie sehen, wie ich spreche; Ihr eigenartiger Wunsch hat mir Vertrauen zu Ihnen eingeflößt; vernehmen Sie denn, daß man die schrecklichen Eruptionen dieses Berges nachahmen kann; wenn Sie wollen, werden wir es gemeinsam versuchen.« – »Mein Herr,« sagte ich dem Manne, indem ich ihn einlud, sich mit mir neben einem Baume niederzulassen, »besprechen wir uns, ich bitte Sie inständigst darum. Ist es wirklich wahr, daß Sie das können?« – »Nichts leichter als das.« – »Und wir können durch die Erhitzung dieses tätigen Vulkans dieselben Wirkungen hervorrufen wie ein Erdbeben?« – »Gewiß.« – »Wir werden Städte zerstören?« – »Wir werden sie zerstören, wir werden die ganze Insel von unterst zu oberst kehren.« – »Tun wir es, mein Herr, tun wir es; ich überhäufe Sie mit Gold, wenn es Ihnen gelingt.« – »Ich verlange nichts von Ihnen,« antwortete mir mein Gefährte, »das Unglück ergötzt mich, und wenn ich mich ihm hingebe, lasse ich mich dafür nicht bezahlen. Ich verkaufe nur Rezepte, die den Menschen. Nutzen bringen, die schädlichen verteile ich umsonst.« – Ich konnte mich an dem Manne nicht sattsehen. – »Welch ein Glück,« rief ich begeistert aus, »Leuten zu begegnen, die gleich Ihnen denken! Und sagen Sie mir, Sie Himmlischer, weshalb tun Sie das Böse? Was empfinden Sie, wenn Sie es ausüben?«

»Hören Sie mich an,« sagte mir Almani (dies der Name des Chemikers), »ich will Ihre beiden Fragen beantworten. Der Beweggrund, der mich zum Bösen treibt, ist meinem tiefen Eindringen in das Wesen der Natur entsprungen. Je mehr ich ihr Geheimnisse zu entreißen versuchte, desto mehr fand ich, daß sie sich nur mit dem den Menschen Schädlichen befaßt. Folgen Sie ihr bei all ihrem Tun: Sie werden sie stets gefräßig, zerstörend und boshaft, stets inkonsequent, widerspruchsvoll und verwüstend finden.

Blicken Sie einen Augenblick lang auf die Unzahl von Leiden, die ihre höllische Hand über die Welt ergehen läßt. Welchen Zweck hat es denn gehabt, uns zu erschaffen und so unglücklich zu machen? Warum geht unsere traurige Person sowie alles, was sie geschaffen hat, so unvollkommen aus ihrer Werkstätte hervor? Muß man nicht sagen, daß ihre mörderische Kunst nur Opfer habe schaffen wollen, daß das Böse ihr einziges Element sei und daß sie die schöpferische Kraft nur dazu benütze, die Erde mit Blut, Tränen und Trauer zu bedecken? Daß sie ihre Energie nur dazu brauche, um ihre Geißeln zu schwingen? Einer Ihrer modernen Philosophen nannte sich den Liebhaber der Natur; nun gut, ich, mein Freund, erkläre mich als ihren Henker. Lernen Sie sie kennen, ergründen Sie sie, diese grausame Natur, Sie werden sie nur deshalb schöpfen sehen, um zu zerstören; nur durch Morde gelangt sie zu ihren Zielen und wird gleich dem Minotaurus nur durch das Unglück und die Zerstörung des Menschen fett. Welche Achtung, welche Liebe können Sie denn für eine solche Kraft hegen, deren Wirkungen stets gegen Sie gerichtet sind? Sehen Sie sie jemals ein Geschenk machen, das nicht von schwerem Leid begleitet wäre? Wenn sie Ihnen zwölf Stunden lang leuchtet, stürzt sie Sie zwölf andere Stunden in Finsternis. Läßt sie Sie die Freuden des Sommers genießen, so zerstört sie diese durch die Schrecken des Gewitters; neben dem heilsamsten Kraute läßt ihre verräterische Hand Gifte keimen; das schönste Land der Erde übersäet sie mit Vulkanen, die es in Asche wandeln; schmückt sie sich einen Augenblick, so bedeckt sie sich zur anderen Jahreszeit mit Schnee; verleiht sie uns Kraft in der ersten Zeit des Lebens, so überhäuft sie uns im Alter mit Leiden und Schmerzen; läßt sie Sie einen Moment an dem bizarren Weltgemälde ergötzen, so sind Sie am Ende Ihrer traurigen Laufbahn auf Schritt und Tritt über das entsetzliche Unglück, das sich Ihnen darbietet, entsetzt. Sehen Sie nur, mit welch boshafter List sie Ihre Lebenszeit mit ein wenig Vergnügen und recht viel Leiden erfüllt; prüfen Sie möglichst kaltblütig die Krankheiten, mit denen sie Sie beschwert, die Zwietracht, die sie unter den Menschen säet, die entsetzlichen Folgen, die sich an Ihre süßesten Triebe knüpfen; an die Liebe grenzt die Raserei; an den Mut die Grausamkeit; an den Ehrgeiz der Mord; an die Empfindsamkeit die Tränen; an die Weisheit alle Krankheiten des Gewissens. In welch eine schreckliche Situation versetzt sie Sie mit einem Wort, da der Ekel vor dem Leben Ihre Seele derart erfüllt, daß kein Mensch an, seinem Todestage ein zweitesmal sein Leben wiederleben wollte. Ja, mein Freund, ich verabscheue die Natur, denn ich kenne sie genau. Im Besitze dieser schrecklichen Geheimnisse habe ich Einkehr in mir gehalten und habe (dies sage ich, um Ihre zweite Frage zu beantworten) eine unsagbare Freude daran gefunden, ihre Schrecken nachzuahmen. ›Nun gut,‹ habe ich mir stets gesagt, ›sie ist ein verächtliches, ein haßenswertes Wesen‹, das mir nur deshalb das Leben geschenkt hat, um mich am Schaden meiner Nächsten zu erfreuen. Ei was! (ich zählte damals sechzehn Jahre) kaum bin ich dem Schoße dieses Ungeheuers entstiegen, da zwingt sie mich zu denselben Schaudertaten, die ihr selbst Vergnügen bereiten. Das ist keine Verderbtheit: denn ich bin ja erst vor kurzem geboren: das ist Neigung, Trieb. Ihre barbarische Hand vermag nur Böses zu schaffen; es erfreut sie also das Böse? Und ich soll eine solche Mutter lieben? Nein! Ich werde ihr nacheifern, aber sie zugleich verabscheuen; ich werde sie nachahmen, sie will es ja so, aber zugleich verfluchen; und rasend darüber, daß meine Leidenschaften ihr förderlich sind, werde ich ihre Geheimnisse so gut enthüllen, daß ich wenn möglich noch böser werde, um sie mein ganzes Leben lang zu erzürnen. Ihre mörderischen Netze sind nur über uns ausgespannt; versuchen wir sie selbst hineinzuverstricken; sperren wir sie in ihre eigenen Werke, um sie umso heftiger zu insultieren; bringen wir sie womöglich in Verwirrung, um sie sicherer schmähen zu können! Aber die Hure hat meiner gespottet, ihre Mittel waren stärker als die meinen; unser Kampf war zu ungleich, sie zeigte mir nur ihre Wirkungen, verschleierte aber alle ihre Ursachen. Ich habe mich also auf die Nachahmung der ersteren beschränkt; da ich den Beweggrund, der den Dolch in ihre Hände drückte, nicht erraten konnte, habe ich es verstanden, ihr die Waffe zu entwinden, und habe mich dieser ganz ebenso wie sie bedient.«

»Oh, mein Freund,« sagte ich enthusiastisch, »ich sah nie eine heißere Phantasie als die Ihre ... Welche Tatkraft! ... Welche Stärke! Wieviel Böses müssen Sie bei einem so tätigen Geiste schon vollbracht haben!« – »Ich lebe nur durch und für das Böse,« erwiderte mir Almani; »nur das Böse regt mich an, ich atme nur, indem ich es begehe, mein Wesen findet nur an ihm Freude.« – »Almani,« unterbrach ich ihn voll Feuer, »ohne Zweifel geraten Sie in Erektion, wenn Sie sich ihm hingeben?« – »Urteilen Sie!« sagte der Chemiker, indem er sein armlanges Glied in meine Hand legte; die violetten, erweiterten Adern schienen unter der Kraft des darin zirkulierenden Blutes fast bersten zu wollen. – »Welchem Geschmacke huldigen Sie denn, mein Lieber?« – »Ich sehe gerne ein Geschöpf bei irgendeinem meiner Experimente zugrunde gehen; ich bearbeite indessen eine Ziege und entlade mich, wenn das Geschöpf stirbt.« – »Und Menschen bearbeiten Sie nie?« – »Nein; ich bin Tierfreund und Mörder, davon gehe ich nicht ab.«

Kaum hatte mir Almani geantwortet, als zu unseren Füßen ein Lavastrom emporgeschleudert wurde. Ich erhob mich erschrocken; er dagegen rührte sich nicht, sondern schüttelte sein Glied hin und her und fragte mich phlegmatisch, wohin ich gehe. »Bleiben Sie nur ruhig,« sagte er, »Sie wollen meine Leidenschaften kennen; nun, so sehen Sie eine; kommen Sie,« fuhr er, sein Glied reibend, fort, »sehen Sie meine Spermafluten sich ergießen in das Pech und den Schwefel, mit dem die liebenswürdige Natur uns hier umgibt; ich glaube in der Hölle zu sein, mich in ihre Gluten zu entladen; dieser Gedanke erfreut mich, ich komme nur deshalb her, um ihn zu befriedigen.« Er flucht, er lästert Gott, er tobt und sein Sperma ergießt sich auf die Lava, sie abzukühlen.

»Almani, folgen Sie mir,« sagte ich zu ihm, »ich brenne vor Begierde, Sie gründlich kennen zu lernen; ich kann Ihnen Opfer darbieten; ich will übrigens Ihre Geheimnisse kennen lernen.« Wir kehrten zu mir heim. Der Chemiker bewunderte meine Behausung, lobte meinen Geschmack und fand an meinen Serail Gefallen. Ich gab ihm Ziegen, die er vergnügt bearbeitete, während er mit einem Draht den Blitz auf den Kopf einer jungen sechzehnjährigen Neapolitanerin lenkte, die während des Vorganges starb; eine andere tötete er durch Elektrizität; sie starb unter schauerlichsten Qualen; eine dritte erstickte er in einer halben Sekunde durch starke Erhöhung des Luftdruckes. Er untersuchte das Opfer seiner Experimente ganz nackt, streichelte und küßte ihr recht lange die Hinterbacken, leckte ihr Afterloch und fand, wie er sagte, darin den nötigen Reiz, um daß Individuum zum Tode zu verurteilen. Seine Versuche erstreckten sich auch auf Knaben, die er ebenso behandelte. Sodann lehrte er mich einige seiner Geheimnisse, worauf wir uns an das gewaltige Experiment heranmachten, das die Ursache seiner Reise gewesen war. Der Vorgang war einfach. Es bedurfte nur der Formung runder Massen, die aus Wasser, Eisenstaub und Schwefel bestanden; dann grub man sie drei bis vier Fuß tief in die Erde in einem Umkreis von zwanzig Meilen, eine von der anderen etwa zwanzig Zoll entfernt; wurden diese Massen erhitzt, so kam es zur Explosion. Wir vermehrten die Zahl jener derart, daß die ganze Insel so furchtbar erschüttert wurde, wie noch nie seit Jahrhunderten.

Zehntausend Häuser stürzten in Messina ein; fünf öffentliche Gebäude wurden zerstört, fünfundzwanzigtausend Seelen fielen unserer grenzenlosen Bosheit zum Opfer. »Mein Lieber,« sagte ich zu dem Chemiker nach Beendigung unseres Experimentes, »es ist das Sicherste auseinanderzugehen, nachdem man so viel Böses zusammen begangen hat; nimm diese fünfzigtausend Francs und sprechen wir nie voneinander.« – »Stillschweigen will ich versprechen,« sagte Almani, »das Geld weise ich zurück. Erinnern Sie sich nicht, wie ich sagte, ich wolle mich nie für böse Taten bezahlen lassen? Hätte ich Ihnen Gutes erwiesen, dann würde ich eine Belohnung annehmen; aber ich habe nur Böses verübt, das mir Freude bereitet hat; wir sind quitt. Adieu.«

Mein Ueberdruß gegenüber Sizilien verdoppelte sich nach diesem schrecklichen Ereignis; da ich fühlte, daß nichts auf der Welt mich fürderhin an dieses Land fesseln könnte, verkaufte ich mein Gut, nachdem ich alle Mitglieder meines Serails und auch Clementia, trotz ihrer außerordentlichen Anhänglichkeit an mich, umgebracht hatte. Bestürzt über meine Barbarei und Undankbarkeit, erstaunt darüber, daß ich ihr noch ärgere Qualen vorbehielt als den anderen, wagte sie es, mir Vorwürfe zu machen. »O Clementia,« sagte ich ihr, »wie schlecht kennst du die Seele eines Wüstlings gleich mir, da du dir über das Los, das ich dir bestimmte, nicht klar warst! Weißt du denn nicht, daß die Dankbarkeit, von der du meine Seele erfüllt glaubtest, nur dazu gut ist, um mit Frevel zu lohnen? Wenn ich dich schlachtend irgendwelche Regung oder Gewissensbiße empfinde, so nur deshalb, weil ich dich nicht genug martern kann.« Sie starb vor meinen Augen, während ich heftig entlud.

Ich schiffte mich nach Afrika ein mit dem Plane, mich mit den Kannibalen dieser schrecklichen Gegenden zu verbinden, um womöglich noch tausendmal wilder zu werden wie sie.

Aber diesmal wollte der Unbestand des Geschickes mir die Kehrseite zeigen und mich überzeugen, daß, wenn es auch fast immer die Frevel begünstigt, dennoch die Henker ihrerseits zum Opfer fallen müssen, wenn neue Verfolger auftreten ... Doch beweist diese Wahrheit nichts für die Tugend, da man diese in mei ner Erzählung stets in Nöten sieht; aber das soll uns nur lehren, daß der Mensch infolge seiner Schwäche ein Spielball aller Launen des Geschickes, diesen, wenn er vernünftig ist, nur Geduld und Mut entgegensetzen soll.

Ich hatte mich in Palermo auf einem kleinen, leichten Fahrzeug eingeschifft, daß ich nur für mich gemietet hatte. Kaum befanden wir uns auf der Höhe der Klippen von Quels, als wir die Küsten Afrikas sichteten. Als wir dort anlangten, griff uns ein barbarisches Korsarenschiff an und nahm unseres ohne Widerstand. In einem Augenblick sah ich mich, meine Freunde, meines Vermögens und meiner Freiheit beraubt; ich verlor in einer Minute die kostbarsten Güter des Menschen. »Ach!« sagte ich zu mir, als ich gefesselt war, »wenn dieses auf schlechtem Wege erworbene Geld in bessere Hände fiele, dann würde ich vielleicht an die Gerechtigkeit des Schicksals glauben; aber ist es in besseren Händen bei solchen Frevlern, die in diesen Küstenstrichen nur deshalb kreuzen, um das Serail des Beis von Tunis zu bevölkern? Ist es bei ihnen besser aufgehoben als bei mir, der es auch zur Bildung von Serails benutzte? Wo ist denn also diese edle Gerechtigkeit des Geschickes? Geduld! es handelt sich nur um eine seiner Launen: diese vernichtet mich heute, eine andere erhöht mich morgen wieder.«

In wenigen Stunden kamen wir in Tunis an. Mein Kapitän stellte mich dem Bei vor, der seinem Bostangi Befehle gab, mich sogleich bei Gartenarbeiten zu verenden; mein Geld wurde eingezogen. Ich wollte einige Einwendungen erheben; da warf man mir vor, ich sei Priester eines in den Augen Mohammeds verfehmten Glaubens, weshalb man mir niemals dieses Gut rückerstatten werde. Ich mußte schweigen und arbeiten. Da ich kaum zweiunddreißig Jahre zählte, war ich wenigstens in meiner Vollkraft; obgleich entnervt durch meine Ausschweifungen, fühlte ich doch alle nötige Energie in mir, mein Geschick geduldig zu tragen. Schlecht genährt, auf schlechtem Lager, viel arbeitend, empfand ich keinen moralischen Katzenjammer, wenn ich auch physische Mißstimmung verspürte; im Geiste empfand ich immer noch die gleiche Geilheit und Bosheit.17 Manchmal betrachtete ich die Mauern des Serails, unter dem ich arbeitete, und sagte mir: »O Jérome! auch du hast ein Serail gehabt und köstliche Opfer, die es bevölkerten; jetzt aber mußt du aus eigener Schuld denen dienen, mit denen du rivalisiert hast.«

Eines Abends, da ich mich diesen traurigen Gedanken hingab, sah ich ein Briefchen zu meinen Füßen fallen; ich beeile mich, es aufzuraffen. Gott! wie war ich erstaunt, da ich Josephinens Schrift und Namen erkannte, der Unglücklichen, die ich in Berlin in der Gewißheit verkauft hatte, sie würde das Opfer eines Lustmordes werden.

»Es ist köstlich, Böses mit Gutem zu vergelten,« schrieb mir Josephine in diesem Briefchen, »Sie glaubten, ich sei der Wut eines Frevlers zum Opfer gefallen; Sie haben mich zu diesem Zwecke ihm ausgeliefert; doch hat mich mein Stern vor dem schauerlichen Los, das Sie mir bestimmt haben, geschützt. Wenn ich mich aber wahrhaft glücklich schätze, so deshalb, daß ich imstande bin, Ihre Ketten zu zerbrechen. Morgen werden Sie zur gleichen Stunde als Zeichen meiner unabänderlichen Gesinnung eine Börse mit 300 venetianischen Zechinen und das Bildnis derer, die Sie ehemals liebten, erhalten ... Ein Brief wird dabei sein; er wird Ihnen den Weg zu unser beider Rettung zeigen. Adieu, Scheusal ... das ich wider meinen Willen lieben muß; wenn du mir schon nicht Dank erweist, so achte wenigstens die, welche an dir nur durch Wohltun Rache übt.

Josephine.«

Unbegreifliche Wirkung des abscheulichsten Charakters! meine erste Regung war die der Verzweiflung über das Entwischen eines meiner Opfer; meine zweite war die des Aergers darüber, jemandem einen Dienst zu verdanken, den ich stets nur beherrschen hatte wollen. »Tut nichts,« sagte ich mir, »nehmen wir es an; die Hauptsache ist, sich von hier zu retten. Sie wird schon merken, wenn ich ihrer nicht mehr bedarf, welches in einem Herzen wie dem meinigen die Wirkungen der Dankbarkeit sind.«

Das zweite Briefchen, das Geld, das Bildnis, alles kam zur angesetzten Stunde. Ich küßte das Geld, spuckte auf das Porträt und las hastig das Billet. Ich erfuhr, daß sie über ein beträchtliches Vermögen verfüge, daß ich es teilen dürfe, wenn ich es wolle, namentlich aber, wenn ich es verdiente; ich solle sofort an einen näher bezeichneten Platz gehen, wo mich ein Schiffer erwarte; ich solle mich mit ihm über den Preis für die Ueberfahrt nach Marseille einigen sowie die Maßregeln zur Flucht ergreifen.

Ich eile zu dem Manne, von dem die Rede ist, und ordne alles. Delmas war ein alter Renegat, der Reue hegte, und vor Verlangen brannte, sein Vaterland wiederzusehen und den Türken soviel ihrer Opfer als möglich zu entreißen. »Warten Sie,« sagte er zu mir, »da haben Sie zunächst eine Strickleiter, die Sie zu Ihrer Beschützerin gelangen lassen müssen; fügen Sie dieses Wasser dazu, mit dem Sie durch bloßes Reiben die Gitter durchreißen kann. Ist sie einmal in den Gärten, wo sie, was Sie leicht begreifen werden, erst nachts erscheinen darf, wird sie zu mir auf dem gleichen Wege, den Sie genommen haben, kommen; ich werde sie in meinem Fahrzeug verbergen, in das Sie ebenfalls sich eiligst begeben müssen, sobald das Bagno offen ist.«

Hocherfreut über diese guten Nachrichten, kehrte ich zum Serail zurück. Ich gebe das verabredete Zeichen, auf das eine Antwort erfolgt. Eine Schnur wird herabgelassen; ich befestige die Leiter und die Flüssigkeit, sowie eine kurze Antwort daran, in der ich meiner Zärtlichkeit und meinem Dank, so gut ich dazu imstande war, Ausdruck verlieh. Der Fensterladen wird geschlossen; am Tag nachher wird mir durch ein letztes Billet angezeigt, daß die Ausführung des Projektes auf die nächste Nacht verschoben sei; ich werde aufgefordert, nicht daran zu vergessen, um sicher zu sein, am nächsten Tage in früher Stunde Josephine, ihr Herz und ihre Schätze im Innern von Delmas' Schiff wiederzufinden.

Ich war pünktlich. Ich will Euch nichts von der Szene des Wiederfindens mit Josephine erzählen; sie war zärtlich und vergoß sogar Tränen; ich war mürrisch und verspürte stets jenes Gefühl der Bosheit, das keine Person in meine Hände fallen ließ, bei der mich nicht das lebhafteste Verlangen ergriffen hätte, sie mir untertänig zu machen. Josephine hatte das Alter erreicht, in dem die Züge schärfer hervortreten und ihre Feinheit in Schönheit wandeln; sie war wirklich ein sehr schönes Weib. Während wir darauf warteten, daß die Segel gelichtet würden, tranken wir eine Flasche Syrakuser; indessen erzählte mir das liebe Mädchen ihre Abenteuer.

Der Mann, der sie mir abgekauft hatte, war Friedrich, König von Preußen, der auf den Bericht seines Bruders hin lebhaft die Opferung dieses Geschöpfes gewünscht hatte. Doch war sie so glücklich, der schrecklichen Marter, die ihr drohte, durch die Vermittlung des Kammerdieners zu entrinnen; sie hatte sich noch in derselben Nacht aus Berlin geflüchtet und sich gleich mir in Venedig aufgehalten. Verschiedene galante Abenteuer ermöglichten ihr das Dasein in dieser Stadt, bis ein tunesischer Pirat sie entführte und dem Bey verkaufte, dessen Favoritin sie geworden war. Das, was sie mitbrachte, war indes, obwohl eine recht beträchtliche Summe, höchstens der dritte Teil der Schätze, mit denen sie dieser Despot überhäuft hatte; aber sie konnte nicht mehr wegtragen als im Werte von ungefähr 500.000 Francs. »Nun also,« sagte ich zu Josephine, »damit können wir uns in Marseille niederlassen; wir sind beide jung genug, um auf die Verzinsung dieses Geldes hoffen zu können, das uns dereinst reich machen soll. Meine Hand – fuhr ich heuchlerisch fort – wird bei unserer Ankunft der Lohn deiner Güte sein, wenn es wahr ist, daß du mir das scheußliche Verbrechen, dessen ich mich schuldig gemacht habe, wirklich verzeihen kannst.« Tausend zärtliche Küße waren Josephinens Antwort. Wir waren den Blicken aller entzogen; auf dem Schiffe herrschte noch Ruhe; die süße Empfindung der Freiheit, die Wirkung des genossenen Weines versetzten uns in Feuer, so daß die Säcke, auf welchen wir lagen, uns als Lagerstätte der Wollust dienten. Schon lange hatte ich mich nicht entladen. Da fand ich ein Weib wieder, gegen welche meine ruchlose Phantasie mich schauerliche boshafte Pläne aushecken ließ. Ich schürzte Josephine von hinten; ihre prächtigen Hinterbacken, die wunderbar gut erhalten waren, hatten es mir angetan; ich bearbeitete sie von hinten. »Erhitze mich wieder,« sagte ich ihr, als ich fertig war, »schildere mir genau die Geilheit des Beys. Wie führt er sich gegenüber einer Frau auf?« – »Sein Geschmack ist merkwürdig,« antwortete Josephine, »bevor er ein Weib berührt, muß sie ganz nackt drei volle Stunden platt auf dem Bauche auf einem Teppich liegen. Zwei Lustknaben reiben ihn indeß. Wenn ihr Herr in Erektion ist, heben sie die Frau auf und führen sie ihm zu. Sie verbeugt sich, worauf die Lustknaben ihre Hände und Füße binden. Sodann muß sie sich mit reißender Schnelligkeit solange drehen, bis sie umfällt. Dann wirft er sich auf sie und bearbeitet sie von hinten. Nur so erfreut er sich an Frauen und seine Liebe zu ihnen richtet sich nach der Geschwindigkeit, mit der sie sich drehen. Ich habe ihm nur wegen meiner Geschicklichkeit in dieser Sache gefallen; alle Geschenke, die ich von ihm erhielt, sind Belohnungen dafür.« Erhitzt von diesem Bericht, sodomisierte ich Josephine noch ein zweitesmal und empfand eine Art Wollust, im gleichen Hintern zu stecken, der einen türkischen Kaiser zur Entladung veranlaßt hatte; da trat plötzlich Delmas ein; er verkündete uns, daß er die Segel lichten wolle; in zwei Stunden sei er frei, wir könnten ihn dann an der Kapitänskajüte aufsuchen. Wir fanden uns daselbst ein. Josephine hatte dem Renegaten ihren Plan, mit mir in Marseille ein Handelshaus zu errichten, anvertraut; aus den Antworten des Schiffsherrn entnahm ich rasch, daß er genug Geld besitze, um dritter Kompagnon zu sein. Sofort faßte ich den Plan, meine beiden Wohltäter zu bestehlen und sogar umzubringen; dann wollte ich mich der Schätze und des Schiffes bemächtigen und anstatt nach Marseille nach Livorno steuern, um mich den Verfolgungen zu entziehen. Mit dieser Absicht verdrehte ich die Köpfe von Delmas und Josephine; zugleich bewog ich letztere, sich den Absichten des Renegaten gegenüber nicht zu widerstrebend zu zeigen, um ihm zum Zwecke der Ausführung eines Projektes, das ich nicht ohne Mithilfe ausführen könnte (da ich in dieser Hinsicht mich nicht auskannte), um ihm also zu diesem Zwecke Aufklärungen zu entlocken.

Meine Andeutungen hatten den von mir gewünschten Erfolg; schon in der nächsten Nacht schlief Delmas bei Josephine. Das war alles, was ich wollte. Kaum glaube ich sie beisammen, als ich, den Dolch in der Hand, die Schildwache überwältige und soviel Leute der Bemannung als möglich um mich versammle.

»Meine Freunde,« sagte ich zu ihnen, »sehen Sie nur, wie mich dieser Frevler verrät; ich vertraue ihm mein Weib an, da seht, welchen Gebrauch er davon macht.« Damit stürze ich auf das eingeschlafene Paar und will es mit tausend Stichen durchbohren. Aber Delmas erwacht und scheint sich vorgesehen zu haben; er schießt auf mich, verfehlt mich aber. Ich werfe mich auf ihn; ich erdolche ihn samt seiner unwürdigen Beischläferin, so daß sie blutüberströmt da liegen. Sodann steige ich auf das Verdeck und versammle die Mannschaft um mich, um sie aufzuwiegeln.

»Meine Kameraden,« sage ich ihnen, »nur der Greuel, dessen Zeugen die meisten von Euch waren, hat mich zu der Tat bewogen. Ich habe einen Mißetäter gestraft, der es nicht verdiente, Euch zu kommandieren, da er die Entartung und die Schamlosigkeit so weit trieb. Delmas und ich trugen zusammen die Schiffskosten; und obgleich Ihr mich im Sklavengewande sehet, besitze ich doch ein Vermögen, das dem seinen gleichkommt; ich habe also nach ihm die meiste Anwartschaft auf das Schiff. Rechnet auf meine Redlichkeit und meine Talente; ich werde Euch besser führen als er. Die Fahrt wird fast gleich lange dauern; ich will nur einen anderen Bestimmungsort wählen. Pilot, steuern Sie gegen Livorno; meine Handelsbeziehungen veranlassen mich, diesen Hafen dem von Marseille vorzuziehen; was Euch, meine Freunde, betrifft, so wird Eure Löhnung von heute an verdoppelt.«

Diese Rede fand allgemeinen Beifall. Man warf die Leichen ins Meer; ich bemächtigte mich aller ihrer Reichtümer; wir segelten weiter.

»O Geschick!« rief ich, als ich mich wieder beruhigt hatte, »du machst also dein Unrecht gegen mich wieder gut. Sicherlich ist dies die letzte Erschütterung; du wirst mich sowie auch diejenigen, die meine Geschichte kennen, schließlich zur Ueberzeugung bringen, daß du wenn du uns manchmal von Klippe zu Klippe schleuderst, dies nur deshalb tust, damit wir alle Freuden, mit denen du uns im Hafen beschenkst, umsomehr empfinden.«

Nach meiner Berechnung mochte meine Beute, das Schiff, das ich bei meiner Ankunft in Livorno zu verkaufen beschloß, nicht inbegriffen, sich auf ungefähr zwölfhunderttausend Livres belaufen; ich schwamm in Freuden über meinen glänzenden Hoffnungen, als plötzlich die Schildwache die Nachricht brachte, ein Korsarenschiff gehe auf uns los. Da ich die Ueberlegenheit unserer Kräfte erkannte, befahl ich, das Fahrzeug zu entern; ich schwinge mich auf das Verdeck; meine Mannschaft folgt mir. Wir tragen den Tod in die Reihen der Feinde und waten im Blut; den Säbel in der Faust dringe ich in die Kajüte des Kapitäns. Himmel! wen erblicke ich? ... Gerechter Himmel! welch eine Ueberraschung! Es ist Josephine ... Josephine, die ich an Bord meines Schiffes erdolcht zu haben glaubte. Mit einem furchtbaren Hieb schlage ich den Mann, der sie verteidigen will, zu Boden; dann wende ich mich ihr zu und schreie: »Welches unglückselige Geschick bringt deine abscheuliche Person mir stets vor Augen?« – »Zerreiße sie, die dir lästig fällt,« ruft Josephine, ihren Busen öffnend. »Ja, töte mich jetzt rasch. Ich bin schuldig, ich verfolgte dich in der Absicht, dir das Leben zu rauben; du triumphierst, Treuloser, räche dich an mir: höre aber vorher, welches Geschick mich dir wieder vor die Augen bringt, da du dich bereits über meinen Tod gefreut hattest.

Ich kannte dich, Jérome; deine Ränke überraschten mich nicht; ich enthüllte Delmas alles. Da wir unter den Matrosen eine starke Strömung zu deinen Gunsten argwöhnten, zogen wir die List der Gewalt vor. Der Renegat hieß mich nachts in die Schaluppe gehen, die bloß zwei Ruderer lenkten; um deine Pläne besser kennen zu lernen, brachte er die Nacht mit einer der Mägde zu, die du für mich gehalten, und zweifellos mit ihm umgebracht hast, da du jetzt hier den Befehl führst. Ich sollte auf ein kleines Fahrzeug flüchten, das sich in der Nähe befand, welches dem des Delmas ähnelte und ebenfalls von einem Renegaten kommandiert wurde; du hast ihn soeben zu Boden gestreckt, da liegt er. Dieser Kapitän, der durch den Brief, den ich bei mir trug, verständigt wurde, sollte sich den Anschein geben, als ob er Delmas überfiele und ihn besiege; du solltest in Ketten gelegt werden. War es nicht an der Zeit, mich wegen deiner schändlichen Pläne zu rächen? Du hast die Oberhand gewonnen, Jérome; mein Verteidiger ist tot; noch einmal, nimm mir rasch das Leben. Würde der Himmel mir die Uebermacht schenken, du würdest mir nicht entwischen. Du bist ein Undankbarer; ich wünsche nicht weiter die Freundin eines Ungeheuers zu sein.«

Mit meinem Zorn wetteiferten in meiner Seele alle Empfindungen des Ekels und der Wut, die mich schon längst gegen dieses höllische Geschöpf aufgebracht hatten; ich ließ sie in Ketten legen und in den untersten Schiffsraum werfen. Sodann ließ ich das zweite Schiff ins Schlepptau nehmen und fuhr weiter gen Livorno. Aber als ich abends, von meinen Mühen etwas abgemattet, einige Flaschen griechischen Weines trank, erinnerte mich mein infernalischer Penis bald daran, daß ich ihm ein köstliches Opfer darbringen könne. Ich hatte mit einem kleinen Schiffsjungen, den ich sehr gern hatte, soupiert, der mich während meiner ruchlosen Gedanken wichste. Ich ließ das Opfer in meine Kajüte bringen; ich gab sie nacheinander allen Matrosen preis; ich rieb deren Glieder und führte diese abwechselnd in Josephinens Scham und After ein. Sowie einer fertig war, befahl ich ihm, ihr hundert Hiebe mit einem Tau nach seinem Belieben auf Kreuz oder Hinterbacke zu versetzen und ihr Gesicht an seinem Hintern zu reiben. Vierundsechzig Mann taten dies, so daß sie sechstausendvierhundert Peitschenhiebe erhielt. Ich war der einzige, der nicht entladen hatte. Ich rieb mich, während ich Josephine ohnmächtig auf der Erde mitten im Zimmer sah; ich freute mich, sie, die alles für mich aufs Spiel gesetzt hatte und die, wenn sie sich endlich rächte, Grund genug dazu hatte, in diesem Zustande zu sehen. Noch nie hatte mich eine derartige Erregung ergriffen; mein Sperma entlud sich wider meinen Willen. Ich wünschte diesem Geschöpf einen entsetzlichen Tod; zwanzig Projekte durchkreuzten mein Gehirn, das sie alle als zu schwächlich verwarf. Ich wollte alle Leiden der Menschheit auf ihr Haupt sammeln, aber keines erschien mir arg genug, wenn ich es genau bedachte. »O Jérome,« schrie sie, als sie wieder zum Bewußtsein erwachte und meine Gedanken erriet, »ich könnte noch leben und leben, um dich zu lieben; du weißt, was ich für dich getan habe und wer von uns beiden im Unrecht ist.« Aber weit entfernt davon, mich zu erweichen, erregte mich die Dirne nur umso mehr. Ich trat sie mit Füßen, ich schlug ihren Busen und biß ihre Hinterbacken; ich ähnelte dem Tiger, der endlich seine Beute erlangt hat, die den Wütenden nur dadurch ergötzt, daß sie ihn noch mehr reizt. Kurz, ich war trunken vor Wollust und Raserei, als meine Leute mir die Nachricht brachten, daß das Schiff, welches wir mitschleppten, der Fahrt sehr hinderlich sei. Da entschloß ich mich zu dem merkwürdigen Plan, den ich nun auseinandersetzen will.

Ich ließ Josephine nackt an den Mast dieses Fahrzeuges binden; dann ließ ich Pulver an dessen Deck bringen; die Taue, die es mit meinem Schiffe verbanden, ließ ich durchschneiden; dann ließ ich eine Lunte, das letzte Band zwischen den beiden Schiffen, anzünden, worauf das zweite in die Luft flog. Indessen bearbeitete ich den kleinen Schiffsjungen und genoß das köstlichste Vergnügen, die zerrissenen Glieder derjenigen, die mich ehedem so geliebt und die mir noch vor kurzem Geld und Freiheit verschafft hatte, für immer in den Fluten versinken zu sehen. Ach, welch eine Entladung! Nie hatte ich eine stärkere genossen.

Endlich kamen wir in Livorno an, wo ich im besten Zustande ans Land ging. Ich verabschiedete meine Leute und verkaufte das Schiff; sodann begab ich mich, nachdem ich mehrere Tage ausgeruht hatte, zu Lande nach Marseille, da ich mich nicht mehr den gefährlichen Launen eines Elementes aussetzen wollte, dessen Unbeständigkeit ich so stark empfunden hatte.

Marseille ist eine prächtige Stadt, wo man allen Formen von wüsten Ausschweifungen fröhnen kann. Prächtige Wollustobjekte, göttliches Klima; was brauchte es mehr, einen solchen Lüstling wie mich zu fesseln? Ich hatte das geistliche Gewand abgelegt; da ich sicher war, wieder in meine priesterlichen Rechte eintreten zu können, wann ich wollte, erfreute ich mich einige Zeit an den Freiheiten des weltlichen Gewandes. Ich mietete ein hübsches Haus beim Hafen, einen ausgezeichneten Koch, zwei Dienstmägde sowie zwei vorzügliche Kuppler, deren einen ich mit der Aufbringung von Lustknaben, den anderen mit der von Mädchen betraute; beide leisteten mir so gute Dienste, daß ich in meinem ersten Jahre mehr als tausend Knaben und fast zwölfhundert junge Mädchen sah. Es gibt in Marseille eine Klasse solcher Geschöpfe, bekannt unter dem Namen Chaffrecane, die nur aus zwölf- bis fünfzehnjährigen in Fabriken oder Geschäftshäusern arbeitenden Kindern besteht; diese liefert den Wüstlingen dieser Stadt die prächtigsten Objekte. Ich räumte rasch in ihren Reihen auf, so daß ich bald blasiert wurde; wenn mein Genuß nicht von Freveltaten begleitet war, konnte er mich nicht befriedigen. Ich suchte also meinen Grundsätzen gemäß meine trefflichen Talente mit meinem Geschmack zu verknüpfen.

Mit solchen Plänen brachte ich meine Zeit zu, als eines Tages einer meiner Kuppler mir ein achtzehn-bis zwanzigjähriges, sehr schönes Mädchen zuführte, die, wie man mir versicherte, klug war wie Minerva. Nur das grenzenlose Elend, in dem sie sich befand, vermochte sie zu diesem furchtbaren Schritte; sie bat mich, sie irgendwie unterzubringen, ohne mit ihrer schlimmen Lage Mißbrauch zu treiben. Wäre dieses junge Mädchen nicht schön gewesen wie der Tag, so hätte schon der Zustand, in dem man sie mir vorführte, mich im höchsten Grade erregt. Der erste wüste Gedanke, der mir durch den Kopf schoß, war der, mich an ihr zu ergötzen und sie zu prellen. Um diesen frommen Plan zu verwirklichen, befahl ich meinem Manne, sich zurückzuziehen, nachdem seine Beute in mein Boudoir eingetreten war. Ueberrascht von der Schönheit des Mädchens, konnte ich nicht umhin, sie um ihre Abkunft zu befragen. »Ach, mein Herr,« antwortete sie, »ich bin zu Lyon geboren; meine Mutter hieß Henriette, mein Name ist Helene. Meine unglückliche Mutter war das Opfer ihres ruchlosen Bruders, der sie mißbraucht hatte, und starb, wie es hieß, auf dem Schaffot. Ich bin die Frucht dieser schrecklichen Blutschande; sie war die Ursache aller Leiden meines Lebens. Bis zum elften Lebensjahre lebte ich nur von der Mildtätigkeit. Eine Dame nahm mich um diese Zeit zu sich und lehrte mich arbeiten; ich befände mich jetzt nicht in der schrecklichen Lage, in der Sie mich sehen, wenn ich nicht so unglücklich gewesen wäre, sie zu verlieren. Seitdem hat es mir an Arbeit gefehlt und ich habe es vorgezogen, mein Brot zu erbetteln, als mich einem liderlichen Lebenswandel zu ergeben. Seien Sie großmütig, mein Herr; helfen Sie mir, ohne meinen Zustand zu mißbrauchen, dann werde ich des Himmels Segen auf Sie herabflehen.« Helene senkte die Augen nach dieser Rede, ohne nur eine Ahnung zu haben von der merkwürdigen Erregung, die sie in meinem ganzen Wesen hervorgerufen hatte. Ich erkannte mit Bestimmtheit in diesem prächtigen Geschöpfe das Kind meiner Cousine Henriette, des unglücklichen Opfers der Ruchlosigkeit meines Cousins Alexander und meiner schauerlichen Bosheit. Nie hatte eine Tochter ihrer Mutter ähnlicher gesehen. Wenn Helene kein Wort erzählt hätte, so hätte ich bloß durch Betrachtung ihrer Züge ihre Abkunft erraten. »Mein Kind,« sagte ich, »Ihre Erzählung ist recht interessant; vielleicht rührt es mich mehr als einen anderen; aber nichtsdestoweniger können Sie bei mir nichts durchsetzen, wenn Sie sich nicht allen meinen Befehlen blindlings unterwerfen. Beginnen Sie sich vollständig zu entkleiden.« – »Aber, mein Herr!« – »Kein Widerstreben, mein Herz, ich liebe das nicht; Sie haben von mir nichts zu erwarten, wenn Sie sich nicht bedingungslos allen meinen Launen unterwerfen.« Helene antwortete mit Tränen; als sie aber an meinem brutalen Vorgehen bemerkte, daß ich wenig Lust zeigte, ihre Bitten zu erhören, gab sie nach, indem sie mich mit Tränen überströmte. Helene besaß zu viele Reize, zu viel Anspruch an das Herz eines Wüstlings gleich mir, als daß ich an die Idee, sie zu schonen, auch nur hätte denken können. Sie besaß eine wundervolle Haut, einen saftigen, vollen Hintern, und war sicherlich noch unberührt. Mein rasender Penis durchbohrte sie rasch; ich gelange tief in ihre Scheide und entleere meinen schäumenden Samen; meine niedergeschlagene Tochter wird ihrerseits Mutter. Das, meine Freunde, war der Ursprung von Olympias Geburt, die Sie mich täglich in Ihrem Serail bearbeiten sehen und die also die dreifache Ehre genießt, meine Tochter, meine Enkelin und meine Nichte zu sein. Ich ging mit Helene bald von der Blutschande zur Sodomie über. Ich bearbeite dieses köstliche Ergebnis meines Hodens von hinten. Vom Hintern gehe ich zum Mund über; sie bot mir tausend Genüsse, die meinen rasenden Begierden kaum genügen konnten. Müde geworden vom Ergießen des Samens, peitsche ich sie, ohrfeige ich sie, ließ ich sie scheißen. Es gab keine einzige Geilheit, der ich sie nicht willfährig gemacht hätte während der vier Stunden, die diese erste Sitzung dauerte. Von Wollust gesättigt, glaube ich es endlich an der Zeit, ihr zu erklären, mit wem sie es zu tun gehabt habe. »Helene,« sagte ich ihr, sie noch immer ganz nackt auf meinen Knien haltend, »würde es dir unangenehm sein, deinen blutschänderischen Vater wiederzufinden?« – »Sie machen mich erbeben.« – »Wenn aber dieses Scheusal existierte ... wenn er in deinen Armen läge, Helene ... in deinem Hintern ...« Mit diesen Worten senkte ich mein Glied in ihren After ein. Helene fiel in Ohnmacht. Meine gewaltigen Stöße, die sie im Mastdarm verspürte, erweckten sie bald wieder zum Bewußtsein. Ich entleerte mich. »Mein Kind,« sagte ich, als ich fertig war, »ich habe dir genug mitgeteilt, um dich dem Irrtum zu entreißen: erkenne deinen Vater und seine ganze Raserei. Jawohl, mir verdankst du dein Leben. Der Bruder deiner Mutter und ich waren die Ursache des Todes dieser unglückseligen Frau; aber alles ist wieder gut gemacht durch das Kind, an dem ich soeben mit dir gearbeitet habe. Bleibe bei mir; ich bedarf einer Frau, die sich meinen Lüsten willfährig zeigt und über meinen Vorteil wacht; tue dies und mache dir keine Skrupeln. Denke daran, daß du dich allen meinen Wünschen unterwerfen mußt. Bald Opfer, bald Aufseherin, darfst du dich keiner meiner Begier den entziehen; bei dem geringsten Widerstande werde ich mich kaum abhalten lassen, dich wieder in die furchtbaren Verhältnisse, in denen du bis jetzt lebtest, zurückzuschleudern; ich, der ich nach dem Leben deiner Mutter getrachtet habe, könnte vielleicht auch dein Henker werden.« Helene wirft sich mir zu Füßen; sie bittet mich, nicht mehr an die zu denken, die ihr das Leben geschenkt hat, und verspricht mir, grenzenlos unterwürfig zu sein. Nunmehr brachte ich sie bei mir als Haushälterin unter; die sanfte Helene ersetzte in Marseille meine Clementia von Messina.

Einige Zeit nach diesem Begebnis verliebte ich mich bis über die Ohren in einen jungen sechzehnjährigen Knaben, schön wie Adonis; aber seine Kälte, die auf eine Liebe zu einem gleichalterigen Mädchen zurückzuführen war, versetzte mich jeden Tag in Verzweiflung. Dennoch schenkte mir Imbert (so hieß er) sein Vertrauen, bald sogar seine Freundschaft, da ich es ihm ermöglichte, seine Geliebte bei mir zu sehen. Euphemie war groß gewachsen, bildhübsch, zweifellos von angenehmer Erscheinung, aber stand an Reizen weit hinter dem prächtigen Knaben zurück, der mir den Kopf verdreht hatte. Mit ihrem Vater und ihrer Mutter befreundet, mit denen ich mich bloß wegen meines Vorhabens mit Imbert eingelassen hatte, vergingen nur wenig Tage, daß wir uns nicht gegenseitig aufsuchten. Von dieser Freundschaft ge deckt faßte ich, um mir Imberts Genuß zu verschaffen, das höllischeste Projekt, das je meinem Kopfe entstiegen war. Ich begann jenen bei den Eltern Euphemiens recht anzuschwärzen; durch meine Listen und Tücken legte ich dem jungen Manne solche Fallstricke, daß es mir gelang, ihn bei den Eltern seiner Geliebten verhaßt zu machen. Sobald ich so weit war, fiel es mir nicht schwer, Imbert seinerseits gegen die Leute, denen er so ungelegen zu sein schien, aufzuhetzen; von der Erbitterung ist aber in einem feurigen Herzen nur ein Schritt zum Verbrechen. Imbert sah ein, daß er, solange als die Eltern Euphemiens lebten, auf sein Glück nicht rechnen dürfte. Doch waren sie noch jung und Imbert ungeduldig. Ich ziehe aus seiner erregten Stimmung Nutzen. Durch eine hinterhältige Rede biete ich ihm mit dem Uebel zugleich das Heilmittel dar. Imbert läßt sich verführen und ist nur wegen einer Sache unruhig: wie sich nämlich Euphemie zum Mörder ihrer Eltern verhalten werde. Ich fragte ihn: »Warum ihr denn diese Tat enthüllen?« – »Sie wird sie ahnen.« – »Niemals. Uebrigens werde ich handeln; ich bitte Sie nur um Ihre Zustimmung.« – »Gott, können Sie daran zweifeln?« – »Ich will sie schriftlich.« – »Gut.« – Imbert gab mir folgendes Schreiben:

»Erbittert über die Verfolgungen, die ich erdulden muß, bitte ich meinen Freund Jérome, mir Realgar zu kaufen, um rasch den Tod der Eltern Euphemiens herbeizuführen, die sich hartnäckig meiner Heirat mit ihrer Tochter widersetzen.«

Schwäche und jugendliches Vertrauen ließen ihn, wie ersichtlich, sich arg verstricken. So unverhüllt auch diese Falle war, geriet der wackere Imbert in seiner Gedankenlosigkeit doch hinein; sofort, nachdem ich in den Besitz des Schreibens gelangt war, vergiftete ich bei einem Souper die Feinde meines Geliebten. Euphemie schöpfte keinen Verdacht; aber die tiefe Trauer und ihr Schmerz nötigten sie dennoch, sich für einige Wochen zu entfernen. Eine alte Tante führte sie aufs Land. »Imbert,« sagte ich zu dem jungen Manne, »dieses Vorgehen gefällt mir nicht. Die Abwesenheit Ihrer Geliebten kann ein Erkalten ihrer Gefühle bewirken; man kann in ihrer Seele die Eindrücke ihrer Eltern wieder auffrischen. Lassen wir es nicht dahin kommen; geben Sie mir neue Vollmachten, ich will sie dieser Möglichkeit entziehen.«

Imbert willigt abermals in alle meine Wünsche ein. An der Spitze einer Banditenhorde, die ich für Geld gemietet habe, breche ich in das Landhaus der Tante ein; ich erdolche sie mit eigener Hand; meine Leute, denen ich dieses reiche Gut zur Plünderung überlasse, entledigen sich rasch aller Bedienten. Euphemie wird auf ein von mir mit Vorbedacht gemietetes, isoliert gelegenes Landgut nahe bei Marseille gebracht; dahin geleite ich auch Imbert und Helene. Hierauf sage ich zu dem jungen Mann: »Mein Freund, Sie sehen, was ich für Sie alles tue; dafür verdiene ich ihren Hintern.«- »Meinen Hintern?«- »Sie werden solange nicht in Euphemiens Besitz gelangen, als Sie mir meine Bitte nicht erfüllt haben.« – »Aber, Jérome, Sie wissen ja, wie sehr ich solchen Frevel verabscheue.« – »Imbert, hier ist Ihre Geliebte; Sie vernehmen Ihre Stimme (ich veranlaßte ihn, auf ein Gespräch zu lauschen, das ich absichtlich zwischen Helene und Euphemie herbeigeführt hatte), wenn Sie sich nicht von hinten bearbeiten lassen, werden Sie sie nie besitzen.« – »Nun gut, befriedigen Sie Ihre Gelüste, Sie böser Mensch; aber Euphemie soll davon nichts erfahren ... sie würde mich verabscheuen ...« – »Niemals!« – Mein wütendes Glied drang nach diesen Worten in den prächtigsten Hintern, den ich seit langer Zeit bearbeitet hatte. Ich reibe mein Glied, nachdem ich eingedrungen war, und entleere meinen Samen, doch ohne meine heftige Erregung zu beschwichtigen. Meine entartete Seele bedarf neuer Ruchlosigkeiten. »Einen Augenblick Geduld!« sagte ich dem Jüngling, indem ich mein Glied aus seinem Hintern zog. Ich sperre ihn in mein Zimmer und eile in das, in dem sich Euphemie befindet. »Halte mir dieses Mädchen,« sage ich zu Helene, »ich muß sie bearbeiten.« Sie schreit; aber barbarische Vorkehrungen ersticken ihre Rufe; ich stecke in der prächtigen jungfräulichen Scheide der Geliebten, noch bebend vor Vergnügen über den genußvollen Hintern ihres Liebhabers. »Bringen Sie mir den Jüngling, den ich im nächsten Zimmer eingesperrt habe,« sage ich zu Helene, »lassen Sie sich von einem meiner Leute helfen; besonders dann halten Sie ihn fest, wenn er eintritt.« Imbert erscheint. Wenn sein Erstaunen unbeschreiblich ist, so ist es das Vergnügen, das ich bei seinem Eintritt empfinde, noch unvergleichlich mehr. »Ruchloser!« schreit Imbert, indem er sich auf mich stürzen will, »du höllisches Ungeheuer!« Aber er wird festgehalten. »Mein Freund,« erwiderte ich dem Jüngling, ohne über seine Drohungen zu erschrecken, »du siehst diesen Dolch; ich durchbohre damit sofort den Gegenstand deiner Wünsche, wenn du nicht, während ich sie bearbeite, deinen Hintern von mir küßen läßt.« Imbert zittert; seine Freundin, die nicht sprechen kann, ermutigt ihn mit dem Finger; er gehorcht. Nunmehr gehe ich von der Scheide zum Hintern über und berausche mich an dem göttlichen Vergnügen, die Hinterbacken des Liebhabers zu küßen, während ich seine Geliebte sodomisiere. Aber der unglückliche Imbert, den Helene während der Ausbrüche meines Entzückens festhält, weiß nicht, wie weit ich die Ruchlosigkeit im wundervollen Augenblicke des Ergusses getrieben habe ... in diesem schrecklichen Momente, da der skrupellose Wüstling die schauerlichsten Genüsse ersinnt. Ich lasse ihn herabsteigen und zeige ihm seine blutüberströmte Geliebte, der ich mit sechzehn Dolchstichen tückisch das Herz und die Brüste durchbohrt hatte. Er fällt in Ohnmacht; Helene erweckt ihn wieder zum Bewußtsein, das er aber nur dazu wieder erlangt, um Euphemie sterben zu sehen, worauf er mich mit Schmähungen überhäuft. »Junger Tor!« sagte ich ihm, in meinem Frevel köstlich schwelgend, »betrachte deine Vollmachten, die du mir erteilt hast ... Wenn du ein Wort sprichst, stürze ich dich ins Verderben; selbst diesen Mord wird man für dein Werk halten. Helene und ich werden deine Untaten bezeugen und du stirbst auf dem Schaffot. Ich bin noch in Erektion; laß mich deinen Hintern sehen. Ich habe einstens eine Geliebte auf dem Leichnam ihres Liebhabers bearbeitet; ich will heute das Umgekehrte tun, um entscheiden zu können, welche dieser beiden Handlungen ein größeres Vergnügen verschafft.« Noch nie hatte die Welt solch wüstes Treiben gesehen. Helene ließ mich ihren hübschen Hintern küßen; indeß bearbeitete mich der Diener, der ihr geholfen hatte, von hinten; ich selbst bearbeitete Eupheminens Leichnam und ließ ihren Liebhaber desgleichen tun. Von den Ruchlosigkeiten übersättigt, ließ ich einen Polizeibeamten herbeirufen. Helene und ich sagen gegen Imbert aus; die Vollmachten beweisen gegen ihn. Ich füge hinzu, daß er wider unseren Willen seine Geliebte in dieses Haus gebracht habe, daß ihn seine Eifersucht so weit getrieben habe. Imbert ist solch furchtbarer Verbrechen überführt, daß er trotz seines jugendlichen Alters exekutiert wird. Und ich lebe! ich, Urheber und Werkzeug aller dieser Untaten, ich lebe in Ruhe! Der Himmel hat mir noch andere vorbehalten; und ich ließ nicht viel Zeit unbenützt verstreichen. Helene war nicht zuverlässig, sie plauderte. Ich befolgte den Grundsatz des Macchiavells: »Entweder hat man nie Komplizen, oder man muß sie, nachdem man sich ihrer bedient hat, töten.« Im selben Monat auf dem gleichen Landgut, im selben Zimmer wurde Helene zu der furchtbarsten Todesqual verurteilt, die ich je ein Opfer hatte erdulden lassen. Von dort kehrte ich ruhig nach Marseille zurück und segnete das Schicksal für den Erfolg, den es stets meinen Untaten sicherte.

Ich verbrachte noch einige Jahre in dieser Stadt, ohne daß sich etwas zugetragen hätte, was Euch interessieren könnte: »viele Ausschweifungen, Spitzbübereien, kleine geheime Morde, aber nichts Ungewöhnliches. Damals hörte ich reden von Eurer berühmten Abtei Sainte-Marie-des-Bois. Mein Wunsch, mit Euch in Verbindung zu treten, erweckte in mir das Verlangen, abermals das priesterliche Kleid anzulegen. Ich vernahm, dies sei möglich, wenn man der päpstlichen Kanzlei zu Rom einige Gaben entrichte. Ich eilte in diese Zentrale des christlichen Aberglaubens; ich beichtete dem heiligen Vater und bat um die Wiederaufnahme in den geistlichen Stand; ich gab die Hälfte meines Besitzes der Kirche und erwirkte mir durch diese freigebige Schenkung die Wiedererlangung ungemeiner Rechte und die Erlaubnis, Sainte Marie bewohnen zu dürfen. So kam ich zu Euch, meine lieben Brüder! Möge mich Gott hier lange erhalten! Denn wenn das Verbrechen auch anderswo genug der Reize bietet, so hier sicherlich noch recht viel mehr, da es im Dunkeln und in der Ruhe vollbracht, ohne Furcht vor Gefahren begangen werden kann, die ihm in der Welt nur allzu oft drohen!«

 

Autor: Marquis de Sade

Lizenz: gemeinfrei

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