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Hier kommt der vierte Teil der Kurzgeschichtensammlung, die mit Warum ...? angefangen hat. Hoffentlich gefällt sie euch besser als Wassermann und Nixe.
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Niki stand vor dem Kino und wartete auf ihre Bekannte Madeleine, mit der sie sich für einen Film verabredet hatte und die nun schon ziemlich spät dran war. Scheinbar war sie versetzt worden und überlegte nun, ob sie lieber gehen oder dennoch in eine Vorstellung marschieren sollte.
Es war nur lauwarm an diesem Juniabend und sie trug eine leichte Sommerjacke, für die sie nun dankbar war. Wie alles an ihr war diese schwarz. Schwarze Jeans, Shirt und gleichfarbige Sneakers. Aber sie war keine Gothic und ihre hellblonden, kurzen Haare wirkten sehr kontrastreich zu ihrer Bekleidung.
Nachdenklich betrachtete sie ein Taxi, das gerade hielt und vier Leute ausspuckte. Zwei Frauen, von denen eine kaum zwanzig Jahre alt sein mochte und eine etwa Mitte zwanzig, beide in männlicher Begleitung.
Plötzlich stutzte sie. Die Mitzwanzigerin kam ihr sehr bekannt vor. Na klar, das war eine ehemalige Bekannte von ihr. Eine Zeitlang hatten sie in einer Firma gearbeitet und sich hin und wieder getroffen. Aber sie beide waren unruhige Geister und nach zwei Umzügen hatten sie den Kontakt verloren. Was für ein Zufall, sie hier zu sehen.
Sie wollte gerade „Henrike“ rufen, aber der Mann an deren Seite hatte etwas, was sie innehalten ließ. Ihre Bekannte benahm sich seltsam. Soweit Niki diese kennen gelernt hatte, war sie immer eher ruppig mit Männerbekanntschaften umgegangen, doch jetzt achtete sie genau darauf, was ihre Begleitung tat und das galt auch für die Jüngere. Die Haltung und die Ausstrahlung der Männer waren ihr nicht geheuer, da stimmte irgendetwas nicht. Beide schienen der Typ dunkelhaarige Schurken zu sein.
Früher hatte Niki Henrike auch nie im kurzen Rock gesehen, wie sie ihn jetzt trug. Röcke waren ihr verhasst gewesen und welche, die über dem Knie endeten sowieso, obwohl sie wegen ihrer Figur keine Bedenken hätte haben müssen. Dazu Schuhe mit Absatz waren undenkbar gewesen. Menschen veränderten sich zwar im Laufe der Zeit, aber so extrem?
Kurz entschlossen, da sie ja sowieso nichts Besseres zu tun hatte, nahm sie sich vor, ihnen zu folgen. Sich einer Gruppe anderer junger Leute anschließend, lauschte sie, welchen Film Henrike und ihre Begleiter sehen wollten und bekam sogar mit, dass sie in der letzten Reihe sitzen wollten. Dieser Streifen war nicht wirklich gefragt an diesem Abend und problemlos bekam Niki ebenfalls dort einen Platz, sogar mit dem Vermerk, dass sie sich den Sitz aussuchen dürfe.
Der Vorraum für die Kinos war ziemlich voll, da ein ziemlich angesagter Film gleich beginnen würde. Die Geräuschkulisse war entsprechend laut und die Stimmung leicht aufgeladen. Das Vierergrüppchen, das Niki beobachtete, hatte sich seitlich an eine Wand vor eines der Plakate zu einem künftigen Kinostreifen gestellt.
Niki fielen fast die Augen aus dem Kopf als sie gewahrte, dass Henrike so etwas wie ein Halsband mit Ring trug. Der ältere Mann hakte gerade einen Finger hinein und zog sie zu einem heftigen Kuss zu sich heran. Überhaupt war die Haltung der Frauen seltsam. Beide standen ruhig da, die Beine leicht gespreizt und hatten die meiste Zeit die Arme auf den Rücken gelegt. Sehr seltsam.
Ein unaufmerksamer Mann rempelte die jüngere Frau an und nun sah die Spionin, dass diese auffällige Handmanschetten trug, die scheinbar Haken und Ösen hatten. Dem einen oder anderen Gast im Vorraum schien das auch aufzufallen, sie gafften kurz, um sich dann kichernd oder kopfschüttelnd abzuwenden. Obwohl das auch den beiden Pärchen auffallen musste, schien es ihnen nicht viel auszumachen. Auch das war untypisch für die Henrike, die Niki kannte. Ihr Begleiter stellte sich aber jetzt so hin, dass er die junge Frau vor eventuellen weiteren unaufmerksamen Mitmenschen schützen konnte.
Nachdem einer der Männer in ihre Richtung schaute, stellte sie sich an die Schlange vor dem Popcorn- und Süßigkeiten-Stand an und drehte nur hin und wieder möglichst unauffällig den Kopf in Richtung ihrer Verdächtigen.
Von hinten wurde sie geschubst und drehte sich genervt um. „Kannst du nicht aufpassen?“, fauchte sie den ungepflegten Typen an.
„Hast du schon was vor, Püppchen?“, grinste er sie schmierig an. „Dann können wir uns ja eine Popcorn teilen.“
„Erstens heißt das Eimer oder Portion Popcorn, zweitens ist ein Popcorn niemals weiblich und drittens habe ich bereits etwas vor, nämlich aufdringlichen Typen eine Cola übers Hemd zu schütten.“
„Blöde Zicke!“, sagte er beleidigt und versuchte sie noch einmal anzurempeln, aber sie wich aus und freute sich darüber, dass nun eine größere Auseinandersetzung mit dem Kerl folgte, der den Stoß abbekommen und plötzlich schlechte Laune hatte.
Kaum hielt sie die den kleinen Eimer mit dem erhitzten Mais in der Hand und ein Wasser noch dazu, hatte sie das Gefühl, jemand würde ihr mit Blicken Löcher in ihre leichte Sommerjacke brennen.
Sie sah noch mal auf die Uhr – ohne etwas auszukippen – und machte einen langen Hals, ob ihre Verabredung nicht doch noch gekommen war, aber das nur zum Schein, um sich unauffälliger in die Richtung drehen zu können, wo sie den Gaffer vermutete.
Richtig. Da stand ein Kerl und heute schien Bad Boys Night zu sein, denn dieser hier gehörte auch in diese Kategorie. Ebenfalls groß und dunkelhaarig und scheinbar waren sich alle ähnlich, denn er hätte problemlos zu den beiden anderen gepasst.
Nachdem er wahrnahm, dass sie ihn gesehen hatte, betrachtete er sie angefangen bei den Füßen bis er ihr in die Augen sehen konnte, dann grinste er sie breit an. Das konnte sie auch und machte es genauso wie er. Sein Blick hatte einen Moment zu lange auf ihrem Busen verweilt und sie hielt ihren an seinem Hosenschlitz an. Die enge schwarze Jeans, die scheinbar gut gefüllt war, stand ihm definitiv super und auch das locker sitzende weiße Hemd. Außerdem trug er einen schicken Gürtel.
Ihr Ex-Freund hatte ihr beim Abschied, nachdem sie Schluss gemacht hatte, gesagt: „Du bist viel zu klein für so viel Arsch und so viele Titten.“ Damit konnte er sie jedoch nicht treffen, zumal es ihn bis zu diesem Moment nie gestört hatte. Außerdem hatte sie sich mit ihrer Figur schon lange arrangiert, zumindest mehr oder weniger. Sie war recht klein, aber wendig und sorgte dafür, dass sie auch kräftig blieb.
Allerdings hatte sie ihrem Ex eine Holzfigur nachgeworfen, die sie geschenkt bekommen hatte und nicht leiden konnte. Getroffen hatte sie ihn auch und zwar am Kopf, was mindestens eine Platzwunde verursacht hatte, denn er hatte ihr kreischend eine blutige Hand gezeigt, bevor sie ihm die Tür vor der Nase schloss. Nur weil sie es nicht störte wie sie aussah, hieß das nicht, dass er das Recht hatte, sie schlecht zu machen, zumal das nicht der erste dumme Spruch von ihm gewesen war.
Genauso wenig wie dieser Bad Boy willkommen war, wenn er sie so angrinste. Niki zog eine Augenbraue hoch und drehte sich um. Lachte der Kerl eigentlich jetzt oder war das jemand anderer von den Leuten hier? Auch egal.
Der eine Film fing an und es wurde deutlich ruhiger und leerer im Vorraum. Nicht mehr lange und sie hatten ebenfalls Einlass. Sie ging weiter nach vorne und stellte sich hinter einen Werbeaufsteller, damit sie nicht so auffiel. Vielleicht sollte sie weniger Bücher mit Privatdetektiven lesen. Das färbte auf sie ab, denn ansonsten hätte sie sich keine Gedanken darum gemacht, ob Henrike vielleicht in falschen Händen war.
Ihr Begleiter ging jetzt auch hin und besorgte Popcorn. Damit konnte er Henrike keinen Gefallen tun, denn wie Niki wusste, hasste diese das Zeug. Bei einem gemeinsamen Kinobesuch hatte sie das erwähnt, weil Niki ganz gerne darauf herum kaute. Allerdings auch nur, wenn sie süß waren, nicht gesalzen.
Dennoch hielt der Mann Henrike von dem Naschzeug vor den Mund. Sie nahm den Kopf ein wenig zurück und sagte etwas, was die Beobachterin nicht hören konnte. Aber seine Haltung wirkte auf einmal ein wenig bedrohlich. Das Mädchen sah unbehaglich zu ihrem Begleiter und der strich ihr mit dem Finger über die Wange und lächelte sie an.
Schließlich öffnete Henrike den Mund und aß, was der Mann ihr gab, auch wenn sie sich schüttelte. Früher hätte sie ihm das Popcorn aus der Hand geschlagen. Was wurde da nur gespielt?
Niki hätte fast den Aufsteller umgeworfen, weil sie sich daran gelehnt hatte, um besser sehen zu können. Verlegen machte sie einen Schritt zurück, aber zum Glück hatte niemand auf sie geachtet.
Der jüngere Bad Boy telefonierte gerade und sah erst verwirrt aus, bevor er lachte und das Mobiltelefon wieder weg steckte. Amüsiert erklärte er etwas. Dann gingen alle vier in Richtung Kinosaal, der gerade geöffnet und die 3D Brille verteilt wurde. Die jüngere Frau sah sich noch einmal um und wurde scheinbar verwarnt. So, die hatten wohl auch noch auf jemanden gewartet und waren versetzt worden.
Niki wartete noch etwas, bevor sie auch in den Saal ging. Sie wollte in die gleiche Reihe, nur mit ausreichendem Abstand, damit sie nicht auffiel. Die Brille steckte sie in ihre Jacke, die sie auf den Nebensitz legte. Geld und Schlüssel waren in ihrer Hosentasche, denn Handtaschen hasste sie. Tief in ihren Sitz rutschend aß sie von ihrem Popcorn und drehte den Kopf leicht zur Seite, damit sie gucken konnte.
Es sah aus als würde Henrike wieder etwas ablehnen, was ihr Partner forderte und noch einmal griff er in ihr Halsband und zog sie dicht zu sich, nur diesmal nicht, um sie zu küssen, sondern er sagte etwas zu ihr. Dann nickte sie und stand auf, um sich mit dem Rücken zur vorderen Sitzreihe zu stellen, direkt vor den Dunkelhaarigen. Ihre Füße standen nun links und rechts von seinen Beinen.
Fast wäre die heimliche Beobachterin aufgesprungen, rieb sich aber stattdessen die Augen, weil sie glaubte, sie sah nicht richtig. Der Kerl fasste Henrike unter den Rock, obwohl Leute im Kino waren, sie in der gleichen Reihe saß und die anderen beiden zusahen. Von Fummeleien in der letzten Bank hatte sie schon gehört, wenn auch noch nie ausprobiert, aber das war ja wirklich dreist. War das die gleiche Henrike, die sie kannte oder hatte sie eine Doppelgängerin und Niki machte sich gerade zur kompletten Idiotin?
Dennoch fasziniert starrte sie weiter hin und sah wie sich die stehende Frau hinten in die Polster festkrallte, während sie mit leicht geöffnetem Mund schneller atmete und sowohl verlegen wie auch verzückt aussah. Der Kerl war gut mit seiner Fingerarbeit, obwohl er aussah als ob ihn das völlig kalt lassen würde.
Niki ließ es definitiv nicht kalt und spürte, wie sie wider Willen erregte wurde. Doch dann versperrte jemand ihr die Sicht und sie kümmerte sich schnell um ihr Popcorn. Hoffentlich hatte niemand gesehen, wie sehr sie starrte. Vorsichtig warf sie einen Blick nach oben. Oh Scheiße, das war der Bad Boy, der sie so angestarrt hatte und dem das unverschämte Grinsen im Gesicht angewachsen zu sein schien. Nicht nur das, er setzte sich auch gerade zwei Sitze weiter neben sie, obwohl das halbe Kino leer war.
Als sie den nächsten Blick wagte, saß Henrike wieder und wurde geküsst. Ob sie bis zum Ende gekommen war?
Darum sollte sich Niki eigentlich nicht scheren, aber die Situation war schon verdammt heiß gewesen und sie outete sich gerade vor sich selbst als Voyeurin.
Nun gingen die Lichter aus und während die Werbung auf der großen Leinwand dröhnte – irgendjemand meinte es viel zu gut mit dem Ton – überlegte Niki, ob es wohl rein technisch möglich wäre als Frau auf einem der Sitze zu knien, während ein Typ es ihr von hinten besorgte und von der anderen Seite einer zwecks Blasen stehen würde.
Unruhig rutschte sie auf ihrem Sitz herum, denn nun hatte sie sich mit ihren eigenen Gedanken erregt und das Pochen zwischen ihren Beinen war lästig, zumal sie keinen Freund – geschweige denn zwei – hatte, der davon profitieren könnte. One-Night-Stands lagen ihr nicht und selbst-ist-die-Frau war auch nicht wirklich befriedigend. Sie seufzte. Das war die gerechte Strafe für ihre Neugierde.
Es wurde Zeit, die Brille aufzusetzen, und sie starrte nachdenklich auf die Leinwand. Viel verpassen würde sie nicht, denn den Film kannte sie ja bereits und er wäre auch nicht ihre erste Wahl gewesen. Nur diesmal sank die Titanic gleich in 3D.
Immer wieder warf sie einen Blick zur Seite, nahm dafür die Brille ab und rieb sich den Nasenrücken, als würde das Ding drücken, was es ja leider auch tat. Mehr als einmal begegnete sie dem Blick des Bad Boys, der die Hälfte der Zeit gar nicht auf die Leinwand zu gucken schien und das lenkte sie noch mehr ab.
Ob es helfen würde, ihn mit dem restlichen Mais zu bewerfen oder ihm etwas Wasser über den Kopf zu schütten? Konnte er nicht den Pärchen zusehen, denn das war mit Sicherheit interessanter, als sie anzustarren. Obwohl die den Film ganz normal zu genießen schienen, soweit sie das im Dunkeln beurteilen konnte.
Noch bevor der Film ganz zu Ende war, stand sie auf, nahm ihre Jacke und auch ihren Müll und ging. Sie fand es unhöflich, ihr Zeug stehen zu lassen und darauf zu warten, dass die Putzkolonne es entfernte. Stattdessen warf sie es selbst in einen Mülleimer.
Draußen kam sie in den Strom vom anderen Kinosaal, wo der Film nun beendet war, gab ihre Brille ab und ließ sich mit den aufgeregt erzählenden Leuten nach draußen treiben.
Eigentlich hätte sie jetzt besser nach Hause gehen sollen, aber sie suchte sich in der Nähe des Ausgangs einen neuen Beobachtungsposten, denn sie wollte doch wissen, ob das tatsächlich Henrike war und wenn möglich, wohin sie fuhr. Vielleicht brauchte sie ja doch Hilfe, um sich von diesem Mann zu befreien. Konnte es nicht sein, dass sie ihm hörig war oder etwas in der Art?
Da war eine schön dunkle Ecke, von wo aus sie gut beobachten konnte. Sie fummelte die Kapuze aus dem Kragen ihrer Jacke und zog diese über den Kopf. Ansonsten hätten ihre Haare geleuchtet wie ein Spotlight, frei nach dem Motto: Guckt mal wer das spannt. Mit den dunklen Sachen war sie vermutlich kaum noch zu sehen, während sie selbst alles im Blick hatte.
Diese Stelle hatte sich auch ein Obdachloser ausgesucht, der seine fast leere Schnapsflasche näher zu sich zog und sie misstrauisch betrachtete. Vielleicht hielt er sie für eine Polizistin oder sonst jemanden, der ihn vertreiben wollte, aber ihr war es ziemlich egal, ob er hier im verbotenen Gebiet übernachtete oder nicht.
Es dauerte und dauerte und Niki wurde immer unruhiger als endlich der Pulk Menschen aus dem Kino strömte. Nur die Vierergruppe ließ auf sich warten, aber endlich kamen zumindest drei von ihnen heraus.
„Henrike, kommst du bitte, da ist schon das Taxi!“, rief der unheimliche Mann über seine Schulter. Eilig kam die Gerufene gelaufen.
Also hatte sich Niki doch nicht vertan. Dumm nur, dass sie nicht viel tun konnte, um zu verhindern, dass sie in das Taxi stieg. Sollte sie doch einfach rüber gehen und ihre alte Bekannte begrüßen? Sie zögerte zu lange und alle stiegen ein. Gerade noch konnte sie sich die Nummer vom Taxi und das Unternehmen merken. Auf die Art hatte sie vielleicht noch die Möglichkeit ausfindig zu machen, wohin es fuhr.
Im nächsten Moment wurde sie herum gedreht, bäuchlings gegen die Wand gedrückt und jemand drehte ihr die Hände auf den Rücken. Sofort begann sie sich zu wehren, schlug mit dem Kopf nach hinten und traf anscheinend nur einen Brustkorb. Ihre Tritte nach hinten gingen ins Leere und etwas wurde um ihre Handgelenke gewickelt, während ein großer, kräftiger Körper sie an die Wand nagelte.
Als sie versuchte zu schreien, bekam sie etwas in den Mund gestopft, das hinter ihrem Nacken geschlossen wurde. Vor lauter Gaffen war sie selbst in eine Falle geraten.
„Hier alter Mann. Damit kannst du dir was Schönes kaufen“, hörte sie eine dunkle Stimme hinter sich sagen und sah etwas wie einen Geldschein zu dem Obdachlosen flattern, der sich daraufhin umdrehte und vom weiteren Geschehen keine Notiz mehr nehmen wollte.
Die Kapuze wurde ihr vom Kopf gezogen und der Kerl flüsterte ihr von hinten ins Ohr: „Hallo neugieriges Weib. Wie lange wolltest du noch den Paaren nachspionieren? Ich habe neben dir gesessen und dich beobachtet. Bist du neidisch oder warum hast du das getan?“
„Hmmm, grmmm, mpf!“, schimpfte Niki ziemlich unverständlich.
„Du hast einen wirklich schönen Nacken“, hörte sie und spürte seinen Mund ihre Wirbelsäule entlang fahren. Die Feuchtigkeit und die Zartheit mit der das geschah, verursachte ihr eine Gänsehaut und sie schüttelte sich unkontrolliert.
So abgelenkt merkte sie erst zu spät, dass er ihre Hose geöffnet hatte und eine Hand hinein schob, während die andere sich zu ihrem Busen vorarbeitete, obwohl sie jetzt versuchte, sich fester an die Mauer zu pressen.
„Hast du Angst, ich finde etwas, das dich verrät?“, raunte er ihr ins Ohr.
Damit hatte er nicht unrecht, denn sie war ja erregt worden und ganz war das noch nicht vergangen, auch wenn die Situation wirkte wie eine kühle Dusche. Aber vollständig konnte selbst der Mann ihr Feuer nicht löschen. Dabei stand sie doch gar nicht auf Bad Boys und auf Stalker schon mal gar nicht.
Selbst Zappeln half nichts und er fand was er suchte. Ihre verräterischen Nippel hatten sich unter seinen suchenden Bewegungen aufgerichtet und er rieb nun darüber, so geschickt, dass sie es bis in ihre Mitte spürte.
Seine zweite Hand strich von außen über ihren Slip und er lachte leise und dunkel. „Sieh mal an, du bist ja ganz feucht. Hat dich der Fingerfick angemacht oder eher der Blowjob, der dem anderen Mann zuteil wurde?“
Was? Das Mädchen hatte ihrem Begleiter eine geblasen? Das war Niki definitiv entgangen, aber die Vorstellung heizte ihre unwillkommene Fantasie wieder an.
Nun schlüpften seine forschenden Finger unter ihren Slip und fanden ihre Spalte. Ohne zu zögern, begann er sie mit den Kuppen zu necken und drang immer tiefer ein, um dann ihre eigenen Nässe auf ihrer Klitoris zu verteilen. Sie konnte ihm nicht entkommen und ihr Unterleib fühlte sich schwer an vor Verlangen, während seine andere Hand ihre Brustspitzen rieb und daran zog. Allzu schnell kam sie dem Finale näher und keuchte gegen den Knebel, zerrte an ihren Handfesseln und kam dann heftig mit einem kehligen Stöhnen.
Noch bevor sie realisiert hatte, was gerade mit ihr geschehen war, lösten sich die Fesseln und als sie soweit war, sich umzudrehen, war sie alleine. Sofort zerrte sie den Knebel, der sich als leichter Schal entpuppte, aus ihrem Mund und sah sich suchend um.
Der Kerl hatte sie bis zum Orgasmus gerieben und sich dann aus dem Staub gemacht? Die Augen des Obdachlosen waren jetzt fest auf sie gerichtet und sie wollte gar nicht so genau wissen, was er da mit der Hand unter der Decke trieb.
Feuerrot im Gesicht schloss sie ihre Hose wieder, richtete ihre Klamotten und während sie sich verlegen umsah, hastete sie davon. So hatte sie sich den Abend ganz sicher nicht vorgestellt. Ihre Bekannte hatte noch etwas gut zu machen und die Sache mit Henrike ging ihr auch nicht aus dem Kopf.
Ihre Hände waren etwas zittrig als sie schließlich den Schlüssel ins Schloss ihrer Wohnung steckte. Unaufmerksam warf sie den Schlüsselbund dann in die Schale auf einer kleinen Kommode neben der Tür, zog die Schuhe von den Füßen und ging ins Wohnzimmer. Der Anrufbeantworter blinkte sie an und sie drückte auf Play.
„Sorry Niki, hier ist Madeleine. Ich schaffe es nicht zum Kino, denn meine Mutter ist plötzlich krank geworden und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Bis dann.“ Piep.
Fantastisch. Vielleicht sollte sie doch mal hin und wieder ihr Mobiltelefon mitnehmen und vor allem, die Nummer für solche Fälle weitergeben.
Sie zog sich im Bad aus, warf die Sachen in den Wäscheeimer und duschte sich ausgiebig. Kaum zu glauben, dass ein fremder Mann sie in aller Öffentlichkeit mit der Hand zum Orgasmus gebracht hatte. Einfach so und sie hatte sich gar nicht genug gewehrt. Dabei könnte sie ihn doch wegen sexueller Belästigung anzeigen, denn ein Phantombild war leicht anzufertigen. Aber irgendwie kam ihr das zu dumm vor, denn sie fühlte sich nach dem Orgasmus besser.
Beim Zähneputzen warf sie einen Blick in den Spiegel. Ihre Wange war gerötet an der Stelle, an der sie an der Wand gelehnt hatte und eine leichte Abschürfung war auch zu sehen. Vorsichtig trug sie etwas Salbe auf, damit die Fragen im Büro nicht allzu dumm ausfielen.
Immer noch hatte sie das Gefühl seinen Mund auf ihrem Nacken zu spüren und seine Finger da, wo sie nicht hingehörten. Es war zum Verrückt werden und die Nacht würde wahrscheinlich ziemlich unruhig werden.
Nach einem Schlaf voller dunkler erotischer Träume, an die sie sich nicht mehr im Detail erinnern konnte, war Niki richtig froh, als der Wecker schellte. Heute war Freitag und sie freute sich bereits auf das Wochenende. Nach einem schnellen Frühstück machte sie sich auf den Weg zur Arbeit. Als sie die Jacke vom Vortag überzog, spürte sie ein Knistern in der rechten Tasche und griff hinein. In der Hand hielt sie ein zusammen gefaltetes Papier, von dem sie nicht wusste, wie es dorthinein gekommen war. Neugierig öffnete sie es.
Wenn du Lust aufs Kino hast, ruf mich an. Oder hast du zu viel Angst?
Dann folgte noch die Nummer eines Mobiltelefons. Die Tatsache, dass das Wort Lust unterstrichen war, war bestimmt zweideutig gemeint. Was für eine Unverschämtheit. Nicht einmal ein Name stand dabei. Zornig knüllte sie das Papier zusammen und warf es Richtung Papierkorb, wo es am Rand abprallte und dahinter liegen blieb.
Vor sich hin schimpfend eilte sie zu ihrer Arbeitsstelle und grüßte nur halbherzig, als eine Kollegin ihr fröhlich einen ‚Guten Morgen‘ entgegen rief. Nein, dieser Morgen war so wenig gut, wie es der Abend gestern gewesen war.
Seufzend sah sie auf ihren Schreibtisch. Manchmal fragte sie sich, ob es in diesem Büro Nachtgeister gab, die Unterlagen, Akten und Vermerke heimlich in der dunklen Tageszeit auf die Schreibtische verteilten. Niki war als eine der letzten gegangen, aber dennoch stapelten sich neue Papiere vor ihr.
Sie nahm die erste Akte und las den Klebezettel darauf: Unterlagen nach Datum sortieren. Seit wann war sie dafür auch noch zuständig?
Flüchtig sah sie die Papiere durch und fand heilloses Chaos. Sie hätte wetten können, dass ihrem Chef das Zeug aus der Hand gefallen war. Wofür gab es denn Auszubildende?
„Monika, könntest du bitte die Akte auf Vordermann bringen?“, fragte sie die Siebzehnjährige.
Diese seufzte und zeigte auf einen Stapel mit ähnlichen Vermerken. „Ich schwöre, ich war das nicht“, sagte sie.
„Ich weiß. Aber es hilft ja nichts“, antwortete Niki, legte der Auszubildenden kurz die Hand auf die Schulter und ging zu ihrer Arbeit zurück.
Fünfzehn Minuten später hatte sie zumindest eine grobe Ordnung hinein gebracht und nahm sich das Telefon, um den ersten Termin auszumachen. Dabei fragte sie sich, wo ihre Kollegin blieb, die ihr normalerweise gegenüber saß.
„Sie rufen außerhalb unserer Sprechzeit an. Diese beginnt …“, leierte ihr eine weibliche Stimme ans Ohr und sie legte wieder auf, nachdem sie die Zeiten notiert hatte.
Da gerade niemand in der Nähe war, rief sie bei dem Taxiunternehmen an, das sie sich am Vorabend gemerkt hatte. Dank eines guten Zahlengedächtnisses wusste sie auch noch die Wagennummer auswendig.
Nachdem sie sich mit einem falschen Namen gemeldet hatte, fragte sie höflich: „Könnten Sie mir bitte die Adresse nennen, zu der ihr Wagen gestern gefahren ist?“ Sie nannte die Nummer und die Straße, in der das Kino lag, genauso wie die Uhrzeit.
„Mir ist schon klar, dass Sie keine Daten herausgeben können, aber der Mann, der in Ihren Wagen gestiegen ist, hat mich vorher belästigt und ich habe erst heute Morgen bemerkt, dass er dabei meine Geldbörse geklaut hat.“
Niki war stolz auf ihren Einfall und hörte der Frau am anderen Ende der Leitung zu, die natürlich immer noch nichts verraten wollte. Aber so leicht gab Niki nicht auf.
„Ich dachte, ich könnte es auf die einfache Weise machen, ohne dass ich die Polizei einschalten muss. Die bekommen die Adresse von Ihnen“, seufzte sie und erreichte ihr Ziel. Ha! Wenn das nicht einfach gewesen war. Im Bluffen war sie richtig gut. Eifrig schrieb sie mit und versprach natürlich gerne, dass sie nichts darüber verraten würde.
Deutlich besser gelaunt fuhr sie nun ihren Rechner hoch und fand prompt mehrere Mails ihres Chefs. Konnte der nicht mit ihr persönlich sprechen? Stattdessen bombardierte er sie … Moment, die waren ja mitten in der Nacht geschrieben und das von der Privatadresse. Hatte der nichts Besseres zu tun? Vielleicht sollte er mal seine Frau fragen.
Seltsamerweise musste sie in diesem Moment wieder an den Kerl von gestern denken, der sich so einfach an ihrem Körper bedient hatte. Oder sie bedient hatte? Er hielt sie für zu feige, um sich mit ihm im Kino zu treffen, zumindest hatte sie den kurzen Nebensatz so verstanden. War sie das? Zu ängstlich? Was konnte er ihr denn schon in so einem großen Kino tun? Sie konnte schreien oder um sich treten.
Ja klar. So wie gestern auch, lachte ihre innere Stimme sie aus.
Nein, sie würde ihn nicht anrufen! Nachher lief das auf einen One-Night-Stand hinaus. Wie sollte sie die Sache vom Vorabend nennen?
Ohne weiter zu arbeiten, fixierte sie die Notizen vor sich, als plötzlich jemand seine Hände neben sie abstützte und sie fragte: „Versuchst du Löcher in die Papiere zu starren?“
Erschrocken schrie sie auf und riss den Kopf hoch, woraufhin der Mann hinter ihr laut erstickt schrie und jammerte: „Meine Nase!“
Sofort sprang Niki auf und sah ihren Kollegen an, der sie aus ihrer tiefen Nachdenklichkeit geholt und sie so erschreckt hatte. Eine Hand hielt er gegen die nun blutende Nase gepresst und sie fischte sofort Taschentücher aus ihrer Schublade, während die anderen Kollegen sich um den Verletzten scharten, dankbar für die reizvolle Ablenkung.
„Es tut mir leid!“, versicherte Niki ihm und er sah sie nur mit tränenumflorten Augen an.
Schließlich kam ihr Chef und schickte alle an ihre Plätze zurück, den Verletzten zum Arzt und entschied, dass Niki blass aussähe und nach Hause gehen sollte. Trotz der ganzen Arbeit, die sie ja zum Glück schon vorsortiert hatte.
In ihrer Wohnung angekommen ging sie gleich an den Computer. Dort gab sie die ergaunerte Adresse ein, die irgendwo im Industrieviertel sein musste. Seltsam. Nach einiger Sucherei fand sie heraus, dass sich dort ein Club angesiedelt hatte, der aber nur für Mitglieder war. Was mochte sich wohl dahinter verbergen? Die Eröffnung war auch noch nicht lange her.
Leider gab es keine Karte im Netz, auf der etwas zu sehen gewesen wäre, weil die ehemalige Fabrik von der Straße aus nicht zu erkennen war. Blöd, Niki hatte gehofft, sie würde nun die Privatadresse von dem Kerl erfahren und auf die Art an Henrike heran kommen. Wenn sie herausfinden könnte, um was für eine Art Privatclub es sich handelte, hätte sie eventuell die Möglichkeit, sich dort anzumelden. ‚Place to play‘ war selbst für einen Verein ein seltsamer Name. Wahrscheinlich verbarg sich dahinter eine private Spielhölle.
Doch erst einmal sollte sie überdenken, ob es die Sache wert war. Henrike und sie hatten schon lange keinen Kontakt mehr gehabt und vielleicht ging es ihr ja wirklich gut. Das waren stichhaltige Argumente, wenn Niki nicht so furchtbar neugierig gewesen wäre und ihr alle möglichen schlimmen Szenarien durch den Kopf schossen, die zum Teil durch Bücher inspiriert waren.
Wo sie schon einmal an ihrem Rechner saß, gab sie auch noch Henrikes Nachnamen in die Suchmaschine für Telefonnummern ein, aber leider war das auch nicht von Erfolg gekrönt. Nicht einmal im weiteren Umkreis. Hatte sie den Namen geändert, war sie nur zu Besuch hier gewesen und wohnte ganz woanders?
Was wäre, wenn Henrike in die Fänge eines Zuhälters geraten war? Oder sie wurde erpresst. Oder es handelte sich um eine Begleitagentur mit besonderen Konditionen, die nicht einmal Niki einfallen wollten.
Da ihr Kühlschrank leer war und ihr sowieso nichts mehr einfiel, machte sie sich auf den Weg zum Einkaufen. Die Sonne schien warm vom Himmel und an diesem Freitagnachmittag waren viele Leute unterwegs. Eilig hatte sie es nicht und ließ sich erst einmal durch die Fußgängerzone treiben. Das Café hatte Tische und Stühle nach draußen gestellt und es war ziemlich voll.
Niki überlegte, ob sie sich dennoch setzen sollte, da fiel ihr eine junge Frau auf, die ihr die Entscheidung abnahm. Das war nämlich die gleiche, die zusammen mit Henrike im Kino gewesen war. Diesmal war sie mit einer anderen zusammen, die auch noch sehr jung aussah, groß und dunkelhaarig war. Kurz entschlossen sah sich die selbsternannte Spionin nach einem Platz um.
„Ist hier noch frei? Darf ich mich zu Ihnen setzen?“, fragte sie eine alte, sehr gepflegte Frau mit leicht bläulich gefärbten Haaren und einer Menge Goldschmuck.
Diese sah von ihrem Erdbeerkuchen auf und lächelte sie an: „Sicher, meine Liebe. Setzen Sie sich ruhig. Probieren Sie mal diesen Kuchen. Der ist wirklich phantastisch.“
Niki befürchtete jetzt, die nächsten Minuten voll gequatscht zu werden, aber die alte Dame vertiefte sich wieder in den Genuss ihrer Süßspeise. Das hier war der perfekte Platz. Die personifizierte Neugierde in Gestalt einer blonden Mitte-Zwanzigerin saß nun genau neben dem Tisch mit den von ihr beobachteten Personen und konnte alles hören. Wenn sie sich nun leicht umdrehte, konnte sie sogar alles sehen.
Bis eine der Bedienungen kommen würde, konnte es noch dauern, denn heute war wirklich viel los. Etwas unruhig stand eine von ihnen an einem Tisch, wo eine genervte Mutter mit ihren vier Kindern Platz genommen hatte, und die sich nicht entscheiden konnten, was sie haben wollten.
Misstrauisch beäugt wurde ein Paar, das in Lederklamotten daherkam und mit dem Motorrad vorgefahren war. Der Chopper gefiel Niki sehr.
Der Mann mit dem knurrenden Hund saß als einziger ganz alleine an einem Tisch, da alle anderen wohl berechtigte Angst um ihre Füße hatte. Der Kerl war bestimmt zwei Meter groß, sehr dünn und ging mit einem Pinscher spazieren. Wirklich amüsant. Das gesamte Tier war kaum größer als einer seiner Schuhe.
Wenn die Frauen am Nebentisch jetzt auch noch miteinander sprechen würden, wäre das für Niki wirklich perfekt, aber sie saßen da und schwiegen sich unbehaglich an.
Schließlich räusperte sich die Dunkelhaarige und sagte: „Ich bin froh Alieta, dass du gekommen bist. Ich wusste nicht, ob du zustimmst.“
„Ich bin auch froh, hier zu sein, Barbara, denn das Eis ist lecker, der Kaffee gut und nach der Berufsschule frei zu haben, ist auch nicht schlecht. Hast du inzwischen eine Stelle gefunden?“
„Nein, ich weiß immer noch nicht, was ich werden will. Lassen dich die Männer einfach so gehen?“
Das Mädchen mit den langen rotbraunen Haaren lachte laut. „Ich bin ja nicht ihre Gefangene.“
„Bist du dir immer noch sicher, dass du nicht wieder nach Hause kommen willst?“
„Barbara, ich bin zu Hause, wo ich wohne. Cass ist mein fester Freund, wie du das ausdrückst. Ich lebe dort und ich arbeite dort. Somit habe ich alles, was ich möchte und brauche.“ Die mit Alieta Angesprochene beugte sich beim Sprechen nach vorne.
„Mama und Papa können die Entwicklung noch gar nicht ganz fassen. Kaum sind sie sechs Wochen fort gewesen, ziehst du zu einem Mann. Nein, zu zwei Männern.“ Die größere Frau hatte inzwischen einen nörgelnd, drängenden Tonfall angenommen.
„Ich bin volljährig und weiß, was ich will, Baba. Auch wenn dir das nicht gefällt und unsere Eltern etwas irritiert sind.“
„Aber warum gleich zwei Männer?“
Alieta lachte so laut, dass die Frau Niki gegenüber kurz aufsah, bevor sie genüsslich einen Schluck Kaffee trank. Sie schien wirklich alles ganz gründlich zu genießen und Niki musste trotz Lauscherei lächeln. Hiervon sollte sie sich eine Scheibe abschneiden.
„Darf ich dich erinnern in welcher Lage – wörtlich genommen – ich dich gesehen habe? Von zwei Männern gleichzeitig …“, fragte Alieta ihre Schwester nun.
„Aber …“ Trotz des Widerspruchs wirkte Barbara total verlegen und sah sich unruhig um.
„Nein, kein aber. Cass ist mein fester Freund, um es in deiner Sprache auszudrücken, und sein Bruder manchmal unser Spielpartner. Nicht mehr, nicht weniger. Damit bin ich treuer als du es je warst.“ Allmählich hatte ihre Stimme einen harten Ton angenommen und Barbara beugte den Kopf.
Jetzt hatte Niki zwar eine Menge erfahren, war dadurch aber noch neugieriger geworden und völlig in Gedanken schreckte sie hoch, als plötzlich die Bedienung neben ihr auftauchte. Heute war sie wirklich leicht aus der Fassung zu bringen. Wenigstens hatte sie diesmal niemanden verletzt. Sie bestellte sich ein Erdbeereis und einen Cappuccino.
Hm, war der Mann, der mit Henrike zusammen gewesen war, dieser Bruder? Und was verstanden die unter miteinander spielen? Hatte dieser Club damit zu tun? Um Glücksspiel schien es sich nicht zu handeln. Vielleicht irgendwelche Rollenspiele? So mit Rüstung und Schwert? Vielleicht waren dort Cass und sein Bruder die Könige und führten sich auch außerhalb so auf? Irgendwie klang das alles nicht richtig und Niki würde wahrscheinlich irgendwann vor Neugierde sterben.
Langsam aß sie ihr Eis und beglückwünschte sich dazu, es gleich bezahlt zu haben. Die alte Frau verabschiedete sich und auch die Schwestern trennten sich nach einer Weile sichtlich ohne Einvernehmen und gingen.
Barbara hatte noch eine Bemerkung über etwas gemacht, wobei sie hatte zusehen müssen, aber dabei so leise gesprochen, dass selbst Nikis spitze Ohren nicht heraus hören konnten, worum es nun gegangen war. Letztendlich hatte sie nun noch viel mehr Fragen als zuvor.
Niki trank gerade einen Schluck von ihrem Cappuccino und verschluckte sich im gleichen Moment, als ein Mann sich auf den Stuhl vor ihr warf. Sofort sah er sich nach einer Bedienung um, hielt sie auf und bestellte Kaffee, was sogleich notiert wurde. Sein Gegenüber war viel zu baff, um aufzustehen und zu gehen. So einfach ging das mit der Bestellung, wenn der Mann nur ausreichend – ja was eigentlich war? Präsent?
Sie kannte ihn. Der gleiche Kerl hatte sie gestern gegen eine Wand gedrückt und ihr mal auf die Schnelle einen Orgasmus beschert. Einen richtig guten. Immer noch starrte sie ihn an und wusste nicht, wie sie reagieren sollte, während er sich jetzt lächelnd ihr zuwandte. Wie hatte er sie gefunden?
„Wem spionierst du denn heute nach?“, wollte er wissen und bekam nur einen finsteren Blick zugeworfen. „Hast du meinen Zettel gefunden?“
Niki beschloss, nichts dazu zu sagen und presste die Lippen aufeinander.
„Also doch. Darf ich aus dem mangelnden Rückruf schließen, dass du doch zu ängstlich bist, mit mir ins Kino zu gehen, kleiner Vorwitz?“
Die Art wie er ‚kleiner Vorwitz‘ sagte, verursachte ihr eine Gänsehaut und ein Kribbeln im Bauch. Außerdem ärgerte es sie, dass er sie für feige hielt. Sie war zwar viel kleiner als er, aber deshalb immer noch kein wehrloses Opfer für seine Frechheiten.
Bis auf den Moment, an dem ich an der Wand gelandet bin, dachte sie dennoch.
Eigentlich wäre sie jetzt besser aufgestanden und hätte ihn sitzen lassen, aber unter seinen wachen grünen Augen blieb sie sitzen wie ein Kaninchen vor einer Schlange.
Nachdem sie tief Luft geholt hatte – und er ihr auf den Busen starrte – setzte sie endlich zu einer Antwort an. „Ich bin nicht feige, aber ich habe keine Lust mit dir ins Kino zu gehen“, sagte sie würdevoll. Da, jetzt hatte sie auch dieses verräterische Wort Lust benutzt.
„Nicht? Ich fand es toll, wie du gestöhnt und dich an meinem Körper gewunden hast.“
Niki wurde flammenrot und sah sich panisch um, aber niemand hatte auf sie geachtet.
„Habe ich gar nicht!“, gab sie empört zurück, wohl wissend, dass sie gerade log. Das Bild und die Gefühle, die seine Worte in ihr hervorriefen waren nicht gerade willkommen. Auch nicht das Kribbeln, das sich jetzt zwischen ihre Beine schlich.
„Hm, lass mich raten. Du hast gerne Versteck gespielt und bist nur heraus gekommen, wenn du sicher warst, gewonnen zu haben oder jemand dich hervor gelockt hat, stimmt‘s? Dabei hast du eine Menge gesehen. Du bist eine kleine Voyeurin.“
Ihr Gesicht brannte noch mehr als zuvor. Woher wusste er das? Nun gut, das mit dem Zusehen hatte er ja persönlich erlebt, aber der Rest?
„Geh mit mir ins Kino. Dann kannst du mir beweisen, dass ich Unrecht habe, okay?“
Wie sollte sie das denn beweisen? Indem sie einfach cool den Film ansah, seine Finger von sich fern hielt und ihn dann stehen ließ? Eigentlich klang das fast nach einem Plan. Ansonsten musste sie vermutlich damit rechnen, dass er sie weiterhin verfolgte, vielleicht bis nach Hause … Wer wusste schon, was dort passieren konnte. Sie könnte ihn wegen Nachstellen anzeigen, aber das wirkte wohl ein wenig übertrieben. Dann konnte sie sich gleich selbst denunzieren, denn sie verfolgte wirklich andere Leute. Definitiv brachte er sie dazu, ziemlich durcheinander zu sein.
„Gut, ein Kinobesuch. Wann und wo?“, fragte sie scheinbar gelangweilt und räusperte sich so unauffällig wie möglich, weil die Stimme belegt zu sein schien.
„Morgen Abend um zwanzig Uhr.“ Dann nannte er ihr eine Adresse. Das war nicht das Kino, das sie kannte.
Scheinbar hatte er ihre Zweifel gesehen und fügte hinzu: „Es handelt sich um ein kleines, altes Kino. Das Flair ist wesentlich größer als in den Mulitplex-Kinos. Auf Titanic stehst du ja nicht so besonders, oder willst du den Film einmal tatsächlich sehen? Oder hältst du ihn für deinen Untergang?“
Der Kerl brachte sie immer wieder in Verlegenheit und in Wortspielereien war er auch ganz gut bewandert.
Ziemlich unbeholfen kam sie nun auf die Füße und er stand auch auf. Im gleichen Moment, als sie sich zum Gehen umwandte, griff er nach ihr, legte ihr eine Hand frech auf den Hintern, die andere an ihren Hinterkopf und küsste sie.
Es war ein Fehler von Niki, den Mund zum Widerspruch zu öffnen, denn sofort eroberte seine Zunge ihre Mundhöhle und ging dort auf die Suche, nur um sich dann ein Duell mit ihrer Zunge zu leisten. Nun wusste sie welcher Ausdruck auf ihn passte. Dominant. Er hatte keinen Funken Selbstzweifel und nahm sich was er wollte. In diesem Fall sie selbst.
„Hey Leute, nehmt euch ein Zimmer oder auch nicht, dann aber bitte so, dass ich mehr sehen kann“, rief der eine Biker rüber.
Der Bad Boy ließ endlich von Niki ab und lachte laut über die Bemerkung, während sie sich so schnell wie möglich aus dem Staub machte. Das war eine Nummer zu groß für sie.
Fast wie ein Roboter ging sie einkaufen und wunderte sich, als sie plötzlich wieder vor dem Supermarkt stand. Da sie aber einen Kassenbon in der Tasche hatte, musste sie wohl auch bezahlt haben und nicht damit rechnen, dass ihr jemand hinterher lief und sie des Diebstahls bezichtigte. Allerdings musste sie nun ein Taxi rufen, weil sie sehr viel mehr gekauft haben musste, als sie alleine zurück tragen konnte.
Bei allen Göttern. Dieser Kerl machte sie völlig konfus. Erst hatte sie ihrem Kollegen eine blutige Nase geschlagen und war an sich schreckhaft gewesen. Nun gut, es hatte sie schon immer gestört, dass ihr Mitarbeiter sich über ihre Schulter lehnte und ihr zu nahe rückte, auch wenn er das bei fast allen anderen, zumindest weiblichen Wesen, ebenfalls tat. Ab jetzt würde sie ihren Abstand gewahrt wissen, was auch etwas für sich hatte.
Nachdem alle Sachen im Kühlschrank gelandet waren und sie anschließend ihre Geldbörse auch dort fand und die Kekse neben ihren Schuhen im Regal standen, warf sie sich auf das Sofa. So ging das mit ihr nicht weiter. Ständig musste sie an den Bad Boy denken. Okay, sie würde morgen tatsächlich mit ihm ins Kino gehen und danach konnte sie ihn endlich vergessen. Dann erst fiel ihr auf, dass sie nicht einmal seinen Namen kannte.
Um sich weiter abzulenken, versuchte sie noch einmal herauszufinden, was es mit dem Club auf sich hatte, aber besonders fündig wurde sie nicht. Wahrscheinlich weil es sich tatsächlich um eine Spielhölle handelte.
Dann wollte sie die Namen eingeben, die Alieta genannt hatte, aber sie stellte fest, dass sie sich zwar an Alieta und Barbara erinnerte, aber den genannten Männernamen völlig vergessen hatte. Es war irgendetwas Englisch klingendes gewesen. Vielleicht fiel es ihr später wieder ein.
Eine willkommene Ablenkung stellte der Anruf der Bekannten da, die sie gestern versetzt hatte und die am Telefon ausführlich die Erkrankung ihrer Mutter erörterte. Normalerweise hätte Niki das langweilig gefunden, aber ausnahmsweise war sie sogar ziemlich dankbar für das neutrale Thema.
Im Fernsehen liefen scheinbar nur Liebesromanzen oder Krimis. Beides war nicht gut für sie und schließlich holte sie sich ein Buch, aber darin ging es unter anderem um Sex. Auch kein Thema für sie. Also lag sie zeitig im Bett.
Warme, leicht raue Hände glitten von hinten über ihren Busen und sie reckte sich ihnen entgegen, um sie stumm dazu aufzufordern, ihre harten Nippel fester anzufassen. Gleichzeitig fuhr eine Hand zwischen ihre Beine und begann sie dort ebenfalls zu stimulieren. Stöhnend räkelte sie sich unter den erregenden Streicheleinheiten …
Rumms. Über ihr in der Wohnung schien dem Lärm nach zu urteilen jemand aus dem Bett gefallen zu sein und Niki wurde schlagartig aus ihrem schönen Traum gerissen. Ihre Brustwarzen waren hart und berührungsempfindlich und zwischen ihren Beinen klopfte es. Ihr Unterleib fühlte sich leer an und sie schrie laut: „Scheißkerl!“
Nur er war schuld daran, dass sie sich lustvoll in ihren Träumen verlor, die ihr keine Erfüllung schenkten. Oh ja. Sie würde mit ihm ins Kino gehen, sich fürchterlich langweilen und ihn dann vergessen. Vielleicht hatte sie sich das mit dem erregenden Überfall nach der Vorstellung auch nur erträumt.
Leicht gefrustet legte sie sich wieder hin. Klong, klong, klong, ertönte es von oben und sie sah zur Decke hinauf. Sie wusste, dort oben wohnte eine ältere Frau, die sie aber noch nicht kennen gelernt hatte und die bisher immer sehr leise gewesen war.
Klong.
Klong.
Klong.
Allmählich nervte das. Klong, klong, klong. Wie kam die Frau darauf, nachts um zwei Uhr zu morsen? Dreimal kurz, dreimal lang, drei mal kurz. Moment. Das war ein SOS und Niki konnte sich nicht vorstellen, dass jemand das ohne ersichtlichen Grund tat. Nun war sie richtig wach, ihre Erregung vergessen und sie spitzte die Ohren.
Rief da nicht jemand ‚Hilfe‘?
In Windeseile war sie aus dem Bett und rannte nur im Bademantel die Treppe hinauf, klingelte an der Tür der Frau über ihrer Wohnung und horchte. Eindeutig kamen nun Geräusche von dort und sie schrie: „Halten Sie durch. Ich rufe den Rettungsdienst!“
Eilig wählte sie die Notrufnummer und erklärte die Lage. Inzwischen kam aus der Nachbarwohnung brummig ein Mann und meckerte sie an: „Müssen Sie hier draußen herumschreien? Wissen Sie nicht wie spät es ist?“
„Ihre Nachbarin braucht Hilfe, da ist es mir scheißegal, ob sie schlafen können oder nicht!“, motzte sie zurück und eilte dann die Treppe hinab, um den Sanitätern den Weg zu zeigen.
Die Polizei hämmerte an der Tür des Hauswarts bis der endlich öffnete und den Ersatzschlüssel rausrückte. Inzwischen war Niki in ihre Wohnung gehuscht und hatte sich etwas mehr als nur den Bademantel ohne was drunter angezogen. Dann stand sie in der Tür und wartete darauf, dass jemand wieder von oben runter kam.
Ein Beamter kam dann zu ihr und fragte: „Haben Sie den Notruf abgesetzt?“
„Ja, ich hoffe ihr da oben geht es besser?“
„Sie lässt Ihnen Dank ausrichten. Sie hat sich erst getraut, sich bemerkbar zu machen, nachdem Sie gerufen haben. Das hat ihr vermutlich das Leben gerettet. Schön zu wissen, dass es auch in großen Häusern doch noch Menschen gibt, die nicht nur an sich denken. Ich wünsche Ihnen eine ruhige Restnacht.“
Niki sah ihm hinterher und freute sich über das Lob. Aber hatte sie etwas gerufen? Dann ging ihr auf, dass es ein Schimpfwort gewesen war, das sie gebrüllt hatte. Nun gut. Zum einen wusste sie nun, wie dick die Decken waren und zum anderen hatte der Traum von dem Scheißkerl tatsächlich ein Leben gerettet.
Immer noch aufgedreht ging sie wieder zu Bett und nahm sich vor, die Nachbarin im Krankenhaus zu besuchen. Irgendwann schlief sie ein, nachdem es im Haus endlich wieder ruhig geworden war.
Gegen Mittag verließ sie dann das Haus, um einen Abstecher ins Krankenhaus zu machen. Von dort war es gar nicht allzu weit bis zu dem Viertel, wo der seltsame Club zu finden war. Zumindest umsehen konnte sie sich mal, vor allem würde es tagsüber ziemlich ruhig dort sein.
Frau Kruse hatte sich sehr über den Besuch gefreut und ihr persönlich dafür gedankt, dass Niki ihr das Leben gerettet hatte. Ihre Belohnung lag darin, dass sie den Haustürschlüssel in die Hand gedrückt bekam und gebeten wurde, die Blumen von Frau Kruse zu gießen. Leider konnte sie nicht Nein sagen.
Nachdem sie unterwegs etwas gegessen hatte, lief sie zu dem Industrieviertel und suchte die Adresse des Clubs.
Die fand sie auch, aber das Gelände war mit einem Zaun umgeben und am Tor war eine Kamera mit Gegensprechanlage angebracht. Wenn sie auf das Gelände wollte, musste sie über den Zaun klettern und das war ihr die Sache im Moment nicht wert. Aber so ganz konnte sie den Gedanken dennoch nicht ablegen. Vielleicht sollte sie abends noch mal wiederkommen und sehen, ob das Tor dann geöffnet war und wenn sie ganz schick war, lieb guckte und ein wenig bettelte, kam sie eventuell hinein, auch wenn sie der Gedanke an diese Art Demütigung bald umbrachte. Aber sie wollte unbedingt Henrike wiedersehen, auch wenn sie inzwischen an ihrem eigenen Motiv zweifelte.
Niki stand vor ihrem Schrank. Was sollte sie denn heute Abend anziehen? Sie wollte nicht ganz in Alltagskleidung erscheinen, aber auch nicht allzu aufgemacht, bevor sich der Typ noch was dabei dachte, das nicht in ihrem Sinne war.
Nachdenklich stand sie vor ihrem Schrank. Farbmäßig gab es da sowieso nicht viel Auswahl. Plötzlich fiel ihr ein, dass Henrike einmal mit ihr zusammen davor gestanden hatte und ganz entsetzt gewesen war. „Sag mal, hast du tatsächlich nur schwarze Klamotten? Du weißt, das ist eine Schutzfarbe und verrät eine Menge über dich?“
„Stimmt nicht. Ich habe auch dunkelblau und grau, da mein Chef es nicht akzeptiert, dass ich nur schwarz trage.“
Ihr jetziger nahm das gelassener hin, aber die neuen Kollegen frotzelten stets über sie und hatten auch schon gefragt, wo sie die Piercings und Tattoos versteckt hatte.
Viel anders sah der Inhalt ihres Schrankes auch heute nicht aus. Sie angelte sich eine schwarze Cargohose mit großen Seitentaschen hervor. Darin konnte sie ganz praktisch Schlüssel, Geld, Telefon und Ausweis verstauen. Aus einem spontanen Entschluss griff sie sich ein indigoblaues Tank-Top. Das war das hellste Oberteil, das sie hatte. Aber nach ein paar Minuten tauschte sie es doch wieder gegen ein schwarzes.
Zwar war es ziemlich Figur betonend und ließ ihren Busen gut zur Geltung kommen, was ihr etwas unangenehm war, aber der Kerl sollte ruhig wissen, was ihm entgehen würde, denn ihr Entschluss, ihn abzuservieren, stand nach wie vor fest.
Niki fuhr mit dem Bus so nah wie möglich ans Kino heran und war eine halbe Stunde zu früh dran. Laut Fahrplan würde sie für den Rückweg wahrscheinlich ein Taxi nehmen müssen. Besonders sinnvoll war die Busstrecke nicht geplant worden, fand sie, aber das Kino lag auch außerhalb und zuvor hatte sie nie davon gehört. Das hatte sie nun davon, dass sie erst so neu in der Stadt war. Vielleicht hätte sie sich erst einmal darum kümmern sollen, bevor sie völlig umsonst an der alten Fabrik herum geschlichen war.
Oder sie machte auf der Stelle kehrt und sah zu, den Bus in die andere Richtung zu nehmen. Doch so feige war sie nicht und sie wollte dem Bad Boy bestimmt nicht Recht geben, wo er doch sowieso schon glaubte, sie hätte keine Courage.
Langsam näherte sie sich ihrem Ziel und bestaunte sowohl die Größe des Parkplatzes, so wie die Tatsache, dass er völlig leer war. Heute wollte scheinbar niemand ins Kino gehen, aber einst musste es sehr gefragt gewesen sein. Interessant.
‚Lichtspielhaus‘ stand in großen Lettern über dem Eingang und sie besah sich die Schaukästen, in denen normalerweise Plakate aktueller oder zukünftiger Filme zu sehen sein sollten, aber heute waren sie leer. Hatte sie sich vielleicht geirrt und war an der falschen Adresse? Doch das konnte nicht sein.
Zögernd machte sie einen Schritt auf die Eingangstür zu und starrte auf das große Schild daran, auf dem stand: Heute Privatvorstellung.
Eine Gänsehaut lief ihr den Rücken herunter. Sollte bei so einem Event nicht der Parkplatz voller Gästeautos sein? Oder hatte der Kerl sie schlicht und einfach nur verarscht und sie blamierte sich hier bis auf die Knochen?
Unentschlossen blieb sie stehen, als ein blonder, großgewachsener Mann mit etwas zu langen Haaren und im Anzug ohne Krawatte in der Tür erschien. Er musterte sie kurz und sagte dann: „Sie müssen Nikoletta sein. Sie werden bereits erwartet.“ Dann griff er nach ihrem Arm und zog sie mehr ins Foyer als dass er sie führte.
Niki war noch viel zu sehr mit der Tatsache beschäftigt, dass er ihren vollständigen Vornamen kannte, den sie so gut wie nie benutzte, und vergaß dabei, sich zu wehren. Nur flüchtig sah sie sich in dem etwas abgenutzten Vorraum um, der ziemlich klein war. Scheinbar gab es hier aber drei Vorführräume und vor dem mit der Nummer Eins blieb er stehen, öffnete die Tür und schob sie einfach hindurch. Mit einem lauten Geräusch fiel die Tür dann hinter ihr zu.
Ihre Augen konnten sich nicht schnell genug auf das Dämmerlicht einstellen und so bekam sie erst mit, dass jemand dort gelauert hatte, als sie gepackt wurde und ihre Hände hinter ihrem Rücken gehalten worden waren. Erst in diesem Moment begann sie zu kämpfen.
„Immer mit der Ruhe, Raufbold“, lachte eine ihr bekannte Männerstimme hinter ihr, warf sie über die Schulter und verfrachtete sie vorne in der Mitte auf einen Klappsitz, typisch für alte Kinos, den er mit dem Fuß runter angelte, bevor er sie darauf setzte.
Niki versuchte ihn zu treten, aber er flankte so schnell in die Reihe hinter ihr, dass sie ihn nicht mehr traf. Dafür aber spürte sie wie ihre Hände festgebunden wurden und am Geräusch eine Kette erkannte sie, dass sie sich so einfach nicht würde befreien können. Dennoch zog und zerrte sie ohne Erfolg und merkte, dass sie nicht einmal aufstehen konnte.
Dann erst begann sie zu schreien und hatte im nächsten Moment einen Knebelball zwischen den Zähnen, der mit einem Riemen an ihrem Hinterkopf verbunden wurde.
„Wenn du gleich ganz lieb bist, mache ich ihn wieder los. Hörst du auf zu brüllen? Ich bekomme einen Hörschaden davon und hier ist niemand, den das interessiert. Kinos sind schallgeschützt. Zumindest soweit, dass du nicht laut genug sein kannst.“
Sie überlegte eine Weile, ob sie wirklich schweigen konnte, dann nickte sie aber. Sofort verschwand das unangenehme Ding aus ihrem Mund.
„Wenn du dich an meine Regeln hältst, wirst du belohnt. Wenn nicht, werde ich dich bestrafen, in Ordnung?“
„Nein, das ist ganz bestimmt nicht in Ordnung!“, protestierte sie, aber ihre Stimme zitterte. So viel zu ihren Plänen für diesen Kinobesuch. Wieso hatte sie sich in so eine böse Klemme bringen können?
Egal wie sehr sie sich den Hals verrenkte, sie konnte ihn nicht sehen, was ein fieses Gefühl hinterließ.
„Gestern habe ich eine Menge über dich gelernt. Du hast keine Probleme damit, hinter fremden Pärchen her zu schnüffeln und du lässt dich von ihren Spielen erregen. Abgesehen davon bist du an sich leicht erregbar und kommst recht schnell zum Orgasmus. Du trägst schwarz. Wusstest du, dass es eine Schutzfarbe ist?“
Mit einem Griff hatte er ihr Lederband mit dem anhängenden Stein hervor gezogen. „Siehe da. Ein schwarzer Turmalin oder auch Schörl genannt. Ein Schutzstein. Dazu trägst du deine Haare sehr kurz, um von deiner Weiblichkeit abzulenken. Ich wette, dass du das alles abstreiten wirst. Habe ich Recht?“
Niki sagte gar nichts dazu. Sie konnte ihm nicht zustimmen und sie konnte nicht leugnen, wenn sie ihm damit Recht gab.
„Du warst gestern erregt nach dem Kuss. Hast du es dir danach selbst besorgt?“
Empört schnappte sie nach Luft.
„Ich hatte gar keine Zeit und keine Gedanken frei für autoerotische Rituale. Ich habe meiner Nachbarin das Leben gerettet. Sie hatte einen Herzinfarkt und ich war die einzige, die auf ihre Hilferufe reagiert hatte“, sprudelte es aus Niki heraus.
„Es ist schön, dass du nicht nur an dich denkst, aber du lenkst vom Thema ab“, lächelte er sie an.
„Ich weiß nicht einmal wie du heißt“, stieß sie nun hervor und zappelte herum, weil er ihr Shirt hoch schob, ihre durch die Fesselung gut präsentierten Brüste aus dem BH hob und über ihre harten Nippel strich.
Diese Situation erregte sie, obwohl sie total nervös war und nicht wusste was auf sie zu kam.
„Nenn mich Master“, antwortete er auf ihre Frage von vorhin und sprang über die Sitze, sodass er neben ihr stand. Langsam näherte er sich von vorne und sie starrte ihn groß an. Er ging in die Hocke und drückte ihre Knie auseinander. Als er aber nach ihrer Hose griff, sie öffnete und am Bund zog, versuchte sie sich zu widersetzen. Das war zu peinlich, mit nacktem Oberkörper und heruntergelassenen Hose hier in einem alten Kinoraum mit roten, verblichenen Samtsesseln zu sitzen.
„Entweder lässt du dir die Sachen ausziehen oder ich nehme ein Messer und schneide sie runter.“
Er sah tatsächlich so aus als könnte er das wahr machen und nach einem unruhigen Moment völliger Verwirrung in ihrem Kopf hob sie das Becken an, damit er sie ausziehen konnte. Nachdem er ihr die Schuhe von den Füßen gestreift hatte, massierte er ihre Zehen. Das konnte er wirklich gut und es entspannte sie.
Schließlich ließ er los und zog sich ein wenig zurück und sie merkte, dass er ihre Fußgelenke irgendwo angebunden hatte, sodass sie mit weit offenem Schoß vor ihm saß. Wenn er wollte, könnte er nun den Kopf ein wenig vorstrecken und mit seiner Zunge …
„Ich habe ein paar Regeln für dich“, unterbrach er ihre erotischen Gedanken. „Du befolgst meine Befehle, ich bestimme darüber, ob du Lust oder Schmerz empfindest und meine Fragen werden beantwortet, egal ob es dir peinlich ist oder nicht. Außerdem will ich, dass du mich anguckst, wenn ich mit dir spreche. Du bist jederzeit für mich zugänglich, so wie jetzt. Hast du das verstanden?“
Niki nickte knapp und wunderte sich, dass seine Worte ein Kribbeln und Pochen in ihrem Unterleib verursachten. Sie wurde ganz feucht und lief vor Verlegenheit rot an, in der Hoffnung, er würde beides nicht merken. Aber dafür war er zu aufmerksam.
„Das muss dir nicht peinlich sein“, flüsterte er ihr ins Ohr, bevor seine Lippen ihren Mund zu einem leidenschaftlichen Kuss aufforderten. Sie öffnete sich seiner Zunge und ließ ihn ihre Mundhöhle erforschen, bevor sie zögernd ebenfalls auf Entdeckungstour ging.
Leise stöhnend nahm sie wahr, dass seine Hand ihre Brust massierte und den Nippel reizte und die andere leicht zwischen ihre feuchten Falten fuhr. Sie wurde sofort lauter als erst ein Finger, dann zwei problemlos in ihre sehnsuchtsvoll pochende Mitte glitten und sich dort bewegten.
Unbewusst bewegte sie ihren Unterleib und er erfüllte ihren unausgesprochenen Wunsch, indem er sie fester mit den Finger nahm.
„Du musst mich um deinen Höhepunkt bitten“, sagte er, aber dafür war es zu spät. Sie kam heftig und stöhnte unterdrückt.
„Ich hatte Recht“, lachte der Mann, „du bist leicht erregbar und kommst schnell. Dafür musst du dankbar sein. Anderen Frauen fällt das schwer.“
Unangenehmen Erinnerungen kamen in ihr hoch und sie sah zur Seite. Sofort ergriff er ihr Kinn und forderte sie auf: „Sag mir, was in dir vorgeht. Vergiss nicht. Regelverstöße ziehen Strafen nach sich. Eine hast du bereits.“
Niki schluckte und erzählte dann leise: „Ich hatte einen Freund. Der hat mir gesagt, ich sei wohl immer geil, sodass er mich nur ansehen musste und ich würde kommen. Frauen wie ich sollten Männern gratis zur Verfügung stehen, als lebender Beweis dafür, dass die meisten Weiber sich blöd anstellen, und das Selbstvertrauen der verzweifelten Männer wieder aufbauen.“
„Nimm es dir nicht zu Herzen. Kerle wie er sind es nicht wert, dass du darunter leidest. Was geschah mit ihm?“
„Ich machte Schluss und er gab noch eine fiese Bemerkung über meine Figur ab. Als er ging, habe ich ihm eine Holzfigur, die ich nicht leiden konnte, hinterher geworfen. Er hatte eine Platzwunde und ich bin kurz danach fort gezogen.“
„Tapferes Mädchen“, lächelte er sie an.
Ein ähnliches Gespräch hatte sie einst auch mit Henrike gehabt, die Andeutungen machte, dass sie gerne einen dominanten Mann hätte, aber keiner von ihnen ihr gewachsen war, wenn sie wieder einmal aggressiv reagierte. Allmählich kamen Erinnerungen wieder und sie fragte sich, was schief gegangen war, dass sie sich aus den Augen verloren hatten. Wenn sie solche Unterhaltungen geführt hatten, waren sie wohl mehr als Bekannte gewesen. Seit damals hatte sich Niki überlegt, wie es wohl sein mochte, einen Freund zu haben, der über sie bestimmte, war aber nie zu einem Ergebnis gekommen.
Darüber sollte sie wohl nachdenken, sobald sie wieder zu Hause war, jetzt war nicht der rechte Zeitpunkt und inzwischen fragte sie sich, ob Henrikes Begleiter nicht vielleicht der Richtige für sie war. Das hieße, Niki hätte sich in eine ziemlich peinliche Situation gebracht, die sie wiederum hierher geführt hatte, was dazu führte, dass sie sich an vergessene Dinge erinnerte und …
Die Leinwand, die viel kleiner war als die in den modernen Kinos erhellte sich und unterbrach ihre verworrenen Gedankengänge.
Es erschien eine schwere Holztür mit abgerundetem Oberteil und starken Nieten, die sie an das Mittelalter erinnerten. Als sie aufschwang, glaubte Niki nicht richtig zu sehen. Dahinter befand sich eine Folterkammer oder etwas recht Ähnliches und allmählich dämmerte es ihr, worum es sich handelte.
Nun kam ein Pärchen ins Bild. Er trug lediglich eine enge Lederhose und schwarze, breite Lederbänder an den Handgelenken. Kräftig war er und hatte etwas Bedrohliches an sich, was Niki einen Schauer der Erregung durch den Leib schickte. Die Frau hatte ein Lederband um den Hals, ähnlich wie es Henrike getragen hatte. Ihre langen, braunen Haare waren zu einem Zopf geflochten. Mit auf dem Rücken gebundenen Händen stand sie ruhig da.
Niki hatte sich noch nie einen Porno angesehen und stellte zu ihrer Verlegenheit fest, dass die Bilder auf der Leinwand sie gewaltig anmachten. Der Mann neben ihr schien das zu wissen und verstärkte ihre Erregung, indem er begann an ihren Nippeln zu zupfen, die zuvor schon fest und spitz nach vorne ragten.
Blitze schienen zwischen ihre Schenkel zu schießen und sie stöhnte wieder unterdrückt. Ihre Versuche, dieser Stimulation zu entkommen, waren durch die Fesselung völlig unmöglich. Dafür war sie einen Moment von der Leinwand abgelenkt gewesen.
Der Mann dort hatte etwas von seiner Gefährtin verlangt, was sie dazu brachte ziemlich energisch den Kopf zu schütteln. Er reagierte ziemlich gereizt und hieß sie, sich über einen Strafbock zu legen, wobei er nachhalf, weil sie auch das verweigerte.
Eine Kette wurde an dem Halsband und jenseits des Bocks an einer Öse im Boden befestigt, sodass sie mit auf den Rücken gebunden Händen und weit herausragendem Po in der Haltung verharren musste.
Sehr schnell hatte der Mann eine Gerte herbei geholt und begann sie auf ihr Gesäß zu schlagen.
Niki wusste nicht genau, was sie davon halten sollte, aber ihr Körper sprach eine eigene Sprache, zumal die Stimulation ihrer Brüste nicht aufgehört hatte. In ihrem Unterleib tobte die Sehnsucht.
Der Po der Frau war inzwischen voller roter Striemen und der Mann holte ein Kondom aus der Tasche, öffnete die Hose, zog es über und war im nächsten Moment in sie eingedrungen. Die Kamera wanderte kurze Zeit zu ihrem Gesicht und fing den Ausdruck von Ekstase ein.
Die Zuschauerin machte im selben Moment eine völlig neue Erfahrung. Mit leisem Aufschrei kam sie, ohne dass jemand den sehnsuchtsvollen Bereich zwischen ihren Beinen berührt hätte – alleine durch die Reizung ihrer Brustwarzen.
Kaum hatte sie sich von dieser Überraschung erholt, hörte sie den Mann neben sich lachen.
„Du gehörst zu den wenigen Frauen auf der Welt, die einen Mamillenorgasmus bekommen. Das ist wirklich gut zu wissen, aber nun hast du dir eine zweite Strafe eingefangen.“
Sehr schnell hatte er sie von dem Sitz befreit, ließ aber ihre Hände hinter dem Rücken gefesselt, bevor er Niki über seinen Schoß zog und ein Bein hinter ihre hakte, um sie fest zu halten. Eine Hand lag an ihrem Nacken.
Der Film auf der Leinwand war vergessen, als seine zweite Hand schmerzhaft auf ihrem Po landete.
„Warum tust du das – au – wenn es dir – au – doch gefällt? Aua!“, versuchte Niki dennoch zu fragen.
„Du hast gegen die Regel verstoßen!“
Das zunehmende Brennen ihres Hinterns verhinderte einen klaren Gedanken, aber sie spürte zusätzlich zu dem Schmerz, dass die entstehende Hitze sie immer mehr erregte. Sie rief laut: „Bitte!“, und wusste nicht, ob sie darum bat, dass er aufhörte oder sie einfach nahm.
Dann war es vorbei und er legte sie bäuchlings auf den Boden. Binnen Sekunden hatte er sich seiner Hose entledigt, zog ihr Gesäß nach oben und drang mit einem Ruck in sie ein.
„Ja, bitte, fester“, rief sie. Sie hatte jede Selbstkontrolle verloren und wollte nur noch von ihm gefickt werden.
Seine Selbstbeherrschung war inzwischen auch vorbei und so nahm er sie mit harten, langen Stößen. Fast wäre sie auf der Stelle erneut gekommen, aber unverhofft drang etwas in ihren Anus ein und der Finger, der das sein musste, lenkte sie ab, bevor sie merkte, dass auch das sie anmachte.
Seine Bewegungen in ihr wurden ruckartiger und schließlich rief er: „Jetzt, komm, ich will es spüren.“
Noch einmal rammte er sich fest in sie und diesmal brachte sie ihr eigener Orgasmus zum Schreien, so intensiv war er. Tief in ihr spürte sie, wie er das Kondom füllte.
Schließlich brach sie einfach zusammen und blieb völlig erschöpft und atemlos liegen. Ihre Arme fielen neben sie, als die Fesseln gelöst wurden und sie spürte das Gewicht des Masters auf ihr.
Alles war gleichgültig außer die tiefe Erfüllung, die Niki verspürte und bevor sie eindöste wurde ihr klar, dass sie diesem Mann verfallen war. Wahrscheinlich schon seit dem Moment, in dem er ihr ins Höschen gefasst hatte.
„Niki, nicht einschlafen“, hörte sie ihn entfernt lachend rufen. „Hey, meine Süße, du musst aufwachen!“
Von kräftigen Armen wurde sie umgedreht und blinzelte in die plötzliche Helligkeit des Raumes. Irgendwann musste der Film abgestellt und das Licht angemacht worden sein.
„Na komm. Ich helfe dir, dich anzuziehen und bringe dich nach Hause“, lächelte er sie an.
Niki selbst tat so gut wie gar nichts. Sie wollte einfach nur die Gefühle in ihrem Inneren fest halten, die gerade so angenehm waren. Ihr Spielgefährte schien das zu ahnen und nahm sie immer wieder in den Arm, wo sie sich ankuschelte und die Nähe genoss.
Sie verharrte in ihrer seligen Welt und konnte sich später weder daran erinnern, wie sie in das Auto gekommen war, noch welche Marke oder auch nur Farbe es gehabt hatte. Schließlich fand sie sich in ihrer Wohnung wieder.
„Musst du schon wieder fahren?“, fragte sie zaghaft, in der Befürchtung, für ihn könnte es nur eine schnelle, besondere Nummer gewesen sein.
„Ich will dich eigentlich jetzt nicht alleine lassen“, erwiderte er. „Manchmal können nach einem ersten Spiel viele ungewohnte Gefühle hochkommen.“
„Das ist gut“, seufzte sie erleichtert. „Wie heißt du eigentlich richtig?“
„Morgan.“
„Wieso hast du mich in dem Café gefunden?“
Er grinste und sagte: „Ich habe jemanden beobachtet, aber da ich zu spät kam, konnte ich dir etwas Zeit widmen.“
Dann sah sie sich etwas unbehaglich in ihrer Wohnung um. So besonders gemütlich wirkte sie nicht und auf diesen Gedanken war sie nicht nur alleine gekommen.
„Du wohnst noch nicht lange hier, oder?“, wurde sie gefragt, während sich Morgan den Stapel Umzugskartons besah, die in der Ecke vom Wohnzimmer standen.
„Naja, ein paar Monate“, antwortete sie ausweichend.
„Wie viele Monate?“
Niki zuckte nur die Schultern.
Morgan machte ein paar Schritte auf sie zu und wirkte auf einmal wieder sehr – dominant. „Die Regel lautet, dass du mir auf alle Fragen ehrlich und vollständig antwortest. Hast du das vergessen?“
Hatte sie, aber das konnte sie doch nicht zugeben. Ob es wirklich eine gute Idee war, ihn hier haben zu wollen?
„Wie lauten die Regeln?“, verlangte er streng zu wissen.
„Das ist meine Wohnung, hier gibt es nur meine Bestimmungen“, entgegnete sie aufmüpfig und wartete gespannt auf seine Reaktion.
Innerhalb von Sekunden und sehr viel schneller als sie das erwartet hatte, waren ihre Arme auf den Rücken gedreht und durch Druck auf ihre Kniekehlen musste sie sich nieder knien. Morgan hockte hinter ihr und bemerkte ganz ruhig: „Bist du dir sicher, dass du sie mir nicht doch nennen willst?“
Unter diesen Umständen war Nikoletta sehr schnell gewillt, sich seinen Regeln zu beugen. Es imponierte ihr sogar, dass er sich nicht von ihr beeindrucken ließ. Noch nie hatte sie mit einem Mann zu tun gehabt, der nicht nur aufgesetzt den Harten spielte, sondern von Natur aus dominant war. Selbst ihre Chefs hatte sie immer wieder ausgetrickst, wenn sie ihren Kopf durchsetzen wollte.
„Ich warte! Aber nicht mehr lange.“
„Äh, Gehorsam und hm, ich muss auf Fragen antworten. Vollständig und ehrlich antworten. Und ich muss fragen, bevor ich einen Orgasmus haben darf.“ Sofort lief sie wieder rot an und wenn sie ehrlich war, hielt sie das für unmöglich. Das ließ sich doch nicht kontrollieren!
„Weiter!“
Oh weh. Was hatte er ihr denn noch gesagt? Angestrengt dachte sie nach und der Druck auf ihre Arme erhöhte sich, sodass sie sich nach vorne beugte, um ihm zu entgehen. Der Blick auf ihre Knie gab ihr dann die Lösung für den Rest seiner Grundsätze ein.
„Ich soll die Beine nicht schließen, damit du – wie hieß das noch – hast?“
„Zugang ist das gesuchte Wort. Wie ich sehe, hast du mir doch zugehört. Hoffentlich vergisst du es nicht wieder.“
Erleichtert seufzte sie, als er endlich los ließ. So ganz war das Spiel scheinbar nicht vorbei und sie fragte sich, wie lange er Interesse an ihr haben würde. Es war kaum zu glauben, aber sie selbst wollte mehr von ihm und vielleicht auch verstehen, was Henrike an ihrem Freund fand, falls es ihr Freund war.
Morgan erhob sich und sagte zu ihr: „Bleib!“, bevor er in ihr Schlafzimmer verschwand, um sich weiter umzusehen.
„Ich bin doch kein Hund“, rief sie ihm empört hinterher, traute sich aber nicht wirklich aufzustehen und ihm zu folgen. Stattdessen blieb sie knien und hielt sogar die Arme weiter hinter ihrem Rücken. Hoffentlich guckte er sich nicht allzu genau um.
Ihre Hoffnung erfüllte sich nicht, denn bei seiner Rückkehr hielt er einen Reitgerte und ein Zaumzeug in der Hand. Das hatte in einem der Kartons gelegen und da es sie an ihr inzwischen längst verstorbenes Pferd erinnerte, war der Zaum immer mit ihr umgezogen. Im Gegensatz zu vielen anderen Dingen hatte sie ihn auch regelmäßig gepflegt. Aber die Kartonbeschriftung hätte sie sich vielleicht sparen sollen, aber sie konnte ja nicht ahnen, dass jemand schamlos darin herum wühlen würde.
„Sieh mal an. Sogar in deiner Wohnung findet sich Spielzeug“, grinste Morgan sie an.
„Das möchte ich erst gar nicht ausprobieren“, entfuhr es ihr sogleich entsetzt und sie musste an die Striemen der Frau im Film denken.
„Wer weiß, vielleicht wirst du mich ja mal darum bitten oder gar anflehen“, erwiderte er optimistisch. „Ich freue mich aber darüber, dass du mir gehorcht hast. Wie wäre es mit einer Dusche?“
Das klang sehr verlockend, denn Niki fühlte sich schmutzig und verklebt. Deshalb nickte sie begeistert. „Darf ich jetzt wieder aufstehen?“
„Du lernst schnell. Ja, du darfst dich erheben.“
Zum Glück fing er sie auf, als sie beim Aufrichten ins Stolpern geriet.
„An deiner Eleganz und Beweglichkeit müssen wir aber noch arbeiten“, lachte er sie aus und ignorierte ihre Schmolllippe.
Beim Ausziehen dachte Niki über die seltsam schnelle Entwicklung dieser Beziehung, wenn es denn eine war, nach. Ihre Bekanntschaft mit Morgan konnte sie noch in Stunden rechnen und dennoch wollte sie mehr von ihm. Dabei war sie eher altmodisch gewesen und mochte es, umgarnt zu werden, bevor sie nachgab. Davon war hier keine Rede gewesen. Aber ihr Ex hatte sich zu Anfang besonders viel Mühe gegeben mit ihr und hatte sich letztlich als absolutes Arschloch entpuppt.
„Worüber denkst du nach?“, wollte Morgan wissen und trat zu ihr ins Badezimmer.
Darüber, dass ich eigentlich nicht von der schnellen Truppe bin, was Männer anbelangt“, erwiderte sie ehrlich, unabhängig von seinen Regeln. „Hoffentlich gewinnst du keinen falschen Eindruck von mir.“
Er nahm sie einfach in den Arm und hielt sie eine Weile fest. „Du hast mich vom ersten Moment an interessiert. Deine Neugierde, deine Hartnäckigkeit die Pärchen zu betrachten und dein Entsetzen, als du gemerkt hast, was die wirklich tun, außer den Film anzusehen.“
Niki wurde wieder einmal rot. Das wurde allmählich zur Gewohnheit. „Das habe ich zuvor noch nie getan“, verteidigte sie sich. „Die eine Frau erinnerte mich an jemanden, den ich gekannt habe.“ Zumindest war das halbwegs die Wahrheit und er fragte nicht mehr nach.
Stattdessen ging er einmal um sie herum, nachdem sie völlig unbekleidet war. Sie stand ruhig da, wenn ihr Herz auch ziemlich schnell schlug, und ließ sich betrachten, wofür er sich sehr viel Zeit nahm.
„Du hast einen wunderschönen Körper und er lädt regelrecht dazu ein, ihn zu liebkosen, zu lieben und ihn zu züchtigen“, sagte er im Anschluss anerkennend.
Niki lief ein Schauer zwischen Erregung und Angst über den Rücken. Liebkosen klang gut und züchtigen schrecklich. Dennoch musste sie an die Erregung denken, die sie überfallen hatte, während er sie auf den Po geschlagen hatte. Auch jetzt noch war er rot und empfindlich.
Nachdem er sich seiner Klamotten entledigt hatte, betrachtete sie ihn auch und sein kräftiger Körper, der nicht übermäßig Muskel bepackt war, gefiel ihr sehr.
Sie überredete die alte Dusche, das Wasser mit einer angenehmen Temperatur auszuspucken und schlüpfte darunter. Morgan folgte ihr und zeigte wortlos, aber ziemlich gebieterisch auf die Duschtasse. Verwirrt sah sie ihn an, bis ihr aufging, dass sie sich vor ihn knien sollte. Schon wieder. Ihre Knie fanden das inzwischen reichlich ungewohnt, aber ein Blick auf sein Gesicht ließ sie gehorchen.
Jetzt ging ihr auf, er wollte bestimmt, dass sie ihm einen ordentlichen Blowjob verpasste, denn sein Glied war fast vollständig aufgerichtet und sie freute sich regelrecht darauf, ihn schmecken zu dürfen.
Nur als sie die Hände hob, schüttelte er den Kopf und sie nahm sie hinter den Rücken, woraufhin er ihr die nassen Haare aus dem Gesicht strich. Mehr Ermunterung brauchte sie nicht.
Dankbar nahm sie wahr, dass er vollständig rasiert war und saugte vorsichtig einen seiner Hoden in den Mund, den sie mit der Zunge massierte. Für einen Moment spannte er sichtbar die Beinmuskeln an und sie fühlte sich bestätigt.
Mit den Zähnen knabberte sie sich behutsam von seiner Peniswurzel bis zu seiner Eichel, die sie dann so tief es ging in den Mund nahm und daran saugte. Innerlich grinsend nahm sie wahr, dass er sich gegen die Wand lehnte und die Beine spreizte, obwohl sein Blick weiter auf ihr lag.
Sie hatte eine hohe Reizschwelle, was das Würgen anbelangte, und nahm ihn noch tiefer in den Mund, sodass er leise stöhnte. Mit der Zunge schnalzte sie gegen die kleine Öffnung an seiner Spitze, nachdem sie sich wieder zurück gezogen hatte. Instinktiv stieß seine Hüfte nach vorne und sie umkreiste ihn, bis sie ihn wieder mit einem Ruck tief in den Mund nahm und das mehrfach wiederholte.
Er überließ ihr vollkommen die Führung und schließlich spürte sie, dass er nicht mehr weit entfernt von seinem Höhepunkt war und forcierte ihre Reizung auf ihn. Mit einem Aufschrei kam er, entzog sich ihr jedoch, sodass er in ihr Gesicht spritzte, während sie ihn wieder mit den Zähnen am Schaft reizte.
Endlich schien er wieder zu Atem zu kommen und sagte: „Das war absolut fantastisch. Ich danke dir für das Erlebnis.“ Dann nahm er sie in den Arm und gab ihr einen seiner süchtig machenden Küsse, bevor er sie und sich gründlich wusch.
Gewaschen worden war sie auch noch nie und genoss dieses Erlebnis.
Gähnend machte sie noch etwas zu Essen, weil sie Hunger hatte und gemeinsam beseitigten sie die belegten Brote. Wie gut, dass sie zu viel eingekauft hatte, so als ob ihr Unterbewusstsein ihr eine Botschaft hatte schicken wollen.
Nachdenklich betrachtete sie ihn immer wieder und versuchte auszuloten, warum er sie so im Sturm erobern konnte, obwohl sie normalerweise sehr viel zurückhaltender war.
„Worüber grübelst du?“, wollte er wissen. Ihm entging auch gar nichts.
„Über dich denke ich nach. Was dich an mir interessiert, warum überhaupt ich es bin und was nun weiter geschieht.“
„Das ‚Warum‘ habe ich dir bereits erklärt und es geschieht das, was wir beide wollen.“
„Woher wusstest du, dass mir die Sache mit dem Kino gefallen könnte oder der Film und … äh, alles andere.“
„Die Pärchen trugen ziemlich auffällige Accessoires, die dich weder zum Lachen gebracht haben, noch besonders schockierten. Stattdessen schien dein Vorwitz stärker zu sein als alles andere und das änderte sich auch nicht bei den Spielereien. Also dachte ich mir, dass du nicht völlig abgeneigt bist und im Eiscafé hast du gleich weiter gemacht. Es blieb zwar ein Restrisiko, aber wie es scheint, habe ich dir eine neue Welt eröffnet.“
„Da wusstest du mehr als ich. Aber scheinbar lagst du richtig. Soll ich deshalb reden, damit du merkst, falls du falsch liegst oder etwas fehlinterpretierst?“, wollte Niki wissen.
„Unter anderem auch das. Leider zeigt die Erfahrung, dass unausgesprochene Dinge ein Eigenleben entwickeln können und schlimme Folgen haben können, wie Zusammenbrüche oder Ähnliches. Durch Ehrlichkeit lässt sich das vermeiden. Gerade in der Kennenlernzeit ist das besonders wichtig und bei Neulingen sowieso.“
Nikoletta nickte verstehend. Das machte Sinn für sie, aber mehr konnte sie nun nicht mehr aufnehmen und sie entschloss sich nach dem nächsten Gähnen, ins Bett zu gehen.
„Ich bin müde und möchte schlafen gehen. Willst du noch etwas anderes tun? Fernsehgucken oder Musik hören?“ Irgendwie kam sie sich blöd vor, aber es war so lange her, dass ein Mann bei ihr übernachtet hatte, dass sie gar nicht genau wusste, wie sie vorgehen sollte. Abgesehen davon, war noch nie jemand bei ihr geblieben, den sie eigentlich nicht kannte.
Sie fragte sich, was sein seltsames Grinsen bedeutete, als er sagte: „Ich komme mit.“
Morgan sah sich noch einmal in ihrem Schlafzimmer um und fragte dann: „Magst du Antiquitäten?“
Ihr Blick ging vom breiten Jugendstilkleiderschrank über die dazu passende Kommode, die alle Umzugsunternehmen immer zur Verzweiflung brachten, und nickte dann. In ihrer Küche hatte sogar noch ein Buffetschrank aus der gleichen Epoche Platz gefunden.
„Ich mag nicht alles, aber einige Dinge schon“, antwortete sie. „Warum fragst du? Magst du keine alten Sachen?“
Lachend antwortete er: „Ich verkaufe Antiquitäten. Wenn ich die nicht mögen würde, wäre mein Beruf völlig falsch gewählt. Bei uns liegt das Interesse daran in der Familie.“
Nun lachte auch Niki. Sie war schon mehr als einmal gefragt worden, warum sie den alten Plunder immer mit umzog.
Nackt schlüpfte sie unter die Decke, die er aber gleich wieder fort zog und ihr befahl: „Halt dich am Kopfgitter fest und spreiz die Beine weit.“ Da war wieder dieser Umschwung seiner Stimmung vom netten Kerl zum herrschsüchtigen Master. Nun ging ihr auch auf, warum er diese Bezeichnung genannt hatte. Es war kein Witz gewesen.
„Ich bin müde. Können wir das nicht auf morgen verschieben“, versuchte sie es dennoch und bekam eine Gänsehaut als sein Lächeln gemein wurde.
„Das glaube ich nicht.“ Der Tonfall verhieß nichts Gutes und klang wie unverhüllter Stahl.
Da es vermutlich länger dauern würde, mit ihm zu streiten und unvorhergesehene Konsequenzen haben könnte, entschied sie sich dafür zu gehorchen und legte die Hände an die gewünschte Stelle und zog die Beine an. Das war peinlich, aber bevor sie es sich anders überlegen konnte, hatte er sich dazwischen gelegt und das Kinn auf ihren Unterleib gelegt.
„Braves Mädchen. Das nächste Mal gehorchst du ein wenig schneller, aber für heute werde ich auf eine Strafe verzichten, weil du noch neu auf dem Gebiet bist. Jetzt werde ich mal ausprobieren, wie schnell du kommst, wenn du schon mehrere Orgasmen hattest und müde bist.“
Ich bin doch kein Versuchsobjekt, dachte Niki empört und spürte dennoch, dass seine Worte sie erregten.
„Vergiss nicht, rechtzeitig zu bitten“, ergänzte er noch seine Unverschämtheiten und sie biss sich auf die Lippe, um nicht doch noch zu protestieren.
Morgan spreizte ihre Schamlippen und leckte sanft an den großen Labien, um sich dann zu den kleinen vorzuarbeiten. Niki spürte, wie sie sehr schnell immer feuchter wurde unter seiner erfahrenen Zunge. So intensiv hatte sie das noch nie empfunden und stöhnte laut als er unvermittelt an ihrer Klitoris saugte.
Sie wäre froh gewesen, wenn sie es diesmal wieder schnell zum Höhepunkt geschaffte hätte, aber er hielt sie immer wieder hin und spielte mit ihrer Lust wie nie jemand zuvor. Er brachte sie fast zum Wahnsinn und schließlich flehte sie ihn an: „Bitte, bring es zu Ende. Ich halte das nicht mehr aus.“
Ein dunkles, selbstzufriedenes Lachen drang an ihr Ohr, aber noch tat er ihr den Gefallen nicht. Stattdessen begann er gleichzeitig ihre Brüste zu stimulieren und brachte sie noch näher an den ersehnten Orgasmus heran.
„Bitte, bitte, darf ich endlich kommen?“, flehte sie, während sich ihr Körper von ganz alleine unter ihm wand.
„Ich zähle bis drei, wenn du es dann nicht schaffst, gibt es keinen mehr“, sagte er rau. „Eins – zwei …“
In diesem Moment schien es Niki zu zerreißen und ihr ganzer Körper zuckte und bebte so heftig, dass sie nicht einmal einen Ton hervorbringen konnte. Er ließ auch nicht von ihr ab, bis sie sich nach endlosen Zeiten endlich beruhigte. Falls er noch etwas mehr von ihr hatte haben wollen, bekam sie es nicht mehr mit. Sie schlief sofort ein.
Am nächsten Morgen erwachte sie und beim Recken spürte sie Muskelkater. Das fand sie nicht weiter ungewöhnlich, da sie völlig aus der Übung war. Ein leichtes Gefühl des Wundseins war auch zu erwarten gewesen, aber darüber hinaus hatte sie den Eindruck, es würde noch etwas nicht stimmen. Sie tastete Richtung ihrer Scham und schoss senkrecht in die Höhe.
Gleichzeitig stellte sie zwei weitere Tatsachen fest. Einmal musste ihr Schlaf wirklich, wirklich tief gewesen sein und zum Zweiten handelte Morgan so eigenmächtig, als würde sie ihm gehören. Ihre Finger tasteten nackte Haut, sehr viel davon. Während sie geschlafen hatte, hatte er sie rasiert. Vermutlich hatte er den Ladyshaver im Bad gefunden, mit dem sie ihre Beine und Achseln enthaarte. Sie konnte nur von Glück reden, dass sie keinen Epilierer herum liegen hatte. Allerdings hätte sie den nicht verschlafen.
Bei genauerem Überlegen fand sie den neuen Look doch nicht so schlecht. Alles fühlte sich viel intensiver an und sie hatte das immer mal ausprobieren wollten, sich jedoch nicht getraut, aber trotzdem … Wo war der Mistkerl?
Wie gerufen kam er gerade ins Schlafzimmer stolziert.
„Gut geschlafen? Steh auf, ich dusche dich“, lächelte er sie an.
„Ich kann selbst duschen. Was soll das hier?“ Demonstrativ zeigte sie auf den nackten Bereich zwischen ihren Beinen.
„Sieht schick aus und ich verspreche dir, die neue Gefühlsvielfalt wird dir gefallen.“
„Das ist aber immer noch mein Körper und ich bestimme, was damit geschieht!“
Dieses Lächeln kannte sie schon. Wie konnte er nur in wenigen Sekunden von nett auf böse umschalten?
Kommentarlos griff er nach ihr und zog sie aus dem Bett Richtung Bad, auch wenn sie versuchte, die Füße in den Boden zu stemmen. Stattdessen flog sie an seine Brust, als er plötzlich stehen blieb.
„Du vergisst die Regeln, Vorwitz. Ich bestimme und deine Lust, dein Schmerz und alles andere liegen in meinen Händen. Präg es dir ein. Für deine Widerborstigkeit werde ich dich noch bestrafen.“
In Niki tobten zeitgleich eine Menge Gefühle. Eigentlich hätte sie am liebsten lautstark protestiert, aber das schien gerade nicht sehr ratsam zu sein. Außerdem lief ein erwartungsvolles Kribbeln durch ihren Körper, selbst wenn der Gedanke an Strafen sie verunsicherte.
Wieder wusch er sie unter der Dusche und trocknete sie auch ab, bevor er Niki zu ihrem Schrank führte und begann, darin herum zu wühlen.
„Ich kann mich schon alleine anziehen. Ich bin ein großes Mädchen“, sagte sie und versuchte ihn vergebens von ihrer Wäsche fern zu halten.
„Bei nächster Gelegenheit werde ich dir etwas Neues kaufen“, bekam sie nur zur Antwort.
„Das musst du nicht. Auch das kann ich alleine“, protestierte sie nun energischer.
„Warum tust du es dann nicht?“
Jede Diskussion schien zwecklos, wenn er sich so stur stellte.
Schließlich zog er einen Rock hervor, von dem Niki gar nicht gewusst hatte, dass er noch existierte, sich aber sehr wohl erinnerte, dass er ihr nur bis zu den Knien ging. Ein BH folgte, der sich vorne öffnen ließ und das indigofarbene Shirt.
Die Sachen drückte er ihr in die Hand und befahl: „Anziehen, wir gehen jetzt frühstücken.“
„Hast du nicht etwas vergessen?“, fragte sie und starrte auf die drei Teile.
„Nicht dass ich wüsste.“
„Ein Slip fehlt.“
„Das sehe ich anders. Wenn du in fünf Minuten nicht fertig bist, erfolgt die Strafe sofort und du gehst nackt aus dem Haus.“
Ihr lag es auf der Zunge zu sagen, dass das nicht sein ernst sein könnte, aber sein Gesichtsausdruck ließ sie verstummen. Wütend zog sie die Kleidungsstücke über und zerrte am Rocksaum, der dennoch nicht länger werden wollte. Dabei warf sie ihm böse Blicke zu, auf die er nur mit einem zufriedenen Grinsen antwortete.
Niki verlegte sich aufs Jammern. „Ich kann nicht ohne Höschen gehen. Schon mal gar nicht in die Öffentlichkeit.“
„Können kannst du schon. Du bist es nur nicht gewöhnt und daran werden wir nun arbeiten.“ Mit diesen Worten zog er sie aus der Wohnung, steckte ihren Haustürschlüssel ein und legte dann seinen Arm um ihre Hüften, um sie Richtung Innenstadt zu dirigieren, während sein Wagen vor dem Haus stehen blieb.
Heute war es so warm, dass Niki wirklich keine Jacke brauchte und nur ein leiser Wind ging, der ihr aber ständig unter den Rock zu fahren schien, was sie völlig irritierte.
Schließlich kamen sie an einem Café an, wo sie sich draußen hinsetzten. Sofort wollte Niki ihre Beine übereinander schlagen, aber Morgan hinderte sie daran.
„Du vergisst die Regeln schon wieder. Deine Zugänglichkeit wird auch hier gewahrt!“, ermahnte er sie und drückte ihre Beine auseinander.
Niki lief rot an, als sich am Nachbartisch kurz jemand umdrehte, dann aber wieder fort sah.
„Jeder guckt mir zwischen die Beine“, zischte sie ihren Begleiter an.
Morgan tauchte unter dem Tisch ab und beim Aufrichten teilte er ihr breit grinsend mit: „Nein, da ist immer noch genügend Stoff, der alles verdeckt. Du wirst es erfahren, wenn ich deinen Anblick mit anderen teilen möchte.“
Somit war Niki plötzlich sprachlos. Ihr Kopfkino begann alle möglichen Filme abzuspielen, in denen sie fast nackt war und fremde Leute sie begafften.
Während sie noch damit beschäftigt war, sich alles Mögliche auszumalen, kam der Kellner und nahm Morgans Bestellung für sie beide auf. Seine Hand lag zwischen ihren Beinen, damit sie diese nicht schloss und Niki traute sich nicht, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen.
„Entspann dich. Es ist alles in Ordnung“, amüsierte sich Morgan und bekam erneut einen vorwurfsvollen Blick zugeworfen. „Wen glaubtest du im Kino vor dir gesehen zu haben?“, fragte er dann. „War es deine Bekannte und wenn ja, warum hast du sie nicht angesprochen?“
Diese Fragen lenkten Niki erfolgreich ab. Warum sollte sie es ihm nicht erzählen?
„Meine Bekannte oder Freundin heißt Henrike. Wir waren früher einmal Arbeitskolleginnen, aber dann sind wir beide mehrfach umgezogen und haben den Kontakt zueinander verloren. Als ich dachte, ich sehe sie im Kino, wollte ich gleich auf mich aufmerksam machen, aber sie benahm sich so völlig anders als früher, dass ich dachte, ich muss mich irren.“
„Inwiefern anders?“
„Naja, sie war früher zu Männern biestig und im Kino wirkte sie eher unterwürfig. Obwohl sie Popcorn hasst, aß sie es, als der Mann es ihr gab. Abgesehen davon fand ich den Mann recht seltsam. Daher hatte ich beschlossen, sie zu beobachten. Henrike trägt ein Halsband und das hat mich auch verunsichert. Ich konnte ja nicht ahnen, dass die beiden Paare im Kino solche Dinge wagen. Dass es tatsächlich Henrike war, wusste ich erst, als ihr Begleiter nach ihr rief, weil das Taxi kam. Ich wollte auf mich aufmerksam machen, war aber nicht schnell genug. Dann warst du da!“
„Früher war sie anders, sagtest du?“
„Ich denke, sie wollte sich einen Mann suchen, der sich nicht von ihr ins Bockshorn jagen ließ. Scheinbar hat sie den gefunden. Schade, ich hätte gerne gewusst, was sie sonst noch so macht, aber ich weiß ja nicht, wo sie wohnt oder arbeitet. Unter ihrem Mädchennamen habe ich sie nicht gefunden und das Taxi fuhr zu einem Club, über den ich nichts raus bekomme.“
Herrje. Niki verstummte, denn über den Club hatte sie nicht sprechen wollen.
„Du hast dem Taxi hinterher spioniert und heraus bekommen, wohin es fuhr?“, hakte Morgan nach und sie nickte verlegen „An dir ist ja eine Privatdetektiv verloren gegangen.“
„Ich lese zu viele Krimis. Naja, da sich Henrike so seltsam benahm, hatte ich eben so Gedanken, dass sie in falschen Händen sein könnte.“
„Immerhin bist du nicht gleichgültig, was andere Menschen anbelangt. Du hättest ja auch denken können, sie ist erwachsen und wieder gehen oder ähnliches. Stattdessen hast du dir Sorgen gemacht und alles Mögliche versucht, um sie zu finden. Genauso hast du dich um deine Nachbarin bemüht und das mitten in der Nacht. Das sind wunderschöne Eigenschaften.“
Niki sah ihn mit großen Augen an. So hatte sie das noch nie gesehen und lächelte ihn an, denn dieses Lob tat ihr gut. Abgesehen davon hatte er ihr tatsächlich zugehört, als sie von der alten Frau berichtete.
„Oh weh. Ich muss noch ihre Wohnung lüften und Blumen gießen“, rief sie aus.
„Genau das meine ich. Selbst jetzt noch denkst du an sie. Wenn du dich mit dem gleichen Eifer an die Regeln hältst, ist alles in bester Ordnung.“
Es war ja klar, dass er etwas finden würde, das ihr die Laune verhagelte. Viel von ihrem Frühstück hatte sie irgendwie nicht mitbekommen. Da aber alles leer und ihr Magen voll war, musste sie wohl gegessen haben.
Danach gingen sie Richtung Park und Morgan nahm sie an die Hand. Zwei Frauen, die in etwa Nikis Alter hatten, sahen ihn begierig an und sie freute sich diebisch darüber, dass er ihnen nicht einen Blick schenkte. Eigentlich kannte sie ihn noch nicht richtig und seine Regeln gingen ihr furchtbar gegen den Strich und dennoch fühlte sie sich ihm verbunden, wie nie einem Mann zuvor. Was würden ihre Eltern zu ihm sagen? Danach hatte sie noch nie gefragt und jetzt fing sie damit ganz sicher nicht mehr an.
Erst schlenderten sie über die Parkwege und allmählich vergaß Niki ihr Unbehagen. Lachend betrachtete sie ein paar Kinder, die auf einer Wiese Fangen spielten, während sich die Mütter in der Nähe niedergelassen hatten. Auf dem Teich schwammen ein paar Enten und ein ganz kleines Mädchen bemühte sich, Brotstückchen zu ihnen zu werfen, wobei sie vom Vater festgehalten wurde, damit sie sich nicht gleich selbst ins Wasser warf.
Einige andere Pärchen begegneten ihnen, die aber nichts um sich herum wahrzunehmen schienen, ganz im Gegensatz zu Niki. Morgan sah sie immer wieder an und schien sich darüber zu freuen, dass sie ihren Spaß hatte. Allerdings war da auch ein Funkeln in seinen Augen, das sie etwas verunsicherte.
Vor lauter Gucken hatte sie kaum gemerkt, dass er den Weg verlassen hatte und sie nun in einen Bereich des Parks führte, wo ziemlich alte Bäume eine Art Hain bildeten.
Kaum waren sie nicht mehr zu sehen, drückte Morgan sie bäuchlings gegen einen Baumstamm und hielt ihre Hände hinter ihrem Rücken fest. Mit einer Hand hatte er binnen Sekunden geschickt ihren BH geöffnet und knetete die Hügel bis sich die Nippel hart aufrichteten.
„Hör auf, hier kann uns jeder sehen“, rief sie entsetzt.
„Sehen kann uns niemand, aber hören, wenn du weiter so schreist“, flüsterte er ihr ins Ohr. Hast du es noch nie im Freien getrieben?“
Nein, das hatte sie nicht, denn sie könnte ja erwischt werden. Dennoch wurde ihr klar, dass er nicht aufhören würde und je eher sie nachgab, desto schneller ging es, und die Gefahr, gesehen zu werden, würde nachlassen. Abgesehen davon hatte sie schon länger gespürt, dass sie erregt war, alleine durch den fehlenden Slip.
Das fand Morgan auch sehr schnell heraus, als er den Rock hochschlug und seine Hand ihre warme Nässe ertastete.
„So mag ich es. Zugänglich und bereit“, brummte er ihr ins Ohr und versenkte seine Finger in ihr, so dass sie laut stöhnte. „Stütz dich am Baum ab.“
Sie folgte seiner Aufforderung und er intensivierte seine Bemühungen, sie weiter zu erregen. Dann hörte sie das Geräusch einer Kondomverpackung, die aufgerissen wurde und im nächsten Moment war er mit einem kräftigen Stoß in sie eingedrungen.
Scheinbar hatte seine Selbstbeherrschung auch ein Ende gefunden und er nahm sie heftig, wobei er mit einer Hand weiterhin eine Brust reizte. Sie spürte, dass sie nicht lange brauchen würde und stemmte sich ihm entgegen.
„Vergiss es nicht“, knurrte er und bewies, dass er auch in der heftigsten Erregung seine Regeln nicht vergaß.
Niki bekam das nur noch am Rand mit und mit dem nächsten Stoß wurde sie von ihrem Orgasmus durchgeschüttelt. Dabei vergaß sie sogar ihre Umgebung und schrie laut. Morgan folgte ihr sofort ins Reich der höchsten Lust und explodierte tief in ihrem Inneren.
Es dauerte eine ganze Weile bis sie beide wieder zu Atem gekommen waren und er eine Minipackung Feuchttücher hervor kramte, damit sie sich etwas säubern konnte. Dann sagte er ganz ruhig: „Du hast ein ziemlich kurzes Gedächtnis oder hast du meine Anweisung mit Absicht ignoriert?“
„Welche … Oh“, antwortete sie. Daran hatte sie wirklich nicht gedacht und hatte auch kein Interesse daran, immer an seine Regeln zu denken, wenn sie kurz vor dem Höhepunkt stand. „Du verlangst zu viel von mir“, meckerte sie.
Im nächsten Moment hatte er sie mit sich zum Boden gezogen und legte sie über ein aufgestelltes Bein, um ihr dann den Po zu versohlen. Wieder vergaß sie alles um sich herum und schrie und zappelte bei jedem Schlag, was ihr aber nicht half. Ihre Sitzfläche brannte wie Feuer und die Tränen liefen ihr über die Wangen, nachdem er endlich aufhörte.
„Das dürfte deinem Gedächtnis das nächste Mal auf die Sprünge helfen“, erklärte er ihr ruhig wie immer.
Als sie jedoch vor ihm zurück wich und ihn ängstlich ansah, nahm er sie in die Arme und hielt sie fest bis sie sich beruhigt hatte. Diese Lektion würde sie mit Sicherheit nicht vergessen und ihre Angst verflog binnen Minuten. Er war hart zu ihr, aber allmählich fand sie Gefallen an dem Spiel, wenn auch nicht an dem Teil mit der Strafe.
Sie verbrachten auch den Rest des Tages zusammen. Dann verabschiedete sich Morgan und gab ihr noch einmal seine Telefonnummer. Am nächsten Tag mussten sie beide arbeiten gehen und einen festen Termin, wann sie sich wiedersehen würden, machten sie nicht aus, aber Morgan versprach ihr, sich bald zu melden und verlangte, dass sie sofort Bescheid sagen sollte, wenn sie merkte, sie hatte Probleme, das Erlebte zu verarbeiten.
Niki ging noch die Blumen von Frau Kruse gießen und fiel abends nur noch in ihr Bett. Wieder schlief sie tief und fest bis der Wecker sie aus süßen Träumen weckte.
Ihr erster Gedanke galt wieder dem Mann mit dem sie das intensivste Wochenende verbracht hatte, an das sie sich erinnerte. Sie konnte ihn gar nicht fortdenken, obwohl ihr Po immer noch die Spuren seiner Hände trug und deutlich zu spüren war, sobald sie sich setzte.
Die Tage vergingen ziemlich schnell, weil Niki bei der Arbeit kaum zum Nachdenken kam. Die Abende waren hingegen ziemlich einsam und sie telefonierte immer zumindest kurz mit Morgan, was aber irgendwie keinen Ersatz darstellte.
Dafür hatte sie Frau Kruse noch einmal besucht und der alten Dame versichert, dass sie sich gut um die Pflanzen kümmerte und sogar einen Dünger besorgt hatte, damit sie getröstet waren und gut wuchsen.
Endlich war Freitag und sie wusste dennoch nicht, wie ihr Wochenende verlaufen würde. Das machte sie ziemlich hibbelig und immer wieder sah sie blicklos auf ihre Akten. Ihr Kollege machte seit der letzten Woche immer einen Bogen um sie, was sie erleichtert aufnahm. Immerhin hatte sie ihm jedoch nicht die Nase gebrochen und montags war auch nichts mehr zu sehen gewesen.
Während sie überlegte, wie sie den Brief zur Akte vor sich aufsetzen sollte, ohne dem Verkäufer auf die Füße zu treten und dennoch ihren Willen durchzusetzen, hatte sie die Beine übereinander geschlagen und reckte sich nun ausgiebig. Dieses Schreiben noch und sie hatte frei. Plötzlich wurden ihre Hände über ihrem Kopf fest gehalten und sie hörte jemanden sagen: „Hallo Vorwitz. Wann hast du Feierabend?“
„Morgan! Wie kommst du denn hier rein?“, rief sie erfreut und ihre Kolleginnen und Kollegen wandten sich dankbar der interessanteren Begebenheit um Niki zu.
„Durch die Tür“, lächelte er sie an und beugte sich zu ihr hinunter. „Du leidest unter dem Schwund deiner Erinnerungen“, flüsterte er ihr zu und legte eine Hand auf ihre Knie, die immer noch übereinander lagen.
Niki wurde wieder knallrot und löste ihre Beine voneinander. Erschrocken sah sie sich um und natürlich sahen alle zu ihr hinüber, ganz unauffällig natürlich.
„Ich muss noch den Brief hier schreiben, dann habe ich frei“, sagte sie hastig. „Warte doch draußen auf mich. Ich beeile mich.“ Hauptsache er verschwand und die anderen beschäftigten sich mit ihrem Kram. Warum waren die denn noch nicht nach Hause gegangen?
Nach einem Kuss auf ihren Nacken antwortete er: „Ich warte auf dich.“ Sein Tonfall ließ keine Zweifel daran, dass ihm das ernst war und er nicht gehen würde.
Scheinbar beflügelte die Situation Nikis Geist, denn endlich fiel ihr ein, was sie schreiben könnte und ihre Finger flogen nur so über die Tastatur. Dann legte sie den Brief zu den anderen in den Unterschriftenordner und brachte ihn fort.
Eine Kollegin hielt sie kurz auf und flüsterte ihr zu: „Der Kerl ist wirklich heiß. Wenn du ihn nicht mehr willst, sag mir Bescheid.“
„Du würdest dich wundern“, entgegnete Niki und setzte diese Frau auf die Liste ihrer persönlichen Abneigungen.
Aber nicht nur die hatte Interesse an Morgan. Auch eine andere, die gar nicht in dieser Abteilung arbeitete, machte sich an ihn heran und hielt sich nicht nur mit Sprüchen auf.
Doch noch bevor Niki herangekommen war, veränderte sich seine Haltung, wie sie es schon häufiger erlebt hatte und damit kam die blöde Pute nicht klar und wich verwirrt zurück, obwohl er kaum drei Worte mit ihr geredet hatte. Niki hätte doch zu gern gewusst, was er gesagt hatte.
„Schönes Wochenende rief sie in die Runde und ließ sich dann von Morgan hinaus führen.
„Was wollte die Frau von dir und womit hast du sie in die Flucht geschlagen?“, fragte sie, kaum dass sie draußen waren, im möglichst beiläufigen Tonfall.
„Kleiner Vorwitz. Die Sache ist vorbei, warum sollte ich darüber sprechen? Oder wirst du vor Neugierde sterben, wenn ich nichts sage?“, lachte Morgan sie aus.
Genau dieses Gefühl hatte sie, aber zugeben würde sie es bestimmt nicht. Stattdessen wollte sie wissen: „Was machen wir jetzt?“
„Ich habe eine Überraschung für dich. Steig ein.“ Galant hielt er ihr die Beifahrertür seines silberfarbenen Toyotas auf. Kaum saß sie und er war hinter das Steuer gerutscht, setzte er hinzu: „Aber vergess nicht, eine Strafe wartet dennoch auf dich. Auch wenn ich nicht immer da bin, sollst du dich an die Regeln halten.“
Niki warf ihm einen bitterbösen Blick zu, hielt aber den Mund. Sie war viel zu neugierig, welche Überraschung er für sie hatte, als dass sie es riskieren wollte, ihre Strafe gleich jetzt zu empfangen. Inzwischen war ihr klar, dass er davon nicht abweichen würde und auch, dass er sie in Sphären höchster Lust führen konnte.
Schließlich hielt er etwas außerhalb an einer Villa an, die ganz hinten in einer Straße voller ähnlicher Gebäude stand und direkt an den Wald reichte.
Kaum hatten sie angehalten, drehte sich Morgan zu ihr hin. „Hier wohne ich und hier arbeite ich – zusammen mit meinem Bruder und seiner Freundin, die unsere Auszubildende ist. Du lernst sie gleich kennen und auch unseren Cousin mit seiner Frau. Außerdem bin ich stolz auf dich. Du hast trotz deiner Neugierde während der Fahrt geduldig gewartet und keine Widerworte gegeben.“
Niki freute sich über das Lob, war sich aber nicht sicher, ob sie bereit war, seine Familie kennen zu lernen. „Da ist ein Antiquitätengeschäft drin?“, fragte sie zur Ablenkung.
„Du brauchst keine Angst zu haben. Meine Verwandten beißen nicht. Sie schlagen lieber“, grinste er sie an, als er ihr die Tür öffnete und sie langsam ausstieg.
Ihr entsetzter Gesichtsausdruck brachte ihn zum Lachen. „Auch sie bewegen sich in der Szene. Kein Grund zur Panik. Na komm mit.“
Tröstend nahm er sie kurz in den Arm und küsste sie ausgiebig, bevor er ihre Hand nahm und sie zum Haus führte.
Erst gingen sie durch den Verkaufsraum und sie staunte über die alten Stücke. Auch kleine Sachen wie Vasen und Geschirr wurden hier verkauft. Dem dezenten Schild am Eingang nach zu urteilen, legten sie weniger wert auf Laufkundschaft und sie fragte sich, wie sie an Kunden kamen.
Dann brachte er sie zu einem Raum, der voller Bücherregale war und dort saßen auch ein paar Leute in Sesseln.
Noch bevor Niki überhaupt wusste, wie ihr geschah, war eine Frau hochgesprungen und rannte mit dem Schrei „Niki“ auf sie zu.
„Henrike“, rief sie und dann fielen sich die beiden Frauen in die Arme. Erst im Anschluss ging der Besucherin auf, dass es ein ziemlich seltsamer Zufall war, ausgerechnet hier ihre alte Freundin anzutreffen.
Die beiden anderen dunkelhaarigen Männer standen nun auch auf und einer davon trat zu Henrike. Niki erkannte ihn sofort und beäugte ihn misstrauisch.
„Hallo. Ich heiße Thorolf Fries und bin der Ehemann von Henrike“, teilte er ihr mit und hielt ihr die Hand hin, die sie höflich schüttelte.
„Mein Name ist Cass. Ich bin Morgans Bruder und das ist meine Freundin Alieta. Aber das weißt du ja schon“, grinste sie der jüngste der Männer an.
Niki wurde ganz rot vor Verlegenheit und machte unsicher ein paar Schritte rückwärts. Bei der geballten Macht dieser Kerle hatte sie nur noch das Bedürfnis fort zu laufen. Aber Morgan stand hinter ihr und legte die Hände auf ihre Hüften.
Henrike sah erstaunt von einem zum anderen und wusste sichtlich nicht, was gerade in der Runde ablief. „Thorolf?“, fragte sie.
Der Angesprochene wandte sich zu ihr um und erklärte: „Deine Freundin hier hat dich im Kino gesehen und weil sie sich nicht traute, dich anzusprechen, weil ich ihr unheimlich war, hat sie uns die ganze Zeit beobachtet. Morgan kam ja ein wenig zu spät und hat es gesehen. Daher rief er auch an und verlangte, dass wir ihn ignorieren sollten. Er wollte heraus finden, warum sie das tat.“
Nun wurde es Niki noch viel unbehaglicher zu Mute, zumal Alieta sie auch leicht verblüfft ansah.
„Warum hast du mich denn nicht angesprochen?“, wollte Henrike dennoch von ihr wissen.
„Du benahmst dich so völlig anders als ich dich kannte. Da bin ich unsicher geworden. Aber für den Fall, dass du es doch bist und eventuell Hilfe brauchst, dachte ich, ich beobachte noch etwas. Ich konnte ja wirklich nicht ahnen, dass ihr nicht nur den Film sehen wolltet“, verteidigte sich Niki.
„Was haltet ihr davon, wenn wir die Damen ein wenig alleine lassen, damit sie ihre Erfahrungen austauschen können?“, fragte Morgan.
Cass klopfte ihm auf die Schulter und die drei Männer verließen den Raum, während die Frauen erst unbehaglich schweigend da saßen.
„Wie kommst du denn an diesen so dominanten Mann?“, wollte Niki schließlich neugierig wie sie war wissen. „Ich erinnere mich zwar daran, dass du davon geträumt hast, aber du warst den Kerlen gegenüber immer so barsch, dass ich dachte, du würdest ewig Single bleiben.“
Henrike lachte. „Hätte ich tatsächlich eine Wahl gehabt, wäre das wohl auch so gekommen, aber dann passierte etwas völlig Verrücktes. Früher hatte ich so eine Art Lusttagebuch, in das ich alles hinein schrieb, was ich mir so wünschte. Alle Fantasien, egal wie extrem sie waren. Das war irgendwann verschwunden und ich wusste nicht, dass es mir hinten in eine antike Kommode gerutscht war, die ich verkaufen musste. Dort hat Thorolf es gefunden und fühlte sich berufen, mir meine Wünsche zu erfüllen, nachdem er mich mühsam gefunden hatte. Angefangen hat er mit einer Entführung und somit war mir die Entscheidung abgenommen worden. Letztendlich kann ich nur sagen, ich bin froh, dass es so kam. Auch wenn er ein sehr strenger Herr ist.“
Henrikes Augen leuchteten richtig vor Glück, obwohl sich Niki bei der Vorstellung einer Entführung, auch wenn sie nur gestellt war, fast die Zehennägel aufkräuselten.
„Jetzt habe ich nicht nur einen Ehemann, sondern auch zwei Cousins und Ali, mit der ich befreundet bin.“ Sie lächelte die junge Frau an, die nun auch lockerer wirkte. „Das Tüpfelchen auf dem i bist nun du. Ich habe so oft an dich gedacht, aber dennoch nicht versucht, dich ausfindig zu machen. So etwas passiert mir nie wieder. Ali, jetzt erzähl du doch, wie du an Cass kamst. Das ist auch so spannend.“
Niki sah sie interessiert an.
„Naja. Meine Schwester Barbara und ich haben hier Zeitungen ausgeteilt und ich sah eine verdächtige Szene, die mich annehmen ließ, hier wären Antiquiätenhehler am Werk. Tatsächlich hat mich meine Schwester reingelegt, die glaubte, sie müsse mich an den Mann bringen, aber keine Ahnung von Dominanz hatte. Allerdings halfen ihr die zwei Angestellten von Cass und Morgan. Also bin ich hier rein, wurde sozusagen gefangen und habe sehr schnell gelernt, dass ich devot bin. Wie das Schicksal es so wollte, habe ich hier den Mann meiner Träume kennen gelernt und meinen Traumjob gefunden. Auch wenn es nicht ohne Missverständnisse abging.“
Dagegen war es ja fast normal abgelaufen, wie Niki Morgan kennen gelernt hatte.
„Wie bist du denn an Morgan gekommen?“, wollte jetzt auch Ali wissen und Henrike nickte gespannt.
„Wie gesagt, ich habe euch im Kino beobachtet und Morgan hatte sich zu mir gesetzt und mich im Blick behalten. Also habe ich die Vorstellung früher verlassen und draußen darauf gelauert, heraus zu finden, ob ich mich vertan habe. Dann seid ihr aber sehr schnell in ein Taxi gestiegen und Morgan hat sich von hinten angeschlichen. Nachdem er mit mir fertig war, bin ich nach Hause …“
„Er hat dich vor dem Kino gebumst?“, unterbrach Henrike die Erzählung und Niki wurde erneut feuerrot.
„Nein, nur gefingert“, stellte sie richtig. „Am nächsten Tag hat er mich bei einer Eisdiele aufgetrieben und mich beschuldigt, feige zu sein, wenn ich nicht mit ihm ins Kino gehe. Also habe ich nachgegeben und dort … naja, er hat mich überzeugt, dass ich auch auf Dominanz stehe. Und darauf, anderen zuzusehen …“ Ihre Stimme wurde leiser.
„Ich wette, es war dieses alte Kino, dass Thorolfs Freund Moritz gehört. Das wird öfter für Privatvorstellungen genutzt. Sozusagen als zweiter Spielplatz, neben dem Club“, lachte Henrike.
„Und an der Eisdiele war er, weil er mich gesucht hatte. Ich bin nicht so pünktlich nach Hause gekommen, wie Cass es wollte und er hat seinen Bruder gebeten nachzusehen.“
Die Tür öffnete sich und herein kam eine weitere Frau mit langen roten Haaren, die einen finsteren Blick zurück warf, bevor sie endgültig eintrat.
„Hallo Marina!“, wurde sie begrüßt. „Darf ich dir meine Freundin Niki vorstellen? Sie ist die Freundin von Morgan. Niki, das ist Marina. Sie ist die Gefährtin von Mario, dem Architekt, der den Club umgebaut hat, von dem wir gerade sprachen.“
„Was ist das für ein Club? Der Name ‚Place to play‘ ließ mich an eine Spielhölle denken“, fragte Niki, nachdem sie und Marina sich zugelächelt hatten und diese sich in einen Stuhl fallen ließ. Dabei hakte sie einen Finger hinter ein Lederhalsband und zog daran, als ob es zu eng sitzen würde.
„Spielhölle trifft es so ziemlich genau“, seufzte die Rothaarige dann. „Die Männer spielen mit uns und manchmal ist es die Hölle.“
„Sie will damit ausdrücken, dass es in dem Club alle erdenkbaren Möglichkeiten gibt, unsere Neigungen auszuleben“, erklärte Henrike und grinste.
„Manchmal bin ich eher dazu geneigt, selbst die Peitsche zu nehmen und Mario rund ums Gelände zu jagen“, murrte Marina.
„Warum bleibst du denn dann bei ihm?“, wollte Niki irritiert wissen.
„Weil er ein wirklich gutaussehender Mistkerl ist und der einzige, der mir gewachsen zu sein scheint“, bekam sie seufzend zur Antwort und musste lachen. „Außerdem ist er mein Arbeitgeber.“ Unglücklich wirkte sie nicht, aber auch nicht so als würde sie sich etwas gefallen lassen. „Wie ich sehe, werden wir mehr in unserer Sündenrunde.“
„Was für eine Runde?“, wollte Niki wissen.
„Morgan hat es dir noch nicht erzählt? Hin und wieder versammeln wir uns, sollen dann beichten, was wir in ihren Augen falsch gemacht haben und werden dann hier oder im Club bestraft für unsere Sünden.“
Ali und Henrike kicherten. „Niemand kann das so schön auf den Punkt bringen wie du.“
Aber noch bevor sie sich weiter unterhalten konnten, kamen die vier Männer herein. Der große Blonde fiel richtig auf zwischen den drei Dunkelhaarigen. Marina hatte recht. Er sah wirklich sehr gut aus, aber die Ausstrahlung war gerade genauso stark und dominant wie die der anderen. Niki fühlte sich als würde sie auf der Anklagebank sitzen.
Jeder der Männer stellte sich hinter der zu ihm gehörenden Frau auf und legte ihr die Hände auf die Schultern.
„Haben die anderen dir erklärt, wozu wir hier sind?“, wollte Morgan wissen.
„Um Fehler zu gestehen, die dann bestraft werden“, antwortete Niki.
„Ja, richtig. Du fängst heute an. Aber erst werde ich dir etwas schenken“, erklärte er.
Er hielt ihr von hinten etwas vor die Augen und sie sah ein Lederhalsband, ähnlich wie das, was Marina trug und legte es ihr dann um. Im ersten Moment war sie auch versucht den Finger dahinter zu haken, um zu testen, ob es nicht zu eng saß, aber sie beherrschte sich. Besonders glücklich war sie über dieses Geschenk nicht, doch die ganze Situation verunsicherte sie genug, so dass sie schwieg.
Henrike hatte ein Band aus Metall umgebunden. Etwa zwei Finger breit, aber auch mit einem Ring versehen.
„Hast du nicht etwas vergessen, Nikoletta?“, fragte Thorolf und sie beeilte sich zu sagen: „Danke, Morgan.“ Ihre Dankbarkeit hielt sich zwar immer noch in Grenzen, aber Henrikes Mann war ihr etwas unheimlich.
Morgan streichelte ihr über den Nacken und forderte sie dann auf: „Gegen welche Regel hast du verstoßen?“
„Ich habe die Beine übereinander geschlagen“, antwortete sie und kam sich ziemlich blöd dabei vor.
„Deine Zugänglichkeit lässt auch jetzt ziemlich zu wünschen übrig.“ Eilig nahm sie die fest aneinander gedrückten Beine ein Stück auseinander.
„Henrike?“, fragte Thorolf.
„Ich habe selbstständig gegessen, weil ich Hunger hatte und nicht warten wollte, bis du Zeit hast“, erklärte die Angesprochene.
„Und?“
„Es war Schokolade und so viel, dass ich anschließend nicht mehr essen mochte.“
„Warum soll sie nicht essen, wenn sie hungrig ist?“, ließ sich nun Marina vernehmen und alle Augen richteten sich auf sie. „Ich meine ja nur“, fügte sie kleinlauter hinzu.
Alieta gestand, dass sie die befohlenen Manschetten in der Berufsschule ausgezogen und eine schlechte Note geschrieben hatte, weil sie zu lange vor dem Fernseher saß und somit unausgeschlafen war, obwohl Cass ihr diesbezüglich klare Anweisungen gegeben hatte.
Als letzte war Marina dran, aber sie schwieg erst einmal verbissen, bevor sie dann brummig erklärte: „Ich habe dieses verdammte Halsband ausgezogen, weil es mich würgt. Warum bekomme ich nicht gleich eine Steuermarke? Außerdem mag ich es nicht, unten ohne im Rock herumlaufen zu müssen und habe daher Unterwäsche getragen.“
Das konnte Niki ihr nachfühlen und ahnte für die Zukunft schon Schlimmes.
„Außerdem vergisst sie ihr freches Mundwerk zu erwähnen“, setzte Mario hinzu und ließ einen Knebelball vor ihrem Gesicht baumeln, woraufhin sie die Arme verschränkte und schwieg.
Den Gesichtsausdrücken der anderen nach zu urteilen, schien das jedes Mal ähnlich abzulaufen und Niki entspannte sich etwas.
Die Männer zogen sich kurz zur Beratung zurück und als sie wiederkamen sagte Thorolf: „Wir fahren in den Club.“
Unterdrücktes Seufzen, das sowohl Ärger wie auch gespannte Erwartung heißen konnte, folgte seinen Worten.
Während der Abwesenheit hatte sich Niki erklären lassen, was es mit Henrike und dem Essen auf sich hatte.
„Er füttert mich, aber leider nicht immer mit dem, was ich mag und an diesem besagten Tag hatte ich Heißhunger auf Schokolade. Natürlich fiel ihm das auch auf.“
„Warum isst du nicht alleine?“, hatte die Freundin gefragt.
„Weil er glaubt, dass sie das nicht braucht, weil sie ja ihn hat. Nicht alleine essen, nicht alleine duschen und gar nichts ohne ihn“, ließ sich Marina vernehmen. „Ich würde das nicht aushalten.“
„Musst du ja auch nicht. Normalerweise genieße ich es, so umsorgt zu werden, selbst wenn er mich manchmal mit Dingen ärgert, die ich nicht mag. Das ist das, was mir immer gefehlt hat im Leben“, lachte Henrike.
„Wie das Popcorn im Kino“, ergänzte Niki.
„Genau.“
Die Männer kamen wieder und Morgan führte sie in sein Schlafzimmer, wo er etwas anderes zum Anziehen für sie hatte. Natürlich musste es ein sehr kurzer Rock sein und diesmal fiel nicht nur der Slip, sondern auch der BH weg, weil sie eine enge, vorne geschürte Korsage anziehen sollte, die ihre Brüste schön zur Geltung brachte. Er half ihr sogar, sie richtig anzulegen.
Dann fuhren sie in den Club und nun wusste Niki, worum es sich dabei handelte. Darauf wäre sie von alleine nie gekommen.
Von außen machte die alte Fabrik nicht besonders viel her, aber bereits der Eingang barg eine Überraschung. Hinter der Tür, die von einem sehr kräftigen Mann bewacht wurde, der lediglich eine Art Haremshose trug, lag ein Foyer und dort stand ein fahrbares Andreaskreuz.
Schneller als Niki gucken konnte, wurde sie von den anderen getrennt und in einen kleinen Raum geschoben. Unsicher sah sie Morgan an, der sie erst einmal in den Arm nahm.
„Das Kreuz ist für dich. Du wirst dort eine Weile stehen und beweisen, dass du zugänglich bist“, erklärte er ihr und hielt sie fest, als sie begann sich empört gegen ihn zu wehren. „Keine Angst, niemand wird dir etwas tun oder dich belästigen. Ich bin mir sicher, du kannst das.“
„Öffentlich zur Schau gestellt zu werden ist demütigend …“, begann sie laut zu protestieren.
„Eben, genau die richtige Strafe für den Anfang“, unterbrach er sie.
Niki kämpfte mit sich und allen möglichen schlimmen Szenarien, die sich in ihrem Kopf abspielten. Da war ihre Neugierde, was passieren würde, aber …
„Du bist nicht alleine. Ich werde natürlich bei dir bleiben“, fügte er nun hinzu und das gab den Ausschlag.
„Ich werde es tun, aber ich kann nicht dafür garantieren, dass ich nicht plötzlich anfange zu schreien.“
Morgan ließ sich nicht auf diese Warnung ein und verlangte, dass sie den Rock ausziehen sollte. Die Korsage lockerte er vorne nur soweit, dass ihre Brustwarzen gerade eben hinaus guckten. Dann führte er sie zum Andreaskreuz.
Obwohl es warm war, bekam sie eine Gänsehaut und spürte, dass sie zitterte, bemühte sich aber dennoch um Ruhe als er sie mit Hilfe von Manschetten fest band. Zum Abschluss bekam sie noch einen Kuss und dann verschwand er außerhalb ihrer Sichtweite.
„Morgan?“, fragte sie unsicher und mit zittriger Stimme.
„Ich bin hier, kleiner Vorwitz“, hörte sie ihn beruhigend hinter sich antworten.
Nun stand sie da und war sich ihrer weit gespreizten Beine sehr bewusst. Sie hätte fragen sollen, wie lange sie hier bleiben musste und hoffte, niemand würde mehr herein kommen und sie sehen. Die Zeit dehnte sich zur Unendlichkeit und sie zuckte erschrocken zusammen als die Tür von draußen sich öffnete und ein Paar herein kam. Die Frau war ähnlich bekleidet wie sie zuvor, hatte aber die Hände auf dem Rücken gebunden, während der Mann seine langen Haare zusammen gebunden hatte und weite Leinensachen trug.
Niki hoffte, er würde sie einfach ignorieren, aber natürlich blieb er vor ihr stehen und sie sah über seine Schulter an die gegenüberliegende Wand.
„Sieh sie dir an. Keinen Ton gibt sie von sich und wirkt sehr würdevoll. Du solltest dir bei ihr ein Beispiel nehmen. Nicht einmal mit Knebel warst du ruhig und hast mich ziemlich blamiert“, fuhr der Mann seine Begleiterin an, die der anderen Frau nun einen vorsichtigen Blick zuwarf und rot anlief, bevor sie am Arm gepackt wurde und aus Nikis Sicht verschwand.
Das war ein klares Kompliment gewesen und irgendetwas schien sich in ihr zu verschieben, sodass sie sich weiter aufrichtete und einen gewissen Stolz fühlte.
Nach einiger Zeit öffnete sich der Eingang noch einmal und diesmal trat ein Mann ein, der sowohl eine Frau, wie auch einen Mann an Leinen mit sich führte. Auch er blieb vor dem Kreuz stehen. Allerdings kam er nahe genug, dass er mit den Fingerknöcheln über Nikis Brustwarzen streichen konnte, die sich verräterisch aufrichteten.
Aber noch bevor sie Angst bekam, sah sie Morgan ein Stück vortreten.
„Gehört sie dir? Sie hat wunderschöne Brüste und ist an sich ein wohltuender Anblick. Wie lange spielst du mit ihr?“
„Hallo Patrick. Sie ist ganz neu und noch frisch, aber dafür macht sie ihre Sache wirklich gut, nicht wahr?“ Hörte sie da Stolz in seiner Stimme? Stolz auf sie?
„Erstaunlich. Was hältst du davon, wenn ihr euch uns gleich anschließt? Vielleicht mag sie ja ein wenig zuschauen? Oder auch mitspielen.“
„Danke für die Einladung, wir werden zu euch kommen“, antwortete Morgan, bevor das Trio verschwand.
Dann befreite er Niki, die dankbar und zittrig in seine Arme sank.
„Somit hast du deine Strafe abgegolten. Ich wusste, du schaffst das mit Würde und Anstand.“ Seine Hand fuhr zwischen ihre Beine und fand sie dort feucht vor, was ihr aber jetzt erst aufging. Die Situation hatte sie mehr erregt, als sie bisher wahr genommen hatte.
„Du lässt ihn doch nicht an mich heran?“, fragte sie ängstlich, während sie sich auf den Weg zu den Fremden machten.
„Vertrau mir. Es geschieht nichts, was dir zu viel wird.“ Seine Erklärungen über öffentliche Räume im Club, halböffentlich und geschlossene, bekam sie kaum noch mit, weil sie viel zu sehr mit erneutem Kopfkino beschäftigt war.
Morgan blieb stehen und klopfte an eine Tür, die er gleich nach dem „Herein“ öffnete und sie hindurch schob.
Auch hier gab es ein Andreaskreuz, mehrere Strafböcke und viele andere Dinge, die sie gar nicht angucken mochte.
„Ah, gut, dass ihr da seid. Ich habe hier etwas für deine Kleine, Morgan. Meine Sklavin hat dafür keine Verwendung. Hast du es schon mal mit Nippelklemmen versucht?“
Niki zuckte alleine bei dem Gedanken daran zusammen und ihr Gefährte hielt sie von hinten fest, damit sie nicht gleich wieder hinaus stürmte.
„Sie ist extrem empfindlich, daher habe ich bisher davon abgesehen“, erklärte er und sie atmete erleichtert auf, was allerdings nicht lange anhielt.
„Ich habe extra leichte und weiche, von denen meine Sklavin gar nichts mitbekommt. Du darfst sie gerne ausprobieren und behalten.“
Morgans Griff wurde so fest, dass sie sich nicht befreien konnte und sagte: „Versuchen wir es. Du hast genug Ahnung davon, um mich gut zu beraten.“
Der Fremde trat näher an Niki heran und sie erstarrte vor Angst, während er eine ihrer Nippel länger zog und dann schoss ein Schmerz durch ihre Brust, den sie sich aber schlimmer vorgestellt hatte, und gleich auch noch in die andere.
Seltsamerweise verursachte dieser Schmerz Erregung, mit der sie nicht gerechnet hatte. Vorsichtig schielte sie an sich hinab und sah die Klemmen, die mit einer dünnen Kette verbunden waren. Erschrocken keuchte sie, weil der Kerl nun daran zog und sie das deutlich zwischen ihren Beinen spürte.
„Wusste ich es doch“, sagte er zufrieden und Morgan bedankte sich bei ihm. Was sie sonst noch miteinander besprachen entging Niki, weil sie viel zu aufgeregt war.
Morgan sorgte dafür, dass sie sich über den Strafbock legte, der so eingestellt wurde, dass sie bäuchlings darauf lag und ihre Brüste auf der anderen Seite herunter hingen. Damit sie nicht eigenmächtig aufstehen konnte, wurde genau wie in dem Film eine Kette an ihrem Halsband und an einem Ring am Boden befestigt.
Hinter ihr begann Morgan sie zu stimulieren und sie sah entsetzt zu, während der Fremde seine Hose öffnete, um seine Erektion zu befreien. Panisch befürchtete sie, er würde verlangen, ihm eine zu blasen, aber stattdessen winkte er seine Sklavin und seinen Sklaven zu sich.
„Du reitest ihn, während du mich beglückst“, verlangte er von der Frau und wies den jungen Mann an, sich auf den Rücken zu legen, sodass sie sich auf ihn setzen konnte. Mit gespreizten Beinen stellte er sich so hin, dass seine Sklavin ihn gut in den Mund nehmen konnte.
Das alles unmittelbar vor Nikis Gesicht, die gar nicht wusste wie ihr geschah, aber alleine von dem Anblick immer erregter wurde.
Morgan platzierte einen starken Vibrator in ihr und sie stöhnte unwillkürlich auf, weil der Mann vor ihr gleichzeitig an der Kette zog. Darum also fand das alles so nah bei ihr statt. „Ich will, dass du kommst“, befahl Morgan ihr und bewegte das Spielzeug.
Niki war erleichtert, dass er nicht von ihr verlangte, möglichst lange auszuhalten, denn der Anblick und die Stimulation hatten sie schon fast so weit gebracht und es dauerte nicht lange bis sie mit einem Schrei tatsächlich kam.
Sofort verschwand der Fremdkörper und Morgan schob sich heftig in sie, die Massage ihrer inneren Muskeln hörbar genießend.
Die drei Leute vor ihr waren auch nicht mehr weit vom Finale entfernt und die Frau in Schweiß gebadet bei der doppelten Anstrengung.
Morgan nahm Niki immer heftiger und als sie erneut kam und ihn mit sich nahm, bekam sie von dem Geschehen vor ihr kaum noch etwas mit.
Irgendwann fand sie sich dann in irgendeiner kuscheligen Ecke wieder und war für den Moment alleine mit ihrem Gefährten, der sie eng an sich gezogen hatte und sie beruhigend streichelte. Nur die Klemmen erinnerten noch daran, dass Niki nicht geträumt hatte, auch wenn ihr ein wenig Zeit verloren gegangen zu sein schien.
„Das hast du fantastisch gemacht“, lobte er sie und lächelte sie an. „Du bist genau die Frau, die ich gesucht habe.“
Niki kuschelte sich noch näher an ihn heran und strahlte zurück. „Das ist gut, denn ich will dich auch behalten.“
Morgan begann laut zu lachen. „War das jetzt eine Spielhölle? Wie fühlst du dich?“
Sie horchte ganz tief in sich hinein, bevor sie antwortete: „Ich bin an meine Grenze gekommen, aber froh, dass ich es gewagt habe. Zeitweise hatte ich Angst, aber deine Nähe hat mir geholfen. Für heute habe ich aber wirklich genug.“
„Das glaube ich dir. Versprich mir nur, dass du rechtzeitig Bescheid gibst, wenn du ernsthafte Zweifel hegst oder ich ein Tabu berühre.“
Dieses Versprechen gab sie ihm gerne.
Sehr viel später trafen sie auch wieder auf die anderen. Alle Beteiligten wirkten erhitzt, aber selbst Marina war ruhig und ausgeglichen und strahlte ihren Gefährten nun freundlich an.
„Wo ist eigentlich Moritz?“, wollte Morgan dann von Thorolf wissen.
„Der hatte keine Lust, nachdem Betty ihn von heute auf morgen für jemanden verlassen hat, der nicht der Szene angehört und den Kerl dann binnen zwei Wochen geheiratet hat.“
„Das klingt nach Flucht vor dem eigenen Ich.“
„Aber auch er wird noch die Richtige finden.“
In dieser Nacht schlief Niki bei Morgan, nachdem er sie noch einmal ganz in Ruhe und ohne jegliche Dominanz geliebt hatte. Zum Frühstück trafen sich dann die vier Paare wieder und Niki dankte dem Film Titanic, der für sie kein Untergang, sondern ein Start in ein neues Leben gewesen war.
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Sexgeschichten für jeden Geschmack
Die BDSM-Stories sind geistiges Eigentum des/der jeweiligen Autoren, alles andere BDSM-Geschichten.net
Kommentare
Wowwww,....
....sehr gut geschrieben und sehr erotisch ! Von mir: Volle Punktzahl : )
LG. Natur69
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Danke
Danke für den aufbauenden Kommentar. Ich freue mich, dass es dir gefällt :-)
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Kompliment
Tolle Geschichte, wirklich großes Kompliment.
Lg
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Dir auch Danke
Bei dir möchte ich mich auch bedanken für das Kompliment. Dann waren meine Zweifel wohl nicht so ganz berechtigt :-)
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Einfach Phänomenal. Für mich
Einfach
Phänomenal. Für mich deine beste bisher.
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Phänomenal?
Damit hätte ich meine Geschichte niemals betitelt und somit dank ich dir für deinen netten Worte. Ich wollte Morgan eine würdige Partnerin an die Seite stellen und bin froh, dass es mir gelungen ist.
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Spannend....
...und nachvollziehbar. Niki ist glaubwürdig, kann sich der Faszination, beherrscht zu werden nicht entziehen. Viel Erotik, aesthetische Sexszenen.
Was mich ein wenig stört sind die kurzen Absätze. Hemmen den Lesefluss.
Sonst sehr gute Story, danke.
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Absätze
Ich bin froh, dass die Geschichte nachvollziehbar ist. Mich hatten meine Zweifel wieder fest im Griff ... Das mit den Absätzen ist manchmal ein Problem, das sich einschleicht, weil ich von Word übernehme und dort sind sie nicht zu sehen. Da habe ich so meine kleinen Problemchen mit dem Editor. Ich gucke mal, ob ich das im Schreibtext ändern kann.
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Ahh jetzt habe ich es
Ahh jetzt habe ich es verstanden, alle Geschichten sind hier also zusammengetroffen.
Mir haben sie Alle gut gefallen.
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Stimmt
Die Hauptpersonen aus den vorherigen Geschichten sind hier zusammen getroffen, aber einer ist ja noch ohne 'Fahrschein'. Um ihn geht es dann in der nächsten Geschichte. Und bekannte Gesichter tauchen auch wieder auf :-) Schön, dass sie dir alle gefallen haben, denn die letzte schwächelte ja ein wenig.
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Verspätetes Resumee
So, nun kam ich endlich auch mal dazu, mir Deine neuste Geschichte ganz entspannt zu Gemüte zu führen. :)
Mir gefällt von Anfang an, dass alle Geschichten irgendwie mit einander zusammen hängen und dennoch für sich selbst stehen dabei.Vorallem, wie hier bei Niki, die zur Voyeurin wird, ist dennoch in jeder Geschichte was anderes zu lesen. Dennoch bleibst Du dabei Deinem langsam unverkennbaren Stil treu.
Bei der 2. Geschichte kam mir dabei schon der Vergleich mit "Geschichten aus tausend und einer Nacht" in den Kopf. Aber das trifft es nicht so ganz. "Ruhm - Ein Roman in neun Geschichten" von Daniel Kehlmann trifft es da besser. Nicht vom Inhalt ansich, sondern weil dort auch alle 9 Teile/Geschichten einzeln für sich standen und dennoch mit einander verwoben waren. Wie Du also siehst, unsere Ansätze hier beim Schreiben unserer Geschichten sind gar nicht mal soooo leienhaft *gg*.
Auch ich freu mich darum schon auf die kommende Geschichte.
Lieben Gruß, Cayt
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Geschichten aus 1000 und einer Nacht
kenne ich natürlich und ein paar Kleinigkeiten stammten tatsächlich bei der zweiten Geschichte daraus :-) 'Ruhm' kenne ich gar nicht, sollte ich da was verpasst haben?
Ursprünglich hatte ich zwei einzelne Geschichten und dann kam mir die Erleuchtung, dass die gut zusammen passen können. Dann brauchte ich einen Architekten, das war dann Nr. 3 und danach war es einfacher, alle Geschichten zu verknüpfen. Es freut mich, dass ich inzwischen einen unverkennbaren Stil habe :-) Nur der 3. Teil von Gretel will überhaupt nicht so wie ich. Er ist fertig, ich auch und total unzufrieden ... Es ist wie verhext ...
Leienhaft sind wir nicht, da stimme ich dir zu ;-) Ich warte auch schon auf deine Fortsetzung
Lieben Gruß, Vertriebene
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Wieso
Wieso habe ich den Post übersehen...
bin heute erst bei deinem nächsten Teil drauf gestoßen, dass er da ist. Und frage mich wieso er mir durch die Lappen ging.
Mal wieder volle Punktzahl von mir. Schön geschrieben und total miterlebbar.
Und nun Wünsch ich mir wiedermal einen Morgan, Cass, Tugolf... oder Mario meno :( gibst du meinen Mann mal einen hauch von einem der beiden ab? Er ist momentan so ein tierisches Weichei*zu später stunde motz*
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Doch noch gefunden
Du hast die Voyeurin ja doch noch gefunden und ich freue mich über deinen Kommentar.
Leider kann ich deinem Mann nichts von den Bad Boys abgeben. So viel ich auch schreibe, es färbt nicht einmal auf meinen eigenen ab, was auch wünschenswert wäre ;-) Du hast mein volles Verständnis.
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Wow
Du schreibst da mega interessant geschichten ich bin da so gefesselt von ihne das ich da fast nicht aufhören kann zu leesen.
Ich habe schon mal dis 00:45 gelessen ich konnte da einech nicht aufhören .
Du schreibst da einfach ganz toll und vor allem sehr interessant und ud übertreibst es auch nnich wie viele ander die ich schon gelesen habe.
Weiter machen.
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Ich freue mich
immer wieder, wenn meine Geschichten gut ankommen. Aber die Nachtruhe wollte ich niemandem damit stehlen ;-) Diese Geschichte gehört auch zu meinen persönlichen Lieblingen. Ich bemühe mich immer erotisch und nicht plump zu schreiben und es nicht zu übertreiben, denn das wirkt nicht immer glaubwürdig. Schön, wenn dir das gefällt. Danke.
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