Gefallene Engel [Fantasie-SM-Dingsda] - Prolog/Kapitel 1

 

Tagchen. Das hier ist meine erste Geschichte, eine Art Fantasie-Mischmasch mit Engeln, Dämonen, Sklaverei und Zeugs.
Es braucht ein wenig Aufbau, deswegen gibt es in diesem Kapitel keine wirkliche "SM-Action", da ich Qualität liefern will, die man nicht einfach aus dem Ärmel zieht. Das nächste Kapitel wird da intensiver.

Wünsche viel Spaß beim lesen!

(Die tags sind für zukünftige Kapitel drin)

 

Mein Name ist…unwichtig. Oder auch nicht, auf jeden Fall braucht ihr ihn jetzt nicht zu erfahren.
Später vielleicht.
Die Welt, in der ich lebe, ist düster und grausam. Die Stärkeren überleben und die Schwachen
sterben. Es ist ein einfaches Gesetz – Paragraph eins im Gesetzbuch.
Nein wirklich, das steht da drin.
Abgesehen von den Menschen gibt es noch zwei weitere Arten auf dieser Welt, die in sie eintraten,
als sich Himmel und Hölle aufgelöst haben. Wir wissen nicht mehr, wieso oder durch was, aber die
Götter und der Teufel verschwanden vor hunderten von Jahren. Seitdem fransten die Ränder zwischen
beiden Welten immer mehr aus, bis sich eine einzige, bizarre Welt bildete, voll mit den
wundervollsten Dingen und den Schrecklichsten Alpträumen. Wir Menschen bekamen davon erst etwas
mit, als die Dämonen der Hölle versuchten die Erde zu übernehmen, durch ein Portal, das bei seiner
Entstehung mitten in den USA das halbe Land in Schutt und Asche legte.
Eine Zeit lang ging es hin und her, bis die Dämonen einsahen, dass sie uns nicht besiegen konnten –
nicht etwa, weil der Mensch so eine starke Spezies ist. Ein paar zehntausend Dämonen gegen knapp
sieben Milliarden potenzieller Gewaltverbrecher? Sie schafften ein paar Millionen, danach ging
ihnen die Puste aus. Man verhandelte ein Friedenabkommen, und seither ist es so langweilig auf der
Erde, wie es immer war.
Nun mag sich der geneigte Leser vielleicht fragen, was bei all den Dämonen und der Hölle auf Erden
denn mit dem Himmel passiert sei.
Die Dämonen brachen ja nicht direkt nach der „Verschmelzung“ von Himmel und Hölle einen Krieg mit
der Menschheit vom Zaun. Nein. Nachdem ihnen klar wurde, was passiert war, kümmerten sie sich zu
aller erst um die Engel. Richtig gehört, Dämonen gegen Engel.
Die Ausgeburten der Hölle und die Wächter des Himmels sollte ich vielleicht einmal kurz
beschreiben, damit keine Missverständnisse aufkommen.
Beide Spezies sind rein weiblich. Dämonen haben eine blaue Haut, schwarze Haare sowie
Fledermausähnliche Flügel auf dem Rücken. Desweiteren haben sie eine Art Teufelsschwanz. Ihre Iris
ist Blutrot und die Pupillen sind endlos Schwarze Schlitze, ihre Zunge ist gespalten und sie haben
spitze Zähne, mit denen sie liebend gern Fleisch zerreißen. Alle von ihnen sind verführerisch, von
ihrem Duft über die wahnsinnigen Kurven bis zu ihren exotischen Gesichtszügen und mit dämonischer
Schönheit gesegnet – pardon, verflucht natürlich. Egal.
Die Engel sind ihr himmlisches Ebenbild, mit cremefarbener Haut, weiß gefiederten Flügeln und einer
genauso Atemberaubenden Schönheit. Ihre Haare sind Schlohweiß und sie standen früher für Reinheit,
Schönheit und ewige Liebe. Angeblich schufen die Götter sie als Belohnung für alle, die es verdient
hatten, in den Himmel einzuziehen, wo sie warteten, bis ein geeigneter Mann oder eine geeignete
Frau – im Himmel wurde das offenbar egal – durch die „goldene Pforte“ trat. Quasi als Geliebte und
Gefährtin bis in alle Ewigkeit. Außerdem sollten die Engel ihre Partner im Himmel auf dem rechten
Weg halten. Schafften sie das nicht – und man musste da oben schon gewaltigen Mist bauen, damit das
passierte – wurde der Mann oder die Frau des Himmels verwiesen und in die Hölle geschickt, wo er
statt eines Engels einen Dämon bekam, der ihn oder sie bis in alle Ewigkeit bestrafte.
Eine perfekte Ehefrau gegen eine Domina. Und zwar ohne Safeword.
Nun zurück zu dem Konflikt. Nachdem Himmel und Hölle eins wurden, stürzten sich die Dämonen sofort
auf die Engel, die ihrem guten Wesen entsprechend nicht kämpften, sich nicht einmal wehrten.
Da sich Himmel und Hölle gegenseitig sozusagen neutralisierten, entstand eine Art zweite Erde –
eine Mischung aus Garten Eden und dem Fegefeuer. Alle Menschen, die vorher im Himmel oder in der
Hölle waren, befanden sich nun in dieser Welt. Und auch weiterhin kam jeder, der starb, dorthin –
nur hatten sich die Regeln etwas verändert.
In Himmel und Hölle, vor der ganzen Sache, war es ähnlich wie auf einem Friedhof – eine gewisse
Zeit lang blieb man dort, je nachdem, wie gut oder schlecht man im Leben war. Danach verschwand man
einfach. Das konnte ein paar Jahrzehnte oder zwei Jahrtausende dauern – aber es passierte
irgendwann.
In der neuen Welt nach dem Tod allerdings lief es anders. Man tauchte nach dem Tod dort auf, egal
wie gut oder schlecht man im Leben war. Von der Erde kam man nicht durch das Portal, und die
Dämonen passten auf, dass es niemand umgekehrt versuchte.
Man „lebte“ dort weiter, ohne zu altern, bis die Herrscher dieser neuen Welt entschieden, dass es
Zeit zum entgültigen Abtreten war. Das konnte schon nach Minuten oder auch nie passieren, wenn man
sich als nützlich erwies und sich durchsetzte. Es gab dort Städte, Jobs, Konflikte zwischen
verschiedenen Dämonenregierungen und…die Engel.
Die Dämonen können fast nicht getötet werden, genauso wie die Engel. Während die teuflischen Frauen
nur durch Kälte sterben konnten (und wir reden hier über sowas wie flüssigen Stickstoff, nicht die
paar Grad Minus in der Antarktis), waren Engel sehr anfällig gegenüber Feuer. Es ist ziemlich
traurig, wenn ich an die Hexenverbrennungen im Mittelalter denke.
Nach ein paar Jahren hatten die Dämonen ihre himmlischen Gegenstücke unterjocht und sie zu Sklaven
gemacht. Die Menschen im Ende, wie man diese Dimension bald zu nennen begann, arbeiteten wie in der
normalen Welt auch. Dämonen regierten, Engel fielen.
Ach, ich hab fast was vergessen. Menschen werden dort genauso krank wie auf der Erde, bluten,
kriegen Krebs. Von Erbkrankheiten, die ja schon vorher da waren, ganz zu schweigen. Das Blut der
Dämonen ist tödlich, das der Engel heilt absolut jede Form jeder Krankeit. Blöderweise bluten beide
nur, wenn sie es freiwillig tun – sprich: Wenn ein Dämon jemanden töten will oder ein Engel vorhat,
jemanden zu heilen. Manche Engel werden daher solange gefoltert und unterworfen, bis sie halb
wahnsinnig sind und der Gedanke, für ihr Blut ausgebeutet zu werden, so viel süßer ist als das, was
ihnen sonst droht.
Das Engelsblut wird als Medizin gegen alles verkauft, allerdings nicht zur Erde.
So, jetzt wisst ihr alles Nötige.


Kapitel 1

Man lebt nicht lange, wenn man schwach ist. Die Schwachen werden ausgelöscht, damit nur die
überleben, die es auch wert sind.
Ich hatte das Glück, ein dominanter, gutaussehender junger Mann Anfang zwanzig zu sein, als ich
starb. Ein bisschen Sadist bin ich auch, und mein Tod bei einem Raubüberfall, bei dem ich einem der
Räuber das Genick gebrochen hatte, hätte mir wohl mit ziemlicher Sicherheit einen Platz in der
Hölle verschafft. Ich tat es zwar, um sie aufzuhalten und eigentlich wollte ich ihn auch nicht
umbringen, aber was soll´s.
Die Bibel klärt einen leider nicht darüber auf, ob eine liebevolle SM-Beziehung, in der alles
freiwillig passiert, eine Sünde ist – von dem Sex vor der Heirat mal abgesehen. Trotz meines leeren
Vorstrafenregisters und meiner sonst eigentlich freundlichen Natur war ich nicht überrascht, das
ich nicht im Himmel aufwache. Es war bereits eine ganze Weile her, dass die Dämonen versuchten,
unsere Welt zu übernehmen, und ich war auf das Ende vorbereitet. Ich trauerte meiner Freundin,
meiner Familie und meinen Freunden nach.
Als ich jedoch vor der nackten Dämonin stand, die mich verführerisch anlächelte und einen
Fragebogen ausfüllte, als wäre es das normalste auf der Welt (was es war – Sprichwörter verlieren
irgendwie ihren Sinn, wenn man tot ist), musste ich eine Entscheidung treffen. Entweder blieb ich
stark und setzte mich durch, mit der Möglichkeit, ewig weiterzuexistieren und irgendwann meine
Lieben wiederzusehen, oder ich wanderte ins Jenseits.
Also ließ ich mich nicht beeindrucken von ihrer Nummer, beantwortete ihre Fragen und fragte sie am
Ende, warum sie nackt sei. Ihr Lächeln wurde breiter. „Nun, weil man angezogen keinen Spaß haben
kann.“
Es war ein weiterer Test. Der Letzte. Um festzustellen, ob ich mich durchsetzen konnte. Ich
lächelte zurück und musterte sie schamlos einmal von oben bis unten, ehe ich ihr sagte, dass ich
nicht auf Onenightstands stand. Ihr Lächeln verschwand, auch wenn ich in ihren Augen widerwillige
Anerkennung aufblitzen sah. Ich hatte den Test bestanden.
Keine Ahnung, wie lange das jetzt her ist. Inzwischen arbeite ich als Aufseher bei einer Agentur,
die man mit der Polizei vergleichen könnte.
Es war Abend, mein Wecker klingelte, ich brachte ihn zum Schweigen. Nach einer kurzen Dusche
schnappte ich mir einen Kaffee und legte meine Ausrüstung an. Eine dunkelblaue Uniform, eine
schwarze Hose, schwarze, leichte Stiefel. Dazu den Waffengurt, in dem mein Schießeisen steckte.
Klar starb niemand einfach durch eine Kugel, aber es tat höllisch weh. Schmerzen waren das, was die
Angst vor dem Tod ersetzt hatte.
Wenn ein Langschwert einem Sturmgewehr entsprach und ein Dolch einer Pistole, dann würde ich meine
Waffe am ehesten mit einem Kurzschwert vergleichen. Sie ähnelte einer Mischung aus SMG und einer
Pistole aus dem zweiten Weltkrieg, halbautomatisch, großes Magazin, sehr präzise. Ein einfaches
Zielfernrohr mit Nachtsichtfilter vereinfachte mir das Zielen.
Mein Weg führte mich durch ein paar Straßen, wo Passanten  mehr oder weniger eilig umherwuselten,
bis ich bei meinem Arbeitgeber ankam. Es war ein schlichtes Bürogebäude, in dem die „Ordnungshüter“
dieser Stadt saßen. Natürlich konnten die Dämonen sich nicht um alles kümmern, weshalb die
Regierungen von Menschen besetzt waren. Dennoch lag alle Macht bei den Teufelsweibern, die tun und
lassen konnten, was immer sie wollten.
Als ich das Gebäude betrat, lief mir eine menschliche Sklavin entgegen, die ein Tablett trug. Es
gab genug Einrichtungen, um sich um die „schwachen“ Frauen zu kümmern. Männer, die den Test nicht
gut genug bestanden, wurden nach ihrem Tod einfach ins Nirvana weitergeschickt. Die Frauen dagegen
– und auch da nur die, die von den Dämonen als hübsch genug betrachtet wurden – bekamen eine
intensive Ausbildung, da den Dämonen die ganze SM-Idee ziemlich zu gefallen schien, was wohl an
ihrer sadistischen Natur liegt.
Die Sklavin grüßte mich unterwürfig und ging dann eilig weiter, um ihre Aufgaben zu erledigen.
Mein Chef, ein noch aus den französischen Bürgerkriegen stammender Typ, hielt mich sofort auf.
„Patroullie auf den grauen Feldern.“
Ich warf ihm einen ungläubigen Blick zu. „Ist das Ihr ernst? Wieso ich?“
Den meisten anderen hätte er jetzt eine Strafe aufgebrummt, aber ich gehörte zu denen, die sich
sehr gut durchsetzen konnten.
„Keine Sorge, ist nur für ein paar Tage. Granter hat Mist gebaut und ist ein paar Tage auf…
Besserungskur.“
Ich seufzte und fuhr mir durch die schulterlangen, lockigen Haare, die so was wie einen
dunkelblonden Lockenafro bildeten. „Na schön.“
Nichts war schön. Ich hasste es, dort Wache schieben zu müssen. Die grauen Felder waren so etwas
wie ein Park in einem der Stadtbezirke, nur das dort der Boden verbrannt war, die Bäume aus Knochen
bestanden und die Teiche mit dickflüssigem Blut gefüllt waren.
Nicht ganz so schlimm, wie es klingt, das ganze optische dient nur dem Eindruck. Die grauen Felder
wurden auch Tränenmoor genannt, denn es regnete immer dort.
Engel, die keinen Besitzer hatten – außer den Dämonen, die sich mit ihnen vergnügten, bekamen nur
sehr, sehr wenige Handverlesene so ein Geschenk – und die grade nicht anders gebraucht wurden,
wurden dort gefesselt und bis zum Hals eingegraben, wo man sie versauern ließ, bis sie wieder
benötigt wurden.
Wenn ein Engel weinte, regnete es bei ihm. Dort waren ständig dutzende Engel eingegraben, nah genug
aneinander, dass sie das Elend der anderen sehen können, aber weit genug weg, um allein zu sein.
Einer weinte immer.
Mein Job war es dann heute, sicherzustellen, dass sich niemand an den Engeln vergriff und dass Ruhe
herrschte auf den Feldern.
Ich war zwar ein kleiner Sadist und sehr dominant, aber ich hatte immer nur Spaß, wenn meine
Partnerin es auch hatte. Im SM-Sinne, versteht sich.
Die Engel waren wunderschöne Geschöpfe und es brach mir das Herz, sie so zu sehen. Auch wenn ich,
zugegebener Maßen, ein gewisses Maß an Freude an ihrem Leid hatte. Aber es war falsch. Ich hatte
mir fest vorgenommen, mir irgendwann einen Engel zu verdienen, damit ich wenigstens einen von ihnen
wie eine Lady behandeln konnte. Wie eine Lady mit Halsband, Sklavenmarke und einem von Natur aus
unterwürfigen Charakter.
Die Bibel ist totaler Mist, es ist so, als wären Gott eine Frau und der Teufel eine verdammte
Domina geworden, schließlich waren Engel und Dämonen ihre Schöpfungen gewesen.
Ich packte missmutig meine Ausrüstung zusammen und machte mich auf den Weg zu den grauen Feldern.
Da ich zu der Hälfte der Bevölkerung gehörte, die Nachts wach waren (So dass immer nur die Hälfte
der Leute unterwegs war), bekam ich die unangenehmere Schicht ab. Nachts, wenn die Felder dunkel
waren, kamen manchmal Typen, die sich an die Engel ranmachen wollten – wenn nicht sogar stehlen.
Mit denen musste ich fertigwerden, zusammen mit den paar anderen Wachen. Die Felder waren von einem
hohen Zaun umgeben, der nur zwei Eingänge hatte. An denen saß jeweils eine Wache, um
sicherzustellen, dass niemand reinkam.
Dann war da noch der Platz in der Mitte des Feldes. Der bestand aus einer kleinen Hütte, in der
eine Miniheizung und eine kleine Überwachungsstation für die Kameras untergebracht waren. Das Feld
selbst war nicht übermäßig groß, vielleicht drei Fußballfelder in der Fläche.
Die Dunkelheit machte einem irgendwann nichts mehr aus, man gewöhnte sich daran. Menschen waren
anpassungsfähig.
Das Feld lag still da, bis auf das konstante Rauschen des Regens, der bittersüß schmeckte. Nach
Engelstränen.
Mein Weg führte mich an breiten Reihen von aus der verbrannten Erde ragenden Engelsköpfen vorbei,
die von einem gold-silbernen Heiligenschein gekrönt wurden. Das waren Hologramme, um sie leichter
wiederzufinden, keine echten. Manche wimmerten, manche sprachen leise mit sich selbst, manche
schliefen einen unruhigen Schlaf. Und manche weinten.
Sie waren wunderschön, auch wenn ihr Haar verdreckt von ihren Köpfen abstand, nichts konnte ihnen
ihre Schönheit nehmen. Ich zwang mich, nicht zu einem von ihnen zu gehen, das würde mich nur zu
Dummheiten verleiten.
Mein Platz in der Hütte war langweilig. Es passierte nichts, bis irgendwann der Bildschirm an
irgendeinem Punkt etwas änderte – auf dem Feld bewegte sich etwas. Und das sollte so nicht sein.
Ich sah genauer hin. Eine schlanke Gestalt huschte zwischen den Engeln hin und her, eine Tasche bei
sich tragend. Sie ging die Reihen ab, holte immer wieder etwas aus ihrer Tasche, machte irgendwas
und huschte dann weiter.
Ich zoomte das Bild näher ran.
Es war ein Mädchen oder eine junge Frau, die sich um die Engel kümmerte. Sie gab ihnen aus einer
Thermoskanne zu trinken und machte sie mit feuchten Tüchern etwas sauber. Ihre Lippen bewegten sich
dabei, als würde sie mit ihnen reden. Ich legte fest, dass sie keine unmittelbare Gefahr darstellte
und verfolgte ihren Gang durch die Reihen. Mir fiel auf, dass sie einen Engel ausließ. Erst kam mir
der alarmierende Gedanke, dieser könnte tot sein, aber die Lebenszeichen auf einem zweiten Monitor
sagten was anderes.
Mein Stirnrunzeln wurde zu Neugierde, als die Gestalt am Ende ihres Ganges zu diesem einen Engel
zurückkam. Um diesen kümmerte sie sich besonders…ich würde fast sagen, liebevoll. Sie redete
beruhigend auf den Engel ein. Dessen Lippen bewegten sich, als das schöne Wesen kraftlos
antwortete. Dann nahm die Gestalt das Kinn des Engels mit zwei Fingern und zog es nach oben, damit
sie in die goldenen Augen sehen konnte. Die andere Hand strich über das schulterlange, weiße Haar.
Sie musste eine von denen sein, die die Engel anbeteten und sich im Geheimen um sie kümmerten. Die
meisten ließen sie gewähren, aber technisch gesehen war es ein Verbrechen. In der Hölle. Witzig.
Bevor einer der anderen Wächter die Gelegenheit hatte, auf Sie aufmerksam zu werden, fasste ich
einen Entschluss. Das „Gesetz“ hier ermöglichte es mir, mir eine oder mehrere Sklavinnen zu suchen.
(Ja, als Autor ist das etwas billig, aber verzeiht mir - ich bin eigentlich SciFi/Fantasy Autor,
und Erotik ist eben nicht immer logisch.) Das mussten nichtmal welche sein, wenn ich eine Dämonin
davon überzeugen kann, dass sie in dieser Position besser aufgehoben wären. Und da ich eine Dämonin
ganz gut kannte, sollte das nicht weiter schwer werden.
Ich schnappte mir meine Waffe und legte eine besondere Kugel ein: Einen Betäubungspfeil.
Durch eine Art Schießscharte legte ich an und zielte sorgfältig auf die Schulter der Gestalt.   
Ich drückte ab und ein Zischen mit einem darauffolgenden, entfernten Winseln sagte mir, dass ich
noch immer gut schießen konnte.
Ich hatte meine Entscheidung vielleicht etwas vorschnell getroffen, aber für diese Erkenntnis war
es jetzt auch zu spät. Ich zog mir meinen Mantel über und ging vor dir Tür, die ersten Schritte zu
dem Mädchen hin machend – und wieder stehen bleibend, als mir etwas klar wurde. Es regnete nicht
mehr. Sie hatte es tatsächlich geschafft, dass alle Engel zu weinen aufhörten.
Ich kam mir auf einmal so schmutzig vor, durch dieses Feld wandernd, wo die reinsten aller Wesen
gedemütigt wurden.
Zitternd atmete ich ein, ehe ich den Kloß in meinem Mund runterschluckte. Reiß dich zusammen. Sei
stark.
Als ich das Mädchen erreichte, ruckte der Kopf des Engels zu mir herum. Sie sah jung aus. Und
atemberaubend. „Du.“ Sie sagte es kraftlos und traurig, aber ich fühlte mich angeklagt. „Wieso
musstest du das tun?“
Ich räusperte mich und ging vor dem Kopf in die Knie. „Hey, auch schön dich kennenzulernen. Ich
weiß, das war ziemlich scheiße…aber ich hab meine Pflicht getan.“
Sie hob eine Augenbraue. Zurecht, das glaubte ich mir nicht mal selber.
Meine Finger wanderten nervös in meine Mähne. „…okay, pass auf. Ich finde diesen ganzen Mist hier
genauso wenig gut wie du, aber wenn ich nicht sterben will, muss ich das tun. Sie wäre geschnappt
und versklavt worden, aber vielleicht kann ich sie ja raushauen.“
Der Engel schlug die Augen nieder. „Natürlich. Mit anderen Worten, DU willst sie versklaven.“
Jetzt kam ich mir Richtig dreckig vor. „…was soll ich denn sonst tun? Ich will nicht sterben.“
„Du bist doch schon tot. Du hattest dein Leben, also wieso klammerst du dich an das hier?“
„Gute Frage.“
Ich bewegte mich ein Stück zu dem betäubten Mädchen hin. „Lass sie in Ruhe! Bitte! Sie ist das
einzige, das mir noch…“ Sie brach ab. „…Bitte.“
„Ich will nur nachsehen, ob sie okay ist.“
Ich drehte sie vorsichtig auf den Rücken und tastete nach ihrem Puls. Normal. Dann machte ich meine
Taschenlampe an. Im Nachinein betrachtet verdammt dämlich, denn die anderen Wächter waren mit
Sicherheit nicht so umsichtig wie ich.
Das Mädchen schien ein Fell zu haben. Sie war offenbar eines der Experimente der Dämonen, die
manchmal Tiere mit Menschen kreuzten. Na ja, was das äußere Erscheinungsbild anging zumindest.
Sie war mit nichts als einer Art Sport-BH aus Fell und einer kurzen Hose aus demselben Material
bekleidet. Fuchsrotes Fell bedeckte ihren Körper, die Seiten, den Rücken, die Beine und Arme sowie
die Seite des Kopfes, während Gesicht und die Vorderseite ihres Körpers frei von Haaren waren. Dort
zeichneten sich Muskeln ab. Nicht übermäßig, aber sie machte wohl ab und zu ein paar Situps,
dennoch wirkte es nicht im Geringsten maskulin. Ihre rostroten Haare waren schulterlang und zottig,
ihre Ohren waren die eines Fuches. Hinten an ihrem Steißbein setzte ein buschiger Fuchsschwanz an,
durch ein Loch in der Hose.
„Faszinierend,“ murmelte ich. „Die ist doch bestimmt jemandem weggelaufen.“
„Ist sie nicht. Sie wurde freigelassen.“
Ich grübelte kurz. Sie hatte mit allem Recht. Ich fühlte mich Scheiße. Und mein Leben hier fühlte
sich genauso an. Wieso nicht alles auf eine Karte setzen?
„Also gut, pass auf. Ich kann den anderen Engeln nicht helfen, aber vielleicht kann ich sie
irgendwie rausschmuggeln und in eine wenig bewohnte Gegend bringen. Und wer weiß, vielleicht krieg
ich dich ja auch raus.“
Zum ersten Mal glimmte ein Funke Hoffnung in den goldenen Augen des Engels. „Wirklich?“
Ich hielt dem Kopf die Hand hin. „Jep. Ich habe Kontakte. Deal?“
„Deal.“ Antwortete sie und knabberte an meinen Fingernagel.

Im Nachhinein betrachtet, wie gesagt, ne Scheißidee. Nein, die Idee war gut, aber zum Scheitern
verurteilt. Kamerdadenschweine.
Ich saß mit auf den Rücken gefesselten Händen auf einem Stuhl in einem Vernehmungsraum. Wie ich
dort hingekommen war, ist relativ irrelevant, es reicht zu sagen: Es ist alles schiefgegangen.
Wo ich sowieso auf meine (zweite) Hinrichtung wartete, konnte ich mich genausogut entspannen. Ich
wusste wie es war, zu sterben.
Zu meiner Überraschung kam eine Dämonin zur stählernen Tür rein, und zwar eben jene, zu der ich
„Kontakt“ hatte. Im Grunde waren Dämonen und Engel wie Menschen, zumindest von der emotionalen
Seite her. Ich hatte das unglaubliche Glück gehabt, genau der Mix aus ansprechendem Äußeren und
passendem Charakter zu sein, der eine kleine aber feine chemische Reaktion in ihrem Hirn ausgelöst
hatte. Sprich, Sie hatte sich in mich verknallt.
Was ihren Sadismus zwar nicht im geringsten dämpfte, aber immerhin sorgte Sie dafür, dass Sie die
Einzige war, die mich bestrafte. Nicht, dass Sie es je getan hätte – wieder der glückliche Umstand,
dass ihre Gefühle mich einfach nicht Leiden sehen konnten.
Sie setzte sich auf den Stuhl mir gegenüber und beugte sich vor, das Kinn in die Handfläche
gestützt.
„Aaalso, mein Süßer…“ schnurrte Sie. „Du weißt, das du Scheisse gebaut hast?“
Ich zuckte mit den Schultern und nickte knapp.
„Soo…“ Rixa – das war übrigens ihr Name – beugte sich noch etwas weiter vor, so dass ihr Gesicht
Zentimeter vor meinem schwebte. „Ich würde die Gelegenheit natürlich nutzen und dich gleich
einpacken und mitnehmen…eine von zwei Möglichkeiten, wie du hier Lebend rauskommst…“
Ihre Hand strich mir über die Wange, einen winzigen Kratzer hinterlassend, durch ihre spitzen,
dunkellila Fingernägel.
„…aber ich würde nie wirklich Spaß an dir haben…manche Spielsachen müssen eben frei sein.“
„Also?“ fragte ich langsam.
Rixa legte scheinbar nachdenklich den Kopf schief, die andere Hand über ihre spärlich bedeckten
Brüste wandern lassend. „Dein Glück ist, dass mir diese Stadt quasi gehört. Von daher…hast du
versucht, die Kleine, das Füchsen, auszuschalten und hast ein ganzes Feld voller Engel gerettet.
Dünne Story, aber niemand wird daran zweifeln. Dann spazierst du als kleiner Held hier raus und
lebst weiter, damit ich mich nicht wegen einem toten Sterblichen in den Schlaf weinen muss.“
Ich hob eine Augenbraue (und spürte, zugegebenermaßen, ein Kribbeln im Bauch, als Sie es so offen
zugab.). „Du würdest wegen mir weinen? Wie nett von dir.“ Ich lächelte Rixa so an, wie sie es
hasste – weil es ihr das Blut in die Wangen trieb.
Die Dämonin wandte den Blick an und schnaubte. „Sei nicht so überheblich. Nur weil der Teufel
damals meinte, uns mit Gefühlen wie Liebe erschaffen zu müssen, hast du noch lange keinen
Kaperbrief.“
Sie erhob sich und setzte sich kurzerhand äußerst graziös in meinen Schoß, mein Kinn anhebend.
„Hast du eine Ahnung, wie selten so etwas passiert? Du solltest dich glücklich schätzen, von so
etwas…edlem wir mir überhaupt gemocht zu werden.“
Ich sah Rixa in die Augen. „Das tue ich. Glaub mir.“
Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, ehe sie wieder wegsah. Die Dämonin war viel zu stolz, um ihren
Gefühlen freies Spiel zu erlauben.
Und ich meinte es Ernst. So dämonisch Sie auch war, Rixa unterschied sich in einer Weise von den
anderen Dämonen, die ich nicht wirklich definieren konnte. Und was auch immer es war, es brachte
mich dazu, mit der Zeit ihre Gefühle zu erwidern. Nicht, dass das jemals ohne Probleme mit uns
funktioniert hätte. Oder doch?
Ich schob meine Gedanken beiseite. „Und…was ist mit dem Mädchen?“
„Kannst Sie haben.“
„Als…?“
„Jaa, als Sklavin. Glaub mir, so widerspenstig Sie auch ist, da drin steckt ein devotes,
masochistisches kleines Füchsen, das gezähmt werden will. Ich hab mich etwas mit ihr beschäftigt.
Süßes Ding.“
Ich seufzte erleichtert. „Ähm…und…“
„Ja, was denn noch?“
„Der Engel?“
Rixa dachte einen Moment nach, die Augen misstrauisch verengt. „Mmh. Wieso willst du einen Engel?“
So gut Sie es auch verbarg, ich hörte Eifersucht in ihrer Stimme. Sie saß immer noch in meinem
Schoß, und ihre Brüste drückten in mein Gesicht. Schwer, in so einer Situation nachzudenken.
„Sie ist dem Mädchen offenbar sehr wichtig. Sah so aus, als hätten die schon länger was zusammen.“
Soweit man was mit einem Kopf haben kann, dachte ich.
Rixa sah mir in die Augen, ihre roten meine blauen erforschend. „Ich will nicht, dass du einen
Engel hast. Auch wenn du vielleicht am ehesten einen verdient hättest.“
Einer ihrer Finger bohrte sich sanft, aber anklagend in meine Brust. Zum Glück nicht mit viel
Druck. „DU gehörst MIR. Mir allein. Klar?“
Mein Herz schlug ein ganzes Stück schneller als sonst. Jeder andere hätte das Offensichtliche
daraus abgeleitet, aber ich wusste, was Sie damit meinte.  Und es war das erste Mal, dass Rixa es
wirklich sagte.
Ich war von Natur aus dominant. Sie wusste das. Und Sie konnte ihren Spaß mit jedem beliebigen
Engel, Menschen oder anderem Wesen haben, wenn Sie Lust darauf hatte.
Aber Sie wollte mich für sich allein und ertrug den Gedanken nicht, mich in den Armen eines Engels
zu sehen.
„Rixa…“ begann ich leise, wurde aber sofort unterbrochen.
„Sag meinen Namen nicht so!“ zischte Sie. „Jeder andere Dämon hätte dich längst getötet oder sich
an dir vergnügt und DANN getötet. ICH bin anders. Nicht durch dich, sondern weil du es
hervorgebracht hast. Ich bin eine Dämonin, ich sollte mir nehmen können, was ich will…aber ich kann
es nicht. Weil ich DICH will. Also wirst du ganz sicher nicht mit einem ach so wunderschönen und
guten Engel an der Leine hier rausgehen und mich mit dieser…Behinderung alleine lassen!“
Ich starrte Sie an. Einen Moment lang starrte Sie zurück, als ihr klar wurde, was Sie da grade
gesagt hatte.
Dann erhob Rixa sich aus meinem Schoss und ging zu einer Wand, die Arme um sich geschlungen und mir
den Rücken zugewandt, die Flügel gefaltet. Dann ballte Sie die Hände zu Fäusten.
„RRAH!“ Mit einem Knall hieb die Dämonin auf die metallene Wand vor ein, eine tiefe Beule
zurücklassend.
Die ebenfalls metallene Tür öffnete sich, und ein Beamter kam zum Vorschein. „Ist alles in Ordn-
Grmpf“
Rixa knallte die Tür wieder zu, durch die die schmerzerfüllten Schreie des Mannes drangen, ehe Sie
das Schloss verbog.
„Es tut mir leid, Ma´m…“ wimmerte es hinter der Tür.
„Klappe!“ blaffte Sie zurück. Dann wandte Sie sich wieder mir zu.
„Wenn ich könnte…“ Ein harter Kloß bildete sich in meinem Hals, als ich merkte, wie ihre Stimmer
zitterte.
„Wenn ich könnte, würde ich diese Seite an mir einfach rausreißen. Oder Nein, würde ich nicht…weil
ich es nicht will.“
Sie stützte sich beidseitig auf den Armlehnen des Stuhls ab, mich ansehend. „Weißt du eigentlich,
was du damit auslöst? Ich könnte dich einfach…nehmen…aber ich will nicht. Ich will, dass du zu mir
kommst. Ich kann dir nicht weh tun. Jedem Anderen, außer dir.
Und das macht mich wahnsinnig.“ Sie blinzelte. „Also, noch mehr.“
Rixa nahm erneut mein Kinn in ihre Klauenbewehrte Hand. „Sei nicht so ruhig. Sag gefälligst was.
Ich bin eine Dämonin, und wegen dir fühle ich mich wie ein schwächlicher Engel.“
Ich war absolut geschockt. Ich konnte nur vermuten, warum das alles auf einmal aus ihr
heraussprudelte – Hatte es sich aufgestaut und musste raus? War Sie krank? Hatte Sie ihre Tage?
Ich schüttelte meinen Kopf, um ihn freizubekommen.
„Was? Warum schüttelst du den Kopf? HEY!“
Ich wollte ja antworten,  aber ich wusste nicht, mit was.
Eine oder zwei Minuten starrten wir uns einfach nur an. Dann fasste ich meine wirbelnden Gedanken
zu – hoffentlich nicht zu bescheuerten – Worten zusammen.
„…können wir das später woanders besprechen?“
Die Dämonin vor mir sah mich fassungslos an. Ich sprach weiter, bevor Sie komplett die Fassung
verlor. „Du weißt doch, dass ich nicht Nein sagen kann.“
Stirnrunzeln. „Zu was?“
„Zu dir.“
„…“
„…alles in Ordnung?“
„Was kitschigeres ist dir wohl nicht eingefallen, hm?“
Sie schien zufrieden mit der Antwort. Und so schnell, wie ihr Emotionalität gekommen war,
verschwand Sie auch wieder.
„Was erwartest du von mir? Dass ich dir meine ewige Liebe gestehe?“
„Es wäre ein Anfang.“ Meinte Sie sarkastisch, verärgert über ihre (lila) geröteten Wangen das
Gesicht abwendend.
Einen Moment lang geschah gar nichts. Dann drehte Rixa sich wieder um. „Also schön…du kriegst den
Engel, zusätzlich zu der Kleinen. Mit passender Wohnung und allem drum und dran. Aber nur, wenn du
mir SCHWÖRST, immer für mich da zu sein.“
Sie ärgerte sich sichtlich über ihre Wortwahl. Und darüber, dass Sie es tatsächlich ernst meinte.
Ich lächelte. „Natürlich.“
„Gut. Und seh zu, das dieses Engelchen weiß, wo sein Platz ist. Du gehörst-“
„Dir.“
„Also, nicht im Sinne von-“
„Ich hab schon verstanden.“
„Wieso hab ich dann das Gefühl, dass du das nicht wegen mir machst?“
„…komm einfach morgen zu mir.“
 

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Kommentare

Megs ·Administrator·

Erfreulich anders.

Herzlich Willkommen, und weiter so.

 In dem ich der Kraft meiner innersten Wahrheit vertraue, sprenge ich die Fesseln meiner alten Ängste.

Ich freue mich darauf mehr zu lesen vor allen so eine unfreiwillig / freiwillig verliebte Dämonin
macht Lust auf mehr.

Ich freue mich schon auf den nächsten Teil! :-)