Grenze

 

Ich will dich küssen, du verweigerst dich. Ein Spiel? Ich greife in deine Haare und übernehme die Führung, du sträubst dich. Mein Zug wird fester, den Schmerz kann ich dir ansehen, du brichst in Tränen aus. Die Fassung verlierst du, willst den Kuss nicht. Ich lasse ab, abwertend und schaue dich an, du zu Boden. Deine Tränen tropfen von deinem Kinn, deine Nase ist rot. Ich verstehe es nicht.

Die Ohrfeige, die dich trifft realisierst du nicht, starrst weiter nach unten, wirkst weit entfernt. Etwas ist passiert, nur unklar was. Ich greife unter dein Kinn und zwinge dich zum Blick, du kneifst die Augen zusammen und drehst dich weg.

Die erlebte Situation ist nicht neu für dich, so oft hast du es in den Jahren getan. Am Anfang hattest du Abscheu vor Anilingus, die ist mit der Zeit gewichen, heute erfolgt es mit Hingabe, mit einer echten. Du vertraust mir, du hast diese Hürde eingerissen, ich verstehe dich nicht.

Dein Verhalten ändert sich nicht, ich versuche erneut dein Gesicht zu sehen, wieder wehrst du dich. Heiser kommt aus deinem Mund:„Bitte nicht.“
Etwas ist zerbrochen, etwas in dir, besorgt streichle ich dein Haupt und frage:„Kannst du es in Worte fassen?“ Ein weiterer Krampf erfasst dich, du heulst richtig. Ich nehme dich in dem Arm, auch das akzeptierst du nicht.

„Ich habe dich geschmeckt“, stammelst du, schluchzt und weinst weiter. Unglaube dringt in meine Ohren, wischt den Verstand weg, ich breche aus. Ich erfasse erneut dein Haar, reiße deinen Kopf hoch und frage:„warum?“
„Weil ich es wollte“, sagst du, deine Augen öffnen sich, dein Blick ist glasig. Wie ferngesteuert stehe ich vor dir, verachte dich, schlage dir erneut ins Gesicht. Du empfängst sie alle, ich spüre deine Dankbarkeit, doch werte ich sie nicht. Ich breche ab, lasse von dir, entferne mich.

Du siehst mich an, ich auf dich herab. Stille dröhnt in meinem Schädel, die Welt steht Kopf, ich habe Wut. Auf mich, auf dich, auf uns. Wahnsinn ergreift mich, ich mache einen Schritt auf dich zu, weitere folgen, eisern erfasse ich dein Haar, lasse nicht los, halte den Blick und zögere. Ich kann nichts sagen, nichts tun, nicht schlagen, nichts.

Reaktion regiert, ohne Gedanke, ich erfasse mein Glied und denke nicht. Der Strahl trifft dich, im Gesicht, dein Blick bleibt bei mir, deine Haare, dein Körper, alles benetze ich. Auch mich, ich merke wie mein Damm bricht. Wut kocht weiter, Verzweiflung macht sich breit, ich verliere mich.

Der Stich im Herz bezwingt mich. Übelkeit reißt mich nach unten, zu dir.
„Wer bist du? Wer verflucht bist du? Was bist du? Wie ist noch dein Wert?“, fragen mich meine Gedanken, meine Tränen retten mich nicht. Hilflosigkeit umzingelt mich, kreist mich ein, dominiert mich, mehr als ich dich.

„Ich liebe dich“, schreist du mich an, mehrfach, ich besinne mich. Achte auf dich und hole aus. Deine Wange ist nass, das Geräusch neu:„ich liebe auch dich.“

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Kommentare

Sie ist wirklich verdammt kurz, dafür aber auch verdammt gut. Interessant wessen Grenzen wer manchmal so verschiebt. Abgesehen vom Ekelfaktor steckt eine wunderbare Innigkeit in dieser Geschichte. Ein Atmosphäre die du mit diesen Geschichten immer wieder zu erzeugen verstehst.

Ich hoffe der Ekelfaktor ist gering, ich habe ihn versucht möglichst klein zu halten, brauchte diesen aber, um solche Reaktionen zu erhalten. Grenzgänge können beide Seiten machen, nicht nur erleben, sondern diese auch fordern, ganz ohne Manipulation indem Handlungen auf ein Mal selbstverständlich werden können.

Vielen Dank.

...den vollen Zwiespalt der Situation absolut empathisch verarbeitet. Nicht der Umfang, die Intensität macht Deine Geschichte so genial ! 

Mich interessiert, was nun anders ist. Deine Worte von damals habe ich noch im Kopf, nur interssiert mich nun wirklich das Warum.

Danke, wie immer.

....die Sache mit den Ausscheidungen die hinten rauskommen so gar nicht mein Thema ist, finde ich Deine Geschichte unglaublich tiefgründig, gefühlstechnisch absolut nachvollziehbar und sehr gut lesbar. Sechs Sterne ******

Lg Dele :)

...stimme ich dir zu. Ich meinte damit eigentlich auch eher den Tag "Kaviar", meistens lese ich die Geschichte dann gar nicht erst. Aber aufgrund deiner bisherigen Werke hab ichs doch getan und bin froh drüber .

Da war die Sub schneller als der Dom. Ist schwierig, kommt aber vor.

Was mich etwas irritiert, ist die Beschaffung der Kotprobe. Ist die Vorbereitung fürs Rimming nicht die selbe wie für Analverkehr? Und selbst wenn nicht, hätte der Dom entweder schon ein ziemlich dringendes Bedürfnis haben müssen, oder Sub hat eine Schlangenzunge. Oder ... iiihh nee, auf die Toilettenhygiene will ich jetzt nicht näher eingehen ... ;-)

Aber darum gehts hier ja auch gar nicht, die Gefühlswelt des Doms steht hier im Mittelpunkt, weil seine Sub ohne sein Zutun und sein Wissen (was ihn meiner Meinung nach viel mehr aus der Fassung bringt) gemeinsame Grenzen überschritten hat. Vielleicht sogar ein absolutes Tabu gebrochen hat. Ich denke sogar, dass sie genau das getan hat, eine Grenze überschritten hat, die für ihn absolut nicht überschreitbar ist. Zumindest würde ich so seine Reaktion deuten, mal ganz davon abgesehen, das Natursekt für ihn kein Problem darstellt.

Schwieriges Thema, knapp dargestellt aber mit Deinen Tipps zum Lesen (Dankeschön nochmal dafür ... grins) gut verständlich.

5 Sternchen von mir, weil ich seine Reaktion trotz des Tabubruchs etwas überzogen finde.

LG nachthimmel

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In reply to by MykaNight

Was die Beschaffung angeht, oh doch, das kann passieren. Vollkommene Entspannung und Reste sind meistens immer da, auch ohne das Bedürfnis. Mensch kann halt rauslassen, was nicht fest sitzt.

Dass es eine gemeinsame Grenze war, schloss ich vorher aus, es war nur eine von einem der Beteiligten. Wäre es wirklich eine gemeinsame gewesen, hätte sich die Sache anders entwickelt. Es ist nur zum Teil der Übertritt, mehr die eigene(ihre), ungewollte Handlung und eben die Abscheu, denn nur dadurch konnte die Reaktion so wachsen. Die Sache mit der Grenze, meine Überschrift leitet auch irre, ist es nicht.

Ich find die Reaktion des Doms absolut nachvollziehbar und nicht übertrieben,  man merkt direkt wie geschockt er ist-die NS -Dusche logische Konsequenz aus der Situation entstehend, deshalb von mir 6 Sterne, trotz der Kürze der Geschichte

Reaktionen sind so eine Sache, manch einer versteht sie, manch anderer nicht. Danke für den Kommentar S.

Nur Überbewerten sollte man diese Sache mit dem Tabu nicht. Das steht hier nicht im Mittelpunkt und spielt nur eine sehr unter geordnete Rolle.