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"Alles in Ordnung?"
Mit zusammengekniffenen Lippen nickt sie zustimmend mit dem Kopf. Er hat so viel darüber gelesen. Er hat so oft davon geträumt. Er hat sich in Gedanken oft Schritt für Schritt ausgemalt, wie er vorgehen würde. Die Frauen in seinen Fantasien waren unbekannt, ohne Gesicht, ohne Persönlichkeit. Nie stellte es ein Problem dar, diese Frauen zu seiner sexuellen Befriedigung zu fesseln und zu demütigen. Immer hat er sie beherrscht – selbstsicher, ohne jeden Zweifel. In ihr hat er nicht nur die Frau gefunden, mit der er über seine Neigungen und Wünsche sprechen konnte. Sie bot ihm sogar an, die Realisierung seiner sexuellen Wünsche zu versuchen. Eindeutig mehr, weil sie ihn liebte, als aus Veranlagung. Auch er ist verliebt. Ja, er liebt sie. Und genau dieses Detail hatte er nie bedacht. Zu Beginn, als sie zum ersten Mal andeutete, dass sie ihm zuliebe sich fesseln lassen wolle, hat er sich einfach nur gefreut. Wäre es nicht wunderbar, dass, was er liebte, mit der Frau zu tun, die er liebte? Und nun zitterten ihm die Hände, als er ihr die Arme an den Handgelenken fesselte.
„Au, nicht so fest.“
Erschrocken zog er seine Hände zurück. Langsam, fast zärtlich, lockerte er das Seil etwas. „Willst Du aufhören?“, wollte er mit unsicherer Stimme wissen. „Wir haben doch noch nicht angefangen“, meinte sie mit einem kleinen Lächeln. Die Situation erinnerte ihn doch sehr an ein paar Teenager beim ‚allerersten Mal‘. Wenigstens er fühlte sich so.
Prüfend zupfte er am Seil, das ihre Hände fesselte. "Immer noch zu fest?" Sie machte einige komisch wirkende Verrenkungen mit ihren Armen, lies sie wieder in den Schoß sinken und lächelte ihn wieder an. "So geht's. Tut nicht weh." Beruhigt, aber immer noch verunsichert, setze er sich neben sie auf die Bettkante. Behutsam drückte er ihren Oberkörper nach hinten, bis sie auf der Matratze lag. Dann half er ihr dabei, sich in die Mitte des Bettes zu legen. Offensichtlich hat auch sie sich Gedanken über den Ablauf gemacht, denn ohne sein Zutun hob sie ihre Arme nach oben, Richtung des Kopfteils vom Bett. Sie rutschte noch einige Zentimeter nach unten, damit sie mit den Händen nichts vom Bett berührte. Mit einem kurzen Strick verband er nun das Seil um ihre Handgelenke mit einem der hölzernen Rundstäbe des Kopfteils, machte einen Doppelknoten und blickte sie wieder prüfend an. Sie lächelte ihn einfach nur an. Davon ermutigt nahm er wieder ein Stück des weichen Seils, schlang es ihr mit einigen Windungen um das rechte Fußgelenk. Langsam und behutsam spreizte er dieses Bein und band es mit dem losen Ende des Seils an den unteren, rechten Bettpfosten. Mit wenigen Handgriffen befestigte er ihr linkes Bein auf die gleiche Art auf der anderen Seite. Für einen Moment stand er am Fußende des Betts und bewunderte sie. Nackt, gefesselt und ihren Körper so gestreckt, dass ihre gute Figur noch betont wurde. Er stand wohl länger, als es ihm bewusst war.
"Hast du Angst?"
Ob er Angst habe? Er glaubte zu träumen. Fragte wirklich sie ihn? Er, der sie fesselte und diesen Zustand nun ausnutzen will. Er, der den dominanten Teil bei diesem Spiel übernehmen will, sie beherrschen will. Sie, die nun wehrlos vor ihm lag, stellte ihm diese Frage. Schon wollte er auf seine übliche Art, völlig unüberlegt, ihre Frage einfach wegwischen, diese Frage als lächerlich darstellen. Und doch zögerte er einen Moment mehr und dachte darüber nach. "Ja, ich habe Angst etwas falsch zu machen und dich damit zu verlieren. Ich liebe dich und würde gerne mit dir erleben, wovon ich schon lange träumte. Aber was ist, wenn es dir nicht gefällt und ich es nicht gleich bemerke? Würdest du es mir sagen? Oder würdest du aus Liebe zu mir, darüber schweigen, es zwischen uns stehen lassen, bis es uns auseinander bringt?"
Sie sah ihn von ihrem Lager aus an. Wie er dort stand, verloren und so gar nicht dominant. Ja, auch sie hatte Angst! Aber wenn sie ihn nun so ansah, wurde ihr wieder ganz deutlich bewusst, dass er sie wirklich liebte, dass sie ihm wichtig ist - über das Sexuelle hinaus. In diesem Augenblick war die Angst vergessen. "Weil du mich so liebst, vertraue ich dir. Ich spüre, wie sehr du mich liebst, und weiß deshalb, dass du es merkst, wenn du mir wehtust oder es mir doch nicht gefällt." Mit einem wunderschönen Lächeln auf ihren Lippen schloss sie die Augen, ließ ihren Kopf nach hinten ins Kissen sinken. "Und weil auch ich dich liebe, will ich es mit dir versuchen. Vertraue deinen Gefühlen und es wird ganz sicher schön für uns beide."
Sie hatte recht. Er spürte es nun selbst. Und so nahm er die Augenbinde und legte sie ihr an. Diesmal musste er nicht fragen, ob sie zu fest sei - er wusste es. Von Sekunde zu Sekunde verging mehr von seiner Anspannung, seine Erregung stieg. Diese wunderbare, nackt gefesselte Frau vor ihm gehörte nun ihm, war ihm ausgeliefert. Mit flinken Fingern betastete er ihren Körper. Spielte im einen Moment mit ihren Brüsten, um im nächsten kräftig in ihren Schritt zu greifen. Ihre Körpersprache gab ihm Mut. Sie war feucht und stöhnte immer wieder. Mit seinen Fingernägeln reizte er ihre Nippel, drang mit seiner Zunge tief in ihren Mund ein, fing ihre Zunge und zog sie in seine Mundhöhle, biss leicht mit seinen Zähnen darauf. Immer mehr kroch er mit seinem Körper auf den ihren, nutzte beide Hände und den Mund, um alle Stellen, die er entdecken wollte, zu erkunden. Mit seiner Zunge fand er die eine oder andere kitzelige Stelle, quälte sie kurz dort, um zu genießen, wie sie dabei an den Seilen zog, sich wegwinden wollte. Es gefiel ihm - und es gefiel ganz sicher auch ihr.
Zeit spielte keine Rolle mehr. Das Vorspiel dauerte nun schon ewig - oder erst wenige Sekunden. Er wusste es nicht und es war ihm auch egal. Sie war überrascht, wenn er immer wieder neuen Stellen auf ihrer Haut Aufmerksamkeit schenkte. Es war, als würde er vom Kopf zu den Füßen springen, gleichzeitig bei ihren Brüsten sein - es war wunderbar. Er reizte sie, bis sie es nicht mehr aushielt, sich von ihm wegdrücken wollte. Doch die Stricke hielten sie. Dieses Nicht-Entkommen-Können erregte sie noch mehr. Für ihn war diese Erregung die Motivation weiter zu machen, es war sein Antrieb. Je mehr sie stöhnte, umso mehr wollte er sie erregen. Je mehr sie erregt wurde, umso mehr spornte sie ihn an. Seine Lust war groß wie noch nie. Als er dann endlich in sie eindrang, schrie sie vor überwältigender Lust. Mit der wenigen Bewegungsfreiheit, die sie hatte, stieß sie ihm ihr Becken entgegen. Wie in einem billigen Roman feuerte sie ihn an, schneller und fester zuzustoßen. Sie riss ihn mit ihrer Lust mit. Und so kam er schon nach wenigen Minuten zusammen mit ihr zu einem fantastischen Orgasmus.
Überwältigt, befriedigt und leicht erschöpft blieb er noch eine Zeit auf ihr liegen. Seine Angst, seine Unsicherheit - weg, als wären sie nie da gewesen. Als er die Augen öffnete, strahlte sie ihn mit einem glücklichen Lächeln an. "Warum hast du solange gezögert, das mit mir auszuprobieren?"
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Kommentare
Na, schau an!
Unser Admin ist nicht nur Moderator. Er hat's auch selber drauf! Ungeachtet vom "Ansehen der Person" - eine so zarte "coming-into-SM"-Story hat auf jeden Fall lobende Worte verdient. Richtig schön - nur'n büschen kurz.
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Hast Du Angst
Sehr schön geschrieben man kann sich sofort in die Situation reinfühlen, spürt die Unsicherheit des ersten males. Das Gegenseitige Vertrauen in denPartner. Deshalb volle Punktzahl von mir
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Wunderschön..
.. be- und geschrieben! :-) Danke!
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Genau getroffen...
Denn wenn auch schon recht lange her, so erinnere ich mich doch auch noch zu gut an diese Anfänge von Rose und mir. Deshalb auch von mir...volle Punktzahl!
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Das erste Mal
auch wenn es so wunderschön geschrieben wurde, vergisst keiner.l
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Kurz und gut
Endlich mal eine erfrischend kurze Geschichte, die sich exakt einem (für mich sehr gut nachvollziehbarem) Problem widmet. Hier wird man von ellenlangen Beschreibungen wie lang doch Stiefelabsätze sind, welche Farbe die oder das hat und was jetzt genau wie fixiert wird, damit dieses oder jenes eingeführt werden kann, verschont. Hier geht es nur um die Unsicherheit eine Paares, die den ersten Schritt in Richtung SM wagen. Kleine Szene, dicht geschrieben, auf den Punkt genau eine Aussage getroffen. Wunderschön. - Eine winzigkleine Verständnisfrage bleibt aber: Die beiden langen Dialoge: "Ja ich habe Angst etwas falsch zu machen...." und "Weil du mich so liebst..." im 7. und 8. Absatz. Hier ist mir nicht gaz klar, ob es die Gedanken der Protagonisten sein sollen, obder ob sie diese Sätze wirklich sagen. Als gesprochener Dialog klingt es zu unrealistisch. So grammatikalisch korrekt und mit soviel Analyse, nach so kurzer Zeit in denen die betreffenden Personen diese Gefühle gerade erst erfahren... hm. Wenn es Gedanken sind, verwirren die Anführungszeichen.
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Schöne Erinnerung
Wenn ich so einige Kommentare lese, finde ich es gar nicht so schlimm, in Sachen Rechtschreibung ein wenig talentfrei zu sein. Auch ich konnte mich sehr gut in dieser Geschichte erkennen, obwohl bei mir gleich beim ersten mal die Augen verbunden waren. Interessant wäre jetzt natürlich die nächste Phase. 5 Sterne !
Wäre interessant mal von anderen Lesern zu erfahren, ob sie sich wie ich auch eine Fortsetzung wünschen würden, oder ob sie meinen, dass die Geschichte so bleiben sollte.
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Sehr schön das "erste Mal"
Sehr schön das "erste Mal" beschrieben. Vor allem gefällt mir, dass hier die Ambivalenz der Rollen herausgestellt wird. Dom ist nicht gleich per se Dom, nur weil er sich gerne so sieht, und Sub ist es aus eigenem Willen. Vergisst man gelegentlich. Eine Fortsetzung ist, meine ich, nicht unbedingt erforderlich. Es ist eine Kurzgeschichte, die alles aussagt, was sie aussagen will. Gefällt mir sehr gut.
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Senf
dazu muß ich nu auch mal meinen Senf dazu geben
jahre lang beschäfftigt mich dieses Thema nun schon
diese Geschichte könnte meine sein
LG Rob
PS bitte weiter so
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;-)
schön.....sonst ohne worte,,,,
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Der Klassiker
Man liest den Titel und sitzt im selben Moment gefangen in der eigenen Klischeefalle, denn was sonst sollte die Hast-Du-Angst-Frage sein als die eines/r Dom an die/den Sub nach dem emotionalen status quo während einer Session? Dass Du das Pferd hier von der anderen Seite, also verkehrt herum aufzäumst, macht die falsche Richtung aus meiner Sicht zur richtigen und ermöglicht durch die Offenheit, mit der hier über Ängste gesprochen wird, dass der Leser nicht belehrt, sondern aufgeklärt seiner Klischeefalle wieder entsteigen kann.
Der nachhaltig interessante Punkt an Deiner Story ist für mich aber die Frage: behindert Liebe SM? Ich habe das schon mehrfach von Doms gehört, dass die Angst oder Befürchtung bzgl. des SM-Ausagierens steigt mit der emotionalen Abhängigkeit vom Partner. Das, was uns sonst so gerne als Klischee textlich vorgelebt wird, nämlich Liebe=Hingabe=Vertrauen=Verzeihen (falls was schief geht), kann realiter schnell mal zu Bang-inne-Büx werden. Darüber zu sprechen, geschweige denn zu schreiben, ist nach meiner Wahrnehmung nicht opportun und wird schnell abgetan als Einzelproblem, wovon die Mehrheit der SMer freilich nicht betroffen ist. Schön, dass Deine Story dieses Tabu aufgreift!
Gruß
Frau Rosebud
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Das seh ich ähnlich
wie Frau Rosebud.
5 Sterne von mir; einzig die Formulierung
"Wie in einem billigen Roman..."
empfinde ich als deplaziert, ohne das gäb es 6 Sterne von mir.
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