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Gute Unterhaltung wünschen "Die Grimm'igen Gebrüder"
Dort steht er, ragt heraus, sticht heraus, überragt sie alle. Möglichst unauffällig, aber sehnsüchtig blicke ich zu ihm. Gebannt hänge ich an seinen Lippen, höre ihm aufmerksam zu, inhaliere seine Worte. „Ihr müsst euch verinnerlichen, dass ihr in der Hölle seid. Ihr seit gefangen in der Hölle, ohne Ausweg, ohne eine Möglichkeit zur Flucht. Diese Erkenntnis, eure Verzweiflung, die Ausweglosigkeit will ich bei euch sehen.“ Um mich herum sehe ich zustimmend nickende Köpfe. Der Regisseur sieht sich um, will sehen, ob ihm auch wirklich alle Schauspieler zustimmen. „Gut, damit ihr euch an die Fesseln gewöhnt, werden wir bei der heutigen Probe damit üben. Also zieht euch um!“ Alle, die wir die Verdammten in der Hölle spielen, gehen wir in die Garderobe, ziehen uns für die Probe um und legen auch die Ketten und Fesseln an. „Wo die das Zeug wohl gekauft haben?“, frage ich mehr für mich selbst. Karin fühlt sich wie immer angesprochen: „Sieht aus, wie aus einem Fetischladen, wie so ’n S/M-Spielzeug.“ Sie rasselt mit den Ketten, als sie sich das Geschirr anlegt. Sie dreht sich mit dem Rücken zu mir, damit ich ihr die Schließen der Riemen zumache. „Du musst es ja wissen“, meine ich nur und komme ihrer unausgesprochenen Aufforderung nach. Über die Schulter sieht sie mich an und zwinkert mir zu: „Man muss alles mal probiert haben.“
Wir sehen wirklich lächerlich aus. In unseren Gymnastikhosen, engen Tops oder T-Shirts und jeder Menge Ketten und Lederriemen darüber. Halsbänder, Handfesseln, Fußfesseln aus dickem schwarzen Leder, diverse Riemen oder Geschirre – und alles verbunden mit dicken, verchromten Ketten, die im Bühnenlicht glitzern und funkeln. Vermutlich wurde alles extra breit, schwer und dick ausgesucht, dass auch die Zuschauer in der letzten Reihe noch alles gut sehen und erkennen können. Zu den Aufführungen tragen wir darunter dann fleischfarbene Ganzkörperanzüge, um den Kontrast zu erhöhen – und „Sex sells“. Aber für die Probe sind wir ein bunter Haufen - in Fesseln!
Es ist vom Regisseur eine kluge Entscheidung. Mit den Fesseln ist unsere Bewegungsfähigkeit deutlich eingeschränkt, unser Tanz wird schwieriger, viel schwieriger. Und ich bin abgelenkt! Zusätzlich zur Behinderung der Fesseln bin ich abgelenkt. Jede Bewegung, jedes Wort von ihm lässt mich innehalten. Viele seiner Worte sind aber auch direkt an mich gerichtet. Ich bin abgelenkt, dadurch unaufmerksam, mache Fehler, wieder Fehler und noch mehr Fehler. Und er ermahnt mich, weißt mich zurecht, lässt mich meine Schritte und Bewegungen wiederholen. Auch wenn er unzufrieden ist, mich schon beinahe beschimpft, ist jeder Satz von ihm, wie ein Gedicht für mich.
Ich weiß nicht, was heute mit mir los ist. Schon seit Wochen schwärme ich für ihn, habe ich Schmetterlinge im Bauch, wenn er nur in der Nähe ist. Doch so schlimm wie heute war es noch nie. Heute bekomme ich nichts auf die Reihe, muss ständig zu ihm hinüber sehen. Er hat so gar nichts von einem Regisseur. Sein durchtrainierter Körper - mehr Bodybuilder als Künstler, seine Kleidung – dunkel, schwarz, körperbetonend, beindruckend, fast bedrohlich, zieht meine Blicke magisch an. Nie, noch nie habe ich ihn berührt, niemals hat er mich angefasst. Wieder mache ich einen Fehler, während ich mir vorstelle, wie eine Berührung von ihm wohl ist.
„Celeste? Celeste!“ Karin knufft mich fest mit ihrem Ellenbogen in die Rippen. Verwirrt sehe ich sie an. Mit einer Kopfbewegung deutet sie zu ihm. „Celeste?“ Widerwillig und ängstlich sehe ich ihn an. Diesmal fürchte ich seine Worte. „Wo bist du heute? Egal wo, aber nicht hier bei uns.“ Sein Ärger steht sichtbar in sein Gesicht geschrieben. „Wir machen Schluss für heute“, mit einer Handbewegung entlässt er die Truppe, „Celeste, dich will ich in meinem Büro sprechen. Geh schon vor, ich komme in einer Minute nach.“ Unsicher sehe ich ihm ins Gesicht: „Darf ich mich vorher noch umziehen?“ Ein Blick, ein Gesichtsausdruck, der keinen Widerspruch duldet: „Jetzt!“
Büro ist ein mehr als unzutreffender Begriff für diesen Raum. Außer einem Schreibtisch mit Telefon und Computer deutet nichts auf ein Büro hin. Teile der Requisite, des Kostümfundus liegen und hängen hier rum. Kein Platz ist ungenutzt, keine Ablagefläche frei. Kritischere Menschen hätten sicher von Unordnung gesprochen. Doch es ist seine Unordnung und ich versuche mich in ihn hineinzuversetzen, sein System zu erkennen, versuche auf seinen Charakter zurückzuschließen. Ein einfacher Stuhl steht vor seinem Schreibtisch, fast vollständig mit irgendwelchen Kostümen bedeckt. Nur sein Bürostuhl ist frei – sein Stuhl! Ich wage es aber nicht, mich darauf zu setzen. Auch nicht, als aus „eine Minute" bereits 15 geworden sind. Unschlüssig stehe ich da, traue mich nicht zu verschwinden, wage es nicht, mich zu setzen. Einerseits wünsche ich mir, dass er endlich vor mir steht – andererseits fürchte ich mich vor seinem Anschiss, seinem berechtigten Anschiss.
Insgesamt beinahe eine halbe Stunde habe ich „brav“ auf ihn gewartet. Endlich geht die Tür auf und er betritt den Raum – ohne mich eines Blickes zu würdigen. Meine Unsicherheit wird dadurch noch größer. Ich will, dass er mit mir spricht! Auch, wenn er mir sicher nichts Nettes zu sagen hat. Er zögert nicht, sich in seinen Stuhl sinken zu lassen und ich stehe hier, vor ihm auf seinem Thron und warte auf eine Audienz.
„Was war heute los mit dir?“ Ohne Vorworte, ohne Einleitung, ohne Entschuldigung für seine Verspätung, kommt er direkt auf den Punkt. Plötzlich will ich doch nicht, dass er spricht – vor allem nicht mit mir. Verlegen schweige ich. Er zieht seinen Stuhl ganz nah an den Schreibtisch und stützt sich auf seine Ellenbogen, beugt sich dabei in meine Richtung. „In zwei Wochen ist Premiere, und du hast wohl alles vergessen.“ Ein klein wenig klingt es wie eine Frage, ist aber wohl eine Feststellung. Noch immer finde ich keine Worte. „Also? Was war heute?“ Trocken schlucke ich zwei-, dreimal: „Es tut mir leid.“ Er schüttelt den Kopf: „Das glaube ich dir, doch hilft es nicht. Ich weiß, was du kannst. Das warst heute nicht du!“ Abwartet sieht er zu mir – direkt in meine Augen. „Es tut mir leid.“ Ein Lächeln, er lächelt! „Das hatten wir schon. Was ist los? Bedrückt dich etwas? Kann ich dir helfen?“ Er lächelt immer noch, freundlich und abwartend. Und wieder stehe ich nur stumm da. „Wenn ich etwas für dich tun kann, etwas damit du dich wieder konzentrieren kannst, dass du wieder zu dir findest, muss ich es wissen! Nicht nur in meinem Interesse, im Interesse des gesamten Ensembles.“ Mein Herz setzt einen Schlag aus, und schlägt danach doppelt so schnell: in seinem Interesse? In seinem Interesse! Er interessiert sich für mich. „Wegen dir.“ Habe ich das wirklich laut gesagt? Ist mir das wirklich – in meiner Freude über sein Interesse – rausgerutscht? Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, dass sich die Erde unter mir auftut, mich verschlingt und direkt bis in die Hölle würgt. Dort zu tanzen, habe ich ja bereits geübt.
Verlegen, die Peinlichkeit hat mich fest im Griff, senke ich den Blick. Auf keinen Fall kann ich ihm ins Gesicht sehen. Sekunden wie Stunden vergehen – keine Reaktion von ihm. Nichts erwidert er auf meinen unüberlegten Zweiwortsatz. Angespannt betrachte ich den verschlissenen Bodenbelag in seinem Büro, verzweifelt zähle ich meine Fußspitzen – und komme nur auf zwei. Scham, Verzweiflung und Angst, ein jedes hat mich fest im Griff, lähmt mich, lähmt meinen Verstand, lähmt meine Sinne. Deshalb trifft es mich auch völlig überraschend, als ich seine Hand an meinem Kinn spüre. Als würde mich der Blitz treffen, fühlt es sich an, geht mir durch Mark und Bein. Sanft, und doch unerbittlich, hebt er meinen Kopf an, zwingt ihn hoch, dass er mir in die Augen sehen kann: „Ist es das? Bin ich der Grund?“
Er spricht! Deutlich sehe ich die Bewegung seiner Lippen. Aber ich höre nichts! Nichts als Rauschen, das Rauschen meines eigenen Blutes in meinen Ohren. Direkt in meine Augen sieht er – ich sehe ihm in seine Augen, kann darin die Unendlichkeit des Universums sehen. Zwei Finger halten mein Kinn oben. Zwei Finger! Mir ist es, als würde mein gesamtes Gewicht, mein Körper an diesen zwei Fingern hängen. Diese Finger stützen mich genau im richtigen Moment, weich und weicher werden meine Beine. „Bin ich der Grund?“ Diesmal dringen die Worte durch das Rauschen bis in mein Gehirn vor. Immer noch ohne Worte versuche ich zu nicken, scheitere aber wieder an diesen zwei Fingern. Es ist alles egal, alles kann ich zugeben. Mir kann nichts passieren, er hält mich: „Ja.“ Gehaucht, kaum hörbar kommt dieses unglaublich wichtige Wort aus meinem Mund.
Keine Bewegung seiner Lippen, er sagt nichts. Seine Antwort fällt anders aus, ausdruckstärker als jedes Wort oder 1000 Sätze. Noch immer halten seine Finger mein Kinn, fixieren es, bringen mein Gesicht in die perfekte Position für einen Kuss – seinen Kuss!
Es ist ein kurzer Kampf. Meine Lippen ergeben sich sofort, nur Sekundenbruchteile nach dem ersten Kontakt. Nie war ich lieber der Verlierer. Instinktiv will ich die Arme heben, sie ihm um den Hals legen. Aber das längst vergessene Sexspielzeug, meine Ketten und Fesseln, halten mich auf. Weiter als bis zu den Schultern kann ich meine Hände nicht heben. Er bekommt mein Problem mit und entlässt mein Kinn aus seinem wunderbaren Griff. Doch meine Lippen sind fest verschweißt mit seinen, sodass unser Kuss nicht eine Sekunde unterbrochen wird. Seine Hände spüre ich an meinen, fühle, wie er sich an den Lederriemen zu schaffen macht. Anders als erwartet, eigentlich komplett unerwartet, löste er die Riemen aber nicht, sondern bringt meine Arme hinter meinen Rücken. Ein metallisches Klicken höre ich, bevor er seine Hände wieder von meinen nimmt. Meine Hände wollen seinen folgen, sie wieder berühren. Doch es geht nicht. Er hat die Riemen um meine Handgelenke verbunden und mich damit wirklich gefesselt. Nicht nur Optik, keine Show – echt gefesselt stehe ich vor ihm. Überrascht reiße ich die Augen auf, trenne unsere Lippen, blicke ihn fragend an.
Ohne Regung, völlig ausdruckslos, ist sein Gesicht. Kein verschmitztes, unverschämtes Lächeln – kein Augenzwinkern – nichts! Schlagartig ist meine Unsicherheit wieder da und lässt mich wieder nervös werden. Er nestelt an einer Kette an meinem Halsband und hält die Kette auf einmal wie eine Leine in der Hand. Daran führt er mich einfach mit sich. Zu einer Wand hinter uns führt er mich, zieht mich direkt bis unmittelbar vor die Wand und hängt die Kette an einem Kleiderhaken ein. Mit auf dem Rücken gefesselten Händen und nach oben gestrecktem Kopf stehe ich mit dem Gesicht zur Wand. Noch bevor ich einen klaren Gedanken fassen kann, bevor ich irgendetwas zu ihm sagen kann, spricht er mich an: „Geh nicht weg.“ Mit diesen Worten verschwindet er aus seinem Büro.
Völlig verunsichert starre ich die Wand an, einzig die nur langsam abebbende Freude über seinen Kuss hindert mich, panisch zu werden. Mein Hirn rast, überlegt fieberhaft, was das zu bedeuten hat. Erst küsst er mich, dann hängt er mich wie einen nassen Mantel an die Garderobe. Meine „Beziehung“ zu ihm dauert gerade mal zwei Minuten – so lange wie eine Achterbahnfahrt und genauso turbulent.
Nach wenigen Minuten – in meiner Situation gefühlte Stunden – kehr er zurück. Angestrengt versuche ich, den Kopf zu drehen und ihn zu sehen. Noch mehr Requisiten aus unserem aktuellen Stück hält er im Arm. Obwohl unser Stück „Himmel und Hölle“ heißt, sehe ich nur Stücke aus der Höllensequenz. Noch mehr Ketten, Riemen, Seile und eine Reitgerte kann ich erkennen. Ein Anblick, der mich sofort jedes Hochgefühl vergessen lässt, von einem mulmigen Gefühl verdrängt.
„Keine Angst mein Engel. Wenn ich dich richtig einschätze, wirst du auch deinen Spaß haben“, höre ich seine Stimme hinter meinem Kopf. Beruhigend finde ich es nicht, weiß aber auch nicht, wie ich reagieren soll. Vielleicht ist es völlig harmlos, was er vorhat. Und wenn ich nun total überzogen reagiere, verbaue ich mir die eine Chance mit ihm. Was aber, wenn …
Für weitere Gedanken bleibt mir keine Zeit. Seinen muskulösen Körper spüre ich an den Armen auf meinem Rücken, seine kräftigen Hände an meiner Brust – und ein Kribbeln in mir! Etwas schiebt meine Vernunft nach hinten, ein animalischer Instinkt übernimmt das Kommando und bestimmt, dass ich durch seine intime Berührung erregt werde. Nur noch ganz leise, weit aus dem Hintergrund, höre ich meinen Verstand Warnungen rufen.
An meinem Ohr fühle ich seinen heißen Atem, an meinen Brüsten seine Hände und an meinen Händen etwas Pochendes – und es ist nicht sein Herz. Über meinem Herz sind seine Hände, sind aber viel zu beschäftigt, mein Pochen zu fühlen. Herzhaft greifen sie zu, kneten das wenige Fleisch meiner kleinen Brüste. Ihn scheint die Größe nicht zu enttäuschen, streichelnd, knetend, die Nippel zwirbelnd, spielt er damit. Außerdem reibt er inzwischen unverhohlen seine Erregung an meinen Händen. Von meinem animalischen Instinkt gesteuert spiele ich gerne mit und erkunde meinerseits seine Männlichkeit.
Sein Mund ist an meinem Hals. Er saugt, küsst und leckt ihn. Offensichtlich gibt es eine direkte Nervenbahn von meinem Hals zu meinem Schritt. Jede seine Berührungen spüre ich 1 zu 1 zwischen meinen Beinen. Dass ich an die Wand gekettet bin, die Hände auf den Rücken gefesselt habe, hat keine Bedeutung mehr. Im Gegenteil! Es hilft mir, mich ganz und gar darauf zu konzentrieren, es einfach nur zu genießen. Er weiß wohl nichts von meiner Direktverbindung zu meinem Schritt und schickt zur Sicherheit eine seiner Hände dorthin. Mit kräftigen Fingern streichelt er durch das elastische Material der Hose meine Schamlippen. Samt Gymnastikhose und Unterhöschen dringt er sogar einige Zentimeter in mich ein.
Vor der Wand vor meinem Gesicht höre ich das Echo meines eigenen Stöhnens. Mein zurückhaltendes, schüchternes Hasenfuß-Ich existiert nicht mehr. Hemmungslos presse ich meinen Schritt gegen seine Hand, meine Brüste noch fester in die andere. Meine eigenen Hände greifen fordernd durch den Stoff seiner Hose, umfassen seinen steifen Stab. Könnte ich klar denken, würde ich sicher den Reisverschluss öffnen und noch direkter zugreifen. Aber zu solchen Gedanken bin ich jetzt nicht fähig.
Nass, nass und heiß fühlt sich seine Zunge in meinem Ohr an. Noch vor einer halben Stunde hätte ich angewidert aufgeschrien. Nun stöhne ich lüstern und lautstark, finde seine Spucke in meinem Gehörgang sogar geil. Mit dem Richtigen ist wohl alles schön.
„Mach mich los, ich will mich ausziehen, ich will nackt für dich sein.“ Wieder kann ich es nicht glauben, dass ich es war, die das gesagt hat. Was ist nur in mich gefahren? Habe ich den Verstand verloren? „Nein mein Engel. Ich finde genau das wunderbar, dass du mir ausgeliefert bist und nicht weg kannst. Und wenn ich nicht irre, gefällt es dir auch. Aber ‚nackt‘ ist eine gute Idee.“ Ohne weitere Erklärung lässt er mich plötzlich stehen. Hinter mir höre ich ihn in seiner „perfekten Ordnung“ nach etwas wühlen. Sekunden später ist er wieder bei mir. Ich merke, wie er an meinem T-Shirt zupft. Dann höre ich ein Geräusch, das ich zwar noch nicht oft gehört habe, aber sofort erkenne: eine Schere, die eng gewebten Stoff schneidet. Er will mich nicht befreien, aber er will mich nackt.
Zwar kann ich ihn nicht sehen, kann aber am Tempo und seinem Streicheln über die frei werdende Haut erkenne, dass es ihm gefällt. Und auch auf mich wirkt es erregend. Schnell ist mein T-Shirt Vergangenheit, mein Sport-BH folgt drei Schnitte später. Für meine Hose lässt er sich viel Zeit. Er zieht den Saum an den Knöcheln unter den Lederriemen hervor und schneidet genüsslich von unten nach oben, erst rechts, dann links. In meinem Schritt lässt er die beiden Schnitte zusammentreffen. Meine Hose liegt nur noch um meine Hüften, doch nur noch einen Schnitt lang. Mein Höschen verliere ich bei dieser Gelegenheit gleich mit. Den nackten Hintern begrüßt er mit heißen Küssen. Wild und ungestüm küsst, saugt und beißt er meine Fleischgloben. Dass er dabei meine Backen mit seinen Händen auseinanderzieht und auch die Spalte dazwischen nicht verschont, macht mich fast wahnsinnig vor Lust. Mit meinen Händen versuche ich, ihn an seinen Haaren zu packen und ihn für immer dort festzuhalten.
Doch er hat noch mehr vor. Noch mit meiner Lust beschäftigt begreife ich erst, dass er aufgehört hat, als ich ihn wieder an meinem Rücken fühle. Von hinten greift er an meine „Leine“ und nimmt sie vom Haken. Sofort will ich mich zu ihm herumdrehen, doch er hält mich fest. Die Leine macht er wieder an dem Kleiderhaken fest – nur mit mehr Spiel. Wieder verschwindet er für einen Moment und ich höre es das Klirren von einer weiteren Kette. Mit starker Hand drückt er meinen Oberkörper nach unten, dass ich vornüber gebeugt, mit der Stirn an der Wand, vor ihm stehe. Er greift unter mich und macht die neue Kette an der gleichen Öse am Halsband fest, wie die „Leine“. Zielstrebig führt er die Kette zu meinen Fußfesseln. In meiner Position kann ich gut sehen, wie er die beiden Lederfesseln um meine Knöchel mit einem Karabinerhaken verbindet und gleichzeitig die Kette von meinem Halsband einhängt. Eindeutig stehe ich nun vor ihm: mein Hintern nackt und wunderbar ihm entgegengereckt, mein Oberkörper nach vorne gebeugt, die Arme gefesselt auf dem Rücken. Die „Leine“ verhindert, dass ich tiefer gehe, die Kette vom Halsband zu den Knöcheln verbietet mir, mich aufzurichten.
„Perfekt“, ist sein ganzer Kommentar. Mir ist natürlich klar, wofür meine Situation perfekt ist. Aber ein unerwarteter Schmerz sagt mir, dass ich mich getäuscht habe. Wie ein Schlangenmensch winde ich mich in meiner Fesselung und sehe zu ihm. Mit der Gerte in der Hand, einem lüsternen Blick im Gesicht, steht er hinter mir. Mit seiner freien Hand öffnet er gerade seine Hose und zieht sie samt Unterwäsche einfach bis in die Knie herunter. Zwischen seinen Beinen sehe ich die Rute, mit der ich eigentlich gerechnet habe – sie zeigt genau in meine Richtung. Seine Bewegungen sind ungelenk und wirken albern, als er mit der Hose in den Kniekehlen wieder an mich herantritt. Nochmal – auf die andere Backe – lässt er mich die Gerte spüren. Nicht fest, aber deutlich! Nach dem zweiten Schlag fährt er mit der Spitze der Gerte zwischen meine Beine, zieht das schwarze Leder-Schlaginstrument durch meine Lippen. Gerade als ich mich daran erfreuen will, ist es schon wieder vorbei und ein neuer Schlag landet auf meinem Hintern. Wieder einer links, einer rechts – und dann einmal durch die Mitte. Nach der elften, zwölften Wiederholung halte ich es nicht mehr aus. „Schneller“, fordere ich ihn keuchend auf. Er lässt sich immer viel zu viel Zeit für den dritten Ton dieses Dreiklangs. Links, rechts, Mitte, links, rechts, Mitte – in schneller Folge macht er nun weiter. Und wieder merke ich, wenn es der Richtige macht, und es auch noch richtig macht, ist alles schön. Von mir und meiner Reaktion selbst fasziniert, merke ich, wie die Gerte von Mal zu Mal leichter durch meine Spalte gleitet. Es läuft im wahrsten Sinne des Wortes „wie geschmiert“.
Mit einer neuerlichen Verrenkung versuche ich, zu ihm zu sehen. Ganz unbewusst lecke ich mir über die Lippen, als ich ihn erblicke: in jeder Hand eine Rute. Die eine reibt er, mit der anderen treibt er – und zwar mich. Sein Anblick, das Wissen, dass es die gleiche Wirkung auf ihn hat, steigern meine Erregung nochmal deutlich.
Wie lange dieses Spiel schon geht, weiß ich nicht. Wie oft ich die Rute gefühlt habe, weiß ich auch nicht. Wie oft ich sie noch hätte spüren wollen, kann ich nur erahnen. Auf jeden Fall bin ich heiß und glaube langsam, dass ich alleine durch die Stimulation der Gerte einen Höhepunkt erreichen kann. Wieder hat er andere Pläne für mich – für uns. Aus heiterem Himmel wirft er die Gerte auf den Boden und „hoppelt“ noch näher hinter mich. Dass ich bereit für seine „Rute“ bin, hat er sicher nicht übersehen können. Ohne Zögern, ohne Schwierigkeiten, nur mit einem knurrenden Stöhnen, stößt er in einem Zug bis zum Anschlag in mich. „Jaaahh …“, begrüße ich den Eindringling. Er packt mich an den Oberarmen und hält sich daran fest. Schnell nimmt er Fahrt auf. Mit kräftigen, tiefen – manchmal sehr tiefen – Stößen dringt er in mich ein. Wie in einem mittelklassigen Pornofilm stöhne ich ihm etwas vor: „Jaaa … ohhh … jaaa, fester … jaaa … schneller …“ Als wäre ich ein Dirigent und er ein Musiker folgt er meinen Anweisungen. Mein Kopf klopft in seinem Takt mit der Stirn gegen die Wand. Doch das ist mir egal, ich spüre es kaum. Angeheizt durch sein Spiel mit der Reitgerte habe ich einen Vorsprung und komme weit vor ihm ins Ziel. Ich schreie dabei so laut, dass er mir erschrocken den Mund zuhält. Kurz wird mir dabei bewusst, dass wir immer noch im Theater sind, vermutlich nicht allein.
Als es für mich vorbei ist, ist es noch lange nicht vorbei. Er ist erst auf halber Strecke! Kaum bin ich wieder auf Zimmerlautstärke „heruntergefahren“, packt er mich wieder, diesmal an meinen Hüften. Fest krallen sich seine Finger in mein Fleisch und ziehen mich ihm entgegen, dass er mich noch besser „aufspießen“ kann. Schon wenige Stöße später merke ich, dass es auch für mich wohl doch noch nicht vorbei ist. Erneut steigt meine Lust und mein Stöhnen ist auch wieder da. Ihm gefällt’s. Begeistert, mit nicht nachlassender Kraft rammt er weiter in mich, treibt mich hin und dar mit Hieben auf meinen blanken Hintern wie einen Gaul. Und auch mir gefällt’s.
Sein Stöhnen wird nun immer lauter. Wie ein wildes Tier klingt er – und bewegt sich auch so. Ich kann ihm den Mund nicht zuhalten, mach mir aber jetzt und hier garantiert auch keine Sorgen deswegen. Zu spüren, wie er seinem Höhepunkt immer näher kommt, reißt mich mit. Wie ein Sog zieht seine Lust meine eigene immer nur einen halben Schritt hinter sich her. Und so ertönt sein triumphierender Siegesschrei nur Sekunden vor meinem zweiten. Diesmal ist es ihm auch egal, ob uns eventuell jemand hören kann.
Immer noch in mir, steht er hinter mir, mit seinen Armen an der Wand gestützt. Durch die Ketten habe ich kaum Möglichkeiten meine eigene Position zu ändern und lehne mich glücklich erschöpft einfach mit dem Kopf an die Wand. „Machst du mich jetzt los und gibst mir etwas Neues zum Anziehen?“ Schwer schnaufend meint er nur: „Einen Moment noch.“
Erst Minuten später trennt er sich von mir. Ich kann hören, wie er seine Hose hochzieht und wieder schließt. „Einen Moment noch mein Engel. Ich hole nur schnell etwas, damit du nicht nackt hier rausmarschieren musst.“ Ehe ich antworten kann, ist er verschwunden.
Laut polternd kehrt er zurück. Mit verdrehtem Kopf kann ich erkennen, dass er einen dieser riesigen Schrankkoffer hinter sich herschleppt. Darin verstauen wir auf Tourneen unsere Kostüme. Groß wie ein Kühlschrank mit separatem Gefrierfach steht die Kiste da. Ohne große Erklärung legt er den Koffer auf den Rücken und öffnet den Deckel, oder ist es eine Tür? Schrankkoffer – Schranktüre, also ist es vermutlich eine Türe. Verblüfft, welch unwichtige Gedanken mir in diesem Moment durch den Kopf gehen, versuche ich in das Innere zu sehen: leer! Eine leere Kleiderstange ist oben angebracht. Ansonsten ist der Koffer innen leer, nur mit einer altmodischen, hässlichen Tapete ausgeschlagen. Fragend sehe ich ihn an. Diesmal grinst er wirklich verschmitzt: „Darin sollte ich dich bequem und ungesehen nach draußen bringen können. Ich werde mir heute den Kastenwagen von der Bühnentechnik ausleihen, denn in mein Auto passt das Ding nicht.“ Fassungslos sehe ich ihn an: „Du spinnst wohl! Du willst mich in diesem Koffer zu mir nach Hause bringen?“ Er schüttelt den Kopf: „Nicht zu dir, zu mir.“ „Lass den Unsinn, das ist nicht lustig. Mach mich los und gib mir etwas zum Anziehen“, verlange ich von ihm. Ungerührt holt er aus einer Ecke seines Büros mehrere graue Decken und legt das Innere des Koffers damit großzügig aus. Dann kommt er endlich wieder zu mir. Einen kurzen Moment keimt Hoffnung in mir auf, als er meine „Leine“ vom Kleiderhaken losmacht. Doch den Rest der Fesseln lässt er, wie sie sind. Mühelos nimmt er mich in seine kräftigen Arme und trägt mich zu dem Schrankkoffer. Sanft und vorsichtig lässt er mich darin ab, legt mich auf meine gefesselten Arme. Meine Beine muss ich wegen der Kette vom Halsband zu den Fußfesseln anwinkeln.
Gerade als ich zu einem erneuten Protest ansetzen will, hält er mir den Zeigefinger vor den Mund: „Psst. Du willst doch nicht, dass jemand nachsehen will, was in dem Koffer ist?“ Energisch schüttele ich den Kopf. Erfreut nickt er: „Gut. Morgen fängt die Probe erst nachmittags an. Bis dahin werde ich persönlich dafür sorgen, dass du dann entspannt und konzentriert bist.“ Freundlich zwinkert er mir zu. Und überrascht stelle ich fest, dass mich dieser Gedanke mehr erfreut als abschreckt. Was hat er da nur in mir erweckt. Ich kenne mich selbst nicht mehr wieder: „Aber wenn ich Stopp sage, weil es mir zu weit geht, hörst du sofort auf?“ Mit ernster Miene nickt er: „Das verspreche ich dir.“ Einen Moment zögert er, bevor er weiterspricht: „Du gefällst mir schon länger. Doch ich habe erst vor wenigen Tagen erfahren, dass du dieses Interesse erwiderst.“ Wieder stockt er eine Sekunde. „Hättest du Lust herauszufinden, ob es mit uns etwas Festes werden könnte?“ Neugierig, mit einer für ihn völlig untypischen Spur von Unsicherheit in seinen Augen, sieht er mir ins Gesicht. Voller unbändiger Freude, mit einem strahlenden Lächeln antworte ich ihm: „Wenn du mich nicht nur beim Sex auf Händen trägst, könnte ich mir das vorstellen.“ Tief beugt er sich zu mir in den Koffer und gibt einen leidenschaftlich, wunderbar lang andauernden Kuss. Ich stelle mir in diesem Moment vor, wie bizarr dieses Bild für einen Dritten wirken würde: Ich nackt und in Ketten gelegt, in einem riesigen Schrankkoffer, ohne Widerstand dazu bereit, darin durch die Stadt befördert zu werden. „Ich werde auch ganz vorsichtig fahren“, versichert er mir, „ach ja, und wir müssen unterwegs noch kurz bei jemandem vorbeischauen und uns bedanken.“ Während ich gerade über seine Worte nachdenke und überlege, ob ich es richtig verstanden habe, was er gesagt hat, macht er schnell die Koffertür zu. Als es schlagartig stockfinster wird, bleibt mir meine Frage im Halse stecken. Einen kurzen Augenblick bin ich versucht zu schreien, ihn mit meinem Rufen zu stoppen, doch in diesem Moment spüre ich, wie sich mein Koffer-Gefängnis bewegt …
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Kommentare
Klasse Anfang...
... volle Punktzahl von mir für diese originelle Idee, bin gespannt auf die Fortsetzung!
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Genuss pur
Auch von mir mal wieder volle Punktzahl!
Ich finde es ja immer ein bisschen grenzwertig, wenn es direkt von 0 auf 100 zur Sache geht (vor allem die Sache mit dem Koffer) - aber so ist das nunmal mit der Fantasie...
Fast noch besser als der Inhalt gefällt mir Deine Sprache. Lesegenuss pur! Ich freue mich schon auf das nächste Werk aus Deiner Feder.
LG, Senara
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ja also
bei dir bin ich ja nichts anderes mehr gewohnt, auch diese Geschicht zieht einen mit, auch wenn es dann doch recht schnell zu Stande kam. Ob ich mich sofort in einen Koffer legen lassen würde. Nun gut sie war gefesselt und hatte wohl auch nicht wirklich ein Mitspracherecht :O) Un ddann kommt ja auch noch die Tatsache, das sie schon eine gewisse Zeit den Kerl anhimmelte. Vollte Punktzahl, keine Frage und kann es kaum erwarten, wie es weiter geht, das wird es doch oder? Wehe Nicht, droh!!!!
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Großes Lob
Du hast wirklich einen unglaublich faszinierenden Schreibstil... Es ist immer wieder eine Freude deine Geschichten zu lesen :)
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Wie immer...
Was soll ich noch groß schreiben? Schon wieder 6 Sternchen.
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Eine schöne Geschichte
originell und gut zu lesen. Habe den zweiten Teil ungeduldig erwartet. Sechs Punkte und LG champ
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Was soll ich sagen? Eine
Was soll ich sagen? Eine schöne Geschichte schön und gut erzählt. Auch mich würde es interessieren, bei wem sich der Regiseur bedanken möchte. Geben die "Grimmigen" darauf eine Antwort? Meinen Beifall haben sie.
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Hölle und Himmel
Ich denke, Hölle und Himmel ist wohl die Fortsetzung.
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...
Diese Geschichte hat mich ursprünglich dazu animiert, mich hier anzumelden. Du schreibst wirklich außergewöhnlich!
Ich habe inzwischen alle deine Geschichten "verschlungen" und bin zu dem Schluß gekommen, dass du einer der wenigen Autoren hier bist, die es verstehen die richtige Mischung aus Ernst und Spaß im bereich BDSM zu finden. Deine Satiren sind sehr amüsant und unterhalsam, ich hoffe von dir noch einiges lesen zu dürfen!
In freudiger Erwartung,
Lucy
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