Animal Planet: Die Reportage - Kapitel 18

 

Vorwort: Okay, dieses Mal hat es doch wieder ein klein wenig länger gedauert, bis ich ein Kapitel veröffentlichen konnte. Aber ich glaube es bewegt sich gerade so noch im vertretbaren Bereich ;) Für das nächste Kapitel bin ich dafür optimistisch, dass es wieder etwas zügiger kommt. Inhaltlich nähern wir uns jetzt langsam aber sicher dem Finale! Viel Spaß beim Lesen!

 

Der Beweis

 

Aufmerksam ließ Conny den Blick durch den Stall schweifen. Ein Tag war vergangen, seit der Mitarbeiter von BioUdders ihr etwas verabreicht hatte, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihre Milchproduktion erhöhen sollte. Doch obwohl Erik gesagt hatte, dass er die Werte von mehreren Kühen manipuliert hatte, war es ihr bisher nicht möglich gewesen, ähnliche Vorgänge bei ihren Artgenossinen zu beobachten. Sie vermutete, dass der Stallarbeiter die anderen Kühe ebenfalls während des gestrigen Melkvorgangs aufgesucht hatte, so dass es ihr schlichtweg entgangen war.

 

Die Journalistin stand mit weit gespreizten Beinen über dem vergitterten Boden am Rande des Stalls. Ihren Schweif soweit es ihr möglich war zur Seite drückend, leerte sie gerade ihre Blase, ohne diesem Vorgang jedoch besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Es war zur Routine geworden und so lenkte sie das leise Plätschern auch nicht mehr von ihren schweren Gedanken ab.

 

Bisher war Erik noch nicht aufgetaucht, doch er hatte versprochen, dass er an diesem Tag nach ihr schauen würde. Sie brannte darauf ihm klar zu machen, dass BioUdders während seiner freien Tage etwas unternommen hatte. Wie genau sie das anstellen sollte, war ihr jedoch noch immer nicht klar. Da ihre Stimmbänder durch das Spray lahmgelegt waren, würde sie wohl improvisieren müssen. Doch irgendwie würde sie sicher einen Weg finden, Eriks Aufmerksamkeit zu erregen.

Sie musste ihren Kollegen unbedingt dazu bringen, ihr ein paar Tropfen Blut abzunehmen. Sie zweifelte nicht daran, dass sich nun endlich Hinweise auf verbotene Substanzen darin finden lassen würden.

 

Das Plätschern versiegte und Conny trottete zu den Duschen, die ein paar Meter entfernt angebracht waren. Ein Sensor aktivierte automatisch einen kühlen Wasserschauer, als Conny unter die Brause trat.

Für einen Augenblick schloss die Journalistin die Augen. Zum ersten Mal seit fast einem Tag gelang es ihr, sich ein wenig zu entspannen. Nach mehreren ereignislosen Wochen hatten die Geschehnisse des Vortages sie ziemlich aus der Bahn geworfen. Aber wer konnte ihr das auch verübeln? Nach all den Wochen im Stall hatte sie endlich eine heiße Spur und die Rückverwandlung in einen zivilisierten Menschen vor Augen.

 

Als sie unter dem frischen Wasser zu frösteln begann, setzte sie sich erneut in Bewegung, bis sie die großen Bürsten erreicht hatte, an denen sie sich säubern und trocknen konnte.

Dass es hier im Stall nicht gerade einfach war, sich sauber zu halten, war eine der ersten Lektionen gewesen, die Conny nach ihrer Verwandlung gelernt hatte. Zwar bot sich ihr theoretisch jederzeit die Möglichkeit, Dusche und Bürste zu nutzen, doch selbst wenn es ihr gelang, die Spuren des Stalls von ihrer gefärbten Haut zu waschen, dauerte es nie lange, bis sie wieder an ihr hafteten.

Entsprechend hatte sie sich nach einer Weile darauf beschränkt, grobe Verunreinigungen abzuspülen und mit der feinen Schmutzschicht aus Schweiß und Dreck zu leben, die sich wie eine weitere Hautschicht auf ihren Körper gelegt hatte. Die meisten Kühe hielten es so, und Conny empfand es als einen praktikablen Kompromiss.

 

Der Klang einer Glocke hallte durch den Stall und rief die Kühe zu den Melkmaschinen. Auch Conny folgte dem Ruf und dem plötzlich auftretenden Knurren ihres Magens.

Für wenige Augenblicke bildete sich am Durchgang zwischen den Liegeplätzen in Richtung der Melkmaschinen eine kurze Schlange, was eine erstaunliche Unruhe in die Herde brachte und für lautes Muhen sorgte. Manchmal konnte Conny nachvollziehen, dass es den Stallarbeitern leicht fiel, sie als Vieh zu betrachten. Nicht nur das Aussehen der Kühe war nicht mehr besonders menschlich, sondern auch ihr Verhalten.

Als sie an einem freien Platz angekommen war, beugte Conny sich weit vor und ließ den Oberkörper routiniert auf die gepolsterte Auflagefläche sinken. Ganz leicht drehte sie den Kopf zur Seite, damit ihre Ohrmarke schneller erkannt wurde. Tatsächlich dauerte es kaum eine halbe Sekunde, bis der schwächliche rote Laser den Barcode abgetastet hatte und sich nach einem kurzen Piepen eine große Ladung matschiger Pellets in die Futterinne vor ihr ergoss.

 

Conny wusste nicht genau, wie viele Tage sie bereits im Stall verbracht hatte, doch es waren zumindest so viele, dass auch der Aufenthalt an der Melkmaschine für sie längst zur Routine geworden war. Mit Ausnahme der ersten Woche wurde sie jeden Tag mindestens drei, meistens sogar vier Mal gemolken, denn nur selten ließ sie die spätabendliche Möglichkeit aus, ihre Euter vor der Nacht noch einmal auspumpen zu lassen.

Dieser Routine verdankte Conny es zudem, dass es ihr trotz der Melkzylinder auf ihren Zitzen und dem kräftigen Pumpen gelang, sich auch auf die Vorgänge in ihrer Nähe zu konzentrieren. Anders als sonst nahm sie ihr Futter mit einem gewissen Bedacht zu sich und achtete darauf, nicht zu viele Pellets auf einmal in den Mund zu nehmen. Den Kopf während des Kauens immer wieder leicht anhebend, gelang es ihr, ihre unmittelbare Umgebung aus den Augenwinkeln zu beobachten.

 

Die Futterrinne war noch nicht halb geleert, als Conny erneut eine Person bemerkte, die sich ihr von hinten näherte. Unruhig pendelte ihr Schweif zwischen ihren leicht gespreizten Oberschenkeln, während sie hastig die halb zerkauten Pellets in ihrem Mund herunterschluckte. Ein paar Krümel blieben in ihrem Hals stecken und ließen die Journalistin husten.

“Nana, du brauchst dich doch nicht gleich zu erschrecken”, scherzte der Stallarbeiter und tätschelte ihr beruhigend den Rücken.

Conny hatte sich in der Zwischenzeit wieder gefasst und schnaufte einmal kurz durch. Sie war sich nicht sicher, ob sie die Stimme des Mannes schon einmal gehört hatte, doch zumindest war sie sich sicher, dass es nicht Erik war. Es wäre wohl auch zu einfach gewesen, wenn man ihren Kollegen damit beauftragt hätte, ihr die gesuchten Mittel zu verabreichen. Kurz kam ihr der verwirrende Gedanke, dass Erik doch auf diesem Weg längst viel einfacher an die mutmaßlich unzulässigen Substanzen hätte kommen können.

Doch bevor sie eine Gelegenheit dazu hatte, diesen Gedanken weiter zu verfolgen, war der fremde Mann an ihre Seite getreten, hatte ihr die Hand vor den Mund gelegt und ihr ein Kaubonbon zwischen die Zähne geschoben. Einige Sekunden lang wartete der Stallarbeiter bewegungslos ab, ehe er seine Hand von ihr löste und irgendwo hinter ihr verschwand. Hatte er damit sichergehen wollen, dass sie den Bonbon nicht gleich wieder ausspuckte?

 

Doch Conny hatte nicht vor, den Kaubonbon in die Futterrinne zu spucken. Dort würde Erik schließlich keine Gelegenheit haben, ihn zu untersuchen. Stattdessen bugsierte sie ihn mit Hilfe ihrer Zunge in ihre rechte Backentasche. Im Gegensatz zum Vortag, an dem sie vollkommen überrascht worden war, hatte sie dieses Mal keinen Brei aus halb zerkauten Pellets im Mund. Wenn sich das Kaubonbon nicht zu schnell auflöste, hatte sie vielleicht eine Chance, es an einen Ort zu bringen, an dem sie es für Erik aufbewahren konnte.

 

Mit aufgeregt pochendem Herzen wartete Conny darauf, dass ihre Euter endlich leer gemolken waren und sie die Melkmaschine verlassen konnte. Nervös tastete sie mit ihrer Zungenspitze immer wieder nach dem Gegenstand in ihrem Mund. War er bereits kleiner geworden? Verdammt! Wenn er von ihrem Speichel zersetzt wurde, bevor sie eine Gelegenheit hatte, ihn in Sicherheit zu bringen, konnte sie ihn Erik nicht zeigen!

Doch im Augenblick konnte sie nichts weiter machen, als abzuwarten. Der Bügel, der in dem Moment über ihrem Rücken zugeklappt war, als ihre Ohrmarke gescannt worden war, verhinderte zuverlässig, dass sie sich zu früh von diesem Ort entfernte. Es war schon erschreckend, wie einfach eine Maschine ihre Handlungen einschränken konnte. Und wie paradox war es doch, dass sie sich selbiger immer wieder freiwillig auslieferte.

Conny schnaufte leise und zwang sich dazu, Ruhe zu bewahren. Mit halb geschlossenen Augen lauschte sie den pumpenden Geräuschen der Melkmaschine und konzentrierte sich für eine Weile auf das rhythmische Saugen an ihren Zitzen. Jetzt, da ihr Körper sich an die maschinelle Behandlung gewöhnt hatte, empfand sie es sogar als recht angenehm. Das kraftvolle Zusammenpressen und Saugen ihrer empfindsamen Zitzen wirkte durchaus stimulierend. Zumeist schenkte Conny diesem Gefühl keine weitere Beachtung, da sie ihre Konzentration auf das Fressen richtete. Doch heute schied diese Art der Ablenkung aus, so dass sie sich ein Stück weit darauf einließ. Ohne weiter auf ihre Umgebung zu achten, fokussierte sie sich auf die Kontraktionen der Maschine. Abgewechselt spannten sich die Membrane um ihre Zitzen, pressten sie kraftvoll zusammen und gewährten im nächsten Augenblick das erleichternde Gefühl der Befreiung, während der Vorgang sich an Connys anderem Euter wiederholte.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit lockerten sich die Membranen ein letztes Mal, der Unterdruck der Zylinder wurde ausgeglichen und Connys Zitzen wieder freigegeben.

Leicht den Kopf schüttelnd löste Conny ihre Gedanken von ihren Eutern. Sie ignorierte die deutlich spürbare Feuchtigkeit in ihrem Schritt - sie hatte jetzt keine Zeit, um sich von einer anderen Kuh befriedigen zu lassen - und tastete mit der Zunge behutsam nach dem Kaubonbon. Zwar hatte sie den Eindruck, dass sein Umfang etwas geschrumpft war, doch er war noch immer groß genug, damit Erik etwas damit anfangen konnte.

Conny warf einen leicht wehmütigen Blick auf die restlichen Pellets, die unangetastet in der Futterrinne lagen. Obwohl sie etwa die Hälfte der beträchtlichen Portion gefressen hatte, fühlte sie sich nicht besonders satt. Doch im Augenblick war es wichtiger, das Bonbon in Sicherheit zu bringen. Bis zum nächsten Gong würde es nur ein paar Stunden dauern, und bis dahin würde sie schon nicht verhungern. Ohnehin hatte sie in den letzten Wochen genug zugenommen, dass sie sich darum wohl so schnell keine Sorgen machen musste. Im Gegenteil, wenn sie endlich aus dem Stall heraus war, würde sie erst einmal eine Diät machen müssen!

 

Sobald sich der Bügel über ihrem Rücken gelockert hatte, richtete Conny sich auf und setzte sich in Bewegung. Die Journalistin verzichtete auf den obligatorischen Halt an der Tränke, zu groß war die Angst, dass sie ihr wertvolles Beweisstück versehentlich verschluckte. Zwar hatten die Pellets sie wie immer durstig gemacht und ihr Gesicht verlangte leicht juckend danach, gewaschen zu werden, doch sie ignorierte diese Gefühle und konzentrierte sich auf ihre Aufgabe.

Monatelang hatte sie im Stall ausgeharrt, ohne je das Gefühl zu haben, einen wirklichen Beitrag zu Eriks und ihrer Recherche leisten zu können. Natürlich, sie hatte ihre Umgebung beobachtet und auch ihre Blutwerte waren sicherlich hilfreich gewesen. Doch erst jetzt hatte sie die Gelegenheit, wirklich etwas beizusteuern. Dieses Gefühl erfüllte sie mit einem Tatendrang, den sie in den letzten Wochen nicht annähernd so stark gespürt hatte. Die Tage vergingen nun nicht mehr nur einfach, während sie das Leben einer Kuh führte, sondern sie hatten wieder Sinn und Ziel!

 

In kürzester Zeit hatte Conny ihren Liegeplatz erreicht. Behutsam ließ sie sich auf die Knie sinken, beugte den Oberkörper vor und spuckte den Kaubonbon behutsam in das Stroh.

Zum ersten Mal hatte sie selbst Gelegenheit, es zu betrachten. Ihr Beweisstück war von leicht beiger Farbe und klebte feucht von ihrem Speichel schnell an ein paar Strohhalmen fest. Besonders groß war es nicht mehr, während des langen Melkvorgangs hatte es dann doch recht deutlich an Umfang eingebüßt. Conny war jedoch zuversichtlich, dass der kaum fingerkuppengroße Gegenstand die Beweise liefern würde, die sie brauchten.

“Wenn das Zeug legal ist, fresse ich mein Stroh”, dachte sie grimmig und vertrieb den Gedanken ganz schnell wieder. Sie musste positiv denken!

 

Die Zeit verging. Längst hatten Connys Artgenossinnen sich wieder auf ihre Liegeplätze verteilt und eine gewisse Ruhe hatte sich im Stall ausgebreitet.

Conny hatte sich seitlich ins Stroh gelegt und wartete auf Erik. Immer wieder huschte ihr Blick auf das Kaubonbon, das unweit von ihr zwischen ein paar Halmen lag. Als wollte sie sich selbst versichern, dass es noch immer dort lag, ließ sie es kaum aus den Augen. Auch ihren Durst unterdrückte sie noch immer. Sie hatte sich vorgenommen, das Beweisstück zu bewachen, bis es sicher in Eriks Tasche verschwunden war.

Stumm fragte sie sich, was für Wirkstoffe wohl genau in dem Bonbon steckten. Da BioUdders dachte, dass ihre Milchmenge sank, handelte es sich vermutlich um Mittel, die ihre Laktation steigern sollten. Conny hielt einen Hormoncocktail für wahrscheinlich, jedoch kannte sie sich in solchen Dingen zu wenig aus, um wirklich sicher zu sein. Denkbar war auch irgendeine Chemikalie. Das wäre zwar für ihre Recherche gegen BioUdders ganz praktisch, sie selbst war allerdings weniger stark begeistert von dieser Idee. Selbst wenn es sich um etwas halbwegs Legales handelte, würde es seine Wirkung vermutlich nicht verfehlen. “Das letzte, was ich jetzt brauche, ist noch mehr Milch zu produzieren…”, grollte sie und dachte an ihre ohnehin schon enormen Euter. Ob ihre Zitzen der erhöhten Belastung überhaupt noch standhalten würden? Doch sie hatten sich mit der Zeit so gut an den jetzigen Zustand angepasst, dass sie wohl auch noch ein paar Milliliter mehr wegstecken konnten. Eine ganz andere Frage war, wie Conny aussehen würde, wenn dieses Abenteuer endlich vorbei war. Inzwischen glaubte sie kaum noch, dass ihre Euter und Zitzen sich ohne chirurgische Hilfe wieder in eine halbwegs menschliche Form zurückbilden würden.

 

Mehrere Stunden waren vergangen und Conny befürchtete langsam, dass die Glocke erneut klingeln würde, ehe Erik in den Stall kam. Sie war unschlüssig, was sie in diesem Fall machen sollte. Einerseits wollte sie das Bonbon nicht aus den Augen lassen, doch andererseits hielt sie es für keine gute Idee, nicht zur Melkmaschine zu gehen. Schon die normale Zeitspanne zwischen zwei Glockenschlägen reichte aus, damit ihre Euter leicht zu spannen begannen. Ein paar zusätzliche Stunden würden vermutlich höchst unangenehme Gefühle, wenn nicht sogar ausgewachsene Schmerzen mit sich bringen. Dazu kam das zunehmend stärker werdende Hungergefühl. Das hatte sie nun davon, dass sie nur die Hälfte ihrer Portion gefressen hatte.

 

Eine halbe Stunde lang überlegte sie hin und her, wie sie dieses Problem lösen konnte, ehe es sich von einem Augenblick zum anderen in Luft auflöste. Eine Gestalt in einem der auffälligen Overalls von BioUdders hatte soeben den Stall betreten und schaute sich suchend um. Ruckartig hob Conny den Kopf, so dass sie sich fast den Hals verrenkte und erkannte zu ihrer großen Erleichterung Erik.

Die Journalistin richtete sich hastig auf und stieß ein lautes Muhen aus, um ihren Kollegen auf sich aufmerksam zu machen. Nur ungern wollte sie ihren Liegeplatz und damit auch ihre Beute jetzt noch aus den Augen lassen. Erik hatte ihren Platz schon einmal gefunden, so dass er sich eigentlich daran erinnern sollte, wo er sie treffen konnte.

 

Conny muhte noch zwei Mal, konnte jedoch keinen Erfolg verzeichnen. Ihre Laute animierten lediglich einige ihrer Artgenossinen dazu, es ihr gleich zu tun, so dass der Lärmpegel im Stall deutlich anstieg.

“Das gibt es doch nicht…”, fluchte sie innerlich, warf einen letzten prüfenden Blick auf das Kaubonbon und lief gleich darauf mit eiligen Schritten auf Erik zu.

Ihr Kollege prüfte gerade die Ohrmarke einer anderen Milchkuh, als Conny ihn erreichte. Ungeduldig wartete sie darauf, dass er auf sie aufmerksam wurde. Als es ihr zu lange dauerte, senkte sie kurzerhand den Kopf und stieß die Stirn unsanft gegen Eriks Schulter.

“Hey!”, stieß der falsche Stallarbeiter aus, löste den Blick von der gelben Ohrmarke der anderen Kuh und richtete seine Aufmerksamkeit auf Conny. Kurz funkelte er sie böse an, ehe er sie erkannte. “Ach, du bist es!”.

Conny verzog das Gesicht. Wen hatte Erik denn sonst erwartet, hier zu treffen? Sie nickte leicht mit dem Kopf und machte sogleich einen Schritt zurück, um Erik zu ihrem Platz zu führen.

Doch ihr Kollege dachte nicht daran, ihr zu folgen. Stattdessen lächelte er entschuldigend und hob beschwichtigend die Hände. “Ich hätte dich schon noch gefunden, keine Sorge.”

 

Innerlich seufzend nickte Conny erneut. Erik schien nicht zu verstehen, dass sie es eilig hatte. Davon abgesehen, dass sie das Bonbon nicht noch länger unbewacht lassen wollte, dauerte es dem aufkommenden Spannen in ihren Brüsten nach nicht mehr lange, bis der Gong erneut erklingen würde. Und dessen Ruf würde sie folgen müssen, wenn sie nicht zu sehr auffallen und zudem das Bindegewebe ihrer Euter unnötig herausfordern wollte.

 

“Wie geht es dir? Hat sich am Wochenende etwas ergeben?”, erkundigte sich Erik nun nach ihrem Wohlbefinden. Das war ihre Chance!

Conny nickte wild mit dem Kopf, drehte sich dann um und kehrte schnurstracks zu ihrem Platz zurück. Auf diese Weise ließ sie Erik keine andere Wahl, als ihr zu folgen. Verbal konnte sie ihm ohnehin nicht erklären, was passiert war. Oder hatte er vielleicht vergessen, dass sie seit Monaten kein einziges Wort gesprochen hatte?

 

Ihre Nervosität legte sich, als sie ihren Liegeplatz erreichte und nach einem prüfenden Blick feststellte, dass ihr Beweisstück noch immer dort war, wo sie es zurückgelassen hatte.

“Was ist los? Ist hier irgendwas?”, fragte Erik, als er zu ihr aufgeschlossen hatte. Neugierig schaute er sich um, konnte jedoch scheinbar nichts erkennen.

Conny verdrehte die Augen. Wenn man nicht alles selber machte… Behutsam machte sie ein paar Schritte in die Box, mühevoll darauf bedacht, auf dem weichen Stroh mit ihren Hufschuhen nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Unmittelbar neben dem Kaubonbon blieb sie stehen, senkte den Blick und wartete, bis Erik ihre Botschaft verstand.

 

Es dauerte einige Sekunden, bis ihr Kollege endlich ihrem Blick gefolgt war und den kleinen Gegenstand entdeckte, der dort im Stroh lag. Rasch machte er zwei Schritte in Connys Richtung, bückte sich und pflückte das Bonbon aus dem Stroh. Fasziniert betrachtete er es eine Weile, ehe er den Blick hob und Conny ansah. “Du bist genial!”, sagte er vollkommen baff.

 

Conny grinste. Endlich, nach Stunden der Anspannung, konnte sie sich etwas entspannen. Alles war gut gegangen, jetzt musste Erik ihr Beweisstück nur noch sicher aus dem Stall bringen und genau unter die Lupe nehmen.

Erik betrachtete den Kaubonbon noch einmal ganz genau, wobei er hin und wieder mit dem Kopf nickte. “Das ist es. Conny, das ist es! Du bist einfach großartig!”, murmelte er und ihm war anzusehen, dass er seiner Kollegin am liebsten um den Hals gefallen wäre.

Sorgfältig steckte Erik den kleinen Gegenstand in seine Tasche. “Jetzt haben wir unseren Beweis! Conny, in ein paar Tagen sind wir hier raus!”

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Kommentare

Welch Freude, welche Marter?!

Seit August 2014 widme ich dieser Geschichte meine Aufmerksamkeit.

Wenn ich schon selbst nix schreibe, lese ich doch immer wieder gerne weiter.

In reply to by Belice Bemont

Doch, ich habe nachgeschaut. ;-)
Aber fühle dich von mir nicht getrieben!
Wieso ist hier eigentlich noch nicht den bemerkenswerter Avatar im Gebrauch (Das Ponygirl in der Glaskugel)?
M