Begierde 6

 

Am nächsten Tag bereitete Leon sich und Helena vornehmlich auf den Clubbesuch vor. Helena durfte sich – vor seinen Augen – ausnahmsweise selbst waschen (ohne Halsband, das sie nach Abnahme seltsamerweise vermisste) und rasieren. Warmes Wasser machte sie schon immer an, was man gut an ihren steifen Nippeln erkennen konnte. Leons Blicke trugen ihr Übriges dazu bei. Außerdem musste sie sich ihren Darm ausspülen. Als sie mit sich fertig war, durfte sie Leon waschen. Darauf hatte Helena sich insgeheim schon gefreut. Sie hoffte nämlich, ihn durch gekonntes Einseifen dazu zu bringen, sie zu ficken. Leider misslang ihr Plan. Leon verbot ihr, ihn oder sich zu befriedigen, denn sie sollten abends schön heiß aufeinander sein. Das gab Helena zu denken.

"Welche Art Club ist das eigentlich genau?", fragte sie vorsichtig, gespielt beiläufig.
"Hab noch ein wenig Geduld, Liebes, dann siehst du's mit eigenen Augen."
"Toll ausgewichen", dachte Helena, "Zeit einen klaren Standpunkt zu beziehen."
"Also, ich hab ja kein Problem damit, mir etwas an zu sehen. Aber ganz sicher hab ich keine exhibitionistische Ader!"
"Vertraust du mir?", fragte Leon ernst.

Helena musste sich eingestehen, dass sie ihm im Grunde genommen vertraute. Viel zu sehr sogar, die kurze Zeit berücksichtigend, die sie erst miteinander verbracht hatten. Die leisen Zweifel, die sie wegen des Clubs beschlichen, waren einzig ihrer unterbewussten Angst zu schulden. Angst, ihn zu verlieren. Angst, ihn zu enttäuschen. Angst, ihm nicht zu genügen.

"Ja", antwortete sie schließlich zaghaft.
"Dann mach dir keine unnötigen Sorgen. Wenn es dich beruhigt, ich hab auch keine solche Neigung. Außerdem mach ich nichts mit dir, was dir nicht auch gefällt."
Leon küsste sie auf die Stirn. Helena war erleichtert, schämte sich allerdings gleichzeitig für ihre Zweifel. Er hatte zwar Dinge von ihr verlangt oder einfach mit ihr gemacht, die ihr schwer fielen, doch er war nie zu weit gegangen. Warum musste sie ausgerechnet jetzt seine Zuverlässigkeit in Frage stellen?

Dieses Rätsel sollte Helena noch nicht lösen, stattdessen lenkte sie Leon, zwischen der Erfüllung alltäglicher Bedürfnisse, eifrig ab. Obwohl er sich schon längst für ein Outfit entschieden hatte, ließ er Helena verschiedene Kombinationen vorführen. Anfangs begutachtete sie die Klamotten etwas argwöhnisch. Allesamt waren sexy, nicht nuttig, doch figurbetont. "Woher hatte er die Kleidung nur und vor allem für wen?", fragte sich Helena, die sich nicht die Blöße geben wollte, nochmal ins Fettnäpfchen zu treten. Leon sollte nicht denken, sie wäre auch noch eifersüchtig. Leider konnte sie nicht gut schauspielern und so musste ihr Anblick Bände gesprochen haben, denn Leon kringelte sich vor Lachen.

"Tut mir leid, Liebes", meinte er schließlich, "es ist so herrlich, dich zu beobachten. Die Teile hat mir ein Freund gebracht, als du geschlafen hast. Ich hatte ja deine Kleidung, um die Größe zu wissen."
Mit gemischten Gefühlen sprudelte es aus Helena: "Du hast das alles für mich gekauft? Treffen wir deinen Freund im Club? Weiß er ... also, fand er es nicht merkwürdig Frauensachen zu kaufen?"
"Ja, ja und nein", entgegnete Leon schmunzelnd.
Vorerst musste Helena sich damit zufrieden geben. Sie würden diesem Freund im Club begegnen. Daher müsste er ähnliche Neigungen haben, zog sie den logischen – eher beruhigenden – Schluss.

Die Wahl ihres Outfits machte sie jedoch gleich wieder nervös. Leon entschied sich für das 'kleine Schwarze', das zwei Männerhände breit über ihrem Knie endete. Da es eng anlag, betonte es ihren Po, was Leon sehr gefiel. Dazu trug sie hautfarbene, halterlose Strümpfe, was nicht nur Leons Fantasie anregte. Helena hatte zu Hause auch ein Kleidchen, das ohne BH zu tragen war, aber ohne Höschen? Gespannt wandte Helena ihm den Rücken zu. Etwas legte sich um ihren Hals. Sofort dachte sie an ihr Halsband. Leon strich ihr die Haare über die Schulter, um es zu schließen. Absichtlich ließ er etwas Spielraum zwischen dem Band und ihrer Haut.

"Passt es so?", erkundigte er sich scheinheilig.
"Ein bisschen enger, bitte."
Lächelnd erfüllte Leon ihren Wunsch. Seine Hoffnungen bestätigten sich stetig. Zuversichtlich hielt er Helena den Spiegel hoch.
"Gefällt es dir?"
Tatsächlich gefiel es Helena noch besser, als all die anderen Geschenke, die Leon ihr heute gemacht hatte. Es war ein Halsband, jedoch nicht das, das sie schon getragen hatte. Dieses war aus weißem Leder, hatte vier Ösen (je eine pro Himmelsrichtung) und Leons Initialen neben der vorderen Öse. Helena war gerührt.
"Es ist wunderschön. Da fällt mir ein, dass ich mich noch gar nicht für alles heute bedankt hab."
"Du kannst mir später danken, Liebes." Er drückte sie küssend an sich. "Ich zieh mich noch schnell um, dann fahren wir."
Deutlich hatte Helena seine Erektion gespürt. Der Abend würde aufregend werden!

Im schicken Anzug – ohne Krawatte, stattdessen das Hemd leicht aufgeknöpft – erschien Leon wieder. Nachdem Helena ihm ein Kompliment bezüglich seines Aussehens gemacht hatte, fuhren sie in eine etwas abgelegene Gegend, die ihr gänzlich unbekannt war. Im Hinterhof eines alten Hauses versperrten zwei Wachen den Weg. Leon fuhr langsam auf sie zu. Das Fenster öffnend, begrüßte er sie kameradschaftlich, sodass sie durchgewunken wurden.
"Ich arbeite hier", klärte Leon auf.
Am kleinen, von hohen Büschen umsäumten, Parkplatz stiegen sie aus. Es standen bereits ein paar Autos da und Helena wurde mulmig zu Mute. Leon nahm sie an der Hand.

"Komm! Niemand wird dich beißen, außer mir vielleicht."
Seine Hand fest drückend, schritten sie zum Eingang, wo ein Schrank von einem Mann wartete.
"Hi, Leon! Hast du endlich ein Mädchen gefunden?" Der Mann 'scannte' Helena ungeniert von Kopf bis Fuß. "Und ein hübsches noch dazu."
"Hi, Scott. Ja, allerdings. Das ist Helena, wir kennen uns noch nicht lange."
Scott nickte ihr kurz zu, wandte sich dann wieder Leon zu.
"Ja, ich seh's. Dann will ich euch mal lieber nicht länger aufhalten", sagte Scott den Weg frei machend.
"Danke, 'nen schönen Abend noch!"
"Ihr habt bestimmt einen schöneren!"

Helena war zu verdutzt, um gleich etwas zu sagen. Hinter dem Eingang befand sich eine gemütliche Bar. Leise Musik wurde gespielt. Auf den ersten Blick erschien alles ganz gewöhnlich. Erst beim zweiten fiel Helena die Frau auf, die halbnackt, mit gesenktem Kopf zwischen zwei Männern saß. Sie konnte die Situation nicht näher betrachten, da Leon sie zur gegenüberliegenden Theke führte. Eine leicht bekleidete Bardame nahm ihre Bestellung entgegen. Naja, eigentlich Leons, da er für sie beide bestellte. Die Frau lächelte freundlich und zwinkerte Helena zu, nachdem sie ihr Halsband auffällig ansah. Diese ergriff die Chance ihre Neugier zu stillen, als sie wieder mit Leon alleine war.

"Hat das Band eine Bedeutung oder woher wusste Scott, dass wir uns noch nicht lange kennen?", flüsterte sie beinahe.
"Es beschützt dich vor Aufdringlichkeiten und erspart mir viele Abweisungen", meinte Leon stolz.
"Und warum hat er mich nicht mal ordentlich begrüßt?"
"Manche mögen es nicht, wenn man ihre submissiven Partner zu sehr beachtet."
"Submissiv?"
"Devot, Kleines. So nennt man Menschen, die, wie du, beim Sex gerne das Kommando abgeben."
Helena verstummte. Leon sprach aus, was sie schon längst wusste und doch nie zugeben wollte. Nicht laut. Wenn etwas erst gesagt wurde, nimmt es reale Ausmaße an, fand sie. Nun hatte er es gesagt und sie nicht widersprochen. Leon lächelte sie an.
"Wir haben noch ein wenig Zeit. Lass uns ein offenes Spielzimmer ansehen. Danach bringe ich dich in einen intimeren Nebenraum."

Gesagt, getan. Leon erklärte noch, dass in den offenen Räumen jeder hinein konnte. Falls gerade jemand zugange war, sollte Helena sich nicht erschrecken. Schon von Weitem waren verschiedene Laute zu hören. Leise Schreie, lustvolles Stöhnen, das Knallen ... einer Peitsche? Im Türrahmen stehend bestätigte sich Helenas Vermutung.
Eine brünette Frau stand gebückt in einem Pranger. Dahinter schwang ein Mann die Peitsche. "Zisch!" Er holte aus. "Knall!" "Ah! Uh!" Die Frau schien es zu genießen, wenngleich sie ebenso Schmerzen zu haben schien. Rote Striemen auf Po und Rücken formten ein symmetrisches Muster. "Noch sieben", kündigte der Mann in einer Pause an, worauf die Frau bettelte: "Oh nein, bitte nicht, Herr!" Es half nichts, der nächste Hieb landete genauso laut auf ihr, wie der zuvor. Unwillkürlich schmiegte sich Helena an Leons Arm.

"Magst du sowas, Leon?"
"Wenn es zur Situation passt, ja", antwortete er ehrlich. "Und du, wie findest du die Vorstellung?"
"Es hat etwas Befremdliches. Irgendwie gefällt's mir, aber ich glaub nicht, dass es an den Schlägen liegt."
Leon schwieg.
"Meinst du, es gefällt der Frau oder tut sie nur so?", fragte Helena unsicher.
"Mach dir nichts vor, Liebes. Guck sie dir doch mal genau an! Ihr ganzer Körper spricht für sich."
Leon behielt recht. Sie beobachteten das Treiben, bis der Mann den Pranger öffnete. Mit einem glückseligen Lächeln kniete sich die Frau hin. "Danke, Herr."
"Zeit, weiter zu gehen", meinte Leon, die gebannt starrende Helena mit sich ziehend. Sie war verwirrt.
"Wieso sagte die Frau immer 'Herr'?"
"Na, weil es dem Mann gefällt." Leon lachte erheitert. "Hast du dich noch nie extern mit deiner Veranlagung beschäftigt? Heutzutage gibt es ja immerhin das Internet."
"Doch, schon", schmollte Helena, "aber ich fand nichts Ansprechendes. Also hab ich's sein lassen und gehofft, ich kann mich ändern."
"In Ordnung. Dafür hast du mich jetzt", sprach Leon, die Tür zum Nebenraum öffnend.

In der Mitte des kleinen Raums hingen zwei Ledermanschetten an Ketten von der Decke. Zwei weitere lagen am Boden, durch Ösen darin befestigt. Während Leon Helena daran festschnallte, konnte sie überall Verankerungen erkennen: an der Wand, an der Decke, im Boden. Ansonsten war das Zimmer leer. Mit Gänsehaut, gespreizten Armen, sowie Beinen wartete sie nun auf das, was kommen würde. Leon stellte sich vor sie und sah sie liebevoll an.

"Ich verbind dir gleich die Augen. Danach kommen meine Freunde auf einen Sprung vorbei. Wenn sie da sind, hast du Sprechverbot. Vertrau mir, dann können wir uns ganz schnell uns widmen."
Helena stimmte zu. Gleich nachdem sie nur mehr Dunkelheit sah, klopfte es an der Tür. Leon stand hinter ihr.
"Ich hab Angst", flüsterte Helena.
"Ich auch", hauchte Leon, womit er Helena zum Kichern brachte.
Er ließ ihr noch einen Moment, bevor er mahnte: "Leise jetzt. Herein!"
Helena hörte Schritte und das laute Schließen der Tür. Ihr Herz raste, was sollte das nur werden?

"Schön euch zu sehen", begrüßte Leon die Unbekannten. Zumindest wusste sie somit, dass es mehrere waren, auch wenn sie lediglich ein Paar Schuhe hörte.
"Schön deine Kleine zu sehen ... und dich natürlich auch", feixte eine Männerstimme, die Helena bekannt vorkam. "Bist du dir denn sicher?"
"Sehr sogar. Je länger ich warte, desto schwieriger wird es – für uns beide."
Helena verstand nur Bahnhof. Sie hasste es, Rätsel raten zu müssen.
"Wie du meinst. Komm, Süße!"
Aha! Es war also auch eine Frau da. Kannte sie vielleicht die Frau besser und daher die Männerstimme?

Plötzlich berührten Hände Helenas Beine. Fremde Hände, denn Leons lagen auf ihren Flanken. Sie zuckte zusammen, schaffte es dennoch ruhig zu bleiben. Erst als die Hände langsam hochwanderten und schließlich über ihren Knien angekommen waren, zappelte sie heftig, sagte aber nichts. Die fremden Hände verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren.
"Ist wohl noch widerspenstig", stellte der fremde Mann fest.
"Im Gegenteil", widersprach Leon, "sie hat keinen Mucks von sich gegeben. Von Zappeln war keine Rede. Des Weiteren mag ich, dass sie nur von mir angefasst werden will."

Gelöst und stolz registrierte Helena Leons Worte. Sie hatte durchgehalten! Der Mann verabschiedete sich hastig: "Wir trinken noch einen Cocktail und fahren dann. Ich hoff, wir sehen uns bald wieder, Süße!"
Endlich ging Helena ein Licht auf. Konnte das sein?

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Kommentare

Ich bin hin und weg von der Geschichte, du schreibst einfach wunderbar.

Die Teile für mich persönlich nicht zu kurz und nicht zu lang, einfach genau richtig.

Genau so mag Frau sich das alles vorstellen.

Ich hoffe noch sehr viel von dir zulesen.

Gruß Tamy

In reply to by Tamara

gut, dass der erste Teil so lang geworden ist, wie er eben geworden ist. Allein deswegen haben die anderen Teile ungefähr die gleiche Länge.

Es freut mich, dass es dir so passt und dass meine - mir selbst gestellte - Frage diesbezüglich nun auch beantwortet ist.

Wieder einmal sehr schön ge- und beschrieben.

Deine Geschichte ist neuerlich ein Genuss.

Halte mich ruhig für altmodisch weil monogam lebend und liebend, aber... Irgendwie hoffe ich, es bleibt rein bei 'Vorführung'.

Gruß Nachtgestalt

In reply to by Nachtgestalt

es wäre ungeschickt zu viel zu verraten (gut, dass ich mich hier nicht verplappern kann)

Ob ich dich enttäusche oder nicht, steht bald im nächsten Teil.