Hausherrin wider Willen - Teil1

 

Wenn ich zurückdenke, frage ich mich manchmal, ob er es aus heutiger Sicht bereut. Schließlich war es seine Idee und er hat damit angefangen. Für mich war es ein schmerzhafter Weg, der mein Selbstbild in den Grundfesten erschüttert hat.

Also: wenn man schon so viele Jahre zusammen ist wie wir, dann kennt man sich ja in der Regel sehr gut. Aber gleichzeitig spart man doch viele Themen aus, die zusammen nicht gehen. Wünsche und Leidenschaften bleiben unausgesprochen und unausgelebt – gelegentlich ist das sicher auch besser so. Er hat sich entschieden, diesen Weg zu gehen, auch wenn er wohl nicht damit rechnen konnte, dass sein Plan so gut aufgeht.

Eigentlich wusste ich schon seit langem, dass er eine devote Ader hat. Häufig genug hat er es vorsichtig angesprochen, immer wieder hat er vorsichtig versucht, mir seine Wünsche mitzuteilen. Nur ist es so, dass für mich Sex damals kein Spiel war. Ich mag keine Spiele. Ich mag aufrichtige Leidenschaft, Hingabe, Begeisterung – da braucht es kein Spiel und keine Rollen. Für mich ist Sex die Vereinigung von Körper und Gefühl, das hat wenig mit dem Kopf zu tun. Dachte ich zumindest. Und auf SM-Spielchen hatte ich schon gar keinen Bock, weswegen ich seine Anspielungen einfach ignorierte. Mit der Zeit sah er ein, dass ich ihm den Gefallen wohl nie tun würde und er machte immer seltener entsprechende Anmerkungen. Ich habe ihm sogar schon einmal vorgeschlagen, einmal zu einer professionellen Domina zu gehen, wenn er das unbedingt ausleben muss. Aber das traute er sich wohl nicht und das Thema kam nicht mehr auf den Tisch. Und schließlich vergaß ich, dass er überhaupt entsprechende Ambitionen hatte.

Eigentlich begann es an einem gewöhnlichen Abend zuhause. Die Kinder waren endlich im Bett, natürlich hatte ich wie immer noch die vielen Kleinigkeiten erledigen dürfen, während er schon am IPad saß und wer weiß was machte. Ich war kaputt, erschöpft und genervt und seine Lässigkeit, mit der er meine Aufräumeritis, wie er es nannte, belächelte, machte mich immer wieder wütend. Ich hatte keinen Bock auf Stress, ließ mich einfach ins Sofa fallen.  Mehr unbeabsichtigt fuhr es aus mir heraus: „Los, bring mir mal einen Wein!“ Kurz, ohne „bitte danke“, sondern eigentlich ungewollt sehr fordernd.

Normalerweise reagierte er darauf gar nicht oder wenn, dann bewusst verzögert. Oder er konterte mit einem Spruch à la „haste dir die Finger gebrochen, oder was?“. Jedenfalls war so ein übellauniger Spruch von mir immer ein willkommener Anlass zu einem kleinen Streit und einer allgemeinen Verstimmung. Daher wunderte mich umso mehr seine Reaktion. Er schaute mich fast lächelnd an, sagte „gerne mein Schatz, kleinen Augenblick“ und verschwand in der Küche. Nach einigem Geklapper kam er mit einem Tablett mit Flasche meines Lieblingsweißweins, Gläsern und ein paar Knabbereien um die Ecke, stellte es auf dem Tischchen vor dem Sofa ab und kniete sich vor mich hin. Er entkorkte den Wein, schenkte mir ein und reichte mir das Glas. Ich weiß nicht, was das Getue sollte, aber aus irgendeinem Grund spürte ich in meinem Bauch eine plötzliche Wärme aufsteigen und mein Herz schlug mir ein wenig im Hals – warum auch immer – mich erregte die Situation!

„Zum Wohl mein Schatz, soll ich mir auch ein Glas einschenken?“ fragte er mich ernst mit Blick von unten anschauend. „Ja natürlich, was ist das denn für eine blöde Frage. Ich will ja mit dir anstoßen!“ Also schenkte er sich ein und stieß mit mir an. „Zum Wohl!“ er gab mir einen flüchtigen Kuss und verschwand wieder auf seinem Teil des Sofas. Gleich schnappte er sich wieder sein IPad, während ich den Fernseher zum Zappen einschaltete, in der Hoffnung, dass irgendwo eine Talksendung kam, die mich abschalten ließ. Die Erregung, die in mir kurzzeitig aufgestiegen war, verschwand wie sie gekommen war. Ich machte mir auch weiter keine Gedanken darum.

Die nächste Situation war am kommenden Wochenende. Während er ja gerne morgens früh aufstand, genoss ich es am Wochenende einfach liegenzubleiben und ganz langsam wach zu werden. Ich fühlte mich schon seit Wochen ausgelaugt und erschlagen, irgendwie wollte meine Erkältung nicht aus den Knochen. Wenn mich nicht die Blase kurz aus dem Bett getrieben hätte, wäre ich noch ewig liegengeblieben. Die beiden Mädchen lagen wohl auch noch in ihren Betten. Als ich ins Bad kam, stand er gerade unter der Dusche. Schon seit Anfang unserer Beziehung hatten wir kein Problem gehabt, unserem - zumindest kleinen Geschäft - nachzugehen, wenn der andere auch im Bad war.

Während ich auf also dem Klo saß, fiel mein Blick auf das Fensterbrett und schlagartig kam diese Wut in mir hoch. Das kleine Tablett mit Crèmes, das mir meine Freundinnen zum Geburtstag geschenkt hatten, stand wieder 20 cm links von dem Standort, wo es hingehörte! Das war jetzt seit Wochen ein kleiner stiller Kampf zwischen uns. Ihn störte das Tablett angeblich an der Stelle, weil er dort seine Rasierer hinlegen würde, dabei sah das schöne Tablett mit den edlen Tuben und Spendern genau an diesem Fleck einfach nicht aus! Es gehörte genau da hin, wo ich es hingestellt hatte. Obwohl ich noch hundemüde war und mein Kopf dröhnte, ging mein Puls bis zum Anschlag und ich wurde stinkesauer. Jetzt war nicht der Moment, um das dumme Hin- und Hergerücke weiter ertragen zu können, jetzt war es endgültig genug!

 Genau in diesem Moment kam er aus der Dusche und griff nach dem Handtuch, mein Blick streifte seinen immer noch attraktiven Adoniskörper mit dem hübschen Schwanz vor seinen rasierten Eiern, der gerade frisch gewaschen aus der Dusche kam, und sagte lächelnd „Guten Morgen Schatz!“. Aber dafür hatte ich kein Ohr und keinen Blick, denn ich kochte innerlich, ging zum Fenster rückte das Tablett mit den Tuben wieder richtig. „So. Damit das ein für alle Mal klar ist! Das bleibt jetzt da stehen, ja?!“ bellte ich ihn an. Hinter mir kam nur ein kurzes „Ja“ zurück. Ich drehte mich wütend um, mit so einem banalen „Ja“ konnte ich jetzt nichts anfangen. Sein Kopf war gerade unter dem Handtuch verschwunden. „Das Tablett wird nicht mehr einen Millimeter wegerückt! Hast du das verstanden, ja?“ Als er unter seinem Handtuch hervorschaute drehte er seinen Kopf leicht zur Seite und schaute fast unterwürfig nach unten. Anstatt zu argumentieren, zurückzublaffen oder was auch immer sagte er nur leise „Ok!“ Diese Gleichgültigkeit war ja nicht zum Aushalten! „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“ schrie ich ihn fast an. Er schaute mich bedröppelt von unten an und sagte nur „Ja, wenn du es willst, bleibt es da stehen, mein Schatz!“ In diesem Moment sah ich aus dem Augenwinkel, dass sein Schwanz, der gerade noch so klein vor den Eiern baumelte, fast schlagartig pulsierend anschwoll und schon im 45 Grad-Winkel abstand! Diese Entdeckung schockiert mich unglaublich, er geilte sich an meiner schlechten Laune auf! Aber noch schlimmer war, dass mir schlagartig im Unterleib warm wurde und meine Schamlippen spontan heiß wurden! „Du geile Sau!“ kam es nur aus mir heraus und ich machte einen Schritt auf ihn zu griff seinen Schwanz und wichste ihn einige Mal fest und mechanisch, worauf er in meiner Hand knallhart wurde!

Ich hielt das nicht aus, ich musste ganz schnell weg hier. Ich drehte mich einfach um und verschwand ganz schnell in mein Bett, die Türen hinter mir zuschlagend. Als ich im Bett lag, überkam mich ein kurzer Heulkrampf, den ich in meine Kissen stöhnte. Meine Finger gruben sich in meine nasse Spalte und rieben den Kitzler so feste, dass ich in einer so noch nie erlebten Spontangeilheit in einer Minute kam.

Ich war total verwirrt und aufgelöst. Warum wehrte er sich nicht, wo er seit Wochen keine Gelegenheit ausließ, um mich mit dem Zurechtrücken des blöden Tabletts zu ärgern? Bloß weil ich ihn etwas angefahren habe? Sonst ließ er sich doch auch nichts sagen und ging einem Streit auch nicht unbedingt aus dem Weg! Und offensichtlich machte ihn das auch noch geil! Sein Verhalten war ja geradezu devot. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen.

Aber eigentlich schockierte mich meine eigene Reaktion darauf! Ich musste mir einfach eingestehen, dass in dieser Situation - warum auch immer - es mich wahnsinnig anmachte, dass er mir einfach gehorchte! Diese Macht, dass er einfach machte, was ich ihm befahl! Und ihn geilte das auch noch auf? Hilfe!!! Ich wollte das nicht! Das war nicht mein Weltbild! Das es mich heiß machen würde, ihn zu unterdrücken, sowas hatte ich noch nie gefühlt oder gedacht! Ich versuchte mich damit zu beruhigen, dass ich krank und erschöpft sei und darum vielleicht irgendwie neben der Kappe war. Aber mein Orgasmus, der war unglaublich intensiv gewesen. Ich fühlte mich schmutzig und müde und… schlief noch einmal tief ein.

Später wachte ich auf, ein Kaffee stand wie immer duftend an meinem Bett, wenn er mich endlich aus dem Bett locken wollte. Unten plapperten die Kinder mit ihm am Frühstückstisch. Ich machte mich langsam im Bad fertig und quälte mich mit meiner Kaffeetasse nach unten, der normale Wochenendwahnsinn ging los, ohne dass wir noch einmal über die Szene im Bad gesprochen hätten. Ich schaffte es auch ganz gut, meine Gedanken um das Thema herumzulenken. Das Tablett auf dem Fensterbrett im Bad stand jetzt aber dort, wo ich es hingerückt hatte, und wurde auch nicht mehr bewegt. Immerhin.

 

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Kommentare

und nickt* vielen Dank für diesen Eintieg einer Geschichte, Filou. Sehr flüssig zu lesen, kaum bis gar keine Rechtschreibfehler (was mir sehr positiv auffiel!) und sie regt, zumindest mich, zum schmunzeln an. Sehr schön herausgearbeitete Gefühle, gerade die der Frau springen einen geradezu an und ziehen einen in seinen Bann. Nochmals vielen Dank - und sehr gern mehr davon :-)

LG Kya

In reply to by Kya

...dass es Dir gefällt! Im nächsten Teil darf er sich dann auch mal erklären, was ihr zunächst gar nicht passt. Oder doch?

Der zweite Teil ist jetzt auch eingestellt!

Danke für den Kommentar, Kya! :-)