Die Messe - Livias Versteigerung

Die zweite Kurzgeschichte zum Messe-Thema auf Animal Planet. Viel Spaß beim Lesen! 

 

Animal Planet

Dies ist das Jahr 2327. Vor über einem halben Jahrhundert landeten die ersten Siedler auf einem Planeten, der beinahe wie ein kleinerer Bruder der Erde wirkte. Neben der Größe unterschieden sich die Planeten nur dadurch, dass es auf diesem Planeten keine eigene Tierwelt gab.

Gleich nach der Erschließung des Planeten, den die Siedler “Animal Planet” tauften, verabschiedeten sie das “Allgemeingültige Petgesetz”, das dafür sorgte, dass Petplay nicht nur legal, sondern zum normalen und allgegenwärtigen Alltag des Planeten wurde.

Heute leben mehr als fünfzig Millionen Menschen auf dem Planeten. Viele von ihnen sind dort geboren worden, einige haben ihr gesamtes Leben dort verbracht. Blühende Städte und verschlafene Dörfer haben sich überall auf dem kleinen Kontinent entwickelt.

Nach dem Allgemeingültigen Petgesetz ist jeder Bürger des Planeten verpflichtet, Besitzer von mindestens einem eigenen Pet zu sein. Wer gegen das Gesetz verstößt oder sich freiwillig meldet, wird durch das Ministerium für Pets, Halter und Züchter (MPHZ) selbst in ein Pet verwandelt.

Einmal verwandelt, gibt es keinen Weg mehr zurück. Die Tierart und Rasse lässt sich nicht mehr ändern, eine Rückverwandlung ist ausgeschlossen. Gleichzeitig verliert das Pet alle seine Rechte und wird zum persönlichen Eigentum des neuen Besitzers, der es benutzen, vermieten oder verkaufen kann.

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Livia

Nur wiederstrebend folgte Livia dem Zug der Führleine. Hätte sie sich in den vergangenen 21 Monaten nicht so sehr daran gewöhnt, Kommandos auszuführen und keinen Wiederstand zu leisten, hätte sie sich vermutlich geweigert, auch nur einen Schritt weiter zu gehen. 
Ihr Herz schlug schwer gegen ihre Rippen, als sie die letzte Stufe erklomm, die zu der breiten Bühne hinauf führte. Noch wurde sie durch einen kleinen Wandschirm vor den Blicken der Zuschauer geschützt. Doch wie lange würde sie sich noch hier verstecken können? 

Die junge Stute atmete angespannt ein und aus. Der Zug der Führleine lockerte sich für einen Moment. Die Frau, die das andere Ende der ledernen Leine in der Hand hielt, bedeutete ihr mit einem Handzeichen, noch zu warten. 
Jetzt, wo sie sich nicht bewegte, konnte Livia deutlich spüren, wie sehr ihre Beine zitterten. “Ruhig, dir passiert nichts. Du wechselst nur den Besitzer. Kein Grund einen Herzinfarkt zu bekommen”, dachte sie und verlagerte behutsam das Gewicht von einem Huf auf den anderen. 
Sie konnte nicht gerade behaupten, dass sie nun besonders traurig war, dass ihre bisherige Eigentümerin sich dazu entschieden hatte, sie zu verkaufen. Nach ihrer Verwandlung in eine Stute war Livia von einer Frau in den mittleren Jahren gekauft worden. Obwohl sie sich - zumindest am Anfang - Mühe gegeben hatte, waren Livia und ihre Besitzerin nie wirklich warm miteinander geworden. Zwar konnte sie auch nicht sagen, dass sie es bei ihr wirklich schlecht gehabt hatte - das Gegenteil traf jedoch genau so wenig zu. Daher war es für sie zumindest in dieser Hinsicht emotional keine so schlimme Sache, dass sie nun den Besitzer wechseln sollte. 

Dennoch verspürte Livia eine schreckliche Angst. Sie wusste, dass sie direkt nach ihrer Verwandlung bereits einmal verkauft worden war. Damals hatte sie davon jedoch nicht viel mitbekommen, es war nicht in ihrer unmittelbaren Anwesenheit passiert. Früher hatte sie das immer als belastend empfunden, doch im direkten Vergleich erschien es ihr dann doch die deutlich angenehmere Alternative zu sein.
Denn dieses Mal würde es ganz anders werden. Als sie erfahren hatte, dass sie auf der größten Pferdemesse von Animal Planet öffentlich versteigert werden sollte, war ihr die Luft weggeblieben. Und jetzt, wo sie unmittelbar davor stand, die Bühne zu betreten, hatte sie das Gefühl, dass sie im nächsten Moment in Ohnmacht fallen würde. 

Die Stimme des Auktionators ertönte. Sie war auch hinter der Bühne deutlich zu hören, so dass Livia die bisherige Versteigerung recht mühelos hatte mitverfolgen können. Das hatte allerdings nicht unbedingt dazu beigetraten, sie zu beruhigen. 
“Kommen wir zu einer weiteren jungen Stute. Bühne frei für Livia!” 
Praktisch im gleichen Moment zog die Frau kräftig an der Führleine. Livia konnte gar nicht anders, als dem Druck des Zaumzeugs, das eng um ihren Kopf gespannt war, nachzugeben. Ungelenk stolperte sie einen halben Schritt nach vorne. Hastig bemühte sie sich, ihr Gleichgewicht zurück zu gewinnen, und schon im nächsten Augenblick trat sie um den Sichtschutz herum. 

Die Bühne war größer, als es von hinten den Anschein gehabt hatte. Livia schätzte, dass sie gut und gerne zehn Meter breit sein musste, außerdem waren es fast fünf Meter bis zu der Kante, die zum Publikum führte. 
Beim Anblick der Zuschauer spürte Livia, wie es ihr kalt den Rücken hinunter lief. Seit sie wusste, dass sie versteigert werden würde, hatte sie irgendwie versucht, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Natürlich hatte sie sich auch darüber Gedanken gemacht, wie es wohl sein würde, wie viele Leute sich vor ihr befinden würden und natürlich auch darüber, wie viel Geld man wohl für sie bieten würde. Doch sie hätte nie damit gerechnet, dass derart viele Augenpaare auf sie gerichtet sein würde. Auf den Stühlen vor der Bühne befanden sich mindestens zweihundert Personen, und darum herum hatten sich noch weitere Zuschauer versammelt, die keinen Sitzplatz mehr hatten ergattern können. 

Erneut spürte sie, wie ihre Beine unter ihrem Gewicht zitterten. Eilig senkte sie den Blick, versuchte, sich ein wenig zu beruhigen. Langsam einen Huf vor den anderen setzend, ließ sie sich über die weite Bühne führen.
Die Führleine lockerte sich erst wieder, als die junge Stute an der Kante der Bühne angekommen war und sich damit unmittelbar vor den Zuschauern befand. Geschickt dirigierte die Frau sie nun ein paar Mal um die eigene Achse, so dass die potentiellen Käufer sich ein gutes Bild von ihr machen konnten. Die vielen Blicke auf ihrem unverhüllten Körper zu spüren, fühlte sich ziemlich unangenehm an. Natürlich war Livia es gewohnt, sich nackt durch die Öffentlichkeit zu bewegen, in den letzten zwei Jahren hatte sie keine Kleidung mehr getragen. Doch normalerweise stand sie auch nicht derart im Mittelpunkt. Mit warmen Wangen hielt sie den Blick nervös auf den Boden gerichtet. 

Unterdessen begann der Auktionator damit, sie vorzustellen, was die Situation für die junge Stute nur noch schlimmer machte: “Livia wurde vor knapp zwei Jahren verwandelt und ist nun 20 Jahre jung. Die Trakehnerstute misst 169 Zentimeter und ist, wie sie zweifellos erkennen können, von äußerst hübscher Erscheinung. Die seltene Falbenfärbung passt wunderbar zu ihrer anmutigen und dennoch sportlichen Figur.
Livia hat ein sehr ruhiges, jedoch äußerst gelehriges Wesen. Während der letzten Monate hat sie die Grundlagen der Dressur gelernt und wartet nun auf eine Gelegenheit, ihr Talent unter Beweis zu stellen. Sie ist damit sowohl für Hobby-Trainer, als auch für Profis mit einem Auge für neue Talente interessant.
Und auch die Zuchteignung wurde gerade erst von einem Amtsveterinär bestätigt, somit gibt es auch in diesem Bereich keine Einschränkungen. Wie auch immer Ihre Pläne lauten, mit dieser wunderschönen jungen Stute können Sie jeden einzelnen verwirklichen!  
Wir starten bei 5.000 Credits.” Lambert klatschte einmal in die Hände und schaute erwartungsvoll ins Publikum. 

Livia konnte nun doch nicht anders, neugierig hob sie den Kopf. Ihr Blick huschte über die vielen Menschen, die vor ihr saßen. Die meisten musterten sie, doch sie bemerkte auch den einen oder anderen gelangweilten Blick. Ein paar Zuschauer unterhielten sich leise miteinander, offenbar waren sie nicht sonderlich an ihr interessiert. Würde überhaupt jemand für sie bieten? War jemand der hier anwesenden dazu bereit, 5.000 Credits für sie zu bezahlen? 
Zweifel begannen an ihr zu nagen. Warum sollte jemand so viel Geld für sie bieten? Sie war nur eine ganz gewöhnliche Stute, und bisher hatte sie noch nicht einmal besonders viel Talent gezeigt. Während andere Pferde irgendwelche Rennen oder Turniere gewannen, hatte sie den Großteil der letzten zwei Jahre damit verbracht, tatenlos auf einer kleinen Koppel zu stehen. 
Stumm fragte sie sich, was wohl passieren würde, wenn niemand dazu bereit war, das Mindestgebot zu bieten. Würde man sie dann einfach von der Bühne führen und zu ihrer Eigentümerin zurück bringen? Oder gab es eine staatliche Einrichtung, in der sie unter kommen würde? Ob es so etwas überhaupt schon einmal gegeben hatte?

Ein Mann mit einem dunklen Drei-Tage-Bart hob seine Hand, in der sich ein kleines Schild befand. 
“5.000 Credits sind geboten”, verkündete der Auktionator. “Vielen Dank! Damit ist die Auktion eröffnet!”
Eine Frau hob nun ebenfalls ihren Arm, dicht gefolgt von einem weiteren Mann. Das Angebot lag damit bei 5.200 Credits. Für einige Sekunden herrschte Stille im Raum, ehe ein weiteres Schild noch oben gehalten wurde. 

Dann doch ein wenig erleichtert atmete Livia leise durch. Zumindest würde sie nun nicht auf der Titelseite der lokalen Zeitung als unverkäufliche Stute bekannt werden. Mit kräftig pochendem Herzen verfolgte sie, wie ein Arm nach dem anderen hoch ging, so dass der für sie gebotene Preis allmählich anstieg. 
Trotz ihrer Aufregung entging ihr nicht, dass die Gebote nicht so schnell hintereinander abgegeben wurden, wie bei der vorherigen Auktion. Oder kam es ihr nur so vor? Hier, auf der Bühne, schien die Zeit viel schneller zu vergehen, als hinter dem schützenden Wandschirm. 

Da sich dann doch recht viele Personen an der Auktion beteiligten, stieg der Preis schnell auf eine zumindest halbwegs ansehnliche Summe. Nach wenigen Minuten waren 10.000 Credits erreicht, was in etwa dem Preis entsprechen musste, den ihre bisherige Besitzerin für Livia bezahlt hatte. Damals war es jedoch keine öffentliche Versteigerung gewesen, der Verkauf war direkt über das MPHZ abgewickelt worden. In welcher Form genau, das konnte Livia nicht sagen. Sie hatte zu dem Zeitpunkt gerade gelernt, sich auf den ungewohnten Hufschuhen aufrecht zu bewegen. 
Für einen Moment dachte Livia an die Zeit ihrer Verwandlung zurück. Deutlich erinnerte sie sich an die Mischung aus Frustration, Wut und Trauer, die sie damals empfunden hatte. Anders als viele ihrer Artgenossen hatte sie sich nicht freiwillig gemeldet, sondern war gegen ihren Willen in eine Stute verwandelt worden. Der Auslöser dafür war eine Party gewesen, die ganz furchtbar aus dem Ruder gelaufen war. Obwohl es ihr durchaus möglich gewesen wäre, hatte sie die Schuld für ihre Zwangsverwandlung nie bei jemand anderem gesucht. Sie hatte immer die Wahl gehabt, hatte selbst die Entscheidungen getroffen, die schließlich zu ihrer Verwandlung geführt hatte. Erst nachdem sie in eine Stute verwandelt worden war, hatte sie ihr Schicksal aus der Hand gegeben. Nun lag es nicht mehr an ihr, nun waren es nicht mehr ihre Entscheidungen. 

Sie löste sich von ihren Gedanken und lauschte für einigen Sekunden dem Auktionator: “Ich sehe 13.400 Credits…. 13.500! Nicht so zurückhaltend meine Damen und Herren, diese junge Stute wird Ihnen noch lange Freude bereiten! Sehen Sie sich nur den schlanken Körper an, diese wunderschöne dunkle Mähne! Jawohl, 13.600 von der Dame in dunkelblau!” 
Inzwischen hatte sich der Kreis der Bietenden auf fünf Personen reduziert. Livias Blicke folgten den sich hebenden Schildern, musterten die Personen, von denen eine bereits in wenigen Minuten ihr neuer Eigentümer sein könnte. 
“13.700” - Das Schild gehörte zu einem älteren Mann, schätzungsweise um die 60 Jahre alt. Sein Haar war ergraut, sein Gesicht machte einen freundlichen, jedoch auch etwas gestressten Eindruck. 
“13.800” - Ein Mann mit Hemd und dunkler Krawatte. Er wirkte unaufgeregt und hatte einen beinahe geschäftsmäßigen Ausdruck in den Augen. 
“13.900” - Wieder der ältere Mann, der offenbar ziemlich stark an ihr interessiert war. 
“14.000” - Eine junge Frau, die einen dunkelblauen Pullunder trug. Ihre langen blonden Locken weckten bei Livia Erinnerungen an ihre ehemalige beste Freundin, doch das war ausgeschlossen. Schließlich war auch sie nach der Party zwangsverwandelt worden. 
“14.100” - Der Mann mit dem Bart, der bereits das erste Gebot für sie abgegeben hatte. 
“14.200” - Erneut der Geschäftsmann, der schon fast gelangweilt seinen Arm hob, um ein weiteres Angebot abzugeben. 
“14.300” - Eine Frau in mittleren Jahren, die einen recht strengen Eindruck machte. 
Livias Blick wanderte zwischen den Bietern hin und her. Wer von ihnen würde schließlich das höchste Angebot abgeben? Sie schienen recht unterschiedliche Charaktere zu sein. Gab es jemanden, den sie favorisierte? Prüfend huschte ihr Blick über die fünf Personen. Die Frau mit den blonden Locken machte einen sympathischen Eindruck, allerdings war sie mit Frauen als Besitzer bisher nicht gerade gut gefahren. Der ältere Mann erschien ihr ebenfalls recht freundlich, doch nachdem die Summe die 15.000 Credits überstiegen hatte, machte er ein trauriges Gesicht und ließ das kleine Schildchen auf seinem Bein liegen. 
Eigentlich spielte es auch keine Rolle, was sie sich wünschte. Livia wusste, dass sie keinen Einfluss darauf hatte, wer am Ende die höchste Summe bot. Nervös stieß sie die Luft aus ihren Nüstern und schloss für eine Sekunde die Augen, um sich ein wenig zu beruhigen. 

Schließlich verabschiedeten sich auch die Frau mit dem blauen Pollunder und der bärtige Mann aus dem Rennen. Es blieb ein Zweikampf zwischen dem Geschäftsmann und der jüngeren Frau mit den blonden Locken. 
Livias Blick ging rasch zwischen den beiden Kontrahenten hin und her. Abgewechselt hoben sie die Arme, der Preis war inzwischen auf über 17.000 Credits geklettert. Das war für eine junge Stute zwar keine wirklich gute, aber zumindest auch keine niederschmetternd niedrige Summe. 
Unentschlossen, ob sie eher für den Mann oder die Frau war, beobachtete Livia das Finale ihrer eigenen Auktion. Ihr Herz schlug schwer gegen ihre Rippen, und eine Mischung aus Angst, Scham und Nervosität ließ ihren Magen verkrampfen. 
“Ich sehe 17.800 Credits!”, verkündete der Auktionator. Das Angebot stammte von der Frau, die ähnlich wie der Geschäftsmann nach wie vor recht entspannt wirkte. Es machte beinahe den Eindruck, dass beide entweder eine deutlich größere Geldreserve auf dem Konto hatten, so dass es sich für sie eher um ein Spiel handelte, oder als ob sie nicht mit ihrem eigenen Geld bieten würden.
“Höre ich weitere Angebote?”, erkundigte sich der Auktionator, den Blick auf den Geschäftsmann gerichtet, der ein sachtes Kopfschütteln andeutete. Offenbar war der Preis über die Grenze gestiegen, die er sich selbst gesetzt hatte.
Livias Herz schlug noch etwas stärker. Sie hatte förmlich das Gefühl, dass man ihren Herzschlag regelrecht auf ihrem nackten Oberkörper sehen konnte. 
“17.800 zum Ersten, zum Zweiten…. Und verkauft!” Es gab einen kurzen Applaus, und bereits im nächsten Moment wurde Livia an der Führleine zurück in Richtung des Wandschirms geführt. 

Wie in Trance bewegte sich die junge Stute über die Bühne, folgte dem Zug der Leine und ließ sich widerstandslos an einem Haken in der Wand hinter der Bühne festbinden. “So, jetzt hast du es hinter dir”, sagte sie zu sich selbst und holte tief Luft. Sachte zitternd versuchte sie zu verarbeiten, was gerade passiert war. 
Nur langsam realisierte sie, dass sie soeben verkauft worden war. Siegerin der demütigenden und vor allem aufwühlenden Auktion war die gelockte Frau gewesen, die Livia so sehr an ihre Freundin erinnerte. Zumindest verband sie dieses Mal ein paar positive Gefühle mit ihrer Besitzerin. 

Es dauerte ein paar Minuten, bis Livias Puls wieder ein halbwegs normales Niveau erreicht hatte. Erst, als der Hengst, der unmittelbar nach ihr auf die Bühne gebracht worden war, mit einem kurzen Applaus verabschiedet wurde, gelang es ihr, langsam wieder ein paar klare Gedanken zu fassen. 
Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie eine hochgewachsene Hannoveranerstute zur Bühne geführt wurde. Mit einem Ohr lauschte sie den Geboten, und stellte rasch fest, dass die Gebote dieses Mal deutlich höher lagen, als bei ihr selbst. Die 17.800 Credits waren ihr ziemlich viel vorgekommen, doch als sie hörte, wie bei dieser Stute mehr als 30.000 Credits aufgerufen wurden, fühlte sie sich im direkten Vergleich nun doch ein wenig minderwertig. 

Sie versuchte nicht mehr hinzuhören, sondern lenkte sich damit ab, das Gewicht von einem Huf auf den anderen zu verlagern. Wieder ertönte der Applaus, offenbar hatte es einen Sieger gegeben. Gleich darauf wurde die Stute direkt neben ihr an der Wand befestigt. Fast alle Pferde waren nun versteigert worden, nur der abschließende Höhepunkt fehlte noch. 
Dieser hatte die Form eines schlanken und muskulösen Hannoveranerhengstes. Seine Haut hatte einen satten, rotbraunen Farbton, und die ebenfalls rote Mähne war zu kleinen, aufwendig wirkenden Strähnen geflochten. Der Rotfuchs wurde auf die Bühne geführt und sogleich lautstark begrüßt. Livia konnte nicht anders, als mit leicht offen stehendem Mund dabei zuzuhören, wie die Gebote in Abständen von wenigen Sekunden in die Höhe schossen. Offenbar handelte es sich um ein bekanntes Tier, denn anders war nicht zu erklären, dass schon nach wenigen Minuten über 50.000 Credits gehandelt wurden. Doch das war noch längst nicht das Ende. Als schließlich ein Sieger erittelt worden war, betrug die aufgerufene Summe mehr als das vierfache des Preises, das die blondhaarige Frau für Livia geboten hatte. Die junge Stute hatte immer gewusst, dass die Preise für Pferde sehr unterschiedlich waren, doch sie hatte nicht gewusst, wie enorm hoch die Unterschiede tatsächlich waren. 

Ein wenig niedergeschlagen atmete sie ein paar Mal langsam ein und aus. Im Prinzip war es egal, ob die anderen Pferde nun teurer gewesen waren, als sie, auch wenn es in diesem Moment recht kräftig an ihrem Selbstbewusstsein nagte. Immerhin hatte jemand einen ordentlichen Preis für sie gezahlt. Also sollte sie sich lieber auf sich, und auf ihre eigene unmittelbare Zukunft konzentrieren. 

Jetzt, wo die Auktion vorbei war, konnte es nicht mehr lange dauern, bis sie abgeholt wurde. Sie war schon gespannt, wie ihr Leben von nun an weitergehen würde. Stumm hoffte sie, dass es eine Verbesserung zu ihrer bisherigen Situation sein würde. “Optimistisch denken”, ermahnte sie sich selbst. Immerhin war die Auktion von ihrer Wunschkandidatin gewonnen worden. Vielleicht war das ja ein positives Zeichen! 

 

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Kommentare

Bin ja eigentlich kein Freund von Auktionen, aber so manche Fantasie entfacht direkt Versuchungen und Wirrnisse im eigenen Kopf.