Das Bangkok-Syndikat - Teil 13

 

Achter Tag, abends, Bangkok

Christian saß vor dem Fernseher und zappte durch die Programme. Auf ausnahmslos allen Kanälen liefen nur thailändische Sendungen, die er nicht verstehen konnte. Nori hatte ihn wieder an den Deckenhaken gekettet und ihm gerade so viel Bewegungsfreiheit eingeräumt, dass er die Toilette erreichen konnte. Wenigstens durfte er sich dieses Mal frei bewegen und war von ihr nicht wieder an das Bett gefesselt worden.

Er dachte an Tom und Alain. Waren die beiden vielleicht schon auf der Suche nach ihm? Er biss die Zähne fest aufeinander, das half ihm, gegen seine Verzweiflung anzukämpfen. Nori war dem schieren Wahnsinn verfallen, er hielt sie mittlerweile zu allem fähig.

Angestrengt suchte der Junge immer wieder nach einer Möglichkeit, von hier zu entkommen, doch war er nicht wirklich in der Lage, sich zu konzentrieren. Vielleicht sollte er sich erst einmal auf ihre Spiele einlassen und keinen Widerstand mehr zeigen? Sie dadurch in Sicherheit wiegen, bis sie ihm soweit vertraute, dass sie ihm den nötigen Freiraum zubilligen würde, um ihr endlich zu entkommen?

Er zuckte zusammen, als die Tür aufgeschlossen, dann regelrecht aufgerissen und hinter Nori wieder zugeknallt wurde. Eiligen Schrittes näherte sich die resolute Thai-Domina ihrem Sklaven, ihr Gesicht zeigte unbändige Wut und tiefe Verbitterung. Panik befiel den jungen Deutschen, reflexartig suchte er hinter dem Bett vor ihr Deckung. Er begann heftig zu zittern, als sie sich auf den ihm gegenüberliegenden Rand der Liegestatt setzte.

Der Magen des Deutschen zog sich zusammen. Die dominante Asiatin, wieder mit dem schwarzen Lederanzug bekleidet, legte ihren Gummiknüppel neben sich aufs Bett und öffnete die Koppel, an der sich eine kleine Spraydose sowie eine Halterung für Handschellen befanden. Sie schmiss das Schlagwerkzeug und den Gürtel vor sich auf den Boden, rieb sich dann mit beiden Händen durch ihr Gesicht.

„Komm her!“

Vorsichtig stieg er zu ihr aufs Bett und hockte sich in gebührendem Abstand hinter die ihm unheimliche Thailänderin. Er wusste nicht, ob er sie ansprechen durfte, und so bewegte er sich nicht, wartete nur darauf, dass sie ihm sagen würde, was er zu tun hatte.

Sie saß noch eine Weile schweigend am Bettrand, drehte sich dann langsam zu ihm um. Ihre Augen musterten ihn aufmerksam, dann griffen ihre von Lederhandschuhen verhüllten Hände zwischen seine Knie und drückten diese auseinander.

Christian schloss die Augen, sein Körper begann erneut zu zittern. Er spürte eine ihrer Hände über die mittlerweile grünblau verfärbten Prellungen auf seinem rechten Oberschenkel streichen, ihre Po-Backen, die sich langsam an seinen Schoß drängten.

Sie lehnte sich an ihn und zog seine Arme nach vorn über ihren Oberkörper. Die Nähte ihres Overalls drückten in seine Haut, es knarzte unangenehm, als er sie sanft an sich drückte.

Warum tat er es nicht jetzt? Die Gelegenheit war gut, sie hatte sich doch direkt in seine Gewalt begeben. Gedanken rasten durch seinen Kopf. Wo war nur der Schlüssel zu seinem Halsband? Wie konnte er sich von diesem Kabel befreien, wenn er sie überwältigt hatte?

Doch auch eine andere Erinnerung drängte sich in sein Bewusstsein. Er hatte einen Schlag bekommen, als er sich gegen sie zu wenden versucht hatte. Womit sie ihn ausgelöst hatte, war ihm nach wie vor ein Rätsel.

Er spürte ihren Hinterkopf unter seinem Kinn, roch den Duft ihres Haares. Er musste sich zwingen, bei klarem Verstand zu bleiben, sie hatte ihn schließlich entführt, eingesperrt und immer wieder grausam geschlagen, von den Demütigungen einmal ganz abgesehen.

„Hör auf zu denken!“

Christian biss sich auf die Unterlippe. Egal, wie er nun auch reagieren würde, er würde sie nur in ihrem Vorwurf bestätigen. So schwieg er, hielt sie weiterhin fest und gab ihr das, was sie von ihm verlangte. Geborgenheit.

Wenn er sie doch wenigstens nach Alain und Tom fragen dürfte. Und danach, ob er dieses schreckliche Haus jemals wieder verlassen und frei sein dürfen würde.

„Wenn Du weitermachst, tue ich Dir sehr weh.“

Ihre Stimme hatte belanglos geklungen, beinahe abwesend. Sie schien selbst in Gedanken zu sein und dennoch war sie bei ihm. Wie konnte sie spüren, wenn er nachdachte?

„Was ist mit Dir?“

Er zweifelte selbst an der Richtigkeit seiner Frage, die ihr vielleicht schon Grund genug sein würde, ihre Drohung wahr werden zu lassen.

„Ich hole uns hier raus, Christian. Das verspreche ich Dir.“

Der junge Mann war erstaunt, wusste er doch nicht, wie er ihre Worte auffassen sollte.

„Ich habe viel Geld gespart, ich kaufe mich frei und dann gehen wir in ein anderes Land.“

„Wir können doch zur Polizei gehen, Nori. Dann muss er Dich gehen lassen.“

Die Domina begann, beinahe hysterisch zu lachen, schien nun endgültig den Verstand verloren zu haben. Sie hob ihren rechten Arm, ihre Hand streichelte über seine linke Wange.

 

Eine Weile saßen sie noch unverändert in dieser Position beisammen. Nori schien sich in seiner Gegenwart regelrecht fallen zu lassen. Es kostete den Jungen immer mehr Kraft, sich ins Bewusstsein zu rufen, wer sie war und was sie ihm angetan hatte.

„Nori? Hast Du etwas zu essen?“

Sie löste sich aus seinem Schoß und drehte sich langsam zu ihm um. Ihre Augen musterten ihn eindringlich, ihr Blick konnte alles bedeuten.

„Du gehörst mir, richtig?“

Christian nickte.

„Du tust alles, was ich sage?“

Wiederum bejahte der Junge.

Sie nickte, wirkte dabei aber nachdenklich.

„Gut. Ich hole Dir etwas zu essen.“

Sie kletterte aus dem Bett, hob ihren Gürtel und den Schlagstock auf, verließ dann das Zimmer. Christian blickte ihr hinterher, konnte ihre Fragen nicht deuten.

 

Etwa zehn Minuten später kehrte die Thailänderin zurück. Sie hielt eine orangefarbene, flache Schüssel in ihrer linken Hand. Christian konnte Reis darin erkennen, auch etwas Fleisch, dazwischen eine undefinierbare, pürierte Pampe.

Als er nach der Schüssel greifen wollte, schüttelte sie den Kopf. Erst jetzt entdeckte er den Schlagstock in ihrer rechten Hand und erkannte die Entschlossenheit in ihrem Gesicht. Verdammt! Er hatte doch nur Hunger. Was hatte er ihr denn jetzt wieder getan?

Sie stellte das Plastikbehältnis vor das Bett und sich selbst breitbeinig darüber. Ihre linke Hand nestelte am Reißverschluss in ihrem Schoß, zog ihn auf und legte damit ihre Spalte frei.

„Du tust alles, was ich sage, Christian!“

Ihr Blick hatte etwas Bedrohliches.

„Du denkst nicht nach, sondern tust es einfach!“

Christian schluckte, Tränen stiegen ihm in die Augen, während sich zum wiederholten Male nackte Angst in ihm ausbreitete.

„Heb die Schale vor mir hoch!“

Er befolgte ihren Befehl, hoffte, dass das, was er vermutete, nicht wahr werden würde. Doch Nori ließ es laufen, der dicke Strahl ihres Urins spritzte in die Schüssel.

Christian schloss die Augen, spürte Spritzer in seinem Gesicht. Übelkeit machte sich in ihm breit, begleitet von blankem Hass.

„Los! Iss es auf!“

Nori deutete auf die Schale.

„Stell sie runter auf den Boden!“

Christian stellte das Behältnis vor sich hin, rührte sich aber nicht.

„Ich habe gesagt, Du sollst es essen!“, schrie sie ihn an.

Sie stellte sich hinter ihn und drückte ihre rechte Stiefelsohle in sein Genick, um seinen Oberkörper nach unten zu zwingen. Doch der junge Mann war kräftiger und hielt ihrem Druck problemlos stand.

Nori zog ihr Bein zurück, ging zur Wand und betätigte den Schalter. Panik überkam den jungen Deutschen, der an sein Halsband griff und sich davon zu befreien versuchte. Doch die Domina zeigte kein Erbarmen und nötigte ihn mithilfe des Seilzugs auf die Matratze, wo er exakt unter der Kabelführung in der Decke zu stehen kam.

„Bitte, Nori, bitte. Ich versuche es, okay?“

Energisch schüttelte die Asiatin ihren Kopf.

„Du ekelst Dich vor dem, was mir gehört?“

„Bitte, ich mach´s ja, bitte.“

Die Thai-Domina hatte schon mit ihrem Gummiknüppel ausgeholt und auf seine Po-Backen gezielt, als ihr ein anderer Gedanke in den Sinn kam. Sie ging zum Schrank und holte eine mehrschwänzige Peitsche, in deren schmalen Lederriemen zahlreiche Knoten eingeflochten waren. Sie konnte ihm damit eine überaus schmerzhafte Lektion erteilen, ohne dabei allerdings seine Gesundheit gefährden zu müssen.

„Hier! Beiß da drauf!“

Sie hielt ihm ein Holzstück vor sein Gesicht, das er hastig ergriff und zwischen seine Zähne legte. Um nichts in der Welt würde er sie noch mehr erzürnen wollen.

Nori stand dicht vor dem Bett und ließ die Riemen durch ihre linke Hand gleiten. Nach einer schnellen Ausholbewegung feuerte sie ihm die gemeinen Lederschnüre mit großer Wucht quer über seinen Bauch. Christian biss in das Holz, röchelte, sein Gesicht verzog sich augenblicklich in nahezu unerträglichem Schmerz.

Die wütende Domina betrachtete die Streifen auf seiner Haut, die Risse, die sich, von den Knoten der Riemen verursacht, aufgetan hatten. Dann hieb sie ihm die Katze erneut über seinen Körper, immer und immer wieder, beinahe mechanisch in langsamem Takt, wohl wissend, dass sie ihn nicht überfordern durfte. Er würde seinen Willen für sie bezwingen müssen und sie ihm dabei helfen, mit allen in ihrer Macht liegenden Mitteln.

Fünf ewig dauernde Minuten lang prasselten die wuchtigen Hiebe rhythmisch auf seinen Leib. Ohne das geringste Anzeichen einer Rührung betrachtete die grausame Thailänderin zwischendurch immer wieder Christians schmerzverzerrtes Gesicht, während er sich von Hieb zu Hieb immer fester in das Holz verbiss, seine furchtbaren Schmerzen in den Raum brüllte und seine Augen regelrechte Tränenbäche entließen.

Erst als sein Körper bereits von einer Vielzahl roter Streifen übersät war, hielt sie endlich inne. Überall dort, wo seine Haut unter den Knoten aufgeplatzt war, suchten sich schmale, rote Rinnsale, der Schwerkraft folgend, ihren Weg nach unten. Sie ging zum Schalter und räumte ihm wieder etwas mehr Spielraum ein, woraufhin der so grausam misshandelte Junge, am Ende seiner Kräfte, augenblicklich auf der Matratze zusammenbrach und vor sich hin wimmerte.  

Die unerbittliche Thai-Domina betrachtete das geschundene, blutig gepeitschte Bündel Mensch ohne jegliche Regung. Sie wusste, dass ihr Sklave jetzt nicht mehr zögern würde.

„Du hast Hunger, also iss das jetzt auch auf!“

 

Neunter Tag, morgens, Nürnberg

„Maria, ich kann Dich nur immer wieder daran erinnern, dass unser Sohn erwachsen ist. Er ist ein vernünftiger Junge und war ja schon öfters in diesem Land.“

Maurice legte seine Hand auf Marias Bauch, die zur Decke hinaufstarrte, sonst aber keine Regung erkennen ließ. Er ahnte, dass sie in dieser Nacht nicht geschlafen hatte.

„Sie haben im Hotel gesagt, dass sie vier Tage in Bangkok bleiben wollen. Du musst Dir also keine Sorgen machen.“

Seine Gattin drehte sich langsam mit dem Gesicht zu ihm.

„Er hat jeden Abend angerufen. Bis vorgestern. Sein Handy ist aus, er ist nicht erreichbar. Wie kannst Du da nur so ruhig bleiben?“

Wut zeigte sich in ihren müden Augen. Sie hatte es im Gefühl, dass ihrem Jungen etwas zugestoßen sein musste.

„Was soll ich denn bitte machen, Maria? Alain hat doch geschrieben, dass er mit seinen Freunden vier Tage in der Hauptstadt verbringen wird, oder etwa nicht!?! Was denkst Du, werden die im Konsulat wohl sagen, wenn ich sie jetzt damit behellige? Lass ihn doch endlich einmal erwachsen sein! Wenigstens ein einziges Mal, verdammt! Er ist ein Mann und kein kleiner Bub mehr.“

Seine Gattin starrte zu ihm hoch.

„Gnade Dir Gott, wenn Du unrecht hast.“

Maurice liebte seine Frau, doch sie verhätschelte den gemeinsamen Jungen zu sehr, wollte oder konnte ihn einfach nicht loslassen. Alain wollte doch nur seine Freiheit, sich abnabeln und nicht um die Ängste seiner Eltern sorgen müssen.

Doch kurz wurde auch in ihm eine gewisse Unsicherheit wach. Was, wenn seine Gattin doch recht hatte? Bangkok war nicht Berlin oder Hamburg. Und selbst dort verschwanden Menschen.

Nein! Es ging ihrem Jungen gut. Er hatte das im Gefühl. Er lächelte in sich hinein. Hoffentlich würde Tom ihm etwas vom Leben dort zeigen, ihn vielleicht sogar in eine Großraumdiskothek mitnehmen? Oder in eine dieser Straßen, von denen man so vieles hörte, aber nicht darüber zu reden wagte. Er schmunzelte. Die Jungs würden mit Sicherheit jede Menge Spaß haben, beinahe beneidete er sie darum.

„Du solltest aufstehen. Du wirst in der Kanzlei gebraucht.“

Tatsächlich ließ sie sich zur Pflicht rufen. Dennoch blieb ihr Blick getrübt von Sorge, es wurde Zeit, Alain endlich loszulassen.

 

Neunter Tag, morgens, Bangkok

„Aufstehen! Aufstehen, Alain!“

Kim lachte und klatschte dem gefesselten jungen Mann ihre Hände auf dessen Oberschenkel.

„Aufstehen!“

Sie warf ihm einen verliebten Blick zu, ließ ihre rechte Hand über sein überreiztes Glied reiben und kniff ihm dann in die Hoden. Der Deutsch-Franzose stöhnte auf, konnte sich, der an seinen Hals gefesselten Hände wegen, jedoch nicht aufraffen.

Sie hatten sich in der Nacht einander hingegeben, viele Stunden lang. Kim schien ausgehungert gewesen zu sein und hatte immer wieder aufs Neue seine Manneskraft von ihm eingefordert. Sie war dabei zwar nicht gerade zärtlich vorgegangen, doch hatte sie nicht den Wunsch verspürt, ihm wehzutun. Auch ihren Willen hatte sie ihm nicht aufzuzwingen versucht, lediglich ihrer Geilheit freien Lauf gelassen, ihn so lang und intensiv zu spüren gesucht, wie es eben gerade noch möglich war.

„Was wird heute mit uns passieren?“

Der englischen Sprache zwar kaum mächtig, gelang es ihr dennoch, seine Frage zu verstehen.

„Doktor kommen, Alain. Gucken.“

Sie öffnete ihren Mund, deutete mit dem Zeigefinger ihrer rechten Hand hinein und ließ dann tatsächlich ein lang gezogenes

„Aaaaaaaahhhhhh!“

hören.

Trotz seiner misslichen Lage musste der Deutsch-Franzose lachen. Kim war eindeutig das bessere Los gewesen, und er hatte es gezogen.

Er dachte an Tom und seine Thailänderin. Die Kleine war ihm eigentlich immer egal gewesen. Okay, vielleicht war er Uaans wegen ab und an ein wenig eifersüchtig gewesen auf Tom. Aber das gestern …

„Nori böse?“

Kims Miene veränderte sich von einer Sekunde zur nächsten. Sie setzte sich neben Alain und half ihm auf. Ihre Blicke trafen sich, dann nickte sie.

„Werden wir sterben?“

Kim sah ihn fragend an. Dieses Mal hatte sie ihn nicht verstanden. Alain tröstete sich. Vielleicht war es auch besser so.

 

Zur gleichen Zeit half Uaan ihrem Freund Tom beim Aufstehen. Sie griff nach seinem Penis, richtete ihn auf die Kloschüssel aus, damit er sich erleichtern konnte. Sie hatte in dieser Nacht besser geschlafen, auch wenn sie von einer inneren Unruhe befallen worden war, die sie sich nicht erklären konnte. Dazu kam noch ein leichtes Zittern ihrer Hände.

„Geht es Dir gut?“

Das Mädchen sah zu ihm auf und nickte.

„Alles gut, alles gut.“

Sie umarmten sich, weinten und ließen ihren Ängsten freien Lauf. Die Thailänderin drückte ihren nackten Körper gegen den seinen. Tom war zutiefst verzweifelt. Wenn er sie doch wenigstens streicheln und berühren hätte können.

Sie hatten in der Nacht noch lange über ihre Lage geredet und versucht, sich gegenseitig Mut zuzusprechen, sich an die Vorstellung geklammert, dass bereits Streifenwagen der Polizei auf der Suche nach ihnen durch die Straßen fuhren. Doch es war ein Traum, nichts als reines Wunschdenken. Uaan wusste nur zu gut, dass man sie niemals finden würde, wenn gewisse Kreise es nicht wollten.

Sie hörten Schritte am Gang und wussten, wer sich ihnen da näherte. Uaan liefen Tränen die Wangen hinab, noch einmal drückte sie sich an den Körper ihres Freundes. Dann hörten sie auch schon die Riegel und das Gequietsche der Tür, die sich öffnete.

„Komm her, Uaan!“

Nori zeigte vor sich auf den Boden. Tom wollte seine Freundin nicht in den Händen dieser Teufelin wissen und versuchte, sich zwischen Uaan und die Thai-Domina zu schieben. Doch die trat ihm kurzerhand mit aller Kraft in den Bauch, sodass er zurücktaumelte und keuchend zu Boden ging.

Wieder packte die Domina die junge Thailänderin brutal an den Haaren und zerrte sie rücksichtslos aus der Zelle. Sie würde jetzt ihren nächsten Schuss bekommen, dann wieder bei ihrem Deutschen sein dürfen. Es würde noch einige Tage dauern, bis sie völlig vom Heroin abhängig sein würde. Ein, vielleicht auch zwei Wochen noch, dann würde die junge Frau der Droge verfallen sein.

Sie hörte Tom schreien, mit seinen blanken Füßen gegen die Stahltür trommeln, doch es änderte nichts, gar nichts.

Nori brachte Uaan wieder in den Duschraum, zwang sie auf den Stuhl und gurtete sie daran fest.

„Bitte! Lass uns gehen.“, flehte die nunmehr wehrlos Gefesselte.

Die Domina band der jungen Thai den rechten Arm ab, desinfizierte die Armbeuge und setzte ihr die Nadel.

Uaan spürte den Einstich, das Eindringen der Droge, die schnell ihre Wirkung entfaltete. Ein Nebel des Glücks schien sie binnen Sekunden einzuhüllen, dennoch erreichte sie noch die Antwort ihrer Peinigerin.

„Mich hat auch keiner gehen lassen.“

 

Neunter Tag, mittags, Bangkok

Geschlagene zwei Stunden hatte sich die junge Thailänderin ihrem Rausch hingeben dürfen, dann wurde ihr von Nori befohlen, Tom zu waschen und zu füttern. Der Deutsche ahnte, dass diese teuflische Asiatin wieder etwas mit ihnen im Schilde führte, und hoffte, dass ihnen kein allzu großes Leid zugefügt werden würde.

Er warf einen Blick auf seine kleine Freundin. Sie lächelte selig, führte den Schwamm über seine Haut, streichelte sanft über sein Gesicht und gab ihm wiederholt zärtliche Küsse.

Er allerdings konnte Uaans Berührungen nicht wirklich genießen, wurde durch die Umstände ihres Glücks um die Wirkung ihrer Zärtlichkeit betrogen.

 

Als er die ihm verhasste Thai-Domina zurückkommen hörte, redete er panisch auf Uaan ein, um sie zu bewegen, sich ins Bett zu begeben. Nur widerwillig folgte die kleine Thailänderin seinem Wunsch und setzte sich mit breitem Grinsen auf die Matratze.

Tom sah und hörte das Öffnen der Tür. Die Teufelin betrat die Zelle, schritt auf ihn zu und zerrte ihn an seinem Halsband hoch, wobei sie ihn allerdings stützte. Sie schlug ihn diesmal auch nicht, das konnte Gutes bedeuten, aber auch das Schlimmste.

Nori führte ihn durch die Gänge. Der Deutsche versuchte, sich die Wege einzuprägen. Würde sich eine Gelegenheit zur Flucht ergeben, wollte er diese auch zu nutzen wissen.

Über eine Treppe erreichten sie das darüberliegende Stockwerk, das allerdings noch immer unter Erdniveau lag. Dann führte die Domina den jungen Deutschen durch eine Doppelflügeltür in einen weitflächigen Untersuchungssaal.

„Alain!“

Sein Freund drehte sich zu ihm um. Die Hände am Halsring gefesselt, bot er einen bizarren Anblick.

„Scheiße, Mann. Was machen die jetzt mit uns?“

Tom sah, dass sich die blonde Thailänderin an seinen Freund lehnte, ihn küsste und sich an ihn schmiegte. Er warf Alain einen fragenden Blick zu. Aber auch Nori war erstaunt ob dieser Szene.

Thailändisches Kauderwelsch erfüllte den Raum, dann blieb Kim ruhig, aber mit wütender Miene neben ihrem Sklaven stehen.

Sie schienen auf jemanden zu warten und so nutzte Tom die Zeit, um sich alles so genau wie möglich einzuprägen.

Drei Gynäkologie Stühle standen im Raum, vier weitere Liegen auf Rädern, ein Stuhl mit ähnlichen Fesseln, wie jener im Duschraum. Ein seltsam anmutendes Geschirr hing von der Decke. Ein großer Paravent stand vor einer Wand, was dahinter verborgen lag, konnte Tom hingegen nicht erkennen. Glasschränke, Ablagen, Rolltische, beinahe hätte man den Eindruck gewinnen können, als sei das Krankenhaus nach wie vor in vollem Betrieb und dieser Club Bizarr eine Illusion.

Das Öffnen der Doppeltür riss ihn aus seinen Gedanken. Er sah sich um und erblickte einen kleinen, glatzköpfigen, vielleicht fünfzig Jahre alten Mann, der, zwischendurch einen flüchtigen Blick auf die beiden Deutschen werfend, gerade im Begriff war, sich Gummihandschuhe überzuziehen. Sein Gesicht wies zweifelsfrei chinesische Züge auf, vor allem seine Augen verrieten diesen Einfluss. Er gab zunächst Nori, dann Kim die Hand, deutete auf die Gynäkologischen Stühle, ging anschließend zu einem der Wandschränke und legte sich ein Stethoskop um den Hals.

Tom und Alain warfen sich fragende Blicke zu, während ihre Gebieterinnen nach ihren Armen griffen und sie hinter sich herzogen. Dann wurden sie auf diesen, eigentlich für Frauen vorgesehenen Apparaturen festgeschnallt, wobei der Mediziner die beiden Dominas tatkräftig unterstützen musste, konnten diese doch die deutlich schwereren Männer alleine nicht bewegen.

„Mein Name ist Dr. Lubana. Ich bin praktisch der Betriebsarzt hier.“

Er lachte ausgelassen über seinen eigenen Witz. Sein Englisch war deutlich akzentuiert, dennoch verständlich und wortreich.

„Wir werden jetzt einmal feststellen, in welcher körperlichen Verfassung Sie beide sind. Dann werde ich Ihren Wert bestimmen, den Sie für die Organisation haben. Schließlich möchte Mistress Nori ja den Lohn für ihre Bemühungen einfahren. Habe ich recht?“

Er warf der Domina einen vielsagenden Blick zu, die ihn aber ignorierte und vor sich hin ins Leere starrte.

„Warum tun sie das hier? Haben Sie, als Arzt, nicht auch einmal den Hippokratischen Eid geleistet?“

Tom hatte diesem fragwürdigen Mediziner seine Worte regelecht entgegen geschrien, was Nori augenblicklich aus ihren Gedanken gerissen hatte.

Christians Arbeitskollege hörte nun Alains flehende Stimme, die ihn eindringlich zu warnen versuchte. Tatsächlich näherte sich die gnadenlose Thai-Domina, um ihn für seinen Ausbruch zu bestrafen. Doch der Arzt winkte grinsend ab. Er schien kein wirkliches Problem mit diesem Vorwurf zu haben.

„Lustig, dass mich das gerade ein Deutscher fragt. Ist Ihnen Dr. Josef Mengele eventuell ein Begriff? Oder Dr. Otmar Freiherr von Verschuer? Beides Landsleute von Ihnen, die es damit auch nicht so genau genommen haben, wie Sie vielleicht wissen.“

Der seltsame Arzt unterbrach seine Erklärung zu einem kurzen Lachen, setzte dann aber fort.

„Nicht, dass ich mich in dieser Rolle sehen würde. Die Götter mögen mich davor bewahren! Ich stehe Ihnen beiden bei, so gut ich es kann, und werde mein Bestes geben, damit sie uns hier nicht kaputtgehen. Gerade deshalb ist es für mich so ungemein wichtig, Ihre körperliche Verfassung genauestens zu kennen. Verstehen Sie jetzt?“

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