Der Kreis / Die alte Fabrik und der Schweizer-6

 

Eine weitere Episode aus dem Leben von „Sabslut“ und dem Wirken einer Gesellschaft, die sich „der Kreis“ nannte.

Die erzählte Geschichte ist wahr und hat sich so zugetragen, Namen und manchmal Orte und Zeitpunkte wurden z.T. verändert um niemanden zu brüskieren.

 

„Es ist die Lust, die uns antreibt, Dinge zu tun, die lustlose Menschen niemals tun würden. Es ist die Lust, die Kunst, Genuss und Erleben schafft.“

„Carlos“, im November 2001

 

Teil 6

 

Ich nippe an meinem Prosecco und tue so, also würde ich angestrengt auf den Bildschirm meines Laptops schauen, schiele aber durch die Sonnenbrille auf den älteren Herrn gegenüber.

Schütteres, grau-weißes Haar, gebräunte Haut, er scheint viel Zeit im Freien zu verbringen, schlank für sein Alter, ziemlich groß, wohl über einsachtzig. Schöne, dunkelbraune, glänzende Lederschuhe, beige Hose mit perfekter Bügelfalte und Stulpe, dunkelblau-weiß kariertes Hemd, perfekt gebügelt. Er trägt einen Ehering und eine Rolex soweit ich sehen kann. Sein blauer Blazer hängt über der Stuhllehne. Er selbst sitzt etwas vornübergebeugt und starrt mich an. Ein wenig unverschämt für sein distinguiertes Äußeres, wie ich finde.

Ich habe die Beine wieder übereinandergeschlagen und als ich sie wie beiläufig – während einer Phase in der ich die Nachdenkliche mime – und langsam auseinandernehme, senkt sich sein Kopf ein wenig, er versucht, mehr zu erkennen.

Ich biete ihm die Show.

Stelle den einen Schuh auf die Strebe zwischen den vorderen Sesselbeinen des Stuhles, auf dem gerade noch der Consigliere saß und zupfe mit der anderen Hand am Rock während ich mit den Fingern der zweiten Hand überlegend auf mein Kinn und meine Lippen trommle.

Ich bin mir sicher, dass er bereits zuvor sehen konnte, dass ich kein Höschen trage.

Gleich fällt der Kerl vom Stuhl.

 

Ich sehe mich verstohlen um. Der Gastgarten ist nur zu einem Drittel besetzt, in unmittelbarer Nähe sitzt niemand. Zwei Tische hinter ihm, zwei ältere Frauen, angeregt in ihr Gespräch vertieft.

Na gut.

Ich hebe den Kopf leicht an und schaue ihn über den Rand der Sonnenbrille hinweg nun direkt an. Es dauert ein paar Sekunden aber dann hebt sich sein Blick von meinen Schenkeln und unsere Augen treffen sich.

Ich halte seinen Blick.

Langsam senke ich die Hand von meinem Kinn, lasse sie ein wenig aufreizend über meine Brüste gleiten, Finger um Finger bewegt sich über die steife, durch das Top stechende Brustwarze meiner linken Brust. Weiter geht die Reise nach unten.

Er kann nicht anders, sein Blick rutscht mit nach unten, folgt dem Weg meiner Hand, nun, auf Bauchhöhe vom Tisch verdeckt.

Ich bewege mich ein wenig nach rechts, so dass die Tischkante nichts verdeckt, öffne die Schenkel noch weiter und ziehe mit der wandernden Hand den Rock noch ein wenig hinauf.

Sein Mund öffnet sich leicht.

Meine Hand gleitet unter den Rock, ich schiebe ihn nun ganz zum Becken, er hat freie Sicht auf meine Möse.

Mein mittlerer Finger streicht über meine Schamlippen, teilt sie, dringt leicht ein, ich finde den Punkt. Ich bin klitschnass.

Zwei, dreimal reibe ich auf und ab, teile mit den anderen beiden Fingern die Schamlippen, dann ziehe ich die Hand heraus, belasse aber die Position des Rocks, hebe die Hand langsam an und dann stecke ich mir den Mittelfinger in den Mund.

Ich sauge ein wenig daran, schmecke mich, lasse die Zunge um den Finger gleiten.

Während der ganzen Zeit sehe ich den Mann direkt an.

Dann, ziemlich abrupt, ziehe ich den Finger aus dem Mund, streiche den Rock zurecht und schlage die Beine wieder übereinander.

 

Ich lächle den Herrn an, nehme mein Glas und trinke den Prosecco aus, dann fahre ich den Laptop herunter und beginne ihn zu verstauen.

„Verzeihung, gnädige Frau.“

Er steht nun direkt vor mir. Er ist noch größer als gedacht habe und ich blinzle hinter meiner Sonnenbrille als ich aufsehe.

„Ich würde sie herzlich gern auf noch ein Glas Prosecco einladen, wenn ich darf. Erlauben Sie?“

Gegen geschliffene Umgangsformen ist gar nichts zu sagen, selbst in Zeiten wie diesen.

Ich mache eine einladende Handbewegung.

„Bitte, setzten Sie sich aber zu mir, sonst bekomme ich Genickstarre.“

Er nimmt mir gegenüber Platz, lässt mich nicht aus den Augen.

„Ääh, naja, ich bin wohl ein wenig verlegen. Sie scheinen – ääh – eine ganz besondere Frau zu sein.“

„Ja? Inwiefern?“

„Ääh…nun, ich meine, Sie haben mich ganz schön provoziert, gerade eben.“

Er hebt sein Glas und trinkt den letzten Schluck aus.

„Übrigens, mein Name ist Alfred.“

„Sabrina. Freut mich.“

„Sabrina. Freut mich auch. Schöner Name.“

Er räuspert sich, rutscht auf seinem Stuhl herum. Ich halte seinen Blick ruhig und bringe ihn damit ziemlich in Verlegenheit.

 „Stehen Sie auf ältere Herren?“

„Bitte?“

„Na, ich meine, Sie haben mich provoziert, gerade eben. Sie haben mit ihrem feuchten Finger über meine Lippe gestrichen, Sie haben mir Einblicke gewährt, die….wie soll ich sagen…sind Sie oft ohne Höschen unterwegs?“

„Das ist eine sehr indiskrete Frage. Aber da sie ja schon meine Möse gesehen haben…..ja, ich bin oft ohne Unterwäsche unterwegs.“

„Provozieren Sie oft in dieser Art?“

„Manchmal.“

Die Kellnerin bringt unsere Prosecco. Kurzes Schweigen.

Er hebt sein Glas und wir stoßen an.

„Ist Ihnen dabei….äh…noch nie etwas zugestoßen?“

„Zugestoßen?“

„Naja, ich meine, an den Falschen kommen oder so.“

„Sie meinen, ob ich schon mal vergewaltigt wurde?“

Jetzt läuft er rot an, ob meiner Direktheit und wendet den Blick ab.

„Ich…naja….ja…ich meine, das ist gefährlich, manchmal, man weiß ja nie…“

Ich hebe mein Glas und trinke einen Schluck.

„Ja, ich wurde schon vergewaltigt. Aber nicht deswegen.“

Sein Mund zuckte ein wenig.

„Sie wurden vergewaltigt? Wer….wie ist das passiert?“

Ich lächle ein wenig.

„Eine lange Geschichte. Es passierte auf einem Donauschiff. Man hat mich entführt, zigfach und tagelang brutal vergewaltigt, bis aufs Blut ausgepeitscht und einiges mehr. Ich hatte viel Glück und wurde gerettet sonst würde ich nicht mehr hier sitzen und plaudern können“

JETZT steht sein Mund offen.

„Sie….Sie…erzählen mir jetzt Blödsinn, oder?“

„Nein. Warum sollte ich?“

 

Als er wieder sein Glas nimmt zittern seine Finger leicht.

„Ich…..das, was Sie da vorhin ihrem Freund erzählt haben…Entschuldigung, ich habe es mit angehört…..da wurden sie auch gepeitscht?“

„Ja. Kennen Sie die Geschichte der O?“

„Äääh, nein, ich glaube nicht. Was ist das?“

„Ein Roman. Geschrieben von einer Frau. Und verfilmt. Egal. Ich war Mitglied einer Gesellschaft die diese Philosophie, die im Roman beschrieben wird, gelebt und weiter entwickelt hat.“

Wieder trinkt er einen Schluck. Er klammert sich an sein Glas als würde er Rettung suchen.

„Und…und…da wurden sie ausgepeitscht? Richtig, meine ich?“

„Ja. Manchmal. Und von meinem Mentor anderen Männern zur Benutzung überlassen.“

Um ein Haar wäre ihm das Glas aus der Hand gefallen.

„Wie….was heißt das, zur Benutzung….?“

„Diese Männer durften mich benutzen. Meinen Körper. Sexuell. Sie durften mich ficken, verstehen Sie? In Fotze, Arsch und Mund.“

Der arme Kerl zittert nun stark. Ich beginne mir Sorgen zu machen. Einen Fremden im Gastgarten wiederzubeleben das wollte ich nun wirklich nicht.

„Ich verstehe nicht ganz….ich…..provozieren Sie mich schon wieder?“

Ich lege meine Hand kurz auf die seine.

„Nein. Noch immer. Bitte verzeihen Sie mir. Danke für den Prosecco, ich muss jetzt leider gehen. Auf Wiedersehen.“

Und damit schnappe ich mir die Laptop-Tasche, lächle ihm noch einmal zu (er starrt mich völlig perplex an) und gehe die Stufen hinab zu meinem Auto.

Ich weiß, so etwas tut man nicht.

Ich aber schon……

 

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Ø  Die Sache ging mir irgendwann auf die Nerven. Es war einfach unwürdig und sicherlich nicht im Sinne der Philosophie des Kreises was heute hier in dieser alten, schäbigen, dreckigen und eiskalten Fabriksruine abging. Nicht, dass wir nicht immer wieder solche Locations gesucht und genutzt hätten. Ein Gebäude wie dieses hatte einen morbiden Charme und der Dreck und die Kälte konnten in einem reizvollen Gegensatz zu schönen, nackten Frauenkörpern stehen. Zumindest würde ein Fotograf es so sehen.

Manuela war eine andere Geschichte. Sie war so etwas wie eine Teilzeit-Masochistin, die es einfach bei jeder Session ein wenig härter wollte. Alles, was mit ihr gemacht wurde, hatten wir im Vorfeld mit ihrem Mann besprochen. Bis ins Detail.

Nun würden wir sie wieder ca. ein halbes Jahr lang nicht mehr sehen, bis irgendwann mein Handy klingeln würde und sie selbst sagen würde:

„Consigliere, mein Schatz, ich bin wieder soweit.“

 

Aber die Sache mit Sabrina war anders. Es ging weit über die dunkle Lust hinaus. Es war eine reine Racheaktion dieses unsympathischen Schweizers.

Scheiße, ich hatte mit Carlos schon genug Diskussionen wegen unserer geschäftlichen Verbindung zu Bernier geführt.

Ich traute dem Kerl ganz einfach nicht. Er hatte einen Handschlag, der sich wie Pudding anfühlte und solchen Menschen traue ich nun mal nicht über den Weg. Er konnte mir keine zehn Sekunden gerade in die Augen schauen.

Aber es ging um viel Geld, vor allem um Geld, das unseren Klienten gehörte und der Kerl machte in unglaublicher Weise in kurzer Zeit sehr viel mehr daraus.

Alle lagen sie ihm zu Füßen, auch Ralph.

Wie sich ein Jahr später herausstellen sollte, konnte sich die Maschinerie der wundersamen Geldvermehrung durch Hochrisiko-Anlagen (man nennt es Trading oder Hebelsysteme) flugs in eine Maschinerie der wundersamen Geldvernichtung verwandeln.

Ein Jahr später umfasste der von Bernier zu verantwortende Schaden einen Betrag, der kleineren Ländern als BIP gut stehen würde und die zu seinen Füßen liegenden ehemaligen Geldbesitzer schoben sich gegenseitig die Schuld daran zu, nicht früher und rechtzeitig ausgestiegen zu sein. (So wie Carlos, Sir Ralph und ich es allerdings getan hatten….).

Monsieur Bernier verschwand für einige Jahre in einem britischen Gefängnis.

Na, egal.

 

Im Moment lehnte ich also verärgert an einer Säule in dieser riesigen, kalten Halle, sah zu, wie dieser Schweizer Elektroklammern zuerst an deinen Brustwarzen und dann an deinen Schamlippen befestigte. Bei letzteren glitt er zweimal mit den Klammern ab, offenbar war dein Intimbereich durch den heftigen Gebrauch ziemlich klitschig und jedesmal zuckte dein Körper vor Schmerz. Dein Gesicht zeigte jedoch kaum Regung, deine Augen blieben geschlossen. Ich kam immer mehr zu dem Schluß, dass hier alle Anwesenden außer mir offensichtlich komplett geistesgestört waren, dich mit eingeschlossen.

Was zum Teufel wäre denn dabei, sich bei diesem Arsch zu entschuldigen, bitte?

Ralph redete auf mich ein, versuchte, mich davon zu überzeugen, dass wir alle von Bernier noch gewaltig profitieren würden, es gäbe – auch für den Kreis – ungeahnte Möglichkeiten.

Außerdem seien Sessions wie diese doch Teil der Philosopie und die Entscheidung, wann dieser Irrsinn hier enden und wie weit man(n) noch gehen würde, läge doch nur bei dir, Sabrina.

Ich war nicht dieser Meinung. Bernier hatte seinen Spaß gehabt. Es war keinesfalls mehr lustvoll, was hier abging. Nur noch brutal. Ultrabrutal, um einen Terminus aus „Clockworke Orange“ zu bemühen.

 

Hans, der Typ mit den Handschuhen überprüfte den Sitz der Klammern, dann ging er zu seinen Reglern und drehte daran.

Dein Körper erzitterte heftig, die Klammern zuckten, ich sah wie dein Mund sich öffnete zu einem stillen Schrei und deine Hände sich so zu Fäusten ballten, dass deine Fingerknöchel weiß hervortraten..

Dann stellte Hans wieder ab.

Bernier griff dir brutal in den Schritt und rief dann begeistert:

„Es gefällt ihr, sie ist immer noch geil, klatschnass ist sie!“

Er schien zu vergessen, dass du gerade zuvor noch von 12 Männern mindestens zweimal pro Mann gefickt wurdest. Sein Finger wühlte im Sperma der anderen…..

Er beugte sich vor, brachte sein Gesicht nahe an deines.

„Na, Schlampe? Höre ich was?“

Ich sah dich leicht nicken, deine Augenlider flatterten ein wenig.

Du warst so schön in diesem Augenblick…..

„Na? Was?“

Deine Augen öffneten sich und du sahst den Schweizer an mit einem Blick, als würdest du ein ekliges Insekt ansehen, das über deinen Teller mit frischem Spargel klettert.

„Du riechst aus dem Mund, Süßer.“

 

So ging es noch drei oder viermal, jedesmal drehte Hans den Regler etwas höher.

Dein Körper bäumte sich in den Fesseln auf, aus deinem Mund drang zuerst ein langgezogenes Zischen und Seufzen und beim letzten Mal endlich ein erlösender Schrei.

Und ich wollte es einfach nicht mehr mit ansehen.

Als Bernier vorschlug, dass wir dich von hier weg und zu einem Autobahnparkplatz bringen sollten, wo er dich allen anwesenden LKW-Fahrern auszuliefern gedachte, und Sir Ralph den Kopf wiegend darüber nachdachte, sah ich hinüber zu Carlos. Er erwiderte meinen Blick ruhig.

Und als Bernier  noch zwei Metallstäbe, die mit dem Elektrogerät verbunden waren,  in deine Möse und in deinen Po schieben wollte, schritt ich – zeitgleich und unabgesprochen – in dem Moment ein, als auch Carlos genug hatte.

Er unterbrach, nahm Bernier auf die Seite und redete kurz auf ihn ein.

Ich trat zu dir, schob die anderen weg.

Einer der beiden Araber stellte sich mir in den Weg  und sagte so etwas wie:

„Hey, I did not…..“

Weiter kam er nicht. Ein kurzer, harter Schlag in den Solarplexus raubte ihm den Atem. Als ich ihn bei den Haaren packte und mein Knie in sein Gesicht rammen wollte hörte ich Carlos`s Stimme.

„Andrè! Nicht!“

Ich ließ den Kopf des Arabers aus und wandte mich dir zu um deine Fesseln zu lösen.

Hans zog die Handschuhe aus und entfernte vorsichtig deine Klammern. Ein Zischlaut entwich deinem Mund bei jeder Klammer, der Schmerz ist grausam, wenn diese Dinger gelöst werden und das Blut zurückfliest.

Ich schickte Hans um eine Decke und hob dich von dem Gestell.

Als ich in dein Gesicht sah, hattest du die Augen immer noch geschlossen, aber du hast gelächelt.

Leise, so das nur ich es hören konnte hast du geflüstert.

„Du riechst so gut, Andrè.“

Das war der Punkt an dem ich mir ganz sicher war, dass du komplett durchgeknallt warst.

 

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Zwei Wochen später saß ich schon wieder in diesem Raum. Diesmal allerdings waren die Umstände völlig andere. Als mich Carlos anrief und mir sagte wo wir hinfahren würden und warum war ich ehrlich gesagt schlicht perplex.

Ich hatte ja schon einiges gesehen, aber DAS hätte ich nun wirklich nicht erwartet.

 

Er holte mich in Wien ab und wir gondelten gemütlich über die Südautobahn in Richtung der alten Fabrik. Wenn ich gondeln sage, dann heißt das, wir bewegten uns innerhalb der Tempo-Grenzen, die die StvO (Österreichische Straßenverkehrsordnung, für nicht-österreichische Leser) vorgibt und das kam sowohl bei Carlos als auch beim Consigliere eigentlich nie vor.

Beide fuhren wirklich unglaublich gut und sicher Auto, beide hatten Erfahrung im Rennsport (der Consigliere sogar professionell in seiner Jugend) und das war merkbar. Aber beide fuhren wie die Henker. Immer. Überall.

Nicht jedoch an diesem Tag. Der blaue BMW M5 bollerte leise über die Autobahn, es regnete heftig und ich weiß noch, Carlos` CD-Player spielte die Leningrad-Cowboys. U.a. eine cover-version von „those where the days, my friend“, fast besser als das Original.

Ich war untypisch für eine O gekleidet, würde ich sagen. Schwarze Stiefel, schwarze Jeans, eine weiße Seidenbluse, schwarzer Blazer und Mantel, darunter schwarzer, hauchzarter Slip, kein BH, aber halterlose, ebenfalls schwarze Seidenstrümpfe.

Carlos im dunkelgrauen Anzug mit azurblauem Hemd, alles von Armani. Stand ihm sehr gut.

Wir redeten und er erzählte von Bernier.

 

Meine Peitschen-Striemen an Oberkörper und Po waren fast weg, nur meine Fußsohlen machten mir immer noch Probleme. Nicht alle Spuren der Gerte waren schon abgeheilt, die Sohlen äußerst empfindlich und vor allem die Fußballen und Zehen bereiteten mir immer noch Schmerzen, vor allem in hohen Schuhen. Ich trug und trage praktisch nur hohe Schuhe, in den vergangenen Tagen war ich allerdings gezwungen gewesen, mir Sneakers zu kaufen.

Carlos erzählte - selten freimütig - von seinen Geschäften mit Bernier, wie sehr der Consigliere dem Schweizer und seinen „Systemen“ misstraute und das er, Carlos, dennoch dabei zu bleiben gedachte. Allerdings mit größter Vorsicht, denn WENN er auf jemandes Meinung Wert legte, dann war es die seines besten Freundes und Geschäftspartners.

Dann erzählte er von einem Weingut, das sie beide kaufen wollten und von den herrlichen Rotweinen, die nun im Burgenland entstanden, mehr und mehr.

 

Und dann von einem Bekannten (Angestellter einer Firma an der die beiden sich beteiligt hatten), der, seit er sechzehn war, mit seiner älteren Schwester schlief oder schlafen musste, weil ihn seine liebe Schwester damals erpresst habe.

Und wie sehr es dieser Typ gehasst hatte, wenn sich seine Schwester, damals neunzehn, von ihrem Freund im Nebenzimmer vögeln ließ und kaum war der Freund weg, war sie in sein Zimmer gekommen, hatte sich nackt auf sein Gesicht gesetzt und von ihm gefordert, ihre Möse auszuschlecken. Und sie danach in den Arsch zu ficken.

Ich fragte, womit sie ihn denn erpresst habe, doch das wusste Carlos offenbar nicht. Aber dieser Freund von ihm und dem Consigliere war nun an ihn herangetreten, ob er sich nicht damit rächen könne, seine Schwester an den Kreis zu vergeben. Mittlerweile war der Junge 24 und seine Schwester 27 und der Junge würde alles dafür geben, zusehen zu dürfen wie seine Schwester ausgepeitscht, von einem Dutzend Männer bestiegen und nackt im Schnee durch Wald und Flur gejagt würde.

Ich fragte mich, woher dieser Junge die Gebräuche im Schloss so gut kannte….

Der Knabe war ein begnadeter Computer-Graphiker oder so was geworden, die liebe Schwester arbeitete offiziell in einer Wiener Boutique, verdiente ihr Geld allerdings als Luxus-Callgirl. Carlos beschrieb sie als fast einsachtzig groß, mit großen, natürlichen Brüsten, alabasterfarbener Haut und kastanienbraunen Haaren. Sehr hübsch, aber dumm wie Brot, wie Carlos meinte.

„Und, holst du sie in den Kreis?“

Er lachte.

„Natürlich nicht. Sie müsste schon freiwillig kommen oder von jemandem gebracht werden, aber freiwillig wird sie es kaum tun, schon gar nicht, wenn der kleine Bruder sie darum bittet.“

„Frag du sie doch. Mach es mit ihr wie bei mir.“

Wieder lachte er. Er hatte seinen fröhlichen Tag heute.

„Bei dir hab ich eigentlich gar nichts gemacht. Und nein, ich frag sie nicht. Ich hab ja dich.“

Das war mit Abstand der romantischte Satz, den Carlos mir je gesagt hat.

 

Und dann, etwa zwanzig Fahrminuten vor der alten Fabrik, rückte er heraus damit.

„Hör zu, meine Schöne, heute erlebst du etwas Neues und ich hoffe, es macht dir Spaß.“

Ich musste an die letzte Begegnung mit Bernier denken. An den scharlachroten Wahnsinn, den Schmerz und die Erniedrigung, von völlig Fremden so brutal benutzt worden zu sein und an die dunkle Lust, die damit einhergeht. An meine Provokationen, die mir immer mehr und immer neue Qualen einbrachten und an die Entzündung im Genitalbereich, die ich davongetragen hatte und die einen Arztbesuch, einige unangenehme Fragen und eine Antibiotika-Behandlung nach sich gezogen hatte.

„Ich spüre noch die letzte Begegnung mit dem Typen, Carlos.“

Wieder grinste er. Untypisch für ihn.

„Heute wirst nicht du es sein, die leidet, meine Schöne. Heute sollst du dich revanchieren für das letzte Mal.“

 

Und nun saß ich also wieder in diesem Raum. Es war in etwa gleich kalt wie vor zwei Wochen, aber diesmal war ich nicht nackt.

Ich saß in einem Stuhl und vor mir hing Monsieur Bernier – allerdings splitternackt – in diesem Metallgestell. Man hatte es umgedreht und er hing in etwa einem Meter Höhe waagrecht in der Luft. Gehalten an Handgelenken und Knöcheln, sowie einem Analhaken, der tief in seinem Arsch steckte. Er kämpfte schwer damit, den durch den Haken verursachten Schmerz insofern zu lindern, als das er durch Anheben des nach unten sackenden Beckens den Zug zu vermindern versuchte. Es war auch aus anderen Gründen ratsam, das Becken nicht zu weit in Richtung Boden hängen zu lassen, genau unter seinem halbsteifen Geschlechtsteil stand nämlich ein kleiner Gasbrenner, dessen Flamme nach Schwanz und Eiern des geschätzen Monsieur Bernier züngelte.

Nachdem Monsieur`s Zunge zuvor schon meine Stiefel samt Sohle penibel gereinigt hatte, beschäftigte er sich nunmehr mit meinem mittlerweile nackten, linken Fuß und saugte gerade frenetisch an meinen Zehen während sein Zunge in die Zwischenräume glitt. Er machte das gut, da gabs nichts zu meckern. Meine teuren Strümpfe hatte ich ausgezogen, die Gefahr dass der Kerl mit den Zähnen eine Laufmasche verursachen würde, war mir zu groß gewesen.

 

Fast zwei Stunden zuvor hatte ich mich mit Gabriele darin abgewechselt, den feisten, schwabbeligen, weißhäutigen Körper des Monsieur Bernier so hart ich konnte auszupeitschen. Es war das erste Mal für mich und Gabriele zeigte mir die besten Winkel und Standpositionen, sowie den richtigen Schwung. Ähnlich wie auf dem Tennisplatz.

Es war nett zu beobachten, wie er zuckte und stöhnte, wie seine Fettwulste schwabbelten und hüpften und wie die Peitschen seine Haut aufrissen.

Dann hatte ich Gabriele - in memoriam - die Sache mit den Fußsohlen vorgeschlagen.

So bekam er je 12 Hiebe mit einer Glasfieber-Gerte auf jeden Fuß und dabei heulte er wie ein waidwund geschossener alter Wolf. Er bat sogar um Gnade, winselte verzweifelt, das Weichei.

Im nächsten Akt kamen sechs Herren, alle sehr dunkler Hautfarbe und offenbar direkt von einem Flüchtlingstransport, so wie sie aussahen, zu ihrem Auftritt.

Diese sechs jungen, kräftigen und sehr dunklen Herrschaften vögelten Monsieur Bernard, bis sein After purpur-rot, geschwollen und blutig war und aufklaffte wie ein Meteorkrater am Mars.

Kein schöner Anblick.

 

 

Im Moment schrie Monsieur Bernier gerade verzweifelt meinen Fuß an, es klang ein wenig gedämpft, weil ich mittlerweile alle Zehen tief in seiner Mundhöhle versenkt hatte. Ich glaube, er schrie, weil Gabriele den Stromregler wieder mal aufgedreht hatte.

Oh, habe ich erwähnt, dass an seinen Hoden, seinem Schwanz und seinen Brustwarzen diese schönen, gezackten Metallklammern angebracht waren, von denen rote und schwarze Kabeln zu Hans` Gerät führten?

Hans trug weiße Handschuhe, richtig. Wie immer.

Und je ein rotes und schwarzes Kabel würden auch bald zu seinem Analhaken führen, Hans beschäftigte sich gerade damit, die Verbindung herzustellen.

Das Erstaunliche an dieser Aufführung war, dass Monsieur Bernier bisher zweimal ejakuliert hatte, einmal, als der zweite Schwarzafrikaner seine 30 Zentimeter bis zum Anschlag in des Monsieur`s Arsch rammte, während Gabriele breitbeinig vor ihm stand, ihn mit beiden Händen bei den Ohren packte und sein Gesicht an ihre Möse presste, das zweite Mal als die dunkelfarbenen Herren mit ihm fertig waren, er keuchend auf dem kalten Betonboden lag und ich begonnen hatte, mit meinen Stiefeln seinen Schwanz zu malträtieren.

Er bat darum, dass ich weitermachen solle und ejakulierte prompt auf meine Stiefel!

Jetzt, Sperma und Speichel von Monsieur Bernier`s Zunge vermischt und auf dem Leder verteilt, glänzten sie wie noch nie. Ich überlegte, ob ich diese Art der Pflege öfter versuchen sollte.

 

Besonders gelungen fand ich den Schluss der Veranstaltung, die Choreographie stammte übrigens von Gabriele. Nachdem Monsieur Bernier durch den Strom fast bewusstlos gefoltert wurde, ging ihm die Kraft aus und er hing seinen Schwengel in die Flamme des Gasbrenners, was einerseits zu einer weiteren, erstaunlichen Ejakulation aber auch zum Eingreifen von Hans führte, um schwerwiegendere Verletzungen zu vermeiden.

Danach banden wir ihn los und trieben ihn nackt wie er war volle drei Kilometer durch Nacht und Nebel und eisigem Regen über Kopfsteinpflaster und Schotterstrassen rund um die Fabrik. Bis er zusammenbrach.

 

Zwei Tage später ließ Monsieur Bernier seinen Dank für meine Teilnahme an BEIDEN Sessions, jedoch ganz besonders an der Zweiten, über Carlos ausrichten. Und auch, dass er auf ein Wiedersehen hoffe.

Eine Hoffnung, die ich nicht teilen konnte.

 

Ende

 

Mai 2008

© Sabrina Kowan

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Kommentare

Liebe Sabrina,

 

um ehrlich zu sein: Ich suche gerade nach den richtigen Worten. (Also bitte nicht böse sein, falls ich nicht die richtigen finden sollte.)

Für mein Empfinden ist Deine Geschichte ein perfektes Beispiel dafür, wie unterschiedlich Autoren und Stile sind und wie unterschiedlich die Ansprüche und Wünsche der Leser. Faszinierend war für mich, dass ich Deine Schreibe an sich eigentlich ganz gut finde, vor Wortwahl und Inhalt jedoch total zurück weiche. Der Text weist ein erstaunlich vielfältiges Vokabular auf und abgesehen von Deinen Schachtelsätzen, die mitunter etwas unübersichtlich sind, kannst Du damit auch gut umgehen.

Bitte verzeih mir den Vergleich: Ich empfand Deine Story wie einen gut gemachten Horrorfilm: Der Inhalt stößt einen eigentlich ab, man wendet sich ab oder hält sich die Augen zu - schaut dann letztendlich aber doch immer wieder hin. Man weiß ganz genau, dass gleich wieder das Blut (oder in deinem Fall: das Sperma) durch die Gegend spritzt und trotzdem bleibt man fasziniert vor der Glotze sitzen und schaltet nicht ab.

Wahrscheinlich ist es genau das, was den Reiz dieser Seite hier aus macht: Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und mitunter endeckt man, dass man Dinge liest und irgendwie faszinierend findet, über die man lieber gar nicht genauer nachdenkt...

...muss ich mir einen Moment suchen, in dem ich mich stabil und ausgeglichen fühle, bevor ich deine Geschichte lese. Dann tief einatmen und durch, ich weiss ja nicht, ob ich dazwischen nochmal Luft holen kann ;-)

Diesmal, Rache ist süss. Aber kann die Masochistin wirklich Befriedigung darin empfinden, den Sadisten leiden zu sehen? So ja und nein, wenn ich es richtig verstehe...

Stil wie immer spannend und mitreissend. Glücklicherweise wissen wir, dass du noch lebst, sonst würde man sich echt Sorgen machen, dass eine deiner frechen Äussserungen dir mal den Hals bricht...

 

Stilistisch und konzeptionell hervorragend gemacht - mit Rückblenden und  Wechsel der Erzählerperspektive - und sprachlich sowieso einwandfrei.