dogbitch - 3. Teil

 

Schon seit bestimmt einer Stunde hatte ich das unangenehme Gefühl, ich müsse jetzt dringend auf die Toilette, und allmählich konnte ich es kaum mehr aushalten. Ob er mir erlauben würde, ins Badezimmer zu gehen? Oder ob er mich wieder in den Garten führen und damit unserem kuscheligen Zusammensein ein Ende bereiten würde? Darauf hatte ich momentan nicht die geringste Lust. Aber herausschieben konnte ich es auch nicht mehr.
„Du, ich muss mal“, sagte ich kindlich.
„Und jetzt hoffst du wohl, dass ich mit dir Gassi gehe und du auf den Rasen pinkeln kannst, nicht wahr? Aber ich habe noch etwas Wichtiges mit dir zu besprechen, bevor wir uns wieder den schönen Dingen des Lebens zuwenden können. Also benutz das Gästeklo, es ist die erste Tür rechts.“

Ich beeilte mich, schnell wieder in Bernds Arme zu kommen, denn ich war zu gespannt darauf zu erfahren, was er wohl auf dem Herzen hatte.

„Sag mal, in deiner Anzeige hattest du doch entweder eine Frau oder ein Paar oder einen Mann gesucht. Warum so wahllos, mein Tierchen?“
Ich war enttäuscht. Das sollte seine wichtige Frage sein? Was sollte ich denn davon halten? „Nun, wenn ich ehrlich bin, ich wollte einfach offen sein, für alles was da kommen könnte. Ich mag Frauen... und Sex mit einem Paar habe ich auch noch nie gehabt. Warum also nicht?“
„Und jetzt bist du am Ende schrecklich enttäuscht, dass ich doch nur wieder ein einzelner Mann bin?“ Es klang leicht dahergesagt, aber er blickte mich so gespannt an, als fürchte er meine Antwort. Und plötzlich wurde mir klar, worauf er hinaus wollte. Natürlich! Er hatte Angst, dass er meinen Ansprüchen nicht genügte! Dieser selbstsichere Mann war also im Kern tatsächlich unsicher! Und dass es ihn überhaupt kümmerte, bewies doch nur, dass ihm etwas an mir lag! Das war eine aufregende Entdeckung!  Die Frage war nur, wie ich jetzt am geschicktesten darauf reagieren sollte.
Ich erinnerte mich meines Vorsatzes, dass er sich meiner nie sicher sein sollte,  also  erwiderte ich ebenso obenhin: „Ein klein wenig schon. Du wirst dich also anstrengen müssen, damit du mich nicht zu schnell langweilst!“
„Du bist ein kleines Biest. Aber sag mir im Ernst, wie hätte es dir gefallen, wenn ich eine... hmmm … Spielgefährtin mitgebracht hätte?“
„Gut! Ich hätte es sehr aufregend gefunden.“ Es war vollkommen ehrlich gemeint. „Ich lecke waaaahnsinnig gern Mösen.“
„Dann sollte ich dir vielleicht besser eine besorgen?“
Ich dachte an die Frau vom vergangenen Abend, die mit der tätowierten Eidechse auf dem Innenschenkel, die mir versprochen hatte, nächstes Mal bekäme ich mehr als nur ihren Anblick. Schon allein der Gedanke daran, sie lecken zu dürfen, erregte mich. „Au ja, tu das!“ sagte ich begeistert. „Ich  hätte da vielleicht sogar schon jemanden im Auge!“
Bernd zögerte einen winzigen Moment, dann sagte er: „Ich auch!“ Und nach einer kleinen Pause hakte er nach: „ein Paar wäre also völlig ok für dich? Wirklich kein Problem? Bist du dir auch ganz  sicher?“
Wieso ritt er denn bloß so auf diesem Thema herum? Ich schüttelte ungeduldig den Kopf. „Klar bin ich sicher. Wenn ich es nicht wäre, hätte ich doch keins gesucht.“
„ Na schön. Und da das jetzt geklärt ist, beantworte mir noch eine letzte Frage, bevor wir aufstehen werden. Wann wirst du mich verlassen, um wieder dem schnöden Mammon hinterherzujagen?“
War das jetzt ein Rauswurf? Ich beschloss, zuerst einmal das Terrain zu testen. „Tjaaa... viele Termine habe ich momentan eigentlich nicht. Für mich ist gerade Saure-Gurken-Zeit im Job. Ich muss eigentlich nur einen Beitrag cutten und sprechen, der Rest lässt sich aufschieben. Ich arbeite nämlich fürs Fernsehen, weißt Du. Freiberuflich.“
„Hmm. Und wann sind diese Termine?“
„Erst nächsten Freitag.“
„In einer Woche also. Hast du vielleicht sonst noch etwas zu erledigen? Mutti anrufen, Katze füttern oder dergleichen? Nein? Großartig. Dann bleib bis Freitag hier, Schönste. Ich will dich lieber ständig unter Kontrolle in meinem Zwinger halten, sonst rennst du mir doch noch mit der erstbesten Möse davon, die dir über den Weg läuft. Heiße Hündinnen sollten niemals freien Auslauf haben, das gibt nur Ärger!“

Er wollte, dass ich blieb. Er musste in mich verliebt sein! Ich hütete mich meinen Triumph zu zeigen. Also sagte ich nur in tadelndem Ton, wobei ich es einrichtete, dass meine Augen übermütig lachten und meine vollen Lippen ihr allerliebstes Lächeln zeigten: „Nun wirst du schon wieder unverschämt. Aber ich will großmütig sein und es dir verzeihen!“
„Wie ungeheuer nobel von Ihnen, Gnädigste! Wenn ich nicht so bequem hier liegen würde, ich würde vor Ihnen niederknien und Ihnen die Hand küssen!“
Ich sah ihn mit verlockenden großen Augen an. „Es muss ja nicht unbedingt die Hand sein...“ flüsterte ich.

Bernds Blick suchte in meinem Gesicht, und er zog meinen Kopf zu sich heran. Ich schlug die Augen nieder und wurde aufgeregt. Nun würde er mich endlich küssen. Es war merkwürdig: ich hatte seinen Arsch geleckt, seinen Schwanz in meinem Mund gehabt, und er hatte zugesehen, wie sich eine Horde fremder Männer an mir bediente. Und doch hatten wir uns nicht geküsst.
Es war bisher nur purer Sex gewesen, etwas rein Körperliches. Aber ein erster Kuss berührte die Seele, war so viel intimer, so viel inniger!
So erwartete ich diesen ersten Kuss mit der sehnsüchtigen Schüchternheit eines verliebten Teenagers, der mit dem ersten Freund bisher nie weiter als bis zum Händchenhalten gegangen war. Obwohl ich doch gar nicht verliebt in ihn war! Ich wollte doch nur mit ihm spielen. Oder vielleicht war ich doch ein ganz kleines bisschen verliebt? Egal, darüber konnte ich mir später noch den Kopf zerbrechen. Jetzt wollte ich nur seine Lippen auf den meinen und seine Zunge in meinem Mund spüren...

Aber er machte gar keine Anstalten mich zu küssen.

Ich sah ihn unter gesenkten Wimpern fragend an. Zwischen seinen vollen Lippen glänzten die weißen Raubtierzähne. Auf seinen Zügen zeigte sich etwas wie ein Anflug von Ärger, der so schnell wieder verschwand, dass ich meinte, ich habe ihn mir nur eingebildet. Er beugte sich lässig zu mir hinunter und ließ seine Lippen obenhin über meine Wange streifen.
„Was für ein verführerisches Angebot! Vielleicht werde ich später darauf zurückkommen und dich wirklich küssen. Falls mir dann danach sein sollte.“
„Oh, du bist ein elendiger Schuft!“ sagte ich mit echter Wut über seine Zurückweisung.
„Da man mir das allenthalben nachsagt, fürchte ich, wird wohl etwas Wahres dran sein.“
Immer noch verstimmt blickte ich ihm in die Augen und sah soviel jungenhaften Übermut darin, dass ich laut lachen musste.

„Vielleicht bin ich wirklich ein Schuft, und will dich daher nicht küssen“, sagte er, und plötzlich war sein Gesicht ruhig und ernst. „Aber ich bin doch kein so völlig verkommener Unhold, dass ich dich jetzt nicht vor mir warnen müsste. Du solltest besser vor mir davonlaufen, so lange du es noch kannst. Du bist so jung. Wie alt bist du? Siebenundzwanzig? Achtundzwanzig?“
„Vierundzwanzig!“ sagte ich beleidigt. Ich konnte doch unmöglich älter aussehen als ich war!
„ Erst vierundzwanzig. Um so schlimmer. Trotz deines Auftretens, trotz deiner Karriere und trotz deiner völligen Schamlosigkeit bist du innerlich immer noch ein halbes Kind. Du bist so jung, so frisch und voller Lebenshunger – und noch so formbar! Ich bin zwölf Jahre älter als du. Ich bin kein guter Umgang für dich. Denn ich will und  werde dich voll und ganz beherrschen, so wie ich es dir gleich von Anfang an gesagt habe. Bis du keinen eigenen Willen mehr hast, sondern nur noch den meinen kennst. Ich will dich besitzen. Aber doch nur so, wie man ein Spielzeug besitzt, verstehst du? Ich werde dich zu Dingen verführen, die du dir nie hättest träumen lassen und die du dir selbst jetzt noch nicht vorstellen kannst.
Du hast jetzt gerade erst den ersten kleinen Schritt in eine neue Welt getan und gleich ordentlich Blut geleckt. Und alles kommt dir vor wie ein aufregendes buntes Abenteuer. Aber die Wirklichkeit ist anders, mein Kind. Aus Spiel wird Ernst. Ich sagte es schon, ich will nicht spielen, sondern SEIN. Und das kann so intensiv werden und so tief in die Seele gehen, dass selbst ich schon manches Mal gefürchtet habe, ich könne die Kontrolle darüber verlieren. Verstehst Du?“
„Hmmm. Ja.“ Ich hört nur halb hin. Allmählich wurde mir die Unterhaltung langweilig und ich bekam wieder Lust zu spielen. Ich lächelte Bernd unter halb gesenkten Wimpern an.
Er schüttelte den Kopf und stieß einen kleinen Seufzer aus. „Hör mir zu! Unter meinem schlechten Einfluss wirst du dich verändern, ganz unmerklich, in so kleinen Schritten, dass du es zuerst überhaupt nicht spüren wirst. Eine einzelne kleine Erweiterung deiner Grenzen wird immer ohne jede Beziehung zur nächsten sein, aber schließlich werden sie alle Spuren hinterlassen – auf deinem Körper, deinem Geist und deiner Seele. Ich werde rücksichtslos genug sein, um es geschehen zu lassen. Und du wirst es nicht einmal merken. Erst wenn  – nun ja, wenn es vielleicht zu spät ist. Denn diese Spuren werden nicht mehr vergehen. Und du wirst dich nie mehr in die junge Frau zurückverwandeln können, die du jetzt bist.“

Ich hatte längst das Interesse an seinem Monolog verloren. Was für einen Unsinn er doch
redete! Als sei er Luzifer persönlich, der mich in die Hölle führen wollte. Und was für ein völlig falsches Bild er von sich hatte!  Das war so typisch Mann – sie kannten sich selbst meist so schlecht. Bernd war kein bisschen rücksichtslos. Er war vielleicht hart im Spiel – aber eigentlich war er in seinem Inneren freundlich und sanft. Das spürte ich ganz genau. Und es war zwar wirklich süß von ihm, dass er sich um mein Seelenheil sorgte, aber völlig überflüssig. Darauf konnte ich schon selber achten, vielen Dank! Außerdem – was er da sagte, klang doch im Grunde ungeheuer spannend!

Ich wusste nur, dass er mich haben und nicht mehr hergeben wollte und vollkommen verrückt nach mir  war. Ob er mich nun jetzt küssen wollte oder nicht. Früher oder später würde er es tun, dafür würde ich schon sorgen!

****

Am Sonntag Abend war ich überzeugt davon, das wundervollste Wochenende meines Lebens verbracht zu haben. Ich lag in der Ecke der Küche auf einer Decke auf dem Boden und sah mit mit der amüsierten Nachsicht einer erfahrenen Köchin, die gerade einen besonders täppischen Lehrling beobachtet,  meinem Herrn zu, der am Herd stand und sich fürchterlich abmühte. Es war bereits sein zweiter Versuch. Der erste, vollkommen angebrannte Topf war bereits samt Inhalt in den Müll gewandert. Er hatte ausgiebig geflucht und dann mit einem komisch-verzweifeltem Blick auf mich gesagt: „Es ist zu schade, dass Hunde nicht kochen können. Verdammt, ich könnte ein bisschen Hilfe gebrauchen. Was sagst du dazu, Bitch?“

Oh nein, diesmal würde ich ihm nicht schon wieder auf den Leim gehen! Es war schon zu oft vorgekommen, dass er mich mit ein paar leichten Worten zum Reden animiert hatte, und wenn ich dann unbedacht antwortete, bestrafte er mich prompt. Und je mehr ich über diese hinterlistigen kleinen Fallen  in Rage kam, je mehr ich strampelte, wenn er mich festhielt und in gespielter Wut (denn eigentlich war ich ihm ja gar nicht böse!) nach ihm schnappte, desto mehr amüsierte es ihn – bis wir uns dann meist beide nicht mehr halten konnten vor Lachen.

Aber inzwischen war ich auf der Hut und ließ ich mich nicht mehr so leicht übertölpeln!  Ich blieb in meiner Rolle und gab nur ein leises wohliges Knurren von mir, das mehr wie ein Schnurren klang. Dann verzog ich mein Gesicht zu einer komischen überlegenen Grimasse, die sagte: Natürlich könnte ich dir helfen, aber dass ich es eben nicht tun kann, das hast du dir selber eingebrockt. Jetzt leb damit!
Und dann streckte ich ihm die Zunge heraus. Ätsch!

Er ignorierte das komplett. Kurz darauf aber ließ er wie zufällig das Rezept gleich neben meinem Kopf zu Boden gleiten.

Seither leitete ich ihn aus meiner Ecke heraus an und war dabei recht erfinderisch in meinen Lauten und Bewegungen. Ich jaulte schmerzhaft auf, als er sich in der Menge des Chili vergreifen wollte und bellte wie ein aufmerksamer Kettenhund, als etwas überzukochen drohte. Wenn er dagegen etwas richtig machte, schmatzte ich laut und wenn er dann zu mir hinsah, leckte ich mir mit der langen Zunge genießerisch über die Lippen.
Wenn er trotz meiner pantomimischen Hilfen nicht mehr weiter wusste, hockte er sich neben mich, streichelte mich und versuchte meinen Kopf dabei so zu drehen, dass ich nicht sah, wie er verstohlen nach dem Rezept schielte. Einmal sagte er mit gespieltem Ernst: „Hier ist ein Fehler im Rezept. Da steht: Parieren Sie das Filet... dabei musste du doch parieren, nicht das Fleisch!“

Ach, es war eine herrlich lustige Scharade!

Trotz unserer ungleichen vereinten Bemühungen wurde das Essen am Ende doch ein ziemlicher Fraß. Und als ich das, was da in meinem Napf landete, vorsichtig probierte, schob ich den Napf von mir und sagte laut und vernehmlich: „Na, dann doch lieber Hundefutter!“

Ich fing mir einen harten Klaps ein, und als ich ihn unverzüglich aufstehen und zum Vorratsschrank gehen sah, in dem er neben allerlei menschlichen Vorräten auch eine erstaunlich große Anzahl  Dosen Hundefutter aufbewahrte,  befürchtete ich schon, ich hätte mit meiner Bemerkung eine recht unglückliche Entscheidung bezüglich meines Abendessens gefällt. Aber er ging nur zum Telefon und sagte seufzend: „Also dann doch lieber wieder was vom Italiener!“
Italiener, das bedeute für mich wohl Nudeln aus dem Napf, wie es sie schon gestern gegeben hatte. Na, das würde wieder eine ordentliche Sauerei werden, und hinterher würde ich die Bescherung wieder vom Boden auflecken dürfen. Prost Mahlzeit!

Ich wunderte mich, dass ich dies alles nicht als entwürdigend empfand – oder bestenfalls ein kleines bisschen. Noch vor drei Tagen hätte mir der bloße Gedanke daran, nackt am Boden wie ein Hund aus dem Napf zu fressen, während mich ein Mann, der ganz normal am Tisch saß, mich dabei beobachtet, die Schamesröte ins Gesicht getrieben.  Hätte es einer meiner bisherigen Liebhaber von mir verlangt,  - nie und nimmer hätte ich mich darauf eingelassen!

Aber jetzt war plötzlich alles anders. Jetzt schien alles ganz natürlich, als könne es nur so sein und nicht anders. Es war so lustvoll, bis in die Fingerspitzen hinein erregend!

****

Oh, was hatte ich nicht alles erlebt in diesen letzten beiden wundervollen, prall mit Leben angefüllten Tagen!

Er war mit mir im Kombi zum Einkaufen gefahren – mittlerweile hatte er eine riesige Hundebox auf der Ladefläche deponiert – und ließ mich, während er in den Supermarkt ging, im Wagen warten wie man einen Hund eben warten lässt. Und ich war hin- und hergerissen zwischen der bangen Angst, dass mich jeder, der nur aufmerksam genug hinschaute, in meiner demütigenden Lage sehen konnte, und einer unbändigen Erregung. Am Ende siegte  - wie eigentlich immer – die Geilheit.

Ob ich geil war oder nicht, blieb ihm nie verborgen. Auch als er zum Wagen zurückkam, öffnete er als erstes die Tür meiner Box und fasste mir zwischen die Beine, um zu prüfen, wie nass ich war. Mitten auf dem belebten Parkplatz griff er kräftig in mein Fleisch und massierte mich mit harten kreisenden Bewegungen, bis ich laut stöhnen musste. Unvermittelt ließ er dann wieder los, machte die Box zu und lud seelenruhig die Einkaufstüten ein.  

Solche waghalsigen Aktionen in der Öffentlichkeit nahmen mir den Atem. Gleich nach dem Einkauf,  kurz vor der hereinbrechenden Dämmerung, fuhr er einen Parkplatz bei einem viel begangenen Spazierweg an und führte mich ein Stück in den Wald herein, damit ich pinkeln solle. Es schien ihm vollkommen gleichgültig zu sein, ob uns jemand begegnete, während ich vor Angst davor beinahe verging. Und tatsächlich kamen auf dem Rückweg zwei ältere Damen auf uns zu.

Veranstalten Sie doch Ihre Sauereien gefällig woanders! Sie sollten sich schämen!“ rief eine von ihnen empört.
„Es tut mir nahezu unendlich leid, wenn Sie sich durch mich belästigt fühlen, meine Damen!  Und dabei habe ich doch nur ganz harmlos meinen Hund ausgeführt“ entgegnete er mit einer anmutigen Verbeugung und legte in seine Stimme eine so sarkastische Höflichkeit, dass sie seine Geringschätzung und sein Amüsement über ihre Empörung nur knapp verbarg.

Auf dem Heimweg stoppte der Wagen auf einmal unversehens. Mein Herr ließ mich aus dem Auto heraus und führte mich über die breite Straße und ein Stück des Gehwegs entlang. Als seine Schritte stoppten, standen wir genau vor dem Eingang eines verwaisten kleinen Biergartens. Dahinter stand ein kleines Haus mit grünen Fensterläden, über der Tür ein Schild „Gasthof zur  Linde“. Die Fenster waren dunkel, offenbar war Ruhetag.  Genau am Eingang zum Biergarten stand, von der Straße aus gut einsehbar, ein großer Hundenapf, wie man ihn in Wirtschaften öfter sieht. Das Wasser darin war abgestanden und schmutzig, es mochte schon ein paar Tage alt sein. Auf der Oberfläche trieb ein einzelnes  gelbes Lindenblatt, eine allzu frühe Ankündigung des kommenden Herbstes. Wer weiß, wie viele Köter bereits aus diesem Napf getrunken und in ihn hineingesabbert hatten, wann er zum letzten Mal gereinigt worden war!

Dennoch: Ich wartete nicht auf ein Kommando, ich soff den halben Napf leer. Und vergaß dabei mit einem Mal meine Angst entdeckt zu werden. In mir entstand ein köstliches Gefühl, dass ich bis dahin nicht gekannt hatte – eine Mischung aus Stolz, Nervenkitzel und Erregung. Und der Freude über unser geheimes Spiel, das uns von der restlichen Welt trennte und zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammenschweißte, zu der kein anderer je Zutritt haben würde.

Ohne ihn sehen zu können wusste ich, dass seine Piratenaugen, glühend vor Freude über meinen Mut, auf mir ruhten. Dann plötzlich riss er mich grob an den Haaren in den Garten hinein, wies mich ungeduldig mit knappen Gesten an, mich über einen der Tische zu beugen, und schon hatte er sein Glied herausgeholt und öffnete mich mit roher Gewalt. Es war vollkommen still um uns, einzig sein stoßweiser Atem und das Aufklatschen seiner Hüften gegen mein Fleisch, während er in mir wütete,  erfüllte die Luft.

Dann, als es vorbei war und er sich aus mir zurückgezogen hatte, richtete er mich auf und drehte mich zu sich um. Es wurde allmählich dunkel, und die Konturen seines Gesichts verschwammen im Dämmerlicht. Es lag ein beinahe wütender Ausdruck in seinen Zügen, den ich nicht deuten konnte – so als kämpfe er einen inneren Kampf. Sein Blick sah durch mich hindurch in die Ferne auf einen imaginären, weit entlegenen Punkt. Für einen kleinen Moment war mir so, als würde er mich gleich packen und schütteln, vage fühlte ich die kalten Schwingen eines herannahendes Unheils. Aber schon war der Moment vorbei, und dann zog er mich auf einmal mit einer so unerwarteten Heftigkeit zu sich heran, als wolle er mich nie mehr loslassen. Hungrig und hart pressten sich seine Lippen erbarmungslos auf die meinen,  als wolle er mir bewusst weh tun, in wilder Gier öffnete seine Zunge meinen Mund. Es war unser erster Kuss, und ich war bitter enttäuscht. Dieser Moment hätte so anders sein sollen, zart und liebevoll und sehr romantisch. Aber dann ergab ich mich seinem wilden Mund, und eine warme Flut, die jedes Gefühl, jeden Gedanken in mir fortspülte, riss mich fort. Schwach und hilflos, aber voller Leidenschaft hing ich in seinem Arm, und es tat so gut, mich von ihm stützen zu lassen!
Lange standen wir so, miteinander verschmolzen, er wurde schließlich sanfter, ganz liebevoll, dann ließ er von mir ab.
„Du wunderbare Hure!“ flüsterte er. „Meine wunderschöne, schamlose, dreckige Sau!“

Hure, Sau... Auch solche Worte waren in meinem Drehbuch, das ich für diesen Moment so perfekt entworfen hatte, nicht vorgesehen gewesen. Sie klangen so schrecklich fehl am Platz!
Dabei war sein Ton doch so zärtlich, die Stimme so weich, die Hand, die durch mein Haar fuhr, so zart! Ich horchte gespannt, ob noch mehr käme, aber er sagte nichts mehr. Dafür setzte er sich auf einen der Gartenstühle, zog mich auf seinen Schoß und hielt mich ganz fest an sich gedrückt. Endlich war es so, wie es sein sollte. Mein Herz raste vor Glückseligkeit.

Und so saßen wir im Schatten der uns wie eine schützende Mauer umgebenden Buchenhecke, und die Welt um uns herum hörte auf zu existieren.

****

Immer wieder stellte dieser Mann mich vor neue Rätsel. Er verfuhr mit mir ganz nach Belieben, war in einem Moment jungenhaft unbeschwert, im nächsten voll zynischem Spott. Er konnte mich bei ganz kleinen Verstößen gegen die mir auferlegten Regeln mit brutaler Härte züchtigen, während er größeren Ungehorsam manchmal nur mit einem nachlässigen Klaps ahndete, als sei es ihm im Grunde ganz gleichgültig, ob ich gehorchte oder nicht.  

Je nach seiner Laune konnte er mich stundenlang streicheln und verwöhnen, oder er machte mich so wütend, dass ich den Tränen nah war und ihm die Augen auskratzen wollte. Dann konnte er mich immer weiter aufstacheln und machte sich lustig über meine hilflose Raserei, nur um mich im gleich danach in den Arm zu nehmen und mit sanften Worten zu trösten wie ein kleines Kind.
Nie konnte ich mir sicher sein, was mich im nächsten Moment erwartete, und die willkürliche Schnelligkeit, mit der er seine Stimmung umschlagen ließ, machte mich schwindelig.

Zu meiner heimlichen großen Enttäuschung entließ er mich nie ganz aus meiner Rolle. Zwar gewährte er mir manchmal unerwartete Freiheiten, aber selbst dabei blieb ich stets die Hündin, und er war mein Herr.

Ich durfte mich nur auf allen Vieren bewegen, aber da die ungewohnte Körperhaltung anstrengte und mich oft schmerzte, erlaubte er mir regelmäßig kleine Pausen, in denen ich mich dehnen und strecken durfte. Er zeigte mir spezielle gymnastische Übungen, die die Muskulatur lockern sollten und massierte mich mit wundervoll duftendem Öl, bis ich wieder ganz entspannt war. Wie wohl mir in diesen Momenten seine aufmerksame Fürsorge tat!

Ich durfte nicht sprechen oder auch nur mit dem Kopf nicken oder ihn schütteln, sondern musste mich durch hündische Laute und Körpersprache verständlich machen. Das war oft beschämend und demütigte mich zutiefst, manchmal war es einfach nur frustrierend – ach, ich wollte ihm doch so viele Dinge sagen und so viele Fragen stellen und durfte es dennoch nicht! Oft aber führte es auch zu den komischsten Pantomimen, an denen jeder von uns seinen hellen Spaß hatte.
Wir lachten überhaupt unglaublich viel, und das war von allen wundersamen Dingen in diesen verrückten Tagen vielleicht das seltsamste – und das schönste.

Einmal kam mir der Satz in den Sinn, den er mir bereits zweimal gesagt hatte und der ihm sehr wichtig zu sein schien: nicht spielen wolle er, sondern sein. Ich verstand den Unterschied nicht so recht. Was sollte es denn anderes sein als ein Spiel? Er konnte doch nicht unmöglich denken, dass ich mich wirklich wie eine Hündin fühlen sollte, oder? Das war doch vollkommen absurd! Ich war eine Schauspielerin, die eine neue Rolle probte, und er war mein Regisseur. Aber jede Schauspielerin legte nach der Aufführung ihre Rolle wieder ab, und wie aus der Ophelia oder dem Gretchen wieder eine normale Frau wurde, sobald der Vorhang gefallen und die Lichter ausgegangen waren, so würde auch ich natürlich wieder zu Christiane Köster werden. Das war doch sonnenklar! Und er hatte gesagt, dieses Spiel werde mich verändern und Spuren hinterlassen. Was für ein Unsinn!

Aber im Grunde waren mir solche abstrakten Überlegungen zu kompliziert, und sie beschwerten mich nie lange. Die Wirklichkeit nahm mich viel zu sehr in Anspruch.

Bereits an unserem ersten gemeinsamen Morgen, gleich nach dem Aufstehen, hatte er mir eine Art Hundemontur angelegt, die ich seither dauerhaft trug.  
Die obere Hälfte meines Kopfes steckte in einer straff sitzenden schwarzen Ledermaske mit angesetzten spitzen Ohren ähnlich denen eines Schäferhundes. Aus einer runden Öffnung der Maske am Hinterkopf quoll mein langes blondes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden heraus. Um den Hals trug ich ein breites ledernes Halsband.
Direkt unterhalb der breiten ledernen Hand- und Fußfesseln mit stabilen Karabinerhaken begannen schwarze Lederfäustlinge und –füßlinge, die meine Hände und Füße zu Pfoten machten. Um die Knie trug ich Schoner aus dem gleichen Material. Und in meinem Hintern steckte, durch ein Konstrukt von Riemen gegen das Herausrutschen gesichert, ein Stöpsel, an dessen Ende mein gut 20 cm langer schwarzer pelziger Hundeschwanz befestigt war. Ansonsten war ich nackt und am Körper enthaart; meine äußeren Schamlippen zogen sich ein klein wenig lang durch das Gewicht der beiden großen Edelstahlringe, die sie durchbohrten. Meine äußere Transformation zum Tier war so erschreckend gut gelungen, so dass ich jedes Mal, wenn mein Blick zufällig im Spiegel oder in einer Fensterscheibe auf mein Spiegelbild fiel, im ersten Moment meinte, eine Fremde zu sehen. Ich fand meinen Anblick fremdartig, seltsam faszinierend – und sehr schön.

Wenn es überhaupt etwas gab, was mir nicht gefiel, dann war es das andauernde Üben aller möglichen Hundekommandos. Ich fand es langweilig, anstrengend und zudem völlig überflüssig. Und da ich mir nur sehr wenig Mühe gab, machte ich andauernd etwas falsch und wurde bestraft.
Oh, diese Bestrafungen! Manchmal war es nur ein beinahe zärtlicher Klaps auf den Po, manchmal waren sie aber auch sehr streng. Und manchmal... Wenn er mich besonders strafen wollte, dann führte er mich in einen eigens für solche Zwecke geschaffenen Raum. Zwischen dem Haus und der Garage gab es einen kleinen Anbau, der nur durch einen diskreten Gang vom Wirtschaftsraum hinter der Küche aus zu erreichen war. Es war eigentlich ein einziger, sehr großer Raum; nur eine Ecke, in der sich allerlei Werkzeuge befand, war durch eine grobe Holzwand vom Rest abgeteilt. Der Boden war schwarz-weiß gefliest, die weißen Wände roh verputzt, aber nicht tapeziert. Das Tageslicht schien nur durch zwei kleine hochgelegene vergitterte Fensterchen hinein. An einer Wand hingen, ordentlich aufgereiht an Gittern aus Edelstahl, eine Unmenge von verschiedenen Geräten, von denen ich einige nicht auf Anhieb identifizieren konnte. Da waren aber auch bekannte Dinge wie Knebel und Masken, verschiedene Peitschen, Ketten und Unmengen von Seilen in verschiedensten Längen und Ausführungen. Mir kam es vor, als könne man eine kleine Segeljolle mit ihnen ausstatten, und es würden immer noch welche übrig sein. Auch ein großer alter Holzschrank war angefüllt mit allerlei Dingen, teils durchaus ergötzlichen Charakters wie Dildos und Vibratoren, aber auch welchen, die wie mittelalterliche Folterinstrumente aussahen und über deren genaue Verwendung ich mich mir lieber keine Gedanken machten wollte. Die Aussicht darauf, irgendwann mit ihnen in Berührung zu kommen, erfüllte mich mit Entsetzen. Ich hatte große Angst vor Schmerzen, lustvoll fand ich sie nur in verhältnismäßig kleinen Dosen – und in der richtigen Situation.
An der dritten Wand des Raums war ein riesiges Eisengitter befestigt, und vor der vierten war ein Käfig aufgebaut, vielleicht etwas größer als meine Hundebox. Und direkt daneben stand, wie ein Gruß aus einer anderen, weit entfernten Welt, ein zierliches Tischchen, um das sich eine englische Ledergarnitur gruppierte: ein Sofa und zwei kleine Sesselchen.  
Es war unmöglich, gleich alles in diesem Raum zu erfassen, vieles bemerkte ich erst im Laufe der Zeit, meist dann, wenn es zum Einsatz kam. Himmel, was für eine riesige Sammlung er hatte!

Ich wurde jedes Mal hoch nervös, wenn ich in 'den Raum' geführt wurde, wie ich ihn für mich nannte, denn hier erwartete mich nur selten Angenehmes. Hier hatte ich das erste Mal in meinem Leben die schmerzhafte Bekanntschaft mit dem doch so harmlos aussehenden Rohrstock gemacht – und dies für einen kleinen Regelverstoß, der so  lässlich war, dass ich mich später nie mehr daran erinnern konnte, worin er eigentlich bestanden hatte.
Nicht vergessen konnte ich jedoch die Schmerzen, die mir der schlanke Stock verursacht hatte und mein blankes Entsetzen darüber, dass mein Herr mir so etwas Schreckliches antun konnte.

Ich war mit Seilen, deren Enden an Haken an den Wänden und der Decke befestigt und straff gespannt waren, so fest gebunden, dass ich gestreckt war wie ein großes menschliches X und mich kaum mehr rühren konnte. Meine Füße berührten gerade eben noch den Boden, ich stand auf den vordersten Zehenspitzen. Es war scheußlich unangenehm. Mein Mund war mit einem Knebel verschlossen, meine Brüste waren mit dünnen Seilen straff abgebunden und begannen allmählich bläulich-rot anzulaufen. Die Seile, die in mein Fleisch schnitten, schmerzten von Minute zu Minute mehr. Und als wäre das noch nicht Strafe genug gewesen, hatte er mir noch Klammern an die Nippel und die Schamlippen gesetzt und sie mit schweren Gewichten beschwert, so dass sie bei der kleinsten Bewegung ins Schwingen gerieten und höllisch weh taten.
So hatte ich bereits eine Weile gestanden, und schon dies schien mir eine allzu zu große Bestrafung zu sein. Dann sah ich, wie er dorthin ging, wo die Peitschen aufbewahrt wurden.  Er nahm diese und  jene in die Hand, strich vielleicht über eine ein paar Mal darüber oder schlug sie spielerisch gegen seine Handfläche und hing sie dann wieder fort. Schließlich entschied er sich für den Rohrstock, hielt ihn mir vor die Augen und ging dann langsam um mich herum, bis er hinter mir stand.
Ich war nicht übermäßig ängstlich deswegen. Zum einen hatte ich ja noch nie einen Rohrstock gespürt und konnte mir nicht vorstellen, welche Schmerzen er verursachen würde. Außerdem waren die letzten Stunden zwischen uns so froh und entspannt, so voller Lachen gewesen, dass die Vorstellung, ich könne nun übermäßig hart bestraft werden, weit, weit außerhalb meiner Vorstellung lag. Letztlich verhieß sein Gesicht so gar nichts Böses, - er trug sein übliches leicht spöttisches Lächeln zur Schau - wie so oft, wenn er mich nur necken wollte.
Auch als ich den Rohrstock ein paar Mal in der Luft pfeifen hörte, ohne dass er mich jedoch traf, war ich nicht alarmiert. Na bitte, er wollte mich nur täuschen und mir Angst einjagen. Solch einen Spaß hatte er sich erst am Morgen gemacht, als er auf einmal bitterböse schaute und mit so eiskalter Stimme zu mir sprach, dass ich das Schlimmste befürchtete – und dann hatte er nur gelacht und mich mit lustigen Worten aufgezogen, ich sei ja ängstlicher als ein Kaninchen, und ab nun wolle er mich nur noch mit Möhren und Salat füttern. Und weiter war nichts passiert.
Nun, dieses Mal sollte er mir keine Angst einjagen, da konnte er sich noch so große Mühe geben!

Um so heftiger traf mich der Schock über den ersten Schlag. Mir schossen die Tränen in die Augen, und noch bevor ich einmal Atem holen konnte, folgte bereits der zweite. Ich schrie wie am Spieß durch meinen Knebel, die Tränen begannen mir herunter zu rinnen – und doch gingen die Schläge weiter, bis ich meinte, die Haut müsse mir schon in Fetzen herunterhängen und ich würde jetzt jeden Moment ohnmächtig werden.
Dann war es vorbei.
Gedankenfetzen rasten wie Orkanwellen durch mein schmerzvernebeltes Hirn. Oh, wie abgrundtief ich ihn hasste für seine Ungerechtigkeit und Grausamkeit!
Oft hatte ich gelesen, dass Sklavinnen nach Bestrafungen von Stolz, sogar Dankbarkeit erfüllt waren und wie froh sie seien, den Schmerz  durchgestanden und ihrem Herrn dadurch eine Freude bereitet zu haben und wie demütig sie sich fühlten– oder so ähnlich. Was für ein unglaublicher Quatsch! Demütig – ich - gerade jetzt? Ha! Wild gewordene Raubkatze traf es da schon eher! Und nichts, aber auch gar nichts hätte mir gleichgültiger sein können als die Freude meines Herrn. Von mir aus konnte der dreckige Bastard zum Teufel gehen. Nicht eine Träne würde ich ihm nachweinen! Wie hatte ich mir nur eine Sekunde lang einbilden können, ich sei in dieses Ungeheuer verliebt!
Und als er mich dann ansah und dabei sein überlegenes Piratengrinsen zur Schau stellte –  wie gern hätte ich ihm da sein freches Gesicht bis auf die Knochen blutig zerkratzt!
Er forschte in meinen Zügen und lachte leise in sich hinein. „Ich fürchte, das war nun ein wenig unbequem“, sagte er mit gekünsteltem Bedauern. „Ich bitte sehr um Verzeihung für die Unannehmlichkeit, die sich aber leider nicht vermeiden ließ. Sie machte mir doch viel zu viel Vergnügen!“
Oh, wenn ich doch nur nicht geknebelt gewesen wäre! Was wollte ich dem Lump nicht alles an den Kopf schmeißen – Worte, die ihn zutiefst verletzen und bis ins Mark treffen sollten. Nun, ich würde es tun, sobald er mir den Knebel entfernt haben würde! Leider aber fiel mir momentan keine einzige Gemeinheit ein, die verletzend genug für ihn war....
Und noch war mein Martyrium noch nicht vorbei, denn nun folgte der so furchtbar schmerzhafte Moment, als er mir vorsichtig die gewichtsbeschwerten Klammern löste. Er massierte sanft die schmerzenden Stellen, dann ging er seelenruhig hinüber zu dem kleinen Ledersofa. Er schenkte sich aus der kristallenen Karaffe, die immer auf einem Beistelltisch stand, einen Whiskey ein, goss aus einer zweiten Karaffe Wasser dazu, dann setzte er sich bequem zurecht und schlug lässig die Beine übereinander. Schließlich seufzte er den wohligen Seufzer eines Mannes, der mit sich und der Welt zufrieden ist, nahm sich eine Zeitschrift vom Tisch und begann interessiert zu lesen.
Ich war mir nicht sicher, ob er ganz selbstverständlich handelte oder ob ich nicht eher einer extra für mich veranstalteten kleinen Inszenierung zusah, in der jede kleine Geste sorgfältig kalkuliert war, nur um mich nur noch mehr zu reizen. Wenn es so war, erfüllte es jedenfalls seinen Zweck. Wie konnte er mich nur hier hängenlassen, wo ich es doch so dringend nötig hatte, dass er sich um mich kümmerte!
Ganz allmählich ließen meine Schmerz nach und machten einem Brennen Platz, das fast schon ein wenig angenehm war. Und ebenso allmählich verrauchte meine Wut und ich wurde ruhiger, bis ich mich schließlich nur noch matt und erschöpft fühlte.
Es dauerte aber noch eine Weile, bis er seine Zeitschrift sinken ließ und zu mir hinsah. „Ich frage mich“, sagte er mit gespielt ängstlichem Blick, der ungeheuer komisch aussah, „ob ich es allmählich riskieren kann, dich wieder zu befreien. Oder schwebe ich etwa noch  in höchster Lebensgefahr?“ Damit trat er vor mich hin und strich mir unendlich leicht über die Wange.
Wie schaffte er es nur, dass mir bei einer einzigen Berührung das Herz so aufging vor Zärtlichkeit?

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Kommentare

...geschrieben. Natürlich, real, nachvollziehbar. Mehr davon bitte :)

Hatte nun endlich Zeit es zu lesen, gefällt mir sehr gut, dieses Hin und Her zwischen ihnen, es lässt viele Fragen offen, vor Allem für den Leser. :)

Freue mich schon auf den nächsten Teil.

 

 

lg Kätzchen

Immer wieder sind mir genial gelungene Sätz aufgefallen wie zum Beispiel dieser:

Das Wasser darin war abgestanden und schmutzig, es mochte schon ein paar Tage alt sein. Auf der Oberfläche trieb ein einzelnes gelbes Lindenblatt, eine allzu frühe Ankündigung des kommenden Herbstes. Wer weiß, wie viele Köter bereits aus diesem Napf getrunken und in ihn hineingesabbert hatten, wann er zum letzten Mal gereinigt worden war! 

Wunderbar. Schon allein solcher Formulierungen wegen lohnt es sich, die Story zu lesen.

Gestatte mir auch eine Kritik: Die Ich-Form ist immer problematisch. Die Geschichte gewänne, wenn sie in der dritten Person geschrieben wäre.

 

 

Wow!

Ich gestehe: Der Titel der Geschichte hat mich total abgeschreckt. Dass merkwürdige Geschichten hier gute Kommentare bekommen, ist leider auch nicht so ungewöhnlich - daher war auch das noch kein Grund, meine Abneigung gegen "dogbitch" zu überwinden. Erst der letzte Kommentar, der sich auf das Lindenblatt im Wassernapf bezog, hat mich zum Lesen animiert.

Petplay hat es bisher noch nicht so recht geschafft, mich zu überzeugen. Die Bestrafungsszene hingegen schon.

„Ich frage mich“, sagte er mit gespielt ängstlichem Blick, der ungeheuer komisch aussah, „ob ich es allmählich riskieren kann, dich wieder zu befreien. Oder schwebe ich etwa noch  in höchster Lebensgefahr?“ Damit trat er vor mich hin und strich mir unendlich leicht über die Wange.

Wunderschön. Genau die richtige Mischung aus Dominanz, Respekt, Zärtlichkeit und Humor.

Dein Stil gefällt mir sehr gut. Teilweise schon fast mit poetischen Zügen und ganz im Gegensatz zum Titel eine saubere Sprache.

Ich freue mich auf mehr.

LG, Senara

Ich bedanke mich allerherzlichst für Eure anerkennenden Worte. Es ist schön, wenn das Geschriebene ein Echo erfährt, natürlich um so mehr, wenn es auch noch ein positives ist.

In der dritten Person zu schreiben empfinde ich persönlich als schwierig, ich fürchte fast, dafür reicht mein bescheidenes Talent nicht aus ... möglicherweise ist es aber auch eine Frage der Übung.

Ich hoffe nur, ich kann im neuen Teil meiner Erzählung, den ich gleich einstellen werde, Euren Erwartungen weiterhin gerecht werden.

Den Titel finde ich übrigens selbst nicht ideal, und ich kann gut verstehen, wenn er nicht anspricht...

Allerliebste Grüße

dogbitch