Durch die Wüste 2 - Ein Königreich für ein Bad

 

Liebe Leser,

vielen Dank euch allen fürs Lesen, Werten und Kommentieren. Meine Geschichte ist für euch hoffentlich auch weiterhin eine vergnügliche Lektüre. Ich wünsche allen ein sonniges Wochenende.

Raale

 

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Tag 2 - Mitternacht

Unzulänglich bedeckt versuchten wir zu schlafen, von unseren Bewachern flankiert. Ein Teil der Typen schob draußen Wache. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, neben Rayhan, dem Anführer zu liegen, der seine ganze Aufmerksamkeit auf mich konzentrierte. Der Widerling, der ein paar Jahre jünger war als wir, sah aus, als rauchte er fünfzig Zigaretten am Tag inwendig und roch auch so. Bald räkelte er sich entspannt neben mir und schnarchte.

Für mich und die Anderen, die seit dem Aufbruch nicht mehr miteinander gesprochen hatten, wurde es eine unruhige Nacht, auch wegen der unbequemen Fesseln. Zu guter Letzt war ich in einen leichten Schlummer gefallen. Meine Gedanken kreisten nicht mehr in der Endlosschleife.

Ich lag auf der Seite, die Beine angezogen wie ein Embryo, als ich schlagartig erwachte. Was mich weckte, kann ich nicht sagen. Rayhan hatte sich zu mir gedreht, den Kopf in die Hand gestützt und sah mir offenbar beim Schlafen zu. In seiner Rechten hielt er ein Messer, lang und schmal wie ein Stilett. ‘Jetzt sticht der dich hier ab’, dachte ich panisch.

Er bedeutete mir, indem er das Messer auf meinen Mund senkte, still zu sein. Dann nickte er freundlich und drückte mir die Spitze unter das Kinn. Es schien ihm großes Vergnügen zu bereiten, mich mit kleinen Bewegungen hin und her zu dirigieren. Wollte ich nicht verletzt werden, musste ich gehorchen. Er ließ das Messer einige Mal über meinen Hals auf und ab gleiten, dann legte er es mir unterhalb des Auges auf die Wange.

Die Spitze tief in meine Haut bohrend, ahnte ich schon den Schmerz des ersten Schnittes. Wie gebannt lag ich da und wagte nicht, mich zu rühren. Das Stilett wanderte weiter über meinen Körper bis zur Brust. Immer stärker zog es eine Furche, bis ich mich seiner Bewegung nachgebend auf den Rücken drehte. Auf die gefesselten Arme, die vom eigenen Gewicht gequetscht wurden.

Nochmals warnte er mich mit Gesten, ruhig zu bleiben. In meiner Fantasie hatte er mir das verdammte Messer schon längst ins Kinn gestochen.

Panik. ‘Gleich bin ich tot.’ Tief seufzend holte ich Luft, hatte ganz vergessen zu atmen vor Anspannung. Der Scheißkerl lachte leise in sich hinein.  Ich stand unter Spannung wie eine Sehne, die gerade auf den Bogen gezogen wird. Ein leichtes Zittern lief immer wieder über meine Haut. Steif wie ein Brett hätte ich bei der Zirkusnummer mit den zwei Stühlen aushelfen können.

Das Springmesser, das ich ursprünglich für ein Stilett gehalten hatte, bewegte sich wieder, fuhr langsam, jeden einzelnen Körperteil auskostend, an meinem Leib hinab.  

Rayhan schob das Laken zur Seite, stoppte, legte die flache Klinge von unten gegen die Wölbung der Brust und drückte zu. Das Fleisch verschob sich leicht nach oben. Den Nippel, zwischen Daumen und Zeigefinger quetschend, zog er, bis dieser knallhart und lang wurde, dann setzte er das Messer an.

In Panik, mit weit aufgerissenem Mund blieb ich still liegen und schloss die Augen. Das wollte ich nicht sehen. Der Schmerz würde mich sowieso ins nächste Jahrhundert katapultieren. Wobei ich schon jetzt tausend Tode starb.

Nichts passierte, absolut gar nichts.

Langsam öffnete ich die Augen, kam wieder auf die ‘Bühne’. Nichts war geschehen, der Nippel noch dran. Dafür starrte dieses Arschloch mit interessiertem Blick in mein Gesicht. Neugierig wie ein kleiner Junge inspizierte er jede Regung.

Ein Versuchsobjekt, das war ich. Ein Versuchobjekt, das gleich seziert wird. Ich wusste nicht, wie darauf reagieren. Still halten? Nicht da sein? Nicht atmen?

Tot stellen! Bei dem Gedanke musste ich spontan grinsen, versuchte diese Regung aber sofort zu unterdrücken. Zunächst verwirrt, wurde mir bald einiges klar. Der Arsch spielte! Dieser dumme Sack spielte ein blödes, beschissenes Spiel! Eines das auf meine Kosten ging. Unwillkürlich entspannte ich mich ein wenig.

Die Show war vorbei, mein Gesichtausdruck nicht mehr interessant. Sein Messer bewegte sich weiter auf mir. Die flache Klinge streifte nackte Haut, erreichte den Bauchnabel. Langsam ließ er es in die Senkrechte kommen, wie zum Stich, kerbte mit der Spitze die Haut.

Mit erstaunlicher Klarheit registrierte ich zugleich die Umgebung. Die schummrig erleuchtete Höhle mit dem noch glimmenden Feuer. Der schroffe Fels um uns herum mit den verzerrten Schattenspielen. Einzige Lebensäußerung die regelmäßigen Atemzüge. Ab und an das Knirschen der Schuhe auf dem Weg, wenn der Wachposten vorbei ging. Es schien so friedlich, bis auf diesen einen gewalttätigen Punkt am Rande der Höhle, in dessen Zentrum ich mich befand.

Rayhan hatte sich inzwischen aufgesetzt. Gemächlich, sich immer wieder vergewissernd, dass ich auch wusste, was er tat, zog er mir die Decke vollends vom Körper. Was wollte der nur von mir.

Ich bin klein und dick, war es immer schon. Alter und Falten hatten keine Verbesserung dieses Zustands bewirkt. Also warum ich? Er konnte sich doch frei bewegen und Notstand nach nur einem Tag nahm ich ihm nicht ab.

Die Schneide wanderte weiter hinab, umspielte meinen Schamhügel und dann drückte sich die Messerspitze in den Anfang der Spalte. Bewegte sich vorsichtig einige Millimeter nach rechts und links, drang tiefer ein.

Es war das Grauen pur. Meine Hilflosigkeit ließ mich abschalten und versteinern. Wie ein externer Beobachter sah ich mir selbst zu, wie ich bewegungslos und ausgeliefert da lag.

‘Ich darf nicht schreien.’

Ungeduldig bedeutete er mir, die Beine weiter zu spreizen, sie zu öffnen für ihn. Mit fast chirurgischer Präzision fuhr sein Messer zwischen die Falten. Er führte es leicht auf den Weg in mein Inneres. Ließ es mit den Labien spielen. Schob sie hin und her. Tat auch immer wieder so, als wolle er mit einem Ruck hinein stoßen. Dabei immer mein Gesicht im Blick behaltend. Ich hatte Angst, fürchterliche, tierische Angst und traute mich nicht mich zu rühren. Das Herz schlug bis zum Hals. Beständig wartete ich auf den Schmerz der ersten Verletzung.

Doch endlich kapierte ich. Endlich wurde es sonnenklar. Meine Angst verpuffte schlagartig. Der Hochdruck, unter dem ich gestanden hatte, ließ nach. Er war ein neugieriges Kind. Ganz in seine Untersuchungen vertieft. Mein ängstlicher Gesichtsausdruck schien ihm weitaus wichtiger als das, was er tat.

Also schön, ich ließ ihn machen. Die Anspannung wich mir aus dem Leib. Aber sobald ich die Angst verlor, war es auch mit seinem Interesse vorbei.

Als brauchte er die abschließende Demonstration, drückte er mir seine nach Maschinenöl und Schweiß riechende Hand fest auf den Mund und zog dann mit dem Messer quer über den Bauch von Hüfte zu Hüfte eine Linie, die sich zu einem haarfeinen roten Streifen entwickelte, aus dem einige wenige Tropfen hervor quollen. Zeitversetzt spürte ich einen brennenden Schmerz.

Er beugte sich vor und leckte das Blut ab. Seine kurzen Bartstoppeln kratzten über meine Haut. Die Nässe ließ den Schmerz erneut aufflammen. Ein leises Stöhnen erklang. Nicht von mir. Dann zog er mir die Decke wieder über den Körper und ließ sich kommentarlos zufrieden grinsend neben mir in den Schlaf fallen.

***

Den ganzen folgenden Tag waren wir wieder unterwegs. Einzige Abwechslung in dem monotonen Einerlei bildete der obligatorische Becher Wasser und der Ausflug zum Pinkeln. Die verdammten Säcke mussten wir weiterhin tragen.

Rayhan war nicht mehr auf das nächtliche Zwischenspiel zurückgekommen. Allerdings ließ er sich mein Bettlaken geben, bildete in der Mitte einen Zipfel und schnitt diesen einfach ab. Die Erinnerung ließ meine Nippel augenblicklich hart werden. Er stülpte mir den Stoff über den Kopf, zog seinen Gürtel, der um einiges zu lang war, aus der Hose und band ihn mir fest um die Taille.
Ein langer Blick in meine Augen, ein spannungsgeladener Moment, bevor er den Gurt noch einmal enger zog. Danach überließ er mich wieder unseren Bewachern.

An diesem Abend nächtigten wir zwischen gelblichen, wie Baumkuchen gemaserten Felsen. Ein weiteres Mal schales Wasser und der vergebliche Versuch zu schlafen. Auch dieses Mal kein Essen für uns. Wir hatten, die Nacht der Entführung mit gerechnet seit drei Tagen nichts mehr zwischen die Zähne bekommen. Was unsere Entführer nicht davon abhielt vor unseren hungrigen Augen zu tafeln.

Auch in dieser Nacht änderte sich an der Aufteilung der Gefangenen nichts. Einige Männer schoben abwechselnd Wache, die anderen legten sich zum Schlafen zwischen uns. Der Anführer blieb mir weiterhin erhalten, verhielt sich dieses Mal aber ruhig.

Klaus ging es inzwischen wieder besser. Immer noch leicht gebückt, schien er doch kaum noch Schmerzen zu haben. Dafür kümmerte sich Herbert rührend um ihn. Das Verhältnis der beiden zueinander, schienen sich mehr und mehr zu festigen. Denn als sich Haitham näherte, der kleine, dicke, den wir Mr. Zylinder tauften, trat er furchtlos dazwischen.

Da wir erst nach und nach die Namen unserer Geiselnehmer erfuhren, hatten wir ihnen, um sie unterscheiden zu können, verschiedene Spitznamen gegeben, nachdem wir wieder mit einander reden durften. Said zum Beispiel, einen kleinen, mageren Kerl, der sich beständig nervös umsah und sein Gewehr wie das Sehrohr eines U-Bootes vor sich her trug, tauften wir Erdmännchen.

Seinem Spitznamen entsprechen, war er ständig in Bewegung, als befürchtete er im nächsten Moment eine Katastrophe. Misstrauisch behielt er uns ständig im Auge.

Über den Sinn und Zweck unserer Entführung befanden wir uns weiterhin im Unklaren. Dafür glichen wir den Geiselnehmern optisch immer mehr. Wir sahen inzwischen genau so schmuddelig und verdreckt aus wie unsere Bewacher. Unsere Kleidung bestand nur noch aus von Schweißflecken durchzogenen gelb-grauen Fetzen. Wir stanken und ich glaube, jeder von uns hätte gemordet für ein Bad.
 

 

Bewertung

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Kommentare

nicht aufklappend in der Hosentasche:

- spannend aufgebaut

- gut be- und geschrieben

- die Liste der Mängel ist die gleiche wie in Teil 1

Bedeutet:

- 5 Sternchen

- vermutlich demnächst einmal langgezogene Ohren oder zwei bis drei Klapse auf den Allerwertesten

- und ein Lächeln als Entschädigung dafür

ich hatte mal das Vergneuegen mit einer Gruppe Touboufrauen in einem der Ounianga Lacs zu baden. Achtung: die Brauete sind bewaffnet! Sie tragen einen Dolch. Uebrigenss tragen geschiedene Frauen 2 Dolche. Die Scheidung wird aber nicht mit dem Dolch gemacht. Kostet nur 10.000CFA. 656 CFA=1 Euro. Also erschwinglich. LG&weiter so

Die Gedankengänge der Protagonistin bleiben mir ein Rätsel. Bei einem derartigen Entführungsszenario sollte man eigentlich immer Angst haben, deshalb halte ich „grinsen“ für einen unangemessenen Begriff.

Panik. ‘Gleich bin ich tot.’

Tot stellen! Bei dem Gedanke musste ich spontan grinsen,

Der Hochdruck, unter dem ich gestanden hatte, ließ nach.

Die Anspannung wich mir aus dem Leib.

 

Ach, was hat er dir denn versprochen? Etwas das:

... zog dann mit dem Messer quer über den Bauch von Hüfte zu Hüfte eine Linie, die sich zu einem haarfeinen roten Streifen entwickelte, aus dem einige wenige Tropfen hervor quollen.

Mir ist schon klar, was du ausdrücken willst, aber die Intension zu einer masochistischen Erwartungsfreude kann unter Todesangst aber nur schwer nachvollzogen werden. Mit Erklärungen: „Keine Angst, wir werden euch nichts tun! Es gibt nur einen Plan, es geht um ...“, wäre zumindest ein wenig Plausibilität in den Ablauf gekommen.

Es war das Grauen pur.

Die Erinnerung ließ meine Nippel augenblicklich hart werden

Wieso das? Grauen pur, Messerritzer in der Haut, blutend, und dann noch

schmuddelig und verdreckt ... wie unsere Bewacher

Meine Liebe, das sieht aber nach einer schlimmen Infektion aus. Wirkliche Wüstenbewohner kennen die Gefahren von Verletzungen und setzen sich oder andere niemals unbegründet solchen Gefahren aus.

Nun ja, ist ja auch nur eine fiktive Geschichte!

Mit deinen Sätzen, den vielen bildhaften Adjektiven dazu, schaffst du es, eine relativ stimmige „Entführungshölenathmosphäre“ aufzubauen, da passen dann solche Widersprüche nicht in das Gesamtbild.

 

Leider nervt zusätzlich dein Drang, unvollständige Sätze zu benutzen. Das kann man machen, wenn es der Stimmung dienlich ist, Eile, Hast, Emotionen beschreiben.

Einzige Lebensäußerung die regelmäßigen Atemzüge.

Also warum ich?

Nicht von mir.

Auch dieses Mal kein Essen für uns.

 

An den Stellen ist das eher störend.

Ja, ich bin ein Kl ..., aber eine Frage wird mit einem Fragezeichen abgeschlossen!

So, das war jetzt zwar Meckern, aber das recht hohe Niveau wird ja auch dank Tonys Klapse noch steigen.

Fünf sollten es allemal werden!

In reply to by Jo Phantasie

Ich klink mich hier mal ein und stelle einmal etwas übergeordneter die Frage: Was wollen deine Figuren?

Hat deine Protagonistin nur Angst und will aus der Situation entkommen? Dann kann sie wirklich nicht grinsen. Oder ist sie in Punkto "männliches Interesse" doch mit den Jahren eher vernachlässigt worden, so dass sie sich dem "glutäugigen Wüstensohn" nicht so ganz entziehen kann?

Steht Rayhan auf ältere Damen oder ist er vielleicht noch Jungfrau, weil jede normale Frau einen durchgeknallten Typen wie ihn links liegen lässt, so dass er nun eine Chance sieht?

Natürlich musst, sollst und darfst du mir das nicht auf den ersten Seiten dieser Geschichte erzählen, aber du solltest es wissen, damit deine Figuren entsprechend agieren und ich bin mir nicht sicher, ob du es weißt.

Ach ja: Bei der Beziehung von Geisel und Geiselnehmer drängt sich natürlich auch eine Recherche beim Stockholm-Syndrom auf. Könnte für die Story etwas hergeben.

Myka Night

Liebe Raale,

seit dem Frühjahr warte ich auf eine Fortsetzung um die entführte 'Rentnergang'.
Bitte bitte schreib weiter!
Da ich ein grosser Fan von Helen Mirren, John Malcovic, Judi Dench und vielen 'alten' Schauspielern bin, fand ich deine Protagonisten sehr witzig und ansprechend, ich würde gerne wissen wie es weitergeht...

VLG, nachthimmel