Freiflug nach Sub Heaven oder ... Teil 1

... oder

Ein Engel lernt fliegen

 

Check in

 Seit fast anderthalb Jahren herrschte im ehelichen Schlafzimmer absolute Flaute. Alle Versuche den lieben Göttergatten zu motivieren scheiterten. Welche Versuche? Von den stundenlangen Gesprächen mal abgesehen, in denen sie versuchte ihn zu einem Arztbesuch zu überreden, legte sie einen Megageilen Strip hin. Stell dir doch einmal vor, du liegst des Abends im Bett. Die Schlafzimmertür öffnet sich. Das Flurlicht geht  an und du hörst die Musik. Die rauchige Stimme Joe Cocker´s erklingt. Natürlich trällert er „You can leave your hat on.“

Erst nur ein Arm. Dann siehst du sie wie sie sich lasziv in den Rahmen der Tür bewegt und langsam und aufreizend ihre Hüllen fallen lässt. Gaaaaaaaaanz langsam natürlich, fällt ein Kleidungsstück nach dem anderen. Am Ende des Liedes steht sie nur mit ihren halterlosen und den High Heels bekleidet, aber ansonsten hüllenlos am Türrahmen angelehnt. Schaut dich verliebt und verlangend an. Du siehst sie an. Schaust in ihre großen blau-grauen Augen. Doch im Grunde genommen nimmst du sie nicht wahr. Siehst nicht ihre wohl geformte schlanke Figur mit diesem herrlichen Busen der dich mit seinen spitzbübisch gespitzten Nippeln förmlich anlächelt. Nein, was machst du?

Du drehst dich zur Seite und schließt die Augen.

Ziemlich frustrierend das Ganze. Zumal sie mehr als einmal aus dem ehelichen Bett geworfen wurde, weil der Gute es Vorzog in Morpheus Armen zu ruhen anstatt in ihren.

 

Dann kam der entscheidende Tag der die Lösung des Problems brachte. Die Schulungsmaßnahme in Bochum war stinklangweilig. Die Revierzeitung musste als Ablenkung dienen. War die doch wesentlich interessanter als das was der langweilige Dozent da vorne brabbelte. Da fiel ihr Blick auf die Anzeige. Da war sie. Die Lösung ihres Problems! Geliebte gesucht. Eine ansprechende Annonce. Ihr ging ein Licht auf. Ein Lover musste her und ihre Nöte waren Vergangenheit.

 Ein erstes Treffen und es war entschieden. Frank war ok und taugte. Doch das warf wieder neue Probleme auf. Nicht immer konnte man die nette Kollegin in Anspruch nehmen. Äh. Nicht sie natürlich, aber ihre Wohnung. Denn der Gute war natürlich auch verheiratet. Aber auch dafür gab es eine Lösung. Sie nahm sich in der Nähe ihrer Arbeitsstelle eine kleine Zweitwohnung. Mit den gestiegenen Benzinpreisen und knapp 150 km Fahrstrecke am Tag war diese Maßnahme logisch gerechtfertigt. Wer mehr als hundert Kilometer täglich zurücklegt, weiß wovon ich spreche. So hatte sie während der Woche Zeit für ihren Geliebten und am Wochenende Entspannung und Erholung zuhause in ihrem Haus bei Ehemann und Kindern.

Doch damit nicht genug. Aus Neugierde meldete sie sich in einem Single Forum an. Sah sich um und warf sich der Meute zum Fraß vor. Oder war es nicht vielleicht andersrum? Eine heiße Anzeige inklusive Bild und das Postfach quoll über. Sie hatte die Wahl der Qual. Suchte sich nur die ansprechendsten Anschreiben raus. Nach nur wenigen Wochen hatte sie nunmehr  die Zahl ihrer Liebhaber auf vier erhöht. Was? Du denkst sie ist ein Nimmersatt? Nun ja, sie hat ja auch enormes Aufholbedürfnis und eine gierige Schnappmöse. Zudem war die Abwechslung, die sie so erfuhr einfach phänomenal. Frank, Zeitungsredakteur, intelligent, sehr gut im Bett und die Ausdauer war ok. Martin, Performance Künstler, irre kreativ im Bett mit sehr gutem Stehvermögen. Alleine der Striptease rückwärts war es wert. Was das ist? Er zog sich an. Jedoch auf die Art als wenn er Strippte. Es war Phänomenal. Dr. Tom, Creative Director, ein wahres Tier im Bett. Und dann war da noch Peter. Seufz. Sensibel und sehr gefühlvoll.

 Boarding Time – Bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein

 Und mit diesem Peter führte sie auch lange Gespräche. Er erzählte ihr von BDSM und weckte damit ihre Neugierde. Das Thema lies sie nicht mehr los. Wollte immer mehr darüber wissen und bohrte Peter mit ihren Fragen riesenhafte Krater in den Bauch. Wollte sie nicht schon immer, dass ihr Göttergatte sie beim Sex härter ran nahm? Sollte er nicht immer schon ihren Busen kräftiger anfassen? Was er natürlich nicht tat. Er wollte ihr ja nicht wehtun. Mist.

Was für eine verkehrte Welt. Denn genau das sollte er!

 Nun wollte sie es wissen. Probieren geht über Studieren. Ihr Entschluss stand fest. Bombensichergranatenfest. Denn wenn sie einmal einen Entschluss gefasst hatte, wurde er auch bis zum Ziel durchgeführt.  

Fasten your seat belts

 Hey, nicht so schnell. Leider war es nicht ganz so einfach. Nur nichts überstürzen, denn Peter wollte, dass sie sich sicher ist, was sie denn da tun wollte. So redete redete und redete er. Erklärte, fragte, sie antwortete. Klar, zwischendurch hatten sie auch Sex. Allerdings ganz normalen, jedoch war es immer super schön und überaus zärtlich. Normal? Nein, anders. Härter. Etwas härter angefasst zu werden war die schönste Liebkosung die sie bekommen konnte. Wenn Peter ihre langen rostbraunen Nippel zwischen Daumen und Zeigefinger verwöhnte. Sie erst zart streichelte um sie dann zusammen zu drücken, zu zwirbeln und in die Länge zu ziehen. Oder wenn er sie mit seinem großen Händen einfach nur kräftig durch knetete. Sicherlich schmerzte sie diese grobe Behandlung. Doch war das überhaupt Schmerz den sie empfand? Sie hatte das Gefühl das ihr Körper diesen Schmerz in Lust verwandelte. Kleine Wellen zogen durch Ihren Körper. Ließen ihn zucken und erbeben. Von oben angefangen verlief er in kleinen Wellen durch ihren Körper bis er an den Zehen abebbte. Er machte sie immer geiler und ließ sie förmlich auslaufen. In seinen Armen hatte sie immer das Gefühl hinweg zu schmelzen und immer kleiner zu werden.

 Dann kam der Tag der Tage. Ein Donnerstag. Der gute Peter hatte sich sogar um die Striemen gesorgt. Dürfte sie welche haben? Vielleicht würde ihr Mann sie ja Nackt zu sehen bekommen? Doch das war schon lange nicht mehr geschehen. Sie zerstreute seine Befürchtungen und Bedenken; wollte sich ganz vertrauensvoll in seine Hände begeben. Er sollte mit ihr machen, was er für richtig hielt. Nun war alles besprochen was es zu bereden gab. An diesem Tag duschte sie nach der Arbeit  ausgiebig. Besonders achtete sie auf ihre Rasur. Alles sollte schön weich und zart sein. Fast schon automatisch glitten ihre Finger zu ihrer kleinen Schnappmöse um ihren Kitzler zu reiben. Gehörte dieses doch zu ihrem Duschritual. Sie genoss es immer besonders sich von dem warmen Wasser berieseln zu lassen. Ihre Perle erst sanft, dann immer schneller reibend, laut stöhnend ihre eigenen Liebkosungen genießend. Das rieselnde Wasser das ihren Körper umhüllte gaben ihr das Gefühl als wären es keine einfachen ordinären Tropfen sondern hunderte sanft streichelnde Hände, die sie verwöhnten. Doch PFUI! Nicht heute. Nichts sollte sie entspannen. Heute sollte sie nicht in luftige Höhen und zwischen bunten kräftigen Farben einem Rausch gleich, entgleiten. Sie würde warten. Auf den Abend, der ihr die ersehnte Erfüllung bringen würde.

 Nun war sie bereit und wartete. Sie sollte eine SMS bekommen in der weitere Anweisungen stehen würden. Das hatte Peter ihr am Mittag noch telefonisch bestätigt. Er hatte natürlich noch einmal angerufen um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Seine Fürsorge fand sie sehr süß. Wenngleich doch ein wenig übertrieben. Aber süß.

 Sie wurde immer ungeduldiger. Obwohl sie ja noch fahren musste, entschied sie sich für ein Glas Sekt. Hmmm. Nun lag sie auf ihrer Chaiselongue. In der einen Hand ihr Glas haltend, ab und an in kleinen Schlückchen ihren Sekt genießend und in der anderen ihre brennende Zigarette. Vor sich ihr Handy. Ungeduldig starrte sie es immer wieder an.

 Ready for Takeoff – Wir haben Starterlaubnis

 War der Akku leer? Nein, das Display leuchtete. Noch eine Zigarette. Was mochte wohl in der SMS stehen? Was würde ihr Peter schreiben? Wie würde seine Order aussehen? Wäre sie in der Lage, diese auch zu befolgen?

Gedanken über Gedanken überschlugen sich in ihrem blonden Köpfchen. Da, endlich. Sie haben eine Nachricht!!! Wurde auch langsam Zeit, denn mittlerweile war es 17:30 Uhr.

Eilig öffnete sie die Nachricht und las:

 Du darfst Halterlose und High Heels anziehen.

Dann ziehst du einen Mantel deiner Wahl an und machst dich auf den Weg. Ich erwarte dich Punkt 19 Uhr bei mir. Vor meiner Wohnungstüre ziehst du deinen Mantel aus und legst ihn auf den Boden. Leg die Augenbinde an und klopfe  an die Tür.

 Oje. Ob er sich vertan hatte? Nein, nicht Peter. Der wusste doch was er tat. Aber das würde ja bedeuten … Aber dann wäre sie ja nackt! Naja, so gut wie. Der Mantel! Doch welchen nehmen? Den fast knöchellangen? Geht nicht. Ist ja ein Wintermantel. Mitten im Sommer bei strahlend blauem Himmel mit eitlem Sonnenschein mutet allerdings jeder Mantel seltsam an überlegte sie sich. Ihre Wahl fiel dann auf ihren knapp knielangen kleinen schwarzen Sommermantel. Halterlose trug sie schon. Schnell in die Heels geschlüpft und ab. Stopp. Schnell noch nen Kaffee für unterwegs gegriffen. Im Auto kam sie erst wieder zur Besinnung und sah an sich herunter. Huch. Der Mantel! Er klaffte zwischen ihren Schenkeln auseinander und zeigte verbotene Einblicke. Der spitzengesäumte Abschluss der Halterlosen war da noch der dezenteste. Ein wenig zerren hier, ein wenig dort. Naja, ging so gerade eben. Noch ein Blick auf die Uhr. Oh, Schreck. Nichts wie Gas. War ja klar. Immer wenn man in Eile ist, sind alle Ampeln auf Rot geschaltet. Hey, warum guckt der Typ rechts von mir so komisch zu mir rüber? Ob er was sieht? Nee, kann ja nicht. Oder doch? Warum fuhr sie auch offen? Ihr Cabrio bot einfach zu viel Einblick. Er lag zu flach auf der Straße. Ein schneller Blick zwischen ihre Beine. Noch ein wenig am Mantel zupfen. Ach was soll’s, hier kennt dich kaum einer und gleich biste auf der Bahn. Dann aber das Gas durchtreten und Gummi geben.

Was sie wohl erwarten würde? Ein wohliger Schauer lief ihr über den Rücken. Sie merkte wie ihre Schnappmöse immer feuchter und sie immer geiler wurde. O nein, nun blockierte so ein doofer Grachtenkacker auch noch die linke Spur. Los, weg da. Mach die Bahn frei! Na, geht doch. Sie wollte doch pünktlich sein und Peter nicht verärgern. Obwohl er sicher Verständnis haben würde. Oder hätte er nicht? Hmmm. Heute müsste sie wohl mit allem rechnen. Aber das wollte sie ja. Sie hatte sich darauf eingelassen und würde es nun auch zu Ende bringen. Ob sie vielleicht…? Nein, geht doch nicht. Oder doch? Bei Tempo 200 auf der Bahn? In Gedanken las sie das Protokoll ihrer Todesursache. Junge Frau wurde durch ihren Orgasmus am Steuer abgelenkt und verursachte schweren Verkehrsunfall an deren Folgen sie verstarb. Oje. Nicht nur peinlich, auch noch tot. Nein, nein Fingerchen, ihr bleibt fein am Lenkrad. Puh.

Oh nein! Im Rückspiegel tauchte ein Streifenwagen auf. Nun gut, Gelegenheit kurz auf die rechte Spur zu ziehen und ihren Kaffee zu vernichten, bevor er ganz kalt wurde. Wie gut, das sie vorhin ihr Tempo drosseln musste. Aber was ist denn nun los? Hey, was wollen die denn? Die Jungs von der Trachtengruppe waren an ihr vorbei gezogen und hatten sich vor ihr wieder eingereiht. Nun leuchtete ihr eine rote Schrift aus dem Heckfenster des vor ihr fahrenden Polizeiwagens entgegen:

BITTE FOLGEN

 

Fortsetzung folgt

Bewertung

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Kommentare

*lach*

Sowas von wunderbar nachvollziehbar! Da kommen mir einige Dinge verdammt bekannt vor! *rotwerd* Gefällt mir richtig gut und ich freu mich auf die Fortsetzung.

Was bitte ist denn ein "Grachtenkacker"? Sowas wie ein holländischer Sesselfurzer??? :)

In reply to by Senara

... Kosename der Niederrheiner für ihre Niederländischen Nachbarn :-)

Lieben Dank Senara. Ebenfalls *rotwerd*. Doch wir sollten uns besser schnell wieder entfärben. Die Leute denken sonst noch, hier werden Tomaten angepflanzt. In der Fortsetzung wird übrigens die Reiseflughöhe erreicht, gelandet und der Pilot bekommt Applaus. Soviel sei schon mal verraten ;-)

In reply to by Senara

Jederzeit wieder. Viel Spass!

Applaus ist Pflicht. Ehre, wem Ehre gebührt!

Darum bekommst du auch fünf Punkte, für sechs fehlt das gewisse etwas, dass nur diese Geschichte hat...

Aber wer weiß, vielleicht ist der nächste Teil so herausragend, dass ich im Nachhinein diesem Teil doch noch einen Punkt mehr zukommen lasse...

Aber eine Sache habe ich noch:

Es ist absolut erschreckend, wie sich dieser blöde Ausdruck "ok" etabliert hat, den es noch nicht einmal gibt! Das Wort heißt immer noch "okay", eine Abkürzung sieht der Duden nur in der Form "o.k." vor, die jedoch in Geschichten absolut verpönt ist, legt man die Vielzahl der modernen Werke zugrunde. Darum bitte, wenn es schon dieses blöde anglizistische Wort sein muss, dann wenigstens in seiner richtigen, ungekürzten Version...

Da begibt man sich mal für ein paar Tage in Urlaub/Schreibklausur und verpasst beinahe diese helemaal lekkere Story! Leuk, krachtig, pittig werden das sogar alle Grachtenkacker finden. Vielen Dank. Vielleicht finde ich bei meiner nächsten Rückkehr wieder so einen feinen Text vor, hm? Wär' schön.  

diese verdammte Maus klackte einfach bei 4 Sternen aber ich habs geändert und dann 5 gegeben. Man kann gespannt sein, was bei Bitte folgen, passieren wird. Also ich bin es auf alle Fälle und wie ihr Flug endet. Lass uns nicht zu lange warten, bitte :O)

jetzt passiert ihr genau das, an was der Protagonist in meiner Geschichte noch nicht mal zu Denken wagte: eine Polizeikontrolle. sehr schöner Spannungsaufbau zum Ende des 1. Teils.

Die Geschichte klingt ziemlich authentisch, ist lebendig erzählt - nicht alles nur erfunden...? Positive Bewertung.

LG

neutrum

Genial geschrieben. Frage mich wo Du die Ruhe her nimmst, beim schreiben an so viele kleine Nebensächlichkeiten zu denken. Das mit dem vor der Tür stehen hab ich mal bis ins kleinste Detail genauso in einer Geschichte geschrieben, und jetzt muss ich es tatsächlich ändern, damit es nicht heißt, ich habe abgeschrieben. das erwähne ich jetzt, um zu sagen, wie gut mir Dein Geschmack gefällt. Auch das mit der Autobahn hab ich in einer Geschichte. Wenn es ein Polizist und eine Polizistin sind, muss ich glatt mal nachsehen, ob mein USB Stick noch da ist. Obwoh noch gar nichts passiert ist, arbeitet das Kopfkino schon gut, und ich finde es super, wie schnell Du einen rahmen geschaffen hast. Trotz der Kürze des Teils (ich mag das), viel geschrieben. Es gibt ja noch nicht viel zu bewerten, aber für den lockeren Schreibstil und der unauffälligen Geschwindigkeit, von mir auf jeden Fall sechs Sternchen.

... hat sich eine butterweiche Landung verdient und ich hoffe, die Protagonistin bekommt in Subbien eine längere Aufenthaltsgenehmigung. Ein schöner Auftakt.