Hempfield Manor (27)

 

Teil 27

Wir hasteten durch die dunkeln Straßen Oxfords, April und ich, während ein schwerer Novemberregen auf uns niederprasselte. Ich hielt den großen, schwarzen Regenschirm und April kauerte sich so dicht an mich, wie sie nur konnte. So erreichten wir die kleine Nebenstraße in dem wir den Club Débauchevermuteten und wir fanden erstmal… Nichts.

Die raugepflasterte Straße war außer uns menschenleer und von beiden gähnten uns grau-schwarze unwirtliche dreistöckige Betonriesen an. Ratlos sah ich mich um und zählte auf der linken Seite das dritte Haus ab. Nach Megs Beschreibung musste es dieses Haus sein. In diesem Moment schwang der endnovemberliche Regen in einen harten Hagelschauer um. April und ich hetzten so schnell wir konnten auf das Haus zu. Ich hatte mich nicht verzählt, denn als wir noch etwa drei Meter von der schweren Haustür entfernt waren, öffnete sich diese. Zum Vorschein kam ein Riese von einem Mensch. Er war muskulös und hatte kein einziges Haar mehr auf seinem Kopf und strahlte eine ruhige Autorität aus. Wir traten in eine Art dunkle Lobby, die außer uns menschenleer war. Verwirrt sah ich mich um. Hier sollte doch so eine Art Party starten. Er begrüßte uns. „Guten Abend Sir Thomas!“, er wandte sich an meine Begleiterin, „Guten Abend Miss April!“, dann stellte er sich vor: „Willkommen im Club Débauche! Ich bin Graham.“

Der Riese sprach weiter. „Sie sind heute als Gäste zu unserem „freien Abend“ geladen. Als Gäste bitten wir Sie nicht an den Sessionen teil zu nehmen, sondern diese nur zu beobachten.“ Ich nickte. Hatte ich in Aprils Blick so etwas wie Enttäuschung erkannt? „Die Sessionen sind imstande eher sanfte Gemüter abzuschrecken und zu traumatisieren. Wenn Sie feststellen, dass Ihnen die Aktivitäten hier im Club Débauchenicht zusagen, können Sie jederzeit gehen.“, dann fügte er mit einem verschwörerisch, schelmischen Lächeln hinzu: „Ich glaube aber kaum, dass die Sessionen an diesem Abend den Übersetzern der „Geschichte der O“ schockieren könnte.“ Ich erwiderte sein Lächeln. „Zu Diskretion der Gäste und natürlich Ihrer eigenen Diskretion, erwarten wir von Ihnen die bindende schriftliche Zusage, in der Öffentlichkeit, auch unter Mitgliedern, stillschweigen darüber zu bewahren welche hoch angesehene Figur des Gesellschaftlichen Lebens sie bei welcher Aktivität beobachtet haben. Was im Club Débauche geschieht, bleibt im Club Débauche.“ „Das ist uns nur recht.“, entgegnete ich freundlich. Der Riese lächelte und hielt uns je ein Formular hin, dass wir beide anstandslos unterschrieben.

Graham öffnete für uns eine Tür und wir stiegen eine lange, steile und schmucklose aus Beton gegossene Treppe hinab. Als wir endlich unten angekommen waren, stellte ich fest, dass sich mein Eindruck bestätigt hatte, dass wir uns in einem der alten, nach dem kriege unnützen Luftschutzkellern befanden, den die Clubinhaber für ihre Zwecke umgebaut hatten. Als wir uns am Fuße der Treppe orientierten, kam uns auch schon Megs entgegen der uns enthusiastisch begrüßte. Er führte uns zu einem kleinen Podium, wo später „die Show“ stattfinden würde und führte uns in einem fort plappernd in die Geheimnisse dieses seltsamen Clubs ein. Er tat dies in einer solchen Geschwindigkeit, dass ich ihm kaum folgen konnte. Aus seinem Redeschwall konnte ich aber immerhin schließen, dass beileibe nicht Jedermann in den Club aufgenommen wurde, ganz zu schweigen davon Vollmitglied oder „Expertenstatus“ zu erreichen ganz davon zu schweigen, dass es bislang nur drei Mitglieder im „Meisterrang“ gab. Ich bemerkte amüsiert, dass es selbst in den wildesten englischen Clubs eine deutlich herausgearbeitete Hierarchie gab. Megs lächelte, ob meiner Bemerkung und entgegnete, „Und diese Hierarchie ist auch bitter nötig. Die Kunst die wir hier unten Betreiben kann durch die verkehrte Person ausgeübt hochgefährlich sein. Niemand will doch seine Untergebenen an blutige Anfänger ausleihen, oder?“ Megs Augen bekamen einen leicht wehmütigen Zug, als wisse er genau wovon er redete. Auch mir leuchtete diese Ansicht ein.

Mehr und mehr Menschen gesellten sich zu uns auf den Platz vor dem schwarzen Podium. Ich erkannte eine Vielzahl hochangesehener Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens Oxfords, ließ mir aber nichts anmerken. Auch sie mussten mich längst erkannt haben, aber niemand kam auf mich zu, was mir nur recht war. Megs erklärte mir, dass offene Abende im Abstand von zwei Monaten gehalten wurden und dass jeweils sechs Personen die Chance bekamen eingeführt zu werden. Es war nicht besonders schwer die anderen Gäste zu identifizieren, weil sich die Mitglieder scheinbar an einen unausgesprochenen Dresscode hielten. Die „Sklaven“ beiderlei Geschlechts waren ob ihrer freizügigen Bekleidung und eines Halsbandes leicht zu erkennen. Die „Herren“ beiderlei Geschlechts trugen vornehmlich dunkle Kleidung. Ich fragte mich, warum dies so war. Als ich meinen Blick von einem Gast auf den nächsten wanderte, fiel mir eine zierliche blondgelockte Schönheit auf, die in Begleitung ihres Partners diesem „freien Abend“ beiwohnte. Ich konnte meinen Blick kaum von der Kleinen abwenden, was Megs natürlich sofort gemerkt hatte. Er grinste mich anzüglich an. „Ich verstehe… welcher Mann würde so einen Engel nicht durchficken wollen?“ Ich hätte das zwar etwas vornehmer ausdrücken wollen, konnte ihm aber nicht widersprechen. „Achte auf die Kleine! Ich habe für sie eine kleine Überraschung vorbereitet!“, ließ er mich verschwörerisch grinsend wissen. Ich war jedenfalls gespannt.

In diesem Moment trat eine kleine, geradezu fragil aussehende Schwarzhaarige auf die Bühne. Während die Dame auf der Bühne um Ruhe bat und die Anwesenden begrüßte, flüsterte mir Megs ins Ohr, dass dies Lady Eliza sei. Ihr gehörten dieser Club und ihr gehörte Graham. Ich konnte das kaum glauben. Graham konnte diesem schwachen Wesen auf dem Podium mit einer Hand das Rückgrat brechen. Megs gluckste vor sich hin. „Sieh dich vor! In diesem Zwerg von einer Frau, steckt mehr als du dir vorstellen kannst.“ Ich blieb skeptisch. Lady Eliza kündigte eine kleine Show an. Im Anschluss waren alle Anwenden frei sich im Gewölbe zu vergnügen. Sie erinnerte die Mitglieder noch einmal daran, dass heute keine privaten – also nur öffentliche Aktivitäten zugelassen waren und uns Gäste daran, dass wir frei waren zuzuschauen, aber keinesfalls partizipieren durften. Megs flüsterte mir ins Ohr, dass eins seiner Mädchen die Show bestreiten würde. „Eins deiner Mädchen?“ fragte ich verwundert. „Na auf einem Bein kann man nicht stehen…“, meinte er mit einem schelmischen Lächeln. „… und auf Zweien eigentlich auf nicht!“, fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu. In diesem Moment trat Graham auf die Bühne, hastig flüsterte mir Megs zu ich solle auf die Blonde im Publikum achten, Graham führte eine Sklavin am Ring in ihrerm schwarzen Halsband auf die Bühne und stellte sie mit dem Gesicht zum Publikum, sodass jeder die Schönheit dieses holden Wesens bewundern konnte. Die Blonde im Publikum bekam große Augen und sah aus als habe sie einen Geist gesehen. Ich sah zu der Sklavin auf der Bühne hinüber und mir wurde schlagartig klar, warum die Blonde im Publikum reglos und mit offenem Mund und großen auf das Podium starrte. Die Sklavon auf dem Podium war ebenso blond, ebenso zierlich und überhaupt der anderen Blonden wie aus dem Gesicht geschnitten.

„Es ist ihre Schwester.“, sagte Megs unnötigerweise. Er hatte ein boshaftes Grinsen aufgelegt. Warte bis Suzie, so hieß seine Sklavin wohl, ihre Schwester bemerkt. Und tatsächlich ging wenige Sekunden später ein Ruck durch die Sklavin als sie ihre total geschockte Schwester im Publikum bemerkte. Graham musste den aufkeimenden Widerstand in seiner Untergebenen gespürt haben und vernichtete diesen durch einen scharfen Ruck am Ring ihres Halsbandes gleich wieder. Mit einem teuflischen Grinsen sagte Megs in einem Ton, der vor falscher Unschuld nur so triefte. „Ich muss wohl vergessen haben meiner Sklavin mit zu teilen, dass ich ihre Schwester eingeladen habe.“

„Oh Megs. Du Teufel!“, rief ich anerkennend.

 

Der Countdown zum großen Staffelfinale läuft unerbittlich weiter! Seit dieser Woche weicht die Hintergrundbeschreibung mehr und mehr dem BDSM-Teil der Geschichte. Bitte lasst mich wissen, ob euch diese Entwicklung gefällt. Achja... und bleibt dran!

Hempfield Manor ist eine Fortsetzungsgeschichte in Form von Kurzepisoden (600-1000 Wörter) die drei Mal wöchentlich am Montag, Mittwoch und Freitag exklusiv auf www.bdsm-geschichten.net erscheint.

Die nächste Kurzepisode erscheint am Montag, den 25. August - ich übernehme keine Gewähr bezüglich des  Zeitpunktes ihrer Freigabe.

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Kommentare

Mir gefällt die Entwicklung hin zu mehr BDSM sehr gut und bin gespannt was uns sowohl in dieser illustren Familie wie auch in der netten englischen Society noch alles erwartet ......

Interessant ist wohl vor allem auch wie die Mutter ihre vorhandenen Triebe weiter auslebt .

In reply to by frosch68

Ich habe beschlossen, dass ich die Familieninterne Aspekte im Kader der Weihnachtsfeier aufgreifen werde.

Jetzt machen Sir Thomas und April in irre schnellem Tempo jede Menge sehr intensiver Erfahrungen durch. Natürlich hat er dabei ganz andere Dinge im Kopf als das Verhältnis zu seiner Mutter zu reflektieren.

Alles zu seiner Zeit.