Hempfield Manor (05)

Hempfield Manor 

Teil 5

„Es geht um Mister Clarence, den Sollicitor. Sie müssen wissen, dass ich ihrer Frau Mutter nur dann zu Willen sein muss, wenn eine ganze Reihe von Persönlichkeiten aus dem Dorf ähhhh… unabkömmlich sind.“, versuchte mir Mister Osbourne deutlich zu machen.

„Klartext! Von wem reden wir hier?“, setzte ich nach. Es war spät und ich spürte wie mit zunehmender Müdigkeit meine Konzentration nachließ. „ Es geht um Mister Hill, Mister Hollister, Mister Hastings, Mister York, Mister French oder Mister Hetfield… und Mister Clarence.“

Ich pfiff durch die Zähne. Das war die Crème de la Crème es handelte sich unter anderem um den Bürgermeister, den Gemeindesekretär, den lokalen Arzt, den Apotheker, den Leiter der lokalen Bank, den Tierarzt den Inhaber des größten Ladens den Inhaber des größten Hotels der Gegend und eben um den lokalen Sollicitor. Im Grunde genommen klangen diese Namen, wie eine Mitgliederliste des lokalen Rotary Clubs. Ungläubig fragte ich Mister Osbourne, ob er sich sicher war. „Ja Sir Thomas.“ „Wären Sie bereit dies zu beschwören?“ „Natürlich Sir Thomas“ „Gut. Wir treffen uns um 14 Uhr bei Mister Clarence!“ Ich ließ den Wildhüter in seiner Verblüffung zurück.

Mister Osbourne wartete wie Versprochen vor der Tür des Anwalts auf mich. Wir begrüßten uns unserem jeweiligen Stand entsprechend und wir gingen hinauf zu Mister Clarence. Mister Clarence war die Freundlichkeit in Person und bat uns an seinem edlen Schreibtisch Platz zu nehmen. Im hinteren Teil des Raumes saß Grace, seine Stenographin „Wie kann ich ihnen dienen, Mister Hempfield?“, „Mister Osbourne hier möchte gerne eine vereidigte Aussage aufzeichnen lassen, nicht wahr Mister Osbourne.“ Dieser nickte zögerlich.

Mister Osbourne, würden Sie uns bitte schildern was sie zwischen Ihnen und Catherine Lady Hempfield zuträgt. „Ja, Sir Thomas!“ Er setzte an und berichtete:

Im Grunde ist das Verhältnis zwischen mir und Lady Catherine einfach. Sie verlangt nach mir und ich gebe ihr wonach immer sie verlangt. Es hat immer mit einsperren und züchtigen zu tun. Das eine Mal wünscht sich Lady Catherine übers Knie gelegt zu werden wie eine unzüchtige Schülerin,…

Ich schrecke auf. „Habe ich das gerade richtig verstanden? Sie züchtigen Lady Catherine und nicht umgekehrt?“ Das verschlug mir glatt die Sprache. Ich brauchte ein paar Minuten um mich zu sammeln. Das hatte ich nicht erwartet und meine Gedanken rasten. Im Grunde genommen war das sogar noch besser. Das war skandalös peinlich genug, um die Oberhand gewinnen zu können. Die Frage war nur, ob ich mir bis zu meinem 25. Geburtstag, dem Tag der Tage an dem ich plante die Kontrolle zu übernehmen, eine Reputation aufbauen konnte, die mich so skrupellos erscheinen ließ, ich könne die Information tatsächlich gegen meine eigene Mutter verwenden.

Bevor ich Osbourne bedeutete weiter zu sprechen, gestattete ich mir einen Blick auf Mister Clarence, der sichtlich blasser geworden war.

Ja, das haben sie richtig begriffen. Sie drückt ihre liederlichen Wünsche aus und ich erfülle ihr diese dann. Ich habe keine andere Wahl als zu tun, was sie verlangt. Sie gibt mir Lohn und Brot und ein Dach über den Kopf, sie hat mich vollkommen in der Hand.

Wir treffen uns im alten Cottage und sie drückt mir einen Zettel in die Hand, auf dem genau steht, was sie sich wünscht. Da steht dann drauf „eine Stunde Pranger stehen und 20 Hiebe auf den Po. Ich schließe sie dann im Keller wie gewünscht ein und verabreiche ihr die 20 Hiebe, dann steige ich wieder hinauf und lese Zeitung und nach einer Stunde befreie ich Lady Catherine dann. Danach gehen wir und ich warte darauf, dass sie wieder nach mir schickt.

„Schickt Lady Catherine oft nach Ihnen, Mister Osbourne?“

Das ist ganz unterschiedlich. In manchen Wochen werde ich beinahe an jedem Tage gerufen, in manchen Wochen überhaupt nicht.

„Wie erklären Sie sich das?“, fragte ich und konnte zu meiner stillen Freude beobachten, wie Mister Clarence vergeblich versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Und Mister Osbourne erklärte lang und breit, dass er lediglich die Befehle Lady Catherines in die Tat umsetzte, sich diese aber ‚mehr’ wünschte, was er ihr nicht bieten konnte, selbst wenn er gewollt hätte.

Ich bin nun einmal ihr Untergebener, selbst die Illusion des Gegenteils hält nicht lange an. Lady Catherine wünscht Unterordnung, das können ihr nur Männer bieten, die ihr formal zumindest gleichgestellt sind.

„Wer sind diese Männer?“, Mister Clarence rutschte unruhig auf seinem Sessel herum.

Mister Hill, der Bürgermeister

Mister Hollister, der Gemeindesekretär

Mister Hastings, Der Arzt

Mister York, der Apotheker

Mister French, der Unternehmer

Mister Hetfield, der Hotelier

Eine Schweißperle rann die linke Wange des Notars hinunter, dann ließ Osbourne die Bombe platzen.

… und Mister Clarence.

 

Die Folgende Ausgabe erscheint am Freitag, den 4. Juli.

Ich übernehme keine Gewähr bezüglich des Zeitpunkts der Freigabe.

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