I think I even saw you come. – 01. Kapitel.

 

Liebe Leser und Leserinnen,

als allererstes möchte ich mich entschuldigen, dass ich so lang für eine Fortsetzung gebraucht habe, aber mir hat aus diversen Gründen die Motivation zum Weiterschreiben gefehlt. Zum einen waren da andere Projekte, die ich irgendwie auf die Beine stellen wollte, zum anderen hat mir die zündende Idee gefehlt und zu guter Letzt waren da private Umstände, die ich nicht näher erläutern möchte, aber die das Weiterschreiben schwierig gestaltet hätten, hätte ich mich dazu aufgerafft. Jetzt jedenfalls habe ich es aber geschafft und hoffe, dem ein oder anderen mit der Fortsetzung, die hoffentlich nicht die letzte bleibt, Freude zu bereiten und die lange Wartezeit wieder gut zu machen.

 

Für Kritik, Wünsche und Anregungen bin ich jeder Zeit offen und wünsche sie mir sogar – egal ob in Form eines Kommentars oder einer E-Mail (glitzer.ding@web.de).

 

Liebe Grüße und viel Vergnügen,

Glitzer.Ding.


 

„Aufwachen!“, bellt mich jemand an. „Aufwachen!“ ist das erste, das ich höre, nachdem ich endlich in die Bewusstlosigkeit abgerutscht war. „Aufwachen!“ ist das Wort, das mich zurückholt, die mir die wohlig warme Sicherheit, welche die Ohnmacht beinhaltet hat, wieder wegnimmt. Ich wache von diesem Wort nämlich tatsächlich auf. Leider ist aber immer noch alles wie vorher. Also ist das hier kein schlechter Traum. Der harte Untergrund, auf dem ich liege, der Ball in meinem Mund, die Fesseln an meinen Armen und Beinen, meine Nacktheit, die Nässe auf meinem Oberkörper, die brennende Stelle an meiner Oberschenkelinnenseite, meine Blindheit – alles ganz reale, bittere Realität. Auch die Stimme, seine Stimme ist Realität. Er war es nicht, der mich aus meiner Ohnmacht geholt hat. Er war es, der mir die wenigen Sekunden (Oder war es doch länger?) Ruhe geschenkt hat, indem er mir gezeigt hat, wer er ist. Ich kann es immer noch nicht fassen. Warum tut er mir das an?

Ich liebe ihn. Er weiß, dass ich ihn liebe. Ich habe es ihm doch immer gesagt, gezeigt, versucht immer alles für ihn zu tun. Warum zur Hölle quält er mich so? Und wer ist dieser andere Typ, der mich gerade angebrüllt hat, der mich zum zweiten Mal mehr oder weniger aufgeweckt hat? Ich kenne doch alle seine Freunde, oder? Eigentlich sind seine Freunde doch auch meine Freunde, oder? Ich dachte, dass wir alles geteilt haben. Ich dachte, dass er auch etwas für mich empfindet. Ich bereue plötzlich alles. Ich bereue, ihm hinterhergelaufen zu sein. Ich bereue, mich um ihn bemüht zu haben. Ich bereue, seine Freundin gewesen zu sein. Ich bereue, ihn geliebt zu haben, denn ich bin mir sicher, dass ich ihn jetzt nicht mehr liebe. Ich hätte nie gedacht, dass man sich so schnell entlieben kann. Ich hätte nie gedacht, dass das so einfach ohne Liebeskummer geht, aber jetzt weiß ich das. In mir ist gerade nämlich kein Fünkchen Liebeskummer. In mir sind nur Angst und Wut. Wut auf ihn, Wut auf meine Lage, Angst vor ihm, Angst vor dieser Situation, mit der ich nicht umgehen kann. Ich möchte wieder anfangen zu toben und zu schreien, tue es, versuche es zumindest, aber das mit dem Schreien ist schon mal unmöglich, denn das einzige, was dieser Ball oder dieser Knebel oder was-auch-immer-da-in-meinem-Mund-ist nicht zu. Das Ziehen und Zerren an meiner Fixierung bringt ähnlich viel wie bei den letzten beiden Versuchen. Nach wenigen Sekunden höre ich also wieder auf, lasse mich entmutigt auf den harten Untergrund fallen, gebe auf, hat doch sowieso alles keinen. Verdammte Scheiße nochmal. Und wieder laufen mir Tränen über die Wangen. Dieses Mal schluchze ich nicht. Ich lasse nur die Tränen fließen. Ich kann nicht mehr. Ich kann einfach nichts mehr. Ich will einfach nur noch weg. Egal wie. Egal wohin. Dafür würde ich alles tun, wirklich alles. Ich kann das aber natürlich niemandem sagen, weil ich nicht sprechen kann. Ich kann nicht sehen, nicht reden, mich nicht bewegen. Ich kann nichts mehr. Ich bin ihnen ausgeliefert und sie können alles mit mir machen, was sie mit mir machen wollen. Ich zittere. Ich bin nicht bereit, aber ich kann sowieso nichts daran ändern. Soll passieren, was passieren muss.

 

Und das tut es. Er fängt wieder an zu sprechen. Mit seiner samtigen Stimme, die ich früher am Telefon unbedingt zum Einschlafen gebraucht habe. „Hat Dich das jetzt erschreckt, Schönheit?“, fragt er und ich höre, dass er grinst. Am liebsten würde ich ihm das Grinsen aus dem Gesicht schlagen. Stattdessen schlägt er mir leicht auf die Wange. „Wie war das? War die erste Regel, die wir Dir gerade erklärt haben nicht, dass Du zu antworten hast, wenn Du etwas gefragt wirst?“, fragt er mich harsch. Ich selbst frage mich, ob er mich verarschen will. Wie soll ich antworten, wenn ich nicht sprechen kann? Wie soll ich sagen, dass ich mich tatsächlich erschreckt habe, wenn ich keinen einzigen Laut zwischen meinem Lippen hervorpressen kann, der in irgendeiner Form Sinn gibt? Und dann begreife ich. Nicken. Es ist so einfach. Ich brauche gar nicht sprechen. Außerdem muss ich dann weder ihn, noch den anderen mit „mein Herr“ ansprechen. Das ist sogar angenehmer. Also nicke ich. Denn er hatte mich natürlich erschreckt. Wer erwartet schon, dass sein eigener Partner so eine Scheiße mit einem abzieht? Ich jedenfalls nicht. Folglich war ich erschrocken und der Schrecken saß mir tief in den Knochen.

„Braves Mädchen.“, lobt er meine Antwort und tätschelt die Wange, die er gerade noch geschlagen hatte. Verbrennen hätter er sich an meiner schneeweißen Haut sollen. Das wäre ihm recht geschehen. Er hat kein Recht dazu mehr mich zu berühren. Ich will nicht, dass er mich berührt, aber irgendwie werde ich das dumpfe Gefühl nicht los, dass es sowieso niemanden interessiert, was ich will. Ich habe nichts mehr zu wollen. Ich bin ihnen ausgeliefert. Ich habe das doch gerade eingesehen? Warum wehre ich mich schon wieder? Warum finde ich mich nicht einfach ab? Weil ich dafür zu stolz bin. Vielleicht auch zu einfältig. Er hat früher in Streits immer zu mir gesagt, ich wäre einfältig. Bestimmt hätte er meinen Stolz jetzt auch als Einfalt verkauft. Ich weine noch mehr, während ich daran denke.

„Hör auf zu weinen.“, raunt er mir zu und unterbricht dabei meine Gedanken. „Du brauchst Deine Tränen auch für später. Außerdem machst Du damit nur den Stoff nass.“, fügt er hinzu und macht mir damit klar, dass ich nicht blind bin, sondern dass sich über meinen nur eine Augenbinde befindet. Einerseits ist das beruhigend und andererseits ärgert es mich nur noch mehr. Die beiden Männer, die sich frei bewegen und mich begaffen können, können auch noch darüber entscheiden, ob ich sehe oder nicht. Es gibt nichts, was sie nicht mit mir machen können. Sie entscheiden, ob und wie ich mich zu bewegen habe. Sie entscheiden, ob und was ich sehe. Sie entscheiden, ob und wie ich rede. Sie entscheiden, ob und was ich trinke. Und was ich esse. Das wird mir jetzt auch schlagartig klar. Es ist merkwürdig, dass man an solch banale Dinge erst so spät denkt. Außerdem fällt mir auf, dass sie mich, wenn sie es wollen würden, auch taub machen könnten. Dann wäre ich endgültig abgeschnitten von allem. Wieder kriecht in meinem Körper eine neue Welle der Panik nach oben, treibt mir eine neue Welle der Gänsehaut über den ganzen Körper, lässt mich erneut zittern.

Das bleibt nicht unbemerkt. Ich höre den anderen leise lachen und bin mir sicher, dass auch mein ehemaliger Partner grinst. Ich stelle mir die Grübchen um seine Mundwinkel vor und zittere noch mehr. „Wir wollen aber jetzt endlich anfangen.“, erklärt er just in diesem Moment und ich will nicht einmal wissen, womit wir anfangen wollen. Also will ich auch ganz sicher nicht damit anfangen. „Als erstes wird Dir Herr Kylian die Regeln Deines neuen Lebens erläutern. An Deiner Stelle würde ich sehr gut aufpassen, denn jede Missachtung dieser Regeln wird ab jetzt bestraft.“, erklärt mir Rafael, mein Ex-Freund, der sich endlich erhebt und seine Hand von neben meinem Kopf verschwinden lässt. Scheinbar verlässt er auch den Raum, denn irgendwie entfernen sich seine Schritte, bei denen ich mir sicher bin, dass er sich absichtlich nicht lautlos sein lässt, verdammt weit.

„Dann fangen wir endlich an.“, ertönt es dann aus der anderen Richtung. Die andere Stimme ist um einiges weniger samtig als die des Verräters, den ich hauptverantwortlich für meine Lage mache. „Immer wenn ich eine Regel erklärt habe, möchte ich, dass Du zur Bestätigung nickst.“, setzt er an und ich nicke sogar diesen einfach Satz ab. Scheinbar ist das, was von mir erwartet wird, denn ich werde nicht geschlagen. „Regel Nummer eins ist, dass Du nur zu reden hast, wenn Du dazu aufgefordert wirst. Dann jedoch darfst Du Dich nicht äußern.“, beginnt er also mir das Regelwerk beizubringen. Ich nicke. Es geht weiter. „Regel Nummer zwei ist, dass Du uns immer mit „mein Herr“ anzusprechen hast. Befinden wir uns beide im selben Raum, hast Du uns außerdem mit unseren Namen anzusprechen. Selbiges gilt für Fremde, die wir Dir als Herren vorstellen.“, geht es weiter. Ich nicke wieder, zucke aber bei dem Wort „Fremde“ deutlich zusammen. Ich möchte nicht noch mehr fremde Menschen um mich herum haben und ich möchte erst nicht noch jemanden mit „mein Herr“ ansprechen. Vor allem weil ich nicht einmal die beiden, die ich jetzt schon als „mein Herr ansprechen“ muss so nennen will. „Regel Nummer drei lautet, dass Du von jetzt an unsere Sklavin bist. Du hast Dich uns zu unterwerfen und allen unseren Befehlen Folge zu leisten.“, verkündet er mein Todesurteil. Ich nicke, weil ich keine andere Wahl habe. Ich zögere, weil ich das nicht wahrhaben will. Er schlägt mich, weil ich gezögert habe. Ich zucke zusammen, weil es schon wieder die gleiche Stelle an meinem Oberschenkel ist, die er geschlagen hat. „Regel Nummer vier ist, dass Du von jetzt an auf den Namen Holly hörst. Du bist also Sklavin Holly und hast Dich auch so vorzustellen, wenn Dich jemand nach Deinem Namen fragt.“, fährt er fort und dieses Mal nicke ich sofort, obwohl ich diese Regel ziemlich beschissen finde. Sie berauben mich all meiner Fähigkeiten, all meiner Rechte, all meiner Würde und jetzt auch noch meines Namens? Wieder fließen stumme Tränen über meine Wangen. Ich weiß keinen Ausweg. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich weiß nur, dass ich das sicher nicht aushalte. „Die fünfte Regel lautet, dass wir jede Missachtung unserer Regeln bestrafen können. Und ich schwöre Dir, Sklavin Holly, dass wir das auch tun werden.“, verkündet mir, lässt mich nicken, aber nicht einmal nachdenken, sondern fährt sofort fort: „Regel Nummer sechs besagt, dass wir jede andere Schandtat Deinerseits bestrafen können. Fluchtversuche, Selbstverletzungen, eigenständiges Erfüllen von sexuellem Verlangen und ähnliche Dinge werden wir sanktionieren.“. Ich nicke und frage mich, wie ich hier bitteschön sexuelles Verlangen entwickeln sollte. Und dann kam er zur letzten Regel und schritt dabei hinter mich. Also hinter meinen Kopf. „Die letzte und siebte Regel ist, dass Du, wenn wir Dir eine bestimmte Zahl sagen, die Position einzunehmen hast, die damit verbunden ist und die ich Dir jetzt beibringen werde.“, endet er und ich merke, dass er seine Hand in die Nähe meiner Hand legt. Was hat er vor? Macht er mich etwa los?

Nein. Er geht wieder weg. Ich höre die Tür klacken, er dreht einen Schlüssel um, zieht ihn ab. Wir sind eingesperrt. Falsch. Nur ich bin eingesperrt. Er kann sich ganz einfach aussperren, mich alleine lassen. Wenn er es nur täte. Tut er aber nicht. Ich höre ihn etwas kramen oder nehmen. Ich kann das Geräusch nicht genau identifizieren. Wenn ich doch nur etwas sehen würde.. Ich höre, dass er wieder zurückkommt, er beugt sich über mich. „Umso weniger Ärger Du mir machst, umso weniger muss ich Dir weh tun.“, raunt er mir zu, ehe er seine Hand wieder in die Nähe meiner Hand legt. Es klackt. Ich spüre, dass ich meine Hand bewegen kann, ehe ich es tue. Ich kann es kaum fassen, kann meine neugewonnene Freiheit, die eigentlich gar keine ist, weil ich schließlich meinen Arm eigentlich immer bewegen können sollte, nicht glauben. Ich hebe meinen Arm, ziehe ihn an meinen Körper, warte auf das nächste Klacken. Ich weiß, dass ich warten muss, bis ich mich wieder vollständig bewegen kann, ehe ich mich gegen ihn wehre. Es klackt noch einmal und ich ziehe meinen zweiten Arm an meinen Körper, lege ihn über meine Brust, lege die andere Hand über meine Scham. Eine sinnlose Handlung. Schließlich hatte der Kerl sowieso schon alles gesehen, was es an mir zu sehen gab. Ich fühle mich trotzdem ein wenig besser, um einiges würdevoller.

Kylian lacht leise ein dunkles Lachen. Er amüsiert sich über meine Pseudo-Schüchternheit. Das ärgert mich. Er wird schon sehen, was er davon hat. Ich tröste mich mit diesem Gedanken. Falls ich hier raus kommen würde, würden die beiden hier einige Jahre im Gefängnis sitzen. Da bin ich mir sicher. Mich an diesem Gedanken festhaltend warte ich bis es noch zwei Mal klickt. Meine Beine sind auch frei, ich ziehe sie nicht an meinen Körper, sondern drücke sie nur zusammen. Es ist eine Wohltat, wieder Kontrolle über sich selbst zu haben. Ich atme einmal tief durch und seufze glücklich. Als nächstes gewährt mir Kylian wieder zu sehen. Er nimmt mir die Augenbinde ab und sofort reiße ich die Augen weit auf, zwicke sie jedoch augenblicklich wieder zusammen. Ich bin geblendet von dem grellen Zimmerlicht. Es stammt von einer Neonröhre. Der Raum hat keine Fenster, die einzige Tür ist geschlossen und versperrt wie ich weiß. Kein Ausweg. Das überblicke ich in den ersten fünf Sekunden, nachdem ich meine Sehkraft zurückgewonnen habe. Also starre zu dem Mann, der mich gerade frei gemacht hat. Er steht hinter meinem Kopf, ist größer als ich , schätzungsweise 1,85 Meter. Er hat eiskalte, blaue Augen, erwidert meinen Blick, während er mir meinen Knebel abnimmt. Dazu öffnet er mit einer Hand eine Schnalle und nimmt ihn in diesselbe Hand wie die Augenbinde. Als er sich von mir entfernt, um beides auf einem kleinen Tischchen abzulegen, sehe ich, dass er seine zweite Hand nicht benutzt, weil er in dieser einen Stock festhält. Ich schlucke. Ich bin mir sicher, dass er nicht zögern wird, den Stock einzusetzen. Ich bleibe also liegen, schaue mich weiter um, sehe, dass das was meine Gliedmaßen fixiert hat, Stahlringe gewesen waren.

Als Kylian wieder zu mir zurückkehrt, fokussiere ich mich auf ihn. Er bleibt neben mir stehen, starrt mir in die Augen. „Als Sklavin hast Du nicht das Recht mir in die Augen zu sehen. Dein Blick hat stets unterwürfig zur Seite gerichtet zu sein. Es sei denn, ich bedeute Dir mit einem Griff an Dein Kinn etwas Anderes.“, bemerkt er ruhig und ich denke nicht daran, zur Seite zu sehen. „Hast Du das verstanden?“, fragt er deswegen sofort nach und ich weigere mich auch, etwas zu sagen. Schon höre ich ein Zischen durch die Luft und spüre wie sich der Stock auf meinem Oberschenkel anfühlt. Ich schreie leise auf, vertrage den Schmerz nicht, ziehe mein Bein an meinen Körper. „Antworte mir.“, fordert Kylian mich auf. Ich wimmere: „Ja-h, mein Herr.“ Mein Blick richtet sich auf mein Knie. Ich fixiere es, will nirgends anders hinsehen. „Streck Dein Bein aus.“, befielt er und ich wage es nicht, nicht zu gehorchen. Ich lege mein Bein wieder neben mein anderes. Ich drücke mein Knie durch, er fährt mit dem Rohrstock zwischen meine Beine, lässt ihn langsam hin und her schwingen, haut ihn leicht von innen gegen meine Schenkel. Ich interpretiere das so, als solle ich meine Beine spreizen. Ich tue es zögerlich. „Leg Deine Arme so hin wie sie vorher waren.“, fordert er und ich leiste der Forderung Folge, hebe meine Arme von meinem Körper, entblöße mich selbst und zittere wieder ein wenig. Ich starre vor mich hin ins Leere, starre dahin, wo mein Knie war und warte auf weitere Instruktionen. Das hier ist noch nicht schlimm. Er sieht nichts, was er nicht schon gesehen hätte. Ich vermeide nur Schmerzen. „Das ist Position 1.“, bemerkt er. Ich nicke verstehend. Es reicht ihm als Antwort.

„Streck' Deine Beine nach oben. Wie bei einer Kerze.“, ist seine nächste Anweisung. „Du darfst Deine Hände als Stütze verwenden.“, erlaubt er mir und ich tu das, wie es mir geheißen wird. „Das ist Position 2.“, lässt er mich wissen und ich nicke wieder. Fast sanft schlägt er mir mit dem Rohrstock in die Kniekehlen, meine Knie knicken ein, ziehen sich ein wenig an meinen Körper. „Beine spreizen, halte sie mit den Händen auseinander, damit ich Deine Vagina gut sehen kann.“, befielt er mir, während er um mich herum schreitet, und ich leiste dem wieder Folge, nehme diese obszöne Position ein, die er mir als Nummer drei verkauft. Dieses Mal nicke ich wieder, aber es reicht ihm nicht. Er holt aus, die Luft zerreißt förmlich als er sie mit dem Rohrstock zum wiederholten Mal zerschneidet. Als mich das Holz im Schritt trifft, reiße ich nicht nur die Beine zusammen, sondern schreie auch sehr laut auf. Ich kann die Schmerzen oder besser gesagt den Schmerz nicht beschreiben, denn er fühlt sich schlimmer an als alles, was ich bisher erlebt habe. „Ich habe Deine Antwort nicht gehört.“, erklärt er die Strafe und ich schlucke, ehe ich erwidere: „Ich habe die Position verstanden, mein Herr.“ Daraufhin klopft er mir mit dem Stock leicht an den Oberschenkel. Ich interpretiere das als Lob. „Das nächste Mal, hast Du den Schmerz auszuhalten und Deine Beine in der richtigen Position zu lassen.“, fügt er hinzu und ich spreize meine Beine langsam wieder. Sie zittern. Ich zittere. Ich habe Gänsehaut. Der Schmerz hallt nach. Mir laufen zum gefühlten tausendsten Mal Tränen über die Wangen. Er lässt sich zu einem leisen, gespielt mitleidigem „Ohhh.“ herab. Dafür möchte ihm mit seinem verdammten Rohrstock ins Gesicht schlagen, aber ich unterdrücke den Drang. Stattdessen warte ich auf den nächsten Befehl, aber er lässt sich Zeit, starrt mir vermutlich in den Schritt, der sich verdammt heiß anfühlt und vor lauter Schmerzen pocht.

Dann endlich nach gefühlten Stunden erlöst er mich und lässt verlauten: „Umdrehen, ganz flach auf den Bauch legen, Arme nach vorne ausstrecken und Beine zusammendrücken. Das ist Position vier.“ So schnell ich kann, lasse ich meine Beine sinken und drehe mich auf den Bauch. „Verstanden, mein Herr.“, lasse ich ihn wissen und verharre so, bis er mich wissen lässt: „Position fünf: Zeig mir Deinen Arsch, zieh' Deine Pobacken für mich auseinander, präsentier' ihn mir, drück' ihn nach oben.“ Ich tu, was er befiehlt, will gerade sagen, dass ich verstanden habe, da tritt er neben meinen Kopf, den ich zur Seite gelegt habe, packt meine Haare und dreht meinen Kopf so, dass sich meine Nase an das Holz presst, auf dem ich schon die ganze Zeit gelegen bin. Ich nuschle: „In Ordnung, Herr.“ und hoffe, dass er mich versteht, tut er scheinbar, denn er bestraft mich nicht. Beruhigend. Trotzdem lässt er mich, der ihre Kopfhaut brennt, weil er an ihren Haaren gerissen hat, für meinen Geschmack zu lange in dieser Position verharren. So lange, dass meine Nase schmerzt. Ich traue mich nicht, meinen Kopf ein wenig zu heben, um sie entlasten, sondern presse ihn weiterhin gegen mein nicht gerade weiches Bett. Ich habe Angst vor dem Rohrstock. So verdammt viel Angst.

Als nächstes schreitet er wieder an meine Seite und es geht weiter. „Position sechs: Stütz' Dich auf Deine Hände, knie Dich hin und lass Deine Schenkel offen.“, erklärt er. Ich tue, wie mir beschrieben wird. Doggy-Style. Etwas Bekanntes. Er mochte diese Position. Darauf habe ich mich bei Rafael eingelassen. Er mochte es, mich in den Hintern zu ficken, obwohl ich das nie leiden konnte. Es gibt mir nichts. Also Analsex gibt mir nichts, tut sogar immer noch ein kleines bisschen weg. Deswegen habe ich mich nur dazu breitschlagen lassen, wenn ich ihm besonders gefallen wollte, wenn ich ihm eine besondere Freude machen wollte. Bei dem Gedanken krallen sich meine Finger ein wenig in dem Holz fest. Sie krallen sich noch fester, als mir Herr Kylian mit der flachen Hand auf den Hinter schlägt. Es knallt und es schmerzt. Ich hasse Schläge. Ich hasse Schmerzen. Ich wünsche mir, ich würde aufwachen. Ich wünsche mir, dass das hier alles nur ein verdammt ekelhafter Alptraum ist. Jedoch wache ich nicht auf. Jedoch ist das kein Traum. In Träumen hat man keine Schmerzen. Man spürt sie nicht. Sie sind einfach nicht vorhanden. Ich lasse den Kopf hängen, meine Haare vor mein Gesicht fallen, verstecke mich hinter ihrem Schwarz. Scheinbar stört das niemanden. Das ist gut. Aber vielleicht wirkt das auch nur wie ein Nicken. Ich habe keine Ahnung. Ich will keine Ahnung haben.

Er lässt mich ein wenig so verharren, knetet meinen Hintern. Das ist mir wahnsinnig unangenehm. Ich stelle mir vor, wie ich wie ein Pferd ausschlage und ihn trete. Ich bin mir sicher, dass ich, wenn ich ihn gut treffen würde, trotzdem keine Chance hätte, hier rauszukommen und solange ich diese Möglichkeit nicht sehen kann, traue ich mich nichts zu tun. Ich habe zu viel Angst vor den Konsequenzen. Ich gestehe, ich bin ein Feigling. Eigentlich bin ich das nicht, aber wenn man mir für zwei nicht gesagte Worte schon derartige Schmerzen mit diesem blöden Rohrstock zufügte, womit muss ich dann rechnen, falls ich „meinen Herren“ ernsthaft zu verletzen versuchen würde? Ich traue mich nicht einmal, es mir auszumalen und habe auch keine Gelegenheit dazu.

„Steh auf und knie Dich hier auf den Boden.“, weist mich der Mann, an den ich gerade in meinen Gewaltfantasien gedacht habe an, und ich mache es. Ich steige von dem Holzgestell, das mehr an ein Podest, als an ein Bett erinnert wie ich jetzt sehe und knie mich davor. Herr Kylian steht direkt neben mir, entfernt sich aber, geht wieder zu dem Tischchen und holt – wie ich aus den Augenwinkeln sehe – Handschellen. „Hände an den Rücken, zusammendrücken!“, befielt er und schon lasse ich meine Hände an meinen Rücken wandern. Er drückt sie gegen meine Wirbelsäule, legt die Schellen darum, lässt sie zusammenklicken. Bei dem metallischen Geräusch zucke ich zusammen, ziehe sie ein wenig auseinander, nur um auszutesten, ob ich sie wirklich wieder nicht mehr benutzen kann. Ich kann es nicht. Ich will mich übergeben. Ich hasse es verdammte Scheiße nochmal. Warum kann man mir nicht einmal meine Bewegungsfreiheit lassen, wenn man mir sowieso nichts Anderes lässt? Ich weiß die Antwort schon, ehe ich die Frage zu Ende gedacht habe. Weil ich ihre Sklavin bin, weil ich Holly bin, weil ich keine Rechte mehr habe, weil sie alles mit mir machen können, was sie wollen.

Er stellt sich vor mir. Mein Kopf ist genau auf der Höhe seines Schrittes. Ich begreife die Position. Position sieben. Scheinbar die letzte. Er gibt mir keine neuen Befehle und irgendwie sagen die Handschellen doch auch alles, was ich wissen muss, oder? Ich schlucke, er öffnet seine Hose. Ich sehe, dass das Ganze hier an ihm nicht spurlos vorüber gegangen war. Sein Penis steht in seiner Unterhose, die er aber auch nach unten schiebt. Sein Glied springt mir entgegen und ich schlucke abermals. „Weißt Du, was Du zu tun hast, Sklavin Holly?“, fragt er mich und fasst mir ans Kinn. Ich blicke auf, starre in die blauen, erbarmungslosen Augen. Natürlich weiß ich, was ich zu tun habe. Ich bin immerhin kein kleines Kind. Das hier wäre nicht der erste Blowjob meines Lebens. Ich ekle mich. Ich will diesem Kerl nicht diese Freude bereiten. Sex muss für mich im Grunde etwas mit Liebe zu tun haben. Oder zumindest damit, dass ich mir aussuchen kann, mit wem ich Sex haben will. „Ich soll blasen, mein Herr.“, stelle ich trotzdem fest und erwidere seinen Blick. Liest er den Trotz aus meinem Blick? Wahrscheinlich, denn er legt den Rohrstock auf meinen Rücken, streichelt mir darüber, erinnert mich an meine Position. Wieder schlucke ich. Ich habe keine Wahl. Ich kann mich nicht widersetzen. „So ist es.“, gibt er zurück und sieht mich an. Ich warte ab, bis er „Fang an!“ blafft. Ist das sein Ernst? Das kann nicht sein Ernst sein? Ich will nicht einfach so an seinem Glied lutschen, deswegen frage ich unsicher: „Haben Sie nicht das Kondom vergessen, mein Herr?“

Dafür ernte ich zum einen einen leichten Klaps auf den Hinterkopf und einen Lacher. „Hast Du Sorge, dass Du mit Deinem Speichel meinen Penis beschmutzt, Du dummes Stück?“, fragt er mich und ich erkenne an dem Blick, den er mir zuwirft, dass es wirklich an der Zeit ist, ihm einen zu blasen. Es wird kein Kondom geben. Es wird keine Gnade geben. Er wird keine Milde walten lassen. Vorsichtig öffne ich meine Lippen, strecke meinen Kopf und beginne an seiner Eichel zu saugen, sie ein wenig mit der Zunge zu umspielen. Normalerweise würde ich meine Hand um den Schaft seines Ständers legen, den massieren, ein wenig rubbeln, aber meine Hände sind auf meinem Rücken und ich kann sie nicht verwenden. Ich habe meinen Blick auf seine Unterbauchdecke gerichtet, weshalb ich nicht sehe, dass der Gesichtsausdruck, mit dem er mich mustert immer wütender wird.

Umso überraschter bin ich, als er seine Hand auf meinem Hinterkopf versteift, mich gegen sich drückt und einen kleinen Schritt nach vorne geht. Dabei rammt er sein Gemächt in meinen Mund, ich bin nicht vorbereitet, würge, schlucke, versuche mich wegzudrücken, hilft aber nichts. Er presst mich nur noch fester gegen sich. „Wenn ich Dir befehle zu blasen, wünsche ich, dass Du tief bläst. Alles andere können kleine Mädchen mit pickligen Jünglingen machen.“, erklärt er mir und lässt nicht locker. Ich würge immer noch, atme panisch durch die Nase. Meine Augen werden wässrig, es laufen mir Tränen über die Wangen, ich beiße leicht in seinen Penis. Mein letzter Ausweg, ein folgenschwerer Fehler. Er reißt mich an den Haaren von sich runter, zieht mich auf die Beine und dreht mich um, schmeißt mich wieder auf mein Bett-Schrägstrich-Podest. Dieses Mal jedoch nur mit dem Oberkörper, drückt meinen Kopf fest und beginnt mich der anderen Hand, in der er den Rohrstock hat, auf den Hintern zu schlagen. Er schlägt fester als vorher zu. Er schlägt mindestens ein Dutzend Mal auf dieselbe Stelle. Er schlägt schnell, immer und immer wieder. Ich schreie. Ich kann nicht aufhören zu schreien. Ich weine und versuche nicht einmal es nicht zu tun. Ich winde mich, aber er ist stärker, sein Griff erbarmungslos. Wieder und wieder schlägt er zu. Wieder und wieder wünsche ich mich weg. Wieder und wieder wünsche ich mir jeden an meine Stelle, nur damit ich von hier verschwinden könnte. Ich hasse ihn. Ich hasse mich für den Biss. Irgendwann brülle ich ein „Es tut mir leid!“. Es ist durchsetzt von Schluchzern. Er versteht es scheinbar trotzdem und lässt den Rohrstock fallen. Das höre ich, entspanne mich ein wenig, obwohl ich gar nicht gemerkt habe, dass ich mich angespannt habe. Ich habe überhaupt wenig gemerkt außer diese Schläge, außer die Schmerzen. Mein Arsch brennt immer noch. Er glüht förmlich. Bestimmt habe ich Striemen. Bestimmt findet er sie hübsch. Ob so etwas Narben hinterlässt? Ich hoffe es nicht. Ich habe doch immer vermieden welche zu haben.

Ich hänge wie ein nasser Sack über meinem Bett. Er lässt mich aber nicht lange so liegen, sondern reißt mich an den Haaren wieder auf den Boden, drückt mich auf die Knie und stellt sich vor mich, beugt sich zu mir nach unten, fasst mir ans Kinn, zwingt mich ihm in die vor Zorn funkelnden Augen zu blicken und erklärt mir mit leiser, bedrohlicher Stimme: „Man fügt seinem Herren niemals Schmerzen zu. Alles, was dieser einem befiehlt, hat man zu ertragen, ohne sich zu wehren, Du dummes Stück Dreck.“ Dann stellt er sich wieder gerade vor mich, legt eine Hand an meinen Hinterkopf, die andere auf meine Wange. „Mach' Dein Maul auf!“, befiehlt er mir und gibt mir noch eine Ohrfeige. Ich öffne meine Lippen zitternd und er drückt seinen Penis in meinen Mund, beginnt mich zu ficken. Schnell, hart, ohne Rücksicht. Ich würge, ich japse, ich gurgle und ich weine. Ich kann nichts davon unterdrücken und er lässt es mich nicht, hört einfach nicht auf. Er fickt mich grob und hält mich fest. Ich kann nicht weg. Ich kann mich nicht wehren. Ich wackle. Ich traue mich nicht, noch einmal zuzubeißen. Denn mein Hintern brennt immer noch so sehr, dass die Schmerzen schlimmer sind als jede Migräne und jede Periodenschmerzen zusammen, die ich jemals erlebt habe.

Irgendwann hört er auf mich zu ficken, hört auf meinen Mund zu penetrieren und hält seinen Penis direkt vor mein Gesicht. Er nimmt seine Hand von meiner Wange, wichst noch ungefähr drei Sekunden und spritzt mir dann ins Gesicht. Ich schmecke sein Sperma auf den Lippen, weiß, dass es sich auf meinen Wangen mit meinen Tränen vermischt. Er lässt mich fallen und ich halte mich nicht mehr aufrecht, kippe zur Seite auf den kalten Steinboden, bewege mich nicht mehr, sondern schluchze leise vor mich hin. Ich bin ekelhaft. Ich bin eine Sklavin. Ich bin voll Sperma. Ich bin befleckt. Ich bin markiert.

Er sieht das anders. Er lässt mich wissen: „Du bist eingeweiht.“, und lacht leise. Es hat ihm Spaß gemacht.Ich kann es nicht fassen. Ich schließe die Augen. Ich will, dass es mir wieder schwarz vor Augen wird. Ich bin nämlich verdammt nochmal verzweifelt. Und dann geht er. Er zieht sich wieder an, als wäre nichts gewesen und schreitet zur Tür, sperrt sie auf, tritt nach draußen, schließt sie, sperrt ab und lässt mich liegen. Er fesselt mich nicht einmal mehr weiter, aber das muss er auch gar nicht. Jetzt will ich mich nicht mehr weiter bewegen. Ich kann es auch gar nicht mehr. Ich kann nur noch weinen, bis ich nicht mehr weinen kann, weil keine Tränen mehr übrig sind. Aus Verzweiflung.

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