Richtig böse

 

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Zufriedenheit? Dieser Begriff sollte eigentlich mit positiven Gefühlen besetzt sein!

Mmhh ..., sich zufrieden zurücklehnen, genießen, seine eigene Macht bewundern und ihr kommendes Unglück selbstgefällig und erfüllt belächeln. Schluss damit! Diese Art der Zufriedenheit macht nur träge, behindert die weiteren Erfolge, lässt die geplanten Aktivitäten zäher fließen und das Projekt somit anfällig für Fehler werden.

Daher hatte er beschlossen, nicht zufrieden zu sein, sondern den aktuellen Stand ihrer Ausbildung lediglich als einen unbedeutenden jedoch notwendigen Meilenstein auf der Zielgeraden zu sehen.

Klar, sie ging jetzt bereits auf ein Zeichen von ihm auf die Knie, öffnete bereitwillig ihr hübsches Lutschmäulchen und ihre Augen leuchteten dabei überaus erwartungsvoll. Alles, wie es sein sollte! Kein Zwang, nicht durch Schläge, Ohrfeigen, - die waren natürlich auch wichtig -, aber das Entscheidende war ihr Wunsch, es genauso haben zu wollen und es zu genießen.

Es war so, als habe es „Klick“ gemacht, einen Schalter in ihrem Kopf umgestellt, ihre Persönlichkeit von einer Sekunde auf die nächste verwandelt. Jetzt machte sie alles aus eigenem Antrieb, freiwillig, ihm hörig, demütig und dabei erwartungsvoll feucht. Er konnte es sehen, diese glänzende Scham, die sich ihm unerhörterweise geil entgegenstreckte. Seit diesem „Klick“ ging es wie von selbst. Ihre Begierde war nicht gespielt, sie war ihr jetzt eingepflanzt und tropfte ihm offensichtlich und schamlos entgegen. Eine Ohrfeige für diese unerhörte Provokation? Nein! Unerfüllte Sehnsüchte, eine ins Unermessliche steigernde Wollust, das sollte ihr Antrieb werden, noch mehr für ihn tun zu dürfen. Sie sollte danach betteln, es haben zu müssen, um dann seine Wünsche ausführen zu dürfen. Man konnte all dieses bereits in ihren Augen lesen, dann, wenn man richtig tief hineinblickte.

Devotheit ist die eine Sache. Unterwürfigkeit lediglich eine minderwertige Untermenge. „Klick!“ Die gesamte Persönlichkeit wollte er haben. Kein eigener Wille durfte in ihrem Bewusstsein überleben. Selbstaufgabe, sein Befehl musste ihr Wille werden, seine Bedürfnisse ihre Erfüllung und seine abgrundtiefsten und dunkelsten Fantasien ihr Paradies.

Das Ziel? Ein leichtes Lächeln umspielte seine Mundwinkel und er wollte sich zwingen, nicht in die Sünde des Stolzes zu verfallen. Zufriedenheit, Arroganz, Selbstgefälligkeit, das waren alles Hindernisse, die jetzt sorgfältig beiseitegeschoben werden mussten. Hier auf der Hälfte ihrer Wegstrecke gehörten diese Attribute noch ausbruchssicher in eine Stahltruhe verfrachtet.

Erst am Ziel dürften sie dann herausgelassen werden.

Bereits der Weg dahin war seine Erfüllung: Richtig böse!

*

Nur schemenhaft erinnerte er sich an seine schlechten Zeiten: Gutmütig, zuvorkommend, hilfsbereit, fürsorglich. Bäähh, einfach grauenhaft. Diese Eigenschaften waren zu nichts nütze, hinderlich und kontraproduktiv! Jenny, seine damalige Freundin, gerne würde er es auch mal mit ihr versuchen. Die Verlockung war groß, diesen „Klick“ bei ihr einzuführen. Aber es ging nicht. Sie war vorbelastet, desensibilisiert durch seinen Einfluss. Sie hatte schon seine Zuneigung und eine nicht erwiderte Liebe genossen, die sie unempfindlich für die Transformation gemacht hatte. Schade eigentlich, denn genau das hätte ein Sahnehäubchen auf dem Zielband bedeutet.

Sein damaliges Verhalten verursachte bei ihm immer noch unterschwelliges Schaudern.

Einen Kuchen hatte er gebacken, für sie, zu ihrem 23. Geburtstag. Man stelle sich vor, ein 25-jähriger Student der Sozialwissenschaften backt seiner Angebeteten einen Schokoladenkuchen. Zweistündige Vorbereitung: Bitterschokolade raspeln, Eier, Mehl, Butter, die gute deutsche natürlich, dann 45 Minuten vor dem Backofenfenster sitzen und Daumen drücken, damit nur nichts zusammenfällt oder zu dunkel wird. Wie tief konnte man eigentlich noch sinken als ahnungsloser junger Mann? Aber es kam noch demütigender. Bei seinem Eintreffen dann großes Geschrei, Jubel und das erste Gelächter. Er hatte zunächst diese eigenartige Atmosphäre gar nicht einordnen können und nur dümmlich gegrinst. Fünf Mädchen, Michelle und Nicole kannte er bereits, auch die beiden Jungs, Stefan und Maximilian. Jenny nahm seinen Wangenkuss nur widerwillig entgegen, ebenso sein: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“

„Ist das der Kuchen?“, das „der“ kam betont und lang gezogen. Das hätte ihm bereits zu denken geben sollen. Aber lediglich ahnungslos und gutmütig, einfach unfähig, so war er damals gewesen. Also hatte er nur: „Ja, das ist der Kuchen“, gesagt. Ein Jubelaufschrei war danach durch die Meute gegangen. Er hatte sich vorgestellt, diesen Kuchen selbst zu teilen und Jenny natürlich persönlich das erste Stück zu überreichen. Stattdessen stürzten sich alle auf diesen mit etwas Puderzucker liebevoll dekorierten Kranz und rissen erbarmungslos mit der Hand grobe Stücke heraus, um sie sich laut johlend in ihre Münder zu stopfen.

Eine stumme Erwartung hing etwa zehn Minuten in der Luft. Nicole war die Erste, die dann protestierte: „Ich merke gar nichts! Wie viel hast du denn da reingetan?“

Zu dem Zeitpunkt war er immer noch dummstolz: „Also, um es genau zu sagen: 200 Gramm Bitterschokolade, selbst geraspelt, 150 Gramm Zucker, 3 Eier und 150 Gramm Mehl!“ Wieso schauten die alle so fassungslos? Sehr bald schon erkannten sie sein ahnungsloses Gesicht. Michelle startete den Angriff, indem sie nach langen peinlichen Sekunden ihm ihren vollen Mund Schokokuchen direkt ins Gesicht spuckte. Seine Jenny folgte ihr direkt darauf: „Du bist ja ein solches Arschloch! Versager, Blödmann, bescheuerter Egomane!!“ Weitere Hasstiraden folgten. Die fünf Frauen waren inzwischen dazu übergegangen, mit den Kuchenstückchen nach ihm zu werfen. Unfähig, die Situation zu begreifen und völlig vertrottelt im Raum stehend trafen ihn die ersten Stücke ziemlich unvorbereitet und schmerzhaft im Gesicht und eins sogar am Auge.

„Shit, Speed, Meph, Koks, alles hättest du nehmen können! Bitterschokolade, selbst geraspelt! Du hast sie ja nicht mehr alle! Du bist krank, pervers, ein Versager bist du, ein elender Haufen Hundescheiße!“, Jenny war außer sich und traktierte ihn auch noch mit ihren Fäusten. Die beiden Jungs kuckten etwas hilflos, beteiligten sich jedoch nicht an den Attacken. Aber Bernd sah ihn schon an, so wie man einen Loser eben ansieht.

Da konnte er nicht anders, er musste ihr einfach eine scheuern, hart und brutal mit der rechten Hand mitten in ihr Gesicht. Jenny hatte in ihrer eigenen Schlagbewegung unvermittelt innegehalten, erstarrt und verdattert: „He, das ist ja die erste vernünftige Tat, die ich heute von dir sehe!“

Dabei hatte sie sogar leicht versöhnlich gelächelt.

Für ihn war die Party jedoch vorbei. Von oben bis unten voll mit Schokokuchen zugesaut, das linke Auge hatte sehr heftig gebrannt, so hatte er Jenny und das immer noch kreischende Fraueninferno fluchtartig verlassen.

Als er die Tür mit einem überlauten Knall zugeschmissen hatte, war ihm klar geworden, dass sich sein Leben grundsätzlich ändern musste. Lieb und nett: Vorbei! Zuvorkommend, hilfsbereit: Aus für immer! Gutmütig: Das war gestern! Jennys Reaktion auf seine Ohrfeige hatte selbst diesen „Klick“ in ihm ausgelöst. Leichte Korrekturen, ein „Ich kann mich ja etwas ändern“, das kam nicht infrage. Wenn, dann musste es eine 180-Grad-Kehrtwendung werden. Schluss mit lustig, Händchen halten, rumeiern! Dunkle Bilder, abgrundtiefe Visionen: Jack the Ripper, Charles Manson, Ted Bundy! War es das, was er wollte?

Zwei Tage und zwei fast schlaflose Nächte hatte sein Entschluss benötigt: Er war vom Kopf her immer schon ein Intellektueller gewesen. Es musste eine Rache werden, die vom Gesetz her noch nicht einmal strafbar wäre, also die perfekte Tat. Triebtäter, Lustmörder, Innereienfetischist, das alles war unzureichend! Diese unwürdigen Tussen sollten etwas Dauerhaftes bekommen. Er wollte ihre Seele besitzen, nicht nur ihren Körper. Umerziehung durch eine perfekte Gehirnwäsche, dann neu ausrichten auf ein Leben in Grauen, das sie noch nicht einmal erkennen würden. Das erste Lächeln auf seinem Gesicht seit drei Tagen: Richtig böse, ab sofort!

*

Die ersten Versuche scheiterten kläglich. Ihr Fluchen nach den Ohrfeigen, ihre Weigerungen, die Vorwürfe, all das nahm er nur als Baustein seiner Ausbildung wahr. Das Studium der Sozialwissenschaften gab zwar einige Grundlagen her, aber mehr erfuhr er in der Psychologie. Der Durchbruch gelang mit einer Vorlesung „Werbepsychologie und Verkaufsstrategien“.

Niemals zu viel reden! Er musste durch seine Taten und Gesten sprechen. Grundsätzlich auch nicht zu viel Privates preisgeben. Es ist das Undurchschaubare, das Geheimnisvolle, das sie anzieht und ihn interessant machen würde. Liebe versprechen, ewige Treue, Kniefälle, das machen nur die Amateure.

„Warum siehst du mich nicht an, wenn wir es machen? Ich finde es würdelos und ein klein wenig taktlos von dir! Ich mag es, wenn du mich dabei ansiehst und lächelst. Dein Gesicht soll zeigen, dass es dir gefällt, es mit mir zu treiben!“, sein erster Marketingspruch beim Ficken wurde dann gleich sein erster Erfolg. Zuckerbrot und Peitsche, im übertragenen Sinn natürlich. Die Peitsche waren seine Worte, widerspruchsfrei formuliert. Ebenso die simulierten Entrüstungen, die keine Gegenrede zuließen. Dazu kamen situationsangepasst eingesetzt: Liebesentzug, Infragestellung ihrer Beziehung und weitere subtile Vorwürfe. Es würde sich bei ihnen einbrennen und sehr viel nachhaltiger wirken als die härteste Ohrfeige.

Das Zuckerbrot wurde nur ganz gezielt verteilt und punktuell eingesetzt, wenn die Atmosphäre dazu geeignet war. „Weißt du, weswegen ich mit dir zusammen bin?“, seine Frage suggerierte bereits die Antwort auf alles, was sie von ihm unbedingt wissen wollte. Da er es jedoch nicht mag, wenn sie ihn bei seinen wenigen Sätzen auch noch unterbricht, traute sie sich nur ein leichtes Nicken zusammen mit diesem erwartungsvollen Lächeln, das sie lange eingeübt hatte. „Wir sind zusammen, weil unsere Zukunft großartig werden könnte!“ Ihr Herz schlug schneller, die Pupillen weiteten sich. Es war das Schönste, was er bislang zu ihr gesagt hatte. Bisher. Allerdings kam dann noch: „Wenn wir doch nur an unserer Beziehung noch etwas arbeiten könnten!“

Ja, ja, das wollte sie doch, sie konnte ja auch daran arbeiten!

Was hatte er, was ihn heute umso viel interessanter macht, als er es zu der unsäglichen Studentenzeit noch war? Natürlich war es auch sein Aussehen, da gab es keine Zweifel: Fitnessstudio, Sonnenbank, Designerkleidung. Er konnte sich alles leisten, auch ohne Job. Seine Mutter hatte ihm vor einem halben Jahr die Stadtvilla und ein riesiges Vermögen hinterlassen. Natürlich wollten alle seinen Beruf wissen: Freiberuflicher Firmenberater. Das war unverfänglich, nicht überprüfbar, garantierte beliebige Freizeit und sein Outfit bekam die nötige Legitimation und seinen Porsche 911 Targa ebenfalls.

„Warum hast du dich gerade in mich verliebt? Ich hoffe, du spielst nicht einfach nur mit mir!“, Sandra, die hübsche Chefsekretärin, sie war sicherlich beziehungsmäßig vorbelastet. Bestimmt war es jemand aus der Chefetage gewesen, das merkte er an ihrer überkritischen Einstellung. Seine Begründung sollte also umso überzeugender kommen: „Sag du es mir?“ Als er dann nach einigen stirnrunzelnden Sekunden von ihr leise hörte: „Weil du mich wirklich magst? Weil du es ernst meinst?“, da reichte es, sie in seine Arme zu nehmen und ihr ins Ohr zu hauchen: „Alles falsch. Ich bewundere lediglich deine Klugheit!“ Das war es, was er im Marketingkurs gelernt hatte: Wenig Worte. Ihr eigener Wunsch musste zur Überzeugung werden!

Daran arbeiten, sie wollte ja alles für ihre Beziehung tun. Warum war er dann so abweisend?

Kein behutsames Nachfragen! Er mag es nicht, wenn sie ihn unter Druck setzt, ihn ausquetschen oder zur Offenheit zwingen will. Er akzeptiert es jedoch, wenn sie eigene Vorschläge macht: „Möchtest du es noch einmal mit dem Mund? Soll ich das machen?“ Seine vorheriger Aussage schien alle Weisheiten dieser Welt zu umfassen, sie musste nur herausfinden, welche. Jedenfalls hatte er sich nach dieser Frage im Bett beleidigt auf die andere Seite gedreht.

Mir Erschrecken erinnerte sie sich noch an die Szene vor zwei Wochen. So wie er es mochte, hatte sie sich ihm angeboten: Ihre Beine leicht gespreizt und fast bis zu ihren Brüsten herangezogen ihren offenen Schoß präsentierend. Lange hatte er sie dabei angesehen, ohne Regung einfach nur ihr Gesicht betrachtet. Interessanter, ich muss es interessanter für ihn machen! Mit den Fingern leicht ihre Schamlippen auseinanderziehend bot sie ihm die geöffnete Clitoris zum Verkehr an.

Sein Gesicht ..., regungslos.

Noch weiter spreizen? Finger einführen? Nein! Sie sah es an seinem Ausdruck. Wenn er so kuckte, musste es etwas ganz Besonderes werden.

Dieses mit dem Oralverkehr hatte sie noch nie gemacht, fand es bislang abstoßend und widerlich. Er hatte aber auch nie direkt danach gefragt. War es das? „Soll ich es mit dem Mund bei dir machen? Ich meine natürlich nur als Vorspiel? Danach sollst du mich aber richtig vögeln!“, lächelnd hatte sie das gesagt, es sollte auf keinen Fall erzwungen oder wie ein letztes Angebot klingen. Er hatte sich bereits auf dem Weg zur Haustür befunden, drehte sich noch einmal um und runzelte jetzt seine Stirn. Sie war auf dem richtigen Weg: „Bitte, ich möchte dir zuerst einen blasen und danach ordentlich durchgefickt werden!“ Wenn sie richtig lag, dann konnten deftige Worte, so etwas „dirty“ bei ihm den Ausschlag geben. Als er sich dann kommentarlos umdrehte, ohne Mimik, die irgendeine Emotion erkennen ließ, da wusste sie, dass sie gewonnen hatte. Noch gerade so! Drei Sekunden später kniete sie vor ihm und hatte seinen Schwanz im Mund, vollführte diese Tätigkeit, bei der sie vor zwei Wochen allein bei der Vorstellung schon Schreikrämpfe bekommen hätte. Aber er war geblieben. Im Bett hatte er sie lange geküsst, gestreichelt und gewärmt. Nur wenige Worte hatte er ihr dann zugeflüstert: „Unsere Zukunft könnte paradiesisch werden!“ Es war der schönste Satz, den sie seit langer Zeit von ihm gehört hatte. Glückseligkeit, Zukunft, seine Liebe. Wunderschön!

Die Abendessen mit ihm, da war sie bereits in ihrem Paradies. Er spazierte selbstbewusst am Samstagabend einfach in das angesagteste Restaurant, für das man normalerweise zwei Wochen vorher reservieren muss und sie wurden per Handschlag vom Chef persönlich begrüßt. Champagner, den sie sich niemals leisten würde, beim Lobster zeigte er ihr ohne große Worte, wie der aufzuknacken und zu essen sei. Sie fühlte sich so, so ... wertvoll!

„Morgen 17 Uhr, neue Klamotten kaufen!“, dabei hatte er sie vor dem Restaurant von oben bis unten gemustert, ohne Regung, ohne Gefühlsspiel in seinem Gesicht. Ihr schönstes Cocktailkleid, ihre Hochhackigen, waren die etwas nicht gut genug gewesen? Jetzt fühlte sie sich neben ihm so, so ..., miserabel. Es wurde dann Versace und Prada. Er war ihr König und sie seine Königin!

Patsch, die erste Ohrfeige kam unerwartet, klatsch, die zweite schmerzhafter. Fassungslos sah sie ihn an. Niemals die Hände als Schutz vor das Gesicht nehmen, das mag er überhaupt nicht. Er würde ihr schon sagen, weshalb sie es verdient hatte: „Wer wie eine alte Schlampe herumläuft, muss auch wie eine alte Schlampe behandelt werden! Sag, was bist du?“

„Ich bin eine ganz miese alte Schlampe. Ja, du hast mich nicht verdient. Verzeih mir bitte, ich werde es auch wieder gutmachen!“, Tränen, Jammern, auch das musste sie unterdrücken. Er würde sonst gehen, wortlos, so wie er das schon zweimal gemacht hatte. Sie schaute auf die Einkaufstüte im Flur: Versace und Prada. Warum hatte sie es nicht einfach anbehalten? Ihr Cocktailkleid von H&M zerriss er ihr: „Nuttenkleider für eine Nuttenschlampe!“ Wie recht er hatte, warum hatte sie ihn nicht einfach vorher gefragt? BH und Slip lagen zerfetzt am Boden. Ihre Wangen waren von weiteren Schlägen gerötet. Das hatte sie sich alles selbst zuzuschreiben!

„Wie soll ich eine alte Schlampe denn nun ficken? In welches Loch fickt man Schlampennutten, he?“, von hinten hatte er ihren Hals umfasst. Nur nicht wehren, ruhig stehen bleiben und überlegen, auch wenn bereits die ersten Würgereflexe eingesetzt hatten. Dirty, Schlampen antworten immer dirty, so will er es haben: „In die Maulfotze, Schlampen werden immer in ihre Maulfotze gefickt!“

„Falsche Antwort, einen Versuch gebe ich dir noch!“ Luft, die Luft wurde bereits knapp. Anal, jetzt war die Zeit für den Analverkehr gekommen. Das meinte er bestimmt. Er hatte es nie angesprochen und sie hatte es bislang immer vermeiden können. Sie musste ein Angebot machen, ganz schnell: „Ins Arschloch! Schlampen fickt man in ihre Arschfotze!“

Es kam dann hart und brutal. Keine Schmerzenslaute, obwohl es eindeutig wehtat, kein Winseln, kein Zeichen, wie mies es ihr ging, nur ein: „Oh, ja! Oohh, bitte tiefer!“ Genauso wollte er es hören.

„Weißt du, weshalb ich dich so sehr liebe?“, weil nach dieser Frage die Antwort nicht von ihm kam, erwartete er wohl ihre: „Weil ich so klug bin und so lernwillig?“ Seine Hände streichelten liebevoll ihren gesamten Körper. Wohlige Schauer, von außen bis tief in ihr Innerstes, sein Mund ganz nah an ihrem Ohr. Sie mag es so sehr, denn dann ist es immer etwas Wichtiges: „Was wird aus uns werden?“ „Unsere Zukunft wird paradiesisch!“, kurz und knapp, er mag kein langes Herumplappern.

War er jetzt schon böse? Sein Lächeln war nur für Menschen zu sehen, die diese kleinen Unterschiede zu seiner sonstigen regungslosen Maske deuten konnten. Böse? Nein, das war noch nicht einmal ansatzweise böse. Das richtig Böse würde noch kommen. Nach ihrer kompletten Konditionierung!

*

„Das ist mein guter Freund Sergej!“, seine Vorstellung wurde durch keinerlei Mimik erklärt. Weder Freude noch Ablehnung war in seinem Gesicht zu erkennen. Also schien es wieder einmal sehr wichtig zu sein und deshalb strahlte sie Sergej zur Begrüßung mit ihrem gekonntesten Lächeln an. Sergej war überhaupt nicht ihr Typ, roh, grobschlächtig, von der Aussprache her Russe. Sie mochte ihn nicht, aber es war wohl sehr wichtig. Das neue Kleid und die Pradaheels hatte sie anziehen müssen. Eine Einladung in seine Villa geschah auch nicht sehr oft. Die beiden hatten wohl schon mit Wodka angefangen und sie bekam ein Glas Champagner.

„Ich schulde Sergej einen Gefallen, einen sehr großen Gefallen. Sergej mag dich. Besonders mag er deinen Mund!“, als er dabei seine Hand auf ihre Schulter gelegt hatte, wusste sie, dass etwas wirklich Besonderes bevorstand. Aber noch war sie ratlos. Nachdenken, er hasst es, wenn man dumm nachfragt. Er mag deinen Mund, er mag deinen Mund ...?

Sein Händedruck auf ihren Schultern wurde fester. Er wusste, dass die Zeit der Ohrfeigen längst Vergangenheit war, sah, wie ihr Gehirn arbeitete und er nickte ihr jetzt sogar zuversichtlich und aufmunternd von der Seite her zu. Mund, Mund ...? Das konnte er doch nicht wirklich gemeint haben? Nur als lange Kennerin seiner minimalistischen Gestik konnte sie es erahnen, sein Kinn wies eindeutig auf Sergej, auf seine Hose. Wollte er das wirklich? Wenn eine Schweigeminute endlos lang wird und das unverschämte Grinsen von Sergej immer hässlicher, dann war es wohl genau das, was sie verdrängen wollte.

Ihn für ihre Weigerung verlieren? Nein, es war bestimmt ein Spiel, eine Mutprobe, ein Test, ob sie ihn wirklich liebte. Einer von seinen vielen Tests.

Klick, Klick!

Die Oralnummer mit Sergej wurde zum Beginn ihrer Phase zwei der Transformation.

Sergejs Glied war jedoch übergroß und seine Lust anscheinend über Tage angesammelt. Sie schaffte es nicht, sein Ejakulat vollständig aufzunehmen. Ein Teil ging auf das teure Versacekleid und tropfte danach auch noch auf den Teppich. Hoffentlich wurde daraus jetzt kein Drama gemacht. Sie war ja schon froh, keinen Hustenanfall bekommen zu haben. Sergej verschwand nach dieser Nummer ohne große Verabschiedung. Es wurde dann doch noch ein Drama. „Nicht einmal blasen kannst du richtig! Verschwinde aus meinem Haus!“, unerbittlich und endgültig sein Blick. Sollte alles verloren sein? Sie konnte doch noch lernen, war doch willig. Bitte nicht!

„Bitte, es war ein Versehen. Beim nächsten Mal wird es nicht wieder passieren. Alles, ich werde alles richtig machen, bitte!“, sie wusste, dass er dieses Jammern überhaupt nicht mochte. Sie atmete tief durch, als er auf das Kleid deutete: „Ausziehen! Mülltonne!“ Geschafft, er war gnädig gestimmt.

Dass sie anschließend nur mit einem Nachthemd und barfuß bis zum Designer Outlet mitfahren musste, um sich dort neu einzukleiden, - die Blicke der Verkäuferinnen sprachen Bände -, das machte ihr bereits schon nichts mehr aus. Er war bei ihr geblieben, hatte sie nicht verstoßen.

Klick, klick!

 

Es wurde die Zeit der Freundschaften. Michail und Boris, Igor und Ismail, alle waren seine „besten“ Freunde. Oralverkehr wurde zur harmlosesten Nummer. Sie musste auch immer raten, was diesmal gefordert wurde. Es würden ja jede Menge Löcher zur „Verfügung“ stehen, so alberten die Männer herum. Oft waren dann zwei gleichzeitig gefüllt, mit Penissen, manchmal auch mit Fingern, Dildos, Vibratoren oder vegetarischen Ersatzmitteln. Er schenkte ihr in letzter Zeit aber auch viel öfter ein Lächeln, das baute sie nach den anstrengenden Sessions dann wieder auf. Die Nächte mit ihm wurden zärtlicher, romantischer und es wurde oft von ihrer Zukunft gesprochen. Er schien es wirklich ernst zu meinen. Alles, was er von ihr verlangte, war doch nichts weiter als ein Liebesbeweis. Es war so einfach auszuführen, wenn sein angedeutetes Lächeln die Belohnung dafür war, oder die goldene Zukunft ...

*

Die Zeit war nun reif dafür, Phase drei konnte eingeleitet werden. Es würde ihr gar nicht auffallen, dass damit ihre Beziehung endgültig beendet war und sie aus seinem Leben für immer verschwinden würde. Er hatte ja auch bereits die Suche nach seinem nächsten Opfer gestartet. Es sollten sich niemals mehr langweilige Lücken in seinem Leben auftun.

Michelle! Diese Oberzicke von der Schandparty, die Erste, die ihn damals vor sechs Jahren mit dem Schokokuchen angespuckt hatte, die sollte es werden. Sie würde sein wahres Sahnehäubchen werden, zwar ein kleineres, als Jenny es gewesen wäre, aber ein frisches und leuchtendes.

Der erste Kontakt war bereits hergestellt. Seine Recherchen hatten ergeben, dass sie als erfolgreiche Geschäftsfrau ihre Mittagspause bevorzugt im „Charlys“ verbrachte.

Ihr BMW i8, keinen Neid aufkommen lassen, stand direkt vor der Bistrotür, im Halteverbot und fast den Eingang versperrend. Sie hatte sich also nicht geändert. Sehr gut! Deshalb parkte er seinen Porsche direkt hinter ihr.

Er tat so, als würde er sie nicht erkennen. Sie sollte ihn ansprechen: „Bist du es? Kennst du mich nicht mehr? Ich bin es, Michelle!“ Ratlos, er hatte sie einfach ohne ein Zeichen des Erkennens verwirrt angesehen. „Die Oberzicke, die dir deinen Schokokuchen ins Gesicht gespuckt hat! Na, klickt es jetzt?“, sie war so frech gewesen, ihn dabei auch noch am Ohr zu ziehen. Das würde sie später doppelt büßen. Er hatte dann so getan, als wenn ihm das Treffen peinlich gewesen wäre und ein schnelles Verschwinden vorgetäuscht. „Nein, nein! Schön hiergeblieben! Ich weiß ja, dass ich damals das Oberarschloch für dich war. Soll ich dir etwas verraten? Ich bin ein noch größeres Arschloch geworden, die falscheste Schlange, die du dir überhaupt vorstellen kannst!“, wieso darf sie diesen Satz in sein Ohr hauchen. Das steht nur ihm zu, ihm ganz alleine. Aber zumindest war aus ihr eine interessante Frau geworden. Und eine attraktive! Auch noch gut angezogen! Businessmäßig! Teurer, als sein Outfit es war! Und dann der Wagen! Scheiße!

Er durfte sein Konzept nicht infrage stellen. Die Phase drei musste endlich gestartet werden: „Du wirst bei mir einziehen!“ Jetzt durfte sie die Augen aufreißen. Um den Hals fallen, nein, das wäre zu viel Anbiederung. Demütig die Augen senken und genau zuhören, das konnte sie ja. „Du wirst deine Wohnung kündigen, Strom, Gas Telefon. Deine Arbeit in der Firma auch. Bei mir sollst du nicht arbeiten, nie wieder. Urlaub, Weltreisen, Geschäftsbegleitung, das wird deine Aufgabe werden!“, er sah sie dabei an, nicht an ihr vorbei, wie so oft, sondern erwartungsvoll in ihr Gesicht. Ein leichtes Nicken, mehr erwartete er nicht. Es war auch eindeutig und glasklar: Alles musste gekündigt, alle Verbindungen abgebrochen und der Start für ein neues Leben eingeleitet werden.

Die goldene Zukunft, würde die jetzt beginnen?

Nur er wusste, genau das Gegenteil war geplant!

Ihre Möbel, darunter etliche recht teuere, hatte er ohne weiteren Kommentar einfach dem Sperrmüll überlassen. Das war schon in Ordnung, er hatte ja alles. Auch ihre gesamte Kleidung kam in den Container. Nur mit einem kleinen Köfferchen mit den Schminksachen und einigen Dessous, die er ihr gekauft hatte, kam sie mit dem Taxi zu seiner Stadtvilla. Er ließ sie nicht hinein, sie blieben vor der Tür stehen. Er sah sie an, wie er sie immer ansah, wenn etwas sehr Wichtiges anstand: „Es gibt eine kleine unbedeutende Planänderung. Ein sehr sehr guter Freund hat mich um einen Gefallen gebeten, das hat im Moment Vorrang!“ Das hörte sich für sie wieder nach einer kleinen Orgie mit mehreren Männern an. Aber das war jetzt auch egal, Hauptsache, sie wäre bald ganz bei ihm.

„Ich glaube jedoch, du wirst dem nicht gewachsen sein. Du weißt noch, dass ich starke Frauen mag!“, er achtete dabei auf jede ihrer Regungen. Ein leichtes Nicken sollte ihm die Bestätigung vermitteln, dass sie stark genug sein würde. „Petropawl, das liegt in Kasachstan. Mein Freund hat dort eine kleine gemütliche Bar und braucht etwas Unterstützung. Vier Monate habe ich ihm versprochen. Ist das zu lange für dich?“, sein erwartungsvolles Gesicht dabei. Sie durfte jetzt nichts falsch machen, nur ganz leicht den Kopf schütteln, obwohl ihr heiß und gleichzeitig kalt wurde. „Sehr schön! Dein Taxi zum Flughafen wartet schon. Hier sind die Tickets, alles andere wird dir Igor dann sagen. Befolge immer genau, was er dir aufträgt! Er ist mein bester Freund und ich möchte keine Beschwerden über das starke Mädchen hören, verstanden? Igor wartet am Flughafen auf dich. Vier Monate, dann starten wir unsere eigene Weltreise!“ Zum Abschied hatte er sie sogar geküsst, zärtlich, liebevoll und ihr dabei zugeflüstert: „Deine Zukunft wird paradiesisch werden!“

Dass er für sie zehntausend Euro kassiert hatte, musste sie ja nicht wissen. Auch nicht, dass er sie als „Erfahrene und gehorsame Edelnutte, dreilochbegehbar“, verkauft hatte. Es ging ja nicht um das Geld, es ging darum, dass sie jetzt einen Besitzer hatte, der einen ziemlich teuren Einkauf für seinen heruntergekommenen Billigpuff getätigt hatte. Sie war eine Anschaffung, die er freiwillig niemals wieder gehen lassen konnte. Eventuell würde er sie weiterverkaufen, für mehr Geld natürlich. Dass sie besser gehorchen würde, wenn er ihr ab und zu mal einen scheuern würde, hatte Igor lässig als Selbstverständlichkeit abgetan. Ein Rückfahrticket würde sie jedenfalls nicht benötigen.

Petropawl, dieser stinkende Industrieort am letzten Zipfel der Welt, dort, wo keiner ihre Sprache verstehen konnte, der Platz war perfekt. Und das Notwendigste würde sie bald lernen, sehr bald.

Zufriedenheit, Stolz! Durfte er jetzt diese Kiste aufmachen?

Ja!

Böse! Erst ab heute war er am Ziel: Richtig böse!

*

Diese hinterfotzige Michelle hatte ihn irgendwie irritiert. Auf seine Marketingstrategie, ihn doch beim Sex anzulächeln, hatte sie nur geantwortet, dass ihr das Schreien besser stehen würde, als Lächeln. Aber er solle sein blöd grinsendes Gesicht gefälligst in ein freundliches verwandeln, sonst müsse sie beim Reiten leider etwas darüberlegen. Oder mit ihrer Faust selbst verschönern! Verdammte Schlampe! Sein Zuckerbrot, die Streicheleinheiten, versteckte Komplimente, auch das hatte bei ihr nicht gefruchtet: „Dein Süßholzscheiß heb dir für deine unterbelichteten Tussen auf. Wir sind hier zum Ficken und nicht beim Kaffeekränzchen. Wenn du bei mir bleiben willst, leckst du jetzt deine Schweinereien hier mal schön selbst auf! Du hast genau zehn Sekunden!“

Scheiße, was für ein Weib!

„Was hast du denn nun für einen Charakter? Immer noch dieser fürsorgliche Kümmerling oder hast du dich geändert?“, dabei umfasste sie seinen Hals ziemlich fest mit ihren Händen. Auch das stand nur ihm zu! Sollte er es ihr sagen?

Sie nahm ihm die Entscheidung ab: „Nein, du hast dich nicht geändert! Verschwinde aus meiner Wohnung. Ich ficke keine Milchbubis!“ Hallo? Das war seine Strategie, was sie hier abzog, es waren sein Marketing und seine Sätze. Es musste einfach sein: Ein, zwei, drei, vier Ohrfeigen! Wieso lächelte sie immer noch dabei? Doch zuerst sollte sie seine Antwort bekommen: „Ich habe mich geändert. Willst du wissen, was ich jetzt bin? Richtig böse, das bin ich. Möchtest du wissen, wieso? Soll ich dir erzählen, was ich gemacht habe?“, sein hässlichstes Grinsen dabei, auch das half nicht. Sie sah ihn immer noch mitleidig lächelnd an: „Deine kleinen Spielchen interessieren mich nicht die Bohne. Böse? Dass ich nicht lache. Deine ehemals so heiß geliebte Jenny, hast du dich an der schon gerächt? An mir, hast du dich etwa an mir Arschloch schon gerächt? Ich hätte es schon längst getan! Aber du? Natürlich nicht, du Schlappschwanz, du Versager. Stattdessen fickst du mich zur Belohnung auch noch! Nicht richtig gekonnt und auch nicht geil genug, aber du hast es ja auch nur gut gemeint, nicht wahr, mein kleines Mamasöhnchen? Soll ich dir mal verraten, was richtig böse ist? Ja, ja? Sollen wir ‚böse‘ einmal zusammen versuchen, nur du und ich? Ich erkläre dir jetzt mal meinen Plan, für den du wahrscheinlich viel zu schwach bist. Ich liebe eigentlich starke Männer! Du hast auch nur einen Versuch, verstanden?“

Er musste jetzt die Augen schließen. Es war einfach zu viel. Sie imitierte seine Strategien, übertraf ihn damit sogar.

Ihr Plan war jedenfalls so grauenvoll, dass er sich nun für sein „Kleines Böses“ schämte. Petropawl, das war doch eigentlich überhaupt nichts! Gemein ja, verdammenswert auch, aber keinesfalls vergleichbar mit dem, was sie jetzt vorhatten. Sie hatte es ihm auch deutlich erklärt: Die Tat muss jemanden gewidmet sein, der es wirklich verdient hatte. Seine arme Sekretärin in Petropawl wäre ja nur ein zufällig ausgewähltes unschuldiges Opfer. So etwas könne man auf keinen Fall als eine wirkliche Herausforderung gelten lassen. Für einen wahren Meister des Bösen sei das wahrhaftig eine Schande und er ein Versager! Zugegebenermaßen ...

Er sollte sie einfach zurückkaufen, für den doppelten Preis natürlich, das hatte sie verdient. Seine Villa war groß genug für drei. Michelle hatte ja bereits auf Lecken bestanden, von ihm. Von ihr wollte sie es später dann auch haben. Er musste jetzt schnell all seine Pläne revidieren. Diese Michelle war einfach besser als er, vorbildlich organisiert, gemeiner und entschlossener. Er sollte einfach nur das machen, was sie ihm auftrug, das wäre wirklich vorteilhafter für ihn! Nightrider and Lady Sundown, das perfekte Bösepärchen würden sie werden!

Ja, er wollte der starke Mann an ihrer Seite sein, ein Mann, der ihr gefallen würde.

Sie hatte ja bereits all seine Schwächen aus ihm herausgelockt. Haha, das war einfach, er hatte ja keine, außer dieser permanenten Ungeduld, das gemeinsame Projekt endlich starten zu dürfen. Und dann noch, haha, er könne nicht schwimmen, hahaha! Das würde man zum „Richtig-böse-werden“ ja auch wohl nicht benötigen. Da hatte sie ihn angeschaut und zum ersten Mal richtig herzhaft mitgelacht ...

Dafür wohnten sie dann auch bald zu dritt zusammen. Michelle ließ sich dabei ausgiebig von ihm und von ihr verwöhnen. Die beiden Frauen hatten auch oft lange Besprechungen, bei denen er angeblich störte. „Frauenangelegenheiten!“ Seine Belohnung wurde dann jedoch das allerfreundlichste Lächeln der beiden, geradezu verschwörerisch schön. Es war so wundervoll, wie schnell die beiden Freundinnen geworden waren. Er würde dafür auch umso schneller lernen, alles, was sie ihm beibringen wollte. Das neue Projekt, er freute sich wirklich maßlos darauf.

„So langsam zweifele ich daran, dass du ausreichend lernfähig bist!“, ihr Griff an seinem Hals, er hatte doch bei ihren Ausführungen immer gewissenhaft zugehört?

Aber sie würde schon sehen, wie schnell er in Wirklichkeit alles begreifen konnte! Pah, er wäre zu feige, ihr das Haus zu überschreiben! Lachhaft, schon längst geschehen. Auch hatte sie mit der Behauptung komplett falsch gelegen, er könne sich bestimmt niemals von seinem Porsche trennen, um mit dem Geld eine Lebensversicherung zu ihren Gunsten abzuschließen. Wozu brauchte er einen Wagen? Sein Gewinn war doch ihr huldvolles Lächeln, wenn er neben ihr im BMW sitzen durfte. Sie hatten sich ja auch schließlich gegenseitig als Alleinerben eingesetzt, der BMW gehörte also praktisch zu Hälfte auch ihm. In der letzten Zeit saßen allerdings oft die beiden Frauen vorne. Auch schön, so konnte er beiden so wunderschön während der Fahrt ihre Schultern massieren.

Schließlich hatten sie ja auch die tolle Idee für diese Segeltour gehabt: Transatlantikfahrt auf einer Zwölfmeterjacht bis nach Teneriffa. Einfach mal einen Supertrip in eine tolle Umgebung wagen, hatten sie enthusiastisch geschwärmt. Dieser kräftige braun gebrannte Skipper, Rodrigez oder so ähnlich, wieso hatten er und die beiden Frauen ihn immer so seltsam angesehen, wenn sie von der ruhigen und ungefährlichen Überfahrt sprachen?

Doch jedes Mal, wenn er in diese kühl lächelnden Augen seiner Frauen blickte, erkannte er nur eins:

Seine Zukunft würde paradiesisch werden!

 

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Kommentare

Finde ich sehr schön. Die Geschichte lebt an vielen Stellen von Andeutungen, die die eigenen Gedanken schweifen lassen. Gefällt mir SEHR gut!

Psychologie und Philosophie in einem so kurzen - "unbedeutenden" - Text. Unbedingt zu lesen, noch mehr: darüber nachzudenken und zu verarbeiten.

Ein wesentliches Fazit: Manche Dinge ändern sich halt nie. Aber so ist das Leben. Verrückt, eine Achterbahn und so planvoll planlos.

In reply to by Tony 2360

Durch solche Kommentare wie dieser wird abermals meine Meinung bestärkt, dass diese wesentlich wichtiger sind, als die Sternenflotte. Natürlich geht hier nicht um Beifallhascherei, es geht um die ehrliche Resonanz des Lesers, ob positiv oder negativ.

Dreisternevergeber? Es wäre schön, wenn der auch etwas dazu schreiben könnte ...

Dir, Tony, sei jedenfalls gedankt. Dein Kommentar selbst regt ja schon die Gehirnmuskeln an!

In reply to by Jo Phantasie

zu danken? Du schreibst über Menschen und beschreibst das Leben. Das gefällt mir eben. Man findet sich wieder. Das soll nicht heißen, dass ich Fantasy nicht mag. Silrana z.B. hat mal eine wunderschöne Legende dieses Genres hier eingestellt.

Mach einfach weiter, passt schon! Auch ohne mit den grauen Zellen zu jonglieren.