Rico – Teil 2: abgefertigt

 

Als Rico wieder zu sich kam schwankte und ruckelte die Welt. Ein breiter Gurt unter den Achseln verhinderte, dass Ricos Körper den Bewegungen nachgab und er von der Bank rutschte. Die Kabelbinder scheuerten unangenehm an den Handgelenken. Nach einer Weile gewöhnten sich Ricos Augen an das spärliche Licht und er erkannte, dass er im Inneren des Lieferwagens saß. Mit ihm befanden sich zwei Wächter und vier Frauen in dem Gefangenentransporter, darunter auch seine Nachbarin. Sie weinte hemmungslos und rief immer wieder schluchzend: „Warum? Warum ich?“ Rico wich ihrem Blick aus, er fragte sich das gleiche. Ihm gegenüber hing die junge Frau in den Gurten, die vorhin versucht hatte zu fliehen. Sie war immer noch bewusstlos. Neben ihr saß Kalle und warf ihm einen Blick zu, den Rico nicht deuten konnte. Aber es war ihm auch egal. Sein Kopf schmerzte und ihm war übel, er fühlte sich wie betäubt.

Der Weg war kurvenreich. Immer wieder wurde Rico seitlich gegen die Gefangene neben ihm gepresst, oder auf die andere Seite gegen den Wächter, der zwischen ihm und der Tür saß. Der Mann knuffte ihn jedes Mal mit dem Ellbogen in die Seite, um ihn von sich weg zu schieben. Rico wagte es nicht, zurückzuknuffen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit stoppte der Wagen und gleich darauf wurde die Tür geöffnet. Rico blinzelte ins Licht und merkte dann, dass es draußen schon begonnen hatte zu dämmern. Sie mussten lange unterwegs gewesen sein. Am Gebäude direkt hinter dem Auto ging eine große Stahltür auf.

Tonio stieg zu ihnen ins Auto und verdeckte Rico die Sicht. Gemeinsam bereiteten die drei Männer jeden Gefangenen einzeln aufs Aussteigen vor. An den Kabelbinder der Handgelenke wurde eine Kette festgemacht. Dann schnitt jemand die Plastikbinder an den Füßen durch, und ein anderer Wächter zerrte den Gefangenen an der Kette aus dem Auto. Rico stolperte ungeschickt hinterher, fiel hin und hätte Tonio beinahe mitgerissen. „Mann, pass doch auf!“, fauchte der ihn an und zerrte ihn weiter, ohne zu warten bis Rico wieder auf die Füße kam.

Er führte ihn durch die Tür in einen Raum, der an einen Schlachthof erinnerte. Die Wände, Decke und Böden waren gefliest, überall blitzte Edelstahl und im Boden waren Abflüsse eingelassen. Rico wurde es heiß und kalt. Sollte er hier etwa geschlachtet werden?

Von der Decke hingen Ketten, an denen die Ketten der Gefangenen festgemacht wurden – die Länge war immer so bemessen, dass der Gefangene mit nach oben gestreckten Armen nur knapp auf den Füssen stehen konnte. Rico versuchte sich zu wehren, aber Tonio schien alle Tricks bereits zu kennen und klinkte Ricos Kette mit geübten Griffen über seinem Kopf in die andere Kette ein, sodass Rico sich strecken musste, damit die Kabelbinder nicht einschnitten.

Der Raum hallte von gebrüllten Befehlen, herzzerreißendem Schluchzen und lautem Weinen. Rico wurde fast wahnsinnig von den Geräuschen und der Ungewissheit, was jetzt passieren würde. Sein Sichtfeld wurde durch die hochgestreckten Arme eingeschränkt und machte ihn nur noch nervöser. Er versuchte das Zittern in seinen Armen und Beinen zu unterdrücken.

Plötzlich stand Kalle mit einem großen Messer in der Hand direkt vor ihm. Rico schrie auf und zuckte zurück, aber dank der Kette kam er nicht weit. Eine eisige Faust ballte sich um seinen Magen. Also doch, ein Schlachthof! Jetzt würde er sterben. Kalle grinste hämisch, packte Rico am Kragen und setzte ihm die Klinge an den Hals. Dann wurde Rico schwarz vor den Augen.

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Bewertung

2 Votes with an average with 4

Kommentare

Für meinen Geschmack ein wenig kurz geraten. Warum hörst du auf?! Das erste Kapitel war durchaus nicht schlecht und hat Lust auf mehr gemacht. Aber dieses hier hat leider irgendwie zu wenig Inhalt, um den Leser fesseln zu können. Schade eigentlich. Weil ... schlecht geschrieben ist es keinesfalls. Aber vielleicht überlegst du es dir noch einmal, ob du es nicht doch mit dem nächsten Kapitel verbinden und dann gemeinsam posten kannst. Würde dem Ganzen mit hundertprozentiger Sicherheit viel mehr helfen denn schaden.

Gruß Mia

In reply to by mia_1000 (nicht überprüft)

Danke für dein Lob!

Du hast recht, ich hätte es mit dem ersten Kapitel verbinden sollen. Es ist einfach ein Übergangskapitel, ich habs so hochgeladen wie es geschrieben wurde und nicht daran gedacht, dass das für den Leser unspannend sein könnte..

Aber die nächsten Kapitel werden deutlich länger (und Rico verliert nicht mehr ganz so häufig das Bewusstsein ;))!

Leider nur 4 Punkte denn passiert ist eigentlich nix gravierendes.

Aber deine ntwort auf Mias Kommentar lässt hoffen.

Als dann Kalle mit dem Messer kam, musste isch shcon sehr schlucken. Mir gefällt die Entwicklung der Geschichte, es geht geradeaus nach vorne und (mal ehrlich) von Langeweile ist keine Spur.

Ich freu mich auf den driten Teil