Verhängnisvolle Post (Und alles begann am Nikolaustag - 2)

<<< Erstes Kapitel            < Vorheriges Kapitel       Nächstes Kapitel >

Verhängnisvolle Post

Ohne Unterwäsche unterm Rock und mit dem zerrissenen Slip im Mund steht sie nun im Hotelflur und starrt auf die Tür, welche er einfach vor ihrer Nase zugeschlagen hat. Fieberhaft überlegt sie was nun zu tun ist, während die Gäste immer näher den Flur hinunterkommen. Es hilft nichts, sie muss so schnell wie möglich und unauffällig in die Umkleide gelangen, denkt sie sich und wendet sich nun in Richtung des Treppenhauses. Sie zieht ihren Rock etwas weiter nach unten, damit bloß niemand erkennt, dass sie drunter nichts mehr trägt, und macht sich auf den Weg, welcher direkt an den zwei Personen vorbeiführt. Entweder bildet sie sich das ein oder diese beiden mustern sie sehr genau. Kann man etwa ihr was ansehen, dabei versucht sie doch einen unauffälligen Eindruck zu machen. Nochmals zieht sie den Rock zurecht, aber vielleicht sehen die beiden eher, dass sie etwas in ihrem Mund hat. Mit der Hand wischt sie schnell über diesen, falls noch irgendwo Speichel hängt und beschleunigt ihre Schritte, inzwischen scheint sie fast mit hochrotem Kopf zu rennen, an den Personen vorbei hinab das Treppenhaus.

Irgendwie beschleicht sie das Gefühl, dass ihr jeder ansehen kann was geschehen ist, sodass ihr Weg zur Umkleide einem Spießrutenlauf gleicht. Sie verspürt eine Scham die sie noch nie zuvor verspürt hat, doch merkwürdigerweise reagiert ihr Körper vollkommen entgegengesetzt, ja sie spürt eine leichte Erregung in ihr aufsteigen. Nach einer gefühlten Ewigkeit und unzähligen Personen an denen sie sich mit geröteten Wangen vorbeigedrängelt hat später erreicht sie endlich die Umkleide für das Hotelpersonal, in welche sie sich sofort einschließt. Sofort zieht sie die mit Speichel vollgezogenen Stofffetzen aus ihrem Mund und legt diese in ihrem Spind ab um sogleich einmal tief Luft zu holen. Was war dort nur passiert. Ihre Gedanken rasen und sie versucht diese irgendwie zu sortieren, doch es gibt keine einleuchtende Erklärung. Viel mehr schreit ihre Vernunft danach die Szenerie so schnell wie möglich zu verlassen. Die Uniform ist schnell ausgezogen und die Karte, welche dabei zu Boden fällt wird ungelesen schnell im Schrank mit der Arbeitskleidung verstaut. Eilig noch die Straßenkleidung übergestreift rennt sie auf die Straße hinaus, fest entschlossen die ganze Sache zu vergessen.

Mittlerweile sind zwei Wochen nach der mysteriösen Begegnung im Hotel vergangen, die Temperaturen sind noch kühler geworden und eine strahlende Schneedecke hüllt die Stadt ein. Viele Leute sind damit beschäftigt die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen, doch sie hat keinen Kopf dafür. Klar, sie versucht sich auf das Wesentliche zu fokussieren, ihr fehlen noch Geschenke für ihre Eltern und ihren Freund. Aber immer wieder spukt dieses Aufeinandertreffen durch ihre Gedanken, es hat definitiv einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen. In der trügerischen Hoffnung, dass sie das schnell vergessen würde, verbrachte sie die letzten zwei Wochen. Sie hatte die Reste ihres Höschen direkt am nächsten Tag entsorgt, die Karte hingegen war von selbst bereits verschwunden. Aber ihr Wunsch, dass alles zu verdrängen, wird ihr nicht erfüllt. Stattdessen kämpft sie mit den Gedanken und fühlt sich auch gerade in der Gegenwart ihres Freundes unwohl, wie hätte sie ihm das jemals erklären sollen.

Am nächsten Tag hat sie wieder Dienst im Hotel und verrichtet diesen gründlich wie immer. Nur in dem Zimmer wo sie den Mann getroffen hat, kann sie sich nicht so recht auf die Arbeit konzentrieren. Kurz bildet sie sich sogar ein wieder ein Kribbeln, einen leichten Schmerz auf ihrem Hintern zu verspüren, genauso wie in dem Moment als er sie mit der Rute gezüchtigt hat. Die Bilder in ihrem Kopf verstören sie immer noch etwas, sodass sie froh ist als ihr Arbeitstag endlich ein Ende findet. Wieder in der Umkleide schlüpft sie aus ihrer Uniform, als plötzlich eine weiße Karte auf den Boden segelt. Sie beißt sich auf die Unterlippe und ist unschlüssig, ob sie diese nun aufheben soll. Aber vielleicht bietet ihr das ja die Gelegenheit endgültig mit der Sache abzuschließen, indem sie ihm auf irgendeiner Art und Weise klarmacht, dass sie so ein Verhalten ablehnt. Ihm würde es zwar sowieso egal sein, aber sie möchte es für sich deutlich machen, dass das ein unverschämtes Verhalten von ihm war, was sie nicht toleriert.

Langsam bückt sie sich hinunter und hebt die Karte auf, mit einem leichten Zittern in ihren Händen dreht sie diese um. In schwarzen Buchstaben steht nur der Name Michael und eine Emailadresse draufgeschrieben. Irgendwie hat sie sich doch wenigstens eine Nummer von ihm erhofft, aber so wird es auch gehen. So fährt sie mit der Bahn nach Hause und setzt sich sofort an ihren Rechner. Schnell ist ein neuer Mailaccount registriert, damit sie ihm nicht unter Klarnamen schreiben muss. Kurz überlegt sie ob es wirklich eine gute Idee wäre, dem Mann eine Nachricht zu senden, aber sie verspürt den Wunsch irgendetwas zu tun, um mit diesem Ereignis abzuschließen:

Was sind sie eigentlich für ein Arschloch, dass Sie sich so etwas erlauben. Sowas geht gar nicht und Sie sollten froh sein, dass ich nicht zur Polizei gehe. Ich habe einen Freund und das was Sie gemacht haben bedeutet mir nichts, auch wenn sie sich sicherlich etwas anderes einbilden! Sie haben einfach ausgenutzt, dass ich mich als Zimmermädchen schwer wehren kann, das ist sowas von erbärmlich gewesen.

Am Anfang fällt es ihr schwer irgendwelche Worte zu finden, doch mit der Zeit merkt sie wie Aufregung und ein wenig Mut sich in ihr sammeln, je länger sie darüber nachdenkt. Dieses doofe Zusammentreffen hat nun lang genug in ihrem Kopf herumgespuckt, mit dieser Abrechnung würde das nun ein Ende haben. So bringt sie diese kurzen Sätze zusammen und ohne weiter darüber nachzudenken sendet sie die Mail auch sofort ab. In der Hoffnung nun endgültig damit abschließen zu können macht sie sich schick und trifft sich mit ihrem Freund zum gemütlichen Abendessen in ihrem Lieblingsrestaurant. Sie verbringen einen wunderbaren Abend zusammen und sie hat das Gefühl, dass sie nun endlich alles vergessen würde.

Doch dies stellt sich schnell als ein Trugschluss heraus. Kaum Zuhause angekommen fällt ihr Blick auf den Bildschirm ihres Computers. „Sie haben EINE neue Nachricht“ leuchten die roten Buchstaben im Email Programm auf. Warum hat sie eigentlich nicht direkt den Account wieder gelöscht nachdem sie ihre Mail abgeschickt hat, fragt sie sich selbst und ist überrascht. Es ist fast so, als hätte sie unterbewusst eine Antwort von ihm erwartet. Ohne ihre Jacke oder Schuhe bei Seite zu legen rennt sie direkt hinüber und möchte die Nachricht schon in den Papierkorb verschieben und samt Account löschen, als sie doch wieder zu zögern beginnt. Ein kurzer Blick kann sicherlich nicht schaden meldet sich eine Stimme in ihr, welche sie schon in das ganze Chaos gestürzt hat. Aber wie soll es auch anders sein, sie vermag nach kurzer Überlegung auch dieses Mal nicht zu widerstehen und schon ist die Nachricht geöffnet:

Wenn du auch nur einen Satz ernst gemeint hättest, dann wäre es nie so weit gekommen. Natürlich hättest du dich wehren können und du könntest auch zur Polizei gehen. Das Blöde ist nur, dass es dir viel zu sehr gefallen hat und ich kann ja nichts für dein schlechtes Gewissen gegenüber deinem Freund, der wohl nicht richtig zupacken kann. Und du schreibst mir nur, weil es dir eine Menge bedeutet hat, der Gedanke lässt dich nicht mehr los.

Also steh verdammt zu deinen Gefühlen und schreibe mir nicht so eine Scheiße, das Gejammere ist nicht zu ertragen. Sowas wie du hast doch keine andere Behandlung verdient. Ich erwarte eine Entschuldigung für diese Unverschämtheit und gib dir ja Mühe. Wer weiß was ich mir sonst einfallen lasse!

Der letzte Satz verfehlt wie der Rest der Nachricht seine Wirkung nicht, wie in Schockstarre verharrt sie kurz vor dem Bildschirm und weiß nicht wie sie darauf reagieren soll. Die Mail reißt sie sofort wieder in den Sog von Gedanken und Bildern der Begegnung und verdammt nochmal, irgendwie, leider, hat er ja Recht. Ihr hat es gefallen, auch wenn sie sich das natürlich niemals ganz eingestehen will. Aber diese Art, wie er Dominanz ausgestrahlt hat, und seine Weise sie einfach so zu benutzen wie es ihm gefiel, beeindruckt sie sehr. Ihr ist bewusst, dass sie diese Veranlagung schon lange in ihr schlummert, aber sie hatte es immer gut überspielt. Und nun kommt dieser Mann um die Ecke und enttarnt sie innerhalb von einer Stunde während ihres Nebenjobs im Hotel. Ihre Gedanken spielen verrückt, auf der einen Seite reizt sie der fremde Mann mit seinem bestimmenden Auftreten sehr, auf der anderen Seite hat sie aber doch ihren Freund, den sie sehr lieb gewonnen hat über die letzte Zeit. Sie atmet einmal durch und klickte auf die Fläche Antworten, bevor sie ihm Folgendes antwortet:

Entschuldigen Sie bitte meine Unverschämtheit, ich muss Ihnen leider recht geben. Aber ich bin glücklich in einer Beziehung und kann mich auf sowas überhaupt nicht einlassen. Es war aber eine schöne Erfahrung, ich danke Ihnen dafür. Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft und ein schönes Weihnachtsfest.

Zügig, bevor sie es sich wieder anders überlegt, schickt sie die Mail ab verbunden mit der Erwartung, dass damit alles erledigt wäre. Es ist schon richtig so, sie kann sowas wirklich nicht gebrauchen, auch wenn es sie beinahe wie magisch anzieht. Doch bevor sie überhaupt die Chance bekommt den Mail Account zu löschen, blinkt auch schon eine Antwort von ihm als neue Nachricht auf. Verdammt, ist der gut, kommt es ihr in den Sinn, lässt er ihr gerade keine Chance diese Sache abzuhaken. Und natürlich, wie soll es anders sein, kann sie nicht widerstehen und öffnet auch diese Nachricht:

Die Entschuldigung war mir etwas zu halbherzig. Deswegen schlage ich vor wir treffen uns zum Abendessen in einem Restaurant deiner Wahl und zwar morgen Abend 19:00 Uhr. Reserviere einen Tisch und schreibe mir welches Speiselokal du gewählt hast. Und das steht nicht zur Diskussion, versuche es nicht einmal mich umzustimmen!

Ihr stockt kurz der Atem, mit so etwas hat sie nun überhaupt nicht mehr gerechnet. Und dann fällt ihr Blick auf den Anhang, welcher eine Fotodatei enthält. Schnell hat sie diesen geöffnet und schreckt innerlich zusammen. Es zeigt sie, wie sie vorne übergebeugt in der Zimmerecke steht und ihren nackten Hintern, welcher leicht gerötet von den Schlägen scheint, präsentiert. Der Hinweis ist eindeutig, sie würde es nicht wagen ihn nun vor den Kopf zu stoßen, wer weiß was ansonsten mit diesem Bild passieren würde. Außerdem ist es nur ein Abendessen, was soll da schon schiefgehen, in der Öffentlichkeit kann ihr nichts passieren. So reserviert sie einen Tisch für ihn und sich in einem der größten Restaurants welches sie kennt und schickt ihm die Adresse zu. In weniger als 24 Stunden würde sie ihn also wiedersehen, alleine der Gedanke daran verursacht eine Achterbahnfahrt ihrer Gefühle. So kann sie auch die Nacht kaum schlafen und der Tag zieht sich hin wie ein zäher Kaugummi, alles nur wegen der großen Aufregung. Sie schaut auf ihre Uhr, es bleiben ihr noch zwei Stunden um sich vorzubereiten. Wenn sie jedoch geahnt hätte, wo das Ganze hinführen würde, so wäre sie wohl lieber daheim geblieben…

Nächstes Kapitel >

Bewertung

7 Votes with an average with 4.5