Innerlich zerissen (Und alles begann am Nikolaustag - 4)

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Innerlich zerissen

Die nächste Woche ist schrecklich für Charlotte, obwohl es eigentlich die schönste im Jahr werden soll. Weihnachten mit ihrer Familie ist ihr schon immer sehr wichtig gewesen und dieses Jahr würde das erste Mal ihr Freund dabei sein. Doch gerade gegenüber ihm hat sie ein furchtbar schlechtes Gewissen, was sie mehr und mehr quält. Dazu kommt noch, dass sie die Geschehnisse in keiner Weise vergessen kann, nein viel schlimmer sogar, sie träumt von dem Mann und was er noch alles mit ihr anstellen könnte. Obwohl sie sich nur zweimal gesehen haben, im Hotel und dem Restaurant, ist er ein fester Bestandteil ihres Alltags geworden, spukt er doch regelmäßig durch ihre Gedanken. So gestaltet sich das Weihnachtsfest nicht unbeschwert wie sonst und sie kann es nicht mal richtig verbergen. Doch die Nachfragen was denn los sei versucht sie gekonnt zu umgehen, wie soll sie bitte erklären, was ihr widerfahren ist.

Daneben beschäftigt sie die ganze Zeit die Überlegung, was das Ganze überhaupt gewesen ist. So hat Charlotte wenigstens gehofft, dass er nach dem Abend im Restaurant ihr nochmal schreiben würde. Aber auch wenn sie jeden Tag mindestens dreimal nachsah, ihr Postfach blieb zu ihrer Enttäuschung leer. Es ist mittlerweile der Neujahrestag und Charlotte übernachtet bei ihrem Freund, fest entschlossen als Vorsatz für das neue Jahr die Geschichte zu vergessen und einfach ihr Leben weiterzuleben. Sie ist doch glücklich in ihrer Beziehung und wenn sie sich dort nur tief reinhängt, würde das alles was passiert ist wie von selbst verschwinden.

Zusammen verbringen die beiden einen netten Abend, kochen gemeinsam und lassen es sich einfach gut gehen. Doch dann kommt es wie es kommen muss, natürlich möchte er nach einigen Wochen wo sie sich nun selten gesehen haben mehr im Schlafzimmer als nur Schlafen. Zudem hat sie sich aus Scham und Angst jeglichem sexuellen Kontakt nach diesem schicksalhaften Restaurantbesuch verweigert. Aber selbstverständlich ist Charlotte auch klar, dass sie ihren Freund nicht ewig zurückdrängen kann, erst recht nicht, weil er ihr in keiner Weise etwas getan hat und das Ganze so auch nicht nachvollziehen kann und muss. So entschließt sie sich es durchzuziehen, würde es doch auch einen weiteren Schritt in Richtung Normalität bedeuten, nach welcher sie sich so sehr sehnt.

Ihr Freund liebt es, wenn sie ihn oral verwöhnt und dabei vor ihm auf dem Boden kniet, ihr ist das schon immer recht gewesen, kann Charlotte doch so eine für sie unterwürfige Position annehmen, ohne dass ihre Umwelt davon wirklich Notiz nehmen würde. Denn ihr Freund ist total lieb und nett und würde niemals auf die Idee kommen, in irgendeiner Art und Weise dominant gegenüber ihr aufzutreten. So sinkt Charlotte vor ihm auf die Knie und möchte gerade damit beginnen ihm ordentlich einzuheizen, als ihr plötzlich die Bilder vom Abend im Restaurant durch den Kopf schießen. Sie mit gefesselten Händen auf ihren Knien, vor ihr sein Penis, wie er sie zwingen wollte ihm einen zu blasen.

Mit einem Mal ist jeglicher Wunsch über das Verdrängen aus ihrem Körper gewichen, es meldet sich ihr schlechtes Gewissen mit einer unglaublichen Wucht. Klar, sie hat ihn nicht auf der Toilette oral verwöhnt, aber das ist ja nur die halbe Wahrheit, die sie sich nicht einreden kann. Denn wenn die Dame nicht dazwischen gefunkt hätte, sie ist sich sicher, sie hätte es getan und wahrscheinlich auch noch Gefallen daran gefunden. So kniet Charlotte kurz vor ihrem Freund wie in einer Schockstarre und mit dem verzweifelten Kampf ihr schlechtes Gewissen im Zaum zu halten. Jedoch hat sie den Kampf verloren bevor er überhaupt beginnen konnte, sodass sie weinend aufspringt, nach ihren Klamotten greift und diese eilig überstreift. Mit tränenerstickter Stimme flüstert sie ihrem Freund ein „Ich kann das nicht“ zu, um dann sogleich aus der Wohnung zu rennen, wo ihr Freund perplex und voller Unverständnis zurückbleibt.

Wiederholt versucht ihr Freund sie auf dem Handy zu erreichen, doch Charlotte will in diesem Moment nicht reden. Zwanzig entgangene Anrufe und dreißig ungelesenen Nachrichten später ist sie bei sich zuhause angekommen und wirft sich auf ihr Bett, vollkommen erledigt und erschöpft von dem Chaos in ihrer Gefühlswelt. Ihre Hoffnung, ihr Vorsatz das alles hinter sich zu lassen wurde innerhalb von Augenblicken durch ihr schlechtes Gewissen zerstört. Eine Stunde später hat sie sich etwas beruhigt und überlegt wie sie am besten nun mit der geschaffenen Situation umgehen soll, als ihr Blick auf den Bildschirm ihres Computers fällt, wo etwas aufleuchtet: „Sie haben EINE neue Nachricht“

Beinahe ungläubig springt sie von ihrem Bett und nähert sich etwas dem Bildschirm, aber ihr Blick täuscht sie nicht. Er scheint ihr tatsächlich eine Nachricht geschickt zu haben. Charlotte starrt wie gebannt auf den Bildschirm und zögert kurz. Ausgerechnet jetzt muss er ihr eine Nachricht schicken, ihre letzte Begegnung war ja nun ein paar Wochen her. Doch ihre Neugier ist mal wieder größer, und bevor Gewissen und Vernunft eingreifen können, hat Charlotte schon die Nachricht mit dem Betreff „Stellenausschreibung“ geöffnet:

Liebe Charlotte,

nach einiger Bedenkzeit habe ich mich entschieden dir aufgrund deines bisherigen Auftretens eine Stelle bei mir anzubieten. Diese wäre sofort zu besetzen.

Vollzeitstelle als Sklavin (w)

Überlege es dir doch mal, ich bin mir sicher, dass würde genau deinen Stärken und Talenten entsprechen. Solltest du dich für die Stelle entscheiden, sende bitte eine aussagekräftige Bewerbung mit kurzem Steckbrief (+Foto) bis zum 01.01. um 24 Uhr.

Ich erwarte deine Bewerbung.

M.

Anhang: Steckbriefmuster

Überrascht liest sie immer wieder die Mail vor sich auf dem Schirm und versucht einzuordnen was dort genau steht. Er möchte sie doch tatsächlich als seine Sklavin haben. Eigentlich würde das nun jede vernünftige Frau sofort löschen und spätestens das zum Anlass nehmen, mit allem Schluss zu machen. Nicht aber Charlotte, sie spürt wie sie die Vorstellung als Sklavin ihm dienen zu müssen erregt. Denn genau so etwas hat sie schon immer im Geheimen gereizt.

In ihr schlummert schon immer dieses starke Gefühl der Devotheit, dieser Wunsch danach geführt, geformt sowie erzogen zu werden.  Dieses Gefühl ist schon immer in ihr drin, im Grunde genommen, seitdem sie denken kann. Wenn Charlotte die Squaw war beim Indianerspielen, hat sie es, entgegen den anderen, immer toll gefunden und gerade dann genossen, wenn sie an den Marterpfahl gebunden worden ist. Auch als sie dann älter wurde hat sie dieses innere Verlangen bemerkt, obwohl es so irgendwie komisch ist, geradezu geschämt hat sie sich für diese Gefühle und tut das auch heute noch. Dominant zu sein ist einfach cooler als devot zu sein. Sich einzugestehen, dass man darauf steht etwas gesagt zu bekommen, was man zu tun oder zu lassen hat, das fällt ihr heute noch sehr schwer und sie kann es eigentlich nicht verstehen wie man so sein kann, selbst wenn das bei ihr selbst so ist. Dieses Gefühl, abhängig zu sein sowie gehorchen zu müssen, was alle normalen Menschen wohl hassen, ist aber sehr erstrebenswert für Charlotte, die sogar am glücklichsten wäre, wenn sie keine Entscheidungen mehr treffen dürfte. Weder was sie trägt noch was sie zu machen hat, wenn sie einfach alles vorgeschrieben bekommt.

Im Endeffekt ist es also so, dass er ihr das gegeben hat, wonach sie sich schon immer gesehnt hat. Und wenn sie nicht in einer glücklichen Beziehung ist, dann hätte sie ihrem inneren Verlangen nachgegeben und sich ausprobiert als Sklavin. Aber so? Auf der anderen Seite kann sie ihrem Freund offensichtlich auch nicht mehr so recht unter die Augen treten, denn sie bekommt die Erlebnisse nicht mehr aus dem Kopf, sodass sie ihr schlechtes Gewissen schlimm plagt. Charlotte merkt wie ihre Gedanken rasen und zwingt sich selbst zur Ruhe, während sie auf ihre Armbanduhr schaut. 22:50. Ihr bleiben also noch knapp 70 Minuten um sich auf die Stelle zu bewerben. Besser gesagt hat sie noch etwas mehr als eine Stunde um sich Gedanken zu machen, was nun am besten für sie ist.

Charlotte macht sich die ganze Stunde durch ihre Gedanken und kommt schließlich zum Schluss, dass sie nichts mehr zu verlieren hat. Dafür ist das Ganze zu tief in ihr drin verankert, es ist fast so als hat er sie mental gefesselt. So entscheidet sie sich tatsächlich dafür dem Ganzen eine Chance zu geben und ihrem inneren Verlangen nachzugeben. Charlotte ruft ihren Freund an und entschuldigt sich bei ihm wegen ihres Auftritts, bittet ihn dabei aber zugleich darum, dass die beiden eine kleine Beziehungspause einlegen, sie bräuchte das im Moment einfach. Ihr Freund gesteht ihr diesen Freiraum auch sofort zu, sie weiß schon warum sie zwei so glücklich miteinander sind, so einen verständnisvollen und liebenswerten Freund hat sie noch nie gehabt.

Insgeheim hofft Charlotte, dass sie dieses ganze Spiel so abschrecken wird, dass sie sich nach einer Woche wieder voll in ihr normales Leben stürzen kann und mit dem Kram abschließen kann. Das kann schließlich niemals auf Dauer funktionieren. Und so macht sich Charlotte tatsächlich daran eine Bewerbung auf die Stelle zu schreiben. Inhaltlich beschreibt sie die Gefühle, die sie bereits seit ihrer Kindheit verfolgen und wie sehr es ihrem inneren Wunsch entspricht, jemanden als Sklavin dienen zu dürfen. Sodann bittet sie freundlich darum, dass er sie als seine Sklavin akzeptieren würde. Charlotte beschreibt auch ihre innere Zerrissenheit, welche sie hofft mit dieser Stelle endlich ein wenig klären zu können.

Sie bemüht sich wirklich sehr in den wenigen Minuten bis Mitternacht eine möglich aussagekräftige Bewerbung zu schreiben, schließlich erhofft sie sich ja auch eine Menge von dieser Möglichkeit dir ihr dort geboten wird. Als nur noch zwei Minuten bleiben scheint Charlotte endlich zufrieden mit der Bewerbung an sich und wendet sich zügig der Vorlage für einen Steckbrief zu, um diese gewissenhaft auszufüllen:

Name:                                                                Charlotte

Spitznamen:                                                     Lotte

Alter:                                                                    26 Jahre

Geschlecht:                                                        weiblich

Sexuelle Ausrichtung:                                    heterosexuell

Körpergröße:                                                    1,67 Meter

Körpergewicht:                                                53,4 Kilogramm

Haarfarbe:                                                         blond

Augenfarbe:                                                     grünblau

Körperbau:                                                        schlank, sportlich

Konfektionsgröße:                                          34 – 36

Schuhgröße:                                                     37

Körbchengröße:                                              75C

Sexuelle Erfahrungen:                                   normal

Zum Schluss muss noch schnell ein Foto her, wobei sie kurz den Sinn hinterfragt, schließlich weiß er doch wie sie aussieht. Aber das ist nun auch unwichtig denkt sie sich bei einem kurzen Blick auf die Uhr. Da es keine genaueren Angaben darüber gibt, nimmt sie einfach ein Foto her vom letzten Sommer, wo sie in einem Dirndl im Garten für die Kamera posiert hat. Das alles in den Anhang der Mail und schon ist die Nachricht zum Abschicken bereit. Charlotte zögert jedoch beim Klicken auf die Schaltfläche „Senden“.

Ist sie sich ganz sicher, dass sie das so möchte? Und welche Konsequenzen kann das alles haben? Mal wieder schießen tausend Gedanken durch ihren Kopf, aber sie hat das doch in einer unruhigen Stunde für sich entschieden. Und so fasst sie allen Mut zusammen und schickt die Mail ab. Als sie schnell noch schaut, ob die Mail wirklich abgesendet wurde, stellt sie fest, dass wegen ihres Zögerns die Mail erst um 00:02 hinausgegangen ist. Doch sie nimmt es nun gelassen hin, wenn ihm das nun nicht passt, würde sie es auch nicht ändern können. Stattdessen fühlt sie sich befreit, diesen Schritt gegangen zu sein, und die Anspannung entweicht ihrem Körper. So schließt sie das Mailprogramm und wendet sich der abendlichen Hygiene zu, um kurz darauf ins Bett zu gehen. Sie denkt noch einige Minuten darüber nach inwiefern er nun reagieren wird, doch schon bald fallen ihr die Augen zu und sie schlummert friedlich bis zum nächsten Morgen.

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