Verlassene Gedanken - 2 Die Angst vor dem Widerwort

 

Kapitel 2- Die Angst vor dem Widerwort

 

Ihre Augen erblickten den Körper hinter der Stimme, er stand auf einer vorgelagerten Empore die wohl zu dem restlichen Teil des Hauses führte und mit einer großen Steintreppe mit dem Unteren Eingangsbereich verbunden war. Das Haus schien riesig zu sein, wahrscheinlich wirklich ein Herrenhaus oder dergleichen.
Er stand dort und überblickte so alles was im Vorraum vor sich ging und so auch sie.

 

Krampfhaft überlegte sie ob sie jenen Mann kannte, ihre Gedanken rasten auf und nieder doch es ergab keinen Sinn, sie kannte ihn nicht. Doch er wäre wohl ihr Typ wäre sie nicht gerade in dieser Situation gefangen. Er war schick gekleidet, sie macht aus der ferne eine Anzugshose aus, dazu ein Hemd in einen wunderhübschen meerblauen Ton, welches perfekt zu den schwarzen Haaren passte, die schulterlang sein Gesicht umrahmten.

Für mehr Details stand er leider zu weit weg, hätte sie doch gerne gewusst welche Augenfarbe er hatte… grün… das wäre ihre Lieblingsfarbe gewesen, denn dann war der Mann rein optisch genau ihr Beuteschema.

Und als hätte er es gehört, was ihre Gedanken aussprachen oder vielleicht gewusst, dass genau in diesem Moment ihre Gedanken abgedriftet war, die Angst für einen klitzekleinen Moment sekundär geworden war und sie nicht mehr daran dachte, wo die nächste Tür in die Freiheit war, kam er zu ihr hinunter. Seine Schritte waren schnell, aber nicht zu schnell um hektisch zu werden, eher ein zügiger Gang. Die Lackschuhe an seinen Füßen hinterließen dabei klackende Töne auf den Steinfliesen. Und genau jene Töne rufen die Träumerin wieder ins hier und jetzt hinein. Liesen die Panik wieder hoch schwappen und sie damit überrollen wie von einer Welle.

Ein Spitzer Schrei drang zum ersten Mal des Morgens aus ihren Lippen, als sie sich fest hinter sich in die kleine Nische der Garderobe zwängte, ihre Hände vor sich gehalten wie ein schützendes Schild. Die Augen waren aufgerissen in Panik und dem tierischen Instinkt zur Flucht.

Denn auch wenn dieser Mann wirklich gut aussah und seine Augen um so näher sie kamen einen Hauch Besorgnis Aussprachen, war ihr kompletter Körper auf Abwehr eingestellt. Sie würde hier aus diesem Haus verschwinden, ihr war es egal wie sie hier her gekommen war, aber alleine die Tatsache, dass sie nackt in einem fremden Bett gelegen hatte und nicht mehr wusste wie das geschehen ist, lies für sie kein Zweifel daran, dass hier etwas schlimmes passiert war.

 

Er war bei ihr, nur noch ein paar Schritte, sie roch seinen Duft des Aftershaves. Es roch herb, nach Sandelholz und einem bisschen Zeder. Und seine Augen waren Stahlblau, ein starker Kontrast zu den schwarzen Haaren. Doch hielten genau diese Augen sie nun gefangen in der Ecke in der sie nun Stand, zitternd am ganzen Körper und sie spürte nur so wie das Adrenalin in ihren Adern sich ausbreite und sie wie eine Katze zum Sprung anfeuerte.

 

Als er nur noch zwei Schritte von ihr Weg war erhob er erneut die Stimme, sie war nun sonor Klingend und traf sie in ihrer Panik wie ein Peitschenhieb auf den ganzen Körper.

„Ellena, mach keinen Unsinn und komm her.“, Ellena, er hatte ihren zweiten Vornamen benutz eine Tatsache, die ihren Geist schon wieder zum überschlagen brachte. Sie benutze diesen Namen in der Szene in der sie sich bewegte. Eine Gewissheit die sie wie ein Schlag trag, dass er genau jenen benutze. Immer wenn sie auf Partys war oder in Clubs oder auch auf ihrer neusten Leidenschaft benutze sie genau diesen Namen. Er sicherte ihr ein Stück weit Anonymität. Denn in keinen Netzwerken oder im Telefonbuch stand ihr zweiter Vorname.

 

Sie benutze ihn aus diesem Grund, weil sie nicht Lügen wollte, keinen Phantasienamen erfinden wollte, denn immerhin gab es die Möglichkeit, dass sich aus ihren Bekanntschaften Freundschaften ergaben oder vielleicht auch genau der Mann ihres Lebens darunter war und dann so etwas auf einer Lüge zu beginnen war ihr zu perfide. So konnte sie immer noch behaupten, dass ihr erster Name, Katharina ihr zu perfide war und sie daher ihren zweiten Benutze weil er schöner Klang.

 

Aber das er genau diesen Namen kannte machte ihr Angst, das hieß sie musste ihn irgendwo schon einmal kennen gelernt haben, gesehen haben oder zumindest er musste jemanden kennen der sie kannte! Langsam fand sie ihre Stimme wieder nachdem ihre Gedanken dies alles in Bruchteilen von Sekunden durch ihren Kopf gejagt hatten und sie sprach zitternd, erregt durch die Angst und die Panik.

„ Wer seid ihr, was wollt ihr von mir! Lassen sie mich sofort hier raus.“, ihre Worte klangen irgendwie Ironisch in dem großen Raum wieder, denn sie hatten keinerlei Nachdruck, sie waren die Worte eines Tieres was in die Ecke gedrängt worden war. Und das lächeln auf seinen Lippen, was nun den gänzlich besorgten Teil seines Gesichtes verdrängte, hatte etwas wölfisches, spitzbubenartiges.

„ Kleine Ellena, du bist hier weil ich es so will! Es ist mein Wunsch das du hier bist und du bist diesem Wunsch gefolgt und weist es nun nicht mehr?“, er lachte auf nach seinen Worten umfing sie erneut in dieser Panik und legte dann sogar noch seine Finger um ihren Oberarm, welche jenen wie in einem Schraubstock so fest umgriffen. Sie hatte sich nicht einmal wehren könnten dagegen, sie war erneut so erstart gewesen, dass die eigentlich geplante Flucht in ihrem Kopf wie in einem Kartenhaus zusammen gebrochen war. Der ganze Gedanke an einen Sprung, einen Rempler der ihn ins stolpern bringen sollte war weg gebrochen. Es zählten nun gerade nur noch der warme Griff an ihrem Arm und die Worte in ihren Ohren.

 

Er zog sie mit einem kleinen Ruck näher an sich heran, der Mantelstoff knirschte dabei als sie auf das seidene Hemd an seiner Brust klatschte und nun an seiner Brust hing. Er war größer als sie mindestens einen und einen halben Kopf. Was natürlich bei der Tatsache, dass sie nur mehr einssechtzig ist, nicht schwer war. Aber alleine, dass sie nun an seiner Brust hing mit ihrem Kopf und sein Herzschlag in ihren Ohren dröhnte und der Griff seines Armen nur noch fester wurde um sie dort zu halten, lies es ihr schwarz vor Augen werden.

Die Welt drehte sich um sie herum für einen Moment und die Übelkeit kam in ihr hoch, geschürt aus Angst und Panik vor diesem ihr so fremden Mann der doch schon mehr wusste als er scheinbar ihr nun sagte.

 

Ihre Finger vergruben sich von ganz alleine in dem seidigen Stoff unter ihren Fingern als ihr so Übel wurde und sie die Augen fest zusammen pressen musste damit sie sich nicht sofort und auf der Stelle übergab. Seine andere Hand legte sich dabei auf ihren Rücken, brannte durch den dünnen Herrenmantel hindurch auf ihre Haut und gab ihr halt. Dabei säuselte er nun leiserer Worte in ihr Ohr hinein förmlich beruhigender Natur. „ Keine Angst meine kleine, dass sind nur die Nachwirkungen der Beruhigungsmittel und dem Alkohol. Es geht gleich wieder weg. Und nun zieh diesen albernen Mantel aus dann verspreche ich dir auch, dass dein Ungehorsam nicht in deinem Zimmer zu bleiben keine Nachwirkungen hat.“

 

Alkohol, Beruhigungsmittel, die Worte brachten sie zu einem tiefen Zucken. Er hatte sie unter Beruhigungsmittel gesetzt gehabt, er hatte sie Entführt! Und bei dem Wort Alkohol kamen kleine Fetzen aus Erinnerungen in ihr Hoch, ließen eine Gänsehaut ihren Körper hinauf und wieder hinunter fahren. Sie hatte sich vorgenommen gehabt auf eine Party zu gehen, eine Fetischparty um genauer zu sein. Eine Freundin hatte sie dazu überredet und ihre Neugierde war geweckt gewesen umso mehr sie sich mit dem Thema beschäftigt hatte.

Und sie erinnerte sich noch daran, wie sie zusammen auf diese Party gegangen waren. Es war in einem alten Club der Stadt gewesen, er hieß Abstellgleis, und war in einem alten abgelegenen Bahnhof englang der nicht mehr genutzten Bahnstrecke.

Sie waren zu noch recht früher Stunde dort hingekommen, weil sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren wollte um sich das Geld für ein Taxi nur einmal leisten zu müssen. Es war noch nicht sehr voll gewesen aber eindrucksvoll. Überall an den Wänden waren durch Projektoren Bilder von nackten Frauen und Männern in recht eindrucksvollen erotischen Posen gewesen, Teils waren sie Gefesselt mit seidenen Bändern oder Seilen, doch meistens standen sie eher da wie Skulpturen eines Künstlers wunder schön anzusehen. Dadurch das sie so früh da waren, hatte Ellena viel Zeit gehabt sich alles einzuprägen und auch die Personen zu beobachten die bereits da gewesen waren. Doch all zu genau konnte sie sich nun in diesem Moment nicht mehr an sie erinnern und auch an den Mann der sie nun in den Armen hielt. War beim besten Willen kein Gedanke hervor zu locken.

Sie wusste nur noch, dass der Abend voran geschritten war immer mehr Leute waren in den Club geströmt, teilweise sehr seltsamer natur, teils sehr normal wie sie. Das einzig unnormale war die Kleidung gewesen, sie bestand wie in den Einlassbestimmungen erläutert nur aus Leder oder Latex.

Genau der Punkt den Ellena an dieser Party gereizt hatte. Sophie ihre Freundin die sie begleitet hatte, war zum Ende des Abends kaum mehr zu sehen gewesen, daran erinnerte Ellena sich nun schlagartig auch wieder. Sophie hatte sich einen Kerl angelacht der sich als Klaus vorstellte. Er war einer der Animateure gewesen und hatte eine sehr erotische Feuershow auf der Bühne gezeigt.

 

Bei dem Gedanken daran schwankte sie im hier und jetzt leicht hin und her und der zweite Arm der bisher an ihrem Oberarm sich noch verkrallt hatte wanderte unter sie. Und ehe sie es sich versah und nur ein Wort wieder sprechen konnte, hatte er sie angehoben. Er schien keinerlei Probleme damit zu haben sie zu tragen, schien sie doch mehr wie eine Feder in seinen Armen.
“Ich bringe dich jetzt nach oben dort wirst du dich noch etwas ausruhen und dann Essen wir etwas gemeinsam es ist immerhin beinahe schon wieder Abend und ich habe keine Lust das du noch weiter vor dich hin schläfst.“, waren dann seine Worte als er sie die schwere Treppe hinauf trug und jeder seiner Schritte auf dem Fliesenboden ihr eine Gänsehaut über den Körper laufen ließ und sie in einen Abgrund stürzte.

„ Bitte lass mich gehen, ich weis nicht wo ich bin wer ihr seid, ich möchte nachhause. Außerdem ist das was sie hier machen Entführung“, wagte sie noch einen Ansatz an Widerworte, dabei mit sich ringen diesen einen Nachdruck in ihrer zitternden Stimme zu geben.

 

Sie war noch nie eine sehr mutige Person gewesen, auch auf der Arbeit nicht, sie war immer demütig, nickte viel und erledigte ihre Arbeit. Streits mochte sie nicht und wenn ging sie sowieso als die Nachgebende Person aus diesen heraus. Und so kam es ihr nun auch nicht zu gute, ihr fehlte einfach der Biss sich durchzusetzen.

Er hingegen lachte nur auf ihre Worte hin und seine Hände vergruben sich nachdrücklich in ihren Körper den er nach oben trug. „Nein meine Kleine du bist hier genau Richtig.“, war seine Antwort auf ihren lächerlichen Widerstand, sodass ein Funken Wut in Ellena hinauf kroch, wieso bei allem in der Welt konnte sie sich nicht durchsetzen, wieso schaffte sie es nun nicht sich zu zwingen eindrücklich zu sein, zu zappeln zu schreien oder andere Dinge zu machen die man als wehren beizeichnete.

 

Ihr Weg auf seinem Arm führte sie einen langen Gang entlang, vorbei an genau solchen Bildern wie sie auch an jenem Abend gesehen hatte. Nur mit dem Unterschied, dass dies alles Frauen waren. Frauen die gefesselt waren, teils demütig kniend mit den Händen auf dem Rücken gebunden. Teils waren sie aufgespannt wie ein X und viele kleine Seile banden ihren Körper. Ihre Augen fuhren in seinem Schritt jedes einzelne Bild ab und sie bildete sich sogar ein, dass er langsamer lief um ihr diese Zeit zu lassen. Und am letzten Bild angekommen spürte sie ein leichtes ziehen in der Magengegend, den Wunsch, dass er noch einmal zurück ging, damit sie sich auch die andere Wandseite ansehen konnte wo auch solcherlei Bilder hingen. Der Wunsch nach mehr, wie sie sich einredete nun Kunst.

Doch stattdessen war sie nun in einem Raum, eine Art Wohnzimmer angelangt. Ein großes altes anmutendes Klavier Stand darin, dahinter erkannte sie Bücherregale die einen Kamin umsäumten in welchem ein kleines Feuer brannte. Und unter den großen Balken die den Raum teilten  und eigentlich etwas Fehlplaziert wirkten stand ein altes Liegesofa. Alt nur in dem Sinne, dass es einfach ungewohnt war. Die Meisten Menschen besaßen große Liegelandschaften in modernem Leder oder Stoff. Aber dies hier sah aus wie der Barockzeit entsprungen. Und genau auf jenes legte er sie nun. Und bevor ihre Gedanken diesen Sprung und das ziehen in ihrem Unterleib welches sich genau in ihrem Schritt bündelten sortieren konnte. Hatte er zwei Handschellen von der Lehne des Sofas vorgezogen, sie hingen an einer langen Kette und waren irgendwo genau mit jenem Barocken Ungetüm verbunden.

Nun war es an ihr wieder zurück zu weichen, der Gedanke an Flucht war wieder da und lies sie weiter hinter auf diesem Teil rutschen. Doch seine Hände waren stark, genauso wie sein Blick nun etwas eisiges Ausstrahlte und er fester Stimme sagte. „ Gib mir deine Hände sonst hol ich sie mir.“

 

Ein Schauder kam in ihr auf, das erneute Gefühl würgen zu müssen. Und sie verharrte so an Ort und stelle. Doch so rasch sie weggerutscht war, hatte er sie dann auch wieder vorgezogen. Seine Hände waren Schnell und sein Körper wie der eines Raubtieres. Er stürzte sich auf sie, lies das prasseln der Hände die ihn wegdrücken wollten über sich ergehen um mit der freien Hand wieder die Fesseln zu greifen und sie mit einem strengen Klicken erst um den linken und dann um den rechten Arm zu schließen. Und dies alles unter dem eigenen Gewicht seines Körpers welches sie förmlich Bewegungsunfähig gemacht hatte.

„Bist du nicht Willig, so gebrauch ich Gewalt.“, säuselte er ihr dabei ins Ohr hinein und rief ihr ein längst vergessenes Buch in den Kopf mit welchen man zu gerne Schüler quälte. Doch alleine der Satz in ihren Ohren und das Bewusste fühlen der kalten Kettenglieder an ihrem Körper und seinem eigenen auf ihr brachten sie dazu ruhiger zu werden.

Es war paradox aber irgendwie war es ein gewisses Gefühl von Sicherheit was in ihr Aufkeimte, auch wenn er ihr Gewalt androhte. Sie fühlte sich nun besser. Und so lies sie die angewinkelten Beine sinken und auch die Arme und hörte auf ihn zu treten und zu schlagen.

 

Er blieb noch eine kleine Weile auf ihr liegen, hielt sie mit den Armen weiter fest und hauchte seinen Atem über ihren Nacken hinweg den Rücken hinunter bevor er dann wieder leise säuselte. „Ellena, schlag mich nie wieder und wehr dich nie wieder so gegen mich, sonst werde ich dir zeigen, dass dies nur ein kleiner Anfang war und das nur Kindergarten, denn das nächste Mal werden es keine Fesseln sein die ich dir dann nur anlege. Sondern ich werde dir zeigen was mit kleinen Mädchen passiert die ihrem Herren wehtun.“

 

Diese Worte schossen genau in die Mitte ihres Körpers ein und erhöhten einerseits ihre Angst vor dem was dieser Mann von ihr wollte, erhöhte aber auch das ziehen in ihrer Mitte, welches sie frösteln lies. Wieso bei allem in der Welt hatte dieser Machtkampf um ihre Freiheit mit ihm sie so durcheinander gemacht und auch noch erregt?

 

Mit dieser Frage im Kopf, ließ er sie zurück, den Mantel ihr lassen. Für den Moment…

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Kommentare

Toll wie Du mit der Spannung spielst, es ist ein leichtes mit Ellena mit zu fühlen und es macht sehr an. Gerne würde ich mehr davon lesen, bitte weiter so.

Gruß

Kriegerin des Lichts

..entwickelt. Was die Freude an der immer noch schönen Sprache etwas hemmt ist die nun viel grössere Zahl von Fehlern. Ich bin durchaus nicht der Meinung, dass man auf einzelnen Vertippern und Fehlern rumreiten soll. Inhalt geht vor Form. Aber ich stolpere beim Lesen über Fehler. Und wenn ich in jedem zweiten Satz stolpere, dann stört es. Daher bleibe ich bei 5 Sternen, obwohl ich die Geschichte selbst schön und spannend finde. Also bitte betrachte das nicht als Angriff, sondern als Ermunterung ;-)