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Kostbarer Moment

sprich nicht zu mir

wenn wir erwartungsvoll den raum betreten,
in dem ich fern von dieser welt
nun wieder raum- und zeitlos sein kann

sprich nicht zu mir

wenn ich mit meinen kleidern jetzt nicht nur
den grauen alltag sondern auch
die jederzeit beherrschten masken fallen lasse

sprich nicht zu mir

wenn ich jetzt endlich wieder tief
in sammet-schwarze dunkelheit eintauchen darf,
die ich so lang vermisste
 

sprich nicht zu mir

wenn ich, da du die augen mir mit dunkler binde
fest nun verschließt, den kühlen, leeren raum
und deine gegenwart nur voller sehnsucht ahnen kann

sprich nicht zu mir

wenn ich mit allen meinen sinnen nun
mich selbst nur um so mehr wahrnehme -
und auch dich: dein atmen, leben, sein und deine gegenwart

sprich nicht zu mir

wenn du mir jetzt das lederband der oft gebrauchten kalten fesseln
wieder schließt und mir, indem du meine hände bindest,
den letzten schutz und die kontrolle nimmst

sprich nicht zu mir

wenn du mich zu der stelle führst, an der ich schon so oft
und vor erwartung bebend, ja oftmals zitternd auch -
und immer doch so voll unbändigem verlangen stand

sprich nicht zu mir

wenn du mir dann die arme hebst und bindest, deckenhoch.
und wenn die so erzwung'ne streckung mich
mit jeder faser meines leibes das lebens lustvoll fühlen läßt

sprich nicht zu mir

wenn ich dir nackt und schutzlos und begiering dann
die nippelsteife volle brust entgegen strecke
und hemmungslos dir meine nasse geilheit zeige

sprich nicht zu mir.

wenn ich die beine spreize und, den boden
kaum noch mit den zehen greifend,
wollüstig mein gewicht den fesseln anvertraue

sprich nicht zu mir

in dieser endlos langen winzigen sekunde,
in der ich schwerelos
das kommende erwarte

sprich nicht zu mir

sei nur der stumme, kundige führer,
der meiner heißgeliebten besten feindin
den altbekannten immergleichen weg nun weist

sprich nicht zu mir

und störe nicht die stille
in der ich lautlos innig zwiesprache
mit meiner so verhaßten alten freundin halte

sprich nicht zu mir

ich würde keines deiner worte jetzt ertragen,
ein leises nicht
und nicht das lauteste

sprich nicht zu mir

ich würde jetzt dein flüstern
und auch dein schreien
nicht verstehen

sprich nicht zu mir

von strafe
und sag mir auch
kein torstvoll liebes wort

sprich nicht zu mir,

ein wort schon wär eben jetzt
viel unerträglicher als alles,
was du je meinem körper anzutun vermagst

sprich nicht zu mir

wenn ich erwartungsvoll,
gespannt und völlig atemlos
lusthungrig mich der qual entgegen strecke

sprich nicht zu mir

wenn endlich dann die stille scharf zerschnitten wird
vom laut, mit dem die dreifach fest geflocht'ne lederschnur
geschmeidig und mit bösem zisch die luft blitzschnell durcheilt und teil

sprich nicht zu mir

wenn schließlich dann der erste und so lang vermisste böse kuss,
der so geliebte schmerzhaft erste biss
mich unversehens wieder trifft

sprich nicht zu mir

zerstöre nicht den kostbaren moment,
in den ich lautlos stumm alle meine aufgestaut
erwartungsvolle qual vollüstig laut hinauszuschreien beginne

spricht nicht zu mir

doch freu dich an der lust, die meine qual
und an der qual, die meine
und auch deine lust bedeutet

sprich nicht zu mir

und zähl' die schläge nicht,
lass keine gnade walten
vor der zeit

sprich nicht zu mir

hör meine bitten nicht und nicht mein flehn,
mein wimmern nicht und meinen fluch
und übersieh mein hilflos feiges winden

doch sprich zu mir

wenn alles dies vorüber ist,
du meine fesseln löst und ich befreit
und doch auf immer unfrei bin

dann sprich zu mir:

du bist ganz mein
 

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liebe leute, diesen kleinen text, den ich hier mal zur diskussion stellen will, ist schon seit einiger zeit in meinem blog  erschienen, aber nur ganz wenigen freunden bekannt geworden. ich habe gerade noch einige änderungen gemacht, so wie sie sich beim wiederlesen ergeben (ich werde wohl nie die endgültige form finden). ich würde mich freuen, wenn er euch ein wenig freude macht. und ich freue mich natürlich genauso über kritik und anregung.

eine kleine bitte: wer den text mag, kann ihn gerne für private zwecke kopieren. fragt mich aber bitte, bevor ihr ihn an andrer stelle im internet oder in printmedien zitiert, kopiert oder sonstwie verwendet.  ihr werdet sicher verstehen, dass man seine texte nicht in jedem zusammenhang oder unter fremdem namen veröffentlicht finden möchte. die textrechte liegen ausschließlich bei mir.

so und nun genug von solch formalem kram, ich hoffe einfach, mein lyrischer s/m-erstling hat euch ein bisschen gefallen oder angeregt.

eure "january dellamorte"

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Kommentare

Bild von Artaxerxes I

... denn alle Lust will ...

... denn alle lust will ... bezogenheit! So, frei nach Nietzsche möchte ich diese schönen Worte kommentieren. Ja, ich mag diese Worte, berühren sie doch mein Herz. Wohl dem Menschen, der diesen letzten Satz hört und wissen darf, er ist gemeint. Das hat fast schon religiöse Tiefe. Ich bin beeindruckt. Danke



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