"La cathedral" Teil 6: Versuchsanordnung aus der Feder eines irren Arztes

 

Er besitzt keine Vorstellung mehr, worauf er sich hier eingelassen hat. Erwartungshaltung war einer apathischen Neugier gewichen. Frisch gereinigt und perfekt gepflegt wartet er. Worauf? Er weiß es nicht. Zur selben Zeit, wo mit derlei Fragen beschäftigt, gehen andernorts Vorbereitungen vonstatten. Davon nichts ahnend. Vergeblich nach Schmerzen suchend, tastet er sich gedanklich komplett ab. Jede einzelne Körperzelle wird sondiert. Nichts. Dabei ist ihm, als wäre er übel zugerichtet worden.

Irren ist halt menschlich. Error. Das Geschöpf Gottes ist einziger Geburtsfehler. Mängelbehaftet, unvollkommen und geistig beschränkt. Versucht es, dieses zu ignorieren und erdreistet sich womöglich auch noch, sich darüber zu erheben, landet es schnell in Situationen wie dieser. Denken ist den Pferden zu überlassen, sie besitzen die größeren Köpfe. Vielleicht auch deshalb wird weltweit gern geritten. Selbst der Teufel und der Wahnsinn tun es freudvoll mit dem Menschen. Er eignet sich ja auch gut dafür. 

Vor seinem inneren Auge tauchen Bilder auf, die früher die Stürmer auf den Plan gerufen hätten. Ein Fenster! Wo ist hier ein Fenster, um sich zu stürzen? Heiß und ungemütlich streicht ein tropenartiger Luftzug durch die vergitterte Öffnung. Erst jetzt, Stunden nach seiner Ankunft, fällt ihm die eigenartige Anordnung der Wände auf. Hier ist nichts normal. Aber was ist schon normal? Dodekaeder sind mitunter regelmäßig, aber nicht normal.

* * *

Ohne die Antwort ihres neuen Spielzeugs abzuwarten, entfernt sich Griselda zu ihrer eigenen Sicherheit von der Baracke mit den Worten „Also viel Spass Jungs!“, nicht ohne den leicht zynischen Unterton ihrer Stimme und doppelt gleich noch: „Wenn er ordentlich verpackt ist, könnt ihr das Jhon mitteilen, oder Gacha. Die beiden werden mich dann sicherlich gern informieren. Ich muss jetzt los zum Mathematiker.“ Denn wer wusste schon, ob die beiden Koksnasen in der Lage waren, diese anspruchsvolle Handarbeit zu vollbringen…

Leicht genervt und gestresst erreicht Griselda gerade noch rechtzeitig den Parkplatz.

Der Fahrer empfängt sie auch freundlich mit den Worten „Hör gut zu, ein Deal ist ein Deal. Nichts kann daran geändert oder nachverhandelt werden!“, erdreistet sich der Chauffeur Frank Martin ernsthaft Sie, die Patin des Kokains, zu ermahnen, wegen der läppischen 15 akademischen Minuten? Sie hat sich wohl verhört! Nein hat sie nicht!

Ebenso freundlich grüßt Griselda Frank zurück, indem Sie ihm schwungvoll den einen Aktenkoffer mit der Kante zwischen seine Beine schlägt. „Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Ich bin hier die Chefin. Hier deine erste Hälfte. Der Rest, wenn der Auftrag erledigt ist!“, schnauzt ihn daraufhin La Madrina extrem angepisst an und setzt sich in die Limousine, als wäre es das selbstverständlichste der Welt.

Griseldas kleine Schwester, Rahab, die bereits in der dort geparkten Limousine sitzt, sieht wieder einmal entzückend aus mit ihrem blauschwarzen, in der Sonne glänzenden Haar. Der Pagenschnitt und ein silbrig glänzender D- Ring an schwarzem Seidenhalsband unterstreichen nur noch die braunen Augen à la Natalie Portmann. Man hätte ihr die 18 Jahre wirklich kaum gegeben. Ja, die Kurze, aufgezogen von einem Profikiller, war schon immer ein gerissenes Mädel.

Ganz in Transporter-Manier rast alsdann die Limousine, eine einzige Staubwolke hinterlassend, Richtung Flugplatz, wo bereits der Privatjet für den Flug nach Princeton vorbereitet wird.

„Hätte ich mal 'nen ordentlichen Beruf gelernt, dann hätte ich jetzt 'nen gemütlichen Nine-to-five-Job und wäre nicht die rechte Hand von Escobar. Wenigstens bleiben mir dadurch die lästigen zweier S-Flugbegleiterinnen eines A320-Fluges mit ihrem wilden Gestikulieren in den Gängen erspart und das stundenlange Warten auf einen ordentlichen Sekt“,  denkt sie, während Griselda sich gähnend für den Flug anschnallt, Rahab von der Seite mustert und darüber sinniert, ob der Name Rahab als Synonym für eine Dirne und Volksverräterin steht oder vielmehr für gelebte Menschlichkeit und Schutz der Familie. Schließlich war die biblische Rahab aus ihrer Sicht irgendwie beides zu gleich, als sie den beiden Soldaten der gegnerischen Armee Einlass in ihr Haus gab und diese vor der eigenen Armee schützte, nachdem sie sich versprechen ließ, dass ihre ganze Familie im Gegenzug beim baldigen Massaker zu verschonen sei.

Auf dem Campus angekommen, flüstert La Madrina der kleinen Rahab ins Ohr: „Geh, meine kleine Rahab, und heize dem Professor ordentlich ein. Bring ihn anschließend zur Limousine. Ich möchte mit dem Professor noch seine Lieblingsaustern essen gehen und ein Gläschen guten Wein genießen. Nur so bin ich fähig, mir sein mathematisches Gebrabbel zu meiner vorzüglichen Idee anzuhören, schließlich hat er mir gefälligst für Imhotep noch einen Entwurf zu stellen! Falls er dies nicht gleich freiwillig tut, wird er dies spätestens dann, wenn er sich an deinen Tittchen laben konnte! Nun geh mein Kind.“

„Eher lerne ich perfekt Mandarin, als diese unsägliche Buchstabensuppe in Verbindung mit Zahlen und sonstigen schrecklichen Zeichen zu verstehen! Wirklich, warum tue ich mir das an? Als Puffmutter konnte ich so eine ruhige Kugel schieben“ denkt sich La Madrina, während sie sich noch einen ВОДКА- oder zwei drei- gönnt und von ihrem ВИКТОР träumt.

Erschöpft von einem erneut sehr strengen Arbeitstag, genehmigt sich Griselda ihre erste Zigarette des Tages vor ihrem neuen Spielzeug, nachdem sie zuvor noch dem Doktor einen Brief in die Irrenanstalt schickte und ihn für den nächsten Tag zur SADOM in den Behandlungsraum 3 verbringen ließ, denn der spielt ja neuerdings so gern mit Laborratten.

„Sicherlich, Rahab scheint auf den ersten Blick engelsgleich, brav und kindlich, aber sobald die Tür ins Schloss fällt, rammt sie schon dem Professor emanzipiert ihre Krallen in den Oberschenkel, während sie ihn, auf welche Art und Weise auch immer, um den Verstand zu bringen weiß und gefügig macht.“ Griselda verdrängt Rahab aus ihren Gedanken, denn sie wird gerade von dem Häufchen Elend vor sich jäh unterbrochen.

„Kannst du die Dinger mal auf meine Eier setzen und freundlichst versuchen, diese verdammte Kippe auf ihnen auszutreten?“ Er zeigt bei diesen Worten auf ihre Stiletti.

„Hat das Etwas wirklich eben gesprochen?“, fragt sie sich selbst erstaunt, aber wie könnte sie diesem armen Kerl auch etwas Derartiges abschlagen.

„Klar doch. Kein Problem! Da habe ich jetzt richtig Bock drauf.“ Schon gleitet sie, seine Schreie ignorierend, mit ihrer Zigarette sanft auf seinen Eiern auf und ab, damit die Kippe so lange wie möglich seine dort empfindliche Haut verbrennen möge.

Als sie genug davon hat, holt Sie mit ihren Stiletti ordentlich aus und tritt ihm zwischen die Eier, nicht ohne ihm mit dem Absatz standesgemäß den Damm aufzuschürfen, letztlich sollte ihn dieser Tritt noch lange daran erinnern, wer hier das sagen hat!

Da die erste Kippe mittlerweile nicht mehr zu gebrauchen war, zündet sie sich ihre zweite an.

Während sie genüsslich raucht, fordert sie ihr neues Spielzeug schnippisch auf, das Pfötchen zu reichen, denn es ist gerade kein Aschenbecher in der Nähe. Unter seinem lautstarken Protest lobt sie danach ihr Playmobil. Niemals soll man die positive Konditionierung außer Acht lassen!

„Wie süß er doch ist, wenn auch noch nicht so belastbar.“, denkt sie sich, während sie ihn noch die aufmunternden Worte zuraunt: „Beim ersten Mal tut es noch weh. Davon bleibt nichts, keine Bange. Du hast eben Glück, ich mag dich.“

Erstaunt über die eigenen Worte, fragt sie sich selbst, ob sie, die Patin des Kokains und eine der größten Soziopathen und Misanthropen der Welt, das jetzt wirklich gesagt hat und schiebt es auf den reichlich geflossenen Alkohol und die Austern.

„Nun sieh dir diesen Schwerenöter an! Hat man dafür Worte? Komm.“, sagend bemerkt sie, als sie diesem Häufchen Elend aufhelfen will, dass dieser unter den Achseln rasiert ist. Ihre sadistische Ader kann dieser Verlockung nun mal nicht widerstehen und so drückt sie stattdessen die inzwischen dritte Zigarette in seiner Achsel genüsslich aus, während sie das wackelige Ding ins Schlafzimmer zerrt, denn das seltsame Wesen fiel deswegen gleich in Ohnmacht.

Da in ihrem Schlafzimmer nicht geschlafen, sondern Schwerstarbeit verrichtet wird, küsst sie ihn mal eben wach.

Er täte also gut daran, am nächsten Tag, wie von ihr gewünscht, eine Frau ins Schlafzimmer zu bringen!

„Lehder und Jung, packt den mal in den Proto-Dodekaeder von Imothep! Und wenn einer von euch dem Typen nochmals Valium spritzt oder sonst 'ne Scheiße verfüttert, seid ihr Hackfleisch! So etwas kann ich im Bett nicht gebrauchen!“, keift La Madrina die beiden Koksnasen an.

ψψψ

„Ein Brief! Von ... Griselda Blanco? Wer ist das?“ Seine Gedanken waren klinisch, geradezu steril.

„Was möchte die von mir?“ Sein langsames Auf- und Abgehen im Behandlungsraum 3 der SADOM hallt durch den weiß gefliesten Raum.

„Hat sie mir nicht schon vor Tagen etwas erzählt? Als sie mich hier besuchte und dieses Ding hier vergaß?- Zuhören ist wirklich nicht meine Stärke. Schon gar nicht, wenn ich tagelang in der Isozelle gut fixiert mit Augenbinde lag und dabei Zeit und Raumgefühl verlor!“ Seine glänzenden schwarzen Stepptanzschuhe klicken wie im OP- Saal herunterfallende chirurgische Scheren, Pinzetten und Skalpelle auf einmal zu „Cry of the celts“ und „Nightmare“.

„Ja, wir Ärzte wissen schon, wie man Leuten mit Deprivation den Verstand raubt … Man stelle sich vor, ich habe sogar bereits angefangen, David Bowie’s Lazarus vor mich hin zu singen! Der Arme soll ja gestorben sein … Aber ich höre ganz besonders dann nicht zu, wenn mein Schwanz für mich denkt! Und das tut er in diesem Moment … Sie wirkt aufgeregt und irgendwie doch entzückt, mich zu sehen. Sehr sogar! Sie redet ununterbrochen auf mich ein. Ich glaube, irgendwas von Durchführung eines Stanford-Cube Projects. Oder geht es doch nur um die Auswahl und Vorbereitung der Versuchspersonen? Ich weiß doch auch nicht mehr!“ Der Doktor betrachtet den von ihr mitgebrachten Rubik-Cube mit Abscheu.

„Hm, wie gestalte ich denn nun diese Dodekaeder?“ Vor seinem inneren Auge entsteht ein großes hölzernes Pferd. Eigentlich mehr zwei nach oben spitz zulaufende Bretter. Dazu gedacht, dass eine Hexe darauf sitzt! Die Bretter sind so angeordnet, dass sie gerade nicht in das weiche Fleisch eindringen, aber der Hexe so unbequem erscheinen werden, dass es ein Stöhnen entlockt! Ihre Beine sollten natürlich den Boden nicht mehr berühren! Deshalb werden diese seitlich mit Manschetten so fixiert, dass die richtige Inquisitionsposition selbstverständlich nicht verändert werden kann! Die Arme sorgsam auf den Rücken gefesselt, die Hexe soll sich ja auch nicht mehr abstützen können und die Folter ungestört genießen können! Wenn man die Hexe nun ein paar Stunden allein lassen würde, könnte man sie nicht nur stöhnen, sondern auch herrliche Schreie von sich geben hören! Man könnte aber auch, wenn man nicht so lange warten möchte, schwere Gewichte an ihre Füße und Klammern an die Titten hängen, denn das beschleunigt das Schreien erheblich! Ja, insgesamt ein Inquisitionsspiel wie gemacht für die Genießer der Hungerspiele von der Cathedral in Antioquia!

Ein Dodekaeder weiter ist dann eine brüllende Reiterin zu betrachten, auf einem Metallrohr, das zwischen zwei Pfosten steht und höhenverstellbar ist. Die Reiterin darf das Metallrohr selbstverständlich zwischen ihre Beine nehmen! Dabei sollte sie natürlich schon nackt sein und die Arme auf den Rücken gefesselt haben, sonst macht das ja keinen Spaß! Während das Metallrohr so hochgefahren wird und das Mädel gerade noch auf Zehenspitzen stehen kann, um es ja nicht mehr zu berühren, kann der Reitlehrer nun auch unentwegt und ordentlich Strom durch den Metallstab schicken, damit das Traben so richtig gelernt wird. Auf, ab, auf, ab. Jawohl, nur so ist‘s recht! Reizstrom ist eben eine feine Sache!

* * *

Hat er geträumt? Oder wacht er? Überall betastet er seinen Körper, um Gewissheit zu erlangen. Er lebt. Keine einzige Spur von Gewalt. Erst jetzt fällt es ihm auf. Das ist kein gewöhnlicher Raum, wenn auch regelmäßig. Er zählt, ein Dodekaeder – dunkel und ungemütlich. In einiger Entfernung ein diffuses Licht, durch eine vergitterte Öffnung gezwängt. Es verdient den Namen Strahl nicht. Voller Hoffnung ist er hierher gekommen, erwartungsfroh. Niedergeschmettert lehnt er jetzt an der Wand, hoffnungslos.

Und doch ist da etwas, das ihn nicht los lässt. Wo ist er? Gott, wo bin ich? Teufel, noch einmal! Alles Beten und Fluchen ist zwecklos, ihm fehlt ein Stück. Erinnerung? Sein? Oder Zukunft? Null. Nichts. Leere. Im Raum, wie im Kopf. Da ist nur noch eines, diese Frau … geil, begehrenswert und voller Anziehungskraft. Ist sie es? Das Unheil? Oder die Verheißung? Rastlos schwirren die Gedanken in ihm umher. Schmerz. Ist da nicht Schmerz gewesen? Er betastet sich erneut, Zelle für Zelle. Außen, innerlich. Keine Spur.

 „Komm hoch!“, sagt diese Stimme. Langsam, voller Mühe schiebt er sich nach oben. Noch wacklig auf den Beinen, lehnt er sich an die Wand. Schweiß auf der Stirn, zitternd in den Knien. Dann ein erster Schritt, zwei. Ohne Rückhalt. Frei im Raum. Ein Etwas auf zwei Stelzen. Warten. Ruhe. Stille. Ohren betäubendes Schweigen. Nerven raubendes Nichts. Er schaut ins endlose Dunkel vor sich. Da ist etwas. Nein. Da ist … 

Sie holt aus und trifft ihn auf dem Schlüsselbein. Die Reitgerte erreicht exakt das Ziel, punktgenau. Er schreit, ohne einen einzigen Ton von sich zu geben. „Es geht doch, wir bekommen das schon hin“, sind die nächsten Worte. Er reißt sich zusammen, beißt die Zähne aufeinander und beginnt zwanghaft innerlich zu zählen, als eine Flut von Schlägen auf ihn einprasselt. Jeder nächste Hieb härter als der vorherige. Eine Salve, ein endloses Feuerwerk. Wie ein Hengst auf der Zielgeraden wird er getrieben, hormonell an die Grenzen gebracht.

ψψψ

Man betritt den nächsten Dodekaeder durch eine große, zweiteilige Flügeltür. Ein schwerer schwarzer Brokatvorhang verwehrt den direkten Blick. Der Vorhang ist im Halbkreis vor der Innenseite an der Decke befestigt. In der Mitte ist der Durchlass. Der Stoff überlappt entsprechend! Drinnen entsteht im ersten Moment das Gefühl, in einem kleinen aber edlen Theater zu sein. Der Boden ist mit dunklem Teppichboden ausgelegt. Die Wände mit Seidentapete im alten Stil bezogen. Gegenüber dem Eingang befindet sich eine kleine Bühne. Vor der Bühne stehen vier wuchtige edle Sessel. Zwei links, zwei rechts der Raumachse. Auf einem davon sitzt Gustaf Gründgens in seiner Rolle des Lebens als Mephisto. Nein, falsch - es handelt sich bloß um eine Wachsfigur aus Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett! Im Hintergrund wird leise „Air“ von Johann Sebastian Bach gespielt.

Die anderen Sessel sind für mögliche Zuschauer gedacht. Wie zum Beispiel die beiden Besitzer der Zuchtobjekte nebst deren Begleitung! Aber nun sitzt dort gemütlich mit einem Sektglas Griselda neben Mephisto. Während auf der anderen Seite Jhon Jairo Velásquez Vásquez in einem Sessel Platz genommen hat. Daneben hat es sich Pablo Escobar gemütlich gemacht, derweil es sich Maria Victoria Henao auf dessen Schoss gerade bequem gemacht hat.

Hinten rechts in der Ecke neben der Tür befindet sich eine kleine Bar. Ein Barkeeper und Kellner sorgen hier für das leibliche Wohl der Züchter. Generell ist gut geheizt, damit Zuchtobjekte auch längere Zeit nackt sein können! An dem soll‘s nicht liegen. Man möchte ihnen ja ordentlich einheizen!

Jeweils rechts und links an der Wand sind Monitore angebracht. Hier werden die Informationen über die Zuchtobjekte angezeigt. Ebenso Großaufnahmen der stattfindenden Aktion! Eine Fernbedienung für die entsprechenden Kanäle liegt für Juan Pablo Escobar Henao bereit, als Geburtstagskind natürlich in seiner Rolle als Jigsaw mit entsprechender Maskierung.

Jeder Sessel hat auch eine Liegefunktion und ist so gebaut, dass man darauf bequem Sex haben kann.

Die "Bühne" ist aus hellem Parkett. Der hintere Bereich ist schwarz und rot abgehängt. In der Mitte der Bühne steht das zentrale Objekt, das Besamungsgestell. Es dient der richtigen Positionierung und möglichen sowie nötigen Fixierung der Zuchtstute! Es besteht aus einem Metallgestell, auf das Polster aus schwarzem Leder aufgebracht sind, und einer breiten Auflagefläche in der Mitte. Darauf legt sich die Stute dann mit ihrem Bauch! Die Auflagefläche läuft zum Kopf hin spitz zu, so dass sie zwischen den Brüsten endet, die dann frei pendeln können. Ja, die Haltung der Stute ist praktisch auf allen Vieren! Die Beine liegen vollständig an Polstern an, sowohl senkrecht die Oberschenkel, wie waagerecht die Unterschenkel. Gleiches gilt für die Ober- und Unterarme! Alternativ kann auch ein Kopfpranger angebracht werden, damit auch dieser fixiert ist! An allen Polstern sind mindestens zwei breite Lederriemen befestigt, um die Stute, in casu Wendy Chavarriaga Gil, ordentlich festzuschnallen. Die Teile für die Beine sind frei drehbar, so dass sie nach der Fixierung auseinander geschwenkt werden können. Nur so ist eine stufenlose Arretierung möglich und ein idealer Zugang zur Zuchtspalte der Stute durch das Anbringen einer Spreizstange! Die Grundplatte des Gestells ist zudem höhenverstellbar, um die Stute der Größe des Hengstes anzupassen. Diese kann so geneigt werden, dass der Kopf tiefer geht und der Hintern damit höher liegt. Dieses dient dazu, dass nach einer Besamung das kostbare Sperma nicht aus der Stute herauslaufen kann!

An der Wand zwischen den beiden Verbindungstüren steht ein edles Regal für Utensilien. Sauber und ordentlich sind hier Gleitgel, Analplugs, Knebel, aufblasbare Dildos zum Verschluss der Zuchtspalte, Peitschen und anderes Gerät aufgereiht.

In die Decke eingebaut sind Scheinwerfer, um alles gut auszuleuchten. Ebenso sind an verschiedenen Punkten an der Wand, der Decke und auch direkt am Zuchtgestell Videokameras angebracht, um den Vorgang vorbildlich für Juan Pablo Escobar Henao alias Jigsaw zu dokumentieren.

Hinter der Bar liegt der Vorbereitungsbereich, welcher nach Geschlechtern getrennt ist, links Hengste, rechts Stuten, geliefert von Premium Girls Solutions GmbH, eine Agentur für internationale Sklavenvermittlung aus Freising. In diesem Bereich ist es auch steriler. Weiße Fliesen bedecken Boden und Wände. In diesem Teil stehen jeweils zehn Käfige der Firma „Safe-Slave-Steel“. Es hat sich sozusagen herum gesprochen, dass diese weniger rosten, als der Chinaschrott!

Jeder dieser Käfige ist jedenfalls so groß, dass ein gut gewachsener Hengst sowohl aufrecht stehend, als auch auf allen Vieren, aufbewahrt werden kann. Modular können zusätzliche Stangen oder Platten eingeschoben werden, um das Zuchtobjekt in eine gewisse Haltung zu zwingen, beispielsweise nach vorn gebeugt, kniend oder stehend. Schließlich soll eine optimale Begutachtung gewährleistet sein! An jedem dieser qualitativ hochstehenden Käfige ist zudem ein Tablet angebracht, auf dem die Züchter die nötigen Daten über das Objekt lesen können, wie beispielsweise Alter, Größe, Gewicht, IQ, Maße der Euter, Zuchtspalte, des Zuchtapparates, Anzahl erfolgreicher Begattungen, Würfe, Milchproduktion, Blutwerte, Gesundheitsatteste, Analyse von Sperma oder Scheidensekret, Muttermilch, etc.

Auch sind Schläuche und Abflüsse zur Reinigung der Zuchttiere vorhanden! Ebenso Untersuchungstische und Utensilien!

Zur Vorbereitung können hier Objekte sogar durch undurchsichtige Kontaktlinsen vorübergehend blind oder durch den Einsatz von Ohrstöpseln taub gemacht werden.

„An dieses Spektakel wird „Last Exit to Brooklyn“ niemals heranreichen können. Sagte ich schon, dass Deprivation einen in den Wahnsinn treibt?“ Schritt um Schritt deduzierte der Doktor mittels kalter Logik, was seinen Versuchsaufbau unvollständig machte.

Aus diesem Bereich wird jedenfalls zuerst die Stute auf die Bühne geführt und fixiert, um anschließend den Hengst ebenfalls dort hinzuführen. Er verrichtet dann animalisch sein Werk!

Auf Wunsch kann natürlich auch alles von einem Arzt und Anti-Fertilisationsspezialisten, wie mir, begleitet werden. Muahaha. „Erkennst du mich wieder Wendy?“

* * *

Plötzlich findet er sich bäuchlings selbst auf einem Gaul wieder, die Arme unterleibig fixiert. Es naht offenbar ein Finale, die Zielgerade, wo der Jockey fast waagerecht auf dem Rücken, der das Glück bedeutet, liegt. Sekunden vergehen, angespannt und voller Erwartung. Ein leichtes zärtliches Streicheln des Hinterteils gibt Aufmunterung und Segen zugleich. Dann spürt er es nur noch tief in sich, als es ihm die Backen auseinander reißt. Im selben Moment kennt er kein Halten mehr und das Sperma schießt aus ihm heraus. Wie stundenlang abgemolken fühlt er sich nur wenige Augenblicke danach, nahezu bewusstlos den dankenden Ritterschlag empfangend.

ψψψ

„Etwas fehlt hier! Macht mal Beat!“, entfährt es dem Doktor.

„Ich habe viel zu wenige Ratten! Die Auswahl an Versuchspersonen erreicht nicht die notwendige Sättigung. Mehr Chaos und Unsicherheit brauche ich.“ Eine Assoziationskette beginnt in seinem Kopf abzulaufen. Mechanisch und rasiermesserscharf setzen sich einzelne Teile eines Puzzles innerhalb seines Kopfes zusammen.

"Welcher Kandidat ist besser von euch Zweien? Du, Kim Jong-un, oder doch lieber du, Abdul Qadeer Khan? Ihr verhaltet euch zueinander wie die Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium bei einer Kernfusion, zumindest wenn man eure Gemüter erhitzt! Einzeln zerfällt euer Wahnsinn jeweils spontan ähnlich wie das Californium-Isotop 252 Cf und dann spielt ihr gern mit dem Leben von tausenden Menschen.“ Sinnierend betrachtet der Doktor seine Auswahl.

In seinen Augen sind beide sehr gute Kandidaten. Intuitiv wählt er den einen aus und wirft ihn imaginär in einen der Dodekaeder.

„Aber ich benötige den passenden Jäger für dich." Vor seinem geistigen Auge entsteht langsam aber sicher ein Bild eines hervorragenden Versuchs.

„Oh, du wärst eine sehr gute Wahl. Der Würfel wie für dich gemacht und deine Fähigkeiten wären ideal. Bist du denn verfügbar, du kleiner Racker?" Mit sicherem Griff finden seine Finger das Fell und ergreifen die sich sträubende Katze.

„Nun Schrödi, willst du nicht etwas jagen? Los, hol dir deine Beute!“

* * *

Plötzlich findet er sich rücklings selbst auf einem großen sich quälend langsam drehenden Rad wieder, Arme und Beine gespreizt fixiert. Heißes Kerzenwachs tropft auf seinen geschundenen Körper. Leichtes zärtliches Streicheln gibt Aufmunterung und Segen zugleich. Ein glühendes Sengen nimmt ihm die Sicht. Schmerzendes Brennen auf der Haut, beißender Geruch. Schweres Metall, welches ihm fast die Knochen bricht. Schier endlose Ohnmacht. Immer wieder tröpfelt ihm heißes Wachs auf seinen Körper und holt ihn zurück.

* * *

„Du bist schon ein Glückspilz Felix!“ Zufrieden betrachtet sie ihr Werk, das ihn quer über praktisch sämtliche Rippen ziert, als würde er gerade tatsächlich von einer Schwarzen Witwe attackiert.

ψψψ

„Ein Experiment? Ich denke eher, die schöne Bestie Griselda, das wird nicht nur ein Experiment! Denn die gefällt! Eine besondere Miezekatze eben …“ Der Doktor setzt sich an den Negro-Labradorgranit-Schreibtisch des Behandlungsraums 3 bei der SADOM und schaut auf die obszön posierende Galatea!

Aus den Boxen dröhnt es:

„Willst du heut Nacht mein Sklave sein
Gehörst du mir heut ganz allein
Ich will mit dir die Sterne sehen
Und dann werd ich mich an dir vergehen“

„Ein Feldversuch? Oder nur ein „Quasi“-Experiment?“, fragt er sich.

„Ich bin von dir elektrisiert
So naiv, hab dich verführt
Wenn ich nach deinem Körper schiele
Denk ich nur an Doktorpiele“

„Egal, eine Linie kann nie schaden!“

„Es wär so schön wenns dir gefiele
Meine geilen Doktorspiele

Du gehst mir nicht mehr aus dem Sinn
Total verwirrt schmelz ich dahin“

Seine Gedanken drehen sich.

„Du redest meistens von Gefühlen
Ich träum was anderes, will zuviel“

Er findet sich in einem von ihr aus Seilen geflochtenen Spinnennetz.

„Doch bitte untersuche mich
Oh bitte untersuche mich
Wenn ich nach deinem Körper schiele
denk ich nur an Doktorspiele“

Er spürt, wie sich die Seile enger ziehen, weil er sich darin windet.

 

„Es wär so schön, wenn's dir gefiele
Meine geilen Doktorspiele
Wenn ich nach deinem Körper schiele
Denk ich nur an Doktorspiele“

Von der Decke baumeln zahllose mit Shibari verzierte Wesen an Fleischerhaken! Ihm ist wohl schlicht nicht bewusst, dass er mit der schwarzen Witwe verkehrt!

„Wenn ich nach deinem Körper schiele
Denk ich nur an Doktorspiele
Es wär so schön wenns dir gefiele
Meine geilen Doktorspiele“

Er lacht über ihre süße Dreistigkeit. „Schätzchen, du bekommst, was du möchtest! Ich bin schließlich kein Spielverderber! Nein, nein, das bin ich nicht, wirklich nicht …“

Hm, hm, hm. Er überlegt. Aus den Boxen dröhnt es:

„Die Nacht ist jung und ich will was erleben
Roll auf der Piste denn ich muss mich bewegen
Ich seh' ne top-Braut und sie, mich auch
Sie winkt mich zu sich rüber, verdammt ich tick' aus“

Dann schreibt er auf ein Stück Papier: „Experimentalgruppe: Alle, die verfügbar und Willens sind!“

„Die Gedanken spielen verrückt, als ich ihr näher komm'
Bitte-bitte, kannst du mir verraten, wo du her kommst
Doch sie lächelt mich nur an, denn sie will nur spielen (Sie will nur spielen)“

Er lacht herzhaft bei diesem Satz und denkt sich: „Schließlich sind alle erwachsen und wer keine Augen im Kopf hat, gehört sowieso aus dem Genpool entfernt!“, und schreibt auf das Papier: „Kontrollgruppe: Der Rest der Welt!“

„Ey ey ey
Sie hat den, monsta Body mit dem, monsta Blick
Und ihr, monsta Boom Boom gibt mir den Kick“

„Standards? Wen interessiert so etwas? Das Vorgehen innerhalb dieses Versuches definiert ohnehin den Standard neu! Es wird sozusagen zum neuen Standard! Jawohl!“, sagt er zu sich.

„Sie ist ein, Monsta, Monsta
Sie macht mir Angst doch ich weiß wie sie tickt

Sie ist ein, Monsta, Monsta
Sie macht mir Angst doch, ich weiß was ich will“

Er hält fest auf dem Papier: „Protokollierung: Alles wird aufgeschrieben, damit die verfickten Transparenz-Kreischer auch zufrieden sind. Alles wird veröffentlicht! Wirklich alles!“

„Ey Killerlady, ich lad' dich gern ein
Du musst von 'nem andern Stern sein
So ungeheuer, monsta sexy
Ich hab dich zum Fressen gern
So scharf wie Rasierklingen
Willst du mich zum Explodieren bringen
Fahr deine Krallen aus, kratz mir den Rücken auf
Zeig mir nochmal deine Piercings“

Das wohlige Gefühl von uneingeschränkter Macht überkommt ihn. Es erregt ihn. Mehr Erregung konnte selbst sein animalisches Gehirn sich nicht verschaffen!

„Ich füll' ihr Schampusglas nochmal nach
Sie guckt mich an und lacht
Und sagt, ich sei der geilste Junge dieser Welt
Doch das wird nichts ändern
Denn sie steht auf Männer“

Wiederholbarkeit: Ja klar, immer und immer wieder.

„Hey sie hat den, monsta body
Mit dem, monsta Blick
Und ihr, monsta Boom Boom
Gibt mir den Kick

Sie ist ein, Monsta, Monsta
Sie macht mir Angst doch ich weiß wie sie tickt

Sie ist ein, Monsta, Monsta
Sie macht mir Angst doch ich weiß was ich will“

„Verdammt Schwanz, ich brauche meinen Kopf für diese Versuchsplanung!“, denkt er sich.

„Sie ist gefährlich, doch ich komm nicht von ihr los
Meine Sucht nach ihr ist einfach viel zu hoch

Ich hatte grad 2, 3, 4 Drinks an'ner Bar, war
Mental schon fast Game Over
Auf einmal seh' ich dieses Vollweib, monsta“

Interpretation und Ergebnis: Bloßes Geschwätz! Na gut, sollen sie doch alle abstimmen. Von mir aus mit Sternchen, Bärchen, goldenen Himbeeren, Oskars oder kleinen grünen Pelzwesen aus dem Krebsnebel! Soll es sie doch glücklich machen. Hauptsache, ich habe meinen Spaß dabei!

„Sie fragt: Gehen wir zu mir?

Ich sag: Bleib erstmal hier

Ich lad' sie ein, wir trinken Sekt Rum, водка,Wein und Bier Auf einmal passiert was Unglaubliches Ich trau' meinen eigenen Augen nicht. Die Braut teilt sich auf, alles verschwimmt Sie setzt sich drauf auf mich Ich denk, wow sie hat noch 'n Gesicht Hammergeil ich hab doppeltes Glück Wen soll ich zuerst küssen dich oder dich Oh Mann bin ich Monstadicht“

Dann notiert er gewissenhaft dazu: „Experimentalgruppe: Alle, die verfügbar und Willens sind!“

„Sie hat den, monsta Body
Mit dem monsta Blick
Und ihr monsta Boom Boom
Gibt mir den Kick“

Ich bin kein gewöhnlicher Versuchsleiter. Das ist mir zu fade! Er stellt den Sound aus. Sinnend geht er durch den fast leeren Behandlungsraum 3, während der Raum in seiner Wahrnehmung mal größer mal kleiner wird. René Descartes pflegte ja zu sagen: „ego cogito, ergo sum“. „Ich bin nun mal, wer ich bin! Der nette Doktor von nebenan! Definiert durch meine Wahrnehmung und meine Erfahrung vor dem Horizont der Zeit! Der vierten Dimension! Ja, das wusste bereits Hans-Georg Gadamer …“, gesteht er sich selbst ein.

Eine bösartige Stimme im Kopf kichert: „Meisterin, wie ihr wünscht! Der nette Doktor wird schon für Ergebnisse sorgen!“ Und so greift der irre Arzt in den Labortier-Käfig, selbstverständlich gesponsert von „Safe-Slave-Steel“ mit der bewährten WIG-Schweißtechnik! Das Wuseln und wütende Quieken der Laborratten findet er gar possierlich und packt eine von ihnen aus diesem Käfig.

„Dich. Dich nenne ich John Forbes Nash Jr.! Und nun los, richte Unheil an! So ganz allein … Nein, ich sorge noch für etwas Gesellschaft, bin ja kein Unmensch.“ Er greift erneut in den Käfig und zieht eine weitere Laborratte in die Freiheit. „Dich. Dich nenne ich Imothep! Beiß sie, fick sie, roll dich auf dem Bauch ... Von mir aus friss sie alle auf!“

Bewertung

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Kommentare

meine freude könnte nicht größer sein, auch wenn ich das leid selbst mit verusacht hätte.

also es ist mit Sicherheit kein Leid diese Fortsetzung zu lesen. Es ist super geschrieben und macht neugierig auf weitere Teile.

Ich darf zitieren? "Beiß sie, fick sie, roll dich auf dem Bauch ... Von mir aus friss sie alle auf!" Na dann: Wohl bekommt's!

Mal schauen, wo das noch so hinführen wird.  Eine richtig böse Story, liebevoll verstrickt und mit 'nem echten Tick. Da kommt sicher noch so einiges auf den Leser zu - Erwartetes und Überraschendes. Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe ... ob wohl jedem einzelnen der beteiligten Autoren klar ist, was da losgetreten wurde? Also mein Ende - nicht das von mir persönlich - sondern das der Legende hat sich im Hinterstübchen schon festgesetzt.

Für mich ist das in allen Teilen Spannung pur und höchster Lesegenuss. Verbeugung vor jedem/r bislang beteiligten Autor/in.

I would not dare to say that there is a direct relation between a SADOM torture room  and madness, but there is no doubt that numerous great authors suffer from maniacal characteristics, delirium and symptoms of schizophrenia.

Nonetheless, in a dream it's typical not to be rational.

Meet you at Carrier Clinic.

Yours faithfully

John Forbes

Les Miserables haben aus Rücksicht vor den Opfern des 2. Weltkriegs und deren Angehörigen den Namen Mengele aus dem Text entfernt. Les Miserables erhebt den Anspruch, dass jeder der sich diese Story reinzieht den Opfern und Angehörigen als dieser Personen eine Gedenkminute oder gar zwei widmet.

Auch bedankt sich Les Miserables bei zwei Autoren von Ausserhalb für deren Beiträge, investierte Zeit und Arbeit.