Louisa

 

Jetzt liege ich hier und weiß nicht ein oder aus. Du hattest dir letzten Samstag so viel Mühe gemacht. Deine Eltern waren für ein Wochenende zu einem Seminar verreist. Deine ältere Schwester war bei ihrem Freund in Hameln. Wir trafen uns mittags in der Fußgängerzone, bummelten durch die Läden und fuhren dann mit unseren Bikes raus an den Stadtrand zu eurem Haus. Du hattest dein Zimmer aufgeräumt und mit ganz vielen Kerzen, Blumen und einer romantischen Playlist vorbereitet.

 

Wir knutschten wie Teenager beim ersten Mal und deine großen Hände streichelten mich überall. Selbstverständlich nur an unbekleideten Stellen, ohne Worte zu wechseln respektiertest du alle von Stoff bedeckten Zonen meines Körpers als Verboten. Gut, ich hatte nur einen kurzen Minirock und ein schmales Top mit Spagettiträgern an, bauchfrei. Es blieb dir genug Spielfläche für deine Hände.

 

Ich hatte dich im Autohaus deiner Eltern kennengelernt. Typisch Frau, bekam ich den neuen Fahrradträger nicht auf die Anhängekupplung montiert. Die Matrone von der Kundenannahme hatte dich ausgerufen. Sichtlich unwillig kamst du aus der Werkstatt, im ölverschmierten Blaumann. Hattest sogar etwas Schmiere an der Stirn. Dann schautest du mich an und meine Knie wurden weich. Was war da nochmal mit der Erde und der Scheibe? Ich konnte mich plötzlich an nichts mehr erinnern. Cool zogst du mich mit einem Blick aus und ich konnte dir ansehen, was du mit mir machen wolltest. Sprache wird überbewertet, du bekamst den Fahrradträger mit einem Griff ans Auto.

 

Als Bezahlung wolltest du dann ein Date. Ich hätte dir alles gegeben. Also ein Date, wir sahen uns am Abend im angesagten Café Landvolk am Bahnhof. Tranken beide Kaffee blond und redeten bis zum nächsten Morgen um drei. Abends trafen wir uns wieder. Redeten. Tranken Kaffee. Das wiederholte sich fast einen Monat lang. Dann kam unser Wochenende, erstmals nur wir und ungestört.

 

Gegen Abend wurdest du mutiger. Erst fielen deine Hemmungen und dann meine Kleidungsstücke. Du erkundetest mich als ob ich ein unbekannter Kontinent wäre. Massiertest mich, lutscht meine Zehen und leckst meine Fotze. Überall auf meiner Haut waren deine Hände, spürte ich deinen Atem.

 

Wellen der Erregung fluteten mein Bewusstsein, ließen meine Sinne verwirrt zurück und trieben mich zum Orgasmus. Im Gegensatz dazu konnte ich dich nicht anfassen, du hattest nur mich im Fokus und meine Geilheit, mein Keuchen, meine Nässe. Wir hatten keinen Sex miteinander, es war eher eine Werbeveranstaltung deiner Möglichkeiten mit einem, in diesem Fall meinem, weiblichen Körper.

 

Ich hatte mich bei unseren abendlichen Kaffeegesprächen in dich verguckt. Dir schien es ebenso zu gehen. Unsere Ansichten stimmten vielfach überein und wo sie sich unterschieden, war es reizvoll. Du hattest Köpfchen und Kraft, ich war stark und schön. Alles schien zu passen, du warst sogar ein guter, geduldiger Begleiter als ich in der Fußgängerzone durch die Klamottenläden zog. Im Eiscafé gab es keinen Stress, als ich für uns beide bezahlte. Du hättest auch die Rechnung begleichen können, aber warst männlich genug, meine nicht abgesprochene Entscheidung zu akzeptieren.

 

Im Bett kam ich mir vor wie ein Musikinstrument. Der Künstler bespielt es und entlockt ihm höchste Töne. Ich jubelte, ich stöhnte und ich seufzte. Du machtest mich glücklich. Deine Zunge bildete den perfekten Gegenpol zu meiner Lustperle. Sie erforschte die Tiefen meiner Fotze und umkreiste meine steil aufgerichteten Nippel. Lust durchflutete meinen Körper und ich fiel im Höhepunkt immer tiefer.

 

Es war alles ganz toll. Ich spürte deine Zuneigung, dein Bemühen. Du stelltest mich in den Mittelpunkt und verwöhntest mich wie im Lehrbuch. Jedes Stück Körper von mir wurde von dir angemessen und sanft gestreichelt, geküsst und deine Finger waren mit deiner Zunge pausenlos im Einsatz. Unterwegs in der Mission „mach sie durch tausendundeinen Orgasmus glücklich“.

 

Was stimmte nur mit mir nicht? Ich wollte dich, wollte Sex. Wir waren beide gesund und geil. Du befriedigtest mich und ich flog von kleinem Tod zu kleinem Tod. Trotzdem fehlte mir etwas, quasi das Sahnehäubchen, die Landung auf der Wolke sieben und nicht nur das Schweben auf ihrer Höhe.

 

Bin ich nicht normal? Ich war erwachsen, hatte bisher zwei platonische und eine echte kurze Beziehung geführt. Du warst der zweite Mann, den ich wollte und körperlich ersehnte. Kein Pflichtgefühl, mit dir ins Bett zu müssen, weil sich das so gehört und du es erwarten darfst. Kein erzwungenes Bumsen, damit du nichts vermisst und bei mir bleibst. Wir konnten zusammen lachen und Tränen weinen, je nach Anlass und Thema. Trotzdem war der letzte Samstag, bezogen auf den Sex, enttäuschend. Körperlich geil und gekonnt, aber es riss mich innerlich nicht wirklich mit.

 

Ein oder zwei Stunden waren wir im Bett zusammen getrennt. Dann merktest du auch, dass etwas nicht richtig was. Sofort tat es dir leid und du batest um Entschuldigung. Warum? Es war nicht dein Fehler, du warst der Traum vieler Mädchen und sicherlich talentiert, kein Grund zur Sorge.

 

Wir verbrachten noch den Rest des Wochenendes zusammen, aber es war nur noch flau. Mein Gehirn sprang nicht mehr an, kein großes Kino. Als wir uns Sonntag trennten, verabredeten wir uns erstmals nicht für den folgenden Abend im Café Landvolk. Der Sex hatte unsere Beziehung getötet.

 

In der Hochschule funktionierte ich in den folgenden Tagen wie auf Autopilot, niemanden fiel etwas an mir auf. Meine Katzen waren weiterhin schmusig und fresssüchtig. Mein Umfeld war über meine wieder verfügbaren Abende eventuell verwundert, sagte aber nichts dazu. Am Wochenende blieb ich nicht in unserer Kleinstadt, konnte deren Enge nicht ertragen und fuhr mit der Bahn nach Hamburg.

 

Großstadtluft macht frei und so zog ich von Freitag bis Sonntagabend durch St. Pauli. Viele Typen machten mich an, manche verscheuchte ich und mit anderen flirtete ich rücksichtslos. Ich hatte kein festes Schema, gefiel er mir am Freitag konnte am Samstag schon ein No-Go sein. Zum Schlafen ging ich an die Elbe und legte mich in eine abgelegene Ecke des Strandes. In meinem Rucksack, der in einem Bahnhofsschließfach seinen Hamburg-Aufenthalt verbrachte, hatte ich Waschzeug, Wechselklamotten sowie einen Outdoorschlafsack. Waschen und duschen konnte ich in der Bahnhofsmission oder bei einer Bekannten in den Mitarbeiterwaschräumen ihres Hotels. Glückliche Sommertage.

Irgendeine Beziehung gab es in dieser Zeit nicht. Ich vermisste dich einerseits immer noch und suchte andererseits weiterhin das fehlende Puzzlestück zum Glück mit dir. Völlig verdrehte Welt.

 

Eines Tages im August hatte ich einen Autounfall. Nichts wirklich außergewöhnliches, eine Fahrschülerin hatte mir die Vorfahrt genommen und mein süßer Kleinwagen Ernie hatte ihrem SUV seitlich nicht viel entgegenzusetzen. Die Feuerwehr schnitt mich aus dem PKW-Blechknäul und der Rettungswagen brachte mich ins örtliche Krankenhaus. Der Tag war gelaufen, Verdacht auf Wirbelsäulenanbruch oder so ähnlich. Latein war nie meine Paradesprache und die Ärzte sprachen es untereinander. Nun liege ich hier im Bett, komplett fixiert und mit Schläuchen zur Ver- bzw. Entsorgung. Hilf- und wehrlos auf die Schwestern angewiesen um über den langen Tag zu kommen.

 

Ausgerechnet deine ältere Schwester ist mir als Stationsmitarbeiterin zugeteilt. Unglücklicherweise ist sie mir nicht besonders wohlgesonnen, weil sie dich zuhause seit unserer Trennung leiden sieht. Wenn sie mich morgens wäscht oder mir die Verbände wechselt, tut sie es professionell und korrekt, kein Grund zur Klage. Gut, sie ist nicht so sanft wie die Abendschwester, aber ich bin ja nicht aus Zucker. Auch der Wechsel des Katheders ist eher ruppig, aber okay, ich habe ja sonst keinerlei sexuelle Stimulation. Bewegen ist dank der Verletzung nicht und durch die fixierten Hände auch komplett unterbunden. Damit fällt jede Art von Selbstverwöhnen aus, auch wenn es theoretisch im Einzelzimmer möglich wäre. Sexueller Notstand somit und da bleibt dann nur die Erinnerung.

 

Natürlich spricht deine Schwester auch mit mir. Zuerst waren wir nur im professionellen Themenbereich unterwegs. Im Lauf der Wochen kamen wir uns aber näher und die Gespräche wurden privater. Eigentlich hatte sie keine Zeit für eine intensivere Betreuung eines Patienten, aber dank meiner privaten Krankenversicherung und meines beruflichen sowie familiären Umfeldes hatte ich eine Sonderposition im Krankenhaus. Gut, ich war die Tochter des Chefarztes und Miteigentümers des Krankenhauses sowie Professorin an der örtlichen Hochschule. Meine Mutter war die stellvertretende Ministerpräsidentin unseres Bundeslandes und meine Brüder toppten das Alles noch. Einer war mit seinen Computerprogrammen weltweit die Nummer eins der Branche und scheffelte Milliarden. Der andere Ältere war in seinem Umfeld auch regelmäßig weltweit die Nummer eins und zwar in den Charts. Als Sänger und Songwriter machte er mit seinen Hits ebenfalls Kohle. Dank umfangreicher familiärer Rückendeckung hatte ich somit alle Zeit der Welt gehabt und konnte als jüngstes Kind der Familie meine Prinzessinnenträume komplett ausleben.

 

Nach meinem vorgezogenen Abitur, welches ausgewöhnlich war, hatte ich früher zu studieren begonnen. Erst Jura und dann Medizin. Verkürzte Schul- und Studienzeit bei besten Noten sorgte dann dafür, dass ich mit dreiundzwanzig bereits Doppeldoktor war. Drei Jahre später wurde ich als Professor für Medizinrecht an die Hochschule berufen. Eventuell verdanke ich diese Geschwindigkeit nicht nur meinen Noten, sondern auch der Tatsache, dass mein Bruder diese Professur der Hochschule stiftete. Ohne mein Fachwissen und meine Persönlichkeit hätte das aber nicht geklappt.

 

In meinem jungen Alter hatte ich beruflich eigentlich alles erreicht. War unabhängig, wurde von Anderen für sympathisch und schön gehalten. Kam finanziell und gesundheitlich gut zurecht und trotzdem war das Alles zu wenig. Unsere Nähe vor dem Sex war was mir einerseits fehlte und andererseits sollte es mehr sein. Welches mehr, keine Ahnung. Tief in mir spürte ich eine Sehnsucht, aber, wenn ich diesen Wunsch in Worte fassen wollte, gelang es mir nicht. Im Krankenhaus ging meine Heilung nicht planmäßig voran und die Ärzte waren ratlos. Die Medikamente und die Behandlungen waren angemessen und hätte eine zügige Genesung herbeiführen müssen. Sie schlugen nicht an und ich wurde immer trübseliger. Selbst der Psychologe schaffte keine Wende.

 

Tag für Tag lag ich im Krankenhauszimmer auf meinem Patientenbett und grübelte. Meine körperlichen Verletzungen waren in den Wochen zwar fast komplett gesundet, aber mental wurde es immer schlimmer. Ich sperrte Freunde und Familie weitestgehend als Besucher aus, blieb fast ganztägig im verdunkeltem Raum und nutzte weder Internet noch andere Medien. Selbst für meine beruflichen Interessen konnte ich mich nicht mehr erwärmen. Alles war öde und schwarz für mich.

 

Eines Tages hörte ich ein Husten nahe meines Bettes und ich öffnete die Augen. Du. Ganz in Leder gekleidet. Wie eine schlechte Imitation eines Motorradrockers. Zornig funkelten deine Augen mich an. Deine Hand ergriff meine und drückte sie. Dabei streicheltest du mich mit deinem Daumen.

 

„Louisa“ flüstertest du mir zu. Deine Stimme war gebrochen und klang verzweifelt. Ich konnte und wollte nichts zu der Anklage in deinen Augen sagen, schwieg. „Louisa, bitte rede mit mir!“ Nein, warum und wozu? Dieses Dasein war ohne Sinn und Zweck, Leben nur ein Irrtum der Natur, Verschwendung von Rohstoffen. Das jemanden zu sagen, eventuell sogar dir, war mir jedoch zu unwichtig und es würde auch niemand verstehen. Als ich meinen Kopf zur anderen Seite drehen wollte, stoppte deine Hand meine Bewegung und fixierte meinen Schädel dir zugewandt.

 

„Es reicht! Du gehst jetzt in die Dusche und hast dreißig Minuten zum Herrichten. Ich hole uns etwas zu essen und dann reden wir. Verstanden?“ Hatte der einen Clown gefrühstückt? Was glaubt der denn, wer er ist? Trotzig wollte ich mich seiner Fixierung entziehen und bekam von ihm eine geknallt.

 

„Du machst was ich sage und nichts Anderes. Ich bin dein Herr und du gehorchst ab sofort. Es reicht! Du hast dich lange genug gehen lassen und alle, die dich mögen, vor den Kopf gestoßen. Jetzt ziehen wir andere Seiten auf und spielen nach meinen Regeln. Deine Eltern haben mir freie Hand gegeben.“

 

Gewohnheitsmäßig wollte ich widersprechen, aber er zog mich kommentarlos aus dem Bett und stellte mich unter die Dusche, welche er sofort aktivierte. Eiskaltes Wasser spülte meinen Widerstand weg und kühlte meinen Zorn. Während er ging und ich gehorsam das Badezimmerritual absolvierte, begannen meine grauen Zellen zu arbeiten. Er als Herr? Und ich? Was bin ich dann? Seine Sklavin? Spinnt der jetzt komplett? Obwohl, ich hätte längst wieder zu leben anfangen müssen. Hätte er mich nicht quasi gezwungen, wäre ich immer noch im Bett und würde Trübsal blasen.

 

Pünktlich nach dreißig Minuten ging ich nackt aus der Dusche ins Krankenzimmer, Klamotten hatten wir ja vorhin nicht mitgenommen. Er war schon da, hatte einige Sachen zum Essen auf dem Tisch in der Couchecke abgedeckt aufgebaut. „Gut, du hast nichts an. Hättest du dir sonst auch ausziehen müssen.“ Er zog einen sehr kurzen Ledergürtel aus seiner Lederjeans und kam damit näher. „Dieses Halsband wirst du zukünftig tragen und damit jederzeit zeigen sowie spüren, dass du mein bist!“

 

Sekunden später hatte er mir das gute Stück angelegt. Sprachlos starrte ich ihn an. „Mach dir keine Gedanken, das erledige ich zukünftig für dich. Du bist ab sofort meine Sklavin und machst, was ich dir befehle!“ Bitte? Hallo, ich bin erwachsen und voll geschäftsfähig! Habe zwei Doktortitel und bin Professorin für Medizinrecht! Spinnt mein Herr jetzt komplett? Wieso denke ich eigentlich jetzt von ihm als Herr? Haben die Medikamente Nebenwirkungen? Ist das alles eine Halunkination? Gehirnkino? Ein Alptraum? Was passiert hier gerade oder träume ich das Alles in echt nur?

 

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Kommentare

Gut, wenn das Deine Fantasie ist - nett.

An dieser Stelle wollte ich eigentlich aufhören zu lesen: "Gut, ich war die Tochter des Chefarztes und Miteigentümers des Krankenhauses sowie Professorin an der örtlichen Hochschule. Meine Mutter war die stellvertretende Ministerpräsidentin unseres Bundeslandes und meine Brüder toppten das Alles noch.", aber ich habe dem Rest der Geschichte und dem zweiten Teil noch eine Chance gegeben.

Sorry, aber ich kann diese Geschichte nicht "greifen". Die Protagonistin hatte vorher keine SM-Gedanken geäußert, "er" erklärt sie zu seiner Sklavin und "sie" akzeptiert das einfach und redet ihn von da an als "Herr" an. Das ist alles irgendwie unwirklich, sorry.

 

... zum Kommentar. Eigentlich ja zum Lesen animiert, um ganz korrekt zu sein. Sprachlich wäre das Ganze ein Hingucker, wenn man über gelegentlich unbegründete Zeitformwechsel hinweg schaut. Aber: zumindest Konzentration auf Imperfektformen von Vollverben, statt ständiges "hatte", "war" und "konnte".

Inhaltlich eine Art geheime Wunschliste "verwöhnter" Sprössin aus gutem Haus. Alles läuft glatt im Leben, doch es besteht an einer entscheidenden Stelle der berühmte Mangel, der selbst nicht zu greifen ist. Als Grundgerüst eine Idee - warum machst du am Ende keine Geschichte daraus? Schade! Es war wirklich mehr drin. Nimm es als einen Versuch auf dem Weg zu Höherem! Ich denke, du bist dazu in der Lage.

Viel Erfolg!

Tony