Louisa II

 

 

Jetzt sitze ich hier und weiß nicht ein oder aus. Du hast dir mit dem Essen so viel Mühe gemacht. Currywurst mit Pommes und ganz viel scharfer Soße. Zwei Portionen sind in Warmhalteschalen auf dem Tisch dazu eine Literflasche Pellegrino. Ein Porzellanteller mit Messer und Gabel steht ebenfalls auf dem niedrigen Couchtisch. Alles wunderschön vorbereitet für eine Person, aber wie bitte soll ich gleich zwei großzügige Portionen der leckeren Kanzlerplatte a la ExBundeskanzler Schröder schaffen?

 

„Dein Platz ist hier neben mir“ sagst du zu mir, als du meinen fragenden Blick bemerkst. „Ja, direkt neben meinem Stuhl auf dem Fußboden, dort wo die lindgrüne Dekubitus-Unterlage auf dich wartet.“ Ganz großes Kino. Ich bin Doppeldoktorin und Professorin für Medizinrecht mit Lehrstuhl an der örtlichen Hochschule, habe ein Luxuseinzelzimmer im Privatpatientenflügel. Mein Vater, der als Chefarzt das Krankenhaus leitet, ist Gesellschafter der Klinik. Meine Mutter ist die stellvertretende Ministerpräsidentin unseres Bundeslandes und Justizministerin. Mein einer Bruder eine Mischung aus Bill Gates und Steve Jobs und der andere sammelt weltweit Spitzenplatzierungen in den TopTen der Rockmusik wie andere Mücken an der Windschutzscheibe ihres Autos im Sommer. Also als Familie sind wir quasi unter den oberen zehn von den oberen zehntausend des Landes und ich soll hier jetzt auf dem Fußboden neben dem Stuhl dieses Kfz-Mechatronikers dinieren? Spinnt mein Herr wirklich?

 

Zu schwach um zu protestieren, füge ich mich seinen Befehlen und gehorche. Dankeswerterweise gönnt er mir wenigstens die dünne Krankenunterlage als Komfort und füttert mich mit seiner Gabel sowie mundgerechten Happen. Unsere ungewöhnliche Mahlzeit wird weder von anderen Besuchern noch vom pflegerischen oder medizinischen Personal gestört, was ich zufrieden bemerke. Mein Herr erzählt mir nebenher von den nächsten Schritten unserer gemeinsamen Zukunft. Offenbar hat er meine Versklavung genau und gründlich vorbereitet. Für dieses Semester werde ich bei ihm in seinem Bungalow leben und nicht mehr arbeiten. An der Hochschule vertritt mich ein Kollege und kümmert sich um meine Studenten sowie die Doktoranten. Falls nötig, würde er auch noch im nächsten Halbjahr verfügbar sein. Privat kümmert sich mein Finanzberater, ein Cousin, um alles.

 

Meine Aufgabe ist zukünftig meine vollständige Genesung und dann die Ausbildung zur Sklavin meines Herren. Logischerweise umfasst das die Haushaltsführung sowie Freizeitgestaltung für meinen Master. Kochen und Putzen ist kein Problem, für mich sind das eigentlich eher meditative Arbeiten. Mein Geist geht während solcher Tätigkeiten auf Wanderschaft und wird kreativ. Das Verwöhnprogramm gibt mir mehr zu denken, was genau erwartet er von mir? Meine Erfahrungen aus den Studiengängen in Jura und Medizin sowie der beruflichen Praxis danach helfen mir dazu nicht weiter. Vielleicht kann ich im Internet bing-en und in den Suchergebnissen Nützliches finden.

 

Wir speisen zusammen auf diese unübliche Weise und mein Herr erzählt mir von seinen weiteren Plänen für mich. Die erste Überraschung ist noch nicht wirklich von mir verdaut, da präsentiert er mir schon den zweiten Knaller. Neben der Zimmertür steht eine Kunststoffbox wie sie üblicherweise zum Transport von Hunden oder Katzen auf Reisen benutzt wird. Diese hier ist recht groß, vermutlich gedacht für einen Irischen Wolfshund. Doch sie ist für mich! Eine rote Regenhülle liegt neben der Seitenwand und mein Herr schickt mich unbekleidet in die Box. Dann schießt er die Tür und zieht die undurchsichtige Regenhülle über die Kiste. Diese wird nun angehoben und wenige Zentimeter höher abgesetzt. Aha, ich werde nun auf einem Rollwagen durch den Klinikflur geschoben. Niemand sieht mich und mein Herr sagt auch nichts. Still geht es einige Minuten durch das ganze Haus, zwischendurch fahren wir im Aufzug und in der Tiefgarage werde ich samt Transportbehälter in ein Fahrzeug verladen. Dieses befördert mich aus der vertrauten Umgebung des Krankenhauses in die Fremde.

 

Wir sind länger unterwegs, ohne Uhr und Sicht auf die Umgebung kann ich nicht abschätzen, wie lange es tatsächlich gedauert hat oder wo wir hinfuhren. Als der Motor ausgeschaltet und meine Box geöffnet wurde, waren wir in einer größeren Garage. Mein Herr befestigte eine Lederleine an meinem Halsband und zog mich hinter sich her. Ab jetzt bin ich endgültig in seiner Gewalt und er beherrscht mich. Was er wohl mit mir vor hat? Folter, Qual und Gewalt, vielleicht sogar Schläge? Oder Piercings und Tattoos? Durch die Garage und eine Stahltür ging es über eine lange Treppe tiefer ins Gebäude. Es wohl in den Keller, klar Verliese waren früher eher im Untergrund als im Penthouse zu finden. Bekomme ich eine karge Zelle mit einer herrlich unbequemen Holzliege? Zwei Näpfe für Trinkwasser und meine Nahrung? Fixiert er mich mit einer Eisenkette an einem Ring, der in der schroffen Natursteinmauer oder den blanken Felswänden befestigt ist? Wie sieht meine Körperpflege zukünftig aus? Kaltes oder gar eiskaltes Wasser zum Waschen oder Duschen? Tampons oder Binden während meiner Tage? Oder macht er sich darüber keine Gedanken?

Fragen darf ich ihn nicht, Sklavinnen dürfen ihren Master nicht von sich aus ansprechen. Habe ich mal in der Geschichte der O gelesen, oder war das in einem Buch von Sadomaso? Außer unseren Schritten hörte ich keinerlei Geräusche und bemerkte auch sonst keinerlei auffällige Sinneseindrücke. Die Luft roch frisch, leicht blumig und es war angenehm warm. Seit der schweren Tür war der Fußboden nicht mehr nackter Beton, sondern fußfreundlicher. Keine Steinfliesen, Teppichboden oder Holzdielen, eher PVC oder Gummiartiges. „Das ist deine neue Wohnung, hier bist du ab jetzt zuhause“ sagte mein Herr und nahm mir die Augenbinde, die er mir noch im Krankenhaus angelegt hatte, ab. Ein großer, lichtdurchfluteter Raum mit bodentiefen Fenstern lag vor mir. Eingerichtet mit hellen freundlichen Holzmöbeln aus Teak im skandinavischen Stil.

Auf den ersten Blick schien alles wie ein normales Wohnzimmer mit Essecke und offener Küche. Eine Tür führte wohl in die weiteren Räume, sie stand offen und zeigte einen typischen Wohnungsflur. Mein Herr führte mich durch diesen und zeigte mir die restlichen Zimmer. Ein geräumiges Schlafzimmer mit begehbarem Kleiderschrank. Ein riesiges Bad mit Whirlpool, Dusche und Waschtisch. Eine separate Toilette in einem Extrazimmer sowie einen Abstellraum mit Putzmaterialien und Lebensmitteln. Eine weitere Tür führte zur Schwimmhalle mit Sauna und Hausbar. Alle Räume waren mit Fenstern und vollständiger Einrichtung auf höchstem Qualitätsniveau. Alle modernen Medien waren vorhanden und selbst eine Arbeitsecke mit Schreibtisch und Computer war vorhanden. Als Sklavin würde ich hier fast besser leben als in meiner eigenen Wohnung und garantiert mit mehr Platz und Komfort als die Mehrheit aller freien Frauen.

 

„Du wunderst dich bestimmt, warum ich dich hier einquartieren. Ja, du bist jetzt meine Sklavin und es gelten meine Regeln. Ich werde dich aber nicht mit Ketten aus Stahl und Fesseln aus Leder an mich binden. Dich nicht mit peitschen und foltern unterdrücken. Ich möchte, dass du dich mir selbst unterwirfst, weil du es genauso willst. Du sollst dir im Internet selbst raussuchen, wie und womit du deine Unfreiheit, deine Abhängigkeit sowie deinen Kontrollverlust mir gegenüber zeigen willst. Du sollst dein eigener Folterknecht sein und mir als deinem Herrn die lästigen Brutalitäten abnehmen.“

 

Lächelnd gab mir mein Herr die Schlüssel für die Wohnung, die Passwörter für die elektronischen Medien sowie eine schwarze Kreditkarte und meinen Personalausweis. „Und nun, mein Herr?“

 

„Jetzt erstellst du mir deinen ersten Wochenplan. Also mit allen Details und deinen Wünschen zu sowohl deinem Alltag von Essen bis Wäschewaschen als auch zum Thema Sklavin und Herr. Du hast dafür bis zum Abend Zeit und darfst alle technischen Geräte berücksichtigen. Sollte dir eine Maschine, ein Einrichtungsgegenstand oder ein anderes Hilfsmittel fehlen, schreib es dazu. Du bist eine schlaue Frau Professorin, beweis es mir und gib mir den Rahmen deines neuen Lebens vor.“

 

„Und wenn ich mir zu viel oder falsche Sachen genehmige oder die Spielregeln des Dom/Sub-Verhältnisses missachte?“ „Mein Vater sagte mir stets, fürchte nicht deine Träume. Sei nur vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten wahr werden …“ Ich hörte meinen Herrn und wusste, er ist schlau.

 

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