Mia - Lust und Sühne (Teil 4 "Am Abgrund")

 

Eine kahle Glühbirne flackerte schwach, tauchte bleiche Kacheln in mattes Licht. Schwere, rostige Ketten hingen von der Decke und klirrten leise als Mia mühsam ihren auf die Brust gesackten Kopf hob. Gequält musterte die Sklavin ihre triste Umgebung, die, funktional und schmucklos, an einen Waschraum in einem Sanatorium oder Gefängnis erinnerte. „Wie passend“, befand Mia trocken und zog müde an den schweren Eisen, die ihre gestreckten Arme erbarmungslos umschlungen hielten. Vergeblich. Mia hing hilflos in den groben Ketten und ihre bloßen Füße berührten kaum den feuchten Boden. Trotzdem musste sie mit weit gespreizten Beinen qualvoll auf ihren Zehenspitzen balancieren, denn zwischen ihren schmalen Fußgelenken war an dicken Ledermanschetten eine Stahlstange angebracht. Kaltes Wasser tropfte von ihrem dunklem Haar und den nackten, von Peitschenhieben gezeichneten Brüsten, rann in feinen, eisigen Bächen ihren Körper hinab und bildete unter der Sklavin eine kleine Pfütze, die sich leise gluckernd in einen rostigen Abfluss ergoss. Ein Schlauch lag neben Mia, achtlos hingeworfen, nachdem man sie damit wie ein Tier abgespritzt hatte. Ein Bad, ja selbst eine warme Dusche, war ein Luxus, der einem Fickstück wie ihr offensichtlich nicht mehr vergönnt blieb, sinnierte Mia melancholisch. Sie fror und bleierne, mit Klammern angebrachte Gewichte zogen zu allem Überfluss schmerzhaft an ihren Schamlippen, dehnten ihr empfindliches Fleisch. Ein Abschiedsgeschenk von Yuri, die sich auch diese, letzte Demütigung nicht nehmen lassen wollte, nachdem sie Mia an ihren langen Haaren hierher gezerrt und mit eisigem Wasserstrahl leidlich von den Spuren ihrer Benutzung, den Körpersäften, dem Schmutz und dem Schweiß, befreit hatte.

Mia kaute nervös auf ihrer Unterlippe. Ihre Gedanken rasten und ihr Herz flatterte. Ihr war äußerlich nichts anzumerken, dafür war sie viel zu taff, doch hatte sie die Begegnung mit Yuri in tiefe Unruhe versetzt. Nicht, dass sie die soeben erfahrenen Misshandlungen in echte Verzweiflung gestürzt hätten. Die Dunkelhaarige hatte in letzter Zeit schon weitaus Schlimmeres erduldet und es dennoch genossen, längst die Perversität ihres Sklavendaseins mit jeder Pore tief in sich aufgesaugt. Tatsächlich hatte sich Yuri zum Ende hin sogar als unerwartet großzügig erwiesen und der in ihrer Pofalte vergrabenen Mia gestattet es sich selbst zu besorgen. Natürlich nur zu ihren Füssen, bettelnd wie eine läufige Hündin und unter höhnischen Schmähungen, doch immerhin mit der nonchalant Erlaubnis Kommen zu dürfen und Mia hatte, befreit von ihren Handschellen, allzu gerne gehorcht, sich, obwohl angeleint wie ein Tier und mit der Zunge in Yuris Arschloch versenkt, mühelos einen Orgasmus verschafft. Nein, ihre Unterwerfung und Bestrafung machten Mia sicherlich nicht zu schaffen, sondern ihre Sorge rührte von den ungeheuerlichen Abschiedsworten ihrer schönen Peinigerin. Im Gehen hatte Yuri ein letztes Mal ihre Finger über Mias nasse Wangen gleiten lassen und ihr dabei beinahe beiläufig mitgeteilt, dass sie heute Abend einer ausgesuchten Runde vorgeführt und, so sie denn wolle, an den Meistbietenden als ihrem zukünftigem Herren versteigert werde. Ansonsten, so habe sie dieser Drecksau auszurichten, wäre sie frei zu gehen wohin sie wolle, doch bliebe sie für immer aus ihrem geheimen Zirkel ausgestoßen. Dann hatte sie ihrer Gefangenen abrupt den Rücken gekehrt und war ohne ein Wort des Trostes oder ohne weitere Erklärung verschwunden.

Alleine und verlassen haderte die angekettete Frau mit sich, fragte sich immer wieder stumm warum ihr eine solche Entscheidung abverlangt wurde. Bisher hatte ihr dieser verruchte Ort als willkommene Zuflucht vor der traurigen Realität und dem von ihr angerichteten Chaos gedient. Ein Platz an dem sie sich trotz der Fesseln und Gitter merkwürdig aufgehoben fühlte, nach und nach nicht nur Linderung ihrer delikaten Begierde, sondern zugleich zum ersten Mal seit Langem zu innerer Ruhe fand. Aber wollte sie dieses Abenteuer, diese sinnliche Eskapade, auch als ihr endgültiges Schicksal annehmen? Mia hatte die Antwort auf diese Frage immer gescheut, fürchtete insgeheim ihre Wahl schon lange, ja möglicherweise bereits in jener ersten Nacht mit Sam getroffen zu haben. Mochte sie sich noch so sehr den Anstrich einer Entrüsteten geben und die Aussicht einer anonymen Masse als Sklavin vorgeführt zu werden empört von sich weisen, so strafte sie ihr verräterisch glühender Schoß doch nur Lügen und genügte ein kurzer Blick in ihre lodernden Augen um ihr aufgesetztes Schauspiel mühelos zu entlarven. Bar jeder Vernunft spürte sie wie bereits der Gedanke an die ultimative Demütigung verkauft, ja geradezu verschleudert zu werden, erneut verzehrendes Verlangen in ihr Aufflammen ließ, das sich ihrer unaufhaltsam und großartig bemächtigte. Mia wand sich unruhig in ihren Ketten, hätte bereitwillig alles getan um nur einen kurzen Moment Hand an sich zu legen um der eigenen, teuflischen Geilheit nachzuspüren. Aber sie war nicht nur eine Gefangene ihrer eisernen Fesseln, sondern auch der eigenen Lust an der Unterwerfung und so blieb ihr nichts als die köstliche Qual unbefriedigter Gier ergeben, eben so wie es sich für eine solche Kettensau ziemte, zu erdulden.

Mia seufzte tief und dachte an Sam, der eine solche grausame Leidenschaft in ihr geweckt und doch niemals zu bändigen verstanden hatte. „Armer Sam“, wiederholte Mia mit einem Anflug von Wehmut in der Stimme. Nicht sie, sondern er war jämmerlich schwach gewesen, hatte weder die Kraft gehabt den Spuk zu beenden, noch ihr ein richtiger Mann zu sein. Trotzdem tat es ihr Leid ihm Weh getan zu haben und sie überlegte, ob es ihm Genugtuung bereiten würde sie so Leiden und tief gesunken zu sehen. Aber Mia erkannte, dass es ohnehin gleichgültig wäre und ihr sein Hass ebenso wenig wie seine Liebe bedeutete. Sie erhaschte einen Blick auf ihre schemenhafte Gestalt, die sich in einem gesprungenen Spiegel an der Wand abzeichnete, musterte ihre misshandelten Titten und ihr armes Fotzenfleisch, das Yuri zur eigenen gemeinen Belustigung mit den Gewichten schmerzhaft behangen hatte. Ihr hilfloser, gefesselter Körper bot das Bild einer Sklavin gestand sich Mia unumwunden ein und nichts anderes wollte oder konnte sie mehr sein. Es war ebenso unnötig wie albern vor eine Wahl gestellt zu werden, die doch keine sein konnte, da ihr Freiheit ohnehin nur noch unerträglichen Schmerz und Verzweiflung bedeuteten. Mia schloss die schönen Augen und fühlte wie Anspannung und Zweifel mit einem Mal von ihr abfielen, erwartete ohne jeden Anflug von Reue oder Bedauern ergeben die Erfüllung ihrer düsteren Bestimmung.

 

Fast zur gleichen Zeit übte auch Sam sich notgedrungen in Geduld. Angespannt stand er in einem altersschwachen Lift, der ächzend und nervenaufreibend langsam seinem mit Spannung erwarteten Treffen mit einem mysteriösen Unbekannten entgegenglitt. Nervös trommelten seine Finger gegen die Aufzugwand und er fragte sich aufgewühlt, ob ihn Neugierde, Mitleid oder Wut auf Mia hergelockt hatten. Nach einer kleinen Ewigkeit öffnete sich endlich die schmutzige Aufzugtür und gab den Blick auf einen dunklen Korridor in einem der oberen Stockwerke frei. Am hinteren Ende drang ein schwacher Lichtschein durch einen Türspalt. „Das muss es sein“, murmelte Sam, zerknüllte die Visitenkarte mit der Apartmentnummer darauf und warf sie verächtlich in eine Ecke. Dann holte er tief Luft und trat aus dem Lift. Mit leisen, federnden Schritten näherte sich Sam seinem Ziel, verharrte einen Moment, die Hand vorsichtig auf den kühlen Türgriff gelegt. Doch alles blieb ruhig und so trat er ein, stand unvermittelt und auf alles gefasst in einer kleinen, spärlich eingerichteten Wohnung.

Geblendet von grellem Tageslicht blinzelte Sam kurz, machte dann einen jungen Mann mit Bart, vielleicht Mitte zwanzig, an einem billigen Tisch aus. Verdutzt musterte er die hagere Gestalt in Flanellhemd und Jeans, die eine heruntergebrannte Zigarette in der fahrig zitternden Hand hielt und ihn durch schwarz gerahmte Brillengläser unverwandt anstarrte. Sam wusste nicht womit er gerechnet hatte, doch ein schüchterner Hipster in einer nach Rauch stinkenden Absteige war gewiss eine Überraschung. Angewidert betrachtete er die kleine Ratte, die ihn derart gedemütigt und ihn auf so abstoßende Weise her zitiert hatte. Sam fühlte gerechten Zorn in sich aufsteigen und auch der Fremde schien seine hochkochende Wut zu spüren. „Hallo“, hob er unsicher an und wollte seinem Gast die Hand reichen. Doch dazu kam es nicht mehr, denn in diesem Moment brach sich Sams aufgestaute Wut unaufhaltsam Bahn, ließ ihn förmlich explodieren. Jäh packte er den Fremden am Hemdkragen und verpasste dem erschrockenen Brillenträger einen harten Schlag ins Gesicht. Noch einmal schlug Sam laut fluchend zu, bevor er sein hilflos in der Luft ruderndes Opfer grob von sich stieß und brutal in seinen Sitz drückte.

„Aufhören, bitte aufhören“, flehte der Mann panisch und hielt einen Arm schützend vor das Gesicht. „Mal sehen“, antwortete Sam kühl und lockerte etwas seinen Griff. Dann schnaubte er verächtlich, zog sich einen Stuhl heran und warf seinem Gegenüber ein Taschentuch hin. „Idiot“, schniefte der Fremde vorwurfsvoll und begann das Blut von der anschwellenden Unterlippe zu tupfen. „Du hast es verdient, Arschloch“, antwortete Sam lapidar und mit sichtlicher Genugtuung. Stille breite sich in dem kleinen Zimmer aus, nur durch das entnervende Ticken einer kitschigen Wanduhr unterbrochen. „Erklär mir das“, befahl Sam schließlich und legte den Umschlag mit den obszönen Fotografien auf den Tisch. Unglücklich betrachtete der junge Mann das Kuvert, das ihm soeben eine Tracht Prügel eingebracht hatte. „Es tut mir echt Leid, Mann“, brummte er entschuldigen und schnäuzte geräuschvoll in das blutbefleckte Taschentuch, „aber ich wusste mir nicht anders zu helfen.“ Sam funkelte den Fremden böse an, doch der beschwichtigte. „Bitte lass mich erklären“, flehte er nervös.

„Ich heiße Theo“, stellte sich der Hipster vor und ergänzte nicht ohne Stolz „ich bin Blogger“. Hastig deutete er auf ein Notebook neben sich und rief eine Webseite auf, die jüngst für ihren Klatsch und Tratsch, Gerüchte und bissigen Kommentare in der Stadt zu bescheidenem Ruhm gelangt war. Auch Sam glaubte bereits von dem Blog gehört zu haben, hielt jedoch im Gegensatz zu vielen seiner jüngeren Kollegen nicht viel von der Mischung aus Lifestyle und reißerischen Berichterstattung. „Den betreibst Du?“, fragte er und Theo nickte eifrig. „Ja, gemeinsam mit meiner Freundin Sabrina“, ergänzte der Blogger, deutete dabei auf ein Foto auf der Wand, auf dem eine zierliche blonde Frau im leichten Sommerkleid und mit bunter Strickweste fröhlich in die Kamera winkte. „Sabrina meint Print ist Tod und dem Internet gehört die Zukunft. Sie hatte die Idee mit dem Blog und verfasst die meisten Einträge“. Etwas verlegen fügte er hinzu, „Ich bin eher für das technische zuständig, weißt Du, aber gerade deshalb sind“, an dieser Stelle unterbrach er sich und schluckte trocken, „waren wir immer ein gutes Team.“

Der junge Hipster rang einen Moment um Fassung. Doch schließlich fuhr er traurig fort. „Wir hatten Erfolg und standen kurz vor dem endgültigen Durchbruch. Es hat nicht mehr viel gefehlt“, meinte Theo und hielt dabei Zeigefinger und Daumen eng zusammen um seine Überzeugung zu unterstreichen, „und wir wären ganz groß rausgekommen. Sabrina hat vielleicht sogar noch mehr als ich an unser Projekt geglaubt und wollte um jeden Preis an die Spitze.“ An dieser Stelle verdüsterte sich der Blick des Bloggers. „Aber Erfolg macht gierig und Gier blind für Gefahren.“ Seine Stimme brach ab, doch Sam hatte nach seinem furchtbaren Start in den Tag keine Geduld mehr und scherte sich einen Dreck um die Gefühlsduseleien seines Gegenübers. „Was hat der Unsinn mit mir zu tun?“, fragte er ärgerlich und sein aggressiver Unterton ließ Theo merklich zusammenfahren. „Wir haben nach einer Story gesucht, einem echten Hammer der unseren Blog endgültig zur Nummer eins macht“ fuhr er eilig fort „und wir sind fündig geworden.“ Aufgeregt begann der junge Mann auf seinem Stuhl hin und her zu rutschen. „Zunächst war es nur ein Gerücht von vielen, nicht mehr als eine Großstadtlegende, doch nach und nach kamen immer mehr Informationen zusammen und plötzlich“, an dieser Stelle klatsche er in die Hände, „hatten wir eine handfeste Spur. Und was für eine“, begeisterte er sich. „Es war der ultimative Jackpot, eine ganze große Sache, Macht, Sex, Bestechung, einfach alles.“

Theo blickte seinem Gegenüber fest in die Augen. „Glaubst Du an Verschwörungen?“. Sam zuckte unsicher mit den Schultern, denn inzwischen befürchtete er einem Irren auf den Leim gegangen zu sein. Aber der Blogger war nicht mehr zu bremsen. „Ich zunächst auch nicht, aber es passiert hier in unserer Stadt und vor unseren Augen, egal ob Du es wahrhaben willst. Ein Geheimbund, eine verschworene Gemeinschaft von Politikern, Richtern, Ärzten, Bänkern, Unternehmern und Journalisten, die ein dichtes Netzwerk unterhalten. Nennen sich selbst der Zirkel und nehmen Einfluss auf alles und jeden. Dabei denken diese Schweine immer nur an sich selbst und ihr Fortkommen, doch können sich trotz ihres grenzenlosen Egoismus und ihrer unermesslichen Gier stets aufeinander verlassen. Weißt Du warum?“, fragte Theo herausfordernd und Sam tat ihm den Gefallen, schüttelte den Kopf. „Nein, keine Ahnung“. Der Blogger deutete auf den Umschlag. „Sex, mein Lieber. Sex von der schmutzigsten Sorte, abstoßend genug um jedes einzelne Mitglied des Zirkels um seinen Ruf, seine Karriere und seine Familie zu bringen. Und Deine kleine, süße Freundin, Mia, so heißt sie doch, steckt mitten drin in dem stinkenden Sumpf“.

Sam überlegte, ob er diesem unverschämten Frettchen nochmal eine verpassen sollte, entschied sich jedoch schließlich dagegen. „Sie ist nicht mehr meine Freundin“, stellte er stattdessen müde richtig. „Und ich verstehe immer noch nicht, was Du von mir willst. Dein Zirkel ist mir scheißegal und die Schlampe“, Sam hielt eine Aufnahme der fickenden Mia hoch, „im übrigen auch. Mich interessiert nur eine Sache“, dabei richtete er drohend einen Finger auf sein Gegenüber, „wie Du an die Bilder und auf mich gekommen bist.“ Theo schüttelte traurig den Kopf. „Liegt das nicht auf der Hand“, fragte er mit Tränen in den Augen. „Sabrina wollte die Story unbedingt. Aber es gibt nur einen Weg in das Innerste des Zirkels“, Verzweiflung fraß tiefe Furchen in sein junges Gesicht, „Sabrina hat bei ihrem perversen Spiel mitgemacht um an Informationen zu kommen und jetzt ist sie weg. Verschwunden.“

 

Viele Stunden später – längst hatte er den seltsamen Blogger in seiner engen Wohnung hinter sich gelassen – saß Sam angespannt am Steuer seines Autos. Soeben war das letzte Schimmern der Abenddämmerung einer sternenlosen Nacht gewichen. Dunkelheit lag über der grauen Stadt, deren glitzernde Lichter einen roten Feuerschein auf den wolkenverhangenen Nachthimmel zauberten. Doch Sam beachtete das Schauspiel nicht. Abwesend griff er nach einer Maske, die, nachdem sie ihm Theo zitternd überreicht hatte, nun neben ihm auf dem Beifahrersitz lag und streifte sie vorsichtig über. Durfte man dem gehetzten Gerede des jungen Mannes glauben schenken, war ihr starres, ausdruckloses Antlitz sein einziger, lächerlicher Schutz vor den Gefahren, die bei seinem bevorstehenden Abenteuer auf ihn lauerten.

Die Suppe hatte ihm sein mysteriöser Gastgeber eingebrockt, der sich, nachdem die Sprache einmal auf das Verschwinden seiner Freundin gekommen war, nicht mehr zu bremsen wusste. Unaufhörlich redete der hagere Internetfreak auf ihn ein, doch Sam mochte seinem hysterischen Geschwätz zunächst nur halbherzig lauschen. Traurige Erinnerungen quälten ihn und Melancholie machte sich in ihm breit, legte sich wie zäher, klebriger Sirup über seine Seele. Elend dachte er an den Augenblick zurück, an dem Mia seine Welt zum Einsturz brachte. Dabei schien zunächst endlich alles gut zu werden, denn bald nachdem seine Geliebte vergebens um Milde gefleht hatte, ebbten Wut und Angst in ihm ab. Sam erkannte, dass er Mia Unrecht angetan hatte und er bedauerte seine grausame Kaltherzigkeit. Sie verlangte nur nach Liebe und Respekt und wurde doch zurückgewiesen und brutal gedemütigt. Trotzdem ertrug sie tapfer Schande und Schmerz um ihrer beiden willen. Tief berührt ließ Sam endlich seine wahren Gefühle für Mia zu und fasste den Entschluss ihr Leiden endlich zu beenden. Mit knappen Worten teilte er seiner Ehefrau mit, dass er keinen Sinn mehr in ihrer Beziehung sah. Beinahe erleichtert bat sie ihn auszuziehen und so packte er seine Sachen, verließ die gemeinsame Ehewohnung um alles andere den Anwälten zu überlassen. Dann machte er sich, Blumen in der Hand, auf den Weg zu Mia, wollte sie an jenem schicksalhaften Tag um Verzeihung bitten und endlich beweisen, dass es ihm ernst mit ihr war.

Geradezu beschwingt stieg er die Treppe zu ihrem Apartment hinauf als ihn ein seltsames Geräusch mit einem Mal auf dem obersten Treppenabsatz verharren ließ. Sam wich das Blut aus dem Gesicht. Gedämpftes Stöhnen und Grunzen, begleitet von dem satten Klatschen nackten Fleisches, drang aus Mias Wohnung. Zitternd trat er ein und folgte lautlos einer Spur aus achtlos abgelegten Kleidungsstücken. Angewidert stieg er über eine Anzughose und spähte durch einen schmalen Spalt in der Schlafzimmertür. Was er dort sah ließ ihm endgültig das Blut in den Adern gefrieren. Ein grobes Seil schlang sich fest um Mias schönen, entblößten Körper und seine Geliebte lag, hilflos gefesselt und doch lustvoll keuchend, vornübergebeugt auf dem Bett. Hinter ihr kniete ein nackter, graumelierter Mann und fickte sie plump von hinten, während er ihr dabei immer wieder mit der bloßen Hand auf den prallen Arsch patschte. Ungläubig erkannte Sam in ihm den tatschenden Vorgesetzten aus Mias Erzählungen, jenen widerwärtigen Kerl über den sie sich immer mit tief empfundenem Ekel beschwert hatte. Wie gelähmt stand der Gehörnte hinter der Schlafzimmertür und die mitgebrachten Rosen fielen ihm aus der Hand. In diesem Moment musste Mia ihn bemerkt zu haben, denn sie hob den Kopf in seine Richtung. Eine Träne kullerte über ihre Wange, aber in ihren Augen funkelte wilde Entschlossenheit. Trotzig presste Mia die Lippen zusammen und begann unter den schreckgeweiteten Augen ihres Geliebten die Stöße des anderen Mannes mit ihrem Becken zu erwidern, rammte sich seinen Schwanz energisch in ihren bebenden Unterleib. Entsetzt taumelte Sam zurück. Übelkeit stieg in ihm auf und er wand sich, tief getroffen, von Mia ab, stürzte panisch aus der Wohnung ins Freie um verzweifelt nach frischer Luft zu ringen.

Wenn es nach Sam ginge, wäre der unsägliche Schmerz, der seitdem in ihm brannte und ihn verzehrte, für immer in seinem tiefsten Inneren begraben geblieben, hätte ein gnädiger Gott alle Spuren der elenden Betrügerin aus seinem Leben getilgt. Doch das Schicksal wollte es anders und ließ den Unglücklichen keine Ruhe finden. Theo stöberte ihn mit der Beharrlichkeit einer Trüffelsau auf und lockte ihn aus seinem Kokon, weil er sich in ihm einen Verbündeten in seinem verzweifelten Kampf um Sabrina und seine Story erhoffte. Energisch riss der Blogger Sam aus seinen düsteren Erinnerungen und beschrieb ihm Mias weiteres Schicksal, auch wenn sein Gegenüber es nicht unbedingt hören wollte, mit eindringlichen Worten. Die genauen Details kannte er nicht, doch brachte Sabrina auf verschlungenen Wegen immerhin in Erfahrung, dass Mia bald nach jener schrecklichen Episode und dem abrupten Bruch mit Sam in den Zirkel eingeführt worden war. Theo vermutete, dass ihr Vorgesetzter ihre Verzweiflung erkannt und für sich ausgenutzt haben musste. Wohl in der Hoffnung auf einen Karriereschub überließ er die verunsicherte Frau dem Geheimbund, die seitdem, vollständig von der Außenwelt abgeschnitten, das Leben einer Gefangenen fristete. Entsetzt erzählte ihm Sabrina in einem heimlichen Telefonat von den Exzessen und dem entwürdigen Umgang mit der Lustsklavin, die vor ihren Augen sogar Hundefutter aus einem Fressnapf aß, über das zuvor ein johlende Gruppe von Männern ihr stinkendes, klebriges Sperma verteilte. Mia sei auch, so der wütende Vortrag von Theos Freundin, keineswegs die Einzige, die von den Mitgliedern des Zirkels wie ein Stück Vieh gehalten und misshandelt werde. Verstört berichtete Sabrina von engen Käfigen und einem Kellerverlies in dem sogar eine mittelalterliche Folterkammer samt Pranger, Andreaskreuz und Streckbank eingerichtet sei. Nervös wollte der Blogger wissen, wie sie an derart schreckliche Informationen gelangen konnte. Aber seine Freundin blieb eine Antwort schuldig und brach stattdessen in Tränen aus. Zutiefst besorgt flehte Theo sie an die gefährliche Recherche aufzugeben, aber noch bevor Sabrina antworten konnte wurde ihr Gespräch abrupt unterbrochen. Am nächsten Tag lag ein Päckchen mit Beweismaterial, darunter auch die kompromittierenden Fotos von Mias Orgie, auf Theos Türschwelle. Sabrinas letztes Lebenszeichen zu der ihr hagerer Freund seit beinahe zwei Wochen keinen Kontakt mehr hatte.

Seitdem versuchte der Blogger Sabrina frenetisch ausfindig zu machen. Doch es schien wie verhext. Informanten ließen sich verleugnen, Internetforen verschwanden aus dem Netz, egal an wen oder wohin sich der junge Mann wand, sämtliche Spuren verliefen im Sand. Sabrinas Fährte kühlte ab und bald, so befürchtete Theo, wäre seine Freundin für immer verloren. Verzweifelt klammerte er sich an seinen letzten Strohhalm, ein konspiratives Treffen des Zirkels von dem ihm seine Partnerin Zeit und Ort verraten hatte. Noch in dieser Nacht würde die verschwiegene Bruderschaft auf einem verlassenen Fabrikgelände zusammenkommen. Theo wusste, dass die heutige Zusammenkunft seine einzig verbliebene Chance war. Aber er hatte ein Problem. Bei seiner Suche hatte er zu viel Staub aufgewirbelt. Vielleicht litt er an Verfolgungswahn, aber eigentlich war sich Theo sicher, dass er unter Beobachtung stand. Seit Tagen parkte eine unscheinbarer Lieferwagen vor seiner Haustür und wenn er telefonierte, knackte es verdächtig in der Leitung. Kaum verließ er das Haus fühlte er sich verfolgt und einmal fand er nach seiner Rückkehr von einer Besorgung die Wohnungstür unverschlossen vor. Da der junge Hipster nicht mehr an Zufälle glaubte, musste er sich etwas einfallen lassen und hatte schließlich eine rettende Idee gehabt.

„Verstehst Du“, fragte der Blogger nervös und Sam nickte, verstand nur zu gut. Der Hipster wollte, dass er den Kopf hinhielt und für ihn die Drecksarbeit erledigte. Sam dachte nach. Warum sollte er sich auf ein solches Spiel einlassen? Diese Sabrina bedeutete ihm nichts und erst Recht sollte ihm Mia egal sein. Noch einmal griff er nach dem Stapel Fotografien, betrachtete die Nahaufnahme von Mias schönem, unschuldigem Gesicht, auf dem ihre Benutzer wie auf einer Straßenhure abgespritzt hatten und deren Saft in dicken, zähen Fäden aus dem aufgerissenen Kussmund und von ihrem Kinn auf ihre nackten Brüste herabtropfte. Sam konnte es nicht, wollte nicht los lassen. „Scheiß drauf“, fluchte er, „ich habe sowieso nichts mehr zu verlieren“, und gab Theo die Hand um ihren Pakt zu besiegeln.

Leise knirschte feiner Kies unter Sams Reifen. Vor ihm ragte die Ruine einer alten Ziegelfabrik in den dunklen Nachthimmel. Sam hatte sein Ziel erreicht und hielt am Rand des überwucherten Geländes um die letzten Meter zu Fuß zurückzulegen. Gedämpfte Musik drang aus dem Inneren des Industriebaus und ein Spalier von brennenden Feuerschalen wies den Weg. Zwei finstere Muskelpakete mit langen Zöpfen und bloßen Oberkörpern wachten streng über den Eingang. Entschlossen hielt Sam auf die beiden zu, bemühte sich krampfhaft seine Anspannung nicht anmerken zu lassen. Er hoffte inständig, dass Theo ihm die richtigen Informationen gegeben hatte, denn die beiden brutalen Schläger wären bestimmt schnell mit ihm fertig. „Halt!“, grollte der rechte Hüne. „Wie lautet das Passwort?“, verlangte er zu wissen und legte Sam seine mächtige Pranke auf die Schulter. „Zerberus“, antworte Sam kühl und wischte die Hand von seinem Revers. Einen schrecklichen Moment lang musterten die beiden Schläger ihren Gast und Sam lief es kalt denn Rücken hinunter, doch dann deuteten sie eine Verbeugung an und traten beiseite, gaben den Weg in den inneren Zirkel frei. Gebannt hielt er denn Atem an, denn ihm war als täten sich hinter den breiten Rücken der Hünen die verdorbenen Abgründe der Menschheit selbst auf. Er zögerte kurz, doch dann stürzte sich Sam unerschrocken in das dekadente Treiben.

 

(Ende Teil4)

Bewertung

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Kommentare

Seit geraumer Zeit war dieser Teil nur ein Lesezeichen. Nun habe ich ihn gelesen und stelle fest, dass du hier einen Mehrteiler hast, der mich interessiert. Es werden keine Handlungen in die Länge gezogen, nicht sinnlos Worte verschwendet, nur um sie zu sehen. Es handelt sich um eine Geschichte, die echt wirkt. Auch hier stelle ich fest, Aktionen und Personen sind wahrhaft und glaubhaft. Keine Blümchen, kein Verstellen, kein Hochglanz, kein Verdummen, einfach gut.

Danke und ich erwarte weitere Teile.

 

Nun ich meine das dieser Mafia/Unterwelten-Twist der Geschichte nicht gut tut. Da spürt man ganz eindeutig die in Hollywood übliche Marotte immer noch eins oben drauf legen zu müssen anstatt bei dem eigentlichen Kern der Geschichte zu bleiben und diesen sauber auszubauen. Aber das ist, aufgrund der Mediennutzungsgewohnheiten vermutlich nur noch die Meinung Einzelner.