Neuland  11-2017

 

 

Alleine stehe ich an der Elbe und lasse meinen Blick in Richtung Meer schweifen.
Ich habe dieses Jahr tatsächlich nicht geschafft, das ich mir die Zeit nehme und an meine geliebte Nordsee zu fahren. Dabei gab es genügend Anlässe oder Ereignisse, bei denen ich einfach nur weg wollte, weit weg.
Kurz vor Dezember. 
In wenigen Wochen wird auch dieses Jahr vorbei sein und Teil meiner vergangenen Geschichte werden. Ich setze mich auf eine Kaimauer und lasse die Beine baumeln. Beobachte die Wellen und lasse meinen Gedanken freien Lauf.

Ich habe bis hierher in diesem Jahr gelacht, geweint, geliebt, verloren und mit ganz neuen Situationen für mich klar kommen müssen. Und ich habe mein Wissen, meine Erfahrungen verwenden können, die ich in meiner Vergangenheit oftmals sehr schmerzhaft lernen musste.
Fähigkeiten die ich einem langen und oftmals seelisch sehr schmerzhaften Prozess für mich lernen musste – mir blieb ja nichts anderes übrig, denn Aufgeben stand nie im Geringsten für mich als Option im Raum – Niemals aufgeben!! 
Immer weiter gehen.
Und so lernte ich für mich:
Geduld.
Vertrauen.
Liebe.
Stolz.
Selbstwertgefühl.

Als ich mein derzeitiges Neuland unverhofft betreten musste, wusste ich nicht, was da auf mich zukommen könnte. Und im grundegenommen, weiß ich es bis jetzt nicht so richtig..
Aber ich will und werde lernen. Was auch immer.
Es war – wie immer – meine ganz eigene Entscheidung:
Gehen oder bleiben.
Und auch diesmal bin ich geblieben.
Weil ich es für mich wollte und neugierig auf alle Facetten des Lebens bin und hoffentlich immer bleiben werden.
Ich beobachte das Wasser und beginne mit dem Sortieren meiner Gedanken.
Zuckerbrot und Peitsche.
Ich lächle, weil ich feststelle, das mein Jäger seine Jagd aufgegeben zu haben scheint. Seine rastlose Suche nach dem, was er für sich will scheint endlich für ihn beendet. Denn nun hat er wohl genau das, was er sich insgeheim vielleicht schon immer wünschte.

Zwei – die ihm ganz alleine gehören.
Zwei – die unterschiedlicher kaum sein können.
Zwei – die ihm mit allem dienen, was er wünscht und braucht.

Ungewohnt für mich – Neuland.
Noch stehen wir zu Dritt ganz am Anfang unseres Neulands, das es für uns zu entdecken gilt.
Jeder für sich alleine und doch auch alle zusammen.
Er ist nun nicht mehr nur MEIN Herr ganz alleine, denn nun ist er unser beider Herr und wir gehören nur ihm ganz alleine. Und zusammen können wir ihm vielleicht genau das geben, was er für sich braucht.

Ich könnte nie im Leben so sein wie sie und sie nicht wie ich – zwei unterschiedliche Frauen.
Jede für sich hatte eine harte Vergangenheit, die nur jede für sich und der Herr nur in Teilen kennt.

Er fordert Respekt und Akzeptanz, von Anfang an.
Ich glaube, das mir das leichter fällt.
Aber das liegt ganz alleine an meiner eigenen Vergangenheit, meinem Weg bis hierher und wie ich all mein Erlebtes verarbeitet und verinnerlicht habe.
Ich stelle nur noch Fragen, wenn es für mich wichtig ist und ich mich stabil genug für die jeweiligen Antworten fühle, die ja durchaus vielleicht auch mal sehr weh tun können und deren Inhalt nur schwer zu ertragen wären für mich.

Ich stehe auf und gehe dem Meer ein Stück weit entgegen.
Meine Gedanken fließen, wie meine geliebte Elbe.

Ich habe mir irgendwann geschworen und versprochen, das ich nie wieder für irgendwas oder irgendwen kämpfen werde! Das habe ich in diesem Leben schon viel zu oft sinnlos getan.
Sinnlose Kämpfe gegen oftmals unsichtbare Feinde oder gar Windmühlen – kraftraubend und sinnlos.
Eigentlich habe ich gar keine Feinde mehr, stelle ich gerade fest.
Und wenn doch, dann halte ich sie mir scheinbar sehr gut vom Leib.
Energieräuber oder Menschen, die mit mir nicht klar kommen können oder wollen, habe ich wie Ballast abgeworfen und aus meinem Leben vollständig verbannt.
Ich habe mich von allem befreit, was mir im Weg ist oder meint mein Leben beurteilen zu müssen.

Und jetzt, wo ich von all dem endlich frei bin, kann ich endlich so leben, wie ich es für mich ganz alleine will.
Ich werde lernen, weil es MEIN Weg ist.
Mein Weg, als Seine.
Genauso, wie sie nun Seine ist.
Und zusammen sind wir nun beide SEINE :
Sie und ich – er der Herr.

 

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