How to be good

Eine ganz andere Rezension zum Roman von Nick Hornby

 

Wie bekämpft man eine Depression? Mit einer neuen Depression! Du meinst, ich bin bekloppt … nicht ganz dicht … meschugge in der Birne … habe einen Riss in der Waffel … oder gar den Schuss nicht gehört? Pfffff. Mir doch egal. Wer ist denn in dieser bescheuerten Welt noch normal? Du etwa? Dass ich nicht lache.

 

Nein, nein. Das ist kein Selbstgespräch. Ich rede tatsächlich mit Dir. Hallo! Deswegen brauchst du nicht gleich das Messer in der Tasche aufzuklappen oder deine Stiefelspitze zwischen meine Oberschenkel zu kicken. Als wenn meine Hühnerprodukte die Schuld dafür trügen, was ich denke und sage. Du machst mir vielleicht Spaß. Die graue Masse, welche derartig intelligente Gedanken produziert, befindet sich nun wirklich woanders. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

 

Interessiert dich nicht? Männer tragen ihren Verstand in der Hose … ist es diese weibliche Logik, welche die Grundlage deiner Handlung darstellt? Weiber! Denken immer nur an das Eine. Ich verdrehe die Tatsachen und Fakten? Ich doch nicht. Sehe doch, wie es läuft. Der Mann macht den Mund auf, um etwas mehr oder weniger Wahres zum Besten zu geben. Und was passiert? Er kriegt eine auf die Fresse. Gleichberechtigung. Jeder darf mal. Du zuhauen und ich hinhalten. Bei der nächsten Gelegenheit wird getauscht. Ich halte hin und du haust zu. So ist immer Gleichbe... ähm … ausgleichende Gerechtigkeit garantiert.

 

Aber greifen wir den Ereignissen nicht vor. Beginnen wir einmal beim Urschleim. Ich möchte ja verstanden werden. Von dir! Also paso a paso. Französisch können wir später, wenn alles klar ist. Nehmen wir einfach an – alles spricht naturgemäß dagegen – ich wäre völlig unbedarft und frei jeglicher Kenntnisse der weiblichen Psyche. Du merkst schon, mit dem rationalen Begriff der Logik halte ich mich hier aus gutem Grund zurück. Weiblich und logisch sind zwei Worte aus sprachlich und praktisch nicht miteinander kompatiblen Bereichen. Das wäre ein Ereignis wie die Umrüstung meines geliebten Schrotthaufens auf Fusionsbetrieb durch Einbau eines CERN in den Motorraum. Es trifft einfach nicht ein.

 

Mein Argument scheint dich nicht zu überzeugen. Ich höre „Jingle bells“. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich die Hoffnung an dieser Stelle aufgeben täte. Also atme ich tief durch und versuche mich aufzurappeln. Irgendwie gelingt es mir. Um den gerissenen Faden wieder aufzunehmen, bedarf es jedoch einer Art Tantra, die mich von irdischen Schmerzen ablenkt. Konzentration auf das Wesentliche. Ommmmm. Uiuiui. Au. Naja, so oder so ähnlich. Es hilft. Wider Erwarten.

 

Da ist dieses Buch. Es liegt auf dem Tisch. Ich habe es gelesen. Und: verstanden! Lächle du nur, es steht dir gut, wird dir jedoch vergehen. Auch ich lächle, wissend, wenn nicht gar erleuchtet. Du denkst: unterbelichtet und mit Sonnenflecken. Das ist das Problem. Der Mann als solcher und seine Kompetenz werden nicht nur unterschätzt, sondern gänzlich in Frage gestellt. Der grundlegende Konflikt, woran jede noch so gute Beziehung scheitert. Auf Dauer führt das zur Rebellion, der Mann – ohnehin ein verkannter Dauerlutsc..., revoluzzer – wünscht sich Barrikaden. Ein Leben lang sammelt er Material, nicht Munition. Bevor er etwas tut, will er auch felsenfest überzeugt sein, das Richtige zu tun. Das kann dauern, hat also nichts mit geistiger Beschränkung … nein, es ist Ausdruck von Größe. Wir haben nun einmal den Größten, jeder von uns hat den Größten!

 

Du lachst und gibst mir zwei mehr oder weniger zärtliche Ohrfeigen. Du verstehst das nicht. Das ist halt Logik! Männerlogik! Wir haben den Größten! Könntest du bitte aufhören, hier wie ein ungebratenes Huhn herum zu gackern. Was soll ich? Dir den Hintern zudrehen? Komm, bleib mal sachlich. Du bist sachlich? Man-n wird ja noch einmal sagen dürfen … „Nein, darfst du nicht. Nicht so eine gequirlte Scheiße!“ Wofür jetzt die zehn Stockhiebe?

 

Zurück zur Lektüre. Hier wird auf anschauliche Weise dargelegt, wie dauerhaftes Glück funktioniert. Ein Mann, eine Frau, zwei reizende Kinder. Friede, Freude, Eierkuchen. Die perfekte Familienidylle. Die Frau bringt das Geld nach Hause und der brave Hausmann kümmert sich um den Verderb des Nachwuchses. Ein wenig hinzu verdienend mittels einer überaus wichtigen Kleinstkolumne zwischen den Todesanzeigen der Wochenendausgabe des kostenfreien Lokalanzeigers, die in regelmäßigen Abständen wichtigen anderen Themen zum Opfer fällt und demzufolge etwa ein bis zwei Mal jährlich erscheint. Das heißt: ein absolut erstrebenswerter Endzustand bis dass der Tod sie scheidet.

 

Welches der beiden Geschlechter wird wohl rebellieren? Richtig! Das Weib! Schatz, das mit der Kette war nicht abgemacht. Und außerdem tut es höllisch weh. Ich weiß, dass du das nur vorbeugend und aus Liebe tust. Aber so geht das nicht. Auch ich habe das Recht … aua … gelegentlich zu schweigen. Du nickst und ich fahre fort.

 

Wie gesagt: totale Glückseligkeit. Wer jetzt glaubt, damit gäbe sich die privilegierte Frau zufrieden, der sieht sich getäuscht. Sie will ausbrechen, ist aber gar nicht eingesperrt. Sie tigert im Käfig der grenzenlosen Freiheit herum, als müsste die Mauer erneut eingerissen werden. Behämmert. Liebenswert, wie der Mann nun einmal ist, macht er sich Gedanken. Er will retten, um jeden Preis. Auch um den des Untergangs. Wie schon Noah mit seiner Verar... nun gut … Arche. Er krempelt die Ärmel hoch und alles um. Historische Geschlechterrolle. Der Mann Arbeitstier und Existenzsicherer. Er geht auf in seiner Aufgabe, er ist und bleibt ein Mann!

 

Seitenlang ist jetzt … hat jetzt die Frau das Problem. Mal Ja, mal Nein. Mal Hüh, mal Hott. Nur der Mann behält die Nerven und im Chaos keinen Überblick. Konsequent wie immer. Zuverlässig wie ein Wels in der Brandung. Compri? Ach ja, Französisch wollten wir später. Dein Blick hat jetzt etwas Fragwürdiges oder so ähnlich. Auf jeden Fall sehe ich überall mehr als nur drei Fragezeichen. Im Moment scheint deine einzige Sorge, ob mit dauerhafter Käfighaltung bei mir etwas und die Menschheit noch zu retten ist.

 

Wie lösen die beiden Protagonisten das nicht vorhandene und selbst geschaffene Problem? Hare Krishna. Sie werden zu Gutmenschen. Wie der Titel schon sagt: „How to be good“. Sie nehmen sich obdachloser Jugendlicher an, bekehren die Straßenbewohner ganzjährig außerhalb der Kehrwoche und stiften Unru... nur Gutes. Teilhabe lautet das Zauberwort. Jeder soll glücklich sein. Und Glück ist das, was die fiktiv-reale Familie des Autors für glücklich hält. Ja, diese Story ist aus dem wahren Leben gegriffen, sie berührt, auf unangenehmste Weise. Schlechtes Gewissen inklusive. Ich habe nichts gegen Moral. Gott – oder wer auch immer – bewahre.

 

Im Augenblick fragst du dich, ob du mir den Blödsinn ausprügeln oder einfach nur 10 Tage Dunkelhaft unter verschärften Bedingungen verhängen sollst. Ich kann nicht dafür! Das ist die Message des Autors. Was will er uns sagen? Ich habe es zunächst nicht begriffen. Komm, lass das. Männer sind nicht blöd, nur einfältig. Herrin, ich weiß, dass zwischen uns alles geklärt ist. Da gibt es keine offenen Fragen. Aber es lohnt sich, seine Mitmenschen und ihre unbedeutenden Sorgen nicht ganz außen vor zu lassen.

 

Du findest den Weg zurück. Selten für Frauen, dass sie begreifen. Ich bekomme auch vorderseitig zehn schöne Erinnerungsstreifen an unsere offene Debatte. Ich liebe dich! Ein Tag, ein Buch und keine neue Erkenntnis.

Bewertung

2 Votes with an average with 4.5

Kommentare

5 Ketten-Stöckchen, äh Sternchen, und Dunkelhaft unter verschärften Bedingungen könnte dir so passen für die gequirlte Scheisse.

In reply to by 7linge

sei kein Spielverderber. Dabei habe ich mir dieses Mal so viel Mühe gegeben wie sonst noch nie. Bei dir hat es schon mal funktioniert. Mal schauen, ob die restliche Community auch mitspielt. Keine Sterne für nichts, das wäre die Krönung.

Eine Geschichte mit vielen Schichten, Hintergründe, und Zwischentönen. Ich kann den Autoren erahnen, wie er mit Lächeln dem Leser zuzwinkert und lächelt: "Nun, macht euch mal schön Gedanken!" Tony, gut gemacht ! 5 * von mir.

In reply to by Tony 2360

wald? dachte du bist in dunkelhaft?

und alleine schon um dich ein wenig zu ärgern, gibt es auch von mir Sterne.
eine Depression mit einer anderen bekämpfen..... ich würde eher sagen Teufelskreis! aber auch das hast du beschrieben! und zwar den Teufelskreis den man leben nennt! über den Blickwinkel und die ansichten kann man streiten, aber das wollen wir ja nicht.

von mir gibt es 4 sternchen