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Ras-Al-Masuf – Teil 2 (illustriert)

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Ras-Al-Masuf – Teil 3 (illustriert)

 

Storyline:  Melanie, eine junge Amerikanerin, verbringt ihren Urlaub in einem arabischen Emirat. Durch eigene Unachtsamkeit und die Verleumdung einer vermeintlichen Freundin gerät sie zwischen die Fronten von Traditionalisten und Modernisierern und findet sich unversehens im Gefängnis wieder. Schnell begreift sie, dass ein ungünstiges Gerichtsurteil für sie lebenslange Sklaverei und ein Ende im Harem bedeuten kann. Kann sie das Schicksal ertragen, das ihr droht? Gibt es ein Entrinnen? Kommt die Verleumderin ungestraft davon?

 

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Abtransport

Nachdem der Richter seine Urteilsbegründung abgegeben hatte, verließen er, der Staatsanwalt und mein Verteidiger (so, wie der sich für mich eingesetzt hatte, mussten die Harems wohl inzwischen an Überfüllung leiden) den Saal.

Der Zuschauer schien sich nicht zu rühren. Als ich mich gerade umdrehen wollte, um ihn mir genauer anzusehen, wurde eine Seitentür geöffnet und zwei Männer, die wie Angehörige eines S.W.A.T.-Teams aussahen, kamen auf mich zu.

Der etwas kleinere der maskierten Männer hielt einen Gegenstand in der Hand. Das sah nicht gut aus.

Das Ding hatte etwa Größe und Form einer Schultüte. Am unteren Ende hing ein Metallring.

Die Männer packten mich und hievten mich aus dem Sessel. Einer bog meine Arme nach hinten und begann, die „Schultüte“ über meine Hände und Unterarme zu ziehen. Die ganze Sache lief nicht allzu grob ab. Ich wehrte mich nicht. Nachdem der Fesselsack bis zu meinen Schultern hochgezerrt worden war, zogen die Männer Schlaufen über meinen Handgelenken und Oberarmen fest.

„Aua!“ Das war eine andere Qualität als die Handschellen, denn in dem Sack wurden meine Arme schmerzhaft aneinander gepresst. Bewegen konnte ich sie praktisch überhaupt nicht mehr. So hilflos hatte ich mich noch nie gefühlt. Durch den Zug an meinen Schultern musste ich meinen Oberkörper durchstrecken, um es überhaupt aushalten zu können. Nur gut, dass ich schon als Kind dazu erzogen worden war, mich gerade zu halten. Das half mir jetzt.

Man könnte es mit meinem aufgewühlten Zustand  begründen, aber ich glaube, dass ist eher so ein komisches „Frauen-Ding“: Vor zwei Tagen war ich noch eine glückliche Tochter aus gutem Hause, ein vielversprechendes Erwachsenendasein beginnend, ohne besondere Sorgen und Nöte - und jetzt?

Alles lag in Trümmern. Verurteilt zu einem Leben in Sklaverei, voller Angst vor unbekannten Entbehrungen und Qualen, ohne echte Aussicht auf Rettung – und was geht mir durch den Kopf?

Der Gedanke an Wendy.

Vermutlich war die gerade in einer ähnlichen Situation, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass Spionage in diesem Land ein Kavaliersdelikt sein sollte. Von wegen „Wellness“! Das war’s dann wohl mit dem Journalismus.

Meinen komischen Überlegungen wurde ein jähes Ende gesetzt. Der größere Mann holte einen Gegenstand aus seiner Gürteltasche. Als ich Einzelheiten erkannte, fing ich an zu schreien.

Der Gegenstand war eine Maske. Eine, die das ganze Gesicht bedeckt und mit Riemen hinter dem Kopf befestigt wird. Ich musste an Leonardo Di Caprio denken und brach in Panik aus. Zugegeben – Panik ist nicht das, was ein 18-jähriges Girl beim Gedanken an Leonardo normalerweise empfindet. Es war der Film, in dem er mitgespielt hatte und in dem es um einen Mann ging, der viele Jahre seines Lebens eine eiserne Maske tragen musste. Stand mir Ähnliches bevor?

Ich wollte diese Maske nicht tragen.

Ich wehrte mich, aber der kleinere Mann hielt mich mit Leichtigkeit fest. Ohne meine Arme konnte ich nur zappeln. Ich versuchte, den größeren Mann, der mit dem furchtbaren Ding in seiner Hand auf mich zutrat, mit den Füßen zurückzustoßen, aber dabei rutschten mir die Flip-Flops herunter und es fühlte sich an, als würde man versuchen, mit der nackten Fußsohle eine Steinsäule um- zutreten.

Es war aussichtslos.

Nach nur kurzer Zeit hatte ich die Maske auf meinem Gesicht und die Riemen wurden festgezogen.

Dann kam es erst richtig schlimm.

Eine Art Rohr wurde in eine Öffnung der Maske geschoben und zwang mich, meine Kiefer weit zu öffnen. Damit war ich nun auch wirkungsvoll geknebelt. Eine Klappe verschloss das Rohr und ich konnte nur noch durch zwei Löcher an meiner Nase atmen.

Schließlich wurden auch noch die Aussparungen für die Augen abgedeckt. Ich war blind, stumm und absolut wehrlos.

In diesem Moment brach mein Widerstand vollkommen zusammen.

Es hatte keinen Sinn. Ich konnte nur noch hoffen, dass dieser Zustand nicht von Dauer sein würde. Falls doch – ich könnte nicht das Geringste dagegen tun.

Die Männer brachten mich aus dem Saal. Sie trugen mich mehr, als dass ich ging. Merkwürdigerweise störte mich in diesem Moment, dass ich meine Schuhe verloren hatte. Irgendwie fühlte ich mich barfuß noch verletzlicher. Den Geräuschen nach zu urteilen, durchquerten wir ein Treppenhaus. Ich hörte Stimmen. Die Sprache musste die Landessprache sein, die ich während des Urlaubs immer mal wieder vernommen hatte. Niemand schien sich daran zu stören, dass zwei maskierte Männer eine gefesselte und geknebelte Frau durch das Gebäude schleppten. Dann waren wir plötzlich im Freien.

Während ein Mann mich festhielt, griff der andere nach meiner nackten Wade. Das war unangenehm.

Er hob mein Bein in die Horizontale. Unter meinen Zehen spürte ich Metall. Dann schoben sie mich nach vorn, bis ich mit beiden Füßen auf der Metallfläche stand. Anschließend drückten sie mich nach unten. Da war eine weiche Unterlage, auf die sie mich legten. Ich hörte ein Klicken und merkte, dass der Ring an meiner Armfessel irgendwo eingehakt worden war. Ich konnte nicht mehr aufstehen. Notgedrungen versuchte ich, es mir halbwegs bequem zu machen, während die Männer sich entfernten. Schnell verstummten die Schrittgeräusche und ich hörte das Öffnen und Schließen von Autotüren. Dann wurde ein Motor gestartet und meine Liegefläche vibrierte. Ich musste wohl auf einer Art Pick-up liegen.

Dann fuhren wir los.

Ich wurde während der Fahrt ganz schön durchgeschüttelt. Meine größte Sorge war, dass mir übel werden könnte, denn dann hätte ich mit dem Knebel im Mund ein ernstes Problem.

Zum Glück ging alles gut, obwohl die Fahrt recht lang dauerte. Wie lang? Keine Ahnung. Es ist schwierig, ein Zeitgefühl zu haben, wenn man nichts sehen kann.

Irgendwann hielt das Fahrzeug an.

Die Männer hievten mich von der Pritsche.

Unter meinen nackten Fußsohlen spürte ich recht heißen, weichen Sand. Es war ruhig an diesem Ort. Nur ein leichter, ebenfalls warmer Wind war zu spüren und zu hören.

Das könnte wohl der „geheime Ort“ sein, dachte ich, an dem laut Urteil meine „bisherige Existenz enden“ sollte. Welche Schrecken würden mich hier erwarten?

Wie würde mein „neues Leben“ aussehen?

 

Die Hebamme

Die Männer brachten mich eine kurze Treppe hinauf in ein Gebäude. Dort drückten sie mich nach unten, so dass ich auf dem Boden knien musste. Es war ein hölzerner Fußboden. Durch den Raum strich der Wind.

Dann gingen sie und schlossen hinter mir eine Tür.

War ich allein?

Ich traute mich nicht, aufzustehen. Es hätte ohnehin nichts gebracht. Blind und gefesselt hätte ich mir nur irgendwo den Kopf stoßen können.

Dann hörte ich ein Geräusch.

Ich war nicht allein.

Schritte. Andere Schritte. Keine Stiefel. Eher tapsend. Sie kamen näher.

„Du bist also die Neue.“ Eine Frauenstimme. Nicht mehr ganz jung. Englisch mit leichtem Akzent.

„Unsere erste Amerikanerin. Na gut. Mein Name ist Livia. Ich bin die Hebamme.“

Hebamme? Was bedeutete das?

„Ich helfe bei der Geburt. Deiner Geburt, um genau zu sein. Du wirst noch verstehen lernen. Jetzt ist es erst einmal wichtig, dass Du begreifst, was mit Dir geschieht.“

Ich war ganz Ohr.

„Alles, was Du kennst, was Du bisher getan hast, was Du gesagt und gedacht hast, hat keine Bedeutung mehr. Was Du bist, ist vorbei. Von diesem Moment an. Für Dich beginnt ein neues Leben. Wie dieses Leben sein wird, liegt allein bei Dir. Hast Du das verstanden?“

Ich nickte.

„Gut. Das ist ein Anfang. Melanie, hm?“

Ich nickte wieder.

„Falsch. Eine Melanie gibt es hier nicht. Du hast keinen Namen. Jedenfalls nicht jetzt. Bist Du eine Frau?“

Was sollte der Blödsinn? Na schön, dachte ich und rührte mich nicht.

„Haha. Siehst Du? Du lernst schnell. Das ist gut. Ich sage Dir, was Du bist: Du bist eine Sklavin. Dein neues Leben beginnt am unteren Ende der ‚Nahrungskette‘. Wenn Du Dich bemühst, wirst Du schnell aufsteigen. Wenn Du clever bist, erreichst Du als Sklavin mehr, als Du Dir in Deinem früheren Leben vorstellen konntest. Wenn nicht, dann erwarten Dich Entbehrungen, Schmerzen und Qualen. Kapiert?“

Ich nickte.

„Fein. Steh auf!“

Etwas unsicher erhob ich mich.

„Du wirst einen kalten Gegenstand spüren. Hab keine Angst! Ich werde Dich nicht verletzen, wenn Du ruhig stehen bleibst. Klar?“

Ich nickte.

Livia griff nach meiner Schulter und hob den Träger des Kleides an. Es gab ein reißendes Geräusch. Dann wiederholte sie es auf der anderen Seite. Mein Kleid fiel zu Boden. Livia trat zurück. Ich spürte, wie sie mich ansah.

„Hübsch.“

Ich hasste es, barbusig dazustehen und nicht sehen zu können, was um mich herum geschah.

Es kam schlimmer.

Ich erschauerte, als ich die kalte Schneide eines Messers an meiner Hüfte spürte. Erst rechts, dann links.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Gefängnisslip jemals vermissen würde.

„Hm. Was ist das denn? Ich hörte, dass in Deinem Alter inzwischen auch im Westen mehr auf Intimhygiene geachtet wird. Naja, das werden wir schnell in einen akzeptablen Zustand bringen. Das kommt weg.“

Oh, nein!

Sie meinte eindeutig den schmalen, sorgfältig in Form gehaltenen Schamhaarstreifen, den ich nie abrasierte, um wenigstens an dieser Stelle wie 18 auszusehen.

„Davon abgesehen sehe ich hier wirklich gutes Ausgangsmaterial. Ich glaube, wenn Du Dich benimmst, wirst Du schnell aufsteigen. So. Ich räume mal die Fetzen weg. Die brauchst Du nicht mehr.“

Was sollte das heißen? Was würde sie mir denn jetzt zum Anziehen geben?

„Ich erkläre Dir jetzt die wichtigsten Regeln für eine Sklavin. Hörst Du zu?“

Ich nickte.

„Erste und wichtigste Regel: Absoluter Gehorsam. Absolut heißt absolut. Keine Widerrede, kein Zögern. Verstanden?“

Ich nickte. Was blieb mir übrig?

„Als Neugeborene stehst Du ganz unten. Das heißt, dass Du jede Anweisung befolgst; egal, von wem sie kommt. Später wird sich das ändern, aber die Hierarchien lernst Du noch kennen. Zweite Regel: Du sprichst nicht ohne Erlaubnis. Nie. Klar?“

Irgendwie überraschte mich das nicht. Gleichzeitig bedeutete das, dass ich den verfluchten Knebel wohl bald los wäre. Diesmal fiel mir das Nicken nicht schwer.

„Dritte Regel: Du hast keinerlei Eigentum. Das gilt auch für Deinen Körper. Nicht Du entscheidest, was damit passiert. Verstanden?“

Puh! Was sollte das bedeuten?

Als ich zögerte, kniff mir Livia in die rechte Brustwarze. Ich knickte vor Schmerz (und weil ich nicht vorbereitet war) ein und beeilte mich, zu nicken.

„Na, geht doch! So. Wenn Du diese drei Grundregeln immer befolgst, werden wir uns gut verstehen und Dein Leben wird Dir viele Annehmlichkeiten bringen. Willst Du das?“

Ich nickte. Ich meinte es ernst.

„Gut. Dann sei willkommen, Sklavin.“

Sie trat wieder zu mir und nestelte an der Maske herum. Endlich konnte ich wieder sehen!

Nach einer Weile hatten sich meine Augen an das Licht gewöhnt und ich musste nicht mehr blinzeln.

Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte nichts gesehen. Livia war unglaublich fett und hässlich.

„Die weiteren Regeln, die Du schnell kennenlernen solltest, wird Dir Neun erklären. Sie wartet schon auf Dich. Ich halte Dir die Tür auf. Wir sehen uns später. Geh!“

Was denn? Nackt?

Besser, ich zögerte nicht. Also drehte ich mich um und verließ den Raum. Die Tür wurde hinter mir geschlossen.

Vorsichtig ging ich die Treppenstufen hinunter.

Es war ein komisches Gefühl, splitternackt ins Freie zu treten - von Fessel und Knebel mal ganz abgesehen – zumal ich ja überhaupt keine Ahnung hatte, was mich erwartete. Es hätte ja auch sein können, dass eine Horde geifernder Kerle draußen herumlungerte. Und dann?

Ich sah mich um.

Ich befand mich auf einem Gelände mit mehreren, kleinen Gebäuden. Ringsum kahle Landschaft. Hin und wieder ein Streifen mit Grünzeug. Eine Oase?

Keine Kerle zu sehen.

Stattdessen kam ein Mädchen auf mich zu.

Ihr Anblick erschreckte mich nur geringfügig weniger, als es bei der angesprochenen Horde der Fall gewesen wäre.

Sie kam auf mich zu und legte ihre Hände auf meine Schultern. Sie war genauso nackt wie ich.

Das galt jedoch nur für ihren Körper, denn ihr Kopf und große Teile ihres Gesichts waren von einer Art Tuch verhüllt.

Aus geschminkten Augen sah sie mich freundlich an und meinte mit einem Akzent, der wie Livias klang, „Willkommen! Ich bin Neun. Ich habe mich schon sehr auf Dein Eintreffen gefreut. Du wirst eine Menge Fragen haben und ich bin in den nächsten zwei Tagen dafür da, sie zu beantworten.“

Na, toll, dachte ich. Wie, bitteschön, sollte ich denn mit dem Scheiß-Knebel irgendwelche Fragen stellen?

Als hätte sie meine Gedanken gelesen, meinte Neun: „Die Maske darf ich Dir nachher abnehmen.“

Neun hatte arabische Schriftzeichen an ihren Schläfen sowie größere Zeichen, Zahlen und einen Stern auf ihrem Dekolleté. Mit Entsetzen dachte ich daran, dass die vielleicht nicht nur aufgemalt und womöglich hier „üblich“ waren.

„Komm“, meinte sie, „wir gehen ein Stück. Wir müssen zu einem Gebäude auf der anderen Seite des Geländes. Du brauchst einen Namen, damit ich Dich richtig ansprechen kann. Währenddessen erkläre ich Dir schon mal ein paar grundsätzliche Dinge.“

Oh, danke, nicht nötig, hätte ich gern gesagt, „Melanie“ finde ich eigentlich ganz schön.

„Ich kann an Deinen Blicken und Kopfbewegungen sehen, was in Dir vorgeht. Ja, der Zaun steht unter Strom und nein, es gibt keine Fluchtmöglichkeit. Wir sind hier von Bergen und Wüste umgeben und wer es schafft, das Gelände zu verlassen, verdurstet außerhalb der Oase. Es gibt keine Überlebenschance da draußen.“

Irgendwie hatte ich mir das schon gedacht.

„Wir haben hier alle diese Phase durchgemacht, aber das bringt nichts. Glaube mir! Ich ärgere mich heute, dass ich meine Zeit so lange mit sinnlosen Fluchtgedanken verschwendet habe, denn ich hätte meinen Stern viel schneller bekommen können.“

Ich drehte meinen Kopf, um Neun anzusehen.

„Der Stern“, sagte sie und deutete dabei auf ihre Brust, „ist eine Art Statussymbol. Ich habe schon Sklavinnen mit drei Sternen gesehen, aber es gibt noch mehr. Eine Sklavin ohne Stern befindet sich in der Erziehungsphase. Das ist die Zeit direkt nach der Geburt. Mit dem ersten Stern beginnt die Lernphase, nach deren Abschluss entschieden wird, welcher Art von Dienst wir zugeteilt werden.“

Wieder versuchte ich, Neun fragend anzusehen.

„Es gibt Haushälterinnen, Köchinnen und Zofen. Mit dem entsprechenden Aussehen kannst Du aber auch Tänzerin, Unterhalterin oder Lustsklavin werden. Wenn Dein Gesicht hält, was Dein Körper verspricht, dürftest Du beste Chancen haben“

Lustsklavin? Von wegen „Geisha“! Von wegen „keine Prostitution“! Ich erschauerte.

Neun, deren Hand auf meiner Schulter lag, spürte das natürlich. „Keine Panik! Das hat nichts mit Zuhälterei und so zu tun. Viele Mädchen träumen sogar davon. Als Lustsklavin hast Du unglaubliche Privilegien.“

Das beruhigte mich nicht. Zu stark hatten Livias Worte auf mich gewirkt. „Absoluter Gehorsam“. „Kein Eigentum“. Welche Art von Privilegien sollte denn unter diesen Voraussetzungen Anlass zum Träumen bieten?

 „Zwei ist eine Lustsklavin. Die hat mich hier eingewiesen, als ich neu war, so wie ich es jetzt bei Dir mache. Sie kam vor ein paar Wochen zu Besuch. Drei Sterne hat die schon und sie sah phantastisch aus mit all ihrem Schmuck. Sie hat nur geschwärmt - von ihrem Herrn, dem Palast und dem Leben, das sie jetzt führt.“

Pah, dachte ich, Sklaverei ist Sklaverei. Egal, ob in dieser Einöde hier oder in einem Palast. Allerdings … wenn es von hier kein Entrinnen gab … vielleicht wäre das von einem Palast aus ganz anders? Ruhig, Mel! Erst mal abwarten. Natürlich war ich nicht hässlich. Gewisse Privilegien würden sicher eher eine Aussicht auf Freiheit eröffnen, als ein Dasein als Köchin in einem Loch mitten in der Wüste. Tänzerin … hm. Ich konnte ganz gut tanzen und meine Cheerleader-Erfahrungen würden sich hier womöglich noch als nützlich erweisen.

„Zwei will noch eine zusätzliche Ausbildung zur Kampfsklavin machen, um eventuell in die Garde des Emirs aufgenommen zu werden. Dann gehört sie zur absoluten Elite, aber normalerweise braucht man dafür fünf Sterne.“

Kampfsklavin? Ich musste mir vor Augen führen, dass ich eine splitternackte, gefesselte und geknebelte Gefangene mit nichts als der Aussicht auf lebenslange Sklaverei war, um nicht vor Lachen in meinen Knebel zu prusten. Wie absurd! Ich kämpfte gegen die Bilder, die vor meinem inneren Auge auftauchten: Nackte Ninja-Girls, die mit lauten Kampfschreien und wackelnden Brüsten auf ihre Feinde einstürmten, während die geschulterten Automatikwaffen auf ihre Pobacken klatschten. Lächerlich!

Waffen? Kampfkunst? Garde? Moment! Wenn es das wirklich gab … wäre das nicht die optimale Voraussetzung, um nach Hause zu kommen? Nach den ganzen Schrecken dieses Tages keimte tatsächlich ein Funke Hoffnung in mir auf.

Unser Ziel war erreicht. Wir betraten das Gebäude. Kurz hinter der Tür stand eine Schüssel mit Wasser auf dem Boden. Neun wusch sich ihre Füße. Dann musste ich in die Schüssel hineinsteigen. Es war komisch, mich von einer anderen Frau waschen zu lassen.

„Bleib noch stehen! Spreize Deine Beine etwas!“

Was sollte das denn werden?

Neun holte aus einer angrenzenden Kammer eine Tube und begann, den Inhalt auf meinem Schamhügel zu verteilen. Uff, dachte ich, das hatte Livia ja schon angedeutet. Wenigstens musste ich mir nicht von einem Mann den Intimbereich kahlrasieren lassen. Gab es an diesem Ort überhaupt Männer?

Es fühlte sich nicht wie Rasierschaum an.

Erst recht nicht mehr, als das Brennen begann.

Scheiße! Das war kein Rasierschaum. Das war eine Enthaarungscreme.

Als ich ein wenig zappelte, meinte Neun: „In ein paar Minuten hast Du es überstanden. Das wird jetzt jeden Tag gemacht. Es ist eine spezielle Mixtur. Nach ungefähr zwei Wochen müsste es erledigt sein. Dann wächst nichts mehr nach.“

Na, toll! Das war es dann wohl für alle Zeiten mit dem Aussehen einer Erwachsenen an dieser Stelle. Mist!

Nach einer gefühlten Ewigkeit wusch Neun den Schaum herunter. Als sie aufstand, um das Handtuch zu holen, bemerkte ich erst, dass auch sie untenherum total kahl war. Außerdem fielen mir weitere Schriftzeichen oberhalb ihrer Knöchel auf. Dann trocknete sie mich ab.

 

Leinwand

Nach dieser Prozedur musste ich mich auf einen Stuhl setzen, während Neun daneben niederkniete.

„Schau genau hin! Das ist eine der vorgeschriebenen Posen, wenn ein Herr den Raum betritt. Merke Dir jede Einzelheit! Jeder Teil des Körpers muss sich in genau bestimmter Position befinden. Dann bleibst Du so, bis es Dir erlaubt wird, Dich zu bewegen.“

Klar, dachte ich, oder bis ich verhungert bin. Trotzdem prägte ich mir alles ein.

„Natürlich gilt das nur für die Körperteile, die Du auch bewegen kannst, aber das hast Du Dir sicher schon selbst gedacht. Ich finde, Du machst Dich bis jetzt sehr gut. Ich werde es Livia sagen. Du scheinst eine natürliche Begabung für Gehorsam zu haben; anders als ich vor … ich schätze … vor ein paar Monaten. Es ist wichtig, dass das so bleibt. Es ist nicht immer leicht, weißt Du? Gleich erwartet Dich eine erste echte Prüfung. Wenn Du es schaffst, auch dabei zu gehorchen und Dich nicht zu wehren, ersparst Du Dir Schmerzen und eine Züchtigung. Nicke, wenn Du Dich fügen willst.“

Züchtigung? Natürlich nickte ich schnell. Ich war in einem islamischen Land. Ich hatte keine Lust, mich auspeitschen zu lassen … oder auf Schlimmeres.

„Das ist gut. Du bekommst jetzt Deinen Namen und danach nehme ich Dir die Maske ab.“

Endlich! Dieses Ding war einfach schrecklich; viel schrecklicher, als gefesselt zu sein oder nackt herumzulaufen. Ich wusste nicht genau warum, aber irgendwie machte es mir furchtbare Angst, unter diesem Plastik-Teil zu stecken und genau zu wissen, dass ich es mir nicht selbst abnehmen konnte.

Dann beantwortete sich meine Frage nach Männern in dieser „Einrichtung“.

Ohne Neun wäre es, glaube ich, noch viel schlimmer für mich gewesen, splitternackt vor einem bekleideten Mann zu sitzen und keine Chance zu haben, meine Blößen zu bedecken. Mit dem (dauerhaften) Verlust des dünnen Haarstreifens über meiner intimsten Region fühlte ich mich noch nackter und verletzlicher als je zuvor, aber wenigstens war ich damit nicht ganz allein.

Der Mann sprach arabisch mit Neun, die daraufhin aufstand und sich hinter mich stellte. „Ich soll Dir sagen, dass Du jetzt stillhalten musst. Wenn Du zappelst, wird er absetzen. Dann dauert es länger. Umso länger es dauert, umso unangenehmer wird es. Wenn Du ganz ruhig bleibst, hast Du es schnell überstanden.“

Was ist „es“? Was macht der Kerl mit mir?

Aus meinen Augenwinkeln beobachtete ich, wie der Mann aus einem Schränkchen grüne Gummihandschuhe holte und sich überstreifte. Dann nahm er einen pistolenähnlichen Gegenstand in die Hand. Das Ding hatte einen zylindrischen Aufsatz und eine Art Nadelspitze.

Also doch!

Mir war sofort klar, dass es sich um die martialische Variante einer etwas antiquierten Tätowiermaschine handeln musste.

Während Neun ihre Hände ganz leicht auf meine Schultern legte, schossen tausend Gedanken durch meinen Kopf:

Die tätowieren mich.

Das geht nicht mehr weg.

Daddy!!!

Ich will zu meinem Dad!

Der kann da bestimmt etwas machen.

Der hat schon Tattoos entfernt.

Die waren aber nicht so groß. Das gibt bestimmt Narben. Auf meiner Brust!

Ich könnte es einfach so lassen. Und dann?

Jeder kann es sehen.

Was bedeuten überhaupt diese Zeichen?

In den Staaten versteht das doch kaum jemand. Ich sage einfach, dass es ein modisches Accessoire ist.

Mit Zahlen?

Das wird wehtun.

Wie lange dauert die Prozedur?

Man kann das aushalten.

Kann ich das aushalten?

Wenn ich mich bewege, wird es schlimmer.

Ich kann nichts dagegen tun.

Ich warf den Kopf in den Nacken und biss auf den Knebel.

Es tat weh!

Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Die Schmerzen waren gerade so auszuhalten und mit der Zeit lernte ich besser, das permanente Stechen, das sich aufgrund der Geschwindigkeit der Maschine eher wie ein Schneiden anfühlte, zu ertragen.

Irgendwann richtete der Tätowierer sich auf.

Ich glaubte, es überstanden zu haben, aber dann hob er meinen rechten Fuß an und die Schmerzen kamen erneut. Als er damit fertig war und sich meinem linken Knöchel zuwandte, überlegte ich, an welchen Stellen Neun denn noch tätowiert war, um mich auf weitere Qualen einrichten zu können.

Nein. Brust und Füße. Sonst hatte ich nichts gesehen. Bis auf … oh Gott! Ich hatte es nie gemocht, wenn Frauen sich das Gesicht total mit Make-up zukleisterten, aber vermutlich würde ich das in Zukunft auch machen müssen, um die Schriftzeichen zu verbergen. Ein Fünkchen Hoffnung kam auf, als der Mann die Maschine weglegte und den Raum verließ.

„Du warst sehr tapfer“, lobte mich Neun. „ich trage jetzt Salbe auf und binde Dir Folie um die Knöchel, damit kein Sand oder Schmutz Deine frischen Tätowierungen verunreinigen kann und sich nichts entzündet. In zwei bis drei Tagen ist es einigermaßen verheilt.“

Die Salbe war kühl und tat mir richtig gut.

„So. Jetzt bin ich aber gespannt, ob da ein hübsches Gesicht unter der Maske steckt. Du darfst übrigens während der Einweisung ohne besondere Erlaubnis mit mir reden. Nur mit mir. Ich freue mich schon sehr darauf, denn das wird mein erstes richtiges Gespräch seit sehr langer Zeit. Komm, ich mache die Riemen ab. So. Jetzt schön vorsichtig! Ich ziehe Dir das Knebelrohr aus dem Mund. Ja. Fertig. Hey, Du bist ja eine ganz Süße!“

Klar, dachte ich. Süß und verunstaltet.

„Jetzt zieh mal nicht so ein Gesicht! Bist Du nicht froh, dass Du die Maske los bist?“

„Wa… ähem … was erwartest Du denn? Ich würde gern etwas trinken, um den Geschmack von dem Knebel loszuwerden.“

„Bald. Essen musst Du auch. Jetzt sage ich aber erst einmal ‚Hallo‘ zu Dir, Elf.“ Sie drückte mir einen Kuss auf die Wange.

„Elf?“

„Das ist Dein Name. Passt zu Dir. Du siehst ja auch aus wie eine hübsche, kleine Elfe.“

Ich begann allmählich, mich zu fragen, ob Neun eine Lesbe war, aber ich wollte nicht vorschnell urteilen. Vielleicht versuchte sie ja auch einfach, nett zu sein.

„Wieso ‚Elf‘?“

„Weil es da steht.“ Sie deutete auf mein Dekolleté.

„Oh. Und was steht da noch? Kann ich einen Spiegel haben?“

„Nein, Elf. Es gibt keinen Spiegel. Mit Ausnahme Deines Namens trägst Du die gleichen Zeichen wie ich.“

„Ich kann kein Arabisch.“

„Die Schrift bedeutet ‚Sklavin‘. Das steht auch auf Deinen Unterschenkeln. Dort steht außerdem noch das Wort ‚lebenslänglich‘, damit jeder sehen kann, was Du bist.“

Ich hatte ein Gefühl, als würde sich mir der Magen umdrehen.

„Die erste Zahl auf Deiner Brust bezeichnet den Ort Deiner Geburt – also diesen Ort hier. Dann kommt Dein Name in größerer Schrift und dahinter, kleiner, die Angabe der Generation. Namen gibt es nur von Eins bis Zwanzig und so kann man die Sklavinnen mit gleichem Namen daran unterscheiden, wo sie geboren wurden und welcher Generation, bezogen auf den Geburtsort, sie angehören. Wir sind hier alle Einser, weil es diese Einrichtung erst seit kurzer Zeit gibt.“

„Das heißt, es gibt noch mindestens sechs weitere … Geburtsorte?“

„Gut! Du lernst schnell. So. Du kannst mich fragen, was Du noch wissen willst, aber in der Zwischenzeit schneide ich Deine Haare.“

Während Neun eine Schere aus dem Schränkchen holte und begann, damit an mir herum zu schnippeln, musste ich die Informationen erst einmal verdauen. Wenn ich Nummer 11 in Einrichtung 7 war … dann gab es Dutzende, eher sogar Hunderte Frauen, die zu lebenslanger Sklaverei verurteilt worden waren. Mit einem solchen Land waren die USA befreundet? Hier hatte ich ahnungslos und unbefangen einen tollen Urlaub verbracht? Warum hatte es keine Reisewarnung gegeben?

Ich spürte dabei gar nicht, wie immer mehr meiner Haare zu Boden fielen.

Nach einer Weile meinte ich: „Wann nimmst Du mir diese Armfessel ab?“

„Vorläufig gar nicht. Die wirst Du noch zwei Tage lang tragen, bis sich Deine Sehnen und Gelenke daran gewöhnt haben, damit Du später keine Krämpfe bekommst. Wir tragen alle diese Fessel, wenn wir schlafen.“

„Wieso ist das denn nötig? Du hast gesagt, dass man von hier sowieso nicht weg kommt.“

„Damit wir keine Dummheiten machen.“

Aha, dachte ich. Damit sollte der Fall erledigt sein? „Welche Dummheiten?“

„Na, ich gebe Dir jetzt bestimmt keine Hinweise, haha.“

„Wie soll ich mich waschen oder auf Toilette gehen?“

„Dafür bin ich doch da.“

Puh! Ich hatte nicht die geringste Lust, mir von einer fremden Frau den Arsch abwischen zu lassen; auch, wenn sie wirklich nett zu sein schien. „Wenn ich verspreche, keine Dummheiten zu machen?“

„Elf, wir waren alle schon in dieser Lage. Glaube mir – es dauert eine Weile, bis Du lernst, Dich abzufinden. Ohne Erziehung macht jede Sklavin Dummheiten oder versucht es zumindest. Sei froh, wenn Du davor geschützt wirst, denn die Strafen sind hier sehr hart.“

„Livia deutete schon so etwas an.“

„Livia ist ganz in Ordnung. Sie macht nur ihren Job.“

„Du hast da etwas erwähnt … man kann von hier weg?“

„Klar. Wenn ich Dich eingewiesen habe, verlasse ich diesen Ort. Dann beginnt meine Ausbildung.“

„Was wirst Du lernen?“

„Das weiß ich noch nicht. Am Anfang wird geprüft, wozu ich mich eigne. Manchmal gibt es auch Tests. Ich wäre ja am liebsten eine Lustsklavin, aber ich weiß nicht, ob ich hübsch genug bin.“

„Durch das Tuch sieht man nicht so viel, aber ich finde Dich schon gutaussehend.“

„Du bist ein Schatz, Elf! Schade, dass wir nicht mehr Zeit miteinander verbringen können. So. Achtung – kühl!“

Kühl? Was …? Nein!

Ich fand, bis dahin hatte ich mich tapfer gehalten, aber jetzt schmierte Neun mir den Kopf ein. Als das Brennen begann, wusste ich Bescheid. Mir kamen die Tränen.

„B… bitte ni… nicht! Das … hff … das gefällt doch den Männern gar nicht. Hff. Wer wi … will denn schon eine Fr… Sklavin mit Glatze?!“

„Daran gewöhnst Du Dich. Alle Lebenslänglichen sind kahl. Das schafft doch viel mehr Möglichkeiten. Du kannst mit verschiedenen Perücken jeden Tag anders aussehen. Mit festgewachsenen, eigenen Haaren geht das gar nicht. So kann man Dich viel besser gestalten. Wir sind wie Leinwände. Je weniger da schon ‚vorgemalt‘ ist, desto größer ist die Freiheit des ‚Künstlers‘. Es ist auch gut für Dich, zu wissen, dass Du kein Mitspracherecht hast, was Dein Aussehen angeht. Dann wirst Du schneller begreifen, was es bedeutet, eine Sklavin zu sein.“

Begreifen? Ich begriff bereits. Natürlich hoffte ich, dass es nicht noch schlimmer kommen würde, aber Neun wusch mir den Schaum vom Kopf (samt aller Haare) und der Tätowierer kam zurück.

„Und? Was heißen diese Zeichen?“ Irgendwie war ich ruhig geworden. Die Tränen liefen zwar weiter, aber ich zitterte nicht mehr. Als Neun mir erklärte, dass es nur Wiederholungen der Texte auf meinen Beinen waren, nahm ich das fast schon stoisch hin. Es hatte doch keinen Zweck, mich fertigzumachen. Erst mal überleben. Dann irgendwie hier weg kommen und dann erst würde ich mir Gedanken machen, wie ich künftig mit Glatze und Tätowierungen zurechtkommen könnte. Wenn ich zuließe, dass man mich traumatisiert, würde ich es noch schwerer haben. Also sammelte ich mich allmählich, während der Tätowierer mit meinem Gesicht fertig wurde.

„Das war’s“, sagte Neun nach einer Weile. „Du gehörst jetzt zu uns, Elf.“

 

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Chris Dell - Geschichten über Dominanz und Unterwerfung

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Kommentare

Bild von asil

Warum

Nach so einem guten Ansatz, viel versprechend...

Und dann Schluss

Ist wirklich Schluss?

Bild von Chris Dell

Natürlich

ist noch nicht Schluss! Unter dem Kapitel steht doch rechts schon der Text, der nach Veröffentlichung des nächsten Kapitels zum Link dorthin wird. Schon bald geht's weiter. 



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