Rico – Teil 6: Chance vertan

Ricos Blickfeld war von Gitterstäben durchbrochen. Aber er nahm sie gar nicht wahr. In seinem Kopf hämmerten zwei Wörter, immer und immer wieder: „Chance vertan. Chance vertan. Chance vertan.“

Alexey hatte ihm einen Ausweg geboten. Keinen angenehmen, aber wohl den einzig möglichen. Und er hatte die Chance vertan. Chance vertan. Chance vertan.

Sein Körper pochte vor Schmerz, im selben Takt wie die zwei Wörter hämisch in seinem Kopf flüsterten. Rico zog Arme und Beine enger an sich und spürte wie ihm Tränen über das verquollene Gesicht liefen.

Sie hatten ihn durch die Tür geschleppt, durch die er versucht hatte zu fliehen. In einen fensterlosen Hinterraum. Das war der größte Schlag gewesen. Nicht die körperlichen Prügel, die er bezogen hatte, und die ihm schmerzhaft bewusst machten, wie schwach und unterlegen er war. Nicht Alexeys Worte, und die Erkenntnis, dass er seinen einzigen Verbündeten verloren hatte. Sondern der Anblick des Hinterzimmers, kalt erhellt durch flimmernde Neonröhren. Der Ort, an dem er seine Freiheit vermutet hatte. Der Ort, an dem Rico stattdessen verstand, dass sein Fluchtversuch von vornherein sinnlos gewesen war. Dieser Schlag hatte ihn härter getroffen als alle Prügel zuvor.

Danach hatte er sich widerstandslos wegtragen lassen. Durch das Hinterzimmer ging es in einen Zellentrakt. Rico wurde in eine der hinteren Zellen getragen – ein winziger gefliester Raum aus drei Wänden und einer Gittertür. Sie warfen ihn unsanft auf eine dünne Gummimatte, seine Halsfessel wurde mit einer Kette an einem Ring in der Wand festgemacht. Rico ließ es geschehen und blieb regungslos liegen, wo er gelandet war.

Chance vertan, Chance vertan, Chance vertan, hämmerte es in seinem Kopf.

Eine Frau in einem weißen Kittel kam dazu. Sie drückte an seinen Verletzungen herum, während vier Männer ihn festhielten. Rico nahm wie durch einen Schleier wahr, dass ihn die Schmerzen zum würgen brachten. Aber er wehrte sich nicht. Jemand klatschte ihm einen Eisbeutel ins Gesicht und einen an die Rippen. Rico machte keine Anstalten, sie dort festzuhalten. Schließlich wurden sie mit Verbänden festgemacht. Er spürte einen Einstich, und dann wurde er losgelassen.

Sie verließen die Zelle, und hinter ihnen fiel die Gittertür klackend ins Schloss. Rico war alleine. Gitterstäbe durchbrachen sein Blickfeld, aber er nahm sie nicht wahr. Er hatte Alexeys Gesicht vor Augen, und in seinem Kopf hämmerte seine mitleidige Stimme. Chance vertan, Chance vertan, Chance vertan.

 

Klackende Geräusche ließen ihn aufschrecken. Er musste eingenickt sein. Benommen richtete Rico sich auf und rieb sich die Augen. Er bereute es sofort. Der Schmerz war zwar gedämpft, aber trotzdem tat jede Berührung weh.

Er blinzelte heftig und versuchte die Tränen zurückzuhalten.

„Vorwärts! Ich hab nicht die ganze Nacht Zeit,“ rief draußen jemand. Ein klatschendes Geräusch folgte, und darauf ein Schmerzensschrei. Dann wieder das klackende Geräusch einer Gittertür, die ins Schloss fiel.

Rico zuckte mitfühlend zusammen. Von der Matte aus konnte er gerade nur die Zelle gegenüber und das Stück Gang zwischen ihnen sehen. Die Zelle war leer. Rico musste an seine Nachbarin denken, die zusammen mit ihm gefangen worden war. „Warum ich, warum ich,“ hatte sie verzweifelt geweint. Er hoffte, dass die Zelle gegenüber leer bleiben würde.

„Sind das jetzt alle?“ Die Stimme klang weit weg, am anderen Ende des Flurs.

„Ich hol grad die letzte, geh ruhig schon vor.“

„Viel Spaß“, lachte die erste Stimme.

Die Geräusche von Schritten entfernten sich. Rico sank erleichtert wieder auf seine Matte. Offenbar wurden Gefangene in die Zellen gebracht. Also würde man ihn wohl erst mal in Ruhe lassen.

 

Kurze Zeit später waren schleifende Schritte zu hören. „Na los,“ sagte jemand ungeduldig, „beweg deinen fetten Arsch, du weißt doch wo's hingeht.“

Ricos stille Hoffnung wurde nicht erfüllt. Eine der Wachen trat in sein Blickfeld und öffnete die Zellentür gegenüber. Mit der freien Hand massierte der Wachmann die Beule in seinem Schritt. Rico machte angeekelt die Augen zu.

Aber die Geräusche konnte er nicht aussperren. Er hörte, wie sich jemand auf die Gummimatte setzte. Dann das Rasseln der Kette. Und schließlich das Grunzen der Wache: „Gib dir Mühe, ich hab nicht viel Zeit!“

Wider besseres Wissen machte Rico die Augen wieder auf. In der Zelle gegenüber stand der Wachmann mit heruntergelassener Hose breitbeinig vor der Gummimatte. Zwischen seinen Beinen kniete eine nackte Frau, die ganz offensichtlich schwanger war. Der Wachmann ruckte nach vorne, und Rico hörte die Frau würgen.

Er spürte wie ihm Tränen übers Gesicht liefen. Er wollte aufstehen und der Frau helfen. Aber er konnte keinen Muskel bewegen, nur starr zusehen was weiter passierte.

Der Mann trat einen Schritt zurück und die Frau rutschte keuchend auf die Matte. Sofort kniete sich der Mann zwischen ihre Beine und drehte die Frau auf den Rücken. „Nein!“, wehrte sie erschrocken ab, „das darfst du nicht!“

Der Wachmann lachte, hielt ihre Beine fest und drängte sich dazwischen „Wer sollte das denn merken, Süße. Die Kinderüberraschung hat dir ja schon jemand anderes beschert.“

Mit einem Ruck drang er in sie ein und begann sie zu ficken. „Oh ja, lass deine fetten Titten wackeln, das ist geil“, stöhnte er.

Rico sah, wie die Frau sich verzweifelt an der Kette in der Wand festhielt, während der Mann sie hart fickte. Plötzlich holte der Wachmann aus und gab ihr ein paar klatschende Schläge auf die Brüste. Sie schrie auf und legte schützend die Arme übers Gesicht, aber sie wehrte sich nicht.

Endlich kam er mit einem zufriedenen Grunzen. Er bewegte sich noch ein paar mal vor und zurück, dann stand er auf und zog seine Hose hoch. Die Frau blieb regungslos liegen.

„Bis morgen,“ sagte er grinsend. „Mal gucken wie oft wir noch zusammen Spaß haben können, bis sich jemand auf deinen 'zwei zum Preis von einem'-Deal einlässt.“

Damit schloss er die Zellentür ab, und ging pfeifend davon.

 

Rico war kurz davor, sich zu übergeben. Er hatte sich zu einer schützenden Kugel zusammengerollt, die Arme und Beine eng an den Körper gezogen. Aber ihm war klar, dass ihn hier nichts schützen würde. Durch den Tränenschleier sah er, dass sich die Frau in der Zelle gegenüber auf die Seite rollte und ihm den Rücken zuwandte. Er war dankbar, dass sie ihn nicht ansah. Er hatte ihrer Vergewaltigung zugesehen, ohne etwas dagegen zu tun. Er hätte ihren Blick nicht ertragen. Nach einiger Zeit dämmerte er wieder weg.

 

Er wachte von einem stechenden Schmerz auf. Automatisch versuchte er sich zu wehren und wurde mühelos festgehalten. Im düsteren grünen Nachtlicht erkannte er einen weißen Kittel und die schwarze Uniform der Wachen. Jemand drückte an den schmerzenden Stellen seines Körpers herum. Er roch scharfe medizinische Gerüche. Bevor er richtig wach werden konnte, wurde er auch schon wieder losgelassen.

Seine Zellentür fiel klackend ins Schloss. Von irgendwo her drang leises Wimmern an sein Ohr, wie durch einen Nebel.

In Ricos Kopf hämmerte noch immer Alexeys Stimme. Chance vertan, Rico. Chance vertan.

 

 

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Kommentare

Hallo -cC-,

ich hab gerade Deine Geschichte entdeckt und alle Teile gelesen. Sie gefällt mir sehr gut. Du hast ein Händchen dafür Situationen zu beschreiben. Schreib weiter, ich bin gespannt, was Dir noch so einfällt.

Lieben Gruß

ikarus

Hm leider nix neues was mit Rico nun Passiert. Erstmal werden seine Verletzungen behandelt damit wohl doch noch jemand einen guten Preis bezahlt. Vielleicht Erbarmt sich Alexey ja doch noch und kauft Rico, natürlich zu einem Niedigern Preis als Ürsprünglich Vorgesehen.

Das die Tür gar nicht in die Freiheit führte hat Rico wohl gezeigt das Rebellion zwecklos ist.

Hm leider nix neues was mit Rico nun Passiert. Erstmal werden seine Verletzungen behandelt damit wohl doch noch jemand einen guten Preis bezahlt. Vielleicht Erbarmt sich Alexey ja doch noch und kauft Rico, natürlich zu einem Niedigern Preis als Ürsprünglich Vorgesehen.

Das die Tür gar nicht in die Freiheit führte hat Rico wohl gezeigt das Rebellion zwecklos ist.

In reply to by Latexmike

Du und Rico, ihr werdet euch wohl noch ein wenig gedulden müssen, aus dem Sklavenhandel-Gebäude werdet ihr in den nächsten Kapiteln erstmal noch nicht rauskommen ;)