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Schloßberg

Graz ist wohl eine der schönsten Städte Europas. Natürlich nicht zu vergleichen mit Plätzen wie Florenz, Rom, Paris oder London. Aber gerade das ist es was den Flair dieser Stadt ausmacht. Der Mix aus Provinz und Großstadt, aus Tradition und Moderne. Die unglaubliche Offenheit und Freundlichkeit der Menschen, das fast völlige Fehlen der normalgewordenen Straßen-Kriminalität der Großstädte.

Sogar die Zuwanderer vom Balkan oder aus der Türkei scheinen hier freundlicher zu sein, weltoffener und integrierter.

 

Graz beherbergt eine der größten zusammenhängenden Altstädte Europas, rund 800 Jahre alt. Und in deren Mitte erhebt sich der Schloßberg, ein steilwandiger Felskegel mit einer uralten Festung am Gipfel, einer Zahnradbahn und dem Wahrzeichen der Stadt, einem alten Uhrturm.

Die dicht bewachsenen, steilen Hänge des Berges sind durchzogen von in den Felsen geschlagenen, schmalen Wegen, mit kleinen Terrassen und Bänken, die zum Verweilen einladen. Und die überwiegend herrlichen Ausblick auf die Stadt bieten.

Sie sind immer begehbar, auch in der Nacht und erstaunlicherweise sind sie bis heute nicht von Punks, Drogendealern und anderen Chaoten verseucht.

 

Ich kam nach Graz als ich fünfzehn war um die Handelsakademie zu besuchen und später zu studieren, die Stadt beherbergt nach Wien die zweitgrößte Universität Österreichs. Meine Eltern waren (sind) relativ wohlhabend daher bezog ich an meinem achtzehnten  Geburtstag eine süße, kleine Wohnung im Bezirk Geidorf, nahe der Uni, studierte brav und genoss das Leben. Ich lernte die Stadt, ihre Menschen und ihre Lokale kennen und lieben.

Später verlegte ich den zweiten Teil meines Studiums nach Wien und arbeitete bereits nebenbei als Model. Vor einigen Jahren, ziemlich am Ende meiner Model-Zeit führte mich also ein Shooting in die Südsteiermark.

Ich entschloss mich, Freunde zu besuchen und blieb nach dem Auftrag noch drei Tage in Graz.

Es war ein Samstag und es war warm. Warm für April, aber Graz ist bekannt für ein ziemlich mildes, fast mediterranes Klima.

 

Der Nachmittag war mit einem Bummel durch die Altstadt vergangen, zusammen mit Jasmin, einer Freundin aus Studienzeiten. Jasmin hatte wie ich Betriebswirtschaft studiert und hatte gerade einen neuen Job bei einer Bank begonnen. Sie war aus Salzburg aber auch sie war in die Stadt verliebt und hatte längst beschlossen, zu bleiben.

Am Abend war ich mit Bobby verabredet. Auch ein Freund aus Studientagen.

Bobby war Barkeeper gewesen in meinem Lieblingslokal, 1 Meter 95 groß, stark wie ein Bulle, aber im Wesen ein Kuschelbär. Ich hatte immer gespürt, dass er mich begehrte aber irgendwie fühlte ich mich wohler, wenn wir nur Freunde blieben und Bobby war der Typ der das verstand. Nur manchmal ertappte ich ihn dabei, wie er mich sehnsuchtsvoll ansah, z.b. wenn wir beim Baden am Schwarzl-See nackt nebeneinander lagen und er meinen Rücken eincremen musste.

Bobby hatte am Telefon nicht ganz so fröhlich wie sonst immer geklungen, aber ich dachte ich hätte mich getäuscht.

 

Wir trafen uns am Fuße des Schloßbergs, dort, wo eine alte Stiege in Serpentinen die fast senkrechte Felswand hinaufführt, direkt von einem kleinen Platz ausgehend, der von uralten Häusern eingerahmt wird.

Bobby freute sich sehr, mich zu sehen, umarmte mich und ich spürte seine Blicke auf meinem Körper.

O.k. ich war ein wenig auffällig gekleidet, könnte man sagen. Aber das bin ich fast immer.

Ich hatte mir nachmittags eine hellblaue Seidenbluse gekauft, deren obere Knöpfe ich offen stehen ließ. Dazu trug ich einen schwarzen Rock, der bis zum halben Oberschenkel reichte, eher klassisch geschnitten und darüber eine ebenso schwarze, kurze Kostümjacke. Da ich seit der Verabredung mit Jasmin nicht im Hotel war trug ich immer noch die schwarzen, hochhackigen, mit Glasperlen besetzten Sandalen.

Auf Strümpfe oder Unterwäsche hatte ich, ebenfalls wie fast immer, verzichtet.

Am Abend versprach es kühler zu werden und ich würde wohl die einzige Frau in der Stadt mit nackten Beinen sein, aber das war auch etwas, das typisch für mich war. Und noch ist.

 

Bobby und ich tranken ein Glas Wein und dann schlug er vor, hinauf zum Uhrturm zu fahren, wo man ein neues Lokal gebaut hatte, das er mir zeigen wollte.

Ich habe vergessen wie es heißt, aber es ist an drei Seiten offen und wenn es zu kalt wurde konnte man einfach Glaswände aus dem Boden zum Dach hochfahren und fertig. Es war cool.

 

Der Ausblick war atemberaubend, auch weil aus Nordwesten (es war Bobby, der mir erklärte wo Nordwesten war, was wollt ihr, ich bin Frau!) Regen aufzog.

Wir tranken wieder herrlichen, steirischen Weißwein und dann geschah etwas, womit ich nie gerechnet hätte:

Bobby und ich gerieten in Streit.

Anfangs war es eine Meinungsverschiedenheit und sie war politischer Natur.

Bobby war auf die linksradikale Seite gewechselt, nahm an allerlei Demonstrationen und Kundgebungen teil und schwärmte für radikale Methoden von irgendwelchen selbsternannten Umweltschützern.

Ich hatte es erst belächelt, dann dagegen argumentiert, Bobby darauf hingewiesen, dass jede Form von Radikalismus politischer Natur zu nichts führen würde und später ihn und seine Berufs-Demonstranten-Freunde als rot-grüne, naive und weltfremde Gutmenschen bezeichnet, die weder ihr Land noch sonst irgendetwas respektierten oder gar verstanden worum es wirklich ging.

Bobby wurde blass, stand auf, warf 20 Euro auf den Tisch und verließ wortlos das Lokal.

Mittlerweile schüttete es draußen wie aus Kübeln und es blies ein strammer Wind.

Binnen Minuten tat es mir leid, die ganze Sache war einfach aus dem Ruder gelaufen.

Es tat mir leid um die Freundschaft zu Bobby. Was kümmerte mich seine politische Dummheit, wozu versuchte ich, ihn zu belehren?

Ich zog kurz in Erwägung, ihm nachzulaufen, aber es führen viele Wege vom Uhrturm in die Stadt, es war dunkel geworden und, wie gesagt, es schüttete.

Also bestellte ich noch ein Glas Wein.

 

„Verzeihung, schöne Frau, wenn ich störe. Darf ich mich zu ihnen setzen?“

Ich war in Gedanken versunken gewesen und starrte den Mann, der plötzlich mit zwei Gläsern Wein in der Hand vor mir stand, verständnislos an.

„Müssen Sie nicht ihre Gäste bedienen?“

Seine Überraschung dauerte nur eine Sekunde, dann grinste er. Er grinste sympathisch.

„Keine Sorge, ich möchte nur Sie bedienen. Sauvignon blanc vom Tement?“

Er hielt die beiden Gläser hoch. Meines war schon wieder leer.

Der Kerl trug schwarze Jeans und sehr schöne, italienische Schuhe, sowie ein dunkelbraunes Hemd mit einem T-Shirt darunter. Ich schätzte ihn auf Mitte/Ende Vierzig.

Ich nickte.

„Bitte sehr.“

Er servierte mir mein Glas und setzte sich seitlich neben mir an den Tisch.

Seine Augen waren graubraun, sein Haar dunkel mit ein paar grauen Strähnen. Er sah nicht schlecht aus, ein paar Kilo zuviel auf den Hüften, vielleicht.

„Ich heisse Harry.“

„Sabrina.“

Er hob sein Glas.

„Zum Wohl. Habe ich den richtigen Wein erwischt?“

 

Es entspann sich ein anregendes Gespräch über Wein, die Südsteiermark, die Kulinarik im Lande und über diverse Genüsse im Allgemeinen. Harry erwies sich als durchaus profunder Kenner von Wein und von Österreich. Seiner Aussprache nach stammte er allerdings nicht aus Österreich was er mir später bestätigte. Er kam aus Ingolstadt und arbeitete in Graz für den Auto-Cluster.

Draußen hatte der Regen nachgelassen aber an den Ästen der Bäume konnte ich den Wind sehen.

Wir saßen da und redeten und tranken Wein. Waren schon zu den Roten gewechselt und monierten beim Kellner dass es in einem Lokal wie diesem keinen einzigen roten, österreichischen Spitzenwein gab. Also wurde es Merlot, aus Chile in dem Fall und überraschend gut.

 

Die Zeit floß dahin, ich genoß das Gespräch und die unaufdringliche Präsenz meines Tischpartners. Der Alkohol machte sich bemerkbar und als seine Hand wie zufällig meine nackten Schenkel berührte, durchzuckte es mich wie elektrisch.

Ich kannte diese Momente und ich kenne meinen Körper. Es begann, gefährlich zu werden.

Mit einer gemurmelten Entschuldigung verschwand ich aufs Klo um ein klärendes Selbstgespräch vor dem Spiegel zu führen.

 

Auf dem Weg zurück zum Tisch begleiteten mich einige Blicke anwesender Herren. Aus den Augenwinkeln sah ich zwei Typen an der Bar lümmeln, Haare, Kleidung und Auftreten ließen auf Südländer schließen. Beide starrten unverhohlen und einer ließ seine Zunge wie eine Schlange zwischen den Lippen züngeln. Ganz toll.

Auch Harry schaute mir entgegen und ich sah wie seine Augen an meinen Beinen auf und ab wanderten.

Ich setzte mich.

„Gefallen dir meine Beine?“

Wir waren längst beim Du-Wort, in der Steiermark scheinen sowieso alle miteinander per Du zu sein.

Er lächelte.

„Sehr. Ist dir nicht kalt in diesen Schuhen?“

Nun war es an mir zu lächeln.

„Ich sag` dir rechtzeitig, wenn ich friere.“

 

Irgendwann kam der Kellner und wies uns auf die Sperrstunde hin. Es waren außer uns nur mehr die zwei Typen an der Bar und zwei Pärchen im Lokal. Harry bezahlte die geradezu exorbitant hohe Rechnung für den Wein.

Draußen war es kühl und feucht und es duftete nach Pflanzen und nach Frühling, der Wind hatte aufgehört.

„Möchtest du mit dem Lift fahren oder zu Fuß hinunter gehen, meine Schöne?“

Vom Uhrturm führt ein gläserner Lift direkt durch einen in den Felsen getriebenen senkrechten Schacht hinunter auf Stadtebene und von dort ein Stollen hinaus auf den Platz.

Als Alternative gibt`s eine Anzahl von Wegen, die auf allen Seiten hinunter in die Stadt führen. Trotz meines ungeeigneten Schuhwerks stach mich der Hafer.

„Zu Fuß.“

Harry sah mich überrascht an.

„Ist dir nicht zu kalt?“

Ich war ein klein wenig betrunken und schlichtweg geil.

„Wie gesagt, Großer. Ich teile es dir rechtzeitig mit wenn ich friere.“

 

Wir folgten einem asphaltierten Weg durch die Dunkelheit abwärts, er führte von der alten Festungsmauer nicht sehr steil nach unten. Nachdem ich dreimal in der Dunkelheit gestolpert war, hielt ich an und stützte mich mit einer Hand an ihm ab.

Ich beugte mich und begann, die Schließe meiner Schuhe zu öffnen und schlüpfte heraus. Besser kalte als gebrochene Füße.

Harry sah mir schweigend zu aber ich sah seine Augen und fühlte seinen schweren Atem.

Wir gingen weiter durch die Dunkelheit, dann kam eine Kehre. Die Vegetation wurde weniger dicht und die Lichter der Stadt glitzerten unter uns. Der Weg selbst lag völlig im Dunkeln. Keiner sprach ein Wort, Harry ging vorsichtig und ich tappte barfuß auf eiskalten Füßen neben ihm her.

Vor uns tauchte ein Felsen auf in den eine Art Durchgang für den Weg gehauen war, dahinter verbreiterte sich der Weg und gab den Blick auf eine Parkbank frei.

 

Ich blieb stehen, lehnte mich ans Geländer, stellte mich auf Zehenspitzen und sah hinunter auf die Stadt.

Hinter mir spürte ich Harry, er kam näher an mich heran. Seine Hände auf meinen Oberarmen, seine Wange an meinem Haar. Immer noch kein Wort.

Ich lehnte mich etwas zurück, an ihn. Ich spürte die Schnalle seines Gürtels im Kreuz und an meinen Po drückte auch etwa Hartes, möglicherweise hatte er sein Handy in der Hosentasche……..

Er beugte leicht den Kopf und küsste mein Haar, dann meine Wange, seine Zunge glitt in meine Ohrmuschel, wanderte weiter nach unten, über meine Halsbiegung auf meine Schulter, seine Hand hatte meine Kostümjacke weggeschoben und den Kragen meiner Bluse.

Ich schloss die Augen, die Berührung seiner Lippen war herrlich. Seine andere Hand erkundete meine Hüften, dann meinen Bauch. Ich ließ das Geländer los und legte meine Hände nach hinten, auf seine Oberschenkel.

Eine Hand drehte meinen Kopf, dann fanden sich unsere Lippen. Der Kuss begann vorsichtig, tastend, langsam. Aber er dauerte an und ich spürte, wie die Feuchtigkeit in meine Möse schoss, spürte die Hitze in meinen Lenden aufwallen.

Seine Hände wurden nun fordernder, auf meinen Hinterbacken, wieder die Hüften, dann endlich die Brüste.

Ich stöhnte auf, als seine Finger meine Brüste durch die Bluse massierten und erzitterte, als er meine steinharten Warzen streichelte.

Seine Stimme an meinem Ohr.

„Ist dir noch warm?“

Ich ließ meine Augen geschlossen.

„Zu warm. Zieh mich aus.“

 

Harry`s Hände stoppten ihre Reise, er zögerte sichtlich. Ich spürte seine Härte an meinem Po. Ich wollte es. Ich wollte die kühle Luft an meiner Haut spüren, ich wollte so nackt sein wie Gott mich schuf. Hier und jetzt.

„Und wenn jemand kommt?“

Mein Gott, je größer die Männer desto größer die Ängstlichkeit.

„Egal.“

Meine Stimme war ein Flüstern.

„Was, wenn die zwei Idioten von der Bar uns gefolgt sind, Sabrina?“

Ich lächelte leicht, seine Hände umschlossen jetzt wieder meine Brüste.

„Dann musst du mich entweder verteidigen oder zusehen was die mit mir machen, mein Großer.“

 

Immer noch zögerte er. Ich verlor die Geduld, ich war jetzt geil und bereit für ihn, aber das konnte auch wieder vorbeigehen.

Mit einer Drehung löste ich mich von ihm, trat an die Parkbank, wo meine Schuhe standen und sah ihn an, sah nur seine Silhouette vor den Lichtern der Stadt.

Meine Kostümjacke glitt an mir herunter, ich legte sie auf die Bank, meine Finger öffneten die Knöpfe meiner Bluse und ich streifte auch die ab. Harry stand regungslos.

Ich griff nach hinten und öffnete den Verschluß meines Rocks, stieg heraus.

Vollkommen nackt stand ich vor ihm, spürte nun die kühle Luft, die meine Warzen hart machte, spürte die Kühle an der heißen Feuchte zwischen meinen Beinen.

Ich wollte gefickt werden. Benutzt.

Ich drehte ihm den Rücken zu, legte die Hände auf die Lehne der Bank sodaß mein Oberkörper vorgebeugt war, spreizte weit meine Beine und stellte mich auf Zehenspitzen.

Über meine Schulter hinweg warf ich ihm einen Blick zu.

 

Er rührte sich immer noch nicht und ich bemerkte in der Dunkelheit, dass sein Gesicht dem Felsdurchgang zugewandt war.

Dort standen, von mir aus kaum zu erkennen, zwei Gestalten.

Männliche Gestalten und sie starrten und schwiegen.

Ich weiß nicht wie lange das Schweigen andauerte, aber ich weiß, dass ich in diesem Moment wieder die „dunkle Lust“ in mir hochwallen spürte. Diesen süßen, scharlachroten Wahnsinn in mir, der Schmerz in Lust wandelt, Erniedrigung in Ekstase und Wahnsinn in Wollust.

Meine Stimme war leise, fast ein Flüstern und es war als hörte ich mich selbst sprechen, von irgendwo weit weg.

„Also, die Herren. Wer von euch will anfangen?“

 

© Sabrina Kowan 

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Kommentare

Bild von kleine Maus

Echt gut geschrieben

Echt gut geschrieben nicht ganz das was ich zu Anfang erwartet habe aber trotzdem sehr gelungen

Bild von kleine Maus

Echt gut geschrieben

Echt gut geschrieben nicht ganz das was ich zu Anfang erwartet habe aber trotzdem sehr gelungen

Bild von Meister R.

Hervorragend

Liebste Sabrina,

wieder ein Meisterwerk aus deiner Hand, hervorragender Anfang mit einem erzählenden Teil, der Lust auf Graz macht, aber auch prickelnder Erotik, die Lust auf Sabrina hervor bringt. Die Schlußfrage: "Also, die Herren. Wer von euch will anfangen?" - Wartet auf eine baldige Fortsetzung! Danke!

Bild von asil

Die

Geschichte kommt langsam in Fahrt und bricht da ab, wo ich noch eine Menge erwarte. Schade

Bild von swingpaarmuc

Chapeau

Wieder eine toll geschriebene  Geschichte von Dir



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