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Sie kann es immer noch nicht glauben, dass sie es auf die Gästeliste geschafft hat. Dies war die heißeste Party des Jahres, im heißesten Club der Stadt und alle redeten seit Wochen von nichts anderem mehr. Der jährliche Maskenball im MOIST ist legendär und sagenumwoben und heute würde sie endlich auch Teil dieser traumhaften Nacht werden. Der Nacht der Anonymität, des Glanzes und dem Zauber des Augenblickes. Stundenlang hat sie vor dem Spiegel gestanden und überlegt, ob ihr Outfit nicht zu gewagt, nicht zu exzentrisch sein würde. Auffallen um jeden Preis, dass galt es, bei solchen Veranstaltungen. Ihre rote Seidenkorsage, die man vorne mit Haken und hinten mit Schnüren schließen kann, schmeichelt ihrer weiblichen Figur. Drückt den Busen hoch, so dass er sich beim Atmen provokant hebt und senkt und schnürt die Taille eng ein. Sie hat noch nie so ein Kleidungsstück getragen, doch dieses stramme, enge Gefühl um ihren Brustkorb gefällt ihr. Der unnachgiebige Stoff der mit Metallstäben durchzogen ist, zwingt sie flach zu atmen und verändert ihre Art sich zu bewegen. Aber es ist eine Andersartigkeit ihrer Bewegungen, die auf unerklärliche Weise erotisch wirkt. Der Rest ihres Kostüms ist eher schlicht gehalten: eine enge, schwarze Hose, die sich den Kurven ihrer Schenkel anschmiegt und in der ihr Hintern besonders knackig aussieht. Schwarze hohe Lackpumps , welche ihren Hüften beim Gehen einen besonderen Schwung verleihen. Die Lippen sind rot geschminkt, passendend zu ihrer Korsage und eine schwarze simple Maske, unter der ihre stechend grünen Augen doppelt so hell funkeln wie gewöhnlich. Schwarze, lange Handschuhe, die ihr bis über die Ellenbogen gehen runden das Outfit ab und stehen im perfekten Kontrast zu ihrer blassen Haut.
Es ist simpel und doch so reizvoll, dass Spiel von nackter Haut und viel Stoff, das Platz für Vorstellung und Fantasie lässt. Das einzige Problem ist ihr Haar, welches mit seinem hellen Braun so gar nicht zu dem restlichen Schwarz passen will. In seidigen Wellen umspielt es ihre Schultern und verdeckt zu viel von Hals und Schultern. Nein, heute passen diese Haare nicht, heute braucht sie etwas anderes. Heute muss sie nicht sie selber sein, diese Nacht wird sie in eine andere Rolle schlüpfen dürfen, eine erotische, selbstsichere und begehrenswerte Frau wird sie heute Abend sein. Ihrem langweiligen Alltag als Bibliothekarin entfliehen und sich dem Moment hingeben. Von einer Freundin, die als Maskenbildnerin beim Theater arbeitet und ihr den Platz auf der Gästeliste verschafft hat, hat sie sich eine Perücke ausgeliehen. Der schwarze, scharfe Bobschnitt mit strengem geradem Pony passt perfekt und komplettiert das Bild im Spiegel zur Gänze. Sie sieht älter aus, die 27-jährige, schüchterne Bibliothekarin ist einer streng aussehenden, ultra-scharfen Sexbombe, mit heißen Kurven gewichen für die jetzt die Nacht der Nächte beginnen kann.
„ Oh mein Gott Tessa, du siehst heiß aus! Ich hätte dich fast nicht wiedererkannt!“ kreischt die blonde, große Frau aufgeregt. „ Ja, klasse oder?“ Tessa dreht sich einmal, sodass ihre Freundin sie von allen Seiten betrachten kann. „ Danke nochmal für die Perücke Linda, sie rundet das Outfit wirklich ab!“ Linda selbst trägt ein rotes, langes Seidenkleid, die blonden, lange Haare in einem komplizierten Knoten und ihre weiße, porzellanartige Maske hält sie sich an einem langen Stab vor das Gesicht. „ Wie ich sehe, hast du dich heute für Eleganz entschieden.“ Stellt Tessa nach ausgiebiger Betrachtung der Freundin fest. Die beiden könnten heute Abend unterschiedlicher kaum aussehen, aber auch im wahren Leben ähneln sie sich kaum. Linda führt als Maskenbildnerin des städtischen Theaters ein buntes, ereignisreiches und schnelles Leben. Alles was sie tut ist von Leidenschaft geprägt, sei es in ihrem Job, ihren Freundschaften oder Affären. Tessa dagegen kann davon nur träumen, doch heute war der Zeitpunkt gekommen, an dem diese Träume wahr werden.
„ Weißt du, was dir noch fehlt?“ fragt Linda, als sie sich bei ihrer Freundin einhakt. „ Nein, was denn?“ „ Wenn du jetzt noch eine Reitgerte oder so etwas in der Art hättest, könntest du fast als Domina durchgehen!“ stellt Linda lachend fest, denn der Gedanke, dass die sonst so schüchterne graue Maus Tessa Befehle erteilt, bestraft und dominiert, ist in ihren Augen zu absurd. Tessa errötet leicht, da auch sie sich das kaum vorstellen kann. Auch ihr käme es lächerlich vor, denn dazu fehlt ihr einfach das Selbstbewusstsein, die Ausstrahlung, das Sexappeal. Heimlich erwischt sie sich jedoch dabei, wie ihr dieser Gedanke durchaus gefallen könnte und sie fragt sich, ob die Frau, die sie heute war, dies vielleicht könnte? Tessa selbst, würde sich wenn dann eher in der devoten Rolle sehen, als in der dominierenden. Die wenigen sexuellen Erfahrungen die sie bisher gemacht hat, waren unspektakulär gewesen. Die Männer waren zärtlich und bemühten sich, konnten sie jedoch nicht begeistern. Sie hatte zwar einige Male einen Orgasmus, aber jedes Mal fehlte ihr doch etwas Wichtiges: Leidenschaft!
Das gewisse Etwas, was den großen Unterschied macht. Eine Berührung, die den Körper erzittern lässt, unter der die Haut Feuer fängt, die Lust auf mehr macht. Ein Kuss, der einem den Atem raubt, bei dem man an die Wand gedrückt wird und der doch niemals genug ist. Blicke, die einen verzaubern, die begehren, die ausziehen, ohne dass man berührt wird. Doch solche Dinge geschehen nur in Büchern, in Hollywood Filmen, oder wenn sie passieren, dann auf jeden Fall nicht einer langweiligen Bibliothekarin, sondern Frauen wie Linda. Aber heute Nacht war sie nicht Tessa, die braunhaarige, unscheinbare und zurückhaltende Bibliothekarin, sondern heute konnte sie so eine Frau wie Linda sein. Sich nehmen was sie sieht, es benutzen wie sie will ohne an Morgen zu denken, ohne sich zu schämen, denn Niemand kannte sie oder würde sie in diesem Aufzug erkennen. Ein Hochgefühl, wie sie es noch nie erlebt hat, durchströmt sie, eine freudige Erregung. Heute Nacht, würde sie hoffentlich etwas lang Vermisstest kennenlernen: Leidenschaft!
Das Ambiente des MOIST ist einzigartig und ungewöhnlich für einen Club. Mit seinen schweren Kristallleuchtern, in denen sich das Dimmlicht glitzernd bricht, den vielen goldberahmten Spiegeln an den Wänden und den rot-besamten Sitzecken erinnert es an einen barocken Ballsaal. In Scharen pilgern die Gäste ins Innere, die Schlange draußen ist so lang, dass die Chance ohne Einladung eingelassen zu werden, gleich Null ist. Überall wo man hinguckt sieht man kunstvolle Masken, auffällige Kostüme und Augenpaare die suchen, finden oder auffordern. Die Musik ist berauschend aber nicht zu laut, man steht in kleinen Gruppen und unterhält sich oder wiegt sich in der Mitte der Tanzfläche alleine oder zu zweit zu den hypnotischen Klängen. Eines ist ganz klar, es geht ums Sehen und Gesehen werden, darum Kontakte zu knüpfen und Spaß zu haben. Überall wuseln Bedienungen mit Tabletts voller Getränke durch die Menschen. Es sind junge, hübsche Frauen und Männer mit roten, schlichten Masken. Die Frauen tragen die Haare in einem strengen Zopf, schwarze, kurze Kleider und darüber weiße kleine Schürzen. Die Männer haben den Oberkörper frei, tragen nur eine weiße Fliege um den Hals und schlichte schwarze Hosen. Somit stechen die Bedienungen nicht nur optisch aus der Masse hervor, sie sind auch eine echte Augenweide, egal welchem Geschlecht sie angehören. Mit einem Champagnerglas in der Hand, bahnen sich Tessa und Linda den Weg durch die Menge und Linda steuert zielsicher auf eine kleine Gruppe in einer der Sitzecken zu. Zwei Frauen und zwei Männer sitzen um einen kleinen Tisch versammelt auf dem roten Samt und unterhalten sich a. Die Stimmung ist angelassen und ungezwungen, der Alkohol zeigt schon erste Wirkungen. Als sie Linda erkennen, rutschen sie zusammen um Platz zu machen und begrüßen sie herzlich.
„ Hallo ihr Lieben. Können wir uns zu euch setzen? Darf ich euch meine gute Freundin vorstellen?“ „ Hallo! Ich bin Cloe!“ stellt sich Tessa mit einem süffisantem Lächeln vor. Linda zieht überrascht eine Augenbraue hoch, was die anderen jedoch nicht merken. ‚ Cloe passt zu diesem Outfit! Heute Abend bin ich also Cloe!‘ „ Cloe ist eine alte Schulkameradin von mir. Sie ist gerade zu Besuch.“ Es werden höffliche Worte der Begrüßung ausgesprochen, Linda stellt die Leute der Reihe nach vor. Es sind Arbeitskollegen von ihr: Maskenbildner, Kostumdesigner, Bühnenbauer. „ Cloe, was machen Sie denn beruflich?“ fragt die rothaarige Frau neben Linda. Sie trägt eine prächtige goldene Maske und ein dazu passendes goldenes Kleid, welches ihre flammenden Haare und ihren rosigen Teint unterstreicht. ‚ Das ist die Gelegenheit, deine heutige Rolle weiter zu entwickelt…‘ freut sich Tessa. Sie muss nicht lange überlegen, was sie antworten könnte. „ Ich bin Verhaltenspsychologin und coache vor allem Manager und Abteilungsleiter in den Chefetagen in Menschenführung und Menschenkenntnis. Lebensberatung fällt auch darunter, wird aber in den Regionen gerade weniger genutzt.“ Erklärt sie etwas affektiert und freut sich über die erstaunten und bewundernden Gesichter die sich ihr zeigen. Diese Reaktion hat sie sich erhofft.
„ Das Hört sich ja aufregend an. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Sie scheinen es für Ihr Alter schon weit gebracht zu haben.“ Stellt einer der Herren fest. Durch die Bewunderung der Gruppe ermutigt, erzählt sie von ihrem spannenden Arbeitstagen, den unterschiedlichen Menschen, denen sie dadurch begegnet und den vielen Reisen, die sie schon unternommen hat. Schnell wird sie somit zum Mittelpunkt der Gesprächsrunde und zum ersten Mal in ihrem Leben, genießt sie es. Während sie ein Glas nach dem anderen trinkt, ist sie selber erstaunt darüber wie gebannt ihre Zuhörer an ihren Lippen hängen, wie eloquent, lustig und schlagfertig sie ist. ‚ Naja, nicht ich, sondern Cloe!‘ stellt sie ernüchternd in Gedanken fest. Doch das ist egal, heute Abend ist sie Cloe und sie liebt es! Ihre Wangen sind heiß und wahrscheinlich gerötet und sie spürt, wie auch ihr der Alkohol langsam zu Kopf steigt. „ Puh!“ sagt sie erschöpft und fächelt sich mit der Hand Luft ins Gesicht „ Ich geh mich mal kurz frisch machen, es ist ganz schön heiß hier!“ und mit diesen Worten erhebt sie sich. Auf dem Weg zu den Toiletten bemerkt sie, wie beschwipst sie schon ist. ‚ Ich vergesse immer wieder, dass ich Nichts vertrage. Tessa würde jetzt aufhören zu trinken … gut, dass Cloe es nicht tut!‘ Sie betrachtet sich im Spiegel und ist fasziniert von der Frau, die ihr daraus entgegen blickt. Ihre Wangen sind tatsächlich gerötet, ihre grünen Augen strahlen und vom Lächeln tut ihr schon die Gesichtsmuskulatur weh, aber das stört sie nicht.‚ Ich sehe ziemlich scharf auf, in diesem Aufzug, vielleicht sollte ich so etwas öfter tragen. Für heute Abend habe ich genug rumgesessen, ich sollte endlich anfangen zu tanzen. Dies Prachtteile unter die Leute bringen und ein paar Blicke auf mich ziehen.‘ sie zupft an der Korsage, richtet ihren Busen und wundert sich über ihre Gedanken, aus denen wahrscheinlich der Alkohol spricht. Auf dem Weg zurück zu ihrem Tisch hält sie ihren Kopf erhoben und mustert ihre Umgebung genau. Sie fängt viele Blicke ein, die der Frauen sind ausweichend, arrogant und wenn sie sich nicht täuscht sind auch einige neidische Blicke auf ihr Dekolleté gerichtet. Die Blicke der männlichen Gäste sind jedoch die, welche sie ihr Kinn noch höher recken lassen, ihre Hüften noch weiter schwingen lassen und die ihrer Haut zum Kribbeln bringen. Sie fühlt sich sexy, sie fühlt sich mächtig, sie will tanzen, sie ist berauscht!
Am Tisch angekommen, will sie sich gerade an Linda wenden, um sie zum Tanzen aufzufordern, als sie den Neuankömmling bemerkt. Er sitzt neben der Rothaarigen und fixiert Tessa interessiert mit stahlblauen Augen, hinter seiner weißen Maske. Selbst im Sitzen ist er groß, hat breite Schultern, ein markantes Gesicht mit hohen Wangenknochen und breitem Kiefer. Seine langen dunklen Haare hat er zu einem Zopf zusammengebunden. Er trägt eine blau-rote Gardeuniform mit goldenen Verzierungen und Stehkragen, wie sie ein hochrangiger Offizier vielleicht tragen würde. Tessa verschlägt es die Sprache, so gebannt ist sie vom Anblick dieses schönen Mannes, mit den auffälligsten Augen, die sie jemals gesehen hat. „ Ah, da bist du ja wieder Tes … äh, Cloe! Darf ich dir meinen Freund Phillip vorstellen?“ sagt Linda und weist mit einer Handbewegung in Richtung des Mannes, der sich soeben erhebt und eine leichte Verbeugung andeutet, jedoch ohne auch nur einmal seine Augen von ihren zu lösen. „ Sehr erfreut!“ erwidert er mit sanfter, dunkler Stimme und ergreift mit einer fließenden Bewegung Tessas Hand und führt sie an seinen Mund, ohne sie jedoch mit seinen Lippen zu berühren. Schlagartig durchzuckt eine heiße Welle des Verlangens ihren Körper und es knistert so laut, als stünde der Raum um sie in Flammen. Die Berührung dauert nur wenige Sekunden, reicht jedoch aus, um ihr Herz zum Rasen zu bringen und ihr die Röte ins Gesicht zu treiben. Das heiße und wohlige Gefühl breitet sich in ihrem Körper aus, brennt in ihren Adern und konzentriert sich tief in ihrem Inneren, an dieser besonderen Stelle weit südlich, zwischen ihren Schenkeln, von der sie nie gedacht hätte, dass sie auf so eine flüchtige Berührung reagieren könnte. In diesem Moment war für sie klar: ‚ Ich will diesen Mann, koste es was es wolle!‘
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Kommentare
Prima
Sehr bildlich beschrieben, gut geschrieben.
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super
super anfang,bin auf ne fortsetzung gespannt
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Chloe
oder Tessa. Du hast sehr schön beschrieben, wie sich Tessa in Chloe verwandelt und sich gleich anders verhält. Ich bin mal gespannt, wie lange Chloe bleibt, wenn sie herausgefordert ist. Ich freue mich auf mehr und fühle mich gleich von Philip angezogen.
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Schön
Ich finde den anfang der Geschichte sehr schön, ich hoffe es geht noch viel weiter.
Liebe Grüße
Larissa
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