Aus einem der Mäntel am Garderobenständer klingelt ein Handy. Das in der Lautstärke ansteigende Gebimmel nervt so penetrant, dass meine beiden Kolleginnen, die seit einer knappen halben Stunde ihre privaten Erlebnisse des vergangenen Abends auswerten, ihr Gespräch unterbrechen. Mandy wirft dem Mantelwald am Garderobenständer einen Blick zu, der ohne weiteres ein Leben auslöschen könnte. Sandra rückt ihre schwarzen Lederstiefel unter dem Schreibtisch zurecht, als ob sie sich darauf vorbereiten würde, das störende Teil mit ihren Absätzen platt zu machen. Niemand im Raum fühlt sich berufen, dem schrillen Gedudel ein Ende zu setzen. Jetzt erst raffe ich, dass es mein Handy ist, das sich die Seele aus dem Gehäuse läutet. Schuldbewusst haste ich zu meinem Mantel und durchwühle die Taschen. Im Augenwinkel nehme ich wahr, dass Mandy und Sandra mich anfunkeln, als würden sie mich für die Störung am liebsten nackt an einen Pfahl binden und so lange auspeitschen, bis ich mir wünsche, nie im Leben ein Handy besessen zu haben.
Endlich: in der letzten Tasche, die meine zittrigen Hände abtasten, erfühle ich den dämlichen, vibrierenden Kasten. Kurzer Blick auf das Display: Isabell. »Ja?«, frage ich verstört und versuche meinen Unmut darüber zu verbergen, dass sie mich während der Arbeit anruft.
»Adrian? Kannst du reden?«, fragt sie. Ihre Stimme hat einen außergewöhnlichen Unterton.
»Ähm …« Mit einem nervösen Seitenblick auf Mandy, die sich bereits wieder ihrer Kollegin zugewendet hat, suche ich nach einem Platz an dem ich ungestört telefonieren kann.
»Reicht auch wenn du zuhörst!«, stellt Isabell klar.
»Was denn?«, frage ich interessiert.
»Wann bist du heute zu Hause?« erwidert sie, ohne meine Frage zu beantworten.
»Na wie immer …«, antworte ich, während ich meine Umgebung mustere.
»Ich will, dass du in einer halben Stunde hier bist!« Der verrucht-dominate Unterton in ihrer Stimme, versetzt mein Hirn in Alarmbereitschaft. Sicherheitshalber überschwemmt es meinen Körper mit Adrenalin und pumpt meinen Schwanz in Bereitschaftsstellung, sodass er gegen den Stoff meiner Jeans gequetscht wird. In einer halben Stunde? Völlig ausgeschlossen, dann müsste ich jetzt sofort los.
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