Von morgens bis abends verschwendet der Tag sein Licht im Überfluss. Würden ihm nicht ab und an die Zunft der Wolken Einhalt gebieten, würde alles immer im schönsten Sonnenlicht erstrahlen, alle Farben leuchten. Unglücklich würde sich Schwarz mehr und mehr zurückziehen, bis es vor Gram vergeht.
Doch die Nacht richtet es mit ihrer Bescheidenheit – zumindest zum Teil. Schwarz, grau, alles Dunkle – ein jedes bekommt seine Chance und darf zeigen, wie schön es ist. Den Augen gönnt die Nacht Schonung vom Blendenden des Tages. Vielerorts kehrt nachts die Ruhe ein, die notwendig ist, den ach so schönen Tag zu überstehen.
Und doch ist es die Nacht, der das Böse zugeordnet wird. Alles Ungemach wird immer mit dem Dunklen verbunden. Und ohne jede Gegenfrage glauben wir es, sind fest davon überzeugt.
Aber ist es nicht der lichte Tag, der uns kaum Zeit lässt, die geliebten Sünden zu begehen? Wünschen wir uns in den lüsternen Momenten nicht die Nacht, sperren den Tag gar aus. Mit allerlei technischen Finessen versuchen wir, das Helle an unseren Fenstern aufzuhalten. Bei der körperlichen Liebe ist uns dunkel lieber. Genau so viel Licht, dass wir sehen – aber nicht gesehen werden.
Sex ist uns schwarz lieber und ist dunkel am schönsten. Auch wenn irgendeine Kirche es Sünde nennt. Ist es das, worauf wir in Verbindung mit der Nacht warten. Die Kindlein tief im Schlaf, die Lust heiß in unseren Körpern. Warum müssen wir nur, Viel der lieben Nacht mit Schlaf vergeuden. Gibt es doch so viel, das wir lieber tun.
Ach würde doch der Tag die Erfindung der Moral nur für sich behalten. Noch viel mehr, sehr viel mehr, würden wir die Nacht lieben. Eindeutig wäre sie der Sieger in dem Wettbewerb, wäre uns die liebste Zeit.
Also schuldet die Nacht dem Tag nichts! Wiederum hat der Tag schuld bei der Nacht, für deren schlechten Ruf. Falsch lässt der Tag seinen Gegenspieler fast ohne Licht dastehen, die Nacht bedrohlich und düster erscheinen.
Arme, verkannte, schöne Nacht.
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Die Grimm'igen ...