„Hast Du das nun verstanden?“ Seine Stimme reitet die Welle der Reizbarkeit.
„Inhaltlich oder akustisch?“ frage ich leichthin. Am Tisch links von uns spitzt sich ein Ohrenpaar.
„Ja, ja, für dich gerinnt alles zum Spaß“, gibt er zurück und ein Stück Boden preis.
„Mein Gott, man kann über alles lachen - vor allem über Dich.“
Die Frau, die neben dem Mann mit den gespitzten Ohren sitzt, dreht sich im Stuhl um 90 Grad, sieht mir ins Gesicht, taxiert dann Christoph und stimmt meiner Bewertung nickend zu.
„Eines Tages wird dir das Lachen im Hals stecken bleiben“, kommt er angezornt nach vorn.
„Und dann? Drückst du es mit deinem Piefke abwärts und rettest mich vor dem Ersticken?“
„Nenn ihn nicht Piefke! Ich hasse das, und das weißt du ganz genau!“
Nun dreht sich der ohrengespitzte Mann nach uns um. Ich gebe ihm eine Drei auf der internationalen, nach oben offenen Lämmchen-Skala.
„Würdest du mich denn nun retten oder ertrinkst du zuvor schon in deiner Betroffenheit?“
Christophs Augen fahren die Krallen aus und schlagen in meine Richtung. Seine Haltung ist der eines aufrecht sitzenden Löwen mit hochgehaltenen Pranken und gespannter Aufmerksamkeit Richtung Dompteur sehr ähnlich.
„Dich zu retten, bedeutet, der Welt die sieben Plagen zurückzugeben“, wirft er in die Manege und fühlt sich besser.
„Dann hättest du der Welt wenigstens etwas gegeben“, schlenze ich ihm den Brocken zurück.
„Schatz, wir sollten zahlen“, sagt das Dreier-Lämmchen zum Frauchen.
„Wieso denn? Die Vorführung am Nebentisch ist sicher noch nicht vorbei - oder?“ fragt sie und schaut Christoph aufmunternd an. Einen kurzen Moment ist er perplex, retourniert dann aber: „Darf ich Ihnen noch einen Kaffee dazu servieren?“
„Ach – Sie arbeiten hier?“
Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Das hätte ich dem Kuchen-Frauchen nicht zugetraut.
„Nein, angegraute ältere Mädchen zu bedienen, gehört nicht zu meinem Broterwerb“, spritzt Christoph in hohem Bogen in ihren Schoß.
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Frau Rosebud